1975 Viña Real Reserva – CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 1)

90 Punkte – Der Viña Real ist da schon etwas burschikoser als der Imperial aus gleichem Jahrgang. Auffallend schön auch hier die feine Fruchtsüße, die sehr gut die recht kräftige Säure abpuffert, aber zu den (ebenfalls) roten Fruchtnoten gesellen sich auch dunkle Anklänge, die an geröstete Erde erinnern. Besitzt nicht die gleiche Eleganz und die Leichtigkeit des Imperial und deshalb auch 2 Punkte Abstand in der Bewertung.

1975 Imperial Reserva, CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 1)


92 Punkte – 1975 gilt im Rioja als sehr gutes Jahr und entsprechend spannend war dann auch die (zunächst verdeckte) Gegenüberstellung der beiden CVNE-Weine. Der Imperial kommt von einem CVNE-Weingut mit Weinbergen im Gebiet der Rioja Alta;  der „Bruder“ stammt dagegen von einer anderen CVNE-Bodega mit dem Namen „Viña Real“, die dazu gehörigen Weinberge stehen im Gebiet Rioja Alavesa.

 

Dieser Rioja-Wein offeriert eine herrliche „Burgundernase“ und ich dachte auch zunächst, dass wir den nächsten „französischen Piraten“ in unserer Spanien-Weinprobe gefunden hatten. Auch die ausgewogene, filigrane und finessenreiche Art am Gaumen sprach dafür, aber die deutliche Jodhaltigkeit konnte ich dagegen nicht recht einordnen. Die Frucht ist sehr fein und eher rotbeerig mit schönen Anklängen an Hagebutten. Besonders feminin und mit tragender Rolle in dieser „Mozart-Weinoper“ umschmeichelt die feine Süße den Gaumen. Feiner Stoff!!

1989 Barbaresco Selezione Christa Klauke, Produttori del Barbaresco – Piemont


90 Punkte – Spannend war die  für die Buchautorin und (ehemalige) Weinhändlerin Christa Klauke gemachte Spezial-Abfüllung. Diese Flasche entstammte einem Fass (No.137), das ausschließlich für sie abgefüllt worden war. Wie ich gehört habe, gehörte sie einmal zu den recht bedeutenden Händlern in Deutschland und ihre Liebe galt dem italienischen Wein.

Die Nase zeugt von einem gereiften Nebbiolo klassischer Art, Anklänge an Trüffel, Liebstöckel, rote Beeren und Trockenblumen. Am Gaumen ein vergleichbares Aromenbild; ein wirklich schön geschliffenes Tannin sowie die gut eingepasste Säure sorgen für ein harmonisches Gesamtbild; die gute Länge rundet dieses erfreulichen Weingenuss ab. Man darf davon ausgehen, dass für diese Spezialabfüllung ein wirklich gutes Fass gewählt worden ist. Allerdings war es im Jahrgang 1989 auch schwierig keinen guten Nebbiolo zu erzeugen. Wir haben noch länger darüber diskutiert, ob 1989 oder 1990 der bessere Jahrgang ist. Wenngleich in der Literatur 1990 die Nase leicht vorne hat, so waren wir uns am Tisch auf Grund eigener Erlebnisse einig, dass 1989 im Durchschnitt der etwas bessere dieser beiden großen Jahrgänge in der Langhe ist.

 

Am Vorabend der Prowein im Saittavini in Düsseldorf

Wie immer, war es voll im Saittavini an der Luegallee in Düsseldorf. Doch an diesem Vorabend der ProWein hätte die Weinbar und das Restaurant von Michelangelo Saitta wohl drei- oder viermal so groß sein können und trotzdem hätten nicht alle einen Platz bekommen, die hoffnungsvoll hereinschauten, um einen der begehrten Tische zu erhaschen. Selbst Winzerlegenden wie Emi Knoll, Franz Hirtzberger oder Rudi Pichler planen hier von Jahr zu Jahr und buchen ein Jahr im Voraus. Bei einem gemeinsamen Glas Wein sagte mir Irmgard Hirtzberger, dies sein "ein besoderer Ort", von denen sie nicht viele kennt.

