2013 Moulin à Vent Les Trois Roches, Domaine Vissoux – Beaujolais

Heute Abend wieder mal bei der lieben Madame Hu in Hamburg vorzüglich gespeist (französisch-asiatische Küche, ausschließlich Bio, null convenience, one women show in der Küche und meine Lieblingsgastgeberin in Hamburg-St.Pauli, von Außen schrabbelig, von innen unkompliziert elegant)

2013_VissouxZum wunderbaren3-Gang-Überraschungsmenü (Euro 39 – wer da nicht hingeht, ist selbst schuld) hatte ich mir diesen wunderbaren 2013 Les Trois Roches von Martine und Pierre-Marie Chermette ausgesucht.

Nomen est omen – der Wein stammt aus drei verschiedenen Parzellen: La Rochelle bringt die Kraft, Roche Noire die Säure und Lebendigkeit und Rochegrès sorgt für die wunderbare Eleganz.

Die 2013er Ausgabe ist bereits in ihrer Jugend wunderbar zu trinken: Strahlend, transparentes rubinrot mit purpurnen Reflexen,  ein duftender, bunter Strauss von roten Früchten (vorwiegend Himbeeren, Kirschen, aber auch Johannisbeeren & Brombeeren) und blauen Blüten (Iris, Kornblume). Trotz der schönen Saftigkeit, wirkt der Wein herrlich leichtfüssig. Am Gaumen ist die Frucht ein bisschen kompakter als in der Nase, dafür sorgen insbesondere die steinigen, kreidigen Anklänge sowie ein feines Tannin, dass eine erkennbare, aber sanfte Struktur ausbildet. Die feine Würze rundet das Bild ab, die Länge ist sehr beachtlich!

Fazit: Die Flasche war bereits nach der Vorspeise fast leer. – 91 Punkte

Ggf. gibt es den Wein noch bei Nobbi Müller (http://www.burgunder-suesswein.de)

 

 

2003 Moulin A Vent Vieilles Vignes, Domaine Diochon, Beaujolais

89 Punkte – Die Weine aus Moulin A Vent gelten als die tiefgründigsten und langlebigsten unter den 10 Crus des Beaujolais. 2003 war auch hier ein Hitzejahr, dennoch beeindruckt dieser Wein heute mit viel Frische und Substanz.

Transparentes und leuchtendes Rubinrot. Bei 16 Grad Celsius im Glas perfekt konditioniert. Delikate Fruchtnase nach roten Früchten (vorwiegend Erdbeeren und Kirschen), dazu eine Brise aus dem kühlen Lorbeerwald.

Am Gaumen eine kühler, sehr mineralischer Ansatz; dann kommt die Frucht! – Ein Potourrie von roten Früchten – Erdbeeren, Kirschen, Kirschkernen (kleines Bitterle) und reifen Waldhimbeeren. Auf Grund der guten Säure (trotz Hitzejahrgang 2003) frisch und animierend; hohe Transparenz und Klarheit – wirkt animierend, die Hand geht zum Glas.  Ich geniesse ihn ohne Essen! Gereifter Beaujolais ist (fast) die letzte, unentdeckte Bastion! Viel Wein für recht kleines Geld.

Beaujolais Villages Le Rang du Merle und Brouilly Cuvee des Fous, Jean-Claude Lapalu – Beaujolais

eigentlich wollte ich die letzten Tage vermeintliche Jahrgangsproblemflaschen aus dem Beaujolais vernichten, doch ich wurde mehr als positiv überrascht.

 2004 gilt nicht gerade als Topjahrgang und in der Vergangeheit war ich von meinen Vor-Ort-Einkäufen auch nicht mehr sonderlich überzeugt, denn irgendwie waren die 04er von diesem Weingut immer ein wenig garstig, unausgewogen und deutlich hinter meinen Erwartugnen zurückgeblieben.

