1995 Cheval Blanc – Bordeaux (Top of the Pops)

91 Punkte – Vielleicht kam dieser Beau, dieser weichgespülte Jüngling nach diesem Kerl von Wein in der Bewertung etwas schlecht weg, denn irgendwie hätte ich lieber den 1982er Gruaud Larose weiter getrunken, als diesen Wein, der einem dieser bildschönen Hugo (Boss)-Bubi-Models auf dem Laufsteg in Paris gleicht, denen zwar auch die Mädels zu Füßen liegen, aber die sooo schön sind, dass man sie als Mann eigentlich nicht ernst nehmen kann – glatt und septisch eben.  Zu Beginn laktische Noten in der Nase, dann viel Kirsch durchzogen mit Eukalyptus. Einerseits sehr weich am Gaumen, mit sahnigem Schmelz und Noten von Heidelbeerkuchen mit Schmand, andererseits mit sehr lebendiger Säure, die etwas außen vor steht. Modern gemachter Wein, der jetzt schon getrunken werden kann, aber leider hinten heraus nicht ganz das halten kann, was die fruchtige Aromatik zu Beginn verspricht. Klingt vielleicht alles etwas negativ, aber 91 Punkte sind ja nicht schlecht – oder? Obwohl bei dem Preis?

1982 Chateau Cheval Blanc – St. Emilion / Bordeaux („kleine“ Weinprobe Nr.9)

99 Punkte – Was für ein Stoff!! Zu Beginn eine schöne (vielleicht sogar etwas verwaschene) Frucht, die mit zunehmender Luft aber so unglaublich ausbaute, das man die Tiefe der Aromatik nur als abgründig beschreiben kann. Wie meist bei wirklich ganz großen Weinen macht es wenig Sinn, die Aromeneindrücke zu beschreiben, sondern das „Gesamtkunstwerk“ zählt – und in diese Kategorie gehört dieser Wein ohne Zweifel. Der 82er Cheval baute einen Druck, eine Komplexität und Nachhaltigkeit auf, die in ihrer Harmonie nicht in Worte zu fassen ist. Dieser Wein ist perfekt und als er aufgedeckt wurde, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, dass Parker ihn gerade 3 oder 4 Wochen zuvor von 100 auf 92 Punkte degradiert hatte. Der Wein hat eine Strahlkraft, eine Eleganz und eine innere Harmonie, die es einem nahezu unmöglich machen, die Hand vom Glas zu nehmen. Doch nur wer Ruhe und Gelassenheit mitbringt, wird ihn in seiner Klarheit und Vollkommenheit erfassen können. Im direkten Vergleich zum schon nahezu perfekten Margaux machen die noch größere Harmonie und die nicht enden wollende Länge im Abgang den Unterschied zwischen 96 und 99 Punkten aus. Eines sei vielleicht noch angemerkt, diese Flasche wurde seit der Auslieferung aus der Subskription so gut wie nie angefasst und seitdem perfekt gelagert. Es dürfte nahezu ausgeschlossen sein, solche Flaschen auf einer Auktion  zu erwerben, denn dort gehen häufig „Wanderpokale“ über den Tisch, bei denen man nicht weiß, welche Strapazen sie zwischenzeitlich erleben mussten.

1950 Chateau Cheval Blanc – St. Emilion / „Ma(n)ifest Nr.9“

 

 

97 Punkte – Was für ein Farbe: fest und leuchtend; zeigt kaum Alterserscheinungen. Der Wein war bereits seit über einer Stunde in der Karaffe, aber erst über den Abend verteilt zeigt er seine wirkliche Klasse. Zu Beginn hatte er einen deutlichen Muffton, ich hielt es sogar für einen Kork, aber mit der Zeit verschwand dieser Eindruck und es öffnete sich eine wunderbare, weitläufige  Aromenvielfalt: z.B. Zigarrenbox (Tabak und Zedernholz), eine feine, pflaumige Frucht, etwas Minze – opulent und vielschichtig. Am Gaumen wunderbar sanft und weich – mit noblen, seidigen Tanninen ausgestattet. Trotzdem noch unglaublich jung, konzentriert und druckvoll. Es war kaum zu fassen, dass da ein fast 60 Jahre alter Wein vor uns stand. Sehr langer und komplexer Abgang. Wer hier nicht „fliegen“ lernt, braucht sich wohl nicht weiter zu bemühen.

