2006 Riesling Dürnsteiner Ried Schütt, Weingut Knoll – Wachau

Heute Abend hatte ich mal wieder Lust auf einen echten Weisswein Brummer.

Die 2006er Ausgabe vom Riesling Ried Schütt hat nicht enttäuscht. In der Nase getrocknete Wiesenblumen, gelber Apfel, Bergkräuter. Kraftvoller Stoff; Äpfel, Mango, Papaya, Birnen, ein wenig reife Citrusfrucht und Bergkräuter. Weiche Oberfläche, darunter viel Kraft und Zug, animierend, brennend-salzige Mineralik, weisser Pfeffer und etwas Curry. Ne, eigentlich recht deutlich Curry ;-))

Saftig und erstaunlich frisch für einen 2006, von denen ich immer annahm, dass die auf Grund des Hitzejahres etwas zu opulent sind und nicht so gut altern können. Das Teil lehrt mich eines Besseren. Schöne Länge! Einige Filigrantrinker wird der spürbare Alkohol und eine dezente Bitternotestören, für mich passt das zum Jahrgang und zum Wein.

Auf Grund einer guten Säure und der Mineralik nie mastig, sondern „nur“ mächtig, powerfull, aromatisch und lang.

Braucht etwas Luft und sollte nicht zu kalt getrunken werden. Auch nicht zu viel, hicks :geek:

2006 Torrent Negre, Miquel Gelabet – Pla i Llevant, Mallorca

89 Punkte – Diese Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah und Cabernet Franc hat sonnenverwöhnte 14,5% Alc. – der Ausbau erfolgte 12 Monate in teilweise neuer französischer und amerikanischer Eiche.

Auf Grund des  Umstands, dass Miquel Gelabert auf Mallorca seine Weine erzeugt, neigt der gemeine Weintrinker schnell in der Kategorie „Urlaubswein“ zu denken. Das dies der falsche Weg ist,  wird schnell klar – vielmehr sollte man sich ein wenig Zeit nehmen und einige seiner Weine in Ruhe verkosten. Wer nicht die die Chance hat, selbst einmal auf dem Weingut vorbeizuschauen, sollte zumindest virtuell einen neugierigen Blick riskieren http://vinsmiquelgelabert.net/ . Miquel Gelabert führt Vergangenheit und Moderne zusammen, er experimentiert viel und pflegt über 30 verschiedene Rebsorten auf seine ca. 10 ha Land.

An dieser eigentlich sehr bordeaux-geprägten Cuvée – ergänzt um Syrah –  gefällt mir insbesondere am Gaumen die Kombination aus: süßen Würzaromen, balsamischen Noten und  einem recht massiven Rückgrat aus Tanninen. Vordergründig ist der Wein  von saftigen, reifen Früchten (Pflaumen, Kirschen), Noten von Vanille und Schokolade sowie einem Hauch Kaffee geprägt. Dahinter steckt aber eine tanninbetonte Struktur, ein recht kräftiger Körper sowie eine angenehme Säure, die dem Wein Frische und Balance verleiht. Als Solist ist das Tannin ein wenig trocknend, aber zum Essen mit einem schönen, gegrillten Stück Fleisch und korrespondierenden Röstaromen, kommt der Wein genau richtig. Das geht entweder zu Hause auf dem Balkon oder noch schöner auf der Terrasse der Finca mit Blick aufs Meer….trotzdem nicht nur ein Urlaubswein!

 

2006 Quasaar Riesling, Weingut Herrenberg / Loch – Saar

88 Punkte

– Was für ein kraftvoller, feinherber Stoff, hier ist ordentlich Riesling im Glas – einfach ein Maul voll Wein. Herrliche Pfirsichfrucht, angereichert mit einer angenehmen Honigsüße, mit schönem Säure-Süße-Spiel und einer deutlichen Mineralik. Die Botrytis ist gut eingebunden und verleiht dem Wein eine tragende Säule. So etwas macht richtig Freude und belehrt mich mal wieder eines Besseren, dass auch in wirklich kritischen Jahrgängen tolle Weine produziert werden können. Ich finde das "Teil" so schmatzig, schmelzig, dicht und – doch, ja, ja – auch fett, aber er ist nicht breit und langweilig, sondern durch seine Säure und Mineralik durchaus fordernd und läßt die Hand zum Glas gehen. Wer die Erbtante bestechen will – hiermit gelingt es – versprochen.
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1998-2008 Spätburgunder SD, Weingut Jacob Duijn – Baden

Schon lange liegen ein paar Flaschen Spätburgunder vom Weingut Duijn in meinem Keller. Jedes Jahr kamen ein paar wenige hinzu, aber getrunken habe ich meist „nur“ den Spätburgunder „Jannin“, also den Spätburgunder, den Jacob Duijn aus seiner Parzelle im Altschweier Sternenberg  erntet und der – preislich gesehen – die Mittelklasse des Hauses darstellt. Ein, zwei Flaschen der Luxusklasse, also dem SD aus der Lage  Bühlertaler Engelsfelsen habe ich stets auf die Seite gelegt und mir vorgenommen, sie im Rahmen einer Vertikalprobe mit Freunden zu studieren und zu genießen. Als nun auf einer  unserer letzten „Arbeitsproben“ das Gespräch auf deutschen Spätburgunder kam und in diesem Zusammenhang ein Kollege meinte: „also vom immer hoch gelobten Duijn habe ich noch nichts Besonderes getrunken“, war die Zeit reif, meine kleine SD-Sammlung zu opfern, denn nach meinen persönlichen Erfahrungen mit den Weinen von Jacob Duijn war ich diametral anderer Meinung.  Aber bekanntlich liegt die Wahrheit im Glas. Auf unserem allmonatlichen Jour fixe (also unserem Arbeitstreffen) standen im Mai die Spätburgunder SD 1998 bis 2008 aus dem Hause Duijn. An dieser Stelle sei nochmals Anne Seifried, der Lebenspartnerin von Jacob Duijn, gedankt, die in einer tollen Hau-Ruck-Aktion noch am Freitagnachmittag die beiden letzten Jahrgänge auf den Weg nach Hamburg gebracht hat, sodass wir am nachfolgenden Montag auch die Jahrgänge 2007 und 2008 in unserer Verkostung anstellen konnten.

