Berlin Riesling Cup 2015 – Große Gewächse

 

 Berlin Riesling Cup 2015 (2)

 

Bereits zum 7. Mal rief Martin Zwick zum Berlin Riesling Cup. Auf Basis reichlich eigener Erfahrungen und einer Auswertung der Berichte befreundeter Verkoster von der Wiesbadener VDP – Vorpremiere „Große Gewächse 2014“ hat er einmal mehr eine formidable Vorauswahl an Großen Gewächsen für seinen Berlin Riesling Cup getroffen.

 

Fazit: Deutlich verbreiterte Spitzengruppe mit sehr guten Weinen. Keine Jahrhundertweine.

 

Der Griff nach den Sternen, das(!) Weinunikat im Sinne vollkommener Perfektion oder eines „once in a lifetime Weins“ gab es in 2014 bei den trockenen Rieslingen nicht. Kein Großes Gewächs hat nach meinem Empfinden mit 96,97 oder 98 Punkten (19 Punkte WEINWISSER) reüssiert. Die „1“ mit Sternchen in Form von 99 oder 100 Punkten (20/20 beim WEINWISSER) bleibt anderen Jahrgängen vorbehalten. ABER……..

Die Spitze bei den Großen Gewächsen wird immer breiter. Immer mehr Weine schaffen den Sprung auf das Podest mit mindestens 18/20 bzw. 93-95/100 Punkten. Die Leistungsdicht hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Es ist wunderbar zu sehen, dass in allen Regionen eine faszinierende Dynamik in Sachen Qualitätsstreben zu beobachten ist. Neben den meisten Top-Winzer-Betrieben, die sich stets zu hinterfragen scheinen und immer weiter an der Schraube ihres Stils und der Qualität drehen, gibt es zwei Gründe für die erfreuliche Verbreiterung der Spitzengruppe: Einerseits sind es Traditionsbetriebe, die teilweise bis zum Ende des letzten Jahrzehnts – also viel zu lange – auf ihren großen Namen, ihre Geschichte und eine bis dato sehr solide, aber nicht konsequent an der Spitze ausgerichtete Qualität gesetzt haben. Nach Jahren des „Bewahrens“ scheinen die Verantwortlichen nun (aus Angst davor den Zug endgültig zu verpassen?) die Weichen endlich richtig zu stellen. Noch viel dynamischer und voll auf dem Gaspedal steht jedoch eine junge Generation Rebflüsterer. Zwischen Mitte 20 und Mitte 30 sind diese jungen Winzerinnen(!) und Winzer alt und geben mal so richtig Gas. Mit reichlich Geschick, häufig internationalen Erfahrungen im Gepäck und einer gesunden Portion Ehrgeiz treiben sie die Leistungen im Wingert und im Keller immer mehr in Richtig Spitze.

Nur konsequent ist daher die jährlich wiederkehrende Entscheidung von Martin Zwick 2,3 oder 4 wenig bekannte, junge Winzer mit ihren besten trockenen Rieslingen in das Verkostungspanel aufzunehmen – auch wenn sie (noch) ohne VDP-Mitgliedschaft sind und bis dato kein Großen Gewächs auf die Flasche gebracht haben. Voll das „Bull-Eye“ – das Epi-Zentrum des Rieslings getroffen haben dieses Jahr die beiden Brüder Stephan & Georg Schwedhelm. Gemeinsam verantworten sie das Weingut Schwedhelm-Zellertal (www.schwedhelm-zellertal.de) und mit 92 Punkten für ihren Schwarzen Herrgott haben sich die beiden Nordpfälzer Mitten in das Feld der besten Großen Gewächse des Jahrgangs 2014 katapultiert. Die ca. 60 ha große Lage gehört einerseits zur Pfalz, anderseits zu Rheinhessen, wo man die Lage meist mit Namen Battenfeld-Spanier verbindet.

Über die nicht einfachen Bedingungen des Jahrgangs – im Generellen – und die Besonderheiten beim Einbringen der Großen Gewächse – im Einzelnen – wurde schon viel berichtet. Kurz zusammengefasst: Geduld, Risikobereitschaft, ein eingespieltes Leseteam und viel, viel Selektion waren die Voraussetzungen, um echte Qualität auf die Flasche zu bringen. In der Spitzengruppe der Großen Gewächse war Botrytis kein wirkliches Thema. Die Arbeiten im Wingert übers Jahr wurden belohnt und bei der Selektion der Träubchen waren alle Betriebe konsequent genug, um die Voraussetzungen für sehr gute Qualitäten zu schaffen.

Die SIEGER des BERLIN RIESLING CUPS sind:

  • 2014 Riesling Pechstein GG, Bürklin-Wolf – Pfalz
  • 2014 Riesling Johannisberg GG Silberlack, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne, Schloss Johannisberg – Rheingau
  • 2014 Riesling Ungeheuer GG, von Winning – Pfalz

 

 

Meine persönlichen TOP-5 mit jeweils 95 Punkten (in zufälliger Reihenfolge) sind:

  • 2014 Riesling Brunnenhäuschen „Abtserde“ GG, Keller – Rheinhessen
  • 2014 Riesling Morstein GG, Wittmann – Rheinhessen
  • 2014 Riesling Pechstein GG, Bürklin-Wolf – Pfalz
  • 2014 Riesling Halenberg GG, Schäfer-Fröhlich –Nahe
  • 2014 Riesling Johannisberg GG Silberlack, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne, Schloss Johannisberg – Rheingau

 

2014 Riesling Gau-Odernheimer Herrgottspfad, Winzerfamilie Flick Rheinhessen: Reintönige, dezent kräuterwürzige Nase, leicht wachsige Nase, Akazienblüten, dicht, mit gutem Druck, dürfte vom kalkbetonten Böden kommen, leichte Kräutrigkeit, zarte gelbe Früchte, dezente Citrusnote im Abgang. Schön gebaut, schlank, aber mit sauber definierten Muskeln. 88 Punkte

2014 Riesling Frühmesse, Juliane Eller, Rheinhessen: mittleres bis tiefes Goldgelb, dunkelblumige Nase, Sumpfdotterblumen; schlanke, etwas spitze Nase, weißgelbe Früchte. Am Gaumen ziemlich runder Ansatz, mittlerer Saft, moderate Säure, weißgelbe Frucht. Bleibt am Ende überraschend lange am Gaumen haften. Runde Sache! 87 Punkte

2014 Riesling Hattenheimer Wisselbrunnen, Hans Lang – Rheingau: Duftige Nase, Orangenblüten, gelbes Obst, Brioche mit gelber Konfitüre. Am Gaumen körperreich, weiche Oberfläche, rund und etwas füllig, gelbe Frucht, dezente Bitterorange, aber irgendwie fehlt es mir letztlich an Definition. Ordentliche Länge im Abgang; aus dem leeren Glas sehr duftig. 87 Punkte

2014 Riesling Gräfenberg GG, Robert Weil – Rheingau: Strahlendes weißgelb, im ersten Moment noch etwas unruhige, leicht dropsige Nase, die er mit zunehmender Luft verliert, dann blütig-kräutrig, sehr reintönige Aromenkomposition. Am Gaumen zeigt er eine klare und sehr gut strukturierte Art, eher schlanker Ansatz, aber nachhaltig. Feine Säure und bereits jetzt mit guter Balance. (Anm. die erst kürzlich durchgeführte Vertikale hat gezeigt, dass die GG aus dem Gräfenberg besonders viel Zeit zur Entwicklung des aromatischen Potentials benötigen) 91++ Punkte

2014 Riesling Beutelsbacher Altenberg, Leon Gold – Württemberg: Noch deutlich vom Holz (neues Fass?) geprägte Nase, wirkt dadurch noch etwas holprig und verschlossen in der Nase. Dahinter eine feinduftige, gelbe Frucht; baut mit Luft deutlich aus. Fest gewirkter Stoff, hat Kraft, besitzt hinter der auch am Gaumen noch etwas vordergründigen Holznote eine feste, feinsaftige Frucht mit mineralischen Anklängen und einem leichten Gerbstoff. Eher moderat in der Säure. Erkennbare Tiefe. Auf Grund des Holzes (Anm.: Ausbau erfolgte im Halbstückfass) noch etwas schwierig zu beurteilen; bin fest davon überzeugt, dass er mit zusätzlicher Flaschenreife deutlich zulegt. 87++ Punkte

2014 Riesling Steingrüben GG, Weingut Dautel – Württemberg: Sehr kräuterwürziger Auftakt, tiefer und klarer Ansatz. Am Gaumen sehr sauber und reintönig, mit schöner Konzentration und feinem Druck. Kräutrige, salzige und mineralische Art, klarer Saft, hat leichte Ecken und Kanten, sehr schöne Säure. Gute Länge, mit innerer Stärke und Komplexität, schöne Balance. 93 Punkte

2014 Riesling Am Lumpen 1655 GG, Horst Sauer – Franken: Frischer und sehr klarer Ansatz, viel frische, fruchtige Noten: Maracuja, grüne (damit ist nicht unreif gemeint) Früchte und Aromen einer frisch geschnittenen Waldwiese. Trinkanimierende, klare und reine Stilistik, deutlich! mineralische Art, sehr schöner Riesling mit gut balancierter Säure. Insgesamt ein komplexer, eleganter und sehr guter Riesling! Besonders gefällt mir, dass die Frucht mal nicht über gelbes Steinobst kommt. Gute Länge! 92 Punkte

2014 Riesling Centgrafenberg GG, Fürst – Franken: reintönige, duftige Nase mit schöner, frischer traubiger und gelbfleischiger Frucht; saftiger Typ, konzentriert, aber nicht zu kompliziert, gute Struktur, noch etwas mehr Zug und Druck würde den Wein richtig groß rauskommen lassen, im Hintergrund entwickelt sich etwas, zeigt eine leicht salzige Mineralität, könnte noch deutlich aus dem Knick kommen. Aktuell 91 Punkte

2014 Riesling Niederberg Helden GG,  Schloss Lieser – Mosel: phenolische Art mit dichter Frucht, Orangensaft, wachsige Noten, etwas aufgewühlte Säure. Wirkt insgesamt nicht fertig, hat seine Balance (noch) nicht gefunden. Kann schon in ein paar Monaten viel besser sein – oder auch nicht 😉 Aktuell schwer zu bewerten. In dieser Tagesform 89 Punkte

2014 Riesling Ayler Kupp GG, Peter Lauer – Mosel: unruhige Spontinase, klare Stilistik, typische MSR Aromatik, schöne mineralisch, klare Art; sehr feine Würzigkeit, hat viel Zug und Druck im Hintergrund, Tabak, Zitrusnoten, sehr gute Balance, ein Spieler, ein Tänzer, so vital und ausdrucksvoll. Die Leichtigkeit des Seins, großer Wein mit toller Länge! 94 Punkte

2014 Riesling Aulerde GG, Groebe – Rheinhessen: Zum Auftakt Honignoten und viel gelbe Frucht, wachsige Noten, deutet etwas Botrytis im Lesegut an. Zeigt am Gaumen viel Frucht und auch Spiel, allerdings fehlt ihm etwas die Frische und eine – für sein Alter – notwendige jugendliche Spritzigkeit; runde Frucht, geschmeidige Oberfläche, viel Samt und Seide, im Hintergrund erkennbare Mineralik. Hat vieles, begeistert mich aber nicht. 88 Punkte

