Clos Mogador – Vertikalverkostung 1991, 1992, 1995, 1997, 2002, 2006

Am 15. Mai war René Barbier zu Besuch bei Mövenpick in Düsseldorf. Ein paar Infos zur Bodega und zum Winzer hatte ich bereits bei der Terminankündigung geschrieben (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=412). Der Abend war sehr unterhaltsam und erkenntnisreich. Da nicht alle Teilnehmer Spanisch oder Französisch (René parliert perfekt in Französisch) sprachen, war es eine große Freude, dass eine junge Dame jede Frage und Antwort perfekt übersetzte. Sie war nicht nur fließend in beiden Sprachen, sondern besaß auch erhebliche Kenntnisse über Wein und – Dank eines Praktikums vor Ort – über die Bodega Clos Mogador.

Die größte Überraschung für mich war, dass René die Rebstöcke mehr oder weniger sich selbst überlässt. Er versucht nur minimalen Einfluss zu nehmen, um so einen möglichst hohen Ausdruck des terroirs zu erzielen. Für mich ist dies auch ein plausibler Grund, warum so große Unterschiede zwischen den einzelnen Jahrgängen bestehen.

 

Gestartet sind wir in die Verkostung mit dem 2006er Jahrgang des Manyetes; danach folgten sieben verschiedene Jahrgänge vom Clos Mogador.

 

 

2006 Manyetes, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

90 Punkte – Die Trauben für diesen Stoff stammen zu 70% von alten Cariñena-Rebstöcken (im Schnitt ca. 70 Jahre alt); die verbleibenden 30% sind Garnacha. Zu Beginn ätherisch-kühl. Mittelgewichtig, wirkt sehr mineralisch, mit einer schönen Saftigkeit (Pflaumensaft, Waldfrüchte) ausgestattet, dazu ein angenehme Würzigkeit und Aromen von  Tinte und Veilchen. Gut gefallen haben mir die feinsandigen Tannine, die dem Wein ein gutes und stabiles Rückgrad geben. Rene Barbier führte aus, dass der Manyetes die Mineralität schon in seiner Jugend deutlich hervorbringt, der Clos Mogador dafür mehrere Jahre Flaschenreife benötigt. Die Rebstöcke für den Manyetes stehen auf den ärmsten Böden, die im Sommer sehr, sehr heiß werden und diese Hitze lange speichern. Rene Barbier sagte, dass die Cariñena-Reben dann ziemlich im Stress sind, so aber auch die Ausbildung der Mineralität deutlich unterstützt wird.

 

 

1991 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – Der Wein kam mir vor wie ein reifer Mix aus Burgunder und Bordeaux; in der Entwicklung schon ziemlich weit fortgeschritten; eher schlanker Ansatz; Noten von rotem Tee (Hagebutte, Malve und Kirsche); deutliche Mineralität, fast ein wenig staubig. Irgendwie war ich mir nicht sicher, ob das nun ein eleganter Wein ist, der durch seine Mineralität ein wenig spröde wirkt, oder ob er auf Grund des Alters schon ein wenig karg ist und er sich jetzt zwar noch interessant präsentiert, aber die besten Zeiten schon hinter sich hat. 13,5% Alkohol / ca. 6.000 Flaschen produziert.

 

 

1992 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – Ab diesem Jahrgang wurde nur Lesegut der eigenen Weinberge (davor wurden Trauben in der Region zugekauft, u.a. aus dem berühmten Weinberg l’Ermita) verarbeitet. Im Gegensatz zum Vorgänger-Jahrgang ist der 92er ein Ausbund an Jugendlichkeit. Die dichte, ausdrucksvolle Aromatik ist interessant und betörend zugleich. Einerseits ein saftiger, beeriger Eindruck (Heidelbeeren; Amarenakirschen), andererseits offenbart der 92er Clos Mogador einen Eindruck von Sommerwiese (mit Noten von Kornblumen und Veilchen) und Herbstlaub (erdige Noten). Kombiniert mit der sämigen Süße und den weichen, feinsandigen Tanninen ging meine Hand leicht zum Glas gehen und mit großer Freude genoss ich, dass es noch einen Schluck „Nachschlag“ gab. 14% Alkohol.

 

 

1995 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


91 Punkte – Der letzte Jahrgang Clos Mogador, der ohne Cariñena vinifiziert wurde. Die Cuvée bestand bis dato aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Syrah. Die 95er Ausgabe ist sehr tief in der Farbe; am Gaumen und in der Nase weich, wirkt noch primärfruchtig und besitzt eine leicht überreife Süße. Weiblich rund und sehr apart, dabei tiefe Geschmacksanlagen: Waldbeeren, Rumfrüchte und ein wenig rauchig.

 

Zu Beginn hatte ich bei diesem Wein einen Korkverdacht, der sich aber nicht bestätigte. Eine gute Hilfe bei der Überprüfung, ob man einen TCA (Korkschmecker) hat oder nicht, ist, wenn man einen kleinen Schluck Wein in ein Glas mit Wasser gibt. Riecht dieser Mix immer noch muffig, dann ist der Wein 100%ig korkig.

 

Rene Barbier berichtete, dass viele Menschen, bei seinen Weinen zu Beginn einen Korkverdacht haben, doch für ihn ist das ein Ausdruck des terroirs beim Clos Mogador und absolut typisch. Nun ja, über diese Aussage ließe sich wohl diskutieren, aber an so einem Abend lässt man das. Meiner Meinung nach könnte dies auch ein Ausdruck von nicht ganz sauberer Kellerarbeit (der neue, unterirdische Keller ging 1997 in Betrieb) bzw. recht hoher Schwefelgabe sein. Aber das ist nur eine vage Vermutung…. Letztlich zählt das, was im Glas ist, und  das war nach etwas Luft zum Atmen hervorragend!! 14,7% Alkohol.

 

 

1997 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


93+ Punkte – Was für ein barocker Wein. Mir fielen gleich ein paar ebensolche Frauen ein, aber nur wenige bringen diese üppigen Kurven mit so viel Lebensfreude, Unbekümmertheit und ländlicher Anmut zusammen – eine Mischung Ina Müller und kräftig gebauter Landfrau mit Stil und Charme.  

 

Die Frucht wirkte zwar geschmacklich etwas überreif, aber trotzdem erzeugt der Wein ein kühles Mundgefühl. Sehr ätherische Noten: Lavendel, Eisenkraut, Thymian, dazu ein Hauch Menthol und Tabak. Auch wenn der Wein etwas strukturierter sein könnte, macht es sooo viel Spaß ihn zu trinken und es ist erstaunlich wie gut dieser Wein – in einem ansonsten eher mittelmäßigen Jahrgang in Spanien – daherkommt. Später nochmals nachverkostet – der Wein legt weiter zu und gewinnt sogar noch etwas an Kontur. 14% Alkohol.

 

 

2002 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – das Jahr war kein unspannendes für die Winzer im Priorat, denn es gab in dieser ansonsten sehr heißen Region relativ viel Regen. Doch ich bin der Überzeugung, dass gerade die steinigen, schiefrigen Böden gut geeignet sind, das Wasser in tiefere Schichten abzuführen, sodass die Trauben sich nicht zu dick und wässrig werden. Auf der anderen Seite ist in solchen Jahren eine gute Reb- und Laubarbeit gefragt, damit die Trauben gut abtrocknen können und die Pilze kein zu leichtes Spiel haben.

 

Die 2002er Ausgabe des Clos Mogador zeigt eine angenehme Kühle in der Nase mit einer schönen Brombeer- und Heidelbeerfrucht. Am Gaumen recht straff und mit viel Biss. In der Aromatik einem Chateauneuf du Pape nicht ganz unähnlich; mineralischer Ansatz, Aromen von Pflaumen, roten Früchten und Mirabellen, recht kühl; sowohl die Tannine als auch die Säure sind etwas straffer als in anderen Jahren, aber ich empfinde das durchaus positiv; schöne Länge. 14,5% Alkohol.

 

 

2003 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – 2003 war das große Hitzejahr in ganz Europa und in ganz Europa entstanden äußerst ungewöhnliche Weine: häufig fett und mit viel Alkohol ausgestattet. Viele sprachen vom Jahrhundertjahrgang (und vom Wetter war er das auch!!) und bei dem Gedanken, dass Alkohol ein Geschmacksträger ist, wird mir ganz „plummerant“ – müssen da die Weine nicht supertoll schmecken?

 

NEIN – sie müssen nicht, denn egal in welchem Land oder Landstrich man sich auf der nördlichen Halbkugel auch befindet, die Weine sind regelmäßig zu alkoholisch, zu breit, haben zu wenig Säure und sind folglich zu unausgewogen.

 

Auch beim 2003er Clos Mogador ist der Jahrgang deutlich erkennbar: würzig, warme Aromatik; Noten von Rumtopf und (über-)reifer Frucht. Im Glas zeigt er schon eine erstaunlich reife Farbe. Die Fruchtsüße, der dichte Saft und der hohe Extrakt stehen auf der „Habenseite“ der Bilanz dieses Weines. Im Soll sind zu verbuchen: die aromatische Breite, eine gewisse Unausgewogenheit sowie eine leichte Bitternote, die wahrscheinlich von der Überreife des Lesegutes stammt. Der Wein ist erstaunlich schnell gealtert, wahrscheinlich ist dies auch eine Folgeerscheinung der – im Vergleich zu an deren Jahrgängen – zu geringen Säure (?); 14,5% Alkohol.

 

2006 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


90 Punkte – Kühle, dunkle Frucht. Seidig und weich am Gaumen. Ausladende Primärfrucht mit Aromen von Himbeeren, Brombeeren, Pflaumen und Schokolade. Feinste Lindt-Schokolade und Amarena-Kirschen habe ich mir notiert. Die süße Frucht und der samtige Schmelz sind so auffällig, dass einige Probenteilnehmer vermuteten, dass der Sohn von Rene Barbier für diesen Jahrgang verantwortlich zeichnet und somit vielleicht ein neuer, etwas internationalerer Stil Einzug in den Keller gehalten hat. Aber schon bei der Frage, schüttelte Madame Barbier so heftig mit dem Kopf, dass klar wurde, Rene lässt sich das Zepter beim Rotwein noch nicht aus der Hand nehmen.

 

 

2007 Nelin, Bodegas Clos Mogador – Priorat


89 Punkte – Mit dem weißen 2007er Nelin wurde doch noch das Können vom Filius der Familie vorgestellt. Die Cuvee im Jahr 2007 besteht aus 54% Garnacha, 10% Viognier, 9% Pinot (weiß gegeltert), 13% Rousanne, 8% Macabeu und 6% Pedro Ximenez und Marsane. Der Wein wurde 9 Monate im Barrique ausgebaut; er hat 14% Alkohohl, 5,9 Gramm Säure/Liter und einen Restzucker von 0,5 Gramm/Liter.

 

Im Glas hat der Wein einen leichten Lachston, was von den weiß gekelterten Rotweintrauben stammen dürfte. Er duftet ein bisschen wie ein Neuer-Welt-Chardonnay, was auf den barrique-Einsatz zurückzuführen ist. Die Nase zeigt intensive, schöne Wiesen- und Blütendüfte, dazu eine deutliche Birnenfrucht; am Gaumen einem weißen Chateauneuf-du-Pape nicht unähnlich. Die deutliche Mineralik steht ihm gut; Assoziationen mit weißen Pfirsichen, grünen Bananen; Buttertrüffel und einem leichten Blütenhonig kommen mir beim „Kauen“ des Weines so in den Sinn. Schöner Stoff, den ich jedoch relativ jung (in den nächsten 1-4 Jahren) trinken würde, wenngleich ich beim weißen CdP etwas anderes rate: LIEGEN lassen.

2002 Chateau Mouton Rothschild – Pauillac

 

95 Punkte – Die 20 Punkte von Rene Gabriel kann ich nicht ganz nachvollziehen, doch mit seiner Bemerkung, dass dieser Mouton sich aktuell in einem ersten Trinkfenster zeigt, liegt er nicht daneben. Voll der „Nasenbär“ habe ich mir notiert. Viele Röstaromen, wie Kaffee, Kakao/Bitterschokolade und Malz, hinzu kommen feine Würzaromen und ein Eindruck von Creme Fraiche. In Mund und Nase hinterlässt er einen kühlen Eindruck (Eukalyptus und Menthol); viel Waldbeerengelee-Aromatik, Cassislikör. Am Gaumen sind die aromatischen Eindrücke vergleichbar, auffallend auch hier die elegant wirkende Kühle und die „Sahnigkeit“. Die schon recht mürbe wirkenden Tannine haben jedoch Kraft für viele, viele Jahre der Lagerung. Insgesamt ein angerundeter, cremig-saftiger Tropfen, der jetzt wirklich schon Spaß macht, der aber auch ausreichend Kraft, Struktur und Potential für die nächsten 15 bis 20 Jahre bietet. Sicherlich ist Mouton Rothschild immer teuer, aber wer solche Kaliber einmal genießen möchte, dem sei empfohlen, bei diesem Jahrgang zuzugreifen, denn hier bekommt man 4 Flaschen 2002er zum Preis einer aus den Jahrgängen 2005 oder 2006. Selbst in der jetzt anstehenden Subskription wird man dieses Preisniveau nicht sehen.

2002 Philippi Spätburgunder „R“, Koehler-Ruprecht – Pfalz (Ski12)

91+ Punkte – Eigentlich hätte ich drauf kommen müssen, denn wenige Wochen zuvor hatte ich einen 1989er Pinot Noir aus gleichem Hause im Glas und das war ein ebenfalls tolles Ding, das mich total überrascht hat.  Trotz der weit auseinanderfallenden Jahrgänge gibt es Parallelen zwischen beiden Weinen – dies gilt insbesondere für die Komplexität und die feinen Würzaromen, die beide Weine auszeichnet. Der "R" aus 2002 ist zu Beginn mit etwas Erdbeerduft und Noten von rotem Tee (Hagebutte) eher unspannend. Aber im Glas baut er so etwas von aus, dass man weder Nase noch Gaumen vom Glas trennen möchte. Mich hat insbesondere die Komplexität und die feine Kräuter- und Würzaromatik begeistert. Der Wein zeigt dabei eine schöne Saftigkeit und auch die eher kräftige Säure wirkt noch gut integriert. Lediglich im Abgang gab es Abzüge aufgrund einer nicht so ausgeprägten Länge. Jetzt aus großen Gläsern trinken.

2002 Saumur Champigny, Clos Rougeard – Loire (Ski11)

88 Punkte – Die Weine der beiden Brüder Nadi und Charlie Foucault sind nicht nur biologisch erzeugt, sondern geniessen bei eingefleischten Kennern auch einen gewissen Kultstatus. Bei den Weißweinen setzt man auf die Chenin Blanc Traube, bei den Rotweinen wird fast ausschließlich Cabernet Franc angebaut. Anders als in fast allen Regionen Europas gilt – zumindest bei den Weißweinen – das Jahr 2002 als ganz, ganz großer Jahrgang. Aber auch den Roten wird ein sehr guter Jahrgang attestiert.

Dieser Wein braucht Luft, zu Beginn ist er ziemlich zugenagelt und wirkt grün (feuchtes Holz, feuchtes Heu). Aber schon am Gaumen zeigt er sich dann harmoischer, aber auch hier tut ihm etwas Luft gut. Feine Extraktsüße, dabei recht kühl und mineralisch (die Kreide auf der die Reben wachsen, ist förmlich zu erschmecken); das kleine Bitterle zum Ende verschwindet später noch. Mit zunehmend Luft (1 Std. vorher dekantieren) entwickeln sich Aromen von Kirschen, Erdbeeren und Vanille. Auch eine Brise Nelken (Gewürz) mischt sich darunter. Am Gaumen fehlt es vielleicht etwas an Komplexität; die leichte Pfeffernote am Ende überrascht. Da es sich bei diesem Wein eher um den Einstiegswein handelt, habe ich es an diesem Abend sehr bedauert, nicht noch die beiden Saumur-Champigny-Weine "les Poyeux" und "le Bourg" verkosten zu können, denn ich muss gestehen, bei reinen Cabernet Franc Weinen ist meine Trinkerfahrung bislang eher begrenzt.

 

2002 Erbacher Honigberg, Heinz Nikolai – Rheingau


94 Punkte – Was für ein Nektar !! Bereits mehrmals getrunken und immer wieder komme ich zu dem Schluss, dass Frank Nikolai mit diesem Wein ein Meisterstück gelandet hat. Die Lage Erbacher Honigberg ist eigentlich eine Großlage, hinter der man solche Qualitäten nicht vermutet. Doch nomen est omen, und Honig spielt im Aromenfächer dieses Weines eine tragende Rolle, wenngleich der Wein keinesfalls süß und pappig schmeckt, sondern das Gegenteil ist der Fall: das perfekte und nahezu unendliche Spiel zwischen Süße und Säure lässt einen in diesen Wein versinken. Eintauchen möchte ich in diesen Stoff, so harmonisch und auf hohem Niveau balanciert ist dieser druckvolle Riesling. Kein Sattmacher, sondern ein animierender, die Hand zum Glas gehender Weintraum betört Nase und Gaumen. Die hervorragende Länge bildet das i-Tüpfelchen und ich kann fast nicht glauben, dass es so einen Stoff mal für Euro 15,- ab Hof zu kaufen gab. Dies ist eine Referenz für den Rheingau Riesling und es dürfte schwer, sehr schwer werden, irgendwo auf der Welt einen besseren Wein für so einen Kurs zu finden. Hat noch viel Jahre auf diesem Niveau vor sich.

In den letzten Jahren wird das Weingut auch im Gault Millau Jahr für Jahr gelobt und trotzdem gibt man die moderate Preispolitik nicht auf, sondern setzt weiter auf preisliche Kontinuität. Den aktuellen Jahrgang kann ich dem geneigten Leser nur ans Herz legen, dies gilt im aktuellen Jahrgang besonders auch für die Großen Gewächse.

2002 Traiser Bastei Riesling Spätlese trocken, Dr. Crusius – Nahe

89 Punkte – Feine,  frische Nase, Anklänge an Blütenhonig; am Gaumen schlanke, frische Art; feingliedrige Säure; recht tiefe, reintönige  Mineralik; Heu- und Citrusaromen, angenehme Reife. Animierend, mit guter Länge im Abgang. Jetzt oder in den nächsten 1,2 Jahren trinken.

Für ca. Euro 10 ist das schon ein Wein, den man in vollen Zügen geniessen kann, die Hand geht kräftig zum Glas, gerne öffnet man da auch eine zweite oder dritte Flasche.  Das Weingut Dr. Crusius ist für mich stets eine sichere Bank in Sachen Qualität und die Preise sind noch nicht so abgehoben wie bei einigen anderen Spitzenweingütern an der Nahe.

www.weingut-crusius.de

2002 Schloßböckelheimer Felsenberg Spätlese halbtrocken, Dr. Crusius – Nahe (Celerina 2)

90 Punkte – Ungemein klarer, ja glockenklarer Riesling mit herzerfrischender Saftigkeit und einer strahlenden Mineralität, würzig; aktuell mit herrlicher Reife, substanziell und druckvoll, zarter Zuckerschwanz, sehr reintönig, Sauerampfer, Pomelo, noch mehr Punkte liegen leider nicht drin, da etwas die Länge fehlt.

2000 bis 2004 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 4)

2000 / 92 Punkte – Im Stil etwas verändert, da ohne Petit Verdot – 75% CS, 23% Merlot und 2% Cabernet Franc. Kraftvoll, dicht und sehr dunkel, ja fast schwarz wirkt die Milleniums – Ausgabe von Ridge’s Monte Bello. Aromen von Teer, Lakritze dominieren, aber auch Anklänge an Granatapfel und Grenadine assoziiere ich. Erstaunlich tief und kraftvoll, „Ente süßsauer schießt mir so als Bild durch den Kopf“, aromenintensiv; gute Würzaromen aus dem Holz, kombiniert mit einer schönen Fruchtsüße und einer gut verpackten Säure ergeben ein intensives, aber stimmiges Bild. Toller Wein in einem ansonsten schwierigen Jahrgang in Kalifornien.

 

2001 / 96 Punkte – Die „1er“ Jahre scheinen für außerordentliche Qualität zu stehen. Nachdem der 91er schon alles platt gemacht hat, dürfte auch der 01er die Krone im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends für sich beanspruchen.

 

……so dicht

……so kraftvoll

……so kompakt

……so saftig

……so druckvoll

……so komplex

……so fein

 

Die Tannine sind sehr reif, kraftvoll, aber weich; die Frucht ist sehr dunkelbeerig, süß und saftig. Noten von Tabak, Mokka und eine feine Bitterkeit bilden das aromatische Gerüst für einen gigantischen Wein, der alles hat. Rene Gabriel verglich ihn mit einem großen Richebourg – leider fehlt mir die Richebourg-Erfahrung, um dies zu verifizieren.

 

2002 / 91 Punkte – ein wahnsinnig kompakter Jahrgang, dicht und mit sehr viel Schmelz ausgestattet; hat ordentlich fett auf den Rippen, aber bei weitem nicht die Klasse des Vorgängerjahrgangs. Dazu fehlt es ihm etwas an Tiefe, Druck und Komplexität. Die Konturen sind nicht so klar, die Frucht ist eher rotbeerig und man kann ihm auch eine gewisse Quarkigkeit attestieren. Trotzdem sehr guter Stoff, da er eine gute Trinkigkeit besitzt und Potential für viele Jahre hat.

 

2003 / 92 Punkte – ja mein Gott, was hat dieser Wein für eine Extraktsüße; Noten von Dörrobst, Rumtopf – ein Früchteallerlei, dazu kandierter Zucker, Marzipan, aber auch malzige Anklänge. Da er anscheinend ausreichend Säure besitzt, kann ich mich trotz der extrem hohen Konzentration für diesen Wein erwärmen. Sicherlich wird man da nicht eine ganze Flasche von trinken, aber nach dem Skifahren auf der Hütte so einen Schluck abends beim Spiele-Abend und es kommt Stimmung auf – darauf gebe ich mein Wort !

2004 / 94 Punkte  – Ein blitzsauberer Jahrgang, sehr modern gemacht; viel, aber elegantes Holz. Sehr, sehr primärfruchtig, hat alles, was man von einem kalifornischen Wein erwartet. Für mich bleibt die Frage, ob er nicht ein wenig beliebiger von seinem Charakter geworden ist, aber es ist deutlich zu früh, um dies abschließend zu beurteilen. Technisch ein großer Wein mit perfekten Anlagen.

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2002 Baron di Pauli – Exilissi Gewürztraminer – Südtirol

93 Punkte – Jetzt sag mal, was riechst und schmeckst Du ?? Ne, dass mag ich nicht, den Wein so beschreiben. – Doch, bitte. – Ok, der riecht und schmeckt wie Exilissi sagt meine Mittrinkerin (eingefleischte Exilissi-Liebhaberin). Ja, was soll man da noch sagen. Ich muss gestehen, dieser Wein riecht und schmeckt wie Exilissi – sie hat einfach Recht!! Einmal gerochen und verkostet und niemals wieder wird man diesen Eindruck vergessen oder verwechseln – ich weiss, jetzt lehne ich mich weit aus dem Fenster, aber wer zweifelt, probiert einfach eine Flasche von diesem Weinunikat aus Südtirol.

Exilissi ist ein Gewürztraminer, wie man ihn eigentlich nicht beschreiben kann. Ein Bild von Rubens ist vielleicht der beste Vergleich, üppig, mit unglaublichen Rundungen, aber so schön und weich. Die 16,5% Alkohol des 2002er Jahrgangs sind erschreckend, aber trotz dieser Graduierung hat der Wein immer noch eine apfelige Frische. Die Aromen von Sahnetoffee, Bratäpfeln, Litschi und ein Strauss von Gewürzen und Kräutern machen (mich) einfach glücklich. Seinen Anteil daran haben der  schöne Schmelz, die sehr gute Extraktion  und die begeisternde Länge. Ein Weinunikat, dass jedes Jahr – auch Dank der Spontanvergärung – eine ganz besondere Individualität ausstrahlt.

 

Infos zum Wein: Mehrtägige Kaltmazeration der entrappten Trauben, Spontangärung des ungeklärten Mostes in 500l fassenden Eichenfässern, weitere 12monatige Reifezeit in selbigen Fässern, Abfüllung im Dezember 2003.

 

Infos zur Ernte: Herrliches Herbstwetter mit trockenen, warmen und sonnigen Tagen und kühlen Nächten den ganzen Oktober hindurch. Lese am 30. Oktober mit 24,8° KMW vollreifer, kernig-gesunder Trauben.

Daten zum Wein:

Sortenspiegel: Gewürztraminer 100%
Ertrag:  30 hl/ha
Alkohol:  16,5 %
Säure:  4,7 g/l
Restzucker: 17 g/l

2002 Gesellmann – Opus Eximium Cuvee No 15 / Burgenland

90 Punkte- Ich hatte heute irgendwie Lust auf einen saftigen "Schmackofatz" und habe die richtige Wahl getroffen. Dieser Wein ist nicht schwierig zu verstehen, er ist einfach nur sexy und lecker. Seine Vorzüge trägt er  offen zur Schau – und gut ist !!!!!!! Die Nase ist – nach kurzer Belüftung – voll da; die Aromen von Pflaumen, Vanille, dunkler Schokolade und einer soliden Holzwürze bauen ein Lustgefühl auf.   Am Gaumen extraktsüsse Frucht, sehr saftig, rund und geschmeidig; durchaus mit einer ordentlichen Tiefe und Strukturausgestattet. Die runden, weichen und fast molligen Tannine ergeben ein wohliges Mundgefühl, während die  gute Säure dafür sorgt, dass man nicht vordergründig satt ist, sondern dass die Hand zum Glas geht. Der Alkohol von 14%  bremst einen spätestens nach einer halben Flasche aus, aber dann sollte der Abend auch gerettet sein.  Dieser Wein ist keine intellektuelle Offenbarung, aber er hilft ………. !!!