Um die Weine besser verstehen und einordnen zu können, sind ein paar wenige Informationen zu Jacob Duijn und seinen Weinen sicherlich wichtig. Für mich die beste Nachricht vor ein paar Jahren war, dass Jacob auf biodynamischen Anbau umgestellt hat. Ich persönlich bin von diesem nachhaltigen Konzept sehr überzeugt und freue mich über jeden einzelnen Winzer, der diesen Weg einschlägt, denn nur durch die Rückbesinnung auf die Natur – bei gleichzeitiger Wiederherstellung der Natur – kann einerseits das Terroir vollumfänglich im Wein zum Ausdruck gebracht werden  und gleichzeitig ein Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ressourcen geleistet werden. Der Verzicht auf Chemie im Weinberg ist dabei nur ein Bruchteil der Philosophie, viel wichtiger ist die Idee, das natürliche Gleichgewicht und damit die natürliche Widerstandskraft von Boden, Pflanzen, Tieren und somit natürlich auch der Reben wiederherzustellen. Das Ergebnis sind von Natur aus gesunde und wohlschmeckende Trauben, die das Terroir und den Jahrgang zu 100% widerspiegeln können. Ganz selbstverständlich gehört für mich zu dieser Idee auch die Vergärung mit den natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller, Reinzuchthefen haben da nichts zu suchen. Insofern ist auch „demeter“ zu kritisieren, die Ihren zertifizierten Winzern erlauben, mit Reinzuchthefen zu arbeiten. Doch Jacob Duijn ist konsequent und setzt weder Reinzuchthefen ein, noch werden die Weine geschönt oder gefiltert. Letztlich wird jede  Form von Manipulation des natürlichen Ausdrucks vermieden und das ist für mich  genau das Gegenteil von Langeweile im Wein, das ist Spannung, Veränderung und Genuss  und damit Basis für eine sowohl intellektuelle als auch sinnliche Auseinandersetzung mit dem Wein.

Die Lage Bühlertaler Engelsfelsen ist geprägt durch Granitverwitterungsboden mit aufgeschlossenem Granit, der „dem Boden in einigen Grand Cru Lagen des Beaujolais sehr ähnelt“ (vgl. Braatz, Sautter, Swoboda, Holler: Weinatlas Deutschland, S. 182). Der Rebbestand für den SD ist im Schnitt über 40 Jahre alt; der Ertrag liegt gemäß Webpage (vgl. www.weingut-duijn.de) bei ca. 25 hl/ha. Das Lesegut wird weitgehend von Hand entrappt,  jedoch werden 20% der Stiele mitvergoren und die Gärung findet in 3000 Liter großen Holzbottichen statt. Die 2.Gärung erfolgt während der Lagerung im Barrique, die Weine liegen dort ca. 24 Monate.

Wir verkosten in unserer Gruppe schon seit vielen Jahren Wein, doch selten gab es eine so homogene Bewertung. Nachfolgend schildere ich meine – höchst subjektiven – Eindrücke zu den einzelnen Jahrgängen:

 

1998

Reife Farbe mit leichtem Wasserrand und orangenen Anklängen;  zur Mitte hin ziegelrot; etwas matt. Die Nase ist geprägt von einem schönen Duft von verwelkten Blüten und getrockneten Kräutern, dazu ein wenig rauchige Noten (Toast), reife Erdbeeren.  Das schöne und differenzierte Bukett schraubt die Erwartungen hoch, doch am Gaumen kann er nicht ganz das Niveau halten: Kühle Art, mit deutlicher Mineralik, mittelgewichtig; die recht kräftige Säure verleiht ihm einen Ausdruck von Frische. Neben dem mineralischen Eindruck, fällt das sehr abgebaute Tannin auf. Erst langsam entfaltet sich ein Aroma von Kirschen und schwarzen Pfeffer, das auch den Abgang prägt. – 89 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88

 

2000

Deutlich glänzender und strahlender als der 1998er, auch in der Farbe frischer.  Gereifter Pinot mit ausdrucksvollem, fest gewirktem Bukett;  eher dunkles Beerenaroma, aber auch Erdbeeren, klare Note von getoastetem Holz, leicht rauchig. Die Nase ist nicht ganz so edel und ausdifferenziert wie beim 1998er. Am Gaumen zeigt der 2000er SD dafür eine schöne, dichte und rotbeerige Frucht, feine Tannine und Anklänge von gebranntem Holz. Insgesamt ein ziemlich geradliniger Typ, mit feinem Schmelz und korrespondierenden Tanninen. Die Mineralität ist ebenfalls nicht ganz so ausgeprägt wie beim 98er, aber immer noch gut wahrzunehmen; auch im Abgang erscheint mir der 98er etwas länger. – 88 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88,2

2001

Das Fazit vorweg – wow, was für ein feiner, tiefgründiger und finessenreicher  Spätburgunder.  Eine Flasche von diesem  2001 Spätburgunder  SD,  ggf. noch ein gutes Buch und  das Leben meint es wirklich gut mit Dir.  Der Wein duftet herrlich;  die tiefen und vielschichtigen Aromen strömen einem förmlich entgegen -betörend!!  Zitat am Tisch: „Was für eine geile Nase!“  – man kann es sicherlich feiner artikulieren, aber im Ergebnis ist dem nichts hinzuzufügen 😉