2014 Riesling Ben, Katharina Wechsler – Rheinhessen: Ausgewogene Art in der Nase, leise aber mit Balance und jetzt schon angenehmer und unaufgeregter Trinkigkeit; mineralische Züge, zarte Fruchtnoten, irgendwie eine Riesling auf einem Flokati gebettet, mir macht das Freude, da die Anlagen stimmen und der Wein mich gefangen nimmt. 89 Punkte

2014 Riesling Morstein GG, Wittmann – Rheinhessen: Klare Art, zeigt die Morstein-typische dunkle Mineralik, würzige Kräutrigkeit, sehr stimmig, sehr sauber und reineintönig, guter Stoff, etwas Minze und Zitronenmelisse, großartig, viel mineralisches Spiel, weiße Noten, viel Zug und Definiertheit. Soooo viel Spiel, großartig! 95 Punkte

2014 Riesling Heerkretz GG, Wagner-Stempel – Rheinhessen: Sehr klar und definiert in Nase und Gaumen, gute Saftigkeit und Konzentration, schöne Balance zwischen Mineralik, Frucht und Säure, jetzt schon sehr zugänglich und balanciert. Minze, feiner Tabak, weiße Frucht, Kräuter, nachhaltig, sehr schöner Wein mit guter Länge. 93 Punkte

2014 Riesling Brunnenhäuschen GG, Wittmann – Rheinhessen: Groß gewachsener, nordisch-karger Typ mit irrer Präsenz. Rauchig, mineralisch, tiefer Ansatz, hier ist Kraft und Spiel im Glas, hier passiert was, Kräutermineralik – von der Sorte Gebirgsregen auf Fels im Sommer, packt zu, superb, leichte Adstringenz, Salzigkeit, Zitrone in Salz, endet mineralisch lang. 94 Punkte

2014 Riesling Brunnenhäuschen „Abtserde“ GG, Keller – Rheinhessen: Jetzt wird’s schmutzig! Hier spricht das Terroir– komplexe mineralisch vegetative Nase; Spontinoten mit noch leicht kohligen Gäraromen (die mit Luft oder Zeit in der Flasche verschwinden), Tabak, salzig-kräuterwürzig; im Hintergrund ein Hauch von Citrus, grünem Apfel und Cassis. Am Gaumen mächtig viel Zug, wirkt aktuell wie eine in der Werdung befindliche Skulptur. Vielschichtig, komplex, eröffnet ständig neue Einblicke und Ansichten; harmonische Säure. Der Wein trägt, ist dicht und erdig-mineralisch; trotz aller Komplexität ein sehr klarer und irgendwie auch puristischer Stoff, der beschäftigt. Einer der wenigen Weine, der definitiv noch Flaschenreife benötigt. Großer Wein! 95 Punkte

2014 Riesling Pettenthal GG, Gunderloch – Rheinhessen: Feinfruchtige Nase, Cassis, Steinobst und Holunderblüten, schlanker Ansatz, im Hintergrund etwas Tannin. Aktuell fest und schlank; sehr klare und saubere Frucht, hochgradig reintönig, gelbe Frucht, mineralisch präzise und definiert, Nicht laut, dafür nachhaltig und noch etwas eng, zupackend, mit superber Länge. Well done! 94 Punkte

2014 Riesling Pettenthal GG, Keller – Rheinhessen: Noch deutliche Spontinase. Fülliger Stoff, zu Beginn noch etwas unruhig, baut mit Luft im Glas richtig aus, dann viel Druck und Kraft, etwas Tabak, und ein Hauch Currykraut. Herrlicher Zug, gute Säure, salzige Art, lebt aktuell von seiner mineralischen Ader. Die Frucht braucht noch Zeit – wartet aktuell im Hintergrund ihren Auftritt noch etwas ab; schöner Körper mit sehr gut balancierter Säure. (Anm.: Etwas fülliger und aktuell eine Spur breiter angelegt als Gunderlochs Pettenthal). 94 Punkte

2014 Riesling Rothenberg GG, Gunderloch – Rheinhessen: Sehr klare Aromatik, da werden keine Gefangenen gemacht, wenig beerige Frucht, noch etwas hefig, dahinter ein kräutrig mineralischer Kern, der noch wenig von sich preisgibt. Am Gaumen ebenfalls ziemlich eng und dicht, lässt wenig zu, Gerbstoff, wirkt aktuell etwas steinig, monolithisch ungelenk, hat aber tolle Anlagen, die sich hoffentlich so entwickeln, Anis und Lakritze, viel Phenolik. Bleibt abzuwarten, ob er das Potential im Alter voll umsetzten kann. Der 2013 war in der Jungend ähnlich straff und Sieger des letztjährigen Berlin Riesling Cups. Mit zunehmender Reife über das letzte Jahr hinweg, konnte er sein Versprechen bislang leider nicht voll einlösen. 93 Punkte

2014 Riesling Zehnmorgen GG, St. Antony – Rheinhessen: Diese Lage gehörte früher zum bekannten Weinbaubetrieb von Franz Karl Schmitt. Während Hipping & Pettenthal heute die Etiketten von Klaus Peter Keller zieren, kaufte St. Antony diese alte, aber aktuell etwas unbekanntere Lage. Im April 2015 stellte man dem GG Komitee eine kleine Vertikale der Jahrgänge 2012-2014 vor. Die potentiellen Großen Gewächse mussten sich anschließend in einer Blindverkostung im Feld der anderen GG zu beweisen und schwupp die wupp, mit dem 2014er Jahrgang steht nun das erste offizielle Große Gewächs aus der Lage Niersteiner Zehnmorgen im Glas. Noch mit dezenter Spontinote, im ersten Moment denke ich Orbel? Greift zu, ist mineralisch, zeigt viel vom Boden, hat Grip, macht Spass, mit guter Defintion, die Säure ist harmonisch eingepasst, insgesamt jetzt schon überraschend zugänglich. 90 Punkte

2014 Riesling Mandelgarten, Christmann – Pfalz: Kühle Art, noch unruhige, hefige Spontinase, sehr kräutrig, dezente Zitrusnoten im Hintergrund. Sehr fest im Hintergrund, ein Wein zum Beißen, packt zu, purer Fels –was für eine Mineralik aktuell, großartig, ordentliche Säure, griffig, insgesamt in der Aromatik mit viel pflanzlich kräutrigen und erdigen Aromen, sehr tief und nachhaltig, wenn auch aktuell noch ein klein wenig verwaschen und unruhig, aber das wird! Da könnte eine Weinriese heranwachsen – mehr groß als artig (großartig)!!! 94 Punkte

2014 Riesling Hohenmorgen GG, Bassermann Jordan – Pfalz: Duftige Nase Viel Frucht, deutliche Bitternoten, ziemlich unruhig im Moment, mineralische Ader, aber auch reichlich Phenole, noch sehr hefig, vegetabile Noten, Wildgräser, straffe Mineralik, aktuell noch etwas anstrengend, aber mit sehr guten Anlagen. Braucht Zeit. 90 Punkte

2014 Riesling IDIG, Christmann – Pfalz: Viel gelbe Frucht, klare Frucht, eher fruchtbetont, schöne Pfirsichfrucht, trinkig, geschmeidig, im besten Sinne unkompliziert zu verstehen, schöne Würze, mit super schönem, saftigen Kern, reintönige Frucht, richtig schön. 92 Punkte

2014 Kallstadter Saumangen Riesling, Rings – Pfalz: Seit dem 01.06.2015 ebenfalls ein VDP-Betrieb, die 2014 sind zwar noch keine offiziellen GG, spielen aber eindeutig in dieser Liga. Herrlich klare und reintönige Frucht, gelbfleischig mit kalkigen Parfum. Am Gaumen saftig, lebendig und belebend, wiederum gelbfruchtig, mit würzigem Spiel, überaus lebendig, spielerisch, belebend, Nussigkeit, Mandeln – alles durchzogen mit einer schönen, mineralischen Ader. Alles da, wo es hingehört – jetzt schon erstaunlich runde Sache, trinkiger Stoff mit schöner Länge. 91 Punkte

2014 Riesling Ungeheuer GG, von Buhl – Pfalz: Ungeheuer viel Cassis und Minze, Stachelbeeren, kühl, komplexer Stoff, zu Beginn in Richtung kräutrig, dann Rosa Grapefruit, Nadelholz, Citrusnoten, irgendwie im sau-positiven Sinne karg, trocken, aber mit glockenklarer Art. Auf den zweiten Schluck wird dieser Riesling immer erdiger und die Vermählung mit dieser wahnsinnig inspirierenden Frucht ist einfach perfekt. Ein Rieslingkonzert bei dem ich nur eins möchte: Tanzen. Die Hand geht sowas von zum Glas, höchst animierend. 93+ Punkte  

2014 Riesling Ungeheuer GG, Bürklin-Wolf – Pfalz: Runde, weiche und sehr geschmeidige, im wahrsten Sinne des Wortes runde Art. Weiß-gelbe Frucht, verhaltene Säure, feine saftige Frucht, geschmeidig, gefällig im positiven Sinne, aber irgendwie ohne den Funken, der überspringt. Auf Grund des Verdachts eines leichten Flaschenfehlers ohne Wertung

2014 Riesling Ungeheuer GG, von Winning – Pfalz: Ungeheuer schöne Kombination aus feinen Gerbstoffen, nassen Kräutern und vielschichtiger Frucht; fester Kern, mit irrer Energie ausgestattet – da geht die Luzi ab: Kräuter, Frucht und Mineralik, dichter Kern, fokussiert, präzise. Riesling Vibrations – 94 Punkte

2014 Riesling Ungeheuer GG, Bassermann Jordan – Pfalz: Kräuterwürzige Art, recht karge Frucht, erdige Noten, viel Fokus, mustergültig definiert und präzise; harte stahlige Kanten, brutale Mineralik, ein Wein wie eine Laser, ist das gut oder schon too much? Nein, davon kann ich nicht genug bekommen. Sehnig, klar und irre gerade durch. Bin sehr gespannt, was daraus wird!! 94+

Punkte 2014 Riesling Pechstein GG, von Buhl – Pfalz: Wow, was für eine kräutrige und vor allem würzige Naase, alles ziemlich gelb. Eher exotische Gewürze: Curry und Kukuma, sehr eigenständig, viel Holz, trotz allem passt da alles zusammen und es entwickelt sich jetzt schon Harmonie. Großes Festival- oder Programmkino! 93 Punkte

2014 Riesling Pechstein GG, Bürklin-Wolf – Pfalz: Feinsaftige Art, pur und reintönig, im besten aller Sinne unkompliziert, weil perfekt proportioniert. Perfektion wirkt immer leicht und spielrisch unkompliziert. Das ist zwar alles noch tierisch unentwickelt, aber es hat den goldenen Schnitt – einfach erstklassig. Aber je perfekter ein Wein, umso schwieriger läßt er sich in Worte fassen.Viel Zug, klar, reinönig, irre präzise; mineralischer, felsiger Kern, Kräuter auf Eis, hintergründig eine feine Frucht (very british mit understatement) – großartig. 95 Punkte

2014 Riesling Schwarzer Herrgott, Weingut Schwedhelm-Zellertal – Pfalz: noch etwas Kohlensäure, dann ziemlich klare und mineralische Nase mit viel Frische und einer dezenten, von Kernobstaromen geprägten Frucht. Der Gaumen hat von allem viel, präsentiert sich mit einer schönen, schon erstaunlich ausgewogenen Art; feinsaftig; von einer deutlich mineralisch, kalk-kräutrigen Ader durchzogen ist. Gute Länge. (Nach dem Aufdecken: Sehr, sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis; die Lage Schwarzer Herrgott ist ca. 60 ha groß und gehört einerseits zur Pfalz und andererseits zu Rheinhessen) – 92 Punkte

