1978 Chambolle Musigny Les Amoureuses Tête de Cuvee, Bernard Grivilet – Burgund (Top of the Pops)

96 Punkte – Einmal mehr zeigte sich, dass die Weine von Bernard Grivilet lange Zeit das Maß der Dinge im Burgund waren. Zwar wird kolportiert, dass er bereits in den 70er Jahren den Kunden seines Handelshauses angeboten haben soll, sich den Jahrgang auf dem Etikett auszusuchen, doch letztlich verbinde ich bislang mit den Weinen seiner Domaine nur unfassbar schöne Trinkerlebnisse. Einen Wein von überirdischer Schönheit und eines meiner bislang größten Weinerlebnisse habe ich auch ihm zu verdanken (ein 1945er Chambolle-Musigny). Auch dieser Chambolle ist kein Ausreißer in der Reihe und der erste Eindruck in der Nase, geprägt von einer tiefen und sehr feinen Aromatik, lässt diese Unruhe in mir aufkommen, die ich immer verspüre, wenn ich das Glück habe, besonderen Weinen zu begegnen. Tee von roten Beeren, Feuerstein und eine feine, elegante Süße sind Eindrücke, die mich anfixen. Am Gaumen seidige Eleganz und ein hauchzarter Schmelz, dazu ein Eindruck auch gut zu einem Rhonewein (in Form von verbrannter Erde und heißen Steinen – und vielleicht ist ja auch etwas Rhone drin ;-)))  passen würde.

Burgundmarathon 2.Tag / 1.flight

 

 

40er (?) Moulin a Vent, Eugène Loran & fils  Beaujolais (Füllhöhe 4,0 cm)

 

91 Punkte – Was für eine Überraschung – ein sensationell gereifter Beaujolais. In Deutschland weiß nahezu niemand, dass im Beaujolais auch noch etwas anderes erzeugt wird, als diese Primeur-Plörre, die jedes Jahr den Markt flutet. Doch wer neugierig ist, und sich mal mit den Details dieses Weinbaugebietes auseinander setzen mag, der wird früher oder später auf die Crus-Gebiete im Herzen (Norden) des Beaujolais stoßen und feststellen, dass hier auch charaktervolle Weine erzeugt werden. Moulin a Vent gilt als primus inter pares und hier gedeihen wohl die lagerfähigsten Beaujolaisweine. In ihrer Jungend sind sie recht unnahbar und hart, aber mit nach 3,4,5 Jahren Lagerung blühen sie langsam auf und zeigen regelmäßig, dass auch aus Gamaytrauben richtig schöner Wein erzeugt werden kann.

 

Dass wir nun einen Wein im glas hatten, der schon 60 Jahre oder mehr auf dem Buckel hatte und immer noch im Glas unglaublich ausbaute, war auch für mich eine große Überraschung. Informationen zum Erzeuger konnte ich leider keine finden, aber die Quelle aus der der Wein stammt ist zuverlässig und wir tranken so einen Stück Geschichte ohne genau zu wissen, wer uns das „eingeschenkt“ hatte.

 

Zu Beginn ein Anflug von Champions in der Nase, aber mit etwas Luft verzog sich dieser Eindruck schnell und eine zarte und feine Nase mit Anklängen an rote Beeren offenbarte sich. Auch am Gaumen ein Wein, der durchaus noch Struktur vorweisen kann und in seinen Aromen noch erstaunlich frisch wirkte, aber dann eher zart und verspielt war. Insgesamt aufregend differenziert und fein am Gaumen, auch hier wieder zarte, rote Früchte (Erdbeeren, Himbeeren) mit einer wunderbaren, feinen Süße, die lange den Gaumen umschmeichelt.  

 

Bei der späteren Rückverkostung hat er noch einen Happen zugelegt und die Frucht und die Süße sind noch schöner geworden (92 Punkte).

 

 

 

1949 Chambolle Musigny, Ph. Vinzent – Burgund (Füllhöhe 5,3 cm)

 

89 Punkte – Für 60 Jahre zeigt dieser „einfache“ Chambolle Musigny eine erstaunlich dunkle Farbe. In der Nase ein recht edler Ansatz, Kakao- und Mokkanoten, Karamell und ein Hauch von Steinpilzen; kraftvoll. Im Mund kann er jedoch das Versprechen des Buketts nicht halten: leichte Sherrynoten, wirkt recht gereift, aber auch recht dicht. Leider drängt sich die Säure immer stärker in den Vordergrund und ich habe das Gefühl, dass er im Glas recht schnell verliert. Doch hier habe ich mich getäuscht, denn bei der Rückverkostung später wirkt er klarer und gewinnt nochmals etwas an Tiefe (ich hatte ihn dann bei 90 Punkten).

