Burgundmarathon 1.Tag / 5.flight

1955 Clos de la Vigne au Saint / Corton Grand Cru, Louis Latour  – Burgund (Füllhöhe 5,2 cm)

 

85 Punkte – Die eigentliche Grand-Cru-Lage ist Corton, doch es ist durchaus üblich, dass der Name der Sublage/Parzelle ebenfalls auf dem Etikett geführt wird. Das Haus Louis Latour hat in den Weinbergen der Gemeinde Aloxe-Corton bedeutenden Besitz und folglich verwundert es wenig, dass beide Jahrgänge dieses Weines (die sich im 5.flight unseres Burgundermarathons direkt gegenüber standen) aus dem Hause Louis Latour stammten.

 

Die Weine aus Corton benötigen regelmäßig Zeit zum Reifen; 5 Jahre, besser 10 oder 15 Jahre sollte man ihnen geben, erst dann blühen sie auf und werden geschmeidig, vorher sind sie oft spröde oder hart. Der erste Wein im Glas war allerdings 54 Jahre alt  und – auf Grund des Füllstandes – war ich vor dem ersten Schluck sehr gespannt, ob wir noch Freude an ihm haben werden. In der Nase präsentierte er sich eher maskulin, mit Noten von Eisenkraut, Blut und Jod. Am Gaumen hat er noch ein schöne, süße Malzigkeit, aber leider keine weiteren Highlights. Ein noch ordentlich zu trinkender Wein, jedoch ohne das „gewisse Etwas“. Einmal im Glas baute er recht schnell ab, sodass es eigentlich logisch war, dass er auf Grund der zusätzlichen Luft in der Rückverkostung (84 Punkte) schwächer sein musste: In der Nase machte sich ein etwas penetranter Sauerkrautton breit und am Gaumen gab es auch keine Verbesserungen.

 

 

 

1952 Clos de la Vigne au Saint / Corton Grand Cru, Louis Latour  – Burgund (Füllhöhe 4,3 cm)

 

91 Punkte – Für mich der deutlich bessere Wein, die stallige, leicht animalische Nase war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber am Gaumen präsentierte sich der Wein von seiner eleganten Seite und zeigte deutlich mehr Komplexität und Finesse als der 55er. Auffallend waren die kraftvolle Art, der schöne Biss und die sehr gut integrierte, reife Säure. Die feine karamellige Süße stand ihm ebenfalls gut zu Gesicht. Spiel, Satz und Sieg für die  52er Ausgabe des Clos de la Vigne au Saint aus dem Hause Louis Latour.

 

 

1959 Chateau de Malle – Sauternes / Bordeaux (Füllhöhe top shoulder) 

 

82 Punkte – Den 1. Abend des Burgundermarathons beschlossen wir mit einem Sauternes aus 1959. Der Jahrgang gilt eigentlich als großes Sauternesjahr, aber dieser Wein hat seine besten Zeiten schon hinter sich. Das Bukett wirkte etwas unsauber und erinnerte bestenfalls an einen würzigen Waldhonig. Am Gaumen war er dann recht trocken, man könnte auch gezehrt sagen.

 

 

 

Burgundmarathon 1.Tag / 3.flight

Im 3. flight gab es gleich zwei Premieren, zunächst kam erstmals an diesem Abend ein „Grand Cru“ in unsere Gläser, gefolgt von einem 1959 Spätburgunder Cabinet Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter Eltville (als Pirat des Abends). Insbesondere der Spätburgunder hat mich fast umkippen lassen und ich habe unverhofft einen Eindruck davon bekommen, was erst vor kurzer Zeit  Martin Wurzer-Berger in seinem Artikel „Begegnungen auf Augenhöhe – Die erregenste Vergleichsprobe des Jahres: Assmannshäuser Höllenberg und große Burgunder Pinot Noirs 1959 bis 1921“ (vgl. Weinmagazin „Fine“ – Ausgabe 1/2009, S. 43ff.) beschrieben hat. Als der Wein nach unserer Blindverkostung aufgedeckt wurde, konnte ich mich nur zu gut an den Bericht erinnern, den ich erst wenige Wochen zuvor gelesen hatte (ohne jedoch zu ahnen, dass ich wenig später – zumindest partiell – ein ähnlich spannendes Erlebnis haben werde). Die sich dem Artikel von Wurzer-Berger anschließenden Verkostungsnotizen von Sam Hofschuster (Chef-Verkoster des Weinportals www.wein-plus.de) sind ebenfalls lesenswert, doch leider lässt der Hofschuster die eigentlich nötige Akribie bei der Zitierung des Etiketten vermissen,  denn es ist schon ein großer Unterschied, ob es sich um einen Cabinet (einige Etiketten sind jedoch auf dem Fotos zum Artikel; vgl. S.44 zu erkennen)  handelt oder nicht. Auch bei den Pinot Noirs aus dem Burgund sind viele Detailinfos der Etiketten nicht aufgeführt.

