2007 Chevalier-Montrachet, Domaine Etienne Sauzet – Burgund

15058337360_bdfee88733_b99 Punkte – Wahnsinnsteil! In 2007 hat Gérard Boudot ein Meisterwerk abgeliefert. Das Parfum des Weines ist überall – dicht, kraftvoll und enorm vielschichtig. Kein roter Teppich, sondern ein Aromenteppich kleidet den Weg zum ersten Schluck. Sahne, Citrusnoten, Birnen, etwas grüne Banane, exotische Früchte, Frühlingsblumen, Quitten, edles Holz (20% neues Holz in diesem Jahrgang) und eine Spur von Vanille und Wachs sind die Klangfarben in dem Gesang der Sirenen, dem man sich unmöglich entziehen kann. Voller Körper, mit einer atemberaubenden Intensität und schönen Rundungen, darunter liegt sehr viel Kraft und eine beneidenswerte innere Spannung. Dichte und aromatische Üppigkeit – ohne jedwede Schwere! Dieser Wein ist immer noch in seiner Sturm- und Drangphase und einmal aus der Flasche gelassen, zieht er Luft und legt los: Aromenschicht für Aromenschicht kleidet Mund und Rachen aus und bei der Beschäftigung mit dem Wein kann man Raum und Zeit verlieren – nur Du und der Wein! Großes, großes Weinkino. Auch wenn die 96 Punkte von David Schildknecht und John Gilman (jeweils aus 2009) nicht gerade bescheiden sind, fällt es mir schwer zu formulieren, was in diesem immer noch jugendlichen Wein besser sein könnte. 99 Punkte und ein irre langes Leben. Ich hoffe, die nächste Flasche nicht erst am Sterbebett zu genießen. „2007 Chevalier-Montrachet, Domaine Etienne Sauzet – Burgund“ weiterlesen

2007 Pettenthal Riesling GG, Kühling-Gillot – Rheinhessen

92 Punkte – Der Ton- und Sandstein dieser wunderbaren  Einzellage, entstammt wie der gesamte Rote Hang aus der Zeit des Rotliegenden (Teil des Perm). Die rote Farbe ist wohl auf Eisenverbindungen zurück zu führen.  Der Ton- und Sandstein speichert ähnlich gut die Wärme wie Schiefer.

Kraftvoller, stoffliger und energiegeladener Riesling – mit dezent salziger Mineralität. Insgesamt sehr generöser Stoff, körperreich, getrocknete Kräuter, Orangenzesten. Sonne, Wärme und ein Hauch von Wachauer Smaragd wehen durch mein Glas. Kein Wein für reine Filigrantrinker, auch wenn der Wein Komplexität, Länge und Eleganz durchaus besitzt. Mit 2,3 Grad Celsius mehr im Glas entwickeln sich die dezent barocken Anlagen des Weins mehr und mehr; die Cremigkeit nimmt zu; Sahnenoten, Apfelkompott, der Wein wird immer weicher und opulenter. Jetzt in perfektem Zustand trinken, so schmeckt 2007 richtig gut. Potential auf diesem Niveau für weitere 1,2 max. 3 Jahre.

2007 AN, Anima Negra – Mallorca

91 Punkte – Wieder so ein Urlaubsmitbringsel, das zwar Erinnerungen an die schönsten Tage des Jahres weckt, aber daheim – in den eigenen 4 Wänden – die Frage aufwirft: wieso, weshalb, warum habe ich das gekauft? Wer kennt diese Erfahrung nicht, aber bei diesem Wein ist es genau umgedreht! Meine erste Flasche davon habe ich in Köln gekauft und sobald ich den Wein schnupper und trinke, bekomme ich ein seltsames Fernweh nach der Insel, nach der Heimat dieses Weins. Am liebsten würde ich umgehend meine Koffer zu packen, den nächsten Flieger in die Sonne  nehmen und die Menschen treffen, die dafür sorgen, dass aus den alten, autochthonen Reben ein so wunderbarer Tropfen gekeltert wird.

