2005 Puilly-Fuissé Vieilles Vignes, Domaine de Fussiacus – Burgund

88 Punkte – Pouilly-Fuissé ist eine Appelation d’Origine Contrôlée für Weißwein im Macônnais und leicht zu verwechseln mit Pouilly-Fumé von der Loire, einem Sauvignon Blanc. Wer sich weißem Burgunder nähern möchte und ein Gefühl für schöne Chardonnay-Weine entwickeln möchte, ist in dieser Region prächtig aufgehoben, denn sie bietet gute Qualitäten für ehrliches Geld. Leider kann man dies für die großen, weißen Schwestern und Brüder von der Côre de Beuane nicht immer sagen.

Die Domaine Fussiacus (klingt irgendwie nach einem Römer, der gerade mal wieder von Asterix und Oberlix ein paar Schellen bekommt ;-)) produziert mit Ihrem Vieilles Vignes einen mustergültigen Wein dieser Appelation.  In der Nase ist dies ein recht offener, fruchtiger Geselle, der mit seinen Apfel-matschigen, wachsigen und nussigen Noten durchaus zu überzeugen weiß. Hier werden keine Gefangenen gemacht, die Nase ist klar geradeaus und zeigt, was sie kann. Am Gaumen etwas differenzierter. Einerseits gelbe, exotische, vanillige und teilweise auch etwas barocke Noten, andererseits eine schöne klare Mineralität und Frische, die diesem Chardonnay in Summe eine  blumig kalkige Komponente verleiht. Der 2005 ist jetzt perfekt gereift, schön saftig und mit einem leicht haselnussigen und buttrigen Begleitton, den er verträgt, da er ausreichend mineralische Frische und eine schöne Säure dagegen setzen kann. Dieser Stoff ist kein intellektueller Edelmann, aber ein so griffiger und schelmischer Spross, der das Zeug hat, die Bourgeosie zu begeistern. Mir gefällt’s und die Flasche war an diesem Abend schnell leer.

 

1994 Chardonnay Grand Select, Weingut Wieninger – Wien

85 Punkte – Schon erstaunlich, wie stark dieser Chardonnay noch von jung wirkenden Holzaromen beeinflusst ist. Die Nase zeigt deutliche Barriquenoten, Buttertoffee, aber zu Beginn auch eine leichte Sauerkrautnote, die mit zunehmender Luft im Glas sich etwas abbaut und floralen Anklängen weicht. Der Eindruck, den dieser Wein in der Nase hinterlässt, ist intensiv, aber leider auch etwas grob. Am Gaumen ebenfalls laktische Noten, dazu eine schöne Citrus-Apfelfrucht mit guter Säurestruktur; recht langer Abgang. Ein Chardonnay im internationalen Stil, wie er lange en vogue war, heute aber eher unpopulär ist. Mit hat er trotzdem ganz gut gefallen und meine Hand ging durchaus zum Glas, auch wenn er insgesamt eher etwas  holprig geschnitzt ist; mit seinen 13,5% Alkohol ist er auch nicht zu fett.  

 

1988 Chardonnay, Bründlmayer – Kamptal


87 Punkte – „Der Chardonnay hat den internationalen Erfolg von Willi Bründlmayer jun. eingeleitet. In den 80-er Jahren gewann Bründlmayer Chardonnay auf der Weinmesse Vinitaly eine Verkostung der „besten Chardonnays der Welt“(Veronelli), obwohl er eigentlich von einem deutschen Journalisten nur als „Pirat“ eingeschleust worden war. Der internationale Ausbaustil hat seither zu einer individuellen Ausprägung gefunden mit fester Struktur und charmanter „österreichischer“ Frucht.“ (vgl. http://www.bruendlmayer.at/weine/weisswein/chardonnay_2002.php) Unglaubliche 21 Jahre hat dieser Chardonnay auf dem Buckel und er stand wunderbar im Glas. Der Wein verströhmte einen vielfältigen Duft, der mich an Waldhonig, Quitten, Äpfel und Crème Brûlée erinnerte. Die Nase ist finessenreich, am Gaumen konnte er das Niveau nicht ganz halten. Dennoch zeigt sich auch hier der Wein eher von der eleganten, filigranen Seite; sehr klar, mit feinem Schmelz – wirklich schön gereift. Heute arbeitet Willi Bründlmayer bei seinem Chardonnay mit Eiche aus der Region. Leider konnte ich noch nicht herausfinden, ob dies damals auch schon der Fall war, denn irgendwie hatte der Weine deutlich etwas burgundisches, aber auch wieder nicht – vielleicht bringt hier auch das Holz eine deutlich lokale Note mit ein.

