Nicolas Rossignol – Ankunftsverkostung

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(veranstaltet von Nobbi Müller – http://www.nobbimueller.de)

Hintergrund:

Nicolas Rossignol, geboren 1974, ist Winzer in der 5. Generation. Seine Weine sind ein prädestiniertes Beispiel für die vollzogene stilistische Wandlung von strukturbetonten Burgundern hin zu Weinen mit viel Frische, Klarheit und Finesse. Früher waren die Weine des Familienweingutes Rossignol Jeanniard bekannt für massive, tiefdunkle und gerbstoffbetonte Burgunder. Nicolas Weine sind dagegen stets anregend, frisch und elegant.

Nach Stationen in Südafrika, der südlichen Rhône und in Boredeaux startet Nicolas Rossignol 1997 sein eigenes Weingut mit knapp 3ha in den Lagen von Volnay, Pommard, Beaune, Aloxe-Corton and Pernand- Vergelesses. Bereits ein Jahr später kommen weitere 1,5 ha hinzu. Heute werden Weine aus über 20ha vinifiziert, wovon ein Teil aus den eigenen Weinbergen stammt, den Rest kauft er vom Familienweingut seines Vaters – zunächst nur gewisse Partien, inzwischen wird die komplette Ernte von Nicolas übernommen.

Sein Credo sind Lagentypizität und Transparenz. Im Keller verzichtet er auf kellertechnische Maßnahmen wie Kaltmazeration vor der Gärung oder Schönung und Filtration bei der Füllung. Im Weinberg sind chemische Unkrautvernichter tabu und bei der Pflege seiner Rebstöcke übernimmt der Mondkalender eine gewichtige Rolle.

Jahrgang 2013:

Der 2013er Jahrgang hielt für Nicolas Rossignol die gleichen, schwierigen Bedingungen bereit wie schon der 2012er Jahrgang. Einziger Unterschied: in 2013 kam zum Ende der Ernte noch massiver Botrytisdruck hinzu. 2013 suchten die Hagelstürme die Weinberge über drei Wochen später heim als ein Jahr zuvor. Die Reben waren zu diesem Zeitpunkt in ihrer vegetativen Entwicklung ca. drei Wochen hinter 2012 zurück, sodass das Schadensbild fast identisch zu 2012 ausfiel. Die Weinberge in den höheren Lagen haben dabei mehr gelitten als die flacher gelegenen Rebflächen. Viele der getroffenen Beeren sind nach dem Hagel abgetrocknet und anschließend abgefallen, sodass am Ende in keinem Weinberg ein Totalschaden entstanden ist. Größtes Problem für Nicolas Rossignol in 2013 sind die super geringen Mengen, die Ernte betrug nur 30% eines durchschnittlichen Jahrgangs. Bei der Vinifikation und im Ausbau hat Rossignol in 2013 besondere Vorsicht walten lassen. Die Extraktion von Farbe und Tannin wurde besonders schonend betrieben. Der Anteil an neuem Holzes im Ausbau beträgt nur 15-20%.

Im Ergebnis zeigten die verkosteten Weine eine gute, klare und durchaus konzentrierte Frucht mit einer belebenden Frische. Alle verkosteten Weine zeigen bereits heute einen jugendlichen Charme und sind deutlich zugänglicher als in anderen, strukturbetonten Jahren (z.B. 2005). Über die Lagefähigkeit mache ich mir keine Gedanken, die nächsten 10 Jahre sollten für die Einzellagenweine kein Problem darstellen.

Verkostungsnotizen:

2013 Bourgogne Heritière, Nicolas Rossignol – Burgund

Duftige, bereits erfreulich geöffnete Nase nach blauen und roten Beeren, leicht würzig. Am Gaumen leicht- bis mittelgewichtig, mit einer offenen, etwas rauhen Frucht, dezente Würzigkeit; offener Typ, mit gut eingepasster Säure, zeigt viel und will jetzt gefallen. Ein sauberer Burgunder für den Einstieg. Macht jetzt und in den nächsten 3,4 Jahren Spaß. Stammt von alten Reben in Pommard, in 2013 komplett entrappt, statt der üblichen ca. 3.800 Flaschen nur 660 Flaschen. 15/20 – jetzt bis 2019.

