2003 Moulin A Vent Vieilles Vignes, Domaine Diochon, Beaujolais

89 Punkte – Die Weine aus Moulin A Vent gelten als die tiefgründigsten und langlebigsten unter den 10 Crus des Beaujolais. 2003 war auch hier ein Hitzejahr, dennoch beeindruckt dieser Wein heute mit viel Frische und Substanz.

Transparentes und leuchtendes Rubinrot. Bei 16 Grad Celsius im Glas perfekt konditioniert. Delikate Fruchtnase nach roten Früchten (vorwiegend Erdbeeren und Kirschen), dazu eine Brise aus dem kühlen Lorbeerwald.

Am Gaumen eine kühler, sehr mineralischer Ansatz; dann kommt die Frucht! – Ein Potourrie von roten Früchten – Erdbeeren, Kirschen, Kirschkernen (kleines Bitterle) und reifen Waldhimbeeren. Auf Grund der guten Säure (trotz Hitzejahrgang 2003) frisch und animierend; hohe Transparenz und Klarheit – wirkt animierend, die Hand geht zum Glas.  Ich geniesse ihn ohne Essen! Gereifter Beaujolais ist (fast) die letzte, unentdeckte Bastion! Viel Wein für recht kleines Geld.

2003 Château Leoville Barton – St.Julien


96 Punkte – Lange Jahre war Anthony Barton, Eigentümer des Weinguts Leoville Barton, für mich so etwas wie die Garantie, dass klassische Werte im neuen Zeitalter des Bordeaux-Monopoly nicht untergehen. Beim Stil seiner Weine wird das jedes Jahr aufs Neue deutlich, bei den Preisen ist er wohl spätestens mit dem Jahrgang 2010 – zumindest partiell – den Verlockungen des Marktes erlegen. Der 2003er ist für mich noch so etwas wie der Preis-Leistungs-Sieger in seinem Jahrgang.

Der 2003er Léoville Barton verbindet Saft, Kraft mit aromatischer Tiefe und Eleganz nahezu vorbildlich. Die Nase ist aromatisch dicht, vielschichtig, dunkelbeerige Aromen, Kohle, Waldboden, Cassiscreme, dazu Anklänge an Leder und feinen Tabak. Am Gaumen bestens strukturiert: viel vollreifes und edles Tannin, druckvoll und sehr tief. Die Aromatik kann man als eher dunkel und maskulin umschreiben, wobei die feinsaftige Frucht viel Druck entfaltet und der ausgesprochen gelungene Holzeinsatz einen tollen Rahmen um dieses schöne Kunstwerk bildet. Der Wein ist jetzt in einem ersten Trinkfenster, wobei er sicherlich an Differenziertheit und Eleganz noch eine Spur zulegen kann. Mein Tipp auch hier: eine Flasche jetzt verkosten und dann selbst entscheiden, ob man liegen lässt oder den jugendlichen Verlockungen erliegt.

2003 Château Leoville Las Cases – St. Julien

90 Punkte – Leoville Las Cases gehört nicht nur für mich zu den Klassikern im Bordeaux. Entsprechend sind auch die Preise. Diese 2003er Ausgabe ist jedoch eher ein Neue Welt Wein  als ein klassischer 2ème Grand Cru. Die Cuvee, bestehend aus ca. 70% Cabernet Sauvignon, 17% Merlot und 13% Cabernet Franc ist ein erstaunliches Ergebnis in vielerlei Hinsicht. Trotz des Hitzejahrgangs hat der Wein (vgl. Robert Parker) mit 13,2% Alkohol weniger Umdrehungen als der Jahrgang 2002, der bekanntlich einen eher durchschnittlichen Witterungsverlauf aufwies. In der Nase dominieren Aromen von dunklen Beeren und Pflaumen, kombiniert mit einer leicht laktischen Note, man könnte auch von Waldbeeren in Joghurt sprechen. Am Gaumen recht saftig, deutliche Extraktsüße;  runde und eher weiche Tannine; sehr dicht; kräftiger Körper mit weicher Oberfläche. Trotz aller Süße und Saftigkeit kann man nicht von einem fetten oder gar überextrahierten Wein sprechen. Der Wein wirkt auf mich irgendwie geschminkt, aber es ist keine dralle Lady, die zu viel Speck auf den Rippen hat, und trotzdem empfinde ich einen Mangel an Struktur und Definition. Der 2003er Leoville Las Cases wird trotzdem seine Liebhaber finden, denn er ist einfach zu verstehen und auf Grund seiner fruchtigen Süße, seiner hinreichend aufgelegten Schminke (und nicht jeder empfindet eine "falsch" gewählte Farbzusammenstellung so wie ich), ist er vielleicht sogar „mehrheitsfähig“. Ich weiß nicht, was hier im Keller gemacht wurde, aber dieser Wein ist für mich ein Produkt der Kellertechnik, ihm mangelt es an Ursprünglichkeit, Individualität und der femininen Eleganz, die ich bei großen Leoville Las Cases Weinen häufig empfinde. Ich bin gespannt, wie sich dieser Wein entwickeln wird, seinen ursprünglichen Subskriptionspreis von ca. € 145,- kann ich genauso wenig verstehen wie den Winespectator, der ihm 97 Punkte zuspricht. Selbst der Beschreibung von Parker (der ihn immerhin von 94-96 auf 93 Punkte abgewertet hat), kann ich nicht zustimmen, denn er ordnet ihn immer noch unter den besten Weinen des Jahrgangs ein.