2014 Riesling Schwarze Herrgott GG, Battenfeld-Spanier – Rheinhessen: Subtile Nase mit vegetabilen und floralen Noten, Orangenblüten. Überaus geschmeidiger Riesling, ohne echte Ecken und Kanten, aber mit nobler Kühle und sehr schönem inneren Zug. Leichte Gerbstoffe, wenig Frucht, dicht gewirkt, Stoff zum Kauen, erkennbare erdige und dunkle Mineralik; sehr sauber definiert, aber irgendwie kommt er noch nicht aus sich heraus. In dieser Form wirkt er weniger inspiriert als andere. Ein bekannter Wein-Advokat schrieb früher dann immer: sleeper oft he vintage. 91++ Punkte

2014 Riesling Grainhübel GG, von Winning – Pfalz: Sehr geschmeidige, feine ziselierte Frucht, feinsaftig, mal ein Großes Gewächs, dass nicht so sehr von der mineralischen Seite kommt, sondern hier steht die Frucht klar im Vordergrund, das mag ich trinken, das ist nicht kompliziert, aber trotzdem vielschichtig und vor allem auch jetzt schon zugänglich und animierend. Feiner Saft. 91 Punkte

2014 Riesling Felsenberg GG, Schäfer Fröhlich – Nahe: Tiefe, noch deutlich von Spontanaromen (Kohl; Bier, Hefe und wenig Frucht) geprägte Nase. Am Gaumen dann ein Feuerwerk mit allem was zu gehört – soo viele Ohhhh und Aaahhhs! Überaus vital, die Faust im berühmten Samthandschuh. Im ersten Moment ist man geblendet von der überraschend geschmeidigen Oberfläche, darunter brodelt jedoch ein kleiner Vulkan. Sehr viele vegetabile Noten, überaus kräutrig-mineralisch, jeden Moment wieder anders, straff gewirkt, mit lebendiger Säure, pikant-animierend, ein polarisierender Stoff, der mir überaus gut gefällt. Ein Kauf für meinen privaten Keller. 93 Punkte

2014 Riesling Halenberg GG, Emrich Schönleber – Nahe: recht kräutrig-vegetabile Nase mit schöner Frische und mittlerer, grün-gelber Frucht, kräutrig-mineralische Art, insgesamt schon ziemlich ausgewogene Stilistik. Mittelgewichtiger Körper, überraschend zugänglich und filigrane Frucht, auch blütige Noten, hat Stil und subtilen Charme, wirkt etwas leiser. Sehr schöner Wein, der auch nachhaltig und lang am Gaumen steht. (Anmerkung: dieser Wein ist seit über 10 Jahren eine Bank und einer meiner persönlichen TOP 3 Lieblings GGs. Insbesondere auf Grund seiner Jahr für Jahr sehr dunklen, kräuterwürzigen und erdigen Mineralität, die kombiniert mit viel Druck und Zug einen maskulinen Wein mit viel Ausdruck und großer klarer Präzision prägt, ist er für mich ein echter Rockstar. Doch der 2014er singt dieses Mal eher eine Balade, subtil und vielschichtig – ja! Es ist auch noch die gleiche Stimme! – Aber ich will ihn lieber rocken sehen) – 92 Punkte

2014 Riesling Halenberg GG, Schäfer-Fröhlich –Nahe: Tiefe noch sehr Spontannoten behaftete Nase, sehr fokussiert, klar, richtig gut und fordernd in der Nase. Da ist (noch) nicht viel Frucht, sondern eher eine kompakte Mischung aus feuchten Steinen, nassem Salz und vielen herben Wiesenkräutern nach ein Sommergewitter, frischer Tabak. Das ist kommt keine Frucht-Duselei, da hämmert Schweizer Präzessionsmaschine einen neuen Stollen in den Fels. Glockenklar, präzise, sehr viel Druck und Substanz, fester Kern, sooooo herrlich krass, viel Substanz, ein Bolide, der wie an der Schnur gezogen auf der Piste seine Runden dreht. Wirkt zu keinem Zeitpunkt angestrengt, sondern einfach nur schön – wie eine Uhr von Lange & Söhne aus Glashütte. – 95 Punkte

2014 Riesling Goldloch GG, Diehl – Nahe: Viel Zitrusnoten und Orangenblüten in der Nase, exotische, gelbe Früchte, deutliche Phenolik. Klar und definiert am Gaumen, zeigt schöne Frische, knackig, reine Fruchtaromen, ausdrucksvoll, erinnert mich stark an Dosenmandarinen. Ein wirklich aufmunternder, animierender Wein, der richtig gute Laune verbreitet. Mir gefällt es besonders gut, dass er nicht nur die mineralische Seite betont, sondern auch eine sehr feinsaftige und vielfältige Frucht spielen lässt. Bitte googlen: Meryl Davis und Charlie White im Glas – 92+

Punkte 2014 Riesling St. Nikolaus GG, Spreitzer – Rheingau: Sehr schöne, duftige und animierende Nase. Im Hintergrund deutlich Zitrusnoten und gelbfleischige Früchte, die aktuell noch von kräutrigen, dezent holzigen Aromen, Haselnuss und sahnigen Anklägen dominiert werden. Deutlich burgundischer Stil, eher oxidativ ausgebaut, schönes Spiel. Menschenwerk. Am Gaumen ruhig, unaufgeregt und sehr sauber; geschmeidiger Trinkfluss; feine gelbe Frucht, wieder ein wenig Holz und eine ganz denzent laktische Noten; weich und rund, aber mit toller Frische. Auch hier eher burgundische Stilistik. Sehr sauber, reintönig, mit ruhiger Eleganz. Ziemlich singuläre Interpretation, mir gefällt das sehr, sehr gut. Bleibt die Frage nach dem Reifepotential? Die nächsten 5-8 Jahre ohne Probleme, danach lasse mich ich mich gerne überraschen. Mit einem Lieblingsweinpunkt: 94 Punkte 

2014 Riesling Hohenrain GG, Jakob Jung – Rheingau: Reichlich spannende, frische Fruchtnoten, fest gewirkt. Am Gaumen klar und definiert; dabei ziemlich dunkle, saftige Frucht, deutlich tabakig, mit herrlich mineralischem Biss, zentriert und fest. In der Form kein Wein für Weicheier, aber mit etwas Reife oder reichlich Luft wird das ein ganz großer werden. Tiefer und überaus komplexer Wein, der seine Genießer voll in den Bann zieht. Zielsicher und definiert bis in die letzte Ritze des langen Abgangs. 92 Punkte

2014 Riesling Johannisberg GG Silberlack, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne, Schloss Johannisberg – Rheingau: Lebendige, kraftvolle und eine überaus vielschichtig, reife Frucht (Zitrus- und gelbfleischige Kernfrüchte), sehr tief und fordernd. Am Gaumen voll da; viel Präsenz, hat Kraft, gleichzeitig aber innerlich ruhig und geordnet. Guter Saft mit viel Extrakt und einem genialen Säure-Extraktsüße-Spiel. Obendrüber ruht ein mineralischer, kühler und leicht wiesenwürziger Schleier – so wie an einem kühlen, leicht dunstigen Sommermorgen, wenn die Nacht sich gerade verabschiedet und die Sonne erste Wärmestrahlen aussendet. Perfekt gebaut, mit Struktur und Pölsterchen – genau an richtigen Stellen; da „beißt“ man gerne rein. Ein Hauch Gerbstoff stützt zusätzlich. Großartiger Rheingau-Riesling. 95 Punkte

2014 Riesling Pettenthal GG, Kühling-Gillot – Rheinhessen: Kraftvolle, dichte und noch von Spontannoten geprägte Nase. Hat Zug und Kraft, reichlich Kräuterwürze, ist saftig und mit reichlich frischer, gelber Frucht ausgestattet. Dicht und kompakt, aber auch mit Spiel; etwas adstringierend, da passt alles gut zusammen, die Säure gibt ihm eine formidable Frische und ist sehr gut eingebunden. – 93 Punkte

2014 Riesling Gips GG, Aldinger – Württemberg: klare Frucht mit Anklängen von Zitrusnoten und gelbem Steinobst, dazü eine schöne mineralisch anmutende Kräutrigkeit, leicht vegetabil. Am Gaumen dicht und mit leichtem Bitterton, sehr schön definiert und reintönig, klare Aromatik, mit Luft gewinnt er an Saft und Körper. Zunächst scheint die Mineralik im Vordergrund zu stehen, aber mit Luft kommt die Frucht in großen Schritten hinterher. Mit Reife wird die Frucht die klare Führungsrolle übernehmen, feiner Schmelz. Da passt alles, sehr ausgewogen. Ziemlich gute Länge! – 93 Punkte

2014 Riesling Goldtröpchen GG, Reinhold Haart – Mosel: Animierender, intensiver Duft von gelben und tropischen Früchten. Am Gaumen ebenfalls mit schöner und intensiver Frucht, reintönig. Sehr saftig und fruchtbetont, viel Extrakt, sehr rund und mit schönem Schmelz sowie einer guten und durchaus eleganten Säure. Die Frucht ist klar auf der gelben Seite, frisches Obst mit richtig viel Substanz, traubig, zum ganz großem Rauskommen fehlt mit ein Überraschungsmoment, die 3. Dimension. Solide 92 Punkte

2014 Riesling Röttgen, Heymann Löwenstein – Mosel: Mischung aus Apfelbrei, Hefe und Gäraromen – in dieser intensiven Form Spontinotenstinker erinnern mich das immer an Babykotze (aber das darf man ja nicht schreiben ;-)). Am Gaumen herrlich kräutrig, intensiv, packen und mit salziger Mineralität ausgestattet; ziemlich griffiges Teil, dezente Nussigkeit, ein Touch Holz, leichter Gerbstoff. Klar und Gut!! Im Moment noch etwas unruhig, aber es passiert viel im Glas. (Anmerkung: Die von mir soo ungeliebte Überreife vieler Heymann-Löwenstein-Wein scheint in den letzten Jahren etwas weniger zu werden. Das geht in die richtige Richtung!) 92+ Punkte

2015 Berlin Riesling Kabinett Cup

Martin Zwick hat seine Berlin Cup Serie als Weinveranstaltung und Gradmesser für den jeweiligen Jahrgang weiter professionalisiert. Perfekt temperiert wurden die 39 Riesling Kabinett Weine in Zalto-Gläsern präsentiert. Hochkonzentriert arbeiteten 12 Verkoster das Programm in 2er Flights zügig ab. Die Ergebnisse aller Verkoster wurden um den besten und schlechtesten Wert bereinigt und anschließend der Mittelwert gebildet. Die Sieger sind somit durch das Votum aller Verkoster ermittelt. Einziger Wehmutstropfen war, dass auf Empfehlung eines jungen, erfolgreichen Moselwinzers alle Weine erst direkt vor ihrer Präsentation geöffnet wurden. Zwar mag dies denjenigen Rieslingen zu Gute kommen, die kein botrytisfreies Lesegut hatten, andererseits kommt dies weder den Bedingungen nahe, unter denen ein Verbraucher seinen Wein genießt, noch lässt es Raum und Platz für eine Entfaltung, die viele dieser jungen Weine erleben, wenn man ihnen nur etwas Luft und Zeit gibt. Die am nächsten Tage von mit in Ruhe durchgeführte (aber ohne Einfluss auf die nachfolgenden Notizen) Nachverkostung hat dies bestätigt.