2013 Pommard „Les Vignots“, Nicolas Rossignol – Burgund

Sehr dunkel in seiner Robe. Schöne Burgundernase mit toller dunkler Frucht von schwarzen Johannisbeeren und anderen dunklen Beeren, feine Würzigkeit mit Anklängen von Pfeffer. Am Gaumen mit guter Substanz, dunkler und feiner Frucht, kombiniert mit einer Vielzahl erdiger Noten. Die feine Extraktsüße steht ihm heute gut, die Frucht ist an der Grenze zur Überreife, aber letztlich doch noch voll im „grünen Bereich“. Die mineralische Ader sorgt für ein komplexes, sehr stimmiges und schönes Burgundererlebnis. Das macht heute bereits viel Freude; von 12-18 Monaten zusätzlicher Reife im Flaschenkeller wird er dennoch profitieren. 17/20 – 2015 bis 2020

2013 Pommard 1er Cru, Nicolas Rossignol – Burgund

Schöne, tiefe Nase mit viel Substanz und einer offenen Frucht. Fruchtbetont mit viel roten Früchten, Himbeeren, Pflaumen und einer angenehm, erdigen Ader; frisches Brot. Am Gaumen mit guter Substanz, schönem Extrakt, mittlerem Körper, einer gut eingepassten Säure und einem klaren, von Mineralität geprägten Gesamteindruck. Hinten heraus wird er etwas strenger und schmuckloser. Aktuell gefällt mir der Les Vignots einen Tick besser. Mit zusätzlicher Reife dreht sich das Bild voraussichtlich.

Neue Cuvée mit nur 540 Flaschen, es befinden sich alle 1er Cru Lagen aus Pommard – außer Epenots und Chaponnieres darin wieder. Ein separater Ausbau hat in 2013 nicht gelohnt. 16+/20 – 2015bis 2022

2013 Volnay „Les Chevrets“ 1er Cru, Nicolas Rossignol – Burgund

Der animalisch, an gekochtes Rindfleisch erinnernde Auftakt überrascht zunächst etwas. Mit Luft baut die dahinter liegende, dunkelbeerige Frucht wunderbar aus, sie wird zunehmend komplexer, intensiver und tiefer in der Aromatik. Am Gaumen ein Wein mit schöner Substanz und Tiefe; pure, reintönige Frucht mit guter Dichte; mittlerer Körper. Die Tannine geben Struktur, sind an der Oberfläche rund und geschliffen. Der Wein besitzt Kraft, eine gute Säure und präsentiert sich bestens balanciert. Im Abgang mit Länge und sehr sauberer Pinotfrucht. 17+/20 – 2015 bis 2023

2013 Volnay „Les Caillerets“ 1er Cru, Nicolas Rossignol – Burgund

Ganz andere Stilistik in der Nase als alle verkosteten 2013er Rossignol-Weine zuvor. Kühler Duft, überaus kühl, geschliffen und elegant. Die Kombination aus dunkler Frucht, Tee, Zedernholz und einem Touch Menthol vermittelt einen aristokratischen Eindruck. Er zeigt seine Kraft und die Frucht nicht so offensiv wie der Les Chevrets, doch die Substanz ist sehr gut, von kühler Eleganz und edlem Zuschnitt. Die mineralische Ader ziert ihn wie eine silberner Nadelstreifen die gesamte Robe. Jetzt schon – mit ausreichend Belüftung – überaus genussvoll, wird aber sein Niveau sicherlich in den nächsten 10 Jahren halten. 18/20 – 2015 bis 2023

Grundsatz: Alle verkosteten Weine entstammen entweder dem eigenen Keller oder wurden vom Winzer kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine darüber hinaus gehende Bezahlung oder  andere Art von Gratifikation ist grundsätzlich ausgeschlossen.

 

 

 

 

