1998 Valiniere, Domaine Léon Barral, Faugères

 

Mourvedre! Frisch im Glas wiederum mit animalischen Noten, dann fächert der Wein auf wie ein Pfauenrad. Lakritze, rote Früchte, Cassis, welke Blüten, Malven, Hagebutten, Sauerkirschen – dazu eine feine Würzaromatik. Am Gaumen löst er seine Versprechungen komplett ein, herrlich gereift, aber mit innerer Spannung und Kraft. Schönes Spiel zwischen würziger Süße und Frucht, dabei sehr ausgewogen und mit sehr guter Länge. – 94 Punkte

2009 Prestige des Hautes Garriques, Domaine Santa Duc – Gigondas

95 Punkte – Nachdem ich vor Kurzem den 2001 im Glas hatte und ihn mehr als prächtig fand, kam ich nicht vorbei aus dem hervorragenden Jahr 2009 ein paar Flaschen zu kaufen. Ungeduldig habe ich nun eine Flasche "aufgerissen" ….und, und, …. Resultat ???

 …. das haut den stärksten Bär um. Ein mächtiger Stoff: massives Tannin, Tonnen von Frucht, Mega-Struktur und geile Konzentation. Das ist die Kurz-Zusammenfassung, aber wer sich bei aller Kraft und power ein wenig Zeit nimmt und nicht gleich unentwegt die Hand zum Glas gehen läßt (mit fatalen Folgen bei 15,5% Alkohol auf dem Etikett und lt. Parker 16,5% "natürlichem Alkohol"), der empfängt auch die Zwischentöne und bekommt eine erste Idee davon, wie sich dieser Wein mit zunehmendem Alter entwickeln wird.

Heute sind die Fruchtnoten von dunklen Beeren, Wacholder, geräuchertem Speck und Dänischer Lakritze das "overriding principle"; der Wein ist ungemein druckvoll, etwas süß-bitter und einfach unglaublich saftig. Doch bei aller power, hat er bereits jetzt eine gewisse Kühle (Menthol) und ja, auch Eleganz, die ihn besonders macht und aus der "peer group" herausragen läßt.

Grundlage dieses Traumstoffs sind alte Grenache-Reben in der Kernlage des Weingutes: "Hautes Garriques", die 80% des Weins bestimmen, daneben geben 15% Mourvèdre Struktur und 3% Syrah sowie 2% Cinsault runden das Bild ab. Der Wein kam unfiltriert auf die Flasche, vorher lag er 24 Monate im Holz, davon waren ca. 20% neue Fässer. Wie man bei 2 kompletten Monaten Maceration so massive Tannine in den Wein bekommt, kann ich mir noch vorstellen, aber wie man sie andererseits so bändigen und "weichzeichnen" kann, bleibt wohl das Geheimnis von Yves Gras.

Es war toll, diese Flasche so jung getrunken zu haben, aber die verbleibenden gehen in eine dunkle Kellerecke und werden frühestens in 5,6 oder 7 Jahren mal wieder rausgeholt. Euro 32,- sind alles andere als ein Pappenstiel, aber der Wein ist es wert!!!! 

2005 Puligny Montrachet Les Combettes, Domaine Leflaive – Burgund (Best Bottle Nr.2)

93 Punkte – Die Domaine Leflaive ist sicherlich zu den besten und berühmtesten Weingütern Burgunds zu zählen. Kurz und knackig das Wichtigste zusammengefasst findet man bei Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Domaine_Leflaive). Die Rebestöcke in der Premier Cru Lage „Les Combettes“ wurden zwischen 1963 und 1972 gepflanzt und werden seit 1997  biodynamisch  bewirtschaftet.

 

Mich hat dieser Wein – gerade nach dem „Les Clos 2004“ – komplett überzeugt. Die füllige und ausdrucksstarke Nase ist geprägt von vielerlei kräutrigen Eindrücken, gerösteten Nüssen und gelbfleischigen Früchten. Das kraftvolle Paket am Gaumen ist sehr ausgewogen und stimmig: Einerseits gibt es eine kräftige, den Wein tragende Säure – andererseits besitzt der Wein eine schöne, volle Frucht (vorwiegend gelbe Früchte; Haselnüsse), einen kraftvollen Körper und mineralische Komponenten. Die Noten (Karamell und Buttergebäck) aus dem Holz (ca. 25% neues Holz) sind sehr gut integriert. Gute Länge! Insgesamt steht der Wein erst am Beginn seiner Trinkreife – ich denke, dass er mit der Zeit noch etwas an Komplexität und Eleganz zulegt.