Die Qualität des Jahrgangs 2014 ist insgesamt gut, aber nicht herausragend. Die Zahl der fetten, deklassierten Spätlesen scheint etwas zurück zu gehen. Es war schön festzustellen, dass man wieder mehr Wert auf animierende Trinkigkeit legt. Die gute Säure, die dieser Jahrgang reichlich hervorgebracht hat, ist dabei sicherlich förderlich gewesen. Das Haar in der Suppe ist, dass einige Weine mit etwas weniger Restsüsse noch besser dastehen würden.

Die 5 Kabinettweine auf dem Siegertreppchen sind wunderschöne Vertreter ihrer Art.

Berlin Kabinett Cup - die Sieger

Besonders angetan haben es mir jedoch 2 Weine, die es knapp nicht auf das Treppchen geschafft haben. Der von Hövel – Vollmondwein hat mich mit seiner steinigen und erdigen Art besonders begeistert. Er ist fest gebaut und für mich gab es keinen anderen Wein, der mehr Energie besaß und mich so animierte, wie dieser bei Vollmond gelesene Wein. Ebenfalls herausstellen möchte ich einen Wein von Joh. Babt. Schäfer. Er hat mit seinem sehr mineralischen, klaren und fokussierten Dorsheimer Pittermännchen Kabinett ein kleines Meisterwerk abgeliefert, das zeigt, dass Widerstand am Gaumen und Harmonie im Wein auf einer Seite der Medaille stehen können.

von Hövel

1) 2014 Wagner Stempel Siefersheim Riesling Kabinett, 8%: Nasse Steine, helles Steinobst, Apfel, feinsaftiger Typ, Restzuckerspiel, leicht kräutrig, sehr limonadig, Zitrone, gute Säure, sehr vielfältige Frucht, animierende Säure. Am Abend noch ziemlich zu und unausgewogen, am kommenden Tag deutlich animierender und vielschichtig. 85-88 Punkte

2) 2014 Schätzel KabiNett Niestein, Rheinhessen, 8,5%: Duftige, noch stark von Gäraromen geprägte Nase fruchtig, deutliche Restsüsse andeutend, angenehmer Saft, am Gaumen überraschend Verhalten in der Süße, zeigt sich schön, pikante Säure, leicht rauchig, zum Kauen, 87 Punkte

3) 2014 Schloss Johannisberg Riesling Kabinett feinherb, Rotlack, Rheingau: Verhaltene Nase, schöne ausgewogene Frucht, Frische, Zitrusnoten, etwas Orangensaft, krasse Säure, gute Länge, schlank, schwer zu bepunkten – 87 Punkte

4) 2014 Schäfer Fröhlich Felseneck Riesling Kabinett, Nahe: Deutliche Spontannoten, rauchig. Viel Schweiß, stark reduktiv, animierende Frucht mit schönem Spiel, ein wenig exotisch, Orangenblüten – 89 Punkte

5) 2014 Robert Weil Riesling Kabinett, Rheingau 8,5%: Schöner junger, ziemlich unaufgeregter Stil, weißgelbe Frucht, schöne Säure, hat Zug und ein wenig Druck, sehr angenehme, feinsaftige Art, mittlerer Extrakt, wirkt schon balanciert, 87 Punkte

6) 2014 Diel Dorsheimer Goldloch Riesling Kabinett, Nahe, 8%: Sehr viel gelbes Steinobst – Rheingaustilistik !? noch sehr jung und auch etwas schwefelig, saftig, recht extraktreich, zeigt deutliche Restsüsse, etwas dicklich, nicht ganz mein Stil 86 Punkte

7) 2014 Joh. Babt. Schäfer Dorsheimer Pittemännchen Kabinett, Nahe 8% Sponitnase, sehr klar, dichte Stilistik, wat zum Kauen, sehr kräutrig mineralisch, noch Spontinoten, fest angelegt, schönes Spiel, ein Hauch Gerbstoff, richtig gut, bleibt lange stehen 90+ Punkte

8) 2014 Diel Dorsheimer Pittemännchen Riesling Kabinett, Nahe, 7,5% blütige, leicht kräutrige Nase, am Gaumen, sehr steinig, Schiefer, rauchig, kräutrige, trüber Apfelsaft, saftig traubig, auch mit Restsüsse, echt lecker, da geht die Hand zumGlas. 89 Punkte

9) 2014 Meierer Kesten Kabinett, Mosel, 8% kräutrige Frucht, getrocknete Blätter, animierende Säure, unaufgeregt schön, angenehme Trinkigkeit, 87 Punkte

10) 2014 Fritz Haag Braunebeger Riesling Kabinett, 8%, brutale Spontinoten, deutliche Steinobstfrucht, gelb exotisch, Ananas, animierende Säure, Spiel mit der Süße, 88+ Punkte (am Tisch wurde leider (versehentlich gequatscht) und vermutet wegen leichtem Championnote Weinfehler, pilzig, die Gruppendynamik schlug zu; ich bin anderer Meinung.)

11) 2014 Karthäuserhof Kathäuserhofberg Rielsing Kabinett, Ruwer, 8% leichte Sponitnase, feinsaftig, leichte Steinigkeit, mineralisch saftig, frische Frucht am Gaumen, gute Säure, sehr lecker und animierend. 88 Punkte

12) 2014 Dönnhoff Oberhäuser Leistenberg Riesling Kabinett, Nahe, 9%,sehr exotische Frucht, sehr dicht, viel gelbe Frucht, viel Zitrusnoten, gute Säure, dicht, etwas extrovertiert, schön saftig, kompakt, leichte Würzigkeit, dicht, ein Hauch Gerbstoff, der schmeckt wahrscheinlich jedem. 88 Punkte

13) 2014 Willi Schäfer Graacher Himmelreich Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Kräuterbionade mit Waldmeistereinschlag, sehnig, schlanker Stil, kräutrig, tolle Säure, hier geht was ab im Glas, belebend, 91+ Punkte

14) 2014 Weiser-Künstler Enkircher Ellergrub, Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% kräutrig, gute Säure, tief, ziemlich komplex und „intelligente“ Frucht, dreckige Mineralität, stimmig, richtige Spätlese 90 Punkte

15) 2014 Forstmeister Zilliken Bockstein Kabinett, Mosel, 7,5%: verhaltene Nase, leicht würzig, wird mit Wärme dropsig, am Gaumen recht dicht, aber irgendwie nicht stimmig, guter Extrakt, aber wo ist die Harmonie, BSA? – wo ist das Spiel? 85 Punkte

16) 2014 St. Urbanshof Ockfen Bockstein Kabinett, Mosel, 8,5% typische Rieslingnase, traubig, am Gaumen viel Frucht und Süße, dropsig zu Beginn, ordentliche Säure, baut im Glas schön aus, wird kräutriger, viel Aprikosen und Pfirsichfrucht, weiße Plattpfirische, die Spontannoten und die reichlich vorhandene Restsüsse stehen ihm ziemlich gut. 87 Punkte

17) 2014 A.J. Adam Hofberg Kabinett, Mosel, 8,5%, ungewöhnliche Frucht, Orangenblüten, etwas Tabak, Gerbstoff, hat Kraft und schöne Schlankheit, feine Saftigkeit, am Gaumen feine Würze, nicht zu schwer, der ist gut balanciert. Wirkt edel, steht lang am Gaumen. 91 Punkte

18) 2014 Julian Haardt Oligsberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5%, deutliche Spontannoten, herrliche Frucht, feinsaftig, tolle Säure, hier geht was ab, mit der Luft/Wärme kommt die Süße deutlich raus, ist aber balanciert, deutliche Steinobstaromatik, schöne Länge. 90 Punkte

19) 2014 Julian Haardt, Goldtröpchen Riesling Kabinett, Mosel, 7,5%, leichte Spontinase, blütig, kräutrige Nase, verspielt. Am Gaumen saftig, mit Druck, Schießpulver, mineralisch, animierend, tolle Länge, 89 Punkte

20) 2015 Reinhold Haardt Goldtröpchen Kabinett, Mosel,8,5% deutliche Spontannoten, viel Süße, gute Säure, etwas klebrig, gelbe Frucht, saftig, dicht, kompakt, leckeschmecker, unkompliziert, lebt von der Süße. 87 Punkte

21) 2014 von Kesselstadt Scharzhofberger Riesling Kabinett feinherb, Mosel, 9,5% rauchig verhaltene Nase hier wurde am Tisch bei beiden Flaschen UTA ausgesprochen und die Gruppendynamik schlug zu. Am Folgetag aus Konterflasche nachverkostet, schöne saftig weißgelbe Frucht, Kräuterlimo, dezente Mineralik, hat schönen Körper und steht jung und frisch im Glas. 88 Punkte am Folgetag

22) 2014 von Hövel Scharzhofberg Riesling Kabinett, Mosel, 9,0% animierende kräutrige, sehr mineralische Nase, kompakt, fest, herrliche Säure, packt zu, extravagant, Tabak, etwas medizinal, am Gaumen: Orangensaft, blütig, präsentiert sich frisch noch etwas unaufgeräumt. 88 Punkte

23) 2014 Max. Grünhäuser, Abtsberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% etwas kinderkotzige 😉 spontane Nase, Kräuter, mineralisch, animierend, schlank, gute Säure, Birne, Steine, etwas Schießpulver, sehr gute Länge 88 Punkte

24) 2014 von Hövel Oberemmler Hütte Riesling Kabinett, Mosel: ungewöhnliche Geschichte, dieser Wein ist daneben, Sumpfdotterblumen, medizinal, am Gaumen irgendwie komische Aromatik, Krokus, Safran, macht mich ratlos. wie soll ich das finden? Würzigkeit, saftig, recht dicht und hat Extrakt, gute Säure, 87 Punkte

25) 2014 Willi Schäfer Graacher Domprobst Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% schöner, guter, etwas gefälliger Riesling, feine Süße, auch angenehme Saftigleit, aromatisch gut, aber irgendwie auch etwas einfallslos, traubig, schöne Süße, Säure, 86 Punkte

26) 2014 Dr. F. Weins-Prüm Graacher Domprobst Riesling Kabinett: Kork o.W,

27) 2014 Max. Grünhäuser Herrenberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Deutlicher Spontanstinker, feinsaftig, animierend, Hallo Wach Wein, belebend, gute Säure, Kabinett, straff und präzise, kräutrige Mineralik, schöne Länge. Dieser Kabinett strahlt und bringt mich zum Strahlen. 90+ Punkte

28) 2014 Forstmeister Zilliken Rausch Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% runder, fruchtig, saftiger Riesling, ohne Ecken und Kanten, macht Spass, etwas würzig, Botrytis, Honig, Würzigkeit rund, im guten Sinne unkompliziert. Spätlese. 89 Punkte

29) 2014 Von Hövel Oberemmler Hütte Vollmondwein Vesteigerungskabinett, Mosel, 9,0%: klar, sehr fest, sehr mineralisch, steinig, erdig, sehr reintönig. heftiger Stoff. Das animiert, ist dicht, mit viel Zug; leichte, mir gefallende Bitterkeit, das ist gut, das ist lang. Love it! 92 Punkte

30) 2014 Schloss Lieser Braunebeeger Juffer, Mosel, 7,5% Heftige Spontannoten, Austernwasser, Tang, Käse, am Gaumen saftig, gelbe Frucht, Steinobst, runde und mollige Frucht, 87 Punkte

