1989 Meringer Zellerberg Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / „Ma(n)ifest Nr.2“

Hier zeigt sich der Unterschied der Lage, vom gleichen Winzer und aus gleichem Jahrgang, aber nicht von gleicher Güte wie die Auslese aus der Trittenheimer Apotheke. Gelbe Früchte, aber etwas undifferenziert.

84 Punkte 

1989 Trittenheimer Apotheke Goldkapsel Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / „Ma(n)ifest Nr.1“

 

88 Punkte – Diese oberleckere Auslese Goldkapsel aus einer richtig berühmten und wunderschönen Lage (einen Besuch von Trittenheim und der Moselschleife kann ich jedem Naturliebhaber und Genussmenschen nur empfehlen) gehört in die Kategorie Einstiegsdroge. Sollte es wirklich noch jemand da draußen geben, der für kleines Geld (€12,- im Restaurant Schorn käuflich zu erwerben) mal wissen möchte, wie ein klassischer Moselriesling reift, der sollte hier zugreifen. Und wer sich etwas mehr Mühe machen möchte geht selbst auf die Pirsch nach solchen Goldschätzen, denn es gibt immer noch eine Vielzahl kleiner Winzerbetriebe, die in keinem Weinführer gelistet sind, die eine Vielzahl von Flaschen aus sehr guten Jahren im Keller liegen haben, die es zu entdecken gilt. Hinfahren, Probieren und die schönsten Wein mit nach Hause nehmen.

 

Diese Goldkapsel war im besten Sinne „trinkig“, ganz zarter Petrolton, Citrusaromen, gelbe Früchte, ein bisschen exotische Frucht, schönes Säure-Süße-Spiel, straff und immer noch herrlich frisch; dabei recht differenziert und klar in der Aromatik.

 

1997 Riesling „Singerriedel“ Smaragd, Franz Hirtzberger – Wachau

 

95 Punkte – Der Singerriedel war da schon ein ganz anderer Schnack. Ausdrucksvoll, ausladende und animierende Frucht; gelbe Früchte, Apfelnoten, rauchig und schon in der Nase ist die hohe Frische erkennbar, die diesen 12 Jahre alten Weißwein auszeichnet. Am Gaumen zeigt er ein Feuerwerk von Aromen (z.B. Orangen, Cassis, Zitronenmelisse), das Säurespiel ist perfekt und die deutliche Mineralik verleiht ihm viel Komplexität und einen Trinkfluss, sodass es wirklich schwer fällt das einmal gefüllte Glas wieder abzustellen.

 

Ähnlich wie der 2002er scheint auch dieser Wein ein Spiegelbild seines Jahrgangs zu sein, denn die Frische und das geniale Säurespiel sind wohl auf die kräftigen Temperaturschwankungen bis tief in den Herbst zurückzuführen. Bei der Vinea Wachau, der im Jahr 1983 gegründeten Qualitätsvereinigung der Wachauer Winzer beschreibt man den Jahrgang wie folgt: „Eher später Austrieb. Ein schöner Mai holt wieder viel auf. Rebblüte ca. 10. bis 20. Juni. Auf einen kühleren Juli mit guter Wasserversorgung folgt ein warmer August und ein traumhafter September. Gesundes Traubenmaterial und die großen Temperaturunterschiede im Herbst geben den Weinen des Jahrgangs 1997 seinen unverwechselbaren Charakter.“

1992 Grüner Veltliner „Rotes Tor“ Smaragd, Franz Hirtzberger – Wachau

 

86 Punkte – Diese Magnum hatte ich vor ca. 2 Jahren bei einer Auktion eines renommierten Auktionshauses erstanden und eigentlich war 1992 ein vom Witterungsverlauf sehr gutes Weinjahr in der Wachau (Einem späten Austrieb der Reben folgte ein Frühling, der mit einem Vegetationsvorsprung und einer recht frühen  Rebblüte vom 5. – 15. Juni abschloss. Ein sehr heißer und trockener Sommer bedingte einen frühen Lesebeginn mit sehr reifen Trauben). Aber nicht nur die Wetterdaten stimmten mich positiv für diesen Wein, denn vor einiger Zeit hatte ich bei Freunden in Frankfurt den gleichen Wein aus gleichem Jahr als Federspiel getrunken und war positiv überrascht, wie lebendig und frisch er noch im Glas stand.