Aroma für Aroma entwickelt dieser wunderbare Spätburgunder; da findet man Noten von getrockneten Kräutern (z.B. Kamille und Salbei),  Orangenschalen, Erdbeeren, aber auch Jod und Tabak.  Insgesamt ein wahres Wunder an Komplexität und Differenziertheit.  Am Gaumen das Spiegelbild der Eindrücke aus der Nase. Der 2001er SD bietet eine hervorragende aromatische Tiefe, ist dabei  kompakt & kraftvoll und bietet dem Gaumen Widerstand. Ein nahezu  perfektes Bild entwickelt sich auf der Zunge:  die Kombination  aus  feiner Saftigkeit, unterlegt mit einer reifen Säure und  perfekt eingebundenen Noten aus dem Barrique-Lager bilden hier die Grundlage. Hinzu kommt ein Spiel  aus Kraft und Muskeln einerseits und differenzierter Frucht und Anmut andererseits.  Diesem so erzeugten Spannungsbogen kann man sich als Genießer kaum entziehen.   Der 2001er Spätburgunder SD von Jacob Duijn zeigt sich lang und elegant im Abgang und auch hier weiß er mit seiner  höchst komplexen Art zu betören. Einmal, durch etwas Belüftung der Flasche nach dem Öffnen in Fahrt gekommen, tragen seine Anlagen ihn weit über 90 Punkte-Linie  und das lange Finale brennt sich in die Erinnerung  eines jeden Weintrinkers ein. – 95 Punkte / Durchschnitt der Runde: 94,2

2003

Nach den bereits drei verkosteten Jahrgängen 1998,2000 und 2001 strömt dieser Wein mit einer so tiefen und satten Farbe ins Glas, dass man sich fragt, welcher Dunkelfelder hier farbgebend war 😉 Natürlich ist das nicht der Fall, sondern die auffallend dunkle Farbe dürfte ein Spiegelbild des Hitzejahres 2003 sein (dickere Beerenschalen?)

In der Nase wirkt der Wein zunächst recht verschlossen, dann entfaltet sich eine dunkle Frucht, mit einem deutlichen Kirscharoma und Anklängen an Gewürze wie z.B. Nelken.  Auch am Gaumen ein für Spätburgunder eher ungewöhnliche Aromatik; mich erinnert er an die Donauwellen meiner Mutter, da gehen Knubberkirschen, Schokolade und Buttercreme eine wunderbare  Koexistenz ein.  Die 2003er Ausgabe des SD ist konzentriert, fleischig und körperreich; die Tannine sind spürbar, reif und rund. Die für diesen Jahrgang sehr gute Säure sorgt dafür, dass der Wein trotz seiner „fetten“ Anlagen ausgewogen und nicht zu schwer erscheint. Schöner, fester Kern, saftiger Stoff und ein Hauch von Minze im mittellangen Abgang. Mich erinnert der Wein eher an einen Supertoscan als an einen dt. Spätburgunder, trotzdem gefällt er mir gut und die 88 Punkte ist er allemal wert. – 88 Punkte / Durchschnitt der Runde: 87

2004

Auch der 2004 SD ist in der Farbe auffallend farbintensiv. Die Nase ist zu Beginn recht verschlossen und er braucht Luft im Glas, um sich zu öffnen. Der kompakte Eindruck bleibt jedoch; in der Aromatik eher dunkelbeerig, erinnert an Heidelbeeren;  auch eine zarte Tabaknote fällt auf. Am Gaumen ist der 2004er SD mit einer schönen, tiefen Aromatik ausgestattet;  er zeigt viel Extrakt und dezent würzige Noten. Der Wein ist sehr klar, in seinen Proportionen  bestens definiert und seine frische, mineralische Art erzeugt eine hohe Präsenz am Gaumen und auf der Zunge. Die Tannine wirken geschliffen und in seiner Anmutung  geht er in Richtung des 2001er Jahrgangs, jedoch ohne die  überaus betörende Differenziertheit und Finesse  des 01ers entwickeln zu können.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 89,8

 

2006

Der 2006er SD ist zu Beginn in der Nase diskussionswürdig, denn er hat im ersten Moment einen recht deutlichen „Stinker“, der zwar mit der Zeit verfliegt, jedoch die ersten Eindrücke prägt. Am Tisch wurde diskutiert, ob es ein kleiner Böchser ist oder ob es die Nachklänge der spontanen Vergärung sind. Meine Vermutung ist, dass bei diesem Jahrgang die Schwefelgabe etwas höher ausgefallen ist und dass dadurch der Wein nicht zu 100% reintönig wirkt. Am Gaumen zeigt er sich von seiner saftigen Seite. Im Mund kühl und mit einer erkennbaren Mineralik ausgestattet. Er ist aromatisch tief sowie stoffig und konzentriert ins seiner Art. Die Tannine sind edel, stattlich und verleihen dem Wein das nötige Rückgrat,  aber das Holz wirkt (noch)  nicht komplett integriert und die leichte Bitternote hinten heraus sowie der – im Vergleich zu den anderen Jahrgängen – recht kurze Abgang sorgen dafür, dass der 06er Jahrgang die rote Laterne als Schlusslicht unserer Verkostung überreicht bekommt.  – 87 Punkte/  Durchschnitt der Runde: 85,6

 

2007

Mit der 2007er Ausgabe des SD scheint sich der Stil des Weins etwas verändert zu haben. Bereits in der Farbe wirkt er heller.  Auch im Bukett und am Gaumen erscheint mir der Wein zu Gunsten der Finesse und Differenziert  etwas zarter und weiblicher geworden zu sein.  Der Alkohol mit 12,5% ist moderat und auch beim Holzeinsatz vermute ich eine Veränderung im Vergleich zu früheren Jahren. 