Doch das ist nun völlig anders. Ich hatte zwei wunderbare Weine im Glas, die beide eine tolle Frucht zeigen und herrlich "im Trunk" sind – wie das Herr Kössler stets so schön formuliert. Das Holz ist zu erkennen, jedoch bestens integriert. Beide Tropfen sind unglaublich trinkig und es fällt mir sehr schwer die Hand vom Glas zu nehmen. Im Stil sind und bleiben sie ungewöhnlich für Beaujolais, aber eine eigene Handschrift ist auch die Maxime des Hauses, denn im barrique wird im Beaujolais immer noch wenig ausgebaut, die Maischestandzeiten sind wohl mit die Längsten in der ganzen Region und die Reben gehören zu den ältesten, die es heute vor Ort noch gibt.  Was hatte ich im Glas??

Gestern einen 2004er  Brouilly Cuvée des Fous von Jean-Claude-Lapalu, eine Schatz an feinfruchtiger Süße und Eleganz, saftig und ausgewogen. Jetzt in der Blüte seines Weinlebens, mit allem ausgestattet, was zu einem hedonistischen Wein gehört. Besonders gut gefällt mir die Kombination aus rotbeerigen Früchten, mittelgewichtigem Körper, bestens integrierten Holzaromen, weichen Tanninen und einer gewissen Leichtigkeit des Seins. Einerseits ein "Strahlemann", andererseits auch mit Charm und einer gewissen Eleganz ausgestsattet – Bourgeoisie wie sie schöner nicht sein kann. (Grundlage für diesen schönen Tropfen sind 100 Jahre alte Reben mit einer Pflanzdichte von ca. 14.000 Stück pro Hektar) – 92 Punkte

Heute dann die eine andere Flasche aus gleichem Hause, einen 2004er Beaujolais-Villages Le Reng du Merle. Entsprechend der Aussage meines Weinhändlers von damals die reifesten Trauben des Brouilly Cuvée des Fous; dieser Wein ist jetzt Sinnlichkeit pur; weich im Trunk und mit einer  sooo schönen Fruchtigkeit von roten Beeren ausgestattet, dass ich mir jeden Joghurt damit verfeinern möchte. So soll Frucht schmecken und nicht wie die ganzen verzuckerten und mit Aromen voll gekleisterten Joghurt-Dinger, die man Land aus Land ab im Kühlregal findet. Die Frucht ist vielleicht noch ein wenig ausdrucksvoller als beim Brouilly. Beide Weine haben gemeinsam eine nahezu perfekte Harmonie und sind wohl jetzt in der Blüte ihres Lebens. – 93 Punkte

2003 Côte de Brouilly Cuvee Zaccharie – Chateau Thivin – Beaujolais (Ski9)

89 Punkte – Mein lieber Freund Ole hat mich in 2005 ins Beaujolais "geschleppt" und wir haben viele, viele Wein verkostet und ich habe auch etliche eingelagert. Doch der damals aktuelle Jahrgang 2004 sollte nicht als Referenz herangezogen werden, wenn man diese Weinregion für sich entdecken möchte. Die angrenzenden Jahrgänge 2003 und 2005 sind deutlich besser und zeigen, dass Beaujolais deutlich mehr "drauf" hat, als man in Deutschland weitläufig verlautbart.

Die Weine der AOC (seit 1936) Côte de Brouilly gehören zu den 10 Crus im Beaujolais, und diese Weine sind LAGERFÄHIG, auch wenn man dies in Deutschland noch nicht wahrgenommen hat. Leider hat der Beaujolais primeur das Image aller Beujolaisweine so nachhaltig versaut, dass der gute Stoff kaum eine Chance hat, wahrgenommen zu werden. Die gute Seite dieser Medaille ist, dass auch die CRU-Weine – nach wie vor – sehr preisWERT sind.

