2004 Pinot Grigio Sialis, Agricola Franco Terpin – Venezien (Ski4)

80 Punkte – Die Farbe ist äußerst ungewöhnlich, nicht rosé, sondern eher ein sehr blasses orange mit Nuancen zu rosé und ocker. In der Nase ist der Wein zunächst recht verhalten, mit zunehmender Luftzufuhr wird sie jedoch ausgeprägter. Ich kann mich des Gefühls nicht erwähren, dass ich hier eigentlich nicht wirklich Wein vor mir habe, sondern eher ein weinhaltiges Softgetränk – so weich, rund und gemacht kommt mir der Wein vor. Von der Aromatik erinnert er mich ein wenig an roten (Malven-) Tee; ein Hauch von Tannin ist spürbar, von der Säure her wirkt er eher weich und reduziert.

 

Ein besonderes Phänomen konnten wir feststellen, als bereits ca. 2/3 der Flasche getrunken war und der Wein erneut in die leeren Gläser nachschenkt wurde. Das bislang in der Flasche verbliebene 1/3 des Weines war einerseits deutlich dunkler und trüber, andererseits auch im Aroma deutlich intensiver und so fanden wir auch noch Aromen (Walderdbeeren und gelbe Melone), die bis dato im Wein nicht auszumachen waren. Der Grund hierfür dürfte in den Trübteilen liegen, die dieser ungefilterte Wein während der Maischestandzeit mitbekommen hat. Diese für Weißwein völlig ungewöhnliche Methode, den Most während der Vergärung nicht von den Schalen zu trennen, dürfte dafür ebenso verantwortlich sein, wie für die ungewöhnliche Farbe. Zwar gehört der graue Burgunder zu den Rebsorten, die bei der Traubenreifung die Farbe wechseln und rote Farbpigmente (chemisch nicht identisch mit denen der roten Rebsorten) ausbilden, jedoch regelmäßig ohne Einfluß auf den Wein, da es keine Maischestandzeiten gibt, in denen die Farbpigmente in den Wein ünergehen können.  Auch wenn eine Maischestandzeit bei Winzern, die versuchen alte Ausbaumethoden wieder zu beleben, auch bei Weißweinen Anwendung findet (vgl. Gravner in Italien oder P.J. Kühn im Rheingau), so muss man jedoch bei diesem Erzeuger feststellen, dass solche Experimente nicht immer von Erfolg gekrönt ist.