2003 Chateau Duhart-Milon Rothschild – Pauillac

94 Punkte – Einen wunderbaren Auftakt bildete an diesem Abend der 2003 Duhart-Milon Rothschild. Duhart-Milon gehört heute zum Imperium der Domaines de Barons Rothschild und segelt aktuell im Windschatten des großen Bruders Lafite Rothschild sehr erfolgreich auf der Welle des wirtschaftlichen Erfolgs mit. Eigentlich hat man bei Duhart-Milon den Windschatten nicht nötig, denn das, was da im Glas war, ist richtig toller Stoff – klassisch und sehr genussreich.

Bis zum Jahr 1962 war Château Duhart-Milon – seit über 100 Jahren – im Eigentum der Familie Castéja. Mehrere Erbteilungen führten bis dato zu einer Aufsplitterung der Weinberge und zu einem Qualitätsverlust bei den Kellerergebnissen. Als die Rothschilds das Chateau im Jahr 1962 aufkauften, umfasste das Gut nur noch 17 Hektar. Man beschloss umfangreiche Investitionen, die Château Duhart-Milon wieder zu seiner alten Größe verhelfen sollten. Die Weinstöcke wurden in 1963 fast vollständig erneuert, dazu kamen neue Weinlager und Gärkeller in Pauillac.

Es ist für mich immer schwierig, wenn mich jemand fragt: Was ist ein klassischer Bordeaux oder noch schlimmer, was ist ein klassischer Pauillac? – jetzt habe ich eine Antwort: „Trink einen Schluck Duhart-Milon Rothschild 2003!!“ Wie ich auf der Webpage von Barons de Rothschild jedoch feststellen musste, hatten diese Idee jedoch schon andere vor mir: „Der Grand Vin des Château Duhart-Milon wird oft als klassisches Beispiel der Herkunftsbezeichnung Pauillac bezeichnet. Er zeugt von einer „zurückhaltenden Vornehmheit und von großem Raffinement“, so die Beurteilung des Agenten Abraham Lawton, der dem Wein im Jahre 1815 „eine große Bestimmtheit und einen ziemlich ausgeprägten Saft“ bescheinigt. (Der „Saft“ der Premiers Crus des Médoc wird auf schöne Weise mit dem Geruch verglichen, „der sich im Raum verbreitet, wenn man einen Siegellack erster Güte verbrennt.“)“ – Wie toll, dass diese Einschätzung fast 200 Jahre später immer noch ihr Gültigkeit hat.

Also – was hatten wir nun im Glas? Einen Wein, dessen Nase so betörend ist, dass es einem schwer fällt, das Glas abzusetzen. Herrliche „Bordeauxnase“, Aromen feinsten Tabaks, Mokka und getrocknete Kräuter. Dazu passen die Eindrücke von Leder, Paprika und Lakritze. Die ausdrucksvolle, feine Frucht verbindet sich mit den ätherischen Aromen und die feinen, weichen Tannine bilden ein hervorragendes Rückgrat für diesen bestens strukturierten, ausgewogenen und jetzt schon eleganten Bordeaux. Die feine Fruchtsüße wirkt – trotz einer auf Grund des Jahrgangs eher geringen Säure – fein und zieht sich durch bis in den schönen, ausgewogenen und langen Abgang. Insgesamt ein klassischer Bordeaux aus einem Jahrgang, der auf Grund seiner sommerlichen Hitze – häufig vollkommen zu Unrecht – mit „Trinkmarmelade“ gleichgesetzt wird. Aktuell ein wirklicher Trinkgenuss, Eile bedarf es jedoch keiner. Wer nur eine Flasche im Keller hat, sollte sie jetzt trinken. Warum? Jetzt kann man noch nachkaufen 😉 Wehmutstropfen dabei sind die davon gelaufenen Preise. In der Subskription mal für ca. Euro 25,- zu haben, dürfte es jetzt schwierig werden, ihn im Handel für unter Euro 100,- zu bekommen. Etwas günstiger vielleicht auf Auktionen.

So und So – kleine Bordeauxprobe 2003

In der Vorweihnachtszeit waren liebe Freunde zu Gast und der Abend war in Sachen Kulinarik „So und So“ – meine Küchenleistung kann ich wohl bei der Vorspeise noch als gut bezeichnen, aber beim geschmorten Ochsenschwanz wollte ich lieber in den Keller gehen, um das Ergebnis nicht länger mitansehen zu müssen. Die Schmorsoße, fruchtig mit Cranberries abgeschmeckt noch lecker, aber das Fleisch war weit davon entfernt „mürbe“ zu sein. Der gespendete Trost meiner Gäste half mir nur bedingt – ich glaube, jeder, der gerne in der Küche steht, wird das verstehen.

Aber auch beim Wein: So und So – ein gemischtes Bild. Thema des Abends war eine kleine Auswahl von Bordeauxweinen aus dem Hitzejahr 2003. Zwei Weine konnten klar mit den Vorurteilen aufräumen, dass in 2003 nur früh reifende Weine entstanden sind, die ein Mangel an Struktur und Eleganz auszeichnet. Andererseits gab es mit dem in der Subskription hochgelobten 2003 Château Leoville Las Cases auch genügend Diskussionsstoff. Die Weine:

2003 Château Duhart-Milon Rothschild

2003 Château Leoville Las Cases

2003 Château Leoville Barton

2003 Château Phélan Ségur

1998-2008 Spätburgunder SD, Weingut Jacob Duijn – Baden

Schon lange liegen ein paar Flaschen Spätburgunder vom Weingut Duijn in meinem Keller. Jedes Jahr kamen ein paar wenige hinzu, aber getrunken habe ich meist „nur“ den Spätburgunder „Jannin“, also den Spätburgunder, den Jacob Duijn aus seiner Parzelle im Altschweier Sternenberg  erntet und der – preislich gesehen – die Mittelklasse des Hauses darstellt. Ein, zwei Flaschen der Luxusklasse, also dem SD aus der Lage  Bühlertaler Engelsfelsen habe ich stets auf die Seite gelegt und mir vorgenommen, sie im Rahmen einer Vertikalprobe mit Freunden zu studieren und zu genießen. Als nun auf einer  unserer letzten „Arbeitsproben“ das Gespräch auf deutschen Spätburgunder kam und in diesem Zusammenhang ein Kollege meinte: „also vom immer hoch gelobten Duijn habe ich noch nichts Besonderes getrunken“, war die Zeit reif, meine kleine SD-Sammlung zu opfern, denn nach meinen persönlichen Erfahrungen mit den Weinen von Jacob Duijn war ich diametral anderer Meinung.  Aber bekanntlich liegt die Wahrheit im Glas. Auf unserem allmonatlichen Jour fixe (also unserem Arbeitstreffen) standen im Mai die Spätburgunder SD 1998 bis 2008 aus dem Hause Duijn. An dieser Stelle sei nochmals Anne Seifried, der Lebenspartnerin von Jacob Duijn, gedankt, die in einer tollen Hau-Ruck-Aktion noch am Freitagnachmittag die beiden letzten Jahrgänge auf den Weg nach Hamburg gebracht hat, sodass wir am nachfolgenden Montag auch die Jahrgänge 2007 und 2008 in unserer Verkostung anstellen konnten.

Um die Weine besser verstehen und einordnen zu können, sind ein paar wenige Informationen zu Jacob Duijn und seinen Weinen sicherlich wichtig. Für mich die beste Nachricht vor ein paar Jahren war, dass Jacob auf biodynamischen Anbau umgestellt hat. Ich persönlich bin von diesem nachhaltigen Konzept sehr überzeugt und freue mich über jeden einzelnen Winzer, der diesen Weg einschlägt, denn nur durch die Rückbesinnung auf die Natur – bei gleichzeitiger Wiederherstellung der Natur – kann einerseits das Terroir vollumfänglich im Wein zum Ausdruck gebracht werden  und gleichzeitig ein Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ressourcen geleistet werden. Der Verzicht auf Chemie im Weinberg ist dabei nur ein Bruchteil der Philosophie, viel wichtiger ist die Idee, das natürliche Gleichgewicht und damit die natürliche Widerstandskraft von Boden, Pflanzen, Tieren und somit natürlich auch der Reben wiederherzustellen. Das Ergebnis sind von Natur aus gesunde und wohlschmeckende Trauben, die das Terroir und den Jahrgang zu 100% widerspiegeln können. Ganz selbstverständlich gehört für mich zu dieser Idee auch die Vergärung mit den natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller, Reinzuchthefen haben da nichts zu suchen. Insofern ist auch „demeter“ zu kritisieren, die Ihren zertifizierten Winzern erlauben, mit Reinzuchthefen zu arbeiten. Doch Jacob Duijn ist konsequent und setzt weder Reinzuchthefen ein, noch werden die Weine geschönt oder gefiltert. Letztlich wird jede  Form von Manipulation des natürlichen Ausdrucks vermieden und das ist für mich  genau das Gegenteil von Langeweile im Wein, das ist Spannung, Veränderung und Genuss  und damit Basis für eine sowohl intellektuelle als auch sinnliche Auseinandersetzung mit dem Wein.

Die Lage Bühlertaler Engelsfelsen ist geprägt durch Granitverwitterungsboden mit aufgeschlossenem Granit, der „dem Boden in einigen Grand Cru Lagen des Beaujolais sehr ähnelt“ (vgl. Braatz, Sautter, Swoboda, Holler: Weinatlas Deutschland, S. 182). Der Rebbestand für den SD ist im Schnitt über 40 Jahre alt; der Ertrag liegt gemäß Webpage (vgl. www.weingut-duijn.de) bei ca. 25 hl/ha. Das Lesegut wird weitgehend von Hand entrappt,  jedoch werden 20% der Stiele mitvergoren und die Gärung findet in 3000 Liter großen Holzbottichen statt. Die 2.Gärung erfolgt während der Lagerung im Barrique, die Weine liegen dort ca. 24 Monate.

Wir verkosten in unserer Gruppe schon seit vielen Jahren Wein, doch selten gab es eine so homogene Bewertung. Nachfolgend schildere ich meine – höchst subjektiven – Eindrücke zu den einzelnen Jahrgängen:

 

1998

Reife Farbe mit leichtem Wasserrand und orangenen Anklängen;  zur Mitte hin ziegelrot; etwas matt. Die Nase ist geprägt von einem schönen Duft von verwelkten Blüten und getrockneten Kräutern, dazu ein wenig rauchige Noten (Toast), reife Erdbeeren.  Das schöne und differenzierte Bukett schraubt die Erwartungen hoch, doch am Gaumen kann er nicht ganz das Niveau halten: Kühle Art, mit deutlicher Mineralik, mittelgewichtig; die recht kräftige Säure verleiht ihm einen Ausdruck von Frische. Neben dem mineralischen Eindruck, fällt das sehr abgebaute Tannin auf. Erst langsam entfaltet sich ein Aroma von Kirschen und schwarzen Pfeffer, das auch den Abgang prägt. – 89 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88