31) 2014 Max. Ferdinand Richter, Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett, Mosel, 9%, So etwas habe ich bei einem Wein noch nie erlebt, das riecht zu 100% nach Ziegler Obstbrand, Kirsche und Vogelbeeren, was für eine Frucht, am Gaumen fruchtig, etwas süß aber aromatisch! Irgendwie in der Art daneben, Gelbe Pflaumen, gelbes Steinobst, gute Säure. Heute! 84 Punkte

32) 2014 Schloss Lieser Wehlener Sonneruhr Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Spontannoten, Schießpulver, schöne Frische, reintönig, gute Frucht, Cassis, gelbe Frucht, geschmeidig, trinkig, animierend, ein geiler Kabinett, der seinem Namen alle Ehre macht, rauchig, 89 Punkte

33) 2014 Max. Ferd. Richter Veldenzer Elisenberger Riesling Kabinett**, Mosel, 8,5% Spontinoten, sehr vegetabile Noten, 2.Flasche besser, gute Säure, animierend, kräutrig mineralisch. Am folgenden Tag nachverkostet, was für ein Unterschied, deutlich ausgebaut, viel straffe Schiefermineralik, guter Zug, kräutrig, animierend. 86-89 Punkte

34) 2014 Dr. Loosen, Edener Treppchen Riesling Kabinett, Mosel, 8%, schöne, saftige Frucht, leicht würzig, dabei klar und animierend, schöne rund, Apfelringe, gute Säure, gefällig, der schmeckt jedem zu jeder Zeit, unglaublich trinkig, 87 Punkte

35) 2014 Peter Lauer Ayler Kupp Riesling Kabinett Fass Nr. 5, Saar, 7,5%, rauchig, Jod, Sponti, Kabinett, schöne kräutrige Frucht, schöne Säure Süße, hat Frische und Ordnung, kraftvoll, hat Zug, animiert und hat Länge. 90 Punkte

36) 2014 St. Urbanshof Piesporter Goldtröpchen, Mosel, 9,5% Almdudler, fruchtig, weiße Johannsibeeren, kräutrig mit ein wenig viel Restsüsse, Limo – fast klebrig, üppig, nicht wirklich stimmig. 85 Punkte

37) 2014 Werther Windisch Riesling Kabinett, Rheinhessen, 10,5% ultrajung, Brausepulver, Cassis, rauchig, mineralisch, macht wach, animierend, etwas parfümig noch, im Abgang pikant. 88 Punkte

38) 2014 Gunderloch Jean Baptiste Riesling Kabinett feinherb, 11% klare Aprikosenfrucht, sehr klar, reintönig, am Gaumen ordentlicher Saft, guter Extrakt, stimmig, gute Frucht, gelb, schöne Spätlese, saftig, gute Länge 89+ Punkte

39) 2014 von Kesselstadt Domprobst Riesling feinherb: blütig, herrlich frisch, animiert, hat gute Säure, etwas grün, hat Gerbstoff, animiert. Schöne Länge. 88 Punkte

2014 Berlin Riesling Cup – 2013 Große Gewächse – Teil 1/2

36 Weine, getrunken in 18 flights; alle Weine wurden 1 Tag (mittags) zuvor geöffnet; zur Verkostung perfekt temperiert; Verkostungsglas: Universalglas von Zalto.

Insgesamt war der Jahrgang 2013 für die viele Winzer kein einfaches Jahr und bei vielen Guts- und einfachen Lagenweinen ist nicht alles Gold, was im Glas gülden glänzt.

Doch für die von Martin Zwick für den Berlin Riesling Cup vorausgewählten Großen Gewächse funktionieren pauschale Jahrgangsurteile nicht. Durch die Bank präsentierten sich sämtliche Großen Gewächse als würdige Vertreter ihrer Gattung und in der Spitze sind ein paar richtig große Weine entstanden. Interessanterweise scheint dieser Jahrgang ein Jahr des Rotliegenden zu sein. In vielen Jahrgängen zuvor waren stark kalkhaltige Böden die Top-Scorer beim Berlin Riesling Cup. Dieses Jahr gingen die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen an Rieslinge, die auf rotem Schiefer / Rotliegendem gewachsen sind. Diese Böden heizen sich tagsüber richtig auf und geben in der Nacht die Wärme wieder ab. In heißen Jahrgängen ist das gelegentlich zu viel des Guten, doch in kühleren Jahrgängen (2013), wo Trauben und Winzer um ihre vollständige physiologische Reife kämpfen müssen – ein klarer strategischer Vorteil. Dass gleich 3 Weine unter den Top 5 der Gesamtwertung vom Roten Hang kommen, passt indieses Bild, gilt doch diese Lage mit ihrer Südausrichtung (Pettenthal und Rothenberg) als besonders warm.

Zwei angestellte Weine von jungen Nachwuchswinzern haben sehr unterschiedlich reüssiert.

1) 2013 Arzheimer Kalmit Riesling Kapellenstück, Weingut Katrin Wind, – Pfalz

87 Punkte – verhaltene Nase, vegetabile Noten, schlanker Ansatz, recht säurelastig, unreife Zitrusfrüchte, sehr frisch, klar, hat innere Spannung, zeigt Mineralität, dezente Bitternote, ohne besondere Länge

2) 2013 Ilbesheimer Kalmit Riesling GG, Weingut Kranz – Pfalz

91 Punkte – Kühl wirkende Nase; dicht, zupackend, zeigt Mineralität, viel saftige Frucht von gelbem Kernobst und exotischen Früchten, gute Stoffigkeit, schöner Körper, mit Luft zarter Schmelz, präsente Säure, endet auf Zitrusnoten.

3) 2013 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling GG, Emrich Schönleber – Pfalz

93 Punkte – Spontinase, rauchig, viel Druck und Zug, packt zu, vibrierende Säure, vegetabile Noten, sehr klar und frisch, reintönig, animierend, wirklich hohe Mineralität, schon erstaunlich harmonisch.

4) 2013 Erbacher Hohenrain Riesling GG, von Oetinger – Rheingau

87 Punkte – Nase mit vegetabilen Noten, grüne Früchte, Zitrusnoten. Die Säure schießt durch, wirkt sehr trocken; wieder vegetabile Noten im Vordergrund, wenig Beerenfrucht, recht geradliniger Typ, insgesamt noch etwas unruhig und verwaschen.

5) 2013 Forster Jesuitengarten Riesling GG, von Buhl – Pfalz

91 Punkte – Klarer frischer Duft, Rhabarber, frische grüne Noten, Minze, zarte Mineralität, schöne Tiefe, mittlerer Körper, Orangenblüten, Grapefruit, etwas Tannin, hat Potential, tief und nachhaltig, animierende Säure, muss man richtig reinhorchen, kein bisschen vordergründig – dann mit tollem Echo – Gute Länge – wie schreibt Anwalts Liebling immer so schön: sleeper of the vintage!

6) 2013 Deidesheimer Kalkofen Riesling GG, von Winning – Pfalz

92 – Duftige Nase, kräutrig, hat auch etwas Restzucker, resche Säure, schöne Stoffigkeit, zeigt schon Schmelz, zu Beginn kleines Bitterle, Tabak, vegetabile Noten, aber auch gelbe Früchte, wirkt zu Beginn noch sehr unruhig und die Dinge fügen sich noch nicht. Baut dann im Glas riesig aus, die mineralische Würze kommt mehr zur Geltung und der Wein beginnt sich zu fügen. Selten so eine Entwicklung im Glas erlebt.

7) 2013 Westhofener Morstein Riesling GG, Keller – Rheinhessen

94 Punkte – Kühle, sehr feste und tiefe Nase, herrlich kräuter-würzige und vegetabile Noten, kraftvoll und tief. Am Gaumen ein packender Stoff mit herrlicher Tiefe; zeigt Körper, mit viel innerer Spannung und intensiver Mineralik, animierende Säure, wenig entwickelt. Über all dieser Substanz liegt ein zarter Schmelz – ein sublimes Spiel der Gegensätze. Schmeckt lange nach.

8) 2013 Königsbacher Idig Riesling GG, Christmann – Pfalz

88 Punkte – Die Nase ist kräutrig-vegetabil, ein wenig Frucht andeutend. Am Gaumen eine schöne gelbe und leicht exotische Frucht, feuchte Erde und Jod, geschmeidiges Mundgefühl, erstaunlich wenig Ecken und Kanten, trotzdem kein Ausbund an Ausgewogenheit.

9) 2013 Westhofener Morstein Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen

94 Punkte – schlanker Ansatz, steinig, sehr fest, viel Zug und innere Stärke, etwas Feuerstein,
kraftvoll; der eiserne Baron, doch im Hintergrund deutet sich seine Komplexität bereits an. Das ist stimmig, mit viel Potential, aktuell muss man noch ziemlich lutschen, damit sich Schloss und Riegel öffnen.

10) 2013 Dorsheimer Burgberg Riesling GG, Diel – Nahe

92 Punkte – Dichte, runde, volle Nase – kühle Kräutrigkeit, geschmeidig, saftig, erstaunlich füllig, sehr stimmig, recht tiefer Ansatz, schöne Länge. Herrlich unaufgeregt und bereits in dieser frühen Phase Eleganz ausstrahlend.

11) 2013 Kiedricher Gräfenberg Riesling GG, Weil – Rheingau

92 Punkte – Für mich einer der Lagen/Weine mit dem größten Wiedererkennungsfaktor in Deutschland. Klare Nase mit schöner Tiefe, getrocknete Kräuter und diese für mich so einzigartige und hochindividuelle Pfirsich-, Marillennase; am Gaumen besitzt der Gräfenberg Dichte und Spannung, die Frucht ist gut und komplex, etwas Holz, kühl und reintönig; nicht laut, aber elegant, geschmeidig, Eleganz andeutend.

12) 2013 Stettener Pulvermächer Riesling GG, Karl Haidle – Württemberg

92 Punkte – Tiefer Ansatz, saftig, dicht und spannungsgeladen, kernig, herbe Kräuteraromatik, sehr fest und kraftvoll, schöne Säure, presst sich an den Gaumen, grüner Tee, zupackend, große Mineralität und kleinem, animierenden Bitterle, hat Tiefe und zeigt eine attraktive Länge.

13) 2013 Westhofener Brunnenhäuschen Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen

89 Punkte?? Verhaltene Nase, dahinter ein Strauss herber, getrockneter Kräuter. Am Gaumen fest gebaut, Tiefe andeutend, lässt aber wenig raus. Wirkt sehr verschlossen. Geschmeidige Oberfläche, gelbe Frucht, animierende Säure.

14) 2013 Bockenauer Felseneck Riesling GG, Schäfer-Fröhlich – Nahe

95 Punkte – Der am meisten polarisierende Wein der Verkostung. Ich bekenne mich als Fan! Ein deutlicher Spontanstinker, Nordseeküste bei Ebbe, Holz, Jod, verbranntes Gummi, getrocknete Kräuter. Kraftvolle und tiefe aber auch noch sehr unruhige Nase. Am Gaumen passiert viel. Druckvoller, saftiger Stoff, gelbe, Früchte, getrocknete Kräuter, Tabak, fordernde Mineralik; zupackend, mit Grip; das Zuckerschwänzchen (kandierte Früchte)kann sich noch besser integrieren. Lebendige Säure, wird ein großer Wein, mit schöner Länge, braucht Zeit.

15) 2013 Westhofener Riesling, Keller – Rheinhessen

93 Punkte – Wein stammt aus der Lage Morstein von 40 jährigen Reben, die nicht als GG gefüllt wurden (GG = 60 jährige Reben) Animierende Nase, mit kleinem Spontistinker; changiert sehr stark, ohne laut zu sein, viel Komplexität, Efeu, Minze, tiefer, mineralischer Ansatz, viel Substanz.