Der Weinkeller Àn Negra befindet sich in der Nähe von Felanitx, im Südosten der Insel. Das Kellereigebäude stammt aus dem 13. Jahrhundert und seit dieser Zeit dient es der Herstellung von Wein. Der lokale Weinbau prägt bis heute die Landschaft (Reben im „gemischten Satz“ mit Obstbäumen). Aber erst die Reblausplage auf dem europäischen Festland im 19. Jahrhundert  brachte den Weinbau auf Mallorca richtig in Schwung. Das in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts entstandene Kellereigebäude ist ein Zeitzeichen der Blüte. Aber einer Blüte folgt in aller Regel auch eine welke Phase und umso schöner ist es, dass man heute wieder an alte Zeiten anknüpft und sich der Tugenden der Väter und vor allem der ureigensten Reben (Manto negre, Fogoneu, Prensal und Callet) der Insel besinnt.

Das 1994 von zwei „alten“ Freunden gegründete Weingut Àn Negra  nutzte zunächst die alte Kellerei „Possessio“ Son Burguera, heute verfügt man jedoch über modernste Kellertechnik. Die beiden Jungs kannten sich bereits aus der Schule, doch während Pere Ignasi sich um die Kühe und die Molkerei seiner Familie kümmerte, zog es den 4 Jahre älteren Miquel Angel nach Madrid zum Studium. Nach seiner Rückkehr verwirklichten beide einen lange gehegten, gemeinsamen Traum und kelterten in einem Milchtank ihren ersten Wein aus Trauben alter Callet-Reben.

Der AN besteht überwiegend aus über 90% Callet, mit einer kleinen Beimischung von Manto negre und Fogoneu. Die alten Callet-Reben (40-60 Jahre) stehen auf kalkhaltien Felsen, deren obere, mineralhaltige Schicht einen hohen Anteil an Eisenoxiden aufweist. Durch und durch zieht sich diese Mineralik auch im Wein, der so gar nichts mit den üblichen spanischen Festland-Tempranillos gemein hat. Der AN ist geprägt durch die kalkige Mineralik, ein tolles Spiel der würzigen Frucht (Kirschen, Wacholderbeeren, Feigen, etwas Cassis und Lorbeer) mit einer schönen Säure und gut strukturierten Tanninen. Der Wein hat eine innere Spannung, einer recht vollen Körper, ist klar und frisch und erzeugt Druck; dabei durchaus leichtfüssig und elegant. Besonders gut gefällt mir die schöne, säurefruchtige Länge, die mit einem Touch Bitterschokolade abschließt. ANimierender Trunk. Hand geht permanent zum Glas.

1998-2008 Spätburgunder SD, Weingut Jacob Duijn – Baden

Schon lange liegen ein paar Flaschen Spätburgunder vom Weingut Duijn in meinem Keller. Jedes Jahr kamen ein paar wenige hinzu, aber getrunken habe ich meist „nur“ den Spätburgunder „Jannin“, also den Spätburgunder, den Jacob Duijn aus seiner Parzelle im Altschweier Sternenberg  erntet und der – preislich gesehen – die Mittelklasse des Hauses darstellt. Ein, zwei Flaschen der Luxusklasse, also dem SD aus der Lage  Bühlertaler Engelsfelsen habe ich stets auf die Seite gelegt und mir vorgenommen, sie im Rahmen einer Vertikalprobe mit Freunden zu studieren und zu genießen. Als nun auf einer  unserer letzten „Arbeitsproben“ das Gespräch auf deutschen Spätburgunder kam und in diesem Zusammenhang ein Kollege meinte: „also vom immer hoch gelobten Duijn habe ich noch nichts Besonderes getrunken“, war die Zeit reif, meine kleine SD-Sammlung zu opfern, denn nach meinen persönlichen Erfahrungen mit den Weinen von Jacob Duijn war ich diametral anderer Meinung.  Aber bekanntlich liegt die Wahrheit im Glas. Auf unserem allmonatlichen Jour fixe (also unserem Arbeitstreffen) standen im Mai die Spätburgunder SD 1998 bis 2008 aus dem Hause Duijn. An dieser Stelle sei nochmals Anne Seifried, der Lebenspartnerin von Jacob Duijn, gedankt, die in einer tollen Hau-Ruck-Aktion noch am Freitagnachmittag die beiden letzten Jahrgänge auf den Weg nach Hamburg gebracht hat, sodass wir am nachfolgenden Montag auch die Jahrgänge 2007 und 2008 in unserer Verkostung anstellen konnten.