Bereits in der Nase deutet der 2007er SD seine Klasse an, er wirkt schon in seiner Jugend edel und komplex. Die Aromatik ist geprägt durch Noten von roten Beeren, Anklängen an grünen Pfeffer und verschiedene herbe  Kräuter. Auch am Gaumen zeigt er ein beachtliches Spiel: eine feine,  differenzierte  Frucht, gepaart mit einer tiefen Mineralität  und edlen Aromen aus dem Holz, die bereits jetzt schon sehr gut integriert sind. Der Wein wirkt auffallend kühl und ich denke an Pinots aus der Region Sancerre, die dort auf sehr kalkhaltigen Böden wachsen; der SD spielt jedoch in einer höheren Liga.

Die Klasse des 2007er SDs lässt mich träumen, bei so einem Wein kann man Zeit und Raum vergessen und sich nur mit dem Inhalt des Glases beschäftigen. Dieser Spätburgunder  verbindet einen festen,  strukturbetonten Kern mit einem hohen Maß an Kraft, Eleganz und Anmut  – ich fühlte mich an eine wunderbare Giselle-Aufführung in einer Choreographie von John Neumeier im Hamburger Opernhaus erinnert. Tolle Länge !! Ich bin sehr gespannt, ob der Wein mit dem Alter noch etwas zulegen kann – 93 Punkte / Durchschnitt der Runde: 92,4

2008

Der 2008er wirkt im Glas noch einen Tick heller als der 07er.  Die Nase ist noch geprägt von einer Primärfrucht und ein  Noten  der Spotanvergärung.  Zur Zeit  erinnert er mich noch an einen Grand Cru aus dem Beaujolais: Veilchen, Kirscharomen, Bonbon;  dazu  zarte Röstaromen aus dem Holz.  Am Gaumen auffallend weich und seidig; sehr schön saftig.  Die leichte Extraktsüße und die frische Säure sind noch deutliche Boten der Jugend. Die Mineralik ist gut erkennbar, die Tannine sind feinkörng. Der Wein besitzt  – schon wie sein Vorgänger aus 2007 – einen festen Kern und erstaunlich viel Spiel für sein geringes Alter. Zurzeit hat er noch nicht ganz das Niveau des 2007ers erreicht, aber ich denke, er wird noch ein wenig zulegen. Schöne Länge.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 90,4

 

 

 

 

2006 Pintia, Bodegas y Vinedos Pintia – Toro

93 Punkte – In diesem Stadium ein Schmakofatz-Wein!! Geballte Fruchtaromen, dazu viel Schokolade, etwas Vanille und Spuren diverser Gewürze. Der Wein tritt mit seinen 15%-Alkohol sicherlich in der Schwergewichtsklasse an,  weiß aber mit seiner einschmeichelnden Art und seiner Klasse – auch die Damen  – zu überzeugen. Am Gaumen sehr schön rund und schmelzig, kleidet Mund und Rachen komplett aus. Dieser Wein ist eine Kombination aus bester mousse au chocolat und frischen Beerenfrüchten (Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren), dazu etwas Muskatnuss, ein Hauch Zimt und Vanille sowie ein kleiner Schuss Kirschwasser. Geht aber nicht nur als flüssiges Dessert –  hat mir z.B. hervorragend zu meiner kross gebratenen Ente geschmeckt; kann ich mir aber auch gut zu einem schönen Stück Rinderfilet oder Wild vorstellen. Die Jahrgänge 2004 und 2005 sind noch einen Tick komplexer und eleganter. Meine Liebste hat er trotzdem begeistert, dafür sollte es eigentlich noch 2 Punkte extra geben. Kleiner Nachtrag: Die Bodegas Pintia gehören zu der Unternehmesgruppe von Vega Sicilia (das über viele Jahrzehnte als Spaniens bestes Weingut galt)  und im Jahr 2004 ist man erstmals mit dem Jahrgang 2001 offiziell im Verkauf gewesen. (1.Abend Urlaub Österreich)

2006 Grüner Veltliner Vinothekfüllung, Weingut Knoll – Wachau

92 Punkte – fast gleiche Punktzahl wie vor einem Jahr (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=387); braucht aktuell aber deutlich mehr Luft und zeigt eigentlich erst am zweiten Tag, was in ihm steckt. Immer noch ein fettes Baby, das im Vordergrund über viel Frucht von reifen Äpfeln, Quitten und Citruaromen verfügt, aber hinten heraus brennt (im wörtlichen Sinne) die Mineralik mit deutlich salzigen und kräutrigen Noten, leider auch wenig der Alkohol. Dieser Wein ist defintiv (!!) nicht für Liebhaber filigraner Weine, das ist ein Wein, der den Hammer raus holt und der es mit seinen 14,5% Alkohol (so viel stehen zumindest auf dem Etikett, mich würde es nicht wundern, wenn er in Wirklichlkeit noch etwas höher ist) es auch nicht verzeiht, wenn man eine Flasche über den Abend verteilt trinkt. Trotzdem mag ich solche gut gemachten Weißweingrananten, da sie über viele Schichten verfügen und so -wie diese Vinothekfüllung – eine erhebliche Länge im Abgang aufweisen.

2006 Alto Moncayo, Alto Moncayo – Campo di Borja

93 Punkte – Draußen tobt der Winter und was macht man da? Man geniesst mollige Weine, die von innen richtig wärmen. Unfassbare 16% Alkohol bringt dieses kleine Monster ins Glas – trotzdem ist dieser 100%ige Garnacha, geerntet von über 60 Jahre alten Rebstöcken keinesfalls zu brandig oder untrinkig. Ganz im Gegenteil, man muss sich bremsen, nicht ein Glas nach dem anderen zu trinken und damit risikieren, dass man am nächsten Morgen verschläft.

Im Glas verströmt der Wein satte Aromen von einem Korb voller Beerenfrüchte (Blaubeeren,  schwarzen Johannisbeeren und schwarzen Kirschen), gemixt mit ein bunten Strauß von Gewürzen (Wacholder, Zimt, Lavendel und Vanille). Am Gaumen herrlich saftig und fleischig, getragen von körnig, runden Tanninen, die strukturbildend wirken. Der beerigen Süße steht eine gute Säure und eine erstaunliche Mineralik ausgleichend gegenüber, sodass der Wein insgesamt sehr voluminös, aber nie plump wirkt. Abgerundet wird der Genuss durch einen flüssig gewordenes Stück  halbbitterer Schokolade, das – zusammen mit den Fruchtnoten – lange am Gaumen haftet. Wow, ist das lecker!!!! Kleiner Tip am Rande, nicht zu warm trinken, habe ihn mit ca. 12 Grad aus dem Keller geholt und selbst bei dieser Temperatur hat er Spaß gemacht; wird er zu warm (>18 Grad) Celsius macht sich der Alkohol immer deutlicher bemerkbar und wirkt insbesondere in der Nase zu intensiv. Eventuell Messer und Gabel bereit legen, denn eigentlich kann man diesen Wein essen, so dicht wirkt er. Zwar kostet der Wein ca. Euro 35, aber so ein hedonistisches Konzentrat wird man nicht billiger bekommen.

Zum Weingut gibt es auf der Seite von Silkes Weinkeller (www.internetoase.de) folgendes zu lesen:

"Bodegas Alto Moncayo wurde 2001 gegründet. Davor war die Winzerfamilie Teil der führenden Cooperative BORSAO in der kleinen D.O. Campo de Borja süd-östlich der Rioja.
Entscheidend für den Ausstieg aus der Cooperative war die Zusammenarbeit mit Jorge Ordonez. Jorge Ordonez ist einer der erfolgreichsten Exporteure für spanische Weine weltweit und widmet sich darüber hinaus seit einigen Jahren leidenschaftlich und mit großem persönlichen Einsatz, um die Modernisierung und qualitative Verbesserung des Weinbaus in den lange unterschätzten Weinregionen in Spaniens Süden, wie Jumilla, Calatayud und auch Campo de Borja. Durch seine Vermittlung konnte der angesehene australische Önologe Chris Ringland als Weinmacher für den Eigenausbau der Weine von Bodegas Alto Moncayo gewonnen werden. Mit seinem Know How schuf er aus den bis zu 100 Jahre alten Garnacha-Reben aus bevorzugten Weinbergen an den Hänger der Moncayo Berge, derart dichte, konzentrierte Weine mit überwältigenden Fruchtaromen und Eleganz (…)"

Clos Mogador – Vertikalverkostung 1991, 1992, 1995, 1997, 2002, 2006

Am 15. Mai war René Barbier zu Besuch bei Mövenpick in Düsseldorf. Ein paar Infos zur Bodega und zum Winzer hatte ich bereits bei der Terminankündigung geschrieben (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=412). Der Abend war sehr unterhaltsam und erkenntnisreich. Da nicht alle Teilnehmer Spanisch oder Französisch (René parliert perfekt in Französisch) sprachen, war es eine große Freude, dass eine junge Dame jede Frage und Antwort perfekt übersetzte. Sie war nicht nur fließend in beiden Sprachen, sondern besaß auch erhebliche Kenntnisse über Wein und – Dank eines Praktikums vor Ort – über die Bodega Clos Mogador.

Die größte Überraschung für mich war, dass René die Rebstöcke mehr oder weniger sich selbst überlässt. Er versucht nur minimalen Einfluss zu nehmen, um so einen möglichst hohen Ausdruck des terroirs zu erzielen. Für mich ist dies auch ein plausibler Grund, warum so große Unterschiede zwischen den einzelnen Jahrgängen bestehen.

 

Gestartet sind wir in die Verkostung mit dem 2006er Jahrgang des Manyetes; danach folgten sieben verschiedene Jahrgänge vom Clos Mogador.

 

 

2006 Manyetes, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

90 Punkte – Die Trauben für diesen Stoff stammen zu 70% von alten Cariñena-Rebstöcken (im Schnitt ca. 70 Jahre alt); die verbleibenden 30% sind Garnacha. Zu Beginn ätherisch-kühl. Mittelgewichtig, wirkt sehr mineralisch, mit einer schönen Saftigkeit (Pflaumensaft, Waldfrüchte) ausgestattet, dazu ein angenehme Würzigkeit und Aromen von  Tinte und Veilchen. Gut gefallen haben mir die feinsandigen Tannine, die dem Wein ein gutes und stabiles Rückgrad geben. Rene Barbier führte aus, dass der Manyetes die Mineralität schon in seiner Jugend deutlich hervorbringt, der Clos Mogador dafür mehrere Jahre Flaschenreife benötigt. Die Rebstöcke für den Manyetes stehen auf den ärmsten Böden, die im Sommer sehr, sehr heiß werden und diese Hitze lange speichern. Rene Barbier sagte, dass die Cariñena-Reben dann ziemlich im Stress sind, so aber auch die Ausbildung der Mineralität deutlich unterstützt wird.

 

 

1991 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – Der Wein kam mir vor wie ein reifer Mix aus Burgunder und Bordeaux; in der Entwicklung schon ziemlich weit fortgeschritten; eher schlanker Ansatz; Noten von rotem Tee (Hagebutte, Malve und Kirsche); deutliche Mineralität, fast ein wenig staubig. Irgendwie war ich mir nicht sicher, ob das nun ein eleganter Wein ist, der durch seine Mineralität ein wenig spröde wirkt, oder ob er auf Grund des Alters schon ein wenig karg ist und er sich jetzt zwar noch interessant präsentiert, aber die besten Zeiten schon hinter sich hat. 13,5% Alkohol / ca. 6.000 Flaschen produziert.