2003 war auch im Beaujolais – so wie in fast ganz Europa  – von viel Sonne und Sommerhitze geprägt.  Dementsprechend besitzt die Cuvee Zaccharie eine ausladende Frucht und die Aromatik erinnert mich an den Rumtopf meiner Eltern aus fernen Kindertagen, der mir zwar regelmäßig vergönnt war, von dem ich aber trotzdem ab und an im Keller heimlich genascht habe. Viel Kirschfrucht und eine fruchtige Süße, die schwer zu beschreiben ist, beherrschen den Eindruck in Mund und Nase. Wenn man es negativ formulieren möchte, würde man wohl "etwas verwaschen" sagen, aber an kalten Wintertagen – wie hier im Skiurlaub – ist es genau das Richtige. Der Wein füllt Mund und Rachen und wärmt von innen. Rosinierte Töne erinnern mich ein wenig an Amarone, aber die durchaus erkennbare Mineralik zeugt davon, dass der Wein von sehr alten, tief wurzelnden Gamay-Reben stammt, die auf Vulkangestein stehen. Die Ernte der 7.000 -10.000 Reben pro Hektar erfolgt von Hand, der Ausbau wird zu 1/10 in neuem Holz vollzogen, der Rest verbringt die neun Monate in 1-5 jährigem Holz. Der Wein hat  noch kräftige, runde  Tannine, die dem Wein Struktur geben, leider wirkt aber die Säure etwas aufgesetzt und ich möchte  nicht ausschließen, dass in diesem Hitzejahr nachgesäuert wurde, wenngleich man auf dem Chateau eigentlich den naturnahen Anbau im Weinberg und den schonenden Ausbau im Keller pflegt.

2004 Clos de la Roilette, Coudert Père et Fils – Beaujolais

Als Arbeitnehmer im banknahen Bereich wird man dieser Tage demütig und greift zu "bescheidenen" Flaschen im Keller, denn wer weiss, ob man nicht die großen Bordeaux Grand Crus eines Tages als Tauschwährung gegen eine Portion Brot, Wurst und Käse benötigt. Trotzdem muss der Genuss nicht zu kurz kommen, wie die nachfolgende, vor Ort,  für Euro 6,50 gekaufte Flasche zeigt.

87 Punkte – Einst zum Preis eines Supermarktweines (Euro 6,50)in Fleurie gekauft und jetzt mit großem Genuss zu Brot, Wurst und Käse getrunken. Beaujolais aus einer der Cru-Lagen hat mit dem bei uns bekannten Beaujolais-Primeur fast nichts gemeinsam, allenfalls die gemeinsame Rebsorte Gamay.

 

Dieser Fleurie stammt von Lagen, die bis in die 20er Jahre noch zur Nachbarlage  Moulin-à-Vent gehörte, dann aber mit Schaffung der Appelation Fleurie der neuen Cru-Lage zugesprochen wurde. Der damalige Besitzer war über diese Umwidmung so erbost, dass er seine Weine nicht mehr in Frankreich verkaufte und nur unter dem Etikett – benannt nach einem damals berühmten Rennpferd (das heute noch das Etikett ziert) nach Deutschland, der Schweiz und England verkaufte. Irgendwann hat auch dies den Besitzer nicht mehr inspiriert und die Rebflächen lagen fortan brach. Mitte der 60er Jahre hat Fernand Coudert das kleine Weingut gekauft und mit neuen Reben bestockt. Von nun an stieg die Qualität wieder und es wurde ein Fleurie geschaffen, der mit seiner Tiefe und seinen Tanninen bis heute eher an einen Moulin-à-Vent erinnert als an die blumigen und filigranen Fleurie-Weine. Inzwischen (1984) hat der Sohn von Fernand, Alain das Ruder übernommen und die Weine sind Jahr für Jahr ein Prototyp eines durchaus ambitionierten Beaujolais-Weines.

Wenngleich 2004 eher ein mittelmäßiger Jahrgang war, ist der Clos de la Roilette jetzt schön zu trinken. Die Nase duftet nach kleinen Walderdbeeren, Hagebutte und etwas Wacholder. Am Gaumen ein Mittelgewicht, mit recht schöner Struktur und durchaus kräftigen Tanninen. Die Frucht ist rotbeerig (Erbeeren und Kirschen), durchzogen mit einer feinen Graphitnote (der Boden hat relativ hohe Mangananteile) sowie Anklängen an Leder und Moos;  schöner Saft. Jetzt wunderbar zu trinken; hält sich sicherlich auf diesem Niveau die nächsten 1,2 Jahre.

Darüber hinaus wird eine Cuvée Tardive gefüllt, die noch mehr Lagerpotential und Substanz besitzt und die ersten 1,2 Jahre nach der Füllung besser im Keller verschwindet. Die beiden nachfolgenden Jahre 2005 (großer Beaujolais-Jahrgang) und 2006 sind noch besser.

