1989 Pichon Longueville Baron – Pauillac

94 Punkte – der 89er Pichon Baron wirkt immer noch sehr jugendlich; zu Beginn ein ganz kleiner Pferdestall in der Nase, doch dann öffnete sich dieser dicht, dunkel und kompakt wirkende, klassische Pauillac mit nahezu perfekter Struktur. Dunkle Cassis- und Heidelbeeraromen, mit  herrlichen Röstaromen veredelt, dezent Mokka und Minze. Am Gaumen straff, fest  und edel gebaut, läßt kaum Wünsche offen und wird sicherlich auf diesem hohen Niveau die nächsten Jahre sich weiter entwickeln und vielleicht noch eine Spur an Komplexität drauf legen. Ein edler Herrenwein.

Frühlingserwachen II – Eine Bordeauxprobe in Engelskirchen – Teil 1

 

Erwacht war ich schon vorher – nämlich durch die Einladung von Klaus Nehr alias freak zur Frühlingserwachen II – Probe, die mich am vergangenen Freitag nach Engelskirchen (nomen est omen) geführt hat. Wer jetzt wen wach geküsst hat, ob der Wein uns – oder wir den Wein – hat sich an diesem Abend nicht klären können;  aber meine heimliche Hoffnung, dass die vielen attraktiven Damen aus der Xing-Gruppe, die von Klaus co-moderiert wird, diese durchaus ehrenwerte Übung übernehmen, hat sich leider nicht erfüllt. Doch spätestens beim dritten Wein habe ich mich in mein Schicksal gefügt und mich liebend gerne vom Wein beseelen lassen.

 

Leider mit kleiner Verspätung angekommen (aber das alltäglich Verkehrschaos in und um Köln ist einfach unberechenbar) und trotzdem herzlich aufgenommen, fühlte ich mich schnell sehr wohl in dieser Runde von langjährig erfahrenen Bordeauxtrinkern und solchen (wie mir), die es werden wollen. Die Weine waren bestens vorbereitet (schon am Nachmittag geprüft und dekantiert), der Service der beiden Damen und des Patrons der Alten Schlosserei funktionierte auf herrlich unkomplizierte Art und Weise perfekt, und die Küche tat das Übrige zu einem richtig schönen und gelungenen Genusserlebnis.

Angestellt waren:

1988 La Mission Haut Brion

1988 Cos d‘ Estournel

1989 Chateau Leoville Las Cases

1989 Chateau Lafite Rothschild

1989 Chateau Montrose

1989 Chateau Pavie

1990 Chateau Malescot St.Exupery

1990 Chateau Pape Clement

1990 Chateau Rausan-Segla

1990 Chateau Calon Segur

1990 Chateau Chateau Pichon-Longueville-Baron

1990 Chateau Haut Marbuzet

1990 Chateau  Clerc Milon

1991 Chateau Latour

1991 Chateau Palmer

1989 Grange, Penfolds (Pirat)

Nur der Form halber: es wurde blind in 2er flights getrunken und unmittelbar nach jedem flight aufgedeckt. Die Liste der Weine war bekannt (bis auf den zusätzlichen Piraten). Doch nun zu den einzelnen Weinen und Notizen: 

 

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2002 Baron di Pauli – Exilissi Gewürztraminer – Südtirol

93 Punkte – Jetzt sag mal, was riechst und schmeckst Du ?? Ne, dass mag ich nicht, den Wein so beschreiben. – Doch, bitte. – Ok, der riecht und schmeckt wie Exilissi sagt meine Mittrinkerin (eingefleischte Exilissi-Liebhaberin). Ja, was soll man da noch sagen. Ich muss gestehen, dieser Wein riecht und schmeckt wie Exilissi – sie hat einfach Recht!! Einmal gerochen und verkostet und niemals wieder wird man diesen Eindruck vergessen oder verwechseln – ich weiss, jetzt lehne ich mich weit aus dem Fenster, aber wer zweifelt, probiert einfach eine Flasche von diesem Weinunikat aus Südtirol.

Exilissi ist ein Gewürztraminer, wie man ihn eigentlich nicht beschreiben kann. Ein Bild von Rubens ist vielleicht der beste Vergleich, üppig, mit unglaublichen Rundungen, aber so schön und weich. Die 16,5% Alkohol des 2002er Jahrgangs sind erschreckend, aber trotz dieser Graduierung hat der Wein immer noch eine apfelige Frische. Die Aromen von Sahnetoffee, Bratäpfeln, Litschi und ein Strauss von Gewürzen und Kräutern machen (mich) einfach glücklich. Seinen Anteil daran haben der  schöne Schmelz, die sehr gute Extraktion  und die begeisternde Länge. Ein Weinunikat, dass jedes Jahr – auch Dank der Spontanvergärung – eine ganz besondere Individualität ausstrahlt.

 

Infos zum Wein: Mehrtägige Kaltmazeration der entrappten Trauben, Spontangärung des ungeklärten Mostes in 500l fassenden Eichenfässern, weitere 12monatige Reifezeit in selbigen Fässern, Abfüllung im Dezember 2003.

 

Infos zur Ernte: Herrliches Herbstwetter mit trockenen, warmen und sonnigen Tagen und kühlen Nächten den ganzen Oktober hindurch. Lese am 30. Oktober mit 24,8° KMW vollreifer, kernig-gesunder Trauben.

Daten zum Wein:

Sortenspiegel: Gewürztraminer 100%
Ertrag:  30 hl/ha
Alkohol:  16,5 %
Säure:  4,7 g/l
Restzucker: 17 g/l