2004 Riesling Oestricher Doosberg 3 Trauben, Peter Jakob Kühn – Rheingau

89 Punkte – Nach langer Zeit (7 Jahre; vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=72 ) mal wieder einen 2004er Doosberg von Kühn im Glas und ich bin immer noch überzeugt von diesem ungewöhnlichen Riesling. Peter Jakob Kühn war damals noch mitten in den ersten Jahren seiner Umstellung des Betriebes auf biodynamischen Weinbau. Sowohl seine bisherigen Kunden als auch die geneigte "Weinexpertenschar" hatten reichlich Diskussionstoff, ob dieser neuen Ausrichtung im Weinberg und Keller. Zugegeben, diese neue "alte Art" von Riesling ist alles andere als mainstream und sicherlich keine easy drinking, aber wer Zeit mitbringt und Lust verspürt sich einzulassen, reinzuhorchen in die Tiefen eines Weines geht auf eine Entdeckungsreise zu "unbekannten Welten" – ganz im Sinne des Raumschiffes Enterprise. Heute hat Peter Jacob Kühn seinen Weg gefunden, die Symbiose aus biodynamischem Weinbau und bekannten rheingauer Wein-Geschmackswelten – doch ich gehe gerne zurück in seine Experimentierphase (die es auch heute noch gibt, z.B. bei seinem 2009er Amphorenwein), in denen z.B. lange Maischestandzeiten / Vergärung auf den Schalen  solche Weinunikate formten, wie dieses, das gerade vor mir im Glas steht.

Goldgelb fliesst dieser acht Jahre alte, trockene Riesling ins Glas.  Die Nase zeigt wenig Frucht, dafür gibt es Noten von Bienenwachs, grünen Walnüssen, grünen Oliven und (sehr) reifen Äpfeln. Am Gaumen überrascht die Frische, sicherlich gut unterstützt von einer schönen, kräftigen Säure. Geschmacklich fallen mir Dinge wie Brioche; Toffee; reife, etwas mehlige Äpfel, Heu und grüne Mandeln (wer schon einmal junge, grüne Mandelfrüchte – bestehend aus Haut und Haaren, also noch ohne harte Schale probiert hat, weiss wovon ich rede) ein. Insgesamt ein kräftiger Bursche, mit Kraft, Saft (extraktreich) und Spiel, aber kein Sinnbild für leise Töne und aristokratische Eleganz. Mir gefällts trotzdem – auch wegen der großen Länge am Gaumen.

http://youtu.be/7VkRsfHz0r8

2004 Peter Jakob Kühn, St. Nicolaus 3 Trauben / Rheingau

88 Punkte – Gerade habe ich den 2005er Jahrgang bei Mövenpick zwei Tage zuvor verkostet und war völlig entsetzt über die Entwicklung dieses Weins. Nun habe ich den 2004er im Glas und bin kaum weniger entgeistert, denn auch der 2004er hat wenig Charme, wirkt unglaublich verschlossen und ist aufgrund seiner langen,  über Monate andauernden Mazeration auf den Schalen und der Hefe so tanninhaltig und bitter, dass es mir schwer fällt, diesen Wein zu genießen. Positiv fällt mir die schöne, mineralische Dichte und die ausgeprägte Stoffigkeit dieses Rieslings auf – man wird animiert zu kauen.

Riesling, ist das wirklich ein Riesling ? Mit üblichen Trinkerfahrungen hat dies nichts zu tun und blind verkostet würde ich wohl weder Riesling noch Rheingau vermuten, es sei denn, man hat diese Art von urwüchsigen Rieslingen, wie sie schon vor Generationen erzeugt wurden, einmal getrunken. In diesem Fall fällt die Zuordnung nicht schwer, denn Sie brennen sich in das Gedächtnis. Aufgrund der üppigen Struktur und der Dichte hege ich die Hoffnung, dass diese Weine noch ein langes Leben vor sich haben und ihre Finesse erst offenbaren, wenn Sie noch ein paar Jahre auf dem Buckel haben.