 

 

1992 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – Ab diesem Jahrgang wurde nur Lesegut der eigenen Weinberge (davor wurden Trauben in der Region zugekauft, u.a. aus dem berühmten Weinberg l’Ermita) verarbeitet. Im Gegensatz zum Vorgänger-Jahrgang ist der 92er ein Ausbund an Jugendlichkeit. Die dichte, ausdrucksvolle Aromatik ist interessant und betörend zugleich. Einerseits ein saftiger, beeriger Eindruck (Heidelbeeren; Amarenakirschen), andererseits offenbart der 92er Clos Mogador einen Eindruck von Sommerwiese (mit Noten von Kornblumen und Veilchen) und Herbstlaub (erdige Noten). Kombiniert mit der sämigen Süße und den weichen, feinsandigen Tanninen ging meine Hand leicht zum Glas gehen und mit großer Freude genoss ich, dass es noch einen Schluck „Nachschlag“ gab. 14% Alkohol.

 

 

1995 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


91 Punkte – Der letzte Jahrgang Clos Mogador, der ohne Cariñena vinifiziert wurde. Die Cuvée bestand bis dato aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Syrah. Die 95er Ausgabe ist sehr tief in der Farbe; am Gaumen und in der Nase weich, wirkt noch primärfruchtig und besitzt eine leicht überreife Süße. Weiblich rund und sehr apart, dabei tiefe Geschmacksanlagen: Waldbeeren, Rumfrüchte und ein wenig rauchig.

 

Zu Beginn hatte ich bei diesem Wein einen Korkverdacht, der sich aber nicht bestätigte. Eine gute Hilfe bei der Überprüfung, ob man einen TCA (Korkschmecker) hat oder nicht, ist, wenn man einen kleinen Schluck Wein in ein Glas mit Wasser gibt. Riecht dieser Mix immer noch muffig, dann ist der Wein 100%ig korkig.

 

Rene Barbier berichtete, dass viele Menschen, bei seinen Weinen zu Beginn einen Korkverdacht haben, doch für ihn ist das ein Ausdruck des terroirs beim Clos Mogador und absolut typisch. Nun ja, über diese Aussage ließe sich wohl diskutieren, aber an so einem Abend lässt man das. Meiner Meinung nach könnte dies auch ein Ausdruck von nicht ganz sauberer Kellerarbeit (der neue, unterirdische Keller ging 1997 in Betrieb) bzw. recht hoher Schwefelgabe sein. Aber das ist nur eine vage Vermutung…. Letztlich zählt das, was im Glas ist, und  das war nach etwas Luft zum Atmen hervorragend!! 14,7% Alkohol.

 

 

1997 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


93+ Punkte – Was für ein barocker Wein. Mir fielen gleich ein paar ebensolche Frauen ein, aber nur wenige bringen diese üppigen Kurven mit so viel Lebensfreude, Unbekümmertheit und ländlicher Anmut zusammen – eine Mischung Ina Müller und kräftig gebauter Landfrau mit Stil und Charme.  

 

Die Frucht wirkte zwar geschmacklich etwas überreif, aber trotzdem erzeugt der Wein ein kühles Mundgefühl. Sehr ätherische Noten: Lavendel, Eisenkraut, Thymian, dazu ein Hauch Menthol und Tabak. Auch wenn der Wein etwas strukturierter sein könnte, macht es sooo viel Spaß ihn zu trinken und es ist erstaunlich wie gut dieser Wein – in einem ansonsten eher mittelmäßigen Jahrgang in Spanien – daherkommt. Später nochmals nachverkostet – der Wein legt weiter zu und gewinnt sogar noch etwas an Kontur. 14% Alkohol.

 

 

2002 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – das Jahr war kein unspannendes für die Winzer im Priorat, denn es gab in dieser ansonsten sehr heißen Region relativ viel Regen. Doch ich bin der Überzeugung, dass gerade die steinigen, schiefrigen Böden gut geeignet sind, das Wasser in tiefere Schichten abzuführen, sodass die Trauben sich nicht zu dick und wässrig werden. Auf der anderen Seite ist in solchen Jahren eine gute Reb- und Laubarbeit gefragt, damit die Trauben gut abtrocknen können und die Pilze kein zu leichtes Spiel haben.

 

Die 2002er Ausgabe des Clos Mogador zeigt eine angenehme Kühle in der Nase mit einer schönen Brombeer- und Heidelbeerfrucht. Am Gaumen recht straff und mit viel Biss. In der Aromatik einem Chateauneuf du Pape nicht ganz unähnlich; mineralischer Ansatz, Aromen von Pflaumen, roten Früchten und Mirabellen, recht kühl; sowohl die Tannine als auch die Säure sind etwas straffer als in anderen Jahren, aber ich empfinde das durchaus positiv; schöne Länge. 14,5% Alkohol.

 

 

2003 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – 2003 war das große Hitzejahr in ganz Europa und in ganz Europa entstanden äußerst ungewöhnliche Weine: häufig fett und mit viel Alkohol ausgestattet. Viele sprachen vom Jahrhundertjahrgang (und vom Wetter war er das auch!!) und bei dem Gedanken, dass Alkohol ein Geschmacksträger ist, wird mir ganz „plummerant“ – müssen da die Weine nicht supertoll schmecken?

 

NEIN – sie müssen nicht, denn egal in welchem Land oder Landstrich man sich auf der nördlichen Halbkugel auch befindet, die Weine sind regelmäßig zu alkoholisch, zu breit, haben zu wenig Säure und sind folglich zu unausgewogen.