2007 Chevalier-Montrachet, Domaine Etienne Sauzet – Burgund

15058337360_bdfee88733_b99 Punkte – Wahnsinnsteil! In 2007 hat Gérard Boudot ein Meisterwerk abgeliefert. Das Parfum des Weines ist überall – dicht, kraftvoll und enorm vielschichtig. Kein roter Teppich, sondern ein Aromenteppich kleidet den Weg zum ersten Schluck. Sahne, Citrusnoten, Birnen, etwas grüne Banane, exotische Früchte, Frühlingsblumen, Quitten, edles Holz (20% neues Holz in diesem Jahrgang) und eine Spur von Vanille und Wachs sind die Klangfarben in dem Gesang der Sirenen, dem man sich unmöglich entziehen kann. Voller Körper, mit einer atemberaubenden Intensität und schönen Rundungen, darunter liegt sehr viel Kraft und eine beneidenswerte innere Spannung. Dichte und aromatische Üppigkeit – ohne jedwede Schwere! Dieser Wein ist immer noch in seiner Sturm- und Drangphase und einmal aus der Flasche gelassen, zieht er Luft und legt los: Aromenschicht für Aromenschicht kleidet Mund und Rachen aus und bei der Beschäftigung mit dem Wein kann man Raum und Zeit verlieren – nur Du und der Wein! Großes, großes Weinkino. Auch wenn die 96 Punkte von David Schildknecht und John Gilman (jeweils aus 2009) nicht gerade bescheiden sind, fällt es mir schwer zu formulieren, was in diesem immer noch jugendlichen Wein besser sein könnte. 99 Punkte und ein irre langes Leben. Ich hoffe, die nächste Flasche nicht erst am Sterbebett zu genießen. „2007 Chevalier-Montrachet, Domaine Etienne Sauzet – Burgund“ weiterlesen

1978 Musigny Vielles Vignes, Comte Georges de Vogüé – Burgund (Top of the Pops)

94 Punkte Immer noch sehr fest und mit ordentlichem Speck auf den Rippen präsentiert sich der Musigny Vielles Vignes vom Comte Georges de Vogüé, übrigens eines derjenigen Häuser, das Parzellen von Bernard Grivilet übernommen haben soll (wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht täuscht). In der Aromatik seinem Vorgänger nicht unähnlich, aber noch deutlich fester und straffer. Auffallend schön, auch hier eine feine Süße, die diesen hervorragenden Burgunder ebenfalls auszeichnet. Die ausgeprägte Eleganz des Chambolle Musignys von Grivilet kann das „Flaggschiff“ des Comte Georges de Vogüé aktuell noch nicht (!!)ganz bieten, aber das Potential in ein paar Jahren mit dann gleichem Erfolg zu reüssieren ist vorhanden.

1978 Chambolle Musigny Les Amoureuses Tête de Cuvee, Bernard Grivilet – Burgund (Top of the Pops)

96 Punkte – Einmal mehr zeigte sich, dass die Weine von Bernard Grivilet lange Zeit das Maß der Dinge im Burgund waren. Zwar wird kolportiert, dass er bereits in den 70er Jahren den Kunden seines Handelshauses angeboten haben soll, sich den Jahrgang auf dem Etikett auszusuchen, doch letztlich verbinde ich bislang mit den Weinen seiner Domaine nur unfassbar schöne Trinkerlebnisse. Einen Wein von überirdischer Schönheit und eines meiner bislang größten Weinerlebnisse habe ich auch ihm zu verdanken (ein 1945er Chambolle-Musigny). Auch dieser Chambolle ist kein Ausreißer in der Reihe und der erste Eindruck in der Nase, geprägt von einer tiefen und sehr feinen Aromatik, lässt diese Unruhe in mir aufkommen, die ich immer verspüre, wenn ich das Glück habe, besonderen Weinen zu begegnen. Tee von roten Beeren, Feuerstein und eine feine, elegante Süße sind Eindrücke, die mich anfixen. Am Gaumen seidige Eleganz und ein hauchzarter Schmelz, dazu ein Eindruck auch gut zu einem Rhonewein (in Form von verbrannter Erde und heißen Steinen – und vielleicht ist ja auch etwas Rhone drin ;-)))  passen würde.

1947 Le Montrachet – Vandermeulen – Burgund (Top of the Pops)

90 Punkte – Mit dem 1.Weißweinflight war auch sofort klar, warum diese Probe Top of the Pops hieß; einen 1947er Le Montrachet aus einer Vandermeulen-Abfüllung hat man wirklich nicht alle Tage im Glas. Aber dass im Nachbarglas dann auch gleich noch das 1955er Pendant steht, ist ein Glück, das nicht vielen Weinfreunden beschieden sein dürfte.  Aber gerade bei solchen Flaschen zeigt es sich mal wieder, wie wichtig das „blinde“ verkosten ist, denn jeder halbwegs weininteressierte Mensch erstarrt schon beim Anblick einer solchen Flasche, geschweige denn, dass man sie als Doppelpack ins Glas bekommt. Der 1947er war bernsteingelb, verströmte in der Nase leichte Nussnoten, am Gaumen zeigte er einen cremigen Schmelz, wirkte aber auch etwas stumpf. Im Geschmack erinnerte er mich ein wenig an die Orangensticks, die es mal vom Schokoladenhersteller „Sprengel“ gab (ich glaube, heute gibt es weder die Sticks noch Sprengel mehr) und die ich als Kind sehr mochte. Die Art der Aromatik lässt wohl den Schluss zu, dass das Traubenmaterial einen recht hohen Anteil an Botrytis hatte, dies erklärt vielleicht auch den Hauch an flüchtiger Säure, den dieser barocke, etwas in die Jahre gekommene Brocken verströmte.

