1995, 1999, 2000, 2001 Asinone, Poliziano – Toskana

Der 1985 erstmals gefüllte Einzellagenwein von Federico Carletti, Chef der Az.Agr. Poliziano  ist für mich seit vielen Jahren der Referenzwein in Sachen Vino Nobile di Montepulciano. Zwar gibt es jedes Jahr Weine von anderen Winzern, die noch eine Nuance besser sind, aber über die Jahre hinweg gibt es keinen zweiten Erzeuger, der Jahr für Jahr eine solche Klasse auf die Flasche bringt. Der Wein besteht – wie alle Vino Nobile di Montepulciano – vorwiegend aus Prugnolo Gentile Trauben (besonderer Sangiovese-Klon) und geringen, schwankenden Anteilen von Canaiolo und Mammolo.

1999 – 88 Punkte; In diesem Vierer-Flight für mich der schwächste Jahrgang. Die Nase präsentiert sich fest, mit dunklen, fast herben Fruchtnoten, am Gaumen fest, deutliche Adstringenz, Leder, ebenfalls dunkel und die für den Asinone so typische Graphit- oder Bleistiftnote. Mittlerer Körper und schöne Säure; die Tannine wirken immer noch sehr fest, aber der Wein wird sich nicht mehr verbessern; sollte in den nächsten 1-2 Jahren ausgetrunken werden.

1995 – 90 Punkte;  Hier zeigt sich mal wieder, dass der 95er Jahrgang in der Toskana ein Strukturjahrgang war. Der Wein überzeugt mit seiner festen Art, die Tannine sind immer noch deutlich, aber inzwischen gut integriert. In der Nase dunkel, feuchtes Herbstlaub, Waldboden und dunkle Frucht, etwas etherisch. Am Gaumen viel Struktur, aber auch eine recht komplexe, dunkle Aromatik, Graphit, wirkt durchaus mineralisch, mit noch immer schöner Frische. Angenehme Länge. Keine weiteren Reserven, aber sicherlich noch sehr gut in den nächsten 2-4 Jahren auf diesem Niveau zu trinken.

2000 – 92 Punkte;  Hervorragender Stoff und jetzt perfekt (!!) zu trinken. Eigentlich gilt das Milleniumjahr in der Toskana nicht als wirklich großes Jahr, doch – wie viele seiner Brüder – zeigt sich auch der Asinone gerade jetzt von seiner schönsten Seite. In der Nase etwas stoffiger und weicher als die beiden Jahrgänge zuvor. Glockenklarer Vino Nobile und als Sangiovese in bestechender Form – klassisch, strukturbetont, mit schönem Säuregerüst und lebendiger Frucht. Die Frucht ist geprägt von dunklen Noten, Leder, Gewürzen, Graphit  und einer wirklich schönen Tiefe. Die Tannine sind etwas weicher als beim 95er und 99er, aber trotzdem strukturgebend; befindet sich in einem sehr gutem Gleichgewicht, wirkt äußerst harmonisch.  Jetzt – wie bereits gesagt – in bester Verfasung, aber sicherlich sehr gut auch in den nächsten 2-3 Jahren,  danach wird es spannend.

2001 – 92 Punkte; Ebenfalls ein wirklich gelungener Vino Nobile, auch wenn ich aktuell den 2000er auf Grund seines Charmes einen Tick vorziehe. Beeindruckend ist Jahr für Jahr der Charakter und die Typizität dieses Weines – da gibt es keinen größeren Stilbruch, keine Anbiederung an den mainstream-Geschmack. Der 2001er Jahrgang vom Asinone ist ziemlich komplett, d.h. er hat eine ansprechende Fruchttiefe; eine gute Struktur; ausgereifte, aber deutliche Tannine,eine kräftige, aber sehr gut eingebaute Säure und somit eine innere Stimmigkeit, die ihn genußreich die Kehle runter laufen läßt. Wie in jedem Jahrgang findet sich auch in diesem die Bleistiftnote und das obligatorische Leder wieder. Zusammenfassend möchte ich noch anmerken, dass der Asinoe für mich ein perfekter Essensbegleiter ist, der zwar auch allein getrunken werden kann, aber seine volle Schönheit beim Essen zeigt, denn ich kann mir vorstellen, dass dem Einen oder Anderen die Tannine und die Säure sonst zu sehr zu schaffen machen.

Wer etwas Zeit und Muße mitbringt, wird diesen Wein stets belüften. Wenn es etwas schneller gehen soll, kann man ihn auch sehr gut in die Karaffe (ca. 1 Std.) geben. Allerdings empfehle ich, schon nach dem Öffnen direkt mal einen Schluck zu nehmen…. große Unterschiede gibt es vor allem in der Wahrnehmung der Tannine….. Selbstversuch lohnt… :-))