BBP – Best Bottle Party – Ein Weinfest im März

Zur Best Bottle Party (BBP) trafen sich am 20.März dieses Jahres 10 Weinfreunde im Düsseldorfer Restaurant „Schorn“, um den besten Flaschen aus den Kellern der Teilnehmer zu huldigen. Vielleicht waren es nicht die allergrößten Flaschen, aber alle Teilnehmer hatten echte „Herzblut-Flaschen“ mitgebracht. Die Probe wurde bereits vor einiger Zeit vom weinterminator ausführlich beschrieben; da ich jedoch meine eigenen Eindrücke grundsätzlich in den Computer hacke, um sie für eigene Zwecke zu dokumentieren, dachte ich, dass einige Weinfreaks und Leser meines kleinen Blogs Spaß an einer „zweiten Meinung“ haben……..

Als die Tafel voll besetzt war, starteten wir in einen Abend, der 25 (!!) außergewöhnliche Momente bescheren sollte. Wie in jedem großen Film oder Theaterstück lagen jedoch Freund und Leid eng beieinander. Mindestens genauso weit auseinander lagen allerdings auch die Geburtsjahre der Dasteller – zwischen 1910 und 1995!!

 

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2005 Cuvee Spéciale, Domaine Chignard – Fleurie / Beaujolais (Celerina 6)

84 Punkte – laktisch, Milchnoten in der Nase, leicht rosinierte Frucht, etwas aufdringlicher Alkohol. Am Gaumen ordentliche Tannine, gute Säure, Kirscharomen, recht dicht und fest. Vielmehr gibt es zu diesem Wein nicht zu sagen – schade, denn 2005 gilt als sensationelles Jahr im Beaujolais, vielleicht bestes Jahr in den letzten 30 Jahren.

2004 Les Garants, Domaine du Vissoux – Fleurie, Beaujolais (Celerina 5)

87+  Punkte – kühr und dunkel von der Frucht, schwarze Kirsche, Mathias meinte: "Himbeeren vom Stein gelutscht" ;-)) schöne mineralische Tiefe, auch ansonsten der komplexeste Wein in diesem 3er flight Beaujolais. Butterweich von den Tanninen, extrem klar (reintönig). Dieser spontan vergorene Wein kann zwar meine Liebe zu Beaujolais auch nicht entfachen, aber Respekt muss  ich ihm zollen.

2003 Cuvee Zaccharie, Chateau Thivin – Côte de Brouilly / Beaujolais (Celerina 4)

85 Punkte – rote Beeren, Erdbeere Himbeere, eher kühl und frisch. Am Gaumen eher leicht- bis mittelgewichtig, erkennbare Mineralik, aber leider mangelt es ihm an Komplexität und Tiefe, schöne Fruchtsüße. WICHTIG bei diesen Weinen ist die Trinktemperatur, bei über 16° Grad getrunken sind sie nur breit und flach, die Tannine kommen dann nicht heraus.

2001 Deutsche Spätburgunder – Kleine Horizontalverkostung

10 Weine waren angestellt, 5 Personen nahmen teil und 3 Piraten waren mit von der Part(y)ie. Jeder bekam jeden Wein in kleiner Menge zur Verkostung und Beurteilung, danach wurde aufgedeckt und offen weiter getrunken. Am Ende wollte ich sehen, wie viel von jedem Wein übrig bleibt – also JLF nach Andreas März von der Zeitschrift MERUM. Die Flaschen wurden willkürlich ausgewählt und selbst ich wursste nicht, welcher Wein wo in der Reihenfolge angestellt war.

Los gings mit dem ersten Piraten, wie sich am Ende herausstellte.

2001 Kloster am Spitz, Pinot Noir – Burgenland / Österreich:

84 Punkte – etwas überreife Frucht, Johannisbeer-Drops (oder schwarze Campinos aus meiner Kindheit – gibts aber immer noch), Himbeeren; parfümiert. Auch am Gaumen sehr aufgesetzt von der Frucht, Holunder und schwarze Campinos, saftig, weisser Pfeffer, samtig, süsser Extrakt, ein Kollege sprach von einer "Weinqualle" – mir gefiel dieser Begriff für einen Wein, der tierisch aufgebläht war, dem aber das Rückgrad fehlte. (2/3 der Flasche blieben übrig).