16) 2013 Niederhäuser Hermannhöhle Riesling GG, Dönnhoff – Nahe

93 Punkte – Recht verhaltene, kühle Nase, vegetabile Noten, Minze. Am Gaumen sehr klar und präzise, mit angemessenem Druck und attraktivem Spannungsbogen, erstaunlich feines Säurespiel, zeigt Schmelz und rollt über die Zunge – weiche Oberfläche, niemals laute oder vordergründige Frucht, dafür komplex und mit Tiefe, feine Süße und schöne Mineralität im Hintergrund. Wirklich schöner Wein.

17) 2013 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Keller – Rheinhessen

94 Punkte – Sehr feste und tiefe Nase, recht herbe, vegetabile Noten, Nase die einen wirklich beschäftigt. Am Gaumen ebenfalls sehr fest und kraftvoll mit viel innerer Spannung, sehr mineralisch, sehr schön. Ein Wein, der noch wenig rauslässt, aber einen bereits in seinen Bann zieht, nachhaltig, straffer, sehr langer Abgang.

18) 2013 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Kühling Gillot – Rheinhessen

94 Punkte – Kraftvolles und tiefes Bukett mit schöner Würzigkeit, Kräutern und gelbem Steinobst. Kraftvoll, saftig! Maul voll Wein, viel Frucht, super Balance, super Stoff, tiefgründig, gelbfruchtig, schon erstaunlich offen. Zeigt tolle Länge 94 – Spruch des Abends „Heaven Pettingthal“ © MK

Foto 2Charmante Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit.

2011 Riesling Große Gewächse – Berlin Riesling Cup

Der Berlin Riesling Cup ging dieses Jahr am Samstag, den 6.10. in seine fünfte Runde – und aus einem jungen, zarten Pflänzchen hat sich eine junger Baum entwickelt, dessen Jahresringe immer bedeutender werden. Martin Zwick hat mit dem Berlin Riesling Cup eine Plattform geschaffen, die es den Verkostern ermöglicht (unter sehr guten räumlichen und organisatorischen Bedingungen) stringent, aber doch in angemessener Ruhe eine handverlesene Auswahl der besten Großen und Ersten Gewächse des jeweiligen Jahrgangs zu verkosten.  Als vorteilhaft – gegenüber der sicherlich ebenfalls perfekt organisierten GG-Auftaktveranstaltung des VDP – haben sich zwei Dinge erwiesen. Die zusätzlichen 6 Wochen auf der Flasche haben die Rieslinge einerseits genutzt, um sich nach ihrer Füllung zu beruhigen und ihren Ausdruck weiter auszubilden, anderseits ist mit der angestellten Anzahl von  ca. 40 Großen Gewächse aus meiner Sicht die Grenze erreicht, was – trotz professionellstem Umgang mit den Weinen – die menschliche Sensorik seriös verarbeiten kann. Viele „Profis“ mögen mir widersprechen und sagen, dass 150 und mehr Weine an einem Tag erfassbar sind, doch diese These teile ich aus zwei Gründen nicht. Erstens besitzt diese Kategorie von Weinen eine so komplexe Struktur und einen so vielschichtigen Ausdruck, dass man ihnen mit 180 Sekunden Verkostungszeit sowie 3,4 oder 5 Worten pro Wein und einem zugewiesenen Punktwert nicht gerecht wird. Zweitens bin ich davon überzeugt, dass die menschlichen Rezeptoren nicht so weit geschult werden können (egal wie oft man Degustationsmarathons durchläuft), dass sie ab einer gewissen Penetration nicht abstumpfen und  man im Ergebnis nur noch die aromatischen Hoch- und Tiefpunkte erfasst. Im Ergebnis führen Massenverkostungen zu „Punktebrei“, also einer Punktsetzung um den bisherigen eigenen Durchschnitt. Der VDP täte gut daran, die Wiesbadener Veranstaltung nicht nur gewohnt professionell zu organisieren, sondern auch von den Verkostern, Journalisten und Einkäufern etwas mehr Zeit zu verlangen – schließlich haben die Winzer sehr viel Arbeit, Zeit, Geld und Inspiration investiert, derer man gerecht werden muss. Pro Tag ein Anbaugebiet wäre ideal, mindestens jedoch eine Verteilung auf 2 Tage ist erforderlich.

Nachfolgend nun meine persönlichen, höchst subjektiven Eindrücke anlässlich des diesjährigen Berlin Riesling Cups. Insgesamt waren 13 Verkoster am Tisch, wobei Martin Zwick als Veranstalter und einzig „Wissender“ bei dieser Blindverkostung nicht selbst gepunktet hat. Ebenso sind die Eindrücke von Tino Seiwert, Miteigentümer und Geschäftsführer von Pinard de Picard – wegen möglicher Interessenkonflikte – nicht in das offizielle Ergebnis eingeflossen. Darüber hinaus galt ein recht strenges Verkostungsreglement, z.B. durfte über den verkosteten Wein erst „gequatscht“ werden, wenn alle ihre Bewertung fertig hatten, sodass weder eine gruppendynamische Euphorie noch ein kollektiver Verriss durch gegenseitiges „Unterbieten“ möglich war.

Insgesamt präsentierten sich die Großen Gewächse des Jahrgangs 2011 in einer sehr guten Verfassung und mit einer für diese Phase beachtlichen Zugänglichkeit.  Diese Verkostung hat richtig Spaß gemacht, denn einerseits lassen die Ergebnisse erkennen, dass die deutsche Winzerelite reif ist für den Weinolymp oder zumindest keine Probleme haben dürfte, um in der Champion League zu bestehen. Das Qualitätsstreben der letzten Jahre manifestiert sich von Jahrgang zu Jahrgang, sowohl in der Breite, als auch bei einzelnen Spitzenwinzern. Die Früchte ernten aber nicht nur diese Spitzenwinzer, deren Große Gewächse preislich seit Jahren nur die nördliche Richtung kennen. Für viele junge Winzer ist dies sicherlich Ansporn weiter auf Qualität zu setzen und immer noch ein bisschen mehr zu wollen.

Wie bereits gesagt, zeigt der Jahrgang 2011 bereits in seiner heutigen Jugend eine beachtliche Trinkigkeit und ich hätte mir sehr an diesem Abend gewünscht, nicht konsequent spucken zu müssen – was ich dann nach  24 Uhr und über 40 „Spucks“ später auch getan habe. J

Absolut outstanding in der Top-Liga der Großen Gewächse sind für ich dieses Jahr die Weine(!) von Schäfer-Fröhlich. Sie sind – trotz Ihrer ungestümen Spontangäraromatik – innerlich so unglaublich kraftvoll, präzise und klar, als ob sie mit besten Werkzeugen, handwerklich perfekt, aus einem Stein gemeißelt worden wären.  Selbst Klaus Peter Keller muss sich wohl geschlagen geben, wenn auch die Abtserde im Wettstreit um die Jahrgangskrone ein gewichtiges Wort mitreden dürfte (G-Max war nicht angestellt).

2011 Norheimer Dellchen Riesling Großes Gewächs, Hermann Dönnhoff – Nahe

87-90 Punkte: Der erste Wein ist einer solchen Verkostung ist für mich immer besonders schwierig, da ich mich einpegeln muss – und so ist dieser Wein auch der einzige, den ich am Ende der Probe nochmals intensiv nachverkostet habe und den ich daher mit einer Punktbandbreite angebe. Wie der Name schon sagt, wächst das Dellchen in einer „Delle“ – vertikalen Felsmulden in den sich – parallel zum Ufer der Nahe – erhebenden Felsformationen. Die Böden sind geprägt durch Schiefer und Porphyr, vulkanischem Verwitterungsgestein.

Helle Farbe mit grünlichen Reflexen. Klare, recht kühl wirkende Nase, getrocknete Wiesenkräuter, aber auch ein Touch Honig, was bei mir den Verdacht aufkommen lässt, dass auch ein paar boytritisbehaftete Träubchen mitvergoren wurden. Eigentlich bei diesem Jahrgang eher unwahrscheinlich, doch auch am Gaumen bestätigt sich der Eindruck. Der Wein ist im Kern konzentriert und kraftvoll, trotzdem eher leise und leicht im Trunk.  Erkennbar klare Mineralität und mittlere Länge.

2011 Westhofener Kirchspiel Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

90 Punkte – Die Nase wirkt sehr rein und klar, noch etwas verhalten. Einen ganz anderen Eindruck vermittelt der Wein am Gaumen, zunächst überraschend offen, dichte, hocharomatische Frucht von gelben Früchten, Steinobst, weiche Textur.  Mit mehr Luft (und wenig Wein im Glas) dringt die tiefer liegende Mineralität durch, dann wird der Wein animierender, Aromen von Zitronenschalen, der Wein gewinnt an Klarheit und Präzession.  Ich bin mir sicher, dass der Wein in diesem jungen Stadium einfach ein paar Stunden in der Karaffe gebraucht hätte, um sein Potential auszuspielen.

Lieber Martin, das ist wohl der einzige Verbesserungsvorschlag fürs nächste Jahr: alle Flaschen morgens oder noch besser, am Tag vorher aufziehen und belüften; Platz für 40 Karaffen hat wohl keiner  😉

2011 Forster Pechstein Riesling Grand Cru (Großes Gewächs), Weingut Bürklin Wolf – Pfalz

92 Punkte – Zupackender Stoff, kraftvoll und dicht, leicht salzige Mineralität, voller Körper, wirkt sehr klar – auch durch die resche Säure (wie die Südtiroler Freunde so etwas liebevoll beschreiben), auf Kante genäht, aktuell stehen die Komponenten noch ziemlich nebeneinander, braucht Zeit zur Harmonisierung. Dürfte weiter gewinnen.

2011 Forster Pechstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Bassermann-Jordan – Pfalz

89 Punkte – etwas reduktive Nase, Noten von Waldmeister und weißen Johannisbeeren, wirkt sehr klar. Am Gaumen  engmaschig und ziemlich konzentriert, dabei sehr griffig, fest und mineralisch. Zeigt noch recht wenig Spiel, bleibt aber mineralisch lang am Gaumen. Könnte in 2,3 Jahren deutlich höher reüssieren.

2011 Monzinger Halenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe

95 Punkte – Ahhh, mon Dieu! Noch von der Hefe geprägte, kühle Nase, darunter liegen Noten von grün-gelbem Steinobst, Citrusnoten und Johannisbeeren; deutlich kräutrige, pflanzliche Aromen. Am Gaumen viel Kraft, Saft und vibrierende Spannung; kein Bodybuilder, sondern eher eine Mischung aus 10-Kämpfer und Marathonläufer. Sehr klar, pur und mineralisch (auf meinem Zettel steht „abartige Mineralität“), Steinpuder, große Tiefe – hält die Spannung bis in den laaaaangen Abgang. Ein Wein zum „Ablutschen“ – I love it.

2011 Siebeldingen Im Sonnenschein „Ganz Horn“ Riesling Großes Gewächs, Ökonomierat Rebholz – Pfalz

89 Punkte – Erstaunlich weiche, blumige Nase,  Birnen, süße Früchte, aber auch pflanzliche Aromen (grüne Erbsen). Am Gaumen eine eher dralle Schönheit, dicht und mit üppiger Fülle – ein Wein im weiten Gewand – und trotzdem mit Struktur. Dieser Riesling hat von allem viel, ein Füllhorn, die Säure passt dazu, trotzdem aktuell nicht my cup of tea; in der Länge kann er zulegen.

