2001 – 2010 Hubacker Großes Gewächs Vertikalverkostung, Weingut Keller – Rheinhessen

Das Weingut Keller ist  weltweit eines der bekanntesten Aushängeschilder für deutschen Riesling und in der Champions League internationaler Weine angekommen und etabliert. Wer jedoch die Möglichkeit hat, die handelnden Menschen dieses Weingutes kennenzulernen, wird sehr schnell feststellen, dass es ihnen nicht darum geht, „Star“ zu sein, sondern eher das Gegenteil der Fall ist, die Mitglieder der Familie Keller, die heute mit 4 Generationen Hand in Hand auf dem Weingut arbeiten, sind allesamt angenehm unaufgeregt und im besten Sinne bodenständig. Man spürt als Besucher des Weingutes Keller, dass hier ein jeder seiner Passion/Berufung folgt, die vier Generationen eint: Jahr für Jahr der Natur DEN besten Wein abzuringen.

Parallel pflegen die Kellers seit vielen Jahren den nationalen und internationalen Austausch mit anderen Winzern und man versucht das eigene Wissen an die nächste Generation von Winzern und denen, die es werden wollen, weiterzugeben – die talentierten Lehrlinge und Praktikanten kommen z.B. von der Mosel – oder aus Norwegen und Japan. Verbundenheit mit der eigenen Scholle und Berücksichtigung  regionaler Stärken stehen eben nicht im Widerspruch zu Internationalität und Weltoffenheit.

Die Geschichte des Weingutes Keller ist eng verbunden mit der Geschichte des Dalsheimers Hubackers. Die Keimzelle des Weingutes Keller wurde im Jahr 1789 von Johann Leonhard Keller erworben, der dieses besondere Stückchen Erde vom Andreasstift in Worms erwarb. Die 4,03 ha (bis 1971 als „Oberer Hubacker etikettiert) sind somit seit über 200 Jahren im Eigentum der Familie Keller. Dass dieses Stück bis heute ungeteilt im Familienbesitz verblieben ist, darf einer glücklichen „Familienplanung“ oder dem Zufall zugeschrieben werden, denn es gab bis zur 9. Generation immer nur einen männlichen Erben.

Unter Georg III, der fünften Keller Generation, wandelte sich der Hubacker in den heutigen, sanften Südost-Hang. Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Hubacker ein Terrassenweinberg, auf dem es auch Buschwerk und offenen Felsen gab. Friedrich Heinrich, der Sohn von Georg III, machte in zwei