 

Aber bei diesem Smaragd wollte sich die „Handbremse“ nicht lösen. In der Nase Eindrücke von mürben Äpfeln und gedecktem Apfelkuchen. Am Gaumen zwar immer noch mit Kraft, doch scheint er diese aus dem Alkohol zu ziehen, denn dieser steht leider etwas im Vordergrund. Vom Mundgefühl ein deutlich trockener Wein, der wenig Frucht erkennen lässt, aber auf der „Haben“-Seite eine kräftige Mineralität für sich verbuchen darf. Auch von der Säure ist er mir weich und verwaschen. Insgesamt leider nur ein durchschnittlicher Eindruck und ich glaube auch nicht, dass der Wein nochmals in eine bessere Phase kommt.

 

Sofern nicht eine falsche Lagerung für die Schwäche verantwortlich ist, kann ich es mir nur so erklären, dass die Federspiele noch rechtzeitig gelesen wurden und man bei den Smaragd-Weinen auf Grund der späten Lese Probleme mit den Säurewerten in den Trauben bekommen hat. Die allgemeine Jahrgangsbeschreibung der Vinea Wachau scheint diese These zu bestätigen, dort schreibt man über den 1992er: „Der Jahrgang bringt vollmundige, geschmeidige Weine, denen in der Jugend etwas die Säurepikanz fehlt.“ Da der Wein im Alter nicht an Säure zulegen kann, fehlt sie ihm wohl auch im Alter 😉

Weinprobe Riesling Deutschland vs. Österreich – Trinkgenuss, Wucht und Finesse……Kork und andere Fehler

Ein feucht-fröhlicher Weinabend mit altbekannten Weinfreunden aus Hamburg, einem Berliner Wein-Plusler der ersten Stunde und einem überaus netten und kompetenten Neuzugang aus der „Berliner Küche“ nahm in Hamburg seinen Lauf….

 

Wegen entstellender (Kork)-Fehler leider unverkostet das zeitliche gesegnet:

 

1999 Knoll, Ried Schütt – Riesling Smaragd, Wachau

1988 Karthäuserhof, Kathäuserhofberg Riesling Spätlese Versteigerungswein

1986 Ducru-Beaucaillou

Die Weine nachfolgend als Einzeleintrag:

2000 Franz Hirtzberger, Riesling Singerriedel / Wachau

90 Punkte – Richtig tolle Bewertungen in der Fachpresse (94RP; Falstaff 95-97; WW 19) für diesen Riesling vom Altmeister Hirtzberger lassen mich etwas ratlos zurück und einmal mehr zweifele ich an der ganzen Verkostungs“spielerei“ durch die „Profis“, denn meist sind es nur kurze Momentaufnahmen, die viel zu selten noch einmal verifiziert werden und doch den Wein abschließend beurteilen sollen. Zum Wein:

 

Beginnende Sekundäraromatik, Salbei, etwas medizinale Noten mischen sich unter die kräuterwürzige Nase; am Gaumen immer noch straff gewirkt, gute Saftigkeit, animiert zum Kauen. Wenn man lang genug auf den Wein beißt, kommen in der Tat Nuancen heraus, die beim einfachen Trinken verborgen bleiben. Schöne, saftige Länge, die leider etwas bitter endet. Ist dieser Wein in einer schwierigen Phase? Bleibt der 2000er Singerriedel auf diesem nicht wirklich harmonischen Niveau stehen; bleibt die jetzt etwas keck herausragende Säure langfristig außen vor? Fragen über Fragen – da hilft nur nochmaliges verkosten  ;-))

1999 Franz Künstler – Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken – Rheingau

97 Punkte – Liebe Leute, was für ein Stoff in was für einer Verfassung. Mein besonderer Dank gilt meinem lieben Freund Bernd Fussy, der mich mit diesem Stoff mitten in der Woche überrascht hat.

Tiefes, frisches Gelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase Aprikose und Quittengelee, daneben ein Hauch Exotik von Physalis und Ananas; feine, kräuterwürzige (mineralische) Noten, ein Hauch von Feuerstein – dabei sehr konzentriert und auf den Punkt gebracht. Die "Wucht in Tüten" am Gaumen, ein perfekter Riesling, der alles bietet. Druck, Kraft, dabei hochgradig elegant und einladend, sodass die Hand immer wieder zum Glas geht. Deutlich spürbare Mineralik und scheinbar erkennbare Tannine, im Abgang Wachauanklänge (wie ein Schütt 99 von Knoll). Die Hand geht permanent zu Glas, mehr, mehr, mehr. Die Frucht darf nicht unterschlagen werden. Grosses Kino !!!!