2011 Hochheimer Hölle Riesling Goldkapsel, Weingut Künstler – Rheingau

93 Punkte – Vielschichtig, verspielte Nase, mit Noblesse. Am Gaumen viel Druck und Zug; viel Extrakt, dennoch sehr frisch; die wirklich schöne Säure spielt mit dem „bissl“ Restzucker wunderbar. Insgesamt tief und rein in der Frucht, angenehmen Mineralik, hat Grip, aber auch Schmelz; sehr gut balanciert, mit toller Länge – macht Lust auf den nächsten Schluck.

2011 Westhofener Morstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Wittmann – Rheinhessen

93 Punkte – Noch unruhige, aber Konzentrierte Nase, Zitrusfrüchte, kalte kräutrige Würze, tief! Am Gauen sehr strukturbetont, fest und stoffig – packt zu; passt in seiner Art und seiner Mineralität in diesem Zustand auch in die Wachau. Voller Extrakt, saftig, aktuell mit einem kleinen, würzigen Bitterle am Ende. In diesem Zustand noch ziemlich unruhig und schwer zu verkosten, braucht unbedingt mehr Zeit, hat aber Potential noch deutlich zuzulegen.

2011 Westhofener Morstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

94+ Punkte – Noch etwas unruhig – mit leichter Gäraromatik. Mit Luft entwickelt sich langsam eine superklare, tiefe Aromatik. Am Gaumen schlank und kraftvoll zugleich, tiefer Ansatz, schöner Zug, Figur eines Langstreckenläufers (der zur Abkühlung in einen Gletschersee springt), sehr kalkige Mineralität, dürfte komplett spontan vergoren sein -braucht aktuell unglaublich viel Luft, um seine Klasse auszuspielen. Im Keller auf die Seite legen, einer der ganz wenigen Weine der Verkostung, der in seinen Kindertagen wenig Sinn macht, das Potential ist aber riesig.

2011 Dorsheimer Burgberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Diel – Nahe

87 Punkte – noch etwas Kohlensäure, fest gewirkter Duft mit Citrusfrüchten, gelbem Steinobst, ein wenig dropsig; ungewöhnliche Klebernoten (noch von der Gärung). Am Gaumen wirklich jung, recht kompakt, die Frucht kommt noch nicht richtig aus der Deckung; die Mineralik spiegelt sich in zarten Kräuteraromen wider; spielt eher auf der leisen Aromen-Klaviatur. Sicherlich schöne Anlagen, die brauchen aber noch etwas Zeit und heute eben nicht mehr als 87 Punkte.

2011 Nackenheimer Rothenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen

94 Punkte – Dichter und zugänglicher Duft nach gelben Früchten, dazu  deutlich kräutrig-mineralische Noten, wunderbar verwoben, viel Spiel. Am Gaumen geschmeidige Oberfläche, darunter viel Saft und Kraft. Schöne Dichte, sehr kompakt, viel Frucht, hat trotzdem schon Spiel – oder anders gesagt: hat von Allem etwas, auch eine mineralisch-salzige Komponente. Richtig guter Stoff, zeigt Klasse bis ins lange Finale.

2011 Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Rudolf Fürst – Franken

89 Punkte – kühler Ansatz, klar und fein. Eher zurückhaltender Stil, trotzdem ist alles auf dem Platz, wo es hingehört, sehr frisch, schöne Frucht, auch mit Mineralik; schöner, feiner Saft, eher schlank. Gut eingebaute Säure; gute Länge; eigentlich müsste er eine „9“ vorne haben bei den Punkten, aber mir fehlt irgendwie die persönliche Note, ein wenig Inspiration.

2011 Erbacher Marcobrunn Riesling  Erstes Gewächs, Schloss Schönborn – Rheingau

89 Punkte – umwerfende Fruchtnase, viele weiße und gelbe Steinobstnoten, exotische Anklänge, Maracuja, aber auch vegetabile Aromen. Hat noch etwas Rest-kohlensäure, viel Extrakt, saftige Frucht, ausgeprägtes Säure-Süße-Spiel, zum Schluss kommt eine leicht salzige Mineralik durch. Gute Länge. Ein Bekenntnis seiner Herkunft.

2011 Dorsheimer Pittermännchen Riesling Großes Gewächs, Weingut Diel – Rheinhessen

95 Punkte – Eine Tüte voller frischer Äpfel; rauchig-kräutrige Noten; tiefe, animierende Rieslingnase. Unglaublich tiefer und klarer Ansatz, sehr rein, salzig-erdige Mineralik, kompakt und dicht, viel innere Kraft und Spannung – jedoch ohne jede Schwere. Getrocknete Kräuter, Zitrusnoten, Apfelschalen, würzig; einen Hauch von Gerbstoff, viel Spiel. Ein kühler Intellektueller und kein Männchen, sondern ein echter Mann und Gentleman mit zart schmelziger Oberfläche und komplexem Charakter. Hinterlässt lange Spuren – sprich tolle Länge.

2011 Westhofener Brunnenhäuschen Riesling Großes Gewächs, Weingut Wittmann – Rheinhessen

94 Punkte – Was für ein stolzer Geselle, in alten Zeiten hätte man ihn wohl geadelt – „von Wittmann“! Kühl, straff und ungemein reintönig – sehr tief. Kräutrig-mineralische Würze in der Nase, dazu komplexe Zitrus- und Steinobstnoten. Am Gaumen gemahlene Steine, glockenklar und hervorragend strukturiert, dicht. Ganz ausgezeichnete aromatische Tiefe, zupackend, ja fordernd, mit viel innerer Spannung, vibrierend, lebendige Säure.  Sehr komplexer Stoff, der jedoch noch ungemein jung ist und seinen geneigten Genießer zum „Steinelutscher“ werden lässt.

2011 Deidesheimer Langenmorgen Riesling Großes Gewächs, Weingut von Winning – Pfalz

94 Punkte – Feinfruchtig Noten, sehr würzig, Feuerstein, noch etwas unruhige Nase. Am Gaumen sehr zupackend, druckvoll und saftig; sehr fest gebaut. Aktuell zeigt der Wein sehr mineralisch betont, würzig-salzig, schöne Tiefe. Mit gefällt besonders gut die sehr tiefe Mineralik, die am Gaumen wunderbar durch einen zarten Schmelz abgefangen wird; schönes Säurespiel. Tolle Länge. (Wenige Wochen später auch Pechstein und Kirchenstück verkostet, für mich bleibt’s dabei: im 2011er Jahrgang ist der Langenmorgen erste Wahl bei von Winning)

2011 Westhofener Abtserde Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

96+ Punkte – Noch etwas unruhige, hefige Nase, rauchig-würzig, an Feuerstein erinnernde Nase, dazu Noten von weißen Blüten, Pomelos und anderen Zitrusfrüchten. Am Gaumen eine vollkommen klare, ja, gletscherklare und transparente Aromatik, so präzise wie die Nr.1 von  A.Lange und Söhne aus Glashütte. Am Gaumen sehr dicht und kraftvoll, mit „schmutziger“ Mineralität, Kalkstein pur. Dieser Riesling ist für ein langes, langes Leben gebaut, Lage um Lage ist einzeln aufgebaut, hervorragende Struktur, total präzise und klar. Neben aller Mineralik, die diesen Riesling prägt, bildet ein grandioses Säure-Süße-Spiel den Hintergrund, auf dessen Grundlage jedes einzelne Aroma ein virtuelles Solo vollziehen kann. Mit genügend Ruhe reift hier ein Meisterwerk heran; das Eleganz und Virtuosität zu vermitteln mag. Grandioser Stoff.

2011 Niersteiner Pettenthal Riesling Großes Gewächs, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen

93 Punkte – Auffallend dunkle Aromen im Bukett für einen Riesling, hochreife und feinwürzige Frucht, Tabakblätter, feuchte Waldwiese nach einem Regen, kühler Ansatz, trotzdem noble Art. Am Gaumen saftig und dicht; mit tollem „Dekolleté“ und weicher, feinschmelziger Oberfläche. Satte, fruchtig-würzige Aromatik, sehr tief und konzentriert, reintönig und nachhaltig. Wirkt jetzt schon angenehm trinkbar und balanciert, hat trotzdem eine große Zukunft auf Grund allerbester Anlagen. Tolle Länge.

2011 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Großes Gewächs, Weingut Dönnhoff – Nahe

93 Punkte – deutliche Gäraromen, getrocknete Kräuter, in der Aromatik noch recht verhalten. Am Gaumen sehr klar und präzise, sehr tief und strukturbetont; viel innere Kraft und Grip, packt zu. Insgesamt sehr klar und präzise Stilistik, transparent, Touch vom Gerbstoff, kräutrig-mineralisch, wirkt sehr geschliffen, braucht mehr Luft und Zeit, resche Säure, tragender und langer Abgang. Aristokratisch.

2011 Mölsheimer Zellerweg am Schwarzer Herrgott Riesling Großes Gewächs, Weingut Battefeld-Spanier – Rheinhessen

93 Punkte – konzentrierte Nase von getrockneten Kräutern und Steinobst, erdig-mineralisch. Dicht und kompakt am Gaumen, herrlich „unaufgeregt“ – hat eigentlich alles, was ein großer Riesling benötigt, tief, betont kalkige Mineralik, gelbfruchtig und mit  schönem, seidigem Schmelz, kühler Eindruck. Braucht ein wenig Zeit, um seine tollen Anlagen noch zu harmonisieren.

2011 Bockenauer Felseneck Riesling Großes Gewächs, Weingut Schäfer Fröhlich – Nahe

96 Punkte?? – GONG – voll auf die Zwölf! Sehr deutliche, würzige Aromen der Spontanvergärung, mit einer ordentlichen Portion Schwefel erinnert er an Sylvester kurz nach zwölf; Feuerstein. Dahinter steckt jedoch eine energiegeladenen, vibrierender Stoff, bei dem jedes einzelne Teilchen in eine andere Umlaufbahn möchte. Dicht, satt, mit kräftiger Säure – ungemein rassig, ein Araberhengst, der galoppieren möchte, aber seine Kraft noch nicht richtig dosieren kann und weiter ausgebildet werden muss. Wenn er nach dieser ersten, noch etwas unruhigen Jugendphase seine PS auch nachhaltig auf die Straße bringt, dann ist es womöglich der größte Wein des Jahrgangs. Das kann pure Ästhetik werden, denn zu der – unschwerlich zu erkennenden – power kommen auch schon jetzt ein Verspieltheit und eine, ja, tänzelnde Art, die nur erhabene Pferde haben. Kühl, sehr mineralisch, Steinmehl, dazu klare, transparente Fruchtaromen, herrlich langer und facettenreicher Abgang.

2011 Wiltinger Gottesfuß Riesling Großes Gewächs, Weingut van Volxem – Saar

93 Punkte – kräutrige Spontangäraromennase (ein wunderbares Wort für Galgenmännchenspiel), dichter Aromatik, hochreifer, leicht süßer Eindruck von gelben, kandierten Früchten mit einer schönen Zitrusaromatik und kräutrigen Mineralik unterlegt. Am Gaumen stoffige, saftige und nachhaltige Frucht, überwiegend gelbes Steinobst; dazu tabakige und kräuterwürzige Anklänge.  Tief und mit schönem, mineralischem Kern; der schönen Extraktsüße und den paar Gramm Restzucker steht eine herrliche Säure gegenüber, die den Wein bis in das lange Finale hervorragend trägt. Ein Wein zum Lutschen.