Um die Weine besser verstehen und einordnen zu können, sind ein paar wenige Informationen zu Jacob Duijn und seinen Weinen sicherlich wichtig. Für mich die beste Nachricht vor ein paar Jahren war, dass Jacob auf biodynamischen Anbau umgestellt hat. Ich persönlich bin von diesem nachhaltigen Konzept sehr überzeugt und freue mich über jeden einzelnen Winzer, der diesen Weg einschlägt, denn nur durch die Rückbesinnung auf die Natur – bei gleichzeitiger Wiederherstellung der Natur – kann einerseits das Terroir vollumfänglich im Wein zum Ausdruck gebracht werden  und gleichzeitig ein Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ressourcen geleistet werden. Der Verzicht auf Chemie im Weinberg ist dabei nur ein Bruchteil der Philosophie, viel wichtiger ist die Idee, das natürliche Gleichgewicht und damit die natürliche Widerstandskraft von Boden, Pflanzen, Tieren und somit natürlich auch der Reben wiederherzustellen. Das Ergebnis sind von Natur aus gesunde und wohlschmeckende Trauben, die das Terroir und den Jahrgang zu 100% widerspiegeln können. Ganz selbstverständlich gehört für mich zu dieser Idee auch die Vergärung mit den natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller, Reinzuchthefen haben da nichts zu suchen. Insofern ist auch „demeter“ zu kritisieren, die Ihren zertifizierten Winzern erlauben, mit Reinzuchthefen zu arbeiten. Doch Jacob Duijn ist konsequent und setzt weder Reinzuchthefen ein, noch werden die Weine geschönt oder gefiltert. Letztlich wird jede  Form von Manipulation des natürlichen Ausdrucks vermieden und das ist für mich  genau das Gegenteil von Langeweile im Wein, das ist Spannung, Veränderung und Genuss  und damit Basis für eine sowohl intellektuelle als auch sinnliche Auseinandersetzung mit dem Wein.

Die Lage Bühlertaler Engelsfelsen ist geprägt durch Granitverwitterungsboden mit aufgeschlossenem Granit, der „dem Boden in einigen Grand Cru Lagen des Beaujolais sehr ähnelt“ (vgl. Braatz, Sautter, Swoboda, Holler: Weinatlas Deutschland, S. 182). Der Rebbestand für den SD ist im Schnitt über 40 Jahre alt; der Ertrag liegt gemäß Webpage (vgl. www.weingut-duijn.de) bei ca. 25 hl/ha. Das Lesegut wird weitgehend von Hand entrappt,  jedoch werden 20% der Stiele mitvergoren und die Gärung findet in 3000 Liter großen Holzbottichen statt. Die 2.Gärung erfolgt während der Lagerung im Barrique, die Weine liegen dort ca. 24 Monate.

Wir verkosten in unserer Gruppe schon seit vielen Jahren Wein, doch selten gab es eine so homogene Bewertung. Nachfolgend schildere ich meine – höchst subjektiven – Eindrücke zu den einzelnen Jahrgängen:

 

1998

Reife Farbe mit leichtem Wasserrand und orangenen Anklängen;  zur Mitte hin ziegelrot; etwas matt. Die Nase ist geprägt von einem schönen Duft von verwelkten Blüten und getrockneten Kräutern, dazu ein wenig rauchige Noten (Toast), reife Erdbeeren.  Das schöne und differenzierte Bukett schraubt die Erwartungen hoch, doch am Gaumen kann er nicht ganz das Niveau halten: Kühle Art, mit deutlicher Mineralik, mittelgewichtig; die recht kräftige Säure verleiht ihm einen Ausdruck von Frische. Neben dem mineralischen Eindruck, fällt das sehr abgebaute Tannin auf. Erst langsam entfaltet sich ein Aroma von Kirschen und schwarzen Pfeffer, das auch den Abgang prägt. – 89 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88