2001 Schnaitmann, Spätburgunder Simonroth "R" –  Württemberg / Deutschland

93 Punkte (?) – Beim Aufdecken kommt der Ärger in mir hoch, zweite und letzte Flasche von diesem Wein. Nachdem die erste leider voll korkte, ist diese auch nicht ganz sauber. Damals war der Wein ab Gut superschnell ausverkauft, habe dann noch zwei Flaschen im Bremer Ratskeller für noch teuereres Geld nachgekauft und dann das….!!! Trotzdem war die Klasse dieses Stoffs klar erkennbar. Die Nase wird verwöhnt von einem tiefen und komplexen Spiel Schwarzer Kirschen, Veilchen, rauchigem Speck und feinen Kräutern. Am Gaumen klasse strukturiert – mit ausgereiften und guten Tanninen. Das Holz ist inzwischen perfekt integriert, der Wein ist gut balanciert. Die schöne Mineralität und die dunkle, stoffige Tiefe bereiten echtes Trinkvergnügen, wenn da nicht…. ja, wenn sich da nicht immer wieder ein Kork in die Nase schleichen würde. Am Tisch wird kontrovers diskutiert, kann man einen solchen Wein überhaupt angemessen beurteilen, ich meine  ´"JA",  denn ein solch (eher leicht) beeinflusster Wein kann durchaus noch in seiner Vielschichtigkeit wahrgenommen werden. Druckvoll, mit unglaublich guter Struktur und einer angenehm maskulinen Art ist diese Flasche durchaus ein Genuss – wenn auch etwas vernebelt, kommt die Güte dieses Weins zum Ausdruck. (Rest in Flasche: 5cm)

2001 Gernot Heinrich – Pinot Noir – Burgenland / Österreich

92 Punkte – Auffallend schöner Glanz; tiefe Frucht,   kräuterwürzig (aus dem Holz, das sehr gut integriert ist), Eisen (Blut), tiefe und aromatische Nase. Am Gaumen eine delikate Süsse, ein Hauch von Schokolade und feinsaftig. Wirkt sehr frisch, die komplexe Frucht sowie polierten Tannine – kombiniert mit der schön eingebundenen Säure – lassen Trinkfreude aufkommen. Grundsätzlich auch mit schöner Länge ausgestattet, jedoch baut er nach einiger Zeit im Glas recht schnell und kräftig ab – die Börsianer würden wohl sagen: die Bären gewinnen die Überhand. (Rest in Flasche: halbvoll)

2000 Dichon, Moulin-a-Vent – Beaujolais / Frankreich

76 Punkte – Blumenerde, ein Hauch von Pflaume, Säure schon in der Nase. Am Gaumen erstaunlich dünn (für mich waren die Moulin-a-Vent-Wein stets die dichtesten Beaujolais), etwas stumpf, abgefahrenes Gummi, die Tannine wirken ungehobelt, klotzig, unharmonisch. Auch wenn die Frucht über den Abend mal mehr, mal weniger ein wenig ausblitzt, bleibt es doch insgesamt ein unerfreulicher Tropfen, der (in diesem Fall positiv) mit dem Schlucken sofort verschwunden ist. (2/3 der Flasche bleiben übrig)

2001 Haidle, Spätburgunder – Württemberg / Deutschland

92 Punkte – Außergewöhnlich kräutriger Eindruck in der Nase, Gewürznelken, Pflaumen, rauchig. Auch am Gaumen frisch, tief und kräutrig, dunkle Frucht; hat Saft und Biß, erzeugt aber eher ein schlankes Mundgefühl, dafür komplex, mineralisch (kalkig) und mit jedem Schluck interessant. Frische, gut integrierte Säure; sehr gute Länge, die überraschend ein wenig auf Kamilletee-Aromen endet. (Rest in Flasche: 4cm)