1959 Nuits-St. Georges, Masson-Dubois (Abfüllung von Hubert Kehren, Saarbrücken) – Burgund / „Ma(n)ifest Nr.7“

 

92 Punkte – 1959 war im Burgund ein Jahrhundertjahrgang und wohl auch der Grund, warum dieser Wein noch so sensationell im Glas stand. Trotz intensiver Recherche konnte ich weder zum Erzeuger noch zum Abfüller in Saarbrücken befriedigende Informationen sammeln.

Zu Beginn in der Nase Aromen von verbrannten Gummireifen – dahinter florale Aromen, etwas Kaffee und eine erstaunliche Himbeerfrucht am Gaumen. Der Wein besitzt noch eine ausgezeichnete Struktur – mit einer schönen inneren Spannung sowie einer herrlichen, mürben Süße. Ein Wein für Genießer.

1959 Volnay-Caillerets 1er Cru, Louis Latour – Burgund

92 Punkte – Dieser Wein stammte aus einem grandiosen Burgunderjahr und die Premier Cru Lage "Caillerets" gehört zu den besonders guten ihrer Art in Volnay.  Der Weine brauchte Luft, die Nase wirkte zunächst etwas muffig und zeigte Aromen, die vermuten ließen, dass der Wein überm Punkt ist. Doch am Gaumen offenbarte er von Anbeginn seine Klasse: sehr fein und ausgewogen, mit seidigem Schmelz und immer noch vorhandener Fülle; auch die Tannine sind noch spürbar. Feine Karamellnoten (zu Beginn recht deutlich), malzige Spuren und mit zunehmend Luft wird er immer komplexer in der Aromatik. Er umschmeichelt die Zunge, kullert von links nach rechts und kleidet Mund und Rachen in Seide.

1986 Domaine Armand Rousseau – Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques / Burgund

 

87 Punkte – Der erste Wein der 86er Probe war ein Burgunder: ein guter Einstieg in den folgenden Rotweinabend. Rubin bis Ziegelrot, mit wässrigen, leicht orangefarbenen Aufhellungen am  Rand. In der Nase sehr offen, erstaunlich intensive Frucht mit Noten von Erdbeeren, Kirschen, Kompott und Holzkohle. Am Gaumen zeigt sich eine lebendige Säure, gefolgt von einer leicht kräutrigen Aromatik; dann rauchig, verbranntes Karamell, aber auch wieder rote Früchte – insgesamt schöne Frucht bis in den Abgang. Gut integrierte Tannine runden das Bild ab; die Fruchtsüße und Aromenintensität legt mit zunehmender Zeit im Glas zu, leider gilt dies auch für die Säure, die am Ende etwas zu spitz daherkommt.

 

1985 Corton – Bressandes / Domaine P. Dubreuil – Fontaine / Burgund

89 Punkte – die erste Nase hinterlässt einen etwas (kuh-) stalligen Eindruck, der jedoch mit zunehmender Belüftung verfliegt und einer schlanken, etwas kräutrig wirkenden Frucht mit Anklängen an Zwetschgen Platz macht.

Der Gaumen ist geprägt von einer angenehmen Extraktsüße, einer eher kühlen Aromatik (die etwas metallisch wirkt) sowie einer guten Länge. Die immer noch vorhandene Frucht erinnert an rote Beeren, Erdbeeren. Der Wein wirkt mit seinem mittelgewichtigen Körper durchaus elegant, alle Komponenten (Frucht, Säure, Tannine) sind harmonisch miteinander verschmolzen . Für eine Benotung deutlich über 90 Punkten fehlt es etwas an Komplexität und Tiefe, wenngleich der Wein eine gewisse Eleganz vorweisen kann, die insbesondere durch die schönen, weichen und runden Tannine geprägt ist.