 

2000

Deutlich glänzender und strahlender als der 1998er, auch in der Farbe frischer.  Gereifter Pinot mit ausdrucksvollem, fest gewirktem Bukett;  eher dunkles Beerenaroma, aber auch Erdbeeren, klare Note von getoastetem Holz, leicht rauchig. Die Nase ist nicht ganz so edel und ausdifferenziert wie beim 1998er. Am Gaumen zeigt der 2000er SD dafür eine schöne, dichte und rotbeerige Frucht, feine Tannine und Anklänge von gebranntem Holz. Insgesamt ein ziemlich geradliniger Typ, mit feinem Schmelz und korrespondierenden Tanninen. Die Mineralität ist ebenfalls nicht ganz so ausgeprägt wie beim 98er, aber immer noch gut wahrzunehmen; auch im Abgang erscheint mir der 98er etwas länger. – 88 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88,2

2001

Das Fazit vorweg – wow, was für ein feiner, tiefgründiger und finessenreicher  Spätburgunder.  Eine Flasche von diesem  2001 Spätburgunder  SD,  ggf. noch ein gutes Buch und  das Leben meint es wirklich gut mit Dir.  Der Wein duftet herrlich;  die tiefen und vielschichtigen Aromen strömen einem förmlich entgegen -betörend!!  Zitat am Tisch: „Was für eine geile Nase!“  – man kann es sicherlich feiner artikulieren, aber im Ergebnis ist dem nichts hinzuzufügen 😉

Aroma für Aroma entwickelt dieser wunderbare Spätburgunder; da findet man Noten von getrockneten Kräutern (z.B. Kamille und Salbei),  Orangenschalen, Erdbeeren, aber auch Jod und Tabak.  Insgesamt ein wahres Wunder an Komplexität und Differenziertheit.  Am Gaumen das Spiegelbild der Eindrücke aus der Nase. Der 2001er SD bietet eine hervorragende aromatische Tiefe, ist dabei  kompakt & kraftvoll und bietet dem Gaumen Widerstand. Ein nahezu  perfektes Bild entwickelt sich auf der Zunge:  die Kombination  aus  feiner Saftigkeit, unterlegt mit einer reifen Säure und  perfekt eingebundenen Noten aus dem Barrique-Lager bilden hier die Grundlage. Hinzu kommt ein Spiel  aus Kraft und Muskeln einerseits und differenzierter Frucht und Anmut andererseits.  Diesem so erzeugten Spannungsbogen kann man sich als Genießer kaum entziehen.   Der 2001er Spätburgunder SD von Jacob Duijn zeigt sich lang und elegant im Abgang und auch hier weiß er mit seiner  höchst komplexen Art zu betören. Einmal, durch etwas Belüftung der Flasche nach dem Öffnen in Fahrt gekommen, tragen seine Anlagen ihn weit über 90 Punkte-Linie  und das lange Finale brennt sich in die Erinnerung  eines jeden Weintrinkers ein. – 95 Punkte / Durchschnitt der Runde: 94,2

2003

Nach den bereits drei verkosteten Jahrgängen 1998,2000 und 2001 strömt dieser Wein mit einer so tiefen und satten Farbe ins Glas, dass man sich fragt, welcher Dunkelfelder hier farbgebend war 😉 Natürlich ist das nicht der Fall, sondern die auffallend dunkle Farbe dürfte ein Spiegelbild des Hitzejahres 2003 sein (dickere Beerenschalen?)