1969 Chateauneuf du Pape, Domaine de Bois Dauphin – Rhone (FFM Weinrunde)

91(-) Punkte – Die heutigen Eigentümer der Domaine, die Familie Marchand, sind Weinbauern seit der französischen Revolution. Joseph Marchand, der Vater des heutigen Besitzers Jean Marchand, gehörte in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu den Pionieren um Baron Le Roy von Chateau Fortia, die mit ihren freiwilligen Richtlinien die Grundlagen für das spätere System der „Appellation contrôlée“ legten, das bis für den gesamten französischen Weinbau maßgeblich ist. Um die Bezeichnung Chateauneuf du Pape führen zu dürfen, mussten schon damals folgende Kriterien erfüllt werden:

 

1)      Der Wein musste von Reben stammen, die nur an genau definierten Standorten stehen durften;

2)      An diesen Standorten durften nur bestimmte, zugelassene Rebsorten stehen;

3)      Die Erziehung der Reben wurde überwacht;

4)      Der produzierte Wein musste einen natürlichen Alkoholgehalt von 12,5% aufweisen;

5)      5% des Lesegutes durften nicht verwendet werden, was quasi einer Zwangsselektion gleichkam;

6)      Rosewein durfte in diesen Lagen nicht produziert werden und alle Weine mussten einer Prüfkommission vorgelegt werden, um die erwünschte Bezeichnung Chateauneuf du Pape führen zu dürfen.

 

Notwendig geworden war dies durch den enormen Imageverlust der durch die Reblausplage und die Vernichtung der Weinberge zum Ende des 19. Jahrhunderts eingetreten war. Durch die Folgen des 1.Weltkrieges war eine ganze Generation an jungen Männern gefallen, sodass auch nach dem Ende des Krieges über die Hälfte der Weinberge noch nicht wieder bestockt war. (vgl. R.Parker: Rhone, Hallwag Verlag, S.381)

 

 

Der Jahrgang 1969 war an der südlichen Rhone gut bis sehr gut, an der nördlichen Rhone jedoch besser, Broadbent vergibt für die Rhone 3-4 Sterne (von 5). Auch wenn der Wein nicht aus einem großen Jahr stammte, hat er mir sehr gut gefallen; zu Beginn speckig, räuchrige Aromatik mit deutlich Kräuternoten, garrique; hinzu kommen Anklänge an Holzkohle und verbrannte Erde. Für mich ein klassischer Chateauneuf, der seine wilde, urwüchsige Aromatik  mit einer gewissen Eleganz zu verbinden mag. Später kommen am Gaumen Noten von Leder und Rosinen hinzu. Alle aromatischen Eindrücke verbinden sich mit einem dezent morbiden Charme und einer erfreulichen Länge. Zu Beginn bereitet der Wein deutlich Genuss, verliert jedoch mit zunehmender Luft im Glas seine elegante Art. 

Burgundmarathon 1.Tag / 4.flight


1952 Nuits St. Georges, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 3,1cm)

 

88 Punkte – Die letzte wichtige Gemeinde der Côte de Nuits ist Nuits-Saint-Georges. Man nennt das Dorf auch die „Niere von Burgund“ – weil hier das Burgund hier einen leichten Knick macht, aber auch (so wird kolpotiert) weil hier so viel Wein durchfließt, denn seit jeher haben viele Firmen hier ihren Sitz. Das Etikett unseres 52er aus dem großen Hause Louis Latour zeugt von einem „einfachen“ Dorflagenwein, doch trotzdem stellt sich bei mir ein erfreulicher Trinkgenuss ein. In der Nase wirkt er recht kühl; mit Anklängen von Kräutertee, Melisse und einem zarten Hauch von Pfefferminz. Am Gaumen ist er ansprechend füllig, ebenfalls mit einer erkennbaren Kräuternoten; insgesamt für sein Alter noch recht straff. Auch die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung schadet ihm nicht, er bleibt auf seinem Niveau, wirkt sogar noch etwas frischer.

 

1952 Chambolle Musigny, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 4,6cm)

 

80 Punkte – Was für ein Unterschied zu seinem Vorgänger. Gleicher Jahrgang, gleiches Handelshaus, anderer Teil von Burgund – aber ebenfalls Dorflage. Die Nase wird von einer stark alkoholischen Note dominiert. Darauf folgen Eindrücke von Maggikraut, Sherry und andere, beim Wein nicht gerade gesuchte Aromen. Am Gaumen erstaunlich weich, aber leider auch mit wenig Charakter und Ausdruck, eine leicht ranzige Butternote zieht sich durch. Die angenehme Süße, die besonders im Abgang deutlich wird, vermag es auch nicht mehr rauszureißen. Bei der Rückverkostung geht der Inhalt meines Glases recht schnell direkt in den Spuckbecher (75 Punkte).