 

 

1959 Vosne Romanée, Bouchard Père & fils (Füllhöhe 5,8cm) 

 

85 Punkte – Ich habe lange gebraucht, um hier das Wirrwarr an Namen mit dem Bestandteil „Romanée“ zu begreifen, denn die Gemeinde Vosne-Romanée ist so etwas wie die Schatzkammer der Côte de Nuits und bei dem Namensbestandteil „Romanée“ denkt man unwillkürlich an die großen und nahezu unbezahlbaren Weine der Domaine Romanée-Conti.

 

Aber vielleicht der Reihe nach: Die Gemeinde Vosne Romanée verfügt über sieben GRAND-CRU-Lagen: La Romanée Conti, Le Richebourg, La Tâche, La Romanée-Saint-Vivent, La Romanée, Les Grand Echézeaux und Les Echezeaux. Von diesen sieben GRAND-CRU-Lagen sind zwei sogenannte Monopol-Lagen, d.h. sie sind im Alleinbesitz eines Erzeugers, hier der Domaine Romanée-Conti.  Darüber hinaus gibt es auch noch einige Premier-Cru-Lagen, wie z.B. Les Petits-Monts oder Les Suchots. Doch steht – wie in unserem Fall – auf dem Etikett „nur“ Vosne-Romanée, so stammt dieser Wein aus den Weinbergen der Gemeinde Vosne-Romanée, aber es ist weder ein Grand-Cru, noch ein Premier Cru und schon gar kein Wein der Domaine Romanée-Conti.

 

Frisch im Glas roch unser Kandidat aus einer Flasche mit relativ schlechtem Füllstand zunächst nach „nassem Lappen“ – und zwar so einem, den man in der Küche schon viel zu lange liegen hatte (ihhhh). Auch der zweite Eindruck kann nicht wirklich überzeugen, denn das Aroma von Liebstöckel bzw. das Maggikraut hat schon ziemlich stark Besitz von diesem Wein ergriffen; hinzu kommt ein Eindruck von Aceton.  Auch am Gaumen ist der Wein nicht wirklich eine Offenbarung, auch wenn zunächst etwas Kaffeearomen sowie eine malzige Süße erkennbar sind, doch dann bricht auch hier der Eindruck von Maggikraut durch und der Wein entwickelt zudem eine leichte Bitterkeit. Bei der Rückverkostung hat die Süße noch etwas gewonnen, aber letztlich bleibt er seinem Aromenbild treu und ich werte den Wein nochmals einen Punkt ab (84 Punkte)

Burgundmarathon 1.Tag / 4.flight


1952 Nuits St. Georges, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 3,1cm)

 

88 Punkte – Die letzte wichtige Gemeinde der Côte de Nuits ist Nuits-Saint-Georges. Man nennt das Dorf auch die „Niere von Burgund“ – weil hier das Burgund hier einen leichten Knick macht, aber auch (so wird kolpotiert) weil hier so viel Wein durchfließt, denn seit jeher haben viele Firmen hier ihren Sitz. Das Etikett unseres 52er aus dem großen Hause Louis Latour zeugt von einem „einfachen“ Dorflagenwein, doch trotzdem stellt sich bei mir ein erfreulicher Trinkgenuss ein. In der Nase wirkt er recht kühl; mit Anklängen von Kräutertee, Melisse und einem zarten Hauch von Pfefferminz. Am Gaumen ist er ansprechend füllig, ebenfalls mit einer erkennbaren Kräuternoten; insgesamt für sein Alter noch recht straff. Auch die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung schadet ihm nicht, er bleibt auf seinem Niveau, wirkt sogar noch etwas frischer.

 

1952 Chambolle Musigny, Louis Latour – Burgund (Füllhöhe 4,6cm)

 

80 Punkte – Was für ein Unterschied zu seinem Vorgänger. Gleicher Jahrgang, gleiches Handelshaus, anderer Teil von Burgund – aber ebenfalls Dorflage. Die Nase wird von einer stark alkoholischen Note dominiert. Darauf folgen Eindrücke von Maggikraut, Sherry und andere, beim Wein nicht gerade gesuchte Aromen. Am Gaumen erstaunlich weich, aber leider auch mit wenig Charakter und Ausdruck, eine leicht ranzige Butternote zieht sich durch. Die angenehme Süße, die besonders im Abgang deutlich wird, vermag es auch nicht mehr rauszureißen. Bei der Rückverkostung geht der Inhalt meines Glases recht schnell direkt in den Spuckbecher (75 Punkte).