In der Nase wirkt der Wein zunächst recht verschlossen, dann entfaltet sich eine dunkle Frucht, mit einem deutlichen Kirscharoma und Anklängen an Gewürze wie z.B. Nelken.  Auch am Gaumen ein für Spätburgunder eher ungewöhnliche Aromatik; mich erinnert er an die Donauwellen meiner Mutter, da gehen Knubberkirschen, Schokolade und Buttercreme eine wunderbare  Koexistenz ein.  Die 2003er Ausgabe des SD ist konzentriert, fleischig und körperreich; die Tannine sind spürbar, reif und rund. Die für diesen Jahrgang sehr gute Säure sorgt dafür, dass der Wein trotz seiner „fetten“ Anlagen ausgewogen und nicht zu schwer erscheint. Schöner, fester Kern, saftiger Stoff und ein Hauch von Minze im mittellangen Abgang. Mich erinnert der Wein eher an einen Supertoscan als an einen dt. Spätburgunder, trotzdem gefällt er mir gut und die 88 Punkte ist er allemal wert. – 88 Punkte / Durchschnitt der Runde: 87

2004

Auch der 2004 SD ist in der Farbe auffallend farbintensiv. Die Nase ist zu Beginn recht verschlossen und er braucht Luft im Glas, um sich zu öffnen. Der kompakte Eindruck bleibt jedoch; in der Aromatik eher dunkelbeerig, erinnert an Heidelbeeren;  auch eine zarte Tabaknote fällt auf. Am Gaumen ist der 2004er SD mit einer schönen, tiefen Aromatik ausgestattet;  er zeigt viel Extrakt und dezent würzige Noten. Der Wein ist sehr klar, in seinen Proportionen  bestens definiert und seine frische, mineralische Art erzeugt eine hohe Präsenz am Gaumen und auf der Zunge. Die Tannine wirken geschliffen und in seiner Anmutung  geht er in Richtung des 2001er Jahrgangs, jedoch ohne die  überaus betörende Differenziertheit und Finesse  des 01ers entwickeln zu können.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 89,8

 

2006

Der 2006er SD ist zu Beginn in der Nase diskussionswürdig, denn er hat im ersten Moment einen recht deutlichen „Stinker“, der zwar mit der Zeit verfliegt, jedoch die ersten Eindrücke prägt. Am Tisch wurde diskutiert, ob es ein kleiner Böchser ist oder ob es die Nachklänge der spontanen Vergärung sind. Meine Vermutung ist, dass bei diesem Jahrgang die Schwefelgabe etwas höher ausgefallen ist und dass dadurch der Wein nicht zu 100% reintönig wirkt. Am Gaumen zeigt er sich von seiner saftigen Seite. Im Mund kühl und mit einer erkennbaren Mineralik ausgestattet. Er ist aromatisch tief sowie stoffig und konzentriert ins seiner Art. Die Tannine sind edel, stattlich und verleihen dem Wein das nötige Rückgrat,  aber das Holz wirkt (noch)  nicht komplett integriert und die leichte Bitternote hinten heraus sowie der – im Vergleich zu den anderen Jahrgängen – recht kurze Abgang sorgen dafür, dass der 06er Jahrgang die rote Laterne als Schlusslicht unserer Verkostung überreicht bekommt.  – 87 Punkte/  Durchschnitt der Runde: 85,6

 

2007

Mit der 2007er Ausgabe des SD scheint sich der Stil des Weins etwas verändert zu haben. Bereits in der Farbe wirkt er heller.  Auch im Bukett und am Gaumen erscheint mir der Wein zu Gunsten der Finesse und Differenziert  etwas zarter und weiblicher geworden zu sein.  Der Alkohol mit 12,5% ist moderat und auch beim Holzeinsatz vermute ich eine Veränderung im Vergleich zu früheren Jahren. 

Bereits in der Nase deutet der 2007er SD seine Klasse an, er wirkt schon in seiner Jugend edel und komplex. Die Aromatik ist geprägt durch Noten von roten Beeren, Anklängen an grünen Pfeffer und verschiedene herbe  Kräuter. Auch am Gaumen zeigt er ein beachtliches Spiel: eine feine,  differenzierte  Frucht, gepaart mit einer tiefen Mineralität  und edlen Aromen aus dem Holz, die bereits jetzt schon sehr gut integriert sind. Der Wein wirkt auffallend kühl und ich denke an Pinots aus der Region Sancerre, die dort auf sehr kalkhaltigen Böden wachsen; der SD spielt jedoch in einer höheren Liga.