 

Wer die Chance besitzt sich so einen Wein einmal selbst zu kaufen, sollte nicht den Unsinn betreiben und aktuelle Jahrgänge erwerben. Diese sind meist genauso teuer, wie gereifte Flaschen aus guten oder gar großen Jahren, bieten aber wesentlich weniger Trinkgenuss. Der aktuelle Jahrgang 2008 kostet aktuell in der Subskription ca. Euro 350,- pro Flasche. Abgesehen davon, dass man so das Insolvenzrisiko des Händlers über die nächsten zwei Jahre bis zur Auslieferung der Flaschen trägt, dürfte sich – wenn überhaupt – ein vergleichbarer Trinkgenuss frühestens in 20 Jahren einstellen. Der Wein wird dann höchstwahrscheinlich köstlich sein, aber wer weiß schon, ob man da die Radieschen nicht schon von unten anschaut.

2001 Sauvignon Blanc St. Valentin, St. Michael-Eppan – Südtirol

90 Punkte – Der 2001er Sauvignon Blanc St. Valentin zeigt eine reife Frucht, die immer noch  mit einer schönen Frische glänzt, aber natürlich nicht mehr die Knackigkeit jüngerer Jahrgänge besitzt. Dafür ist er jetzt besonders harmonisch und die Säure scheint perfekt dosiert und eingebaut. Am Gaumen zeigt sich ein feiner Schmelz; der Wein ist mittelgewichtig und die Hand geht bei mir klar zum Glas. Bei der Frucht dominieren Aromen von gelben Früchten und reifen Stachelbeeren; die grasigen Noten der Jugend sind zurückgegangen; hinten heraus bleibt er leider nicht mehr ganz so lange am Gaumen stehen, wie in früheren Jahren. In den nächsten 12-18 Monaten austrinken.

 

Für mich gehört Kellereigenossenschaft St. Michael-Eppan – mit den Genossenschaften Tramin und Terlan – zu den besten Erzeugern, die Südtirol zu bieten hat. Ich frage mich, was unterscheidet diese Genossenschaftsbetriebe von den deutschen Kellereigenossenschaften, die solche Qualitäten einfach nicht auf die Flasche bekommen. Eine Vermutung meinerseits sind die klaren Organisationsstrukturen der südtiroler Genossenschaftskellereien. Da gibt es leitende Geschäftsführer (und keine Handlanger, die ausschließlich an Firlefanz-Entscheidungen der Genossen gebunden sind) in allen Bereichen, die eigene, klare Entscheidungen treffen, und an die sich die Mitglieder/Genossen halten müssen. Beispielhaft sei hier die Traubenqualität genannt: in den Südtiroler Genossenschaften gibt es klare Festlegungen, ob die Trauben einer Lage und eines Betriebes in den „Erstwein“ kommen oder für die Weinbereitung der Zweit- und Drittweine herangezogen werden. Hat ein Weinbauer Reben in sehr guten Lagen und hat er in den letzten Jahren seine Rebanlagen so gepflegt, dass hier hochwertige Trauben heranreifen können, so merkt er dies auch deutlich im Geldbeutel, denn für hervorragende Trauben zahlt die Genossenschaft bei der „Einlieferung“ einen deutlich höheren Preis als für die Trauben aus „einfachen“ Lagen. Vorraussetzung für einen guten Traubenpreis ist jedoch auch die Umsetzung der Genossenschaftsvorgaben über das gesamte Jahr. Strenge Kontrollen stellen sicher, dass z.B. die grüne Lese und andere die Qualität fördernde Maßnahmen dann vollzogen werden, wenn der optimale Zeitpunkt dafür – lt. Ansage der Verantwortlichen – gekommen ist.

