1998 Riesling Rosacker Grand Cru, Mallo et Fils – Elsass

90 Punkte – Ein gelungener Start in den Abend! Mein Mitverkoster und ich stocherten erst mal gewaltig im Nebel, um anschließend ein paar gewaltige Luftlöcher zu schießen, denn mehr als die Eigenschaft „aus deutschsprachigem Raum“ und „Riesling“, wobei ich der zweiten Aussage heftig widersprach, haben wir nicht „erraten“. Selbst ein Anruf bei der 11880 – „Da wird Ihnen geholfen“ brachte kein brauchbares Ergebnis.

 

Dieser Riesling wirkt dicht und konzentriert, riecht nach (mehligen) gelben Früchten, Steinfrüchten und wirkt am Gaumen sehr cremig. Dem etwas fülligen Eindruck steht aber eine angenehme Mineralik entgegen, sodass der Wein nicht barock wirkt. Hinten heraus hat er eine leichte Bitternote sowie eine deutlich erkennbare Aromatik von weißem Pfeffer. Dieser Eindruck, gepaart mit den mineralischen Akzenten, war wohl auch der Grund, warum ich mir Grüner Veltliner  und Österreich notiert hatte.

 

Aber da half alle Trinkerfahrung nichts, ich lag mit meiner Einordnung komplett daneben. Was hilft da nur: noch mehr Trinkerfahrung sammeln, kombiniert mit der nötigen Recherche. Also versuchte ich über diese große Lage im Elsass Informationen zu sammeln und so stieß auf der homepage der Domaine Francois Schwach auf folgenden Text:

 

Der Rosacker verdankt seinen Namen den wilden Rosenhecken, die früher die Weinberge umrandeten. Zwischen Hunawihr und Ribeauvillé gelegen, wurde er schon im Jahre 1483 erwähnt. Einen jungen Rosacker erkennen Sie an seinem leichten, etwas pfeffrigen Aroma. Dank seines kalkhaltigen Bodens gewinnt dieser Riesling bei längerer Lagerung noch an mineralischem Aroma.“

 

Eine vielleicht interessante Info noch am Rande: Für den berühmten Riesling „Clos Sainte Hune” nutzt die Domaine Trimbach nur den Namen der kleinen, 1,3 Hektar großen Parzelle; der Name der Grand Cru Lage „Rosacker“, wovon Saint Hune ein Teil ist, wird nicht angeführt.

2004 Clos de la Roilette, Coudert Père et Fils – Beaujolais

Als Arbeitnehmer im banknahen Bereich wird man dieser Tage demütig und greift zu "bescheidenen" Flaschen im Keller, denn wer weiss, ob man nicht die großen Bordeaux Grand Crus eines Tages als Tauschwährung gegen eine Portion Brot, Wurst und Käse benötigt. Trotzdem muss der Genuss nicht zu kurz kommen, wie die nachfolgende, vor Ort,  für Euro 6,50 gekaufte Flasche zeigt.

87 Punkte – Einst zum Preis eines Supermarktweines (Euro 6,50)in Fleurie gekauft und jetzt mit großem Genuss zu Brot, Wurst und Käse getrunken. Beaujolais aus einer der Cru-Lagen hat mit dem bei uns bekannten Beaujolais-Primeur fast nichts gemeinsam, allenfalls die gemeinsame Rebsorte Gamay.

 

Dieser Fleurie stammt von Lagen, die bis in die 20er Jahre noch zur Nachbarlage  Moulin-à-Vent gehörte, dann aber mit Schaffung der Appelation Fleurie der neuen Cru-Lage zugesprochen wurde. Der damalige Besitzer war über diese Umwidmung so erbost, dass er seine Weine nicht mehr in Frankreich verkaufte und nur unter dem Etikett – benannt nach einem damals berühmten Rennpferd (das heute noch das Etikett ziert) nach Deutschland, der Schweiz und England verkaufte. Irgendwann hat auch dies den Besitzer nicht mehr inspiriert und die Rebflächen lagen fortan brach. Mitte der 60er Jahre hat Fernand Coudert das kleine Weingut gekauft und mit neuen Reben bestockt. Von nun an stieg die Qualität wieder und es wurde ein Fleurie geschaffen, der mit seiner Tiefe und seinen Tanninen bis heute eher an einen Moulin-à-Vent erinnert als an die blumigen und filigranen Fleurie-Weine. Inzwischen (1984) hat der Sohn von Fernand, Alain das Ruder übernommen und die Weine sind Jahr für Jahr ein Prototyp eines durchaus ambitionierten Beaujolais-Weines.

Wenngleich 2004 eher ein mittelmäßiger Jahrgang war, ist der Clos de la Roilette jetzt schön zu trinken. Die Nase duftet nach kleinen Walderdbeeren, Hagebutte und etwas Wacholder. Am Gaumen ein Mittelgewicht, mit recht schöner Struktur und durchaus kräftigen Tanninen. Die Frucht ist rotbeerig (Erbeeren und Kirschen), durchzogen mit einer feinen Graphitnote (der Boden hat relativ hohe Mangananteile) sowie Anklängen an Leder und Moos;  schöner Saft. Jetzt wunderbar zu trinken; hält sich sicherlich auf diesem Niveau die nächsten 1,2 Jahre.

Darüber hinaus wird eine Cuvée Tardive gefüllt, die noch mehr Lagerpotential und Substanz besitzt und die ersten 1,2 Jahre nach der Füllung besser im Keller verschwindet. Die beiden nachfolgenden Jahre 2005 (großer Beaujolais-Jahrgang) und 2006 sind noch besser.