Die Klasse des 2007er SDs lässt mich träumen, bei so einem Wein kann man Zeit und Raum vergessen und sich nur mit dem Inhalt des Glases beschäftigen. Dieser Spätburgunder  verbindet einen festen,  strukturbetonten Kern mit einem hohen Maß an Kraft, Eleganz und Anmut  – ich fühlte mich an eine wunderbare Giselle-Aufführung in einer Choreographie von John Neumeier im Hamburger Opernhaus erinnert. Tolle Länge !! Ich bin sehr gespannt, ob der Wein mit dem Alter noch etwas zulegen kann – 93 Punkte / Durchschnitt der Runde: 92,4

2008

Der 2008er wirkt im Glas noch einen Tick heller als der 07er.  Die Nase ist noch geprägt von einer Primärfrucht und ein  Noten  der Spotanvergärung.  Zur Zeit  erinnert er mich noch an einen Grand Cru aus dem Beaujolais: Veilchen, Kirscharomen, Bonbon;  dazu  zarte Röstaromen aus dem Holz.  Am Gaumen auffallend weich und seidig; sehr schön saftig.  Die leichte Extraktsüße und die frische Säure sind noch deutliche Boten der Jugend. Die Mineralik ist gut erkennbar, die Tannine sind feinkörng. Der Wein besitzt  – schon wie sein Vorgänger aus 2007 – einen festen Kern und erstaunlich viel Spiel für sein geringes Alter. Zurzeit hat er noch nicht ganz das Niveau des 2007ers erreicht, aber ich denke, er wird noch ein wenig zulegen. Schöne Länge.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 90,4

 

 

 

 

2007 Côtes-du-Rhône Mon Coeur, J.L. Chave – Rhone

88 Punkte – Eigentlich ist die Domaine J.L. Chave einer der Toperzeuger der nördlichen Rhone und  Flaschen dieser kleinen Produktion (weiß und rot) gehören Jahr für Jahr zu den gesuchten Pretiosen, die man nur allzu gerne sein Eigen nennt. Doch Preise rund um die € 100,- pro Flasche sind eine „Eintrittbarriere“ über die nur wenige Weinliebhaber springen (können).

 

Doch wer sich diesen Luxus nicht leisten möchte/kann, hat mit dem Côtes-du-Rhone eine einfachere Möglichkeit sich die Klasse dieses familiengeführten Hauses (seit 1481 im Familienbesitz) zu erschließen.

 

Die Trauben stammen zwar weder von den eigenen Weinbergen, noch stehen die Reben an der nördlichen Rhône, aber trotzdem hat man hier einen individuellen und ausdrucksstarken Wein im Glas. Die Cuvee aus Grenache und Syrah stammt von der südlichen Rhone und ist ein Spiegelbild ihrer Herkunft. Lange sonnige Tage lassen die Trauben prall und reif werden und schenken ihnen eine üppige Frucht; die kühlenden Mistralwinde sorgen dagegen für eine deutliche Tag-Nacht-Absenkung und somit für eine gute Säurebildung in den Trauben.

 

Die Vertragsbauern, die das Ausgangsmaterial für diesen Wein liefern, arbeiten rein organisch und reduzieren die Erträge. Das Ergebnis ist ein Stoff, der mir sehr viel Spass macht, der ursprünglich und kraftvoll ist. Die 2007er Ausgabe ist in der Farbe tief purpur und dunkel. Zwar zeigt der Wein (insbesondere nach dem Öffnen) Noten von Brettanomyces (kurz Brett genannt – also Noten, die bei den meisten Leuten Assoziationen von Pferd hervorrufen), doch mit etwas Luft gewinnen die Noten von Dörrobst, Kirschen, Pflaumen und Schokolade die Oberhand; richtig gut gefällt mir auch der ausgeprägt würzige Geschmack, der mich an schwarzen Pfeffer und Lebkuchengewürz erinnert. Insgesamt ein intensiver Geschmackseindruck, mit schönem Druck und – trotz aller Intensität und 14% Alkohol – recht kühl und mineralisch. Angenehme Länge. Passt hervorragend zu einem gegrilltem Stück Rindfleisch (mit Röstaromen) oder Lammsteaks.