 

Und so schätzten auch wir – ein eng befreundetes Paar aus Frankfurt und ich – uns glücklich, dass wir an diesem Abend einen Platz gefunden hatten, an dem wir die Nacht zum Tage machten und bis drei Uhr ein hervorragendes Essen genossen und mindetens gleichwertige Weine tranken. Zum Vorglühen gab es einen knackig frischen Sauvignon Blanc aus Südafrika. Danach gingen wir in medias res und tranken:

1997 Barolo Rocche del Falletto, Bruno Giacosa – Piemont

95 Punkte – Was für eine Harmonie! In der Nase eine Kombination aus roten Früchten, feuchtem Waldboden und getrockenten Wiesenblumen. Am Gaumen Eleganz pur, subtile Frucht, unterstützt von feinen, mürben Tanninen und einer Saftigkeit, die trotz aller innerer Kraft eine Leichtigkeit besaß, die es mir schwer machte, nicht permanent zum Glas zu greifen. Der Weine baute im Glas aus und (mit viel Zurückhaltung) konnte ich so über ein Stunden immer neue Eindrücke und Aromen entdecken. Zwischenzeitlich genossen wir die anderern Weine des Abends, aber immer wieder kam ich zurück zu diesem Glas und ein stilles Lächeln und eine genussvolle Zufriedenheit stellte sich sogleich ein.

 

1997 Brunello Riserva, Poggio Antico – Toskana

86 Punkte – Eigentlich sollte dieser Wein ein adäquates Pendant zum Barolo von Giacosa aus gleichem Jahrgang sein, doch hier spielte wohl 2. Bundesliga gehen Champions League. In der Nase süße Pflaumenkonfitüre und Aromen von überreifen Früchten (bei Weinen aus diesem Hitzejahr durchaus typisch). Im Mund angekommen, empfand ich diesen Wein eher als unausgewogen, denn die Aromen von Rumtopffrüchten zeugten von überreifem Lesegut. Die für einen Brunello auffallend mürben Tannine und der mittelgewichtige Körper gingen etwas unter und so hat dieser Wein für mich einen leichten Mangel an Struktur und Finesse. Wer ihn im Keller hat, sollte ihn möglichst schnell trinken, denn ich glaube, dass dieser Wein nicht mehr besser wird.

 

1970 Barolo Cannubi Vigneto Pittatore, Casa Vinicola Ceretto – Piemont

88(-) Punkte – Dieser Wein gab mir ein kleines Rätsel auf, denn das heute berühmte und große Baroloweingut Ceretto firmierte damals eigentlich unter dem Namen des Vaters der heutigen Besitzer: "Azienda Vinicola Riccardo Ceretto" (wie ein gerahmtes Etikett bei mir in der Küche belegt), doch auf dieser Flasche stand "Casa Vinicola Ceretto". Für mich stellen sich die (bislang unbeantworteten) Fragen: nahm man es damals nicht so genau mit den Bezeichnungen für die Weingüter? Handelt es sich um unterschiedliche Weingüter oder war das Weingut doch identisch und man hat schon damals unterschieden zwischen Weinen, die aus eigenen Trauben bzw. zugekauften Trauben vinifiziert wurden?

 

Wie auch immer – dieser Barolo zeigte zunächst eine recht animalische Nase mit Eindrücken von Leder. Doch bereits nach wenigen Minunten veränderte sich der Inhalt des Glases; ich empfand medizinale Anklänge, dann Eindrücke von Veilchen und mit mehr Luft kamen die Tertiäraromen (Maggikraut/ Liebstöckel) immer stärker durch. Am Gaumen zeigte sich zunächst eine feine (Todes-) Süße mit Anklängen an Teer und Lakritze. Es folgten recht schnell Aromen Malventee und der Wein fiel immer mehr auseinander. Eine Punktewertung ist für so einen Wein sehr schwer – waren zu Beginn vielleicht 88 Punkte im Glas, so muss man doch sagen, dass er alle 10 Minuten einen Punkt verloren hat.

Beschlossen haben wir den Abend mit einem:

 

1989 Barolo Riserva, Giacomo Borgogno – Piemont

92 Punkte – Dier klassische Bordeaux vermittelt von seiner Farbe und von seiner gesamten Art eine burgundische Art, die besonders am Gaumen deutlich wird. Für mich ist dies ein klassischer Barolo, der sicherlich erst jetzt am Beginn seiner Trinkreife steht, denn das Tannin ist schon noch adstringierend, aber die Frucht ist betörend, mit Noten von roten Früchten, getrockneten Rosen und  einem Hauch Lakritz und Teer. Dieses Spannungsfeld zwischen der festen, fast unnahbaren Struktur und der andererseits femininen Aromatik, ist etwas, was nur klassischer Barolo kann.

2005 Aalto PS, Bodegas Aalto – Ribera del Duero

96 Punkte – Was für eine Aromenfeuerwerk! So stelle ich mir ein Wein gewordenes Topmodel vor: perfekt modellierter Körper, groß, mit viel power und Esprit.  Die wunderbaren Rundungen sitzen an den richtigen Stellen, das Gefühl von samtweicher Haut lässt einen dahin schmelzen – selten oder nie habe ich weichere, rundere, aber dennoch so kraftvolle Tannine auf der Zunge erlebt, wie bei diesem Aalto PS. Ein Wein für den „roten Teppich“ und ein Blitzlichtgewitter ist ihm sicher.

 

Doch im Scheinwerferlicht der großen, weiten Glitzerwelt geht es nicht ohne Schminke. So kommt auch dieser große Wein zwar von sehr alten, über 60 Jahre alten Tempranillo-Rebstöcken, aber der (Keller-)Meister hat wohl auch kräftig Hand angelegt, um dieses berauschende Weinwunderwerk zu erschaffen.  

 

Die tiefe Frucht zeigt in der Nase und am Gaumen einen reichhaltigen Strauss an Aromen, da finden sich balsamisch-holzige Noten (Zedern, Eukalyptus, Lorbeer), eine tiefe Beerenfrucht (reifen Pflaumen, Kirschen und Cassis) sowie Aromen aus dem Holz (Schokolade, Kokos und ein Hauch Vanille). Trotzdem ist das Mundgefühl angenehm kühl und keinesfalls marmeladig. Der Wein besitzt eine große Länge, man schmeckt ihn Minuten später noch. Hedonismus pur!!! Jetzt dekantiert ein großer Genuss, hat aber Potential für mindestens 10-15 Jahre. Leider kann so ein Stoff nicht beliebig vervielfältigt werden und so muss man schon tief in die Tasche greifen, Euro 80-90 kostet der Stoff, wenn man ihn denn überhaupt bekommt. Ein kleiner Lichtblick besteht jedoch, der „normale“ Aalto ist nur unwesentlich schlechter und kostet circa die Hälfte.

 

1995 Alion, Bodegas y Vinedos Alion – Ribera del Duero

 

92 Punkte – Die Bodega gehört zum Konglomerat von Kellereien der Eigentümer von Vega Sicilia. Sicherlich ist der Alion etwas moderner in der Weinbereitung als der Unico, aber mit ca. €40 kostet er auch nur einen Bruchteil der spanischen Weinlegende. Trotzdem ist dies ein spanischer Referenzwein, der Jahr für Jahr eine bench mark darstellt.

 

Die 95er Ausgabe ist jetzt perfekt zu trinken, weiteres Verbesserungspotential sehe ich nicht, aber er wird die nächsten 3-5 Jahre dieses Niveau sicherlich halten. Frisch im Glas hat er einen leichten Stallgeruch, der jedoch vergeht. Es folgen exotische Aromen, Süßholz, Kirschen und Waldbeeren sowie eine Spur Vanille. Am Gaumen ein vergleichbarer Aromeneindruck. Die Tannine sind fest, aber fein; kühles Mundgefühl mit moderater Säure und angenehmer Aromentiefe. Klar uns saftig bis in den durchaus schönen, langen Abgang zieht dieser Alion seine Aromenspur.

2003 Alion – Bodegas Alion (Vega Sicilia) – Ribera del Duero

92 Punkte –  Ich konnte mich an diesem Abend nicht richtig entscheiden, waren diese enorm beerigen Aromen schon zu viel. Für mich stark an oder über der Grenze zur Überreife. Macht jetzt aber trotzdem Spass, denn dieser Stoff  ist so weich, rund, geschmeidig und irgendwie sexy. Die 2003er Ausgabe des Alion ist körperreich (wohl proportiniert), samtig und hat kugelrunde Tannine. Die Frucht zeigt neben dunkelroten Beeren auch eingelegte gelbe Früchte (dürfen ja auch in keinem guten Rumtopf fehlen 😉 ); das ganze ist – wie bei einem Eismohr – mit einer leckeren Schicht Schokolade überzogen. Wie alle modernen Spanier geizt auch dieser nicht am Alkohol, aber er wirkt zur Zeit gut integriert, aber die Zukunft wird zeigen, ob dies auch für eine lange Lagerung vorteilhaft ist. Insgesamt eine runde Sache dieser 2003 Alion, kugelt aber nicht zu schnell über den Gaumen, sodass man die schöne, fruchtbetonte Länge geniessen kann. Kann man jetzt gut trinken (Karaffe ist zu empfehlen) und zeigt sicherlich in den nächsten 6-8 Jahren keine Schwächen, hat sogar etwas Potential nach oben (wenn der Alkohol nicht die Oberhand gewinnt).

Die Bodegas Alion gehören zur Gruppe Vega Sicilia und sind somit ein Teil der Geschichte eines, wenn nicht gar des prestigeträchtigsten Aushängeschildes für spanischen Wein. Die gesamte Gruppe liegt in der Hand der Familie Álvarez. Das Weingut Alion ist benannt nach der Stadt Léon, der Geburtsstätte des Firmenpatriarchen David Álvarez

2004 Flor de Pingus, Bodega Dominio de Pingus (Peter Sisseck) – Ribera del Duero

97 Punkte –

Was für ein Parfüm, tief und einladend, Kaffee und Mokka, dunkel und kühl in der Aromatik, etwas Menthol und Wacholderbeeren. Dunkle Waldfrucht am Gaumen; edel wirken die Kaffee und Mokkaaromen; am meisten begeistert mich die hohe Extraktion, die süß und leicht würzig wirkt, jedoch stets edel und kühl bleibt. Tiefer, sehr gut strukturierter Wein, der jetzt mit seiner schönen Saftigkeit, seinen voll ausgereiften und hervorragend definierten Tanninen sowie der wunderschönen Läge viel Freude und Genuss bereitet. Ein Traumstoff, der inzwischen – im Vergleich zu seinem ersten Preis – leider doppelt so teuer ist, der aber immer noch jeden Euro wert ist. Ich bin gespannt, ob dieser Wein mit zunehmender Reife noch besser wird, oder ob er – wenn er seine sexy Jugend verliert, uninteressanter wird. Die nächsten 10 Jahre Weinleben sind sicherlich kein Problem.

2004 PESUS, Hermanos Sastre – Ribera del Duero

97 Punkte –

Das Flaggschiff der Kellerei Hermanos Sastre in Burgos: der unglaublich teure (ca. Euro 300,-) Pesus ist von den Anlagen noch etwas konzentrierter, noch etwas extraktsüßer und noch stoffiger als der Flor de Pingus. Im direkten Vergleich ist der Pingus ein wenig kühler und um die Kaffee- und Mokkanoten komplexer. Trotzdem ist auch der PESUS ein großer Wein, der sehr viel bietet und der mich mit seiner Wald- und Heidelbeerfrucht an einen Heidelbeer-Hefekuchen mit Schmand erinnert. Bei dieser Kombination kommt die Heidelbeerfrucht so schön raus, da der Schmand die Intensität der Frucht und die Saftigkeit verstärkt und um einen herrlichen Schmelz bereichert. Dieser Wein ist unglaublich intensiv und der hohe Extrakt kommt nicht aus irgendeinem Konzentrator, sondern von über 80 Jahr alten Tempranillo-Rebstöcken mit Hektarerträgen von unter 10 Hektolitern. Die Hauptrolle dieser Cuvee vom Weinmacher Juan Jesús Ayuso Arenillas gebührt dem Tempranillo, in den Nebenrollen Cabernet Sauvignon und Petit Verdot. Der Ausbau erfolgt in neuer franz. Eiche.

1998 Regina Vides, Hermanos Sastre – Ribera del Duero

94+ Punkte –

Stallgeruch zu Beginn, ganz dunkel und tief in der Aromatik, wirkt immer noch sehr konzentriert, erinnert mich auch auf Grund seiner Kühle an die nördliche Rhone; sehr, sehr komplex und hohe Eleganz. Dieser Wein stammt von 80-jährigen Tempranillo-Rebstöcken mit Erträgen kleiner 20hl. Das ist nicht international, das ist große, lokale Klasse!!  Dieser Wein hat die Kraft und die Struktur für ein langes Leben und wer mir eine Freude machen möchte, bringt bei einer der nächsten Verkostungen eine Flasche dieses Stoffs mit ;-))