 

 

1952 Grand Echezeaux, Domaine de la Romanée-Conti (Füllstand 7,0cm)

 

95 Punkte – Schon öfter habe ich die Erfahrung gemacht, dass Flaschen mit einem schlechten Füllstand nicht zwangsläufig schlechten Wein beinhalten müssen. Trotzdem schraubte ich meine Erwartungen sehr weit runter, als Michael Schmidt diese Flasche mit den Worten ankündigte: „Jetzt kommt ein besonderer Wein, jedoch ist der Füllstand schlecht, es fehlen ca. 7cm in der Flasche“. Doch schon in der Nase zeigt sich die besondere Klasse dieses Weines – Tiefe, kühle Aromatik, sehr klar und super-sauber, mit deutlich ätherischen Anklängen; ein echter Nasenbär, man möchte gar nicht aufhören in dieses Glas hineinzuschnüffeln, so tief und berauschend sind die Eindrücke. Am Gaumen ebenfalls ein herrliches und finessenreiches Spiel, jedoch ohne dass der Wein besonders körperreich wirkt. Überraschend waren für mich auch die (Frucht-)Aromen, die ich eher einem Weißwein zuordnen würde: Weinbergspfirsich, Mirabellen, Orangenzesten, Lakritz und viele mehr. Auch dieser Wein hatte bei der Rückverkostung nochmals deutlich  Luft bekommen und in der Nase war schlicht perfekt (!!); am Gaumen jedoch hatte er ein wenig abgebaut (94 Punkte).

2001 Les Vaillons, Domaine Long-Depaquit (Albert Bichot) – Chablis


83 Punkte – Das Haus Albert Bichot wurde 1831 von Bernard Bichot gegründet und es gehört heute – mit 130 Hektar Boden, die sich über 5 Domänen in Chablis, Côte de Beaune und Côte de Nuits erstrecken – zu den größten Weingütern im Burgund. Seit fünf Generationen leitet die Familie Bichot, als Weingutsbesitzer und Weinhändler, das Geschick des Unternehmens, das sich bis heute als reines Familienunternehmen behauptet hat.

Völlig unterschiedlich präsentierten sich die beiden gleichen Halbflaschen aus der Premier Cru Lage Vaillons, die verdeckt in den zwei Karaffen vor uns standen. War der Wein im ersten Glas trinkbar, so roch der Wein aus der zweiten Karaffe wie eine Mischung aus (Reifen-) Gummi, Karamell und Schwarzbrot. Am Gaumen war dann für mich Ende (daher ohne Wertung) und ich sehnte mich nach einem Spucknapf, der an diesem Abend leider nicht auf dem Tisch stand. Der einstmals (vor der Abfüllung auf die Flasche) identische Wein in der ersten Karaffe zeigte zwar auch schon eine recht deutlich erkennbare Firne in der Nase, aber die Mischung aus Bananensaft und weißen/gelben Früchten war irgendwie interessant. Am Gaumen war dieser furztrockene Wein dann eigentlich zu alt für seine acht Jahre – er wirkte bereits sehnig und gezehrt. Die für einen Chablis typische Mineralik war zwar noch zu erkennen, aber für mehr als 83 Punkte reichte das nicht mehr.

 

Wachau Probe 2006 & 2007

Am vergangenen Samstag fand bei einem Weinfreund eine wunderbare Wachauprobe statt, die einen schönen Überblick über die Jahrgänge 2006 und 2007 gab. Neben den Weinen der Altmeister F.X. Pichler und Emi Knoll gab es auch phantastische Neuentdeckungen zu machen, so z.B. ein 2007 Neuburger vom Weingut Schneeweis oder einen 2007 Grünen Veltliner Smaragd vom Zornberg (toller Lagenname!) von Sighardt Donaubaum. Auch nicht zu vergessen der 2006 GV Smaragd "Von der Schön" aus dem Winzerthaus Graben-Gritsch. Die Krone des Abends ging dann doch an einen altbekannten Starwinzer der Wachau: Emi Knoll hat mit seiner Riesling Vinothekfüllung 2006 wohl einen der besten Weine überhaupt in Österreich in 2006 erzeugt.

 

Bitte für die einzelnen Notizen auf "Weiterlesen" drücken!

