1989 Barolo, Bartolo Mascarello – Piemont

93 Punkte – Im direkten Vergleich zum 88er getrunken – es zeigt sich einmal mehr, welchen Einfluß die Jahrgänge haben können. War der 88er eher ein wenig vorzeitig gealtert, so zeigt der 89er Barolo, was es heißt ein stolzer Nebbiolo zu sein:

In der Nase betörend reife rote Früchte, Teer und Anklänge an getrockente Kräuter und Blüten; am Gaumen frisch, präsent, mit schönem Schmelz und kräftigen, aber reifen und recht runden Tanninen. Schöner Grip am Gaumen, reichlich Frucht mit eher dunklen Fruchtaromen, etwas Kohle und dunkler, herber Kakao. Das ganze ist unterlegt mit einer ausgewogenen Säure und einer feinen Fruchtsüße, sodass sich ein sehr harmonischer und sehr ausgewogener Gesamteindruck entwickelt.

1988 Barolo, Bartolo Mascarello – Piemont

85 Punkte – Der leider inzwischen verstorbene Bartolo Mascarello war ein politischer Mensch, nicht zuletzt seine offen artikulierte Abneigung gegen Berlusconi weit und breit bekannt. So klar wie seine politische Meinung waren auch seine Barolos. Gewinnmaximierung mit dem Ausbau von einzelen Cru-Lagen hat er genauso abgelehnt, wie den Einsatz von barriques. Er erzeugte stets nur einen Barolo, eine Assemblage von Trauben vier verschiedener Parzellen, drei davon stammen aus der großen Lage Cannubi. In der Regel kam sein Barolo ungefiltert auf die Flasche und bei der Füllung richtete er sich nach dem Mondkalender. Bei Barolotrinkern und -sammlern sind bis heute seine handgemalten, "naiven" Etiketten besonders beliebt.

Auch wenn ich seine Barolos sehr mag, muss man beim 88er ehrlich zugeben, dass er ein wenig vorschnell gealtert ist. In der Nase Maggi (Liebstöckel) satt, Anklänge an Fleischbrühe und Teer; am Gaumen wieder jünger wirkend, mit noch erkennbarer Frucht, aber die Tannine wirken etwas unruhig und dem Wein fehlt es an Harmonie.