2001 Chateau Pavie – St. Emilion (Spannendes Spanien – Flight 4)

97 Punkte – Duftmonster!! Was für ein unglaublicher Stoff, was für eine "Piratenbraut" in unserer Spanienprobe: so sexy, so feminin, rund und weich. Dieser betörende Stoff besteht aus 70% Merlot, 20% Cabernet Franc und 10% Cabernet Sauvignon. Ausladende Fruchtaromen, perfekt in Szene gesetzt und schon jetzt unglaublich harmonisch und animierend zugleich. Kraftvoll, dicht, extraktreich und saftig – Schicht um Schicht möchte man diesen Stoff zerlegen und man wird immer wieder auf etwas Neues stoßen: ein Korb voller Früchte, viel süße Lakritze, Kakao, feinste Schokolade, diverse Kaffeearomen – einfach herrlich. Runder Ansatz, dabei saftig und mit perfekt ausgereiften Tanninen sowie einer kräftigen, sehr gut korrespondierenden Säure, ausgestattet. Dieser Wein ist mustergültig und ich kann mir schwer vorstellen, dass es in diesem Jahrgang einen besseren Bordeaux gibt, vielleicht noch Latour (aber völlig anders). Phantastisch langer und wunderbar fruchtbetonter Abgang, dabei stets dicht, kraftvoll und durchaus Eleganz zeigend – soweit dies eine junge Diva entwickeln kann. 

2000 Chateau Beau-Sejour Bécot – St. Emilion (Spannendes Spanien – Flight 2)

87 Punkte  – Bei unserer Spanienprobe als Pirat sofort zu erkennen gewesen, aber wieso er bei Parker konsistent zwischen 90 und 94, zuletzt 93 Punkten bekommen hat, erschließt sich mir aktuell nicht. Zwar muss man auch bei diesem 2000er feststellen, dass er wohl in einer etwas schwierigen Phase ist, aber 6 Punkte Potential sind da nicht drin. Erstaunlicherweise hatten wir einen St. Emilion im Glas, denn der Wein hatte für mich eine so deutliche Cabernet-Nase, dass ich ihn klar an das linke Ufer gesetzt habe. Deutliche Paprika- und Kräuternoten dominieren die Frucht in der Nase und am Gaumen. Er zeigt zwar viel Saft und einen gewissen Schmelz, aber die Tannine sind noch ultrafest und der Wein packt zu. Der Wein wird sicherlich ein Langstreckenläufer, aber zur Zeit fehlt ihm jedwede Harmonie und man sollte ihn noch ein paar Jahre weglegen, bevor man die nächste Flasche aufmacht.

1982 Chateau Cheval Blanc – St. Emilion / Bordeaux („kleine“ Weinprobe Nr.9)

99 Punkte – Was für ein Stoff!! Zu Beginn eine schöne (vielleicht sogar etwas verwaschene) Frucht, die mit zunehmender Luft aber so unglaublich ausbaute, das man die Tiefe der Aromatik nur als abgründig beschreiben kann. Wie meist bei wirklich ganz großen Weinen macht es wenig Sinn, die Aromeneindrücke zu beschreiben, sondern das „Gesamtkunstwerk“ zählt – und in diese Kategorie gehört dieser Wein ohne Zweifel. Der 82er Cheval baute einen Druck, eine Komplexität und Nachhaltigkeit auf, die in ihrer Harmonie nicht in Worte zu fassen ist. Dieser Wein ist perfekt und als er aufgedeckt wurde, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, dass Parker ihn gerade 3 oder 4 Wochen zuvor von 100 auf 92 Punkte degradiert hatte. Der Wein hat eine Strahlkraft, eine Eleganz und eine innere Harmonie, die es einem nahezu unmöglich machen, die Hand vom Glas zu nehmen. Doch nur wer Ruhe und Gelassenheit mitbringt, wird ihn in seiner Klarheit und Vollkommenheit erfassen können. Im direkten Vergleich zum schon nahezu perfekten Margaux machen die noch größere Harmonie und die nicht enden wollende Länge im Abgang den Unterschied zwischen 96 und 99 Punkten aus. Eines sei vielleicht noch angemerkt, diese Flasche wurde seit der Auslieferung aus der Subskription so gut wie nie angefasst und seitdem perfekt gelagert. Es dürfte nahezu ausgeschlossen sein, solche Flaschen auf einer Auktion  zu erwerben, denn dort gehen häufig „Wanderpokale“ über den Tisch, bei denen man nicht weiß, welche Strapazen sie zwischenzeitlich erleben mussten.

1950 Chateau Cheval Blanc – St. Emilion / „Ma(n)ifest Nr.9“

 

 

97 Punkte – Was für ein Farbe: fest und leuchtend; zeigt kaum Alterserscheinungen. Der Wein war bereits seit über einer Stunde in der Karaffe, aber erst über den Abend verteilt zeigt er seine wirkliche Klasse. Zu Beginn hatte er einen deutlichen Muffton, ich hielt es sogar für einen Kork, aber mit der Zeit verschwand dieser Eindruck und es öffnete sich eine wunderbare, weitläufige  Aromenvielfalt: z.B. Zigarrenbox (Tabak und Zedernholz), eine feine, pflaumige Frucht, etwas Minze – opulent und vielschichtig. Am Gaumen wunderbar sanft und weich – mit noblen, seidigen Tanninen ausgestattet. Trotzdem noch unglaublich jung, konzentriert und druckvoll. Es war kaum zu fassen, dass da ein fast 60 Jahre alter Wein vor uns stand. Sehr langer und komplexer Abgang. Wer hier nicht „fliegen“ lernt, braucht sich wohl nicht weiter zu bemühen.

 

Wer die Chance besitzt sich so einen Wein einmal selbst zu kaufen, sollte nicht den Unsinn betreiben und aktuelle Jahrgänge erwerben. Diese sind meist genauso teuer, wie gereifte Flaschen aus guten oder gar großen Jahren, bieten aber wesentlich weniger Trinkgenuss. Der aktuelle Jahrgang 2008 kostet aktuell in der Subskription ca. Euro 350,- pro Flasche. Abgesehen davon, dass man so das Insolvenzrisiko des Händlers über die nächsten zwei Jahre bis zur Auslieferung der Flaschen trägt, dürfte sich – wenn überhaupt – ein vergleichbarer Trinkgenuss frühestens in 20 Jahren einstellen. Der Wein wird dann höchstwahrscheinlich köstlich sein, aber wer weiß schon, ob man da die Radieschen nicht schon von unten anschaut.

1999 Chateau Griffe de Cap d’Or – Saint Georges Saint Emilion

89 Punkte – Dieser Wein stammt aus einem Jahrgang, in dem ich zum zweiten Mal  Bordeaux subskribiert habe. Entsprechend habe ich diesen Wein  über die Jahre meines Besitzes schon einige Male verkostet und mit scheint, dass er jetzt auf seinem Höhepunkt angekommen ist:

Der 99er Griffe de Cap d’Or  hat sich wunderbar harmonisiert, in der Nase verströmt er Düfte von Kaffee/Mokka, reifen Kirschen und Pflaumen. Am Gaumen zeigt er sich saftig und mit weichem Mundgefühl; mit jetzt runden, weichen Tanninen gleitet er über den Gaumen, schöne Viskosität; seidig. Die Frucht tendiert zu dunklen, schwarzen Kirschen und feinen Röstaromen, Kaffee; aber auch eine zarte, schöne Würze kommt zum Vorschein. Mittlerer Körper, gute Länge. Ein schöner, typischer  Merlot, den man ohne großes Aufhebens an vielen schönen Abenden trinken möchte.


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