 

1959 Corton Grand Cru,  J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq – Burgund (Füllstand 3,8cm)

 

87 Punkte – Schon etwas trübe in der Farbe; mit recht verhaltenen Eindrücken in der Nase, erinnert dieser Wein an Feuersteine nach einem Regenguss. Am Gaumen eher verwaschene Aromen, ohne klares Bild. In der Mitte jedoch mit feiner Süße und Eindrücken von Kirschkuchen und Kirschwasser. Im Abgang zeigt er keine besondere Länge. Im Vergleich zu einigen der „einfachen“ Dorflagen verspüre ich bei diesem Grand Cru keinen Lustgewinn / Genusszuwachs. Bei der Rückverkostung ist die Nase noch schwächer, am Gaumen zeigt sich ein vergleichbares Bild (86Punkte).

 

1959 Spätburgunder Cabinet Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter Eltville – Rheingau (Füllstand 2,5cm)

 

94 Punkte – Tiefe, dunkle Nase mit Aromen von Mokka, Kirschen, Pflaumen, feuchtem Holz und Süßholz. Am Gaumen beeindruckt mich die kräftige Statur und Definiertheit dieses Spätburgunders, der ganze 60 Jahre alt ist. Er wirkt sehr klar in der Aromatik, zeigt eine edle und reife Frucht mit Noten von Mokka und Karamell. Sehr schöne Balance aller Komponenten, die sich bis in den wunderschönen, langen Abgang durchzieht. Ein großer Wein. Leider kann er dieses Niveau bei der Rückverkostung  nicht mehr abrufen, die zusätzliche Belüftung hat Schaden angerichtet, er fällt auseinander, die Süße steht recht deutlich außen vor (89 Punkte). Anzumerken bleibt, dass sich der Spätburgunder in seiner Aromatik und in seinem Stil recht deutlich von allen anderen Pinot Noirs aus Burgund unterscheidet. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kamen auch die Teilnehmer der großen Vergleichsprobe auf Kloster Eberbach, deren Reaktion Martin Wurzer-Berger wie folgt zusammenfasst: „Zum einen erkennen und beurteilen sie differenziert die Stärken und Defizite der französischen Pinot Noirs, denen im Allgemeinen ein guter Zustand attestiert wird. Die Assmannshäuser lassen sich jedoch nicht ohne weiteres in das burgundische Geschmacksbild integrieren. Sie scheinen tatsächlich eine bemerkenswert eigenständige Form des Spätburgunders zu repräsentieren, die sich in einer ausgezeichneten Lagerfähigkeit demonstriert und auch geschmacklich zu überzeugen weiß.“

 

 

1959 Latricières Chambertin Grand Cru, Remoissenet Père et fils – Burgund (Füllstand 3,0 cm)

 

90 Punkte – Dieser Grand Cru besticht durch seine Klarheit; in der Farbe vollkommen klar, verbreitet er einen Maraschino-ähnlichen Duft (=relativ trockener Fruchtlikör) mit deutlichen Anklängen der Maraska-Kirschen, aus denen er hergestellt wird. Am Gaumen sehr sauber, klar und recht tief in der Aromatik; erinnert an schwarze Früchte, eingebettet in feinste Kaffeenoten, schöne Länge im Abgang. Auch diesem Wein hat die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung nicht gut getan, er entwickelt eine Pappe-Note in der Nase und wirkt nicht mehr so klar uns sauber (86 Punkte)

„Burgundmarathon 1.Tag / 3.flight“ weiterlesen

1996 Cuvée Millesimée Champagner Grand Cru / dosage zéro, Pierre Moncuit – Champagne

94 Punkte – Dieser Blanc de Blanc (=reiner Chardonnay) Champagner ist für mich mit das Beste, was ich bislang an Champagner getrunken habe. Die champagnertypischen brotigen Anklänge sind wunderschön ausgeprägt, die Aromen reichen von exotischen Früchten wie Ananas und Papaja, über frisch aufgeschnittene Äpfel bis hin zu ganz zarten Noten von frischem Sauerkraut.  Im Mund ist er sehr frisch und trocken mit weichem, zartem Schmelz. Sehr feine, gleichmäßige Perlage und tolle Länge. Die Champagner von Pierre Moncuit werden auf Grund ihrer Qualität Jahr für Jahr bekannter und so ist dieser Champagner ab Hof bereits ausverkauft. Der aktuell im Verkauf befindliche 2002er Jahrgangschampagner ist ebenfalls eine besondere Empfehlung, denn der ab Hof Preis (etwas über Euro 30,-) ist leicht gesunken.  Auch wenn die Preise des 96er etwas höher lag (knapp Euro 40,-), so ist er doch weit, weit entfernt davon, was vergleichbare Qualitäten (z.B. Dom Perignon in sehr guten Jahren) der  großen Champagnerhäuser  kosten.

 

1998 Riesling Rosacker Grand Cru, Mallo et Fils – Elsass

90 Punkte – Ein gelungener Start in den Abend! Mein Mitverkoster und ich stocherten erst mal gewaltig im Nebel, um anschließend ein paar gewaltige Luftlöcher zu schießen, denn mehr als die Eigenschaft „aus deutschsprachigem Raum“ und „Riesling“, wobei ich der zweiten Aussage heftig widersprach, haben wir nicht „erraten“. Selbst ein Anruf bei der 11880 – „Da wird Ihnen geholfen“ brachte kein brauchbares Ergebnis.

 

Dieser Riesling wirkt dicht und konzentriert, riecht nach (mehligen) gelben Früchten, Steinfrüchten und wirkt am Gaumen sehr cremig. Dem etwas fülligen Eindruck steht aber eine angenehme Mineralik entgegen, sodass der Wein nicht barock wirkt. Hinten heraus hat er eine leichte Bitternote sowie eine deutlich erkennbare Aromatik von weißem Pfeffer. Dieser Eindruck, gepaart mit den mineralischen Akzenten, war wohl auch der Grund, warum ich mir Grüner Veltliner  und Österreich notiert hatte.

 

Aber da half alle Trinkerfahrung nichts, ich lag mit meiner Einordnung komplett daneben. Was hilft da nur: noch mehr Trinkerfahrung sammeln, kombiniert mit der nötigen Recherche. Also versuchte ich über diese große Lage im Elsass Informationen zu sammeln und so stieß auf der homepage der Domaine Francois Schwach auf folgenden Text:

 

Der Rosacker verdankt seinen Namen den wilden Rosenhecken, die früher die Weinberge umrandeten. Zwischen Hunawihr und Ribeauvillé gelegen, wurde er schon im Jahre 1483 erwähnt. Einen jungen Rosacker erkennen Sie an seinem leichten, etwas pfeffrigen Aroma. Dank seines kalkhaltigen Bodens gewinnt dieser Riesling bei längerer Lagerung noch an mineralischem Aroma.“

 

Eine vielleicht interessante Info noch am Rande: Für den berühmten Riesling „Clos Sainte Hune” nutzt die Domaine Trimbach nur den Namen der kleinen, 1,3 Hektar großen Parzelle; der Name der Grand Cru Lage „Rosacker“, wovon Saint Hune ein Teil ist, wird nicht angeführt.

1959 Volnay-Caillerets 1er Cru, Louis Latour – Burgund

92 Punkte – Dieser Wein stammte aus einem grandiosen Burgunderjahr und die Premier Cru Lage "Caillerets" gehört zu den besonders guten ihrer Art in Volnay.  Der Weine brauchte Luft, die Nase wirkte zunächst etwas muffig und zeigte Aromen, die vermuten ließen, dass der Wein überm Punkt ist. Doch am Gaumen offenbarte er von Anbeginn seine Klasse: sehr fein und ausgewogen, mit seidigem Schmelz und immer noch vorhandener Fülle; auch die Tannine sind noch spürbar. Feine Karamellnoten (zu Beginn recht deutlich), malzige Spuren und mit zunehmend Luft wird er immer komplexer in der Aromatik. Er umschmeichelt die Zunge, kullert von links nach rechts und kleidet Mund und Rachen in Seide.

2005 Cru Monplaisir, Earl des Eyrins – Bordeaux / Margaux

83 Punkte – Gerade aus der Champagne zurückgekehrt, muss ich einfach von dieser preislichen Begegnung der dritten Art berichten. Was macht man in Frankreich, wenn man in den Supermarkt geht? Klar, neben dem Kauf von alltäglichen Dingen, sucht man nach Schnäppchen beim Wein. Auf diese Art ist schon die eine oder andere Flasche in meinen Keller gewandert, sei es aus Frankreich oder Luxenburg.

Doch diesmal rieb ich mir verwundert meine entzündeten Augen. CRU MONPLAISIR stand da, das Etikett erkennt man auf Grund seiner klaren, reduzierten Schönheit sofort und dann der Preis

2004: Euro 3,50 (Angebot, statt 3,95)
2005: Euro 4,50                                

Ich dachte, das kann nicht sein – dass soll der gleiche Wein sein, um den z.B. der Händler meines Vertrauens jedes Jahr so ein Aufhebens macht und den Wein – in der Subskrption !!! – für:

2003: Euro 8,95 (Subskription); später Euro 9,50
2004: Euro 7,95
2005: Euro 7,95
2006: Euro 7,95

anbietet. Das heißt – im Vergleich – der 04er ist über 125% teurer und der 05er hat noch einen satten Preisaufschlag von über 75%.  Doch preislich ist der Händler meines Vertrauens (und trotz dieser Auswüchse bleibt er das !) noch nicht das Ende der Fahnenstange, ein Blick in google zeigt, dass auch Euro 10,- möglich sind.