2011 Ruppertsberger Gaisböhl Riesling Grand Cru (Großes Gewächs), Weingut Bürklin-Wolf – Pfalz

89 Punkte – In der Nase augenblicklich etwas verhalten, Anklänge von gelben Früchten und weißen Blüten. Dicht und sehr rein, auch durchaus kraftvoll, doch die Säure steht aktuell etwas außen davor. Gute Konzentration; ordentliche, kräuter-würzige Mineralität. Sehr gute Anlagen, die sich – um den 90er Ochser zu überspringen – noch ein bisschen besser vermählen müssen, andererseits schon jetzt in der Frucht sehr zugänglich.

2011 Schloss Johannisberg Riesling Erstes Gewächs, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg – Rheingau

91 Punkte – Klare und reintönige Rieslingnase, gelbes Steinobst, Zitrusnoten, etwas getrocknete Kräuter. Am Gaumen dicht und kompakt; viel Zug; schöne straffe Mineralität, viel Stoffigkeit, dabei klar, kühl und kompakt; wirkt fast monolithisch, toller Rheingauer Vertreter.

2011 Eschendorfer Lump Riesling Großes Gewächs, Weingut Sauer – Franken

89 Punkte – Feine kräuterwürzige Aromatik in der Nase, Zitrusaromen, am Gaumen würzig-pikant, getrocknete Kräuter, klar und griffig, schönes Säure-Süße-Spiel, wobei die Säure herrlich pikante Akzente setzt. Reintönige Frucht, griffig und fest. Macht jetzt schon richtig Freude, trotzdem mit deutlichen Reserven. Toller, von Klarheit und Länge geprägter Abgang.

2011 Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Erstes Gewächs, Weingut Balthasar Ress –
Rheingau

90 Punkte – sehr ungewöhnliche Nase, noch von Gäraromen geprägt, vegetative und würzige Anklänge, Brennnessel. Am Gaumen extraktstark, würzig, ebenfalls vegetative Aromen, erinnert im Stil an die Weine von Peter Jakob Kühn, längere Maischestandzeit?? Hat durchaus Tiefe, Druck und Komplexität, nur ist das Arombenbild nicht typisch Rheingau; wirkt ein wenig alkoholisch. Nach der Verkostung sehr kontrovers diskutiert, mit 90 Punkten hatte ich den höchsten Wert unter 11 Verkostern; Mittel bei 87,67 Punkten.

2011 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Großes Gewächs, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe

92 Punkte – feinfruchtiger Riesling, gelbe Früchte, noch recht dezent kräutrig-mineralische Anklänge in der Nase. Am Gaumen schöne, nicht aufdringliche Dichte, ordentliche Tiefe, mit eher hintergründiger Mineralik, wirkt sehr klar und transparent, mit feiner Salzigkeit und Würze. Präzise gearbeitet. Der Abgang ist nachhaltig und die bislang eher hintergründige Mineralik tritt hervor und bleibt lange am Gaumen haften. Insgesamt etwas femininer als Bruder vom Halenberg, aber jetzt schon mit mehr Harmonie und Trinkigkeit.

 

2011 Niersteiner Pettenthal Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

95 Punkte – Ein noch unruhiger Geselle, die Nase ist noch geprägt von Gäraromen, sicherlich spontan vergoren, auch zeigt er einen Hauch von Kohlensäure. Dann aber kommt’s wild und zupackend mit „schmutziger“ (Schiefer-?)Mineralik. Auf der einen Seite packt dieser Stoff richtig zu, andererseits schreit er laut nach Luft. Außerordentlich gut gefällt mir die rauchige Salzigkeit und die strukturbetonte „Bauart“ sowie die Transparenz und Klarheit in den Aromen. Sehr druckvoll, eine Mischung aus Steinbruch, Wiese und Nordseestrand. Als ich im Nachgang erfuhr, dass wir Kellers Pettenthal im Glas hatten, kann ich einmal mehr belegen, dass die Handschrift des Winzers mehr Einfluss hat, als die reine Lage/ das Terroir. Das Pettenthal von Kühling-Gillot brillierte mit den seidigen, eleganten, aber doch etwas üppigen Rundungen, während Klaus Peter Kellers Ausgabe sich eher wie ein Erster Tänzer – a la Carsten Jung  – aus John Neumeiers Ballet Compagnie (kraftvoll, austrainiert, körperbetont und trotzdem filigran und elegant http://www.ndr.de/kultur/buehne/ballettoscar101.html ) präsentiert. Gemeinsam ist jedoch Rieslingen aus dem Pettenthal beiden, dass sie zu den ganz großen Weinen des Jahrgangs gehören.

2011 Forster Kirchenstück Grand Cru (Großes Gewächse), Weingut Bürklin Wolff – Pfalz

89 Punkte – Auf dem Papier und im Preis hatten wir das edelste und teuerste Pferd aus dem Stall von Bettina Bürklin-von Guradze vor uns. Doch wie das manchmal so ist, unterliegen auch die besten Pferde Schwankungen. Dieses Jahr konnte mich das Kirchspiel nicht überzeugen. Die Nase ist kühl und eher verhalten, feine Fruchtanklänge von Steinobst und diversen Zitrusfrüchten. Am Gaumen sehr klar, straff und sehnig, sehr animierend, frisch und rassig, fast ein wenig zu resch in der Säure. Dieser Wein belebt die müden Geister mit einer nachhaltigen und erdigen Mineralität; mit etwas mehr Fruchtextraktion- und reife würde er mir noch besser gefallen und dann sicherlich auch flott und geschmeidig über die 90-Punkt Grenze galoppieren.

2011 Oestricher Doosberg „Landgeflecht“, Weingut Peter-Jakob Kühn – Rheingau

91 Punkte – Die biodynamisch erzeugten Rieslinge von Peter-Jakob Kühn sind stets besondere Vertreter ihrer Art und die halbe Weinwelt reibt sich an ihnen, so kommt es auch, dass selten die Kritiken weiter auseinander gehen. Doch ich gestehe gerne, dass ich diesen ursprünglichen Stil sehr schätze und mir privat jedes Jahr ein paar Fläschchen hinlege, denn der Genuss braucht hier Zeit. Der Landgeflecht kommt aus zwei spieziellen Parzellen im Oestricher Doosberg und mit zwei gutseigenen „Träubchen“ ausgezeichnet, gehört er in die zweite Reihe des Weinguts. Peter Jakob Kühn vergärt ausschließlich spontan und lässt seine Rieslinge meist auch die „Malo“ durchlaufen. Der Landgeflecht aus 2011 ist noch sehr, sehr unruhig am Gaumen, im ersten Moment ein etwas unwirklicher Eindruck in der Nase, eine Kombination aus Apfelbrei und Brausepulver. Doch die Klasse des Rieslings liegt hinter „diesen“ Spontiaromen. Da gibt’s viel gelbe Früchte, Brioche, Apfelmus und sehr würzige-mineralische Anklänge sowie einen wunderbaren Schmelz mit etwas Sahnetoffee. Fazit: Ein außergewöhnlicher Riesling, aber einer der sich lohnt – und vielleicht sogar den Wein-Erlebnishorizont zu erweitern vermag. Schöne Länge.

2011 Nieder-Flörsheim Frauenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Battenfeld-Spanier – Rheinhessen

91 Punkte – Würzig-mineralischer Duft, sehr klare und reintönige Rieslingnase. Am Gaumen körperreich, schöne Saftigkeit, ebenfalls reintönig und ziemlich präzise. Etwas kräutrige Mineralik, lebendige Säure, aber insgesamt erstaunlich harmonisch und im positiven Sinne unaufgeregt; angenehmer Schmelz, etwas vom Holz geprägt. Angenehme Tiefe, letztlich hat er ganz viele gute Eigenschaften, aber irgendwie fehlt mir noch etwas mehr Inspiration, das Besondere, damit er die hohen Weihen von deutlich über 90 Punkten erlangen kann.

2011 Schloßböckelheimer Felsenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Schäfer-Fröhlich – Nahe

94 Punkte – Deutliche Spontannoten, auch Schwefel, dahinter aber klar, herrlich tief und dicht, dabei mit einer feinen Frucht von z.B. reifen Zitrusfrüchten und jungem Steinobst. Am Gaumen, sehr komplex und lebendig, mit hervorragender Tiefe und vitaler, aber feiner Säure. Laserstrahl präzise, sehr fokussiert, kompakt und zupackend. Dieser Stoff beschäftigt Gaumen und Geist, da vibriert, rüttelt und schüttelt es mich, wenn ich einen Schluck nehme. Zarte Fruchtaromen, viel kräutrig-pflanzliche und florale Anklänge, eine komplexe Mineralität und sehr viel Lebendigkeit machen dieses Große Gewächs wirklich groß. Diese Lebendigkeit und die kraftvolle, animierende Art begeistern mich – hier wirkt alles homogen und miteinander verwoben. Ein Spitzensportler, mit klarer Präsenz und perfektem shape. Kilometerlang.

2011 Birkweiler Kastanienbusch Riesling Großes Gewächs, Ökonomierat Rebholz – Pfalz

90 Punkte – Feine Fruchtnase mit grünen, leicht kräutrigen und grün-vegetabilen Anklängen, frischer Waldmeister. Am Gaumen runder Ansatz und saftige, leicht süßliche Frucht, dabei fest und mit angenehmen Druck; deutlich würzige Anklänge, besitzt Spiel. Die Oberfläche hat einen schönen Schmelz und im Abgang spielen fruchtige Anklänge miteinander, ein Hauch von Karamell und Süße. Insgesamt ein schöner  Riesling, der eher den gemeinsamen Auftritt mit einem tollen Essen sucht als allein die Bühne zu rocken.

2011 Rauenthaler Nonnenberg Riesling Erstes Gewächs, Weingut Breuer – Rheingau

92 Punkte – Schöne dichte und betont fruchtig-mineralische Nase, eine herrliche Kombination aus gelbem Steinobst und mineralisch-kräutrigen, teilweise auch pflanzlichen Aromen. Am Gaumen dichte und straffe Art, frische Frucht, feiner Saft, rote Früchte, weiße Pfirsiche, Melone, ein Hauch würzig, Kirschkerne, fest gewirkt, wirkt einerseits sehr jung, doch andererseits zeigt er bereits in seiner Jugend eine auffällig schöne Harmonie. Die recht resche Säure ist mit ausreichend Extrakt und einer dezenten Süße gut abgepuffert. Die aromatische Tiefe macht bereits jetzt viel Spass, doch der Wein hat viel Potential für ein langes, genussstiftendes Leben. Toller Rheingau-Riesling.

2011 Königsbacher IDIG Riesling Großes Gewächs, Weingut Christmann – Pfalz

92 Punkte – dichte, feinwürzige Nase, reife Frucht von Steinobst. Am Gaumen ziemlich ausladend, kraftvoll, saftig und fest gewirkte Mineralik. Weiche, ein wenig cremige Oberfläche, am Tisch wurde später ein Panther ins Spiel gebracht, aber wohl eher frei nach dem gleichnamigen Rilke-Gedicht, das einen Panther in der Pariser Zoo-Gefangenschaft beschreibt. Auch hier ist Kraft, Saft und mineralische Muskel-(Extrakt-)power reichlich vorhanden, aber alles wartet darauf, befreit zu werden, um sich zu entfalten. Dieser junge Panther hat tolle Anlagen, auch und gerade wegen seinem recht weichem „Fell“ macht er jetzt Freude, aber man sollte ihn voll auswachsen lassen und dann freie Bahn geben. Gute Länge.

tbc