 

 

1952 Grand Echezeaux, Domaine de la Romanée-Conti (Füllstand 7,0cm)

 

95 Punkte – Schon öfter habe ich die Erfahrung gemacht, dass Flaschen mit einem schlechten Füllstand nicht zwangsläufig schlechten Wein beinhalten müssen. Trotzdem schraubte ich meine Erwartungen sehr weit runter, als Michael Schmidt diese Flasche mit den Worten ankündigte: „Jetzt kommt ein besonderer Wein, jedoch ist der Füllstand schlecht, es fehlen ca. 7cm in der Flasche“. Doch schon in der Nase zeigt sich die besondere Klasse dieses Weines – Tiefe, kühle Aromatik, sehr klar und super-sauber, mit deutlich ätherischen Anklängen; ein echter Nasenbär, man möchte gar nicht aufhören in dieses Glas hineinzuschnüffeln, so tief und berauschend sind die Eindrücke. Am Gaumen ebenfalls ein herrliches und finessenreiches Spiel, jedoch ohne dass der Wein besonders körperreich wirkt. Überraschend waren für mich auch die (Frucht-)Aromen, die ich eher einem Weißwein zuordnen würde: Weinbergspfirsich, Mirabellen, Orangenzesten, Lakritz und viele mehr. Auch dieser Wein hatte bei der Rückverkostung nochmals deutlich  Luft bekommen und in der Nase war schlicht perfekt (!!); am Gaumen jedoch hatte er ein wenig abgebaut (94 Punkte).

Burgundmarathon 1.Tag / 2.flight

Besonders interessant an diesem flight war die direkte Gegenüberstellung der beiden 1er Cru Weine aus Beaune, der erste aus der größten Beaune-1er Cru-Lage "Les Grèves", der zweite vielleicht aus einer der bekanntesten "Clos des Mouches" (insbesondere der Teil der dem Haus Drouhin gehört); beide Weine aus dem Jahrgang 1959 und beide von Paul Bonnet, einem Erzeuger/Händler, zu dem ich bislang keine Infos gefunden habe, der aber seinen Sitz im benachbarten Nuits-St.Georges wohl hatte.


1959 Beaune Grèves 1er Cru, Paul Bonnet – Burgund (Füllstand 1,9cm)

88-89 Punkte – Wirkt recht kühl in der Nase und zeigt Noten von gelben Wachsbohnen. Auch am Gaumen zunächst etwas unausgewogen (kantig und mit Bitternoten im Abgang) , mit mehr Luft entwickelt sich jedoch eine schöne Stoffigkeit mit Eindrücken von reifen, schon etwas mehligen roten Früchten (88 Punkte); ordentliche Länge; in der Rückverkostung (89 Punkte) habe ich mir rote Johannisbeeren und einen denzenten Medizinalton notiert.

1959 Beaune Clos des Mouches 1er Cru, Paul Bonnet – Burgund (Füllstand 3,5cm)


92 Punkte – Von Anbeginn mit einer feinen, süßen Kräutrigkeit in Mund und Nase. Am Gaumen zeichnet er sich durch eine feine Stoffigkeit mit dezent malzigen Noten (Malzbonbon) und einem Hauch von Holzkohle aus. Eine sehr feine Frucht ist gut zu erkennen, die mich mehr an gelbe als an rote Früchte erinnert.  Auffällig ist auch das wirklich schöne Säurespiel. Die feine aromatische Tiefe und Dichte runden insgesamt das Bild dieses feinen Weins ab. In der Rückverkostung ein ähnliches Bild mit konstantem Punktwert (92 Punkte)


1959 Gevrey Chambertin, unbekannter Erzeuger – Burgund (Füllstand 7,4cm)

84 Punkte – Denkbar schlechte Voraussetzungen brachte der nächste Wein mit, ein Füllstand mit minus 7,4cm ist schon kritisch. Dennoch war der Wein nicht total hinüber, aber eine Freude war es auch nicht. In der recht unsauberen Nase begrüßte einen der Kellermuff, gefolgt von deutlichen Reifenoten. Am Gaumen sehr weich, mit einem Hauch von roten Tee, Malventee, dann aber auch Bitternoten. Insgesamt kurz und recht stumpf. Bei der Rückverkostung gab er sein letztes und eine "Todessüße"  (Malzigkeit) und eine etwas dunkler wirkende Frucht kamen noch einmal zum Vorschein, aber große Sprünge waren das nicht.


1959 Chambolle Musigny, de Canniere (Abfüllung) – Burgund (Füllstand 4cm)

83-86 Punkte – Leider war ich bei diesem Wein etwas abgelenkt und habe mir wenig notiert: kühl, etwas Liebstöckel, ordentliche Struktur, recht fest, aber wenig inspiriert (86 Punkte). Bei der Rückverkostung ging es dann  bergab mit ihm, er roch wie ein Lappen, mit dem man den nassen Hund bei seiner Rückkehr abgerieben hat (83 Punkte)