 

2000

Deutlich glänzender und strahlender als der 1998er, auch in der Farbe frischer.  Gereifter Pinot mit ausdrucksvollem, fest gewirktem Bukett;  eher dunkles Beerenaroma, aber auch Erdbeeren, klare Note von getoastetem Holz, leicht rauchig. Die Nase ist nicht ganz so edel und ausdifferenziert wie beim 1998er. Am Gaumen zeigt der 2000er SD dafür eine schöne, dichte und rotbeerige Frucht, feine Tannine und Anklänge von gebranntem Holz. Insgesamt ein ziemlich geradliniger Typ, mit feinem Schmelz und korrespondierenden Tanninen. Die Mineralität ist ebenfalls nicht ganz so ausgeprägt wie beim 98er, aber immer noch gut wahrzunehmen; auch im Abgang erscheint mir der 98er etwas länger. – 88 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88,2

2001

Das Fazit vorweg – wow, was für ein feiner, tiefgründiger und finessenreicher  Spätburgunder.  Eine Flasche von diesem  2001 Spätburgunder  SD,  ggf. noch ein gutes Buch und  das Leben meint es wirklich gut mit Dir.  Der Wein duftet herrlich;  die tiefen und vielschichtigen Aromen strömen einem förmlich entgegen -betörend!!  Zitat am Tisch: „Was für eine geile Nase!“  – man kann es sicherlich feiner artikulieren, aber im Ergebnis ist dem nichts hinzuzufügen 😉

Aroma für Aroma entwickelt dieser wunderbare Spätburgunder; da findet man Noten von getrockneten Kräutern (z.B. Kamille und Salbei),  Orangenschalen, Erdbeeren, aber auch Jod und Tabak.  Insgesamt ein wahres Wunder an Komplexität und Differenziertheit.  Am Gaumen das Spiegelbild der Eindrücke aus der Nase. Der 2001er SD bietet eine hervorragende aromatische Tiefe, ist dabei  kompakt & kraftvoll und bietet dem Gaumen Widerstand. Ein nahezu  perfektes Bild entwickelt sich auf der Zunge:  die Kombination  aus  feiner Saftigkeit, unterlegt mit einer reifen Säure und  perfekt eingebundenen Noten aus dem Barrique-Lager bilden hier die Grundlage. Hinzu kommt ein Spiel  aus Kraft und Muskeln einerseits und differenzierter Frucht und Anmut andererseits.  Diesem so erzeugten Spannungsbogen kann man sich als Genießer kaum entziehen.   Der 2001er Spätburgunder SD von Jacob Duijn zeigt sich lang und elegant im Abgang und auch hier weiß er mit seiner  höchst komplexen Art zu betören. Einmal, durch etwas Belüftung der Flasche nach dem Öffnen in Fahrt gekommen, tragen seine Anlagen ihn weit über 90 Punkte-Linie  und das lange Finale brennt sich in die Erinnerung  eines jeden Weintrinkers ein. – 95 Punkte / Durchschnitt der Runde: 94,2

2003

Nach den bereits drei verkosteten Jahrgängen 1998,2000 und 2001 strömt dieser Wein mit einer so tiefen und satten Farbe ins Glas, dass man sich fragt, welcher Dunkelfelder hier farbgebend war 😉 Natürlich ist das nicht der Fall, sondern die auffallend dunkle Farbe dürfte ein Spiegelbild des Hitzejahres 2003 sein (dickere Beerenschalen?)

In der Nase wirkt der Wein zunächst recht verschlossen, dann entfaltet sich eine dunkle Frucht, mit einem deutlichen Kirscharoma und Anklängen an Gewürze wie z.B. Nelken.  Auch am Gaumen ein für Spätburgunder eher ungewöhnliche Aromatik; mich erinnert er an die Donauwellen meiner Mutter, da gehen Knubberkirschen, Schokolade und Buttercreme eine wunderbare  Koexistenz ein.  Die 2003er Ausgabe des SD ist konzentriert, fleischig und körperreich; die Tannine sind spürbar, reif und rund. Die für diesen Jahrgang sehr gute Säure sorgt dafür, dass der Wein trotz seiner „fetten“ Anlagen ausgewogen und nicht zu schwer erscheint. Schöner, fester Kern, saftiger Stoff und ein Hauch von Minze im mittellangen Abgang. Mich erinnert der Wein eher an einen Supertoscan als an einen dt. Spätburgunder, trotzdem gefällt er mir gut und die 88 Punkte ist er allemal wert. – 88 Punkte / Durchschnitt der Runde: 87

2004

Auch der 2004 SD ist in der Farbe auffallend farbintensiv. Die Nase ist zu Beginn recht verschlossen und er braucht Luft im Glas, um sich zu öffnen. Der kompakte Eindruck bleibt jedoch; in der Aromatik eher dunkelbeerig, erinnert an Heidelbeeren;  auch eine zarte Tabaknote fällt auf. Am Gaumen ist der 2004er SD mit einer schönen, tiefen Aromatik ausgestattet;  er zeigt viel Extrakt und dezent würzige Noten. Der Wein ist sehr klar, in seinen Proportionen  bestens definiert und seine frische, mineralische Art erzeugt eine hohe Präsenz am Gaumen und auf der Zunge. Die Tannine wirken geschliffen und in seiner Anmutung  geht er in Richtung des 2001er Jahrgangs, jedoch ohne die  überaus betörende Differenziertheit und Finesse  des 01ers entwickeln zu können.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 89,8