2001 Sauvignon Blanc Ratscher Nussberg, Alois Gross – Steiermark

 

Die Weine des Ratscher Nussberg wachsen auf Böden aus Kalkmergel und Kalksandstein. Der Weinberg gilt mit seiner kesselförmigen Süd-Südwestlage mit Hangneigungen bis zu 30° als einer der besten Lagen der Steiermark. Die vollreifen Trauben werden mit kurzer Maischestandzeit schonend gepresst und bei 18° Celsius kontrolliert in etwa 600 lt-Fässern (Stardin) und etwa 300 lt-Fässern (Halben = halbes Stardin) vergoren. Die Reifung erfolgt im großen Holzfass. Der 2001 Jahrgang ist mit seinen 1,4 Gramm Restzucker nahezu komplett durchgegoren, was sich auch in der Gradation (14% Alc.) widerspiegelt.

 

84 Punkte – Apfelaromen, etwas flüchtige Säure, wenig komplex in der Nase, duftet wenig animierend. Am Gaumen recht dicht, trotzdem wirkt er relativ leicht und leider auch schon oxidativ nach trockenem, weißem Sherry. Apfelnoten und eine kalkige Aromatik aus dem Boden sind zu erkennen. Der Wein hat wohl (hoffentlich) schon bessere Zeiten gesehen.

2008 Marlborough Sauvignon Blanc, Lake Chalice Wines – Neuseeland

85 Punkte – Ja, richtig gelesen, Jahrgang 2008. In den Kellern der deutschen Winzer blubbern und brodeln die Weine aus der 08er Ernte teilweise noch, da stehen die Weine aus der Neuen Welt schon eine ganze Zeit bei uns im Regal, denn Dank der umgedrehten Jahreszeiten (bei uns Frühjahr, auf der Südhalbkugel Herbst) haben diese Weine einen zeitlichen Vorsprung von einem halben Jahr.

 

Dieser eher einfache Sauvignon ist auf besondere Weise interessant; einerseits lebt er von seiner unglaublich frischen, direkten Art, andererseits habe ich die Flasche 4 Tage bei Zimmertemperatur in der Küche stehen gehabt und nach einer kurzen Abkühlung im Eisfach schmeckt der Wein immer noch genauso wie 4 Tage zuvor: viel frische Stachel- und schwarze Johannisbeeren, Maracuja und Grapefruit. Auch grasige Noten sind deutlich zu erkennen. Trotz aller Frische ist mir dieser Wein zu "gerade aus", da ist kein Spiel, keine versteckte Nuance, da ist nur "Ich-spring-Dich-an—ich Frucht"!!

Mit welchen Mitteln dieser Wein produziert ist, sodass er nach vier Tagen immer noch so frisch ist, möchte ich eigentlich gar nicht wissen. Das Ausgangsmaterial stammt aus 7 verschieden Weinbergen und wurde (gekühlt) zur Kelterhalle transportiert. Dort – so nehme ich es zumindest an – wird man Aromen- und Reinzuchthefen zugesetzt haben und auch vor Enzymen zur Geschmacksintensivierung nicht Halt gemacht haben. Aber ich möchte hier niemanden verurteilen, denn meine Vermutungen kann ich (leider) nicht nachweisen. Dieser Wein ist unglaublich frisch, hat ein kräftige Säure und man kann ihn durchaus als "Muntermacher" bezeichnen. Allerdings hat dies – für mich – mit klassischem Sauvignon Blanc nichts zu tun.

 

2008 war in Neuseeland für die Winzer ein perfektes Jahr: der Witterungsverlauf war nahezu optimal und die Ernte war groß wie nie – ohne dass die Qualität zu sehr gelitten hat.

Der Spass kostet ca. Euro 12,- und wird von der Weinhandlung Apell aus Kassel importiert. (www.apell.de). Andere Händler findet man über www.google.de

2007 Sauvignon Blanc, Georg Mosbacher, Pfalz

84 Punkte – Grundsätzlich bin ich ein großer Freund von Sauvignon Blanc und es freut mich, dass immer mehr Weine dieser Rebsorte auch aus Deutschland kommen. Der 2007er aus dem – von mir sehr geschätzten – Hause Georg Mosbacher überzeugt mich jedoch nicht ganz.