Baroloprobe und Österreich

Während meiner Urlaubswoche veranstaltete ein Freund in Hamburg mitten in der Woche überraschend eine formidable Weinprobe. Da es sich inzwischen herumgesprochen hat, dass ich unheimlich gerne Altweine trinke und mein Herz besonders für den Nebbiolo schlägt, habe ich mich natürlich besonders gefreut, dass an diesem Abend – im Kreise besonders lieber Freunde – ein paar Preziosen auf den Tisch kamen. Bei Brot, Butter und Salz (eine blendende Ausstattung für Weinproben, wenn man sich auf die Wein konzentrieren möchte) begann unser genussreicher Abend mit zwei Weißweinen, die ich in diesem Keller so gar nicht vermutet hatte 😉 

 

 

2001 Chardonnay Schloßzgarten (Schlossgarten), Hirtzberger – Wachau

 

 

Keinen Schreibfehler, sondern wohl die alte Rechtschreibweise dieses Wingert findet man auf dem Etikett dieses Chardonnay. Ein Blick in das deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm zeigt dazu:

 

garten, der zu einem schlosse gehört, hortus palatii FRISCH 2, 201b: und ich läge berauscht im rasen des schloszgartens. SCHILLER räuber 5, 1 schausp.;

 

90 Punkte – Unabhängig von der Schreibweise, die echte Wahrheit befindet sich im Glas vor mir 😉 Ein kräftiges goldgelb strahlt mich an, die Nase ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig: Feuerstein und Katzenpipi (baut sich mit zunehmend Luft ab), daneben buttrige oder dezent harzige Noten. Am Gaumen dann reife Noten von Apfelmus, Orangenzesten, überreifen Äpfeln, Papaya und Rosinen. Daneben dezent buttrige Anklänge und eine recht tiefe Mineralik, die dem Wein Kontur und Tiefe verleiht. Letztlich ein schwer zu beurteilender Wein, denn ich vielleicht an einem anderen Tag weniger Punkte gegeben hätte. Bald austrinken.

1997 Hiedler – Maximum Chardonnay halbtrocken / Kamptal (=Weinrätsel in Frankfurt)

Ein normaler Donnerstag in Frankfurt/Main – ich hatte hier beruflich zu tun und da man liebe Freunde grundsätzlich viel zu selten sieht, nutzte ich die gute Gelegenheit bei Birgit und Bernd zu nächtigen. Kaum angekommen hatte ich ein Glas in der Hand und wunderbaren Speck aus Südtirol auf dem Teller. Bernd sagte nur kurz: „Wir verzichten heute auf das Vorgeplänkel“ und tauchten ein in die Tiefen des Weingenusses. Grundsätzlich waren wir uns aber einig, dass Vorgeplänkel (in Form von guten, aber nicht herausragenden Weinen) wichtig ist, um überhaupt die späteren Top-Weine in ihrer Qualität, ihre Komplexität und den durch sie erlebten Genuss richtig einordnen zu können.

 

Los ging es mit einem Wein der besonderen Art, ich war aufgrund der Aromatik recht verunsichert, was ich da im Glas hatte und versuchte mich über das Land zu nähern. Frankreich war mein erster Versuch und ich war mir eigentlich sicher, dass ich Recht haben würde, aber mir schallte nur ein „No“ entgegen. Ich wurde vorsichtiger, aber mit „Wein aus der Alten Welt“ lag ich zumindest richtig. Aber woher ? Ich erinnerte mich, dass die beiden kürzlich Portugal bereist hatten und erklärte Bernd, dass ich von portugisischen Weißweinen überhaupt keine Ahnung habe, aber man sollte weniger denken und auf seine Sensorik vertrauen. Ok !! Ich konzentrierte mich wieder auf den Wein – aufgrund der Cremigkeit, der Aromatik am Gaumen wurde ich mir hinsichtlich der Rebsorte etwas sicherer und ergatterte   mit „Burgunderrebsorte“ und „Chardonnay“ ein zweimaliges Kopfnicken. Aber dann verließ es mich auch schon wieder, meine gesamte Trinkerfahrung brachte mich nicht weiter, so einen Wein hatte ich bislang noch nicht im Glas:

 

In der Nase eine dichte Frucht, die insbesondere durch zwei Aromen getragen wurde, durch Mandarinen und einem herrlich würzigen, dunklen Waldhonig. Beides konnte man auch am Gaumen wieder finden, aber da war nicht nur die Würze des Kräuterhonigs, da war gleichzeitig auch die dazu passende Honigsüße, dieser Wein hatte einen deutlichen Zuckerschwanz. Aber ein wirklich restsüßer Wein war es nicht. Der Wein wirkte auf der anderen Seite erstaunlich frisch, hatte eine tiefe Mineralik, die den Eindruck von Frische weiter untermauerte, aber gleichzeitig waren da auch Aromen, die mir klarmachten, dass ich keinen ganz junger Wein vor mir hatte. Auffallend schön seine Dichte, seine saftige, extraktreiche Art und die Cremigkeit, mit der dieser Wein über die Zunge zu gleiten vermochte. Die gute Länge und Aromen von Karamell und Sahne rundeten das Bild ab. „Bild“ ein gutes Stichwort – denn inzwischen war ich mir sicher, dass ich dieses Bild noch nie in meinem Leben gesehen hatte und so musste ich die Segel streichen, um nicht endgültig in willkürliches Rätselraten zu verfallen.  90 Punkte

 

Lösung: Hiedler, Chardonnay 1997 Maximum halbtrocken  – Kamptal / Österreich

2003 Hollerith Chardonnay Maikammer Heiligenberg Spätlese trocken, Pfalz

84 Punkte – Diese Spätlese habe ich Anfang des Jahres auf einer Weinmesse in Hamburg erstmals getrunken und war sehr positiv überrascht – insbesondere die Frische dieses Pfälzer Chardonnays hat mich begeistert. Inzwischen muß ich mein Urteil leicht relativieren,

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