1993 Chateau Cos d‘ Estournel – Saint Estephe

87 Punkte – Irgendwie ein ambivalenter Wein, einerseits eine recht deliklate Nase, dunkel, würzig und mit erkennbarer Tiefe; auch auf der Zunge mit recht guter Struktur und sehniger Kraft, andererseits fehlt etwas der Charme. Angenehme Säure und dunkle Aromatik auf der Zunge, Rostbraten, etwas Lakritz. Letzten Endes muss man jedoch sagen, dass die ca. 40-60 Euro, die man für diesen Grand Cru Classe ausgeben muss, auch für deutlich kleineres Geld als Cru Bourgeois aus anderem Jahrgang bekommen.

1990 Chateau Cos d‘ Estournel – St. Estephe

94 Punkte – Auch hier dezente Stallnoten zu Beginn, wirkt in der Nase dunkel, toastig, es duftet wie in der Lederwarenabteilung im Alsterhaus in Hamburg . Am Gaumen aber ein Schmeichler vor dem Herrn: erstaunlich schmelzig, weich, ja fast verspielt mit Aromen von Kakao(milch) und  Backflaumen einerseits sowie dunklen Anklängen von Cassis, Kaffee und Tabak andererseits. Besonders gefällt mir die innere Harmonie dieses mittelgewichtig wirkenden Weines; hedonistisches Trikvergnügen ohne große Ecken und Kanten.

2000 Roc d’ Anglade, Pédréno & Roasting – Coteaux du Languedoc (Wein 5)

86 + Punkte – Der nachfolgende Wein und sein Erzeuger waren für mich Neuland, weder gehört, noch verkostet hatte ich die Weine eines Mannes, der genau das gelebt hat, was ich nur allzu gerne nachahmen würde: Ausstieg aus dem Job, um auf der eigenen Scholle mit dem Weinbau zu beginnen. Norbert Ehret von Vinisüd schreibt in seinem Kellerkurier Juni 2003:

„Bereits seit einigen Jahren kennen und beobachten wir das Schaffen von Rémy Pedreno, schließlich war sein „Clos de la Belle“, mit dem er vor vier Jahren als Hobbywinzer begann, bereits eine kleine Offenbarung. In René Rostaing (Côte-Rôtie-Winzer) fand er damals den passenden Partner, der neben finanziellen Mitteln auch weiteres Know How einbringen konnte, um dem frisch gegründeten Weingut „Roc d’Anglade (benannt nach dem Ort Anglade) eine verheißungsvolle Zukunft zu garantieren.“

Aber in seiner Beschreibung setzt sich Ehret auch durchaus kritisch mit den Weinen von Rémy auseinander und erläutert, warum er die Weine erst mit dem 2001er Jahrgang (von diesem Jahrgang war er dann überzeugt) ins Programm genommen hat. Dies liefert auch eine mögliche Erklärung, warum der Wein bei unserer Verkostung keine höhere Punktezahl bekam: „Anglade, geographisch nahe Nimes gelegen, zählt zu den wärmsten Gegenden des Languedoc. Geologisch gesehen einer der hochwertigsten Terroirs, musste Rémy Pedremo aber lernen, dass die feine, elegante Syrah-Aromatik, die er in seinen Weinen suchte, zwar in der Jugend wunderschön präsent war, aber bereits nach ein bis zwei Jahren Flaschenreife an Frische und Finesse verlor und schnell vegetable und tertiäre Aromen entwickelte.“

Zum Wein: Im Glas nicht ganz klar; leichte Gemüsenote zu Beginn, etwas laktisch, Himbeere – insgesamt ein ungewöhnlicher, eigenständiger und insgesamt positiver Eindruck in der Nase. Am Gaumen eher ungewöhnliche Aromen, Kaffee- und Röstaromen, Karamell, Currywurst (!), Tomatenmark, erkennbare Mineralik; vom Mundgefühl kühl wirkend, mit guten, feinkörnigen Tanninen. Leider im Abgang recht kurz.