Die Nase ist geprägt von frischen Zitrusaromen (Zitronen und Grapefruit), etwas Cassis, grünen sowie etwas unreifen Stachelbeeren. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen klar als Sauvignon Blanc erkennbar. Ganz frisch im Glas wirkt er sehr frisch und zeigt eine etwas spitze Säure. Die Aromen reichen von leicht grasig bis hin zu den bereits in der Nase festgestellten Citrusfrüchten. Insgesamt mangelt es ihm leider etwas an reifem Extrakt und die Aromen wirken leicht grün. Die etwas mangenlnde Substanz zeigt sich auch, wenn der Wein im Glas wärmer wird – dann wird er aromatisch recht breit und fällt  recht schnell auseinander; die eigentlich recht lang anhaltende citrusartige Frische im Abgang verschwindet leider auch. Trotzdem ein Wein, der im kommenden Hochsommer – richtig gekühlt – die Gaumen erfrischen wird. Bis zum Sommer 2009 würde ich nicht warten.

1969 Raymond Bordier – Vouvray Demi Sec – Loire

87 Punkte – Leider habe ich keine Infos zu diesem Weingut gefunden; wer hat  Hinweise z.B. heutiger Name, Adresse oder weitere Verksotungsnotizen ??

Im Glas zeigt dieser Chenin Blanc eine  klare, goldgelbe Farbe. Noten von  Aprikosen, Honigmelonen, gelben (Trocken-) Früchten sowie Anklänge an grünen Tee und Karamell in der Nase. Am Gaumen erstaunlich süß geblieben;  Orangenzesten / Bitterorangenmarmelade, Honignoten, ein wenig vordergründige Süße, am Gaumen angenehme Cremigkeit, dezente Mandeltöne, harmonisch bis in den mittellangen Abgang.

2001 Chateau Carbonnieux blanc – Pessac Leognan / Bordeaux

90 Punkte – zweimal, mit einem Abstand von ca. einen Jahr getrunken und konsistent bewertet. Weisser Bordeaux wird in Deutschland leider kaum wahrgenommen. Dabei sind dies häufig Weine, die  Frucht, Schmelz und Frische hervorragend in sich vereinigen. So auch dieser weisse Carbonnieux. Ein feines Goldgelb mit schönem Glanz strahlt mir aus dem Glas entgegen. Die Nase offenbart ein Gemisch aus reifen Citrusfrüchten, dezenten Noten von Blütenhonig und Gerstenschrot, vielleicht auch ein Malz. Am Gaumen findet sich diese schöne Gemisch aus Frucht, Schmelz unf Frische. Das Ganze ist dann noch beheimatet in einem mittelschwerem Körper, zeigt Tiefe und eine gute Komplexität und macht bis in den recht langen Abgang Spaß. Der Wein füllt den gesamten Mund aus und trinkt sich für sich allein gut, passt aber auch sehr gut zu cremigen Suppen, hellem Geflügel und Schweinebraten. 

(getrunken im Bistro vom Schiffchen in Düsseldorf – daher einen kleiner Tip am Rande: Solche Weine sind oft auf den Weinkarten der Topgastronomie noch zu akzeptablen Preisen zu finden und man erweckt das Interesse des Sommeliers, da er diese Weine selten aus dem Keller holt darf.)

Weinprobe Riesling Deutschland vs. Österreich – Trinkgenuss, Wucht und Finesse……Kork und andere Fehler

Ein feucht-fröhlicher Weinabend mit altbekannten Weinfreunden aus Hamburg, einem Berliner Wein-Plusler der ersten Stunde und einem überaus netten und kompetenten Neuzugang aus der „Berliner Küche“ nahm in Hamburg seinen Lauf….

 

Wegen entstellender (Kork)-Fehler leider unverkostet das zeitliche gesegnet:

 

1999 Knoll, Ried Schütt – Riesling Smaragd, Wachau

1988 Karthäuserhof, Kathäuserhofberg Riesling Spätlese Versteigerungswein

1986 Ducru-Beaucaillou

Die Weine nachfolgend als Einzeleintrag: