1978 Musigny Vielles Vignes, Comte Georges de Vogüé – Burgund (Top of the Pops)

94 Punkte Immer noch sehr fest und mit ordentlichem Speck auf den Rippen präsentiert sich der Musigny Vielles Vignes vom Comte Georges de Vogüé, übrigens eines derjenigen Häuser, das Parzellen von Bernard Grivilet übernommen haben soll (wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht täuscht). In der Aromatik seinem Vorgänger nicht unähnlich, aber noch deutlich fester und straffer. Auffallend schön, auch hier eine feine Süße, die diesen hervorragenden Burgunder ebenfalls auszeichnet. Die ausgeprägte Eleganz des Chambolle Musignys von Grivilet kann das „Flaggschiff“ des Comte Georges de Vogüé aktuell noch nicht (!!)ganz bieten, aber das Potential in ein paar Jahren mit dann gleichem Erfolg zu reüssieren ist vorhanden.

Burgundmarathon 1.Tag / 4.flight


1952 Nuits St. Georges, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 3,1cm)

 

88 Punkte – Die letzte wichtige Gemeinde der Côte de Nuits ist Nuits-Saint-Georges. Man nennt das Dorf auch die „Niere von Burgund“ – weil hier das Burgund hier einen leichten Knick macht, aber auch (so wird kolpotiert) weil hier so viel Wein durchfließt, denn seit jeher haben viele Firmen hier ihren Sitz. Das Etikett unseres 52er aus dem großen Hause Louis Latour zeugt von einem „einfachen“ Dorflagenwein, doch trotzdem stellt sich bei mir ein erfreulicher Trinkgenuss ein. In der Nase wirkt er recht kühl; mit Anklängen von Kräutertee, Melisse und einem zarten Hauch von Pfefferminz. Am Gaumen ist er ansprechend füllig, ebenfalls mit einer erkennbaren Kräuternoten; insgesamt für sein Alter noch recht straff. Auch die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung schadet ihm nicht, er bleibt auf seinem Niveau, wirkt sogar noch etwas frischer.

 

1952 Chambolle Musigny, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 4,6cm)

 

80 Punkte – Was für ein Unterschied zu seinem Vorgänger. Gleicher Jahrgang, gleiches Handelshaus, anderer Teil von Burgund – aber ebenfalls Dorflage. Die Nase wird von einer stark alkoholischen Note dominiert. Darauf folgen Eindrücke von Maggikraut, Sherry und andere, beim Wein nicht gerade gesuchte Aromen. Am Gaumen erstaunlich weich, aber leider auch mit wenig Charakter und Ausdruck, eine leicht ranzige Butternote zieht sich durch. Die angenehme Süße, die besonders im Abgang deutlich wird, vermag es auch nicht mehr rauszureißen. Bei der Rückverkostung geht der Inhalt meines Glases recht schnell direkt in den Spuckbecher (75 Punkte).

 

 

1952 Grand Echezeaux, Domaine de la Romanée-Conti (Füllstand 7,0cm)

 

95 Punkte – Schon öfter habe ich die Erfahrung gemacht, dass Flaschen mit einem schlechten Füllstand nicht zwangsläufig schlechten Wein beinhalten müssen. Trotzdem schraubte ich meine Erwartungen sehr weit runter, als Michael Schmidt diese Flasche mit den Worten ankündigte: „Jetzt kommt ein besonderer Wein, jedoch ist der Füllstand schlecht, es fehlen ca. 7cm in der Flasche“. Doch schon in der Nase zeigt sich die besondere Klasse dieses Weines – Tiefe, kühle Aromatik, sehr klar und super-sauber, mit deutlich ätherischen Anklängen; ein echter Nasenbär, man möchte gar nicht aufhören in dieses Glas hineinzuschnüffeln, so tief und berauschend sind die Eindrücke. Am Gaumen ebenfalls ein herrliches und finessenreiches Spiel, jedoch ohne dass der Wein besonders körperreich wirkt. Überraschend waren für mich auch die (Frucht-)Aromen, die ich eher einem Weißwein zuordnen würde: Weinbergspfirsich, Mirabellen, Orangenzesten, Lakritz und viele mehr. Auch dieser Wein hatte bei der Rückverkostung nochmals deutlich  Luft bekommen und in der Nase war schlicht perfekt (!!); am Gaumen jedoch hatte er ein wenig abgebaut (94 Punkte).

1959 Nuits-St. Georges, Masson-Dubois (Abfüllung von Hubert Kehren, Saarbrücken) – Burgund / „Ma(n)ifest Nr.7“

 

92 Punkte – 1959 war im Burgund ein Jahrhundertjahrgang und wohl auch der Grund, warum dieser Wein noch so sensationell im Glas stand. Trotz intensiver Recherche konnte ich weder zum Erzeuger noch zum Abfüller in Saarbrücken befriedigende Informationen sammeln.

Zu Beginn in der Nase Aromen von verbrannten Gummireifen – dahinter florale Aromen, etwas Kaffee und eine erstaunliche Himbeerfrucht am Gaumen. Der Wein besitzt noch eine ausgezeichnete Struktur – mit einer schönen inneren Spannung sowie einer herrlichen, mürben Süße. Ein Wein für Genießer.

1999 Chateau Griffe de Cap d’Or – Saint Georges Saint Emilion

89 Punkte – Dieser Wein stammt aus einem Jahrgang, in dem ich zum zweiten Mal  Bordeaux subskribiert habe. Entsprechend habe ich diesen Wein  über die Jahre meines Besitzes schon einige Male verkostet und mit scheint, dass er jetzt auf seinem Höhepunkt angekommen ist:

Der 99er Griffe de Cap d’Or  hat sich wunderbar harmonisiert, in der Nase verströmt er Düfte von Kaffee/Mokka, reifen Kirschen und Pflaumen. Am Gaumen zeigt er sich saftig und mit weichem Mundgefühl; mit jetzt runden, weichen Tanninen gleitet er über den Gaumen, schöne Viskosität; seidig. Die Frucht tendiert zu dunklen, schwarzen Kirschen und feinen Röstaromen, Kaffee; aber auch eine zarte, schöne Würze kommt zum Vorschein. Mittlerer Körper, gute Länge. Ein schöner, typischer  Merlot, den man ohne großes Aufhebens an vielen schönen Abenden trinken möchte.


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2003 Georges Duboeuf – Clos De Quatre Vents / Fleurie / Beaujolais

89 Punkte – Was für eine Freude ist dieser Wein nach einer langen gestressten Woche – in der Nase rote Beeren, etwas laktische Töne, am besten aus dem Burgunderglas von Denk’Art (Pfarrer Denk hat eine so wunderschöne Glassserie entworfen, da muss sich Riedel mit seiner Sommerlierserie warm anziehen, die Gläser sind filigraner und der Wein kann sich imho noch besser entfalten). Am Gaumen dann eine wahre Explosion von verspielter Frucht und gewisser  Eleganz:

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