2008 Vrucara, Feudo Montoni – Sizilien

92 Punkte – Vinea-Weinhandel schreibt zu diesem Wein: „Aus seinem sizilianischen Weingut zwischen grünen Hügeln und Weizenfeldern hütet Feudo Montoni das Geheimrezept des Original Nero d’Avola, der sonst nirgendwo auf der Insel zu finden ist. Das gelingt ihm, weil seine Weine zurückgehen auf einen ganz besonderen Klon ohne genetische Mutation seit seiner ersten Zucht im Jahr 1469. Deshalb gibt es ihn noch heute: Einen Wein, der besticht durch seine perfekte Ausgewogenheit von fruchtigen und würzigen Aromen. Sein tiefes, rubinrotes bis violettes Kleid verspricht noch mehr Geheimnisse…“

Da mag hier und da ein wenig Werbung mitschwingen, eines ist jedoch sicher. Dieses Weingut schaut auf eine über 600-jährige Geschichte zurück – und, in der Tat die Klone sind besonders, sie verdienen den Begriff „autochton“. Der heutige Besitzer dieses historischen Weingutes, Fabio Sirenci, ist dagegen „erst“ Weingutsbesitzer in der dritten Generation. Die 73ha Weinberge, die er sein Eigen nennt, befinden sich im Herz von Sizilien, in der Umgebung der Contrada Monti Vecchio (Provinz Cammarata). Die Reberziehung dieser über 50-jährigen Weinstöcke erfolgt ebenso traditionell wie der Ausbau seines Weins modern ist. Die traditionelle Buscherziehung, „Alberello“, scheint genauso ein Schlüssel zum Erfolg dieses Weines wie der moderne Ausbau in französichen barriques. Die Vergärung der Nero D’Avola Trauben erfolgt spontan in offenen Holzbottichen. Der fertige Wein kommt dann anch dem Holzausbau ungeklärt und ungefiltert auf die Flasche.

Der Leiter der Sommeliersvereinigung auf Sizilien betreibt einen kleinen Weinhandel in Acireale. Anlässlich meines letztjährigen Urlaubs dort, habe ich mir dort ein Weinpaket für den Versand nach Deutschland zusammenstellen lassen und dieser Nero d’Avola wurde mir besonders ans Herz gelegt. Heute dann getrunken ist er schlicht der Beste Nero d’Avola, denn ich bislang im Glas hatte.

Diese Selection alter Nero d’Avola Reben  mit dem Namen „VRUCARA“ hat viel Kraft und Charakter. Nicht zu warm getrunken (18° Celsius) ist der Wein in der Nase ideal – ein Potpourri von Pflaumenkonfitüre, Goudron bis hin zu Noten von einem sehr guten Balsamicoessig und Gewürzen. Am Gaumen urwüchsig, kantig  und doch ansprechend harmonisch zugleich. Im ersten Moment – wow – Bitternoten, würziger Tabak, wirklich dunkle Früchte; schwarze Kischen, schwarze Oliven, herrlich komplex, aber auch unglaublich maskulin. Vielleicht hat dieser Nero d’Avola durch seinen barrique-Ausbau eine dunkle Seite der Macht!??  Die sonst so häufige gefällige, fette Fruchtsüße eines „Alltags-Nero“ fehlt ihm ganz – und das ist gut so!!!  Er spielt lieber den harten Kerl in einer mittelweichen Schale. Lang, soooooo lang ist der Wein, ein Stoff zum Ablutschen, ein Wein, den ich trinken möchte, wenn ich wilde Sachen gemacht habe. Dieser Wein ist ein Stück der Urwüchsigkeit von Sizilien, die man als rauh und schwarz – wie den Etna – bezeichen kann, aber mit einem großen Herz, das viel, viel Platz für Leidenschaft und Amore bereit hält. Fazit: Geiler Stoff für Nicht-Weicheier mit Hang zur Klasse.