„Wachau Probe 2006 & 2007“ weiterlesen

2000 Pouilly Fuissé Vieilles Vignes, Domaine Cordier – Mâconnais (Ski10)


90 Punkte – Es war reiner Zufall, aber passend, dass wir am Vorabend mit Beaujolais aufhörten und nun einen Wein aus dem nördlich angrenzenden Mâconnais im Glas hatten. Ein Schicksal teilen sich beide Regionen leider: In Deutschland assoziiert man mit ihren Namen nur schwache Weinqualitäten, wobei dem Mâcconais noch der Umstand anhaftet, dass viel zu wenig Leute diese Anbauregion überhaupt kennen.

Jedoch gibt es im Mâcconais ein Gebiet, das sich als "gallisches Dorf" erweist und das seit jeher ein besseres Image genießt: in der Gegend von Pouilly Fuissé finden die Chardonnayreben auf  den welligen Kalksteinhügeln – mit ihren Lössböden – ideale Bedingungen. Die Domaine Cordier ist Ende der 90er Jahre bekannt geworden, nachdem Robert Parker die Weine von Christophe Cordier entdeckt hatte und sie teilweise höher bepunktete, als die weißen Burgunder (und Preisknaller) von Coche-Dury oder Comte Lafon.

Doch die Wahrheit liegt bekanntlich im Glas. Unser Chardonnay verströmte reife, fruchtige Noten, insbesondere eine gereifte Birnenfrucht. Darüber hinaus wirkte er ein wenig rauchig und auch käsige Anklänge habe ich mir notiert. Am Gaumen dann recht frisch; mit gutem Extrakt und einer kräftigen Säure. Die kalkige Mineralik steht ihm gut, die Citrus- und Maracujanoten passen gut dazu und mit zunehmender Luftzufuhr wird er auch etwas geschmeidiger. Die Reife des Weines verrät sich durch eine dezente Nussigkeit und Punktabzug gab es für die wenig vorhandene Länge im Abgang.

2001 Chateauneuf-du-Pape, Domaine de la Vieille Julienne, Chateauneuf-du-Pape (Ski3)

91 Punkte – Der Wein zeigt eine etwas überreife, extraktsüße Frucht mit angenehmer Saftigkeit; dunkle Beeren, Brombeeren, Pflaumenkuchen, Lakritze, Kaffee und eine feine Würze. Die ungeschönte und ungefilterte Cuvee aus 90% Grenache (mit kleinen Anteilen von Mourvedre, Syrah, Cinsault und Counoise) zeigt eine mittlere Komplexität, ist druckvoll und zeugt von einer gewissen Eleganz. Die gute Säure und die festen Tannine verleihen ihm Struktur, sodass auch eine Lagerung über weitere Jahre kein Problem darstellen sollte.

 

Parker berichtet in einer Notiz zu Domaine de la Vieille Julienne, dass Weinmacher und Eigentümer Jean-Pierre Daumen mit dem Jahrgang 2001 sich erstmals von alten Traditionen löste. Bei den Flaschen setzt er fortan nur „normale“ Burgunderflaschen ein (die nicht mehr die traditionelle CdP – Glasgravur/-prägung aufweisen) und das Etikett wurde komplett aufgeräumt.

1995 Chateauneuf-du-Pape Boisrenard, Domaine de Beaurenard – Rhone

Diese Domaine wird schon in der 7. Generation von der Familie Coulon betrieben und man bewirtschaftet einen beachtlichen Besitz von 32 ha in Chateauneuf-du-Papes und 25 ha in Rasteau (Côtes du Rhône). Die webpage hält viele weitere Informationen bereit und ist wirklich lesenswert: http://www.beaurenard.fr

 

94 Punkte – Neben dem Basiswein wird jedes Jahr noch ein kleinere Menge CdP Boisrenard erzeugt. Die Rebstöcke sind durchschnittlich zwischen 60 und 100 Jahren alt und sie stehen noch als gemischter Satz im Weinberg.  So gehen in diesen Wein bis zu 13 unterschiedliche Rebsorten ein, wobei der Grenache dominiert. Der Ausbau erfolgt 18 Monate im Holz und dann kommt der Wein ungefiltert auf die Flasche.

 

Man steckt die Nase ins Glas und ist fasziniert! Aromen von Waldfrüchten, Mokka und getrockneten Kräutern umschwirren die Nase. Am Gaumen dann eine reife, intensive und dunkle Frucht von Waldbeeren und Tabak. Die Tannine sind kräftig, aber rund und reif; der Wein besitzt eine hervorragende Struktur, die kombiniert mit der schönen Säure, ganz wesentlich zu der Klasse dieses Weines beiträgt. Obwohl schon 13 Jahre alt, dürfte dieser Wein auch in den nächsten 13 Jahren noch mit viel Genuss zu trinken sein.