 

2007 Riesling Schloss Johannisberger „Silberlack“ Großes Gewächs, Domäne Schloss Johannisberg – Rheingau

 

91+ Punkte Im aktuellen Gault Millau Weinführer stellt das Weingut des Fürst von Metternich die Kollektion des Jahres 2009 und das Große Gewächs erringt sehr respektable 93 Punkte. Für mich ist dieser Stoff Rheingau-Riesling pur: die saftige Aromatik von gelbem Steinobst ist unverkennbar. Dazu gesellen sich dezente Citrusnoten und eine leichte Kräuteraromatik. Insgesamt ist der Wein ausdrucksvoll, kraftvoll und von einer delikaten Säure durchzogen. Für mich erstaunlich ist die schon jetzt vorhandene innere Harmonie, bleibt sie in den nächsten Jahren erhalten, dürfte der Wein an Komplexität und Finesse gewinnen und so noch ein oder zwei Pünktchen hinzu gewinnen.

 

Wachau Probe 2006 & 2007

Am vergangenen Samstag fand bei einem Weinfreund eine wunderbare Wachauprobe statt, die einen schönen Überblick über die Jahrgänge 2006 und 2007 gab. Neben den Weinen der Altmeister F.X. Pichler und Emi Knoll gab es auch phantastische Neuentdeckungen zu machen, so z.B. ein 2007 Neuburger vom Weingut Schneeweis oder einen 2007 Grünen Veltliner Smaragd vom Zornberg (toller Lagenname!) von Sighardt Donaubaum. Auch nicht zu vergessen der 2006 GV Smaragd "Von der Schön" aus dem Winzerthaus Graben-Gritsch. Die Krone des Abends ging dann doch an einen altbekannten Starwinzer der Wachau: Emi Knoll hat mit seiner Riesling Vinothekfüllung 2006 wohl einen der besten Weine überhaupt in Österreich in 2006 erzeugt.

 

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2007 Kirrweiler Mandelberg Weißburgunder Großes Gewächs, Weingut Bergdolt – St. Lamprecht (Ski7)

92 Punkte – Ich erinnere mich noch gut an den 2001er Jahrgang, von dem ich vor ca. einem halben Jahr die letzte Flasche getrunken habe (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=289 ) –  einerseits glücklich genossen, andererseits  hat es mich gewurmt, dass nicht noch weitere im Keller liegen, denn der Wein wäre auch in den nächsten 2,3 Jahren noch ein Hochgenuss gewesen – und welcher so alte trockene Weißburgunder kann das von sich behaupten.  

 

Auf Basis dieser Erfahrung habe ich mir vom 07er ein paar Flaschen mehr gekauft, denn ich glaube, dass es zwischen den Jahrgängen 2001 und 2007 deutliche Parallelen gibt. Vielleicht war der 01er noch etwas mineralischer und strukturbetonter, aber ich gehe fest davon aus, dass ich auch den 07er Jahrgang  locker bis zum 2014/15 trinken kann.

 

Doch bereits jetzt in seiner Jugend bringt dieses Musterexemplar von Weißburgunder reichlich Genuss ins Glas. Frisch und glockenklar verströmt er ein Parfüm von gelben Äpfeln, Melone und Cassis. Am Gaumen findet man Anklänge an Honig, Nüsse und Wiesenblumen. Der Wein besticht mit einer hohen Reintönigkeit, seiner wunderbaren, mineralischen Klarheit und einem guten Druck, mit dem er Mund und Rachen vollkommen auskleidet. Hinzu kommen eine feste Struktur, ein zarter Schmelz und eine richtig gute Länge –   für mich ist das ein Referenzwein in Sachen Weißburgunder. Well done !!

2007 Riesling Rüdesheimer Schlossberg Erstes Gewächs, August Kesseler – Rheingau

 

93 Punkte – Helles Goldgelb; in der Nase bereits sehr offen, mit viel gelber Frucht und Pfirsich. Herrlich animierend, viel Saft und Kraft deutet sich da beim Schnuppern im Glas an. Mir gefällt dieser intensive Eindruck unheimlich gut; dies ist für mich Rheingau Riesling pur! Am Gaumen saftig, mit schönem Biss und einer animierenden Säure. Da spielen die vielen gelben Früchte auf der Sommerwiese und sind umgeben von einem Hauch von Karamell und Honig. Ein hoher Extrakt und eine hohe Extraktsüße passen zu diesem Stoff genauso, wie die Mineralität, die eine zusätzliche Facette ins Spiel bringt. Dieser Riesling klingt lange am Gaumen nach und animiert so zum nächsten Schluck. Über die Langlebigkeit des Weines wurde heftig diskutiert. Ich glaube, dass er ein Langstreckenläufer ist, der so viel power und Kraftreserven hat, dass er in der Jugend nicht geizen muss, sondern schon jetzt zeigen kann, was in ihm steckt. In den nächsten 10 Jahren wahrscheinlich zu jeder Zeit ein Genuss, eventuell kommt noch mal eine Verschlussphase.

 

2007 Nadal, Domaine de Fondreche – Côtes de Ventoux

91 Punkte – Wilder Wein mit gutem PLV (knapp 12 Euro)!!  Den meisten dürfte die Appelation Côtes du Ventoux vom Radfahren bekannt sein. Jedes Jahr ist dieser Berg das Epizentrum der Tour de France. Hier übernachten die Fans in Zelten, hier stehen die Zuschauer in Massen, um ihre (gedopten 😉 Idole anzufeuern.

So liegen auch die Weinberge für diese Cuvee aus Grenache und Syrah mit einem kleinen Anteil Mourvedre in der heißen Provence etliche hundert Meter hoch am Mount Ventoux. Im Mund explosiv, viel Power, Druck und Fleisch, aber nicht schwer – die Frische stemmt sich dagegen. Nachdem man diesen Wein getrunken hat, schnalzt man mit der Zunge, um die dicken Aromen vom Gaumen zu lutschen. Da sind Wildkirschen, Pflaumen, viele getrocknete Kräuter (der Provence) und runde, reife Tannine, die dem Wein ausreichend Struktur geben. Aufgrund seiner schönen extraktsüßen Kräutrigkeit schmeckt mir der Wein solo, aber zu einem dunkel gegrillten Steak mit schönen Röstaromen paßt dieser Wein wie die Faus aufs Auge oder der Igel aufs Kopfkissen.

 

Purpur läuft der Wein ins Glas. Aus dem Glas strömt ein Duft von Pflaumen,Sauerkirschen, wilden Kräutern und Lavendel. Frisch eingeschenkt ist der Duft sehr intensiv, mit zunehmender Belüftung verflacht er jedoch etwas und der Alkohol (14,5%)  wird spürbar.

Pflaume, Blaubeeren und Johannisbeeren mit transparentem Körper und sehr ausgewogener Struktur. Eleganz aber auch schon einiges an Dampf. Tiefe mit feiner Frische. a big, sweet kiss of kirsch liqueur intermixed with licorice, loamy soil notes, and hints of pepper and lavender. It is full-bodied, fleshy, rich, and ideal for drinking over the next 4-5 years. Fondreche is the reference point for what can be done in the Cotes du Ventoux.In der betörenden Nase faszinierende Anklänge an schwarze Waldbeeren, Kräuter der Provence, Süßkirschen, weißen Pfeffer und Lavendel.
Die Zunge ist verzückt von der schmelzigen, komplexen Frucht, der phantastischen Struktur und der trinkanimierenden Säure – welch fabelhafter Nadal in einer Kunstfertigkeit wie nie zuvor. Durch den sensiblen Ausbau der traumhaft reifen Syrahtrauben in neuen Barriques mit ungemein saftigen, cremigen Tanninen versehen, die den Wein bereits ab sofort mit großem Vergnügen genießen lassen