Das bringt mich zu einer Anekdote, die der Verkäufer im Shop von William Fèvre in Chablis (ausführlicher Besuchs- und Verkostungsbericht dieser spektakulären Weine folgt) zum Besten gab:

Unterhalten sich zwei Russen, sagt der eine zum anderen: "Schau mal Igor, meine neue Rolex, habe ich in Monaco für Euro 9.000 gekauft." Darauf antwortet Igor: "Bist Du bekloppt Dimitrij, die musst Du in Moskau kaufen, dort kannst Du für die Uhr  Euro 15.000 ausgeben."

Da ich grundsätzlich mit sehr preiswerten Bordeaux noch nie größeren Trinkspass hatte, habe ich vom 05er nur 3 oder 4 Flaschen in einer Kiste über einen engen Freund mal miterworben, aber eine Pulle lag noch im Keller und als ich nach Hause kam, wollte ich wissen, was das Zeug kann.

Klassischer Bordeaux-Blend, duftet zunächst hell, nach eher roten Früchten, Kirschen. Am Gaumen sauber, recht frisch, als Bordeaux gut zu erkennen, aber insgesamt eher leicht und mit wenig Tiefe. Etwas rote Beeren, ein Hauch von Zigarrenkiste und das wars (ohne Länge). Für ca. Euro 4,00 preislich auf Supermarktniveau und da sicherlich unter den top 5% qualitativ anzusiedeln, aber beim doppelten Preis gibt es reichlich Alternativen, insbesondere aus anderen Anbaugebieten und Ländern, die klar mehr leisten fürs Geld. – Austrinken !!

2001 Marcel Deiss – Altenberg

93 Punkte – (alle traditionelle Rebsorten des Elsass zzgl.Chasselas rose; Grand Cru Lage inmitten eines Feldes von geologischen Verwerfungen, wo harte Böden des Jura und Mergelböden des Lias aufeinandertreffen. Die Reben stehen so auf einem roten, eisenhaltigen Ton-Kalkboden, der sie zwingt tief zu wurzeln. Der Altenberg zeigt eine absolut südliche Ausrichtung und ist äußerst warm und trocken. Die häufig durch Edelfäule verstärkte Reife der Trauben ist außergewöhnlich, wobei die Lage hier klar die gemischt angebauten Rebsorten in ihrem Charakter dominiert.) Zum Wein:

„2001 Marcel Deiss – Altenberg“ weiterlesen

2001 Marcel Deiss – Gruenspiel

92+ Punkte – (Mischpflanzung aus Riesling, Pinot Noir und Gewurztraminer; eine nach Süden ausgerichtetes Amphietheater, oberhalb der Grand-Cru-Lagen von Riebeauvillé – an der Oberfläche Sandstein und der für das Elsass so typische Granit, darunter Keuper-Mergel)

Komplexe Nase, nicht ganz so dicht und "schwer" wie der Burg, dafür glockenklar – schon jetzt

„2001 Marcel Deiss – Gruenspiel“ weiterlesen

2001 Marcel Deiss – Burg

92 Punkte – (Mischpflanzung aller traditionellen Elsässischen Rebsorten; Tonmergelschichten mit stellenweise kalkhaltigen und fossilienreichen Knollen bilden hier einen eher tiefgründigen Lehmboden; südliche Exposition mit mittlerer Hangneigung)

Ausladende Nase, fett, fast parfümig, trotzdem

„2001 Marcel Deiss – Burg“ weiterlesen

2002 Marcel Deiss – Grasberg

90 Punkte – (Riesling, Pinot Gris, Gewürztraminer; "dieses nach  Nord-Osten ausgerichtete Terroir befindet sich in ca. 340 Metern Höhe auf dem Gipfel des Grand Cru  Altenberg und ist geprägt von dem mageren Kalkboden des ‚Großen Oolith‘." – aus der Originalweinbeschreibung des Weingutes) Man erklärt uns, dass trotz der Nord-Ost-Ausrichtung es genügend Wärme und Sonnenstrahlung gibt, es handelt sich um das trockenste und nährstoffärmste Mircoklima unter allen Cru-Lagen, sodass die Wurzeln hier besonders tief nach Nahrung und Wasser suchen. Zum Wein:

„2002 Marcel Deiss – Grasberg“ weiterlesen