2001 Duijn, Spätburgunder SD – Baden / Deutschland

91+ Punkte – Bei mir geht die Hand zum Glas. Der SD belegt mit einer kühl wirkenden Aromatik Nase und Gaumen. Die Frucht ist dicht, aber nicht überladen; die Aromen sind würzig, dezent rauchig und mineralisch und die noblen Tannine geben dem Wein eine hervorragende Struktur und einen Hauch von Noblesse. Insgesamt äußerst harmonisch, von den Aromen eher auf der maskulinen Seite, hallt sehr schön nach ! Ein (Wein-)Freund sieht den starken Fassbrand etwas kritisch. (Rest im Glas: 1,5 cm)

2001 Duijn, Spätburgunder  – Baden / Deutschland

Die kleine Schwester (in jüngeren Jahrgängen heißt dieser Wein "Jannin") steht dem großen Bruder in nichts nach – ist ihm sehr ähnlich. Am Gaumen besticht die Mineralität, schöne aromatische Tiefe, etwas runder und gefälliger als der SD; das Holz scheint etwas weniger stark getoastet, die Frucht kommt noch besser heraus, trotzdem ein substanzieller Wein mit Komplexität. (rest in Flasche: 4cm)

2001 Stodden, Next Generation – Ahr / Deutschland

86 Punkte – Fast auf den Tag genau vor drei Jahren getrunken und im Fazit fast identisch bewertet (87 Punkte) und beuteilt. Die Nase ist eher dunkelbeerig und insgesamt sehr eigenwillig, denn Aromen von Camembert, verbranntem Gummi und angebranntem Sauerkraut mischen in der Nase kräftig mit. Am Gaumen kann man eine gewisse aromatische Tiefe, Rauchnoten und eine tiefe Mineralik auf der Haben-Seite des Weines verbuchen. Auch eine gewisse Extraktsüße steht dem Wein gut, denn über eine ebenfalls kräftige ausreichend Säure, die dagegen steht, verfügt the "Next Generation". Da aber das Holz bis heute nicht harmonisch eingebunden ist, die Röstaromen schwarz wirken (was die Eiche heavy toasted?), der Wein insgesamt eine fast aggresive Kräuteraromatik aufweist und eine gewisse Schärfe nicht von der Hand zu weisen ist, bin ich der Meinung, das er mit meinen 86 Punkten noch gut bedient ist. (Rest in der Flasche: 8cm).
Hier wollte der Sohn des Hauses (nach diversen Winzerstationen im In-und Ausland) wohl zeigen, was er gelernt hat – leider ist die Sache nicht ganz so gelungen, wie der Preis es damals suggeriert hat. Mit ca. Euro 40,00 war man in Deutschland zumindest preislich ganz vorne dabei.

2001 Knipser, Im großen Garten – Pfalz / Deutschland

90 Punkte – Das vierte Mal getrunken – guckst Du:
http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=158,
http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=140,

diesmal wieder recht schön, sodass ich vermute, dass bei Oles Probe eine nicht perfekte Flasche Grund für meine Beschwerde war. Die eher rotbeerige Frucht ist immer noch angenehm saftig. Der Eindruck am Gaumen ist eher kühl, delikat und von einer erkennbaren Mineralik begleitet. Die feine Rauchigkeit verleiht ihm Spiel. Insgesamt zeigt er  eine nicht ganz harmonische Aromatik, denn die Säure steht ein wenig aussen vor und er wirkt; ein Mittelgewicht im Körper und von der Länge im Abgang eher Kurz-bis Mittelstreckenläufer. (Rest in Flasche: 2,5 cm)

2001 Stodden, Recher Herrenberg Spätburgunder JS Auslese *** – Ahr / Deutschland

90 Punkte – Insgesamt ein immer noch kompakter Wein. Komplexe Nase mit rotbeerigen und kirschigen Anklängen; schöne Saftigkeit, dabei stets frisch und mit lebendiger Säure ausgestattet. Am Gaumen ein strukturbetonter Pinot Noir mit feinen Tannien und gut integriertem Holz. Die eher starke Kräutrigkeit jüngerer Jahre hat sich zu Gunsten der eher pinot-typischen Frucht etwas zurückgezogen, sodass der Wein einen insgesamt harmonischen, aber keinen total zwingenden Eindruck hinterlässt. (Rest in Flasche: 3cm)