 

Auch beim 2003er Clos Mogador ist der Jahrgang deutlich erkennbar: würzig, warme Aromatik; Noten von Rumtopf und (über-)reifer Frucht. Im Glas zeigt er schon eine erstaunlich reife Farbe. Die Fruchtsüße, der dichte Saft und der hohe Extrakt stehen auf der „Habenseite“ der Bilanz dieses Weines. Im Soll sind zu verbuchen: die aromatische Breite, eine gewisse Unausgewogenheit sowie eine leichte Bitternote, die wahrscheinlich von der Überreife des Lesegutes stammt. Der Wein ist erstaunlich schnell gealtert, wahrscheinlich ist dies auch eine Folgeerscheinung der – im Vergleich zu an deren Jahrgängen – zu geringen Säure (?); 14,5% Alkohol.

 

2006 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


90 Punkte – Kühle, dunkle Frucht. Seidig und weich am Gaumen. Ausladende Primärfrucht mit Aromen von Himbeeren, Brombeeren, Pflaumen und Schokolade. Feinste Lindt-Schokolade und Amarena-Kirschen habe ich mir notiert. Die süße Frucht und der samtige Schmelz sind so auffällig, dass einige Probenteilnehmer vermuteten, dass der Sohn von Rene Barbier für diesen Jahrgang verantwortlich zeichnet und somit vielleicht ein neuer, etwas internationalerer Stil Einzug in den Keller gehalten hat. Aber schon bei der Frage, schüttelte Madame Barbier so heftig mit dem Kopf, dass klar wurde, Rene lässt sich das Zepter beim Rotwein noch nicht aus der Hand nehmen.

 

 

2007 Nelin, Bodegas Clos Mogador – Priorat


89 Punkte – Mit dem weißen 2007er Nelin wurde doch noch das Können vom Filius der Familie vorgestellt. Die Cuvee im Jahr 2007 besteht aus 54% Garnacha, 10% Viognier, 9% Pinot (weiß gegeltert), 13% Rousanne, 8% Macabeu und 6% Pedro Ximenez und Marsane. Der Wein wurde 9 Monate im Barrique ausgebaut; er hat 14% Alkohohl, 5,9 Gramm Säure/Liter und einen Restzucker von 0,5 Gramm/Liter.

 

Im Glas hat der Wein einen leichten Lachston, was von den weiß gekelterten Rotweintrauben stammen dürfte. Er duftet ein bisschen wie ein Neuer-Welt-Chardonnay, was auf den barrique-Einsatz zurückzuführen ist. Die Nase zeigt intensive, schöne Wiesen- und Blütendüfte, dazu eine deutliche Birnenfrucht; am Gaumen einem weißen Chateauneuf-du-Pape nicht unähnlich. Die deutliche Mineralik steht ihm gut; Assoziationen mit weißen Pfirsichen, grünen Bananen; Buttertrüffel und einem leichten Blütenhonig kommen mir beim „Kauen“ des Weines so in den Sinn. Schöner Stoff, den ich jedoch relativ jung (in den nächsten 1-4 Jahren) trinken würde, wenngleich ich beim weißen CdP etwas anderes rate: LIEGEN lassen.

2006 Bordeaux Arrivage – Ein Überblick

 

Es ist jedes Jahr die gleiche Frage der begeisterten Bordeauxtrinker: kaufe ich Bordeaux in Subskription (d.h. man bestellt und bezahlt den Wein ca. 2 Jahre bevor er überhaupt auf die Flasche kommt und das Weingut verlässt) – oder nicht! Dafür spricht – zumindest theoretisch, dass man die Weine zu einem günstigeren Preis bekommt, als 2 Jahre später im deutschen Weinfachhandel. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch gewichtige Argumente gegen diese Vorgehensweise:

  1. Bordeaux-Weine haben in den letzten Jahren Schwindel erregende Preise erreicht und so muss man kritisch hinterfragen, ob sich bei den aktuellen Jahrgängen durch Subskription überhaupt noch ein Schnäppchen machen lässt. Gerade in der aktuellen Finanzmarktkrise zeigt es sich, dass es auch oder gerade bei Bordeaux-Weinen eine Spekulationsblase gab/gibt. Seit dem Milleniumjahrgangleniumjahrgang (2000), der von den weinjournalistischen Sprachrohren Robert Parker und Winespectator so bejubelt wurde, haben sich Bordeaux Weine – mehr denn je – zum Spekulations- und Prestigeobjekt entwickelt. Seinen vorläufigen Höhepunkt hat das Ganze mit den „Jahrhundertjahrgängen“ 2003 und 2005 erreicht, die angeblich noch besser sein sollen als der große 2000er Jahrgang. Beim 2005er mag das noch zutreffen, denn soooo groß war 2000 nun auch wieder nicht, aber die Bezeichnung Jahrhundertjahrgang passt für 2003 wohl eher auf den unglaublichen Hitzesommer als für das Ergebnis in der Flasche.

Da die Chateaubesitzer nun aber auch nicht von gestern sind und man dem Handel zwar die Butter auf dem Brot, aber nicht Austern und Kaviar gönnt, hat man bei den von der Presse lancierten „Top-Jahrgängen“ jedes mal kräftig die Preise nach oben katapultiert. Was bis dato immer so gut funktioniert hat, wollte beim 2006er Jahrgang nicht so recht gelingen, denn die Bewertung des Jahrgangs fiel in den auflagenstarken Weinzeitschriften nur mittelprächtig aus. Da aber die Chateaus das einmal erreichte Preisniveau halten wollten, wurden die Preise kaum spürbar gesenkt. Um so spannender war jetzt die arrivage-Verkostung, also die erste Möglichkeit für Otto-Normalverbraucher sich in trinkender Weise mit dem Jahrgang auseinander zu setzen. – Dies habe ich bei Mövenpick in Düsseldorf ausführlich gemacht und die Eindrücke finden sich hier im Anschluss. (Die angegeben Verkaufspreise entstammen allesamt der Preisliste von Mövenpick).

Ach, übrigens, um mal so eine Preisduftmarke aus der 2006er Subskription aufzurufen, die Premier Grand Crus (Chateau Mouton Rothschild, Latour, Lafite Rothschild, Margaux und Haut Brion) gab es kaum für weniger als Euro 500,- pro Flasche – macht bei einer 12er Kiste schlappe Euro 6.000. Dafür bekommt man in diesen Tagen schon ein Auto, sofern man ein altes zu verschrotten hat. Wenn das also keine platzende Spekulationsblase ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Wir werden sehen, für welche Preise die 2006er Weine in 6 bis 12 Monaten im Handel zu haben sind; ich schätze, dass bei Lagerverkäufen 30%-40% gespart werden können.

  1. Die Finanzkrise demonstriert eine weitere Binsenweisheit deutlich – nämlich, dass man die Leute bzw. ihre wirtschaftliche Lage ziemlich genau kennen sollte, wenn man ihnen bei der Subskription Geld für 2 Jahre im Voraus (also einen Kredit) gibt. Mir sind in diesem Jahr schon mindestens 2 Fälle bekannt geworden, wo die Insolvenz des Weinhändlers ziemlich sicher stellt, dass der bezahlte Wein den Keller seiner Käufer nie erreichen wird. Aber viele kennen das ja schon, insbesondere wenn sie ihr nicht in Wein investiertes Geld in Zertifikaten von Lehman Brothers oder bei isländischen Banken angelegt haben.

  2. Sofern man nicht mit Bordeaux-Weinen spekulieren möchte, sondern sie kauft, um sie eines Tages auch zu trinken, sollte man den Primeurverkostungen (also den Fassproben der Weinjournalisten im Frühjahr jeweils nach dem erzeugten Jahrgang) nicht blind vertrauen, sondern lieber selbst probieren und dann kaufen. Zugegeben, das geht erst, wenn die Weine – so wie jetzt beim 2006er Jahrgang – in den Handel kommen. Aber wer weiß schon, ob der Geschmack der Journalisten mit dem eigenen kompatibel ist oder vielleicht hat ein Wein auch nur so viele Punkte bekommen, weil dem Schreiberling das Dekolleté der Madame des Hauses so gut gefallen hat. Selten hat der Spruch: „Probieren geht über Studieren“ so gestimmt. Also Geld lieber trocken halten und den Wein dann kaufen, wenn man ihn bereits getrunken und für lecker und würdig befunden hat. Eine Ausnahme von der Regel ist, wenn man ein Chateau über die Jahre kennt und den Wein in allen Jahren schätzt und ihn gerne im Keller haben möchte.

Mein Eindrücke vom 2006er Jahrgang kann man hinsichtlich der Qualität vielleicht so zusammen fassen: Vieles geht, wenig muss. Auf Grund der Witterungsbedingungen scheint es so, dass viele Betriebe diverse Geräte zur Konzentration eingesetzt haben. Das Problem an der Geschichte ist nur, dass in aller Regel dem Most nicht nur Wasser entzogen wird und damit der Wein konzentrierter ist, sondern dass auch negative Einflüsse, z.B. grün wirkende Tannine aromatisch betont werden.

Bezüglich der Preise kann ich jedem nur empfehlen, noch ein paar Monate ins Land gehen zu lassen, denn die Preise werden nur eine Richtung kennen: gen Süden.

 

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2006 Punto Final Malbec Reserva, Bodega Renacer – Argentinien

89 Punkte – Malbec ist die Rebsorte, die es in Argentinien "geschafft" hat. Zwar wird sie heute noch in Frankreich, Italien und Spanien angebaut, aber ihre einstige Bedeutung als Bestandteil des sogenannten Bordeaux-Verschnitts hat sie verloren. Unter ihrem Zweitnahmen Côt prägt sie heute noch eine Vielzahl von Weinen aus dem Cahors (Frankreich), aber in ihrer neuen Heimat Argentinien bekommt sie die Beachtung, die sie verdient hat. Der französische Agronom Aimé Pouget hat sie dort Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführt und seit dem hat sie sich zur bedeutensten Rebsorte des Landes aufgeschwungen.

Die Bodega Renacer liegt am Fuße der Anden in atemberaubender Landschaft und kultiviert auf über 28ha Malbec. Die Trauben für diese schöne Reserva stammen von zwei Rebanlagen, die auf einer Höhe von 900 bzw. 1100 Metern liegen. Durch die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht hat dieser Wein eine schöne Säurestruktur. Er ist saftig, dicht und besitzt eine ausgewogene Extraktsüße, die mit den würzigen Aromen kombiniert, einen sehr trinkigen Wein ergibt. Die Nase ist geprägt von dunkler Beerenfrucht, edlem Holz und Würzaromen, die ich u.a. mit einer Kombination aus rotem Pfeffer, Kakao und Gewürznelken assoziiere. Am Gaumen stellt sich eine Harmonie aus Süße, Saft, Säure, dunklen Früchten (Pflaume, süße Brombeeren)  und einer schönen Würzigkeit ein, wobei auch hier wieder die Nelkenaromen und der rote Pfeffer aromatisch hervorzuheben sind. Das Tannin ist reif, rund und durchaus kräftig, sodass der Wein Lagerpotential für ein paar Jahre besitzt. 

Handwerklich ist der Wein auf hohem Niveau bereitet, die Trauben stammen von über 50 Jahre alten Rebstöcken, sind von Hand gelesen und selektioniert. Die Fermentation erfolgte mit natürlichen Hefen über 17 Tage in Stahltanks bei einer Temperatur zwischen 27° und 31° Celsius.  Die malolaktische Gärung und der Ausbau erfolgte in französicher Eiche über ca. 10 Monate. Der Wein kommt anschließend ungefiltert auf die Flasche. Mit hat er am zweitern Tag deutlich besser geschmeckt, als direkt nach dem Öffnen der Flasche, daher empfehle ich, ihn ein paar Stunden vor dem Genuss zu dekantieren, falls man ihn direkt geniessen möchte.