2009 Pinot Noir Muschelkalk, Enderle & Moll – Baden

(Die Herren Enderle & Moll mit Korbpresse, Photoquelle:www.der-weinmakler.de)

89 Punkte – Eigentlich ist das Folgende die Beschreibung eines Phantoms, denn ausser ab Weingut, und 2,3 Händlern (u.a. www.weinmakler.de und Extraprima in Mannheim) kenne ich keine Quelle, bei der man eine Chance hat,  eine der ca. 450 Flaschen dieses Weines zu beziehen. Umso mehr haben mich die Elogen in einschlägigen Medien wie Weinwisser, Captain Kork oder gar dem Wall Street Journal, neugierig gemacht.

Von der Neugier getrieben, habe ich mir  die sehr textliche Internetseite http://www.enderle-moll.de angeschaut und die bisher erschienenen Artikel über die beiden Herren Enderle & Moll aufmerksam gelesen. Man  bekommt sehr schnell einen Eindruck dieser beiden „Weinverrückten“ –  und das ist durchaus positiv zu verstehen! Kein „Weinmachen“ oder das Streben und Trimmen des Weins (weder im  Wingert und schon gar nicht im Weinkeller) nach einem bestimmten Geschmacksprofil stehen im Vordergrund, nein! –  hier pflegt man das „Weinwerden“. Gesunde, natürliche Weinberge und das Nullstreben bei der Kellertechnik sind der Ausgangspunkt der Weine von  Sven Enderle und Florian Moll. Seit 2007 bringen die beiden ihre Idee von Wein auf die Flasche.

Der Wein vor mir im Glas ist einer von zwei Weinen, die die Qualiättsspitze des Weingutes darstellen. Der 45ar große Wingert des PN Muchelkalk befindert sich etwas südlich von Münchweier und die Reben wurden Anfang der 50-iger gesetzt und gehören heute zu den Ältesten, noch erhaltenen Rebstücken des Landkreises gehört.  Namensgebed für den Wein ist der Untergrund an dieser Stelle – Muschelkalk eben. Auf dem Rückenetikett ist zu lesen „Der Most bzw. der Wein wurde weder geschönt, noch gefiltert oder gepumpt und lagerte anschließend für 15 Monate in gebrauchten Barriques.“

Die Nase ist deutlich dominiert von einem frischen, sehr klaren Cassisbouquet, erinnert mich bei jedem Schluck an die dunklen Campino-Bonbons aus meiner Kindheit – gibt es heute auch noch! Die Nase ist aktuell deutlich durch die Cassifrucht dominiert, dahinter stehen rote Beeren, Erdbeeren, Kirschen sowie dezent erdige Aromen. Am Gaumen herrlich leichtes Mundgefühl, schwebend fast, mit frischer Säure und feinen Tanninen. Wieder sehr ausfrucksvolle und etwas einseitige Frucht nach Cassis. Hinzu gesellt sich eine Schattenmorelle und ein feines, sehr gut eingebundenes Holz. Insgesamt ein sehr nerviger Stoff, mit einer schönen, kalksteinigen Mineralität, straff gewirkt und sehr klar. Etwas mehr Gewicht und eine nicht ganz so einseitige Fruchtaromatik würden ihn noch besser aussehen lassen.