 

2006

Der 2006er SD ist zu Beginn in der Nase diskussionswürdig, denn er hat im ersten Moment einen recht deutlichen „Stinker“, der zwar mit der Zeit verfliegt, jedoch die ersten Eindrücke prägt. Am Tisch wurde diskutiert, ob es ein kleiner Böchser ist oder ob es die Nachklänge der spontanen Vergärung sind. Meine Vermutung ist, dass bei diesem Jahrgang die Schwefelgabe etwas höher ausgefallen ist und dass dadurch der Wein nicht zu 100% reintönig wirkt. Am Gaumen zeigt er sich von seiner saftigen Seite. Im Mund kühl und mit einer erkennbaren Mineralik ausgestattet. Er ist aromatisch tief sowie stoffig und konzentriert ins seiner Art. Die Tannine sind edel, stattlich und verleihen dem Wein das nötige Rückgrat,  aber das Holz wirkt (noch)  nicht komplett integriert und die leichte Bitternote hinten heraus sowie der – im Vergleich zu den anderen Jahrgängen – recht kurze Abgang sorgen dafür, dass der 06er Jahrgang die rote Laterne als Schlusslicht unserer Verkostung überreicht bekommt.  – 87 Punkte/  Durchschnitt der Runde: 85,6

 

2007

Mit der 2007er Ausgabe des SD scheint sich der Stil des Weins etwas verändert zu haben. Bereits in der Farbe wirkt er heller.  Auch im Bukett und am Gaumen erscheint mir der Wein zu Gunsten der Finesse und Differenziert  etwas zarter und weiblicher geworden zu sein.  Der Alkohol mit 12,5% ist moderat und auch beim Holzeinsatz vermute ich eine Veränderung im Vergleich zu früheren Jahren. 

Bereits in der Nase deutet der 2007er SD seine Klasse an, er wirkt schon in seiner Jugend edel und komplex. Die Aromatik ist geprägt durch Noten von roten Beeren, Anklängen an grünen Pfeffer und verschiedene herbe  Kräuter. Auch am Gaumen zeigt er ein beachtliches Spiel: eine feine,  differenzierte  Frucht, gepaart mit einer tiefen Mineralität  und edlen Aromen aus dem Holz, die bereits jetzt schon sehr gut integriert sind. Der Wein wirkt auffallend kühl und ich denke an Pinots aus der Region Sancerre, die dort auf sehr kalkhaltigen Böden wachsen; der SD spielt jedoch in einer höheren Liga.

Die Klasse des 2007er SDs lässt mich träumen, bei so einem Wein kann man Zeit und Raum vergessen und sich nur mit dem Inhalt des Glases beschäftigen. Dieser Spätburgunder  verbindet einen festen,  strukturbetonten Kern mit einem hohen Maß an Kraft, Eleganz und Anmut  – ich fühlte mich an eine wunderbare Giselle-Aufführung in einer Choreographie von John Neumeier im Hamburger Opernhaus erinnert. Tolle Länge !! Ich bin sehr gespannt, ob der Wein mit dem Alter noch etwas zulegen kann – 93 Punkte / Durchschnitt der Runde: 92,4

2008

Der 2008er wirkt im Glas noch einen Tick heller als der 07er.  Die Nase ist noch geprägt von einer Primärfrucht und ein  Noten  der Spotanvergärung.  Zur Zeit  erinnert er mich noch an einen Grand Cru aus dem Beaujolais: Veilchen, Kirscharomen, Bonbon;  dazu  zarte Röstaromen aus dem Holz.  Am Gaumen auffallend weich und seidig; sehr schön saftig.  Die leichte Extraktsüße und die frische Säure sind noch deutliche Boten der Jugend. Die Mineralik ist gut erkennbar, die Tannine sind feinkörng. Der Wein besitzt  – schon wie sein Vorgänger aus 2007 – einen festen Kern und erstaunlich viel Spiel für sein geringes Alter. Zurzeit hat er noch nicht ganz das Niveau des 2007ers erreicht, aber ich denke, er wird noch ein wenig zulegen. Schöne Länge.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 90,4

 

 

 

 

2003 Chateau Duhart Milon (Rothschild) – Bordeaux

92 Punkte – Schöne dunkle Farbe. Nach dem Öffnen ist die Nase noch dominiert von Lederaromen, Tabak und getoastetem Holz, aber mit zunehmend Luft entwickelt sich die Frucht mit Aromen von Waldbeeren und Pflaumenkuchen, dazu Anklänge von Kaffee und Schokolade.

Am Gaumen ein schöner Bordeaux mit guter Tanninstruktur, aber erstaunlich weich auf der Zunge für einen Pauillac. Erdige Noten, Holz, Kaffee und Schokolade. Am folgenden Tag kommt die saftige Waldfrucht deutlicher durch und der Wein gewinnt an Harmonie.

Im Ergebnis ein schöner Bordeaux, der bei der Subskription knapp  Euro 25,- gekostet hat und jetzt am Beginn seiner Trinkreife steht. In den nächsten 10 Jahren sicherlich schön. Jetzt wahrscheinlich nicht mehr unter  Euro 50,- zu bekommen, denn das Weingut gehört zur Lafite Rothschild Familie und für den großen Bruder bezalht man in Asien Euro 1.000,- für ein Flasche.

Nice, dark colour. At the beginning the nose is dominated by leather, wood and toasty notes, but with time the fruit becomes stronger and evolved aromas of wild berries and plum tart. A full bodied wine with a good tannin structure; much of earthy notes, wood and a bit of coffee and chocolate. After 24 h the juicy fruit of wild berries becomes stronger and the wine finds its balance. Silky on the palate. 

2003 Hochheimer Hölle Riesling Spätlese, Weingut Flick – Rheingau

91 Punkte – Da sag mir doch einer noch mal, dass es im Jahrgang 2003 nur breite Weine, ohne Charme und Klasse gibt. Aber Gott sei Dank bestätigen Ausnahmen die Regel. Und so eine Ausnahme habe ich gerade im Glas – wundebare, dichte Nase mit vollreifen Aromen von Bratäpfeln, Honigmelone und Quitten. Darüber spannt sich ein Hauch von Firne und der Geruch von feuchten Steinen nach einem Sommergewitter. Der eigentliche Gong kommt aber, wenn der Wein in den Mund strömt – so eine satte Frucht von gelben und weißen Früchten (ohne jeden Anflug von Breite) hatte ich bei einem trockenen Riesling selten im Glas. Ein Maul voll Wein ist wohl hier die richtige Beschreibung. Die Hand geht ständig zum Glas, auch wegen der reifen Säure und den mineralischen Noten, die dem Wein eine gute Balance geben und ihn lange, sehr lange tragen. Dazu geht ein schön gegrilltes Stück Fleisch – Herz, was willst du mehr.

Clos Mogador – Vertikalverkostung 1991, 1992, 1995, 1997, 2002, 2006

Am 15. Mai war René Barbier zu Besuch bei Mövenpick in Düsseldorf. Ein paar Infos zur Bodega und zum Winzer hatte ich bereits bei der Terminankündigung geschrieben (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=412). Der Abend war sehr unterhaltsam und erkenntnisreich. Da nicht alle Teilnehmer Spanisch oder Französisch (René parliert perfekt in Französisch) sprachen, war es eine große Freude, dass eine junge Dame jede Frage und Antwort perfekt übersetzte. Sie war nicht nur fließend in beiden Sprachen, sondern besaß auch erhebliche Kenntnisse über Wein und – Dank eines Praktikums vor Ort – über die Bodega Clos Mogador.

Die größte Überraschung für mich war, dass René die Rebstöcke mehr oder weniger sich selbst überlässt. Er versucht nur minimalen Einfluss zu nehmen, um so einen möglichst hohen Ausdruck des terroirs zu erzielen. Für mich ist dies auch ein plausibler Grund, warum so große Unterschiede zwischen den einzelnen Jahrgängen bestehen.

 

Gestartet sind wir in die Verkostung mit dem 2006er Jahrgang des Manyetes; danach folgten sieben verschiedene Jahrgänge vom Clos Mogador.

 

 

2006 Manyetes, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

90 Punkte – Die Trauben für diesen Stoff stammen zu 70% von alten Cariñena-Rebstöcken (im Schnitt ca. 70 Jahre alt); die verbleibenden 30% sind Garnacha. Zu Beginn ätherisch-kühl. Mittelgewichtig, wirkt sehr mineralisch, mit einer schönen Saftigkeit (Pflaumensaft, Waldfrüchte) ausgestattet, dazu ein angenehme Würzigkeit und Aromen von  Tinte und Veilchen. Gut gefallen haben mir die feinsandigen Tannine, die dem Wein ein gutes und stabiles Rückgrad geben. Rene Barbier führte aus, dass der Manyetes die Mineralität schon in seiner Jugend deutlich hervorbringt, der Clos Mogador dafür mehrere Jahre Flaschenreife benötigt. Die Rebstöcke für den Manyetes stehen auf den ärmsten Böden, die im Sommer sehr, sehr heiß werden und diese Hitze lange speichern. Rene Barbier sagte, dass die Cariñena-Reben dann ziemlich im Stress sind, so aber auch die Ausbildung der Mineralität deutlich unterstützt wird.

 

 

1991 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – Der Wein kam mir vor wie ein reifer Mix aus Burgunder und Bordeaux; in der Entwicklung schon ziemlich weit fortgeschritten; eher schlanker Ansatz; Noten von rotem Tee (Hagebutte, Malve und Kirsche); deutliche Mineralität, fast ein wenig staubig. Irgendwie war ich mir nicht sicher, ob das nun ein eleganter Wein ist, der durch seine Mineralität ein wenig spröde wirkt, oder ob er auf Grund des Alters schon ein wenig karg ist und er sich jetzt zwar noch interessant präsentiert, aber die besten Zeiten schon hinter sich hat. 13,5% Alkohol / ca. 6.000 Flaschen produziert.

 

 

1992 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – Ab diesem Jahrgang wurde nur Lesegut der eigenen Weinberge (davor wurden Trauben in der Region zugekauft, u.a. aus dem berühmten Weinberg l’Ermita) verarbeitet. Im Gegensatz zum Vorgänger-Jahrgang ist der 92er ein Ausbund an Jugendlichkeit. Die dichte, ausdrucksvolle Aromatik ist interessant und betörend zugleich. Einerseits ein saftiger, beeriger Eindruck (Heidelbeeren; Amarenakirschen), andererseits offenbart der 92er Clos Mogador einen Eindruck von Sommerwiese (mit Noten von Kornblumen und Veilchen) und Herbstlaub (erdige Noten). Kombiniert mit der sämigen Süße und den weichen, feinsandigen Tanninen ging meine Hand leicht zum Glas gehen und mit großer Freude genoss ich, dass es noch einen Schluck „Nachschlag“ gab. 14% Alkohol.

 

 

1995 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


91 Punkte – Der letzte Jahrgang Clos Mogador, der ohne Cariñena vinifiziert wurde. Die Cuvée bestand bis dato aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Syrah. Die 95er Ausgabe ist sehr tief in der Farbe; am Gaumen und in der Nase weich, wirkt noch primärfruchtig und besitzt eine leicht überreife Süße. Weiblich rund und sehr apart, dabei tiefe Geschmacksanlagen: Waldbeeren, Rumfrüchte und ein wenig rauchig.

 

Zu Beginn hatte ich bei diesem Wein einen Korkverdacht, der sich aber nicht bestätigte. Eine gute Hilfe bei der Überprüfung, ob man einen TCA (Korkschmecker) hat oder nicht, ist, wenn man einen kleinen Schluck Wein in ein Glas mit Wasser gibt. Riecht dieser Mix immer noch muffig, dann ist der Wein 100%ig korkig.

 

Rene Barbier berichtete, dass viele Menschen, bei seinen Weinen zu Beginn einen Korkverdacht haben, doch für ihn ist das ein Ausdruck des terroirs beim Clos Mogador und absolut typisch. Nun ja, über diese Aussage ließe sich wohl diskutieren, aber an so einem Abend lässt man das. Meiner Meinung nach könnte dies auch ein Ausdruck von nicht ganz sauberer Kellerarbeit (der neue, unterirdische Keller ging 1997 in Betrieb) bzw. recht hoher Schwefelgabe sein. Aber das ist nur eine vage Vermutung…. Letztlich zählt das, was im Glas ist, und  das war nach etwas Luft zum Atmen hervorragend!! 14,7% Alkohol.

 

 

1997 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


93+ Punkte – Was für ein barocker Wein. Mir fielen gleich ein paar ebensolche Frauen ein, aber nur wenige bringen diese üppigen Kurven mit so viel Lebensfreude, Unbekümmertheit und ländlicher Anmut zusammen – eine Mischung Ina Müller und kräftig gebauter Landfrau mit Stil und Charme.  

 

Die Frucht wirkte zwar geschmacklich etwas überreif, aber trotzdem erzeugt der Wein ein kühles Mundgefühl. Sehr ätherische Noten: Lavendel, Eisenkraut, Thymian, dazu ein Hauch Menthol und Tabak. Auch wenn der Wein etwas strukturierter sein könnte, macht es sooo viel Spaß ihn zu trinken und es ist erstaunlich wie gut dieser Wein – in einem ansonsten eher mittelmäßigen Jahrgang in Spanien – daherkommt. Später nochmals nachverkostet – der Wein legt weiter zu und gewinnt sogar noch etwas an Kontur. 14% Alkohol.

 

 

2002 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – das Jahr war kein unspannendes für die Winzer im Priorat, denn es gab in dieser ansonsten sehr heißen Region relativ viel Regen. Doch ich bin der Überzeugung, dass gerade die steinigen, schiefrigen Böden gut geeignet sind, das Wasser in tiefere Schichten abzuführen, sodass die Trauben sich nicht zu dick und wässrig werden. Auf der anderen Seite ist in solchen Jahren eine gute Reb- und Laubarbeit gefragt, damit die Trauben gut abtrocknen können und die Pilze kein zu leichtes Spiel haben.

 

Die 2002er Ausgabe des Clos Mogador zeigt eine angenehme Kühle in der Nase mit einer schönen Brombeer- und Heidelbeerfrucht. Am Gaumen recht straff und mit viel Biss. In der Aromatik einem Chateauneuf du Pape nicht ganz unähnlich; mineralischer Ansatz, Aromen von Pflaumen, roten Früchten und Mirabellen, recht kühl; sowohl die Tannine als auch die Säure sind etwas straffer als in anderen Jahren, aber ich empfinde das durchaus positiv; schöne Länge. 14,5% Alkohol.

 

 

2003 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – 2003 war das große Hitzejahr in ganz Europa und in ganz Europa entstanden äußerst ungewöhnliche Weine: häufig fett und mit viel Alkohol ausgestattet. Viele sprachen vom Jahrhundertjahrgang (und vom Wetter war er das auch!!) und bei dem Gedanken, dass Alkohol ein Geschmacksträger ist, wird mir ganz „plummerant“ – müssen da die Weine nicht supertoll schmecken?

 

NEIN – sie müssen nicht, denn egal in welchem Land oder Landstrich man sich auf der nördlichen Halbkugel auch befindet, die Weine sind regelmäßig zu alkoholisch, zu breit, haben zu wenig Säure und sind folglich zu unausgewogen.

 

Auch beim 2003er Clos Mogador ist der Jahrgang deutlich erkennbar: würzig, warme Aromatik; Noten von Rumtopf und (über-)reifer Frucht. Im Glas zeigt er schon eine erstaunlich reife Farbe. Die Fruchtsüße, der dichte Saft und der hohe Extrakt stehen auf der „Habenseite“ der Bilanz dieses Weines. Im Soll sind zu verbuchen: die aromatische Breite, eine gewisse Unausgewogenheit sowie eine leichte Bitternote, die wahrscheinlich von der Überreife des Lesegutes stammt. Der Wein ist erstaunlich schnell gealtert, wahrscheinlich ist dies auch eine Folgeerscheinung der – im Vergleich zu an deren Jahrgängen – zu geringen Säure (?); 14,5% Alkohol.

 

2006 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


90 Punkte – Kühle, dunkle Frucht. Seidig und weich am Gaumen. Ausladende Primärfrucht mit Aromen von Himbeeren, Brombeeren, Pflaumen und Schokolade. Feinste Lindt-Schokolade und Amarena-Kirschen habe ich mir notiert. Die süße Frucht und der samtige Schmelz sind so auffällig, dass einige Probenteilnehmer vermuteten, dass der Sohn von Rene Barbier für diesen Jahrgang verantwortlich zeichnet und somit vielleicht ein neuer, etwas internationalerer Stil Einzug in den Keller gehalten hat. Aber schon bei der Frage, schüttelte Madame Barbier so heftig mit dem Kopf, dass klar wurde, Rene lässt sich das Zepter beim Rotwein noch nicht aus der Hand nehmen.

 

 

2007 Nelin, Bodegas Clos Mogador – Priorat


89 Punkte – Mit dem weißen 2007er Nelin wurde doch noch das Können vom Filius der Familie vorgestellt. Die Cuvee im Jahr 2007 besteht aus 54% Garnacha, 10% Viognier, 9% Pinot (weiß gegeltert), 13% Rousanne, 8% Macabeu und 6% Pedro Ximenez und Marsane. Der Wein wurde 9 Monate im Barrique ausgebaut; er hat 14% Alkohohl, 5,9 Gramm Säure/Liter und einen Restzucker von 0,5 Gramm/Liter.

 

Im Glas hat der Wein einen leichten Lachston, was von den weiß gekelterten Rotweintrauben stammen dürfte. Er duftet ein bisschen wie ein Neuer-Welt-Chardonnay, was auf den barrique-Einsatz zurückzuführen ist. Die Nase zeigt intensive, schöne Wiesen- und Blütendüfte, dazu eine deutliche Birnenfrucht; am Gaumen einem weißen Chateauneuf-du-Pape nicht unähnlich. Die deutliche Mineralik steht ihm gut; Assoziationen mit weißen Pfirsichen, grünen Bananen; Buttertrüffel und einem leichten Blütenhonig kommen mir beim „Kauen“ des Weines so in den Sinn. Schöner Stoff, den ich jedoch relativ jung (in den nächsten 1-4 Jahren) trinken würde, wenngleich ich beim weißen CdP etwas anderes rate: LIEGEN lassen.

2003 Côte de Brouilly Cuvee Zaccharie – Chateau Thivin – Beaujolais (Ski9)

89 Punkte – Mein lieber Freund Ole hat mich in 2005 ins Beaujolais "geschleppt" und wir haben viele, viele Wein verkostet und ich habe auch etliche eingelagert. Doch der damals aktuelle Jahrgang 2004 sollte nicht als Referenz herangezogen werden, wenn man diese Weinregion für sich entdecken möchte. Die angrenzenden Jahrgänge 2003 und 2005 sind deutlich besser und zeigen, dass Beaujolais deutlich mehr "drauf" hat, als man in Deutschland weitläufig verlautbart.

Die Weine der AOC (seit 1936) Côte de Brouilly gehören zu den 10 Crus im Beaujolais, und diese Weine sind LAGERFÄHIG, auch wenn man dies in Deutschland noch nicht wahrgenommen hat. Leider hat der Beaujolais primeur das Image aller Beujolaisweine so nachhaltig versaut, dass der gute Stoff kaum eine Chance hat, wahrgenommen zu werden. Die gute Seite dieser Medaille ist, dass auch die CRU-Weine – nach wie vor – sehr preisWERT sind.

2003 war auch im Beaujolais – so wie in fast ganz Europa  – von viel Sonne und Sommerhitze geprägt.  Dementsprechend besitzt die Cuvee Zaccharie eine ausladende Frucht und die Aromatik erinnert mich an den Rumtopf meiner Eltern aus fernen Kindertagen, der mir zwar regelmäßig vergönnt war, von dem ich aber trotzdem ab und an im Keller heimlich genascht habe. Viel Kirschfrucht und eine fruchtige Süße, die schwer zu beschreiben ist, beherrschen den Eindruck in Mund und Nase. Wenn man es negativ formulieren möchte, würde man wohl "etwas verwaschen" sagen, aber an kalten Wintertagen – wie hier im Skiurlaub – ist es genau das Richtige. Der Wein füllt Mund und Rachen und wärmt von innen. Rosinierte Töne erinnern mich ein wenig an Amarone, aber die durchaus erkennbare Mineralik zeugt davon, dass der Wein von sehr alten, tief wurzelnden Gamay-Reben stammt, die auf Vulkangestein stehen. Die Ernte der 7.000 -10.000 Reben pro Hektar erfolgt von Hand, der Ausbau wird zu 1/10 in neuem Holz vollzogen, der Rest verbringt die neun Monate in 1-5 jährigem Holz. Der Wein hat  noch kräftige, runde  Tannine, die dem Wein Struktur geben, leider wirkt aber die Säure etwas aufgesetzt und ich möchte  nicht ausschließen, dass in diesem Hitzejahr nachgesäuert wurde, wenngleich man auf dem Chateau eigentlich den naturnahen Anbau im Weinberg und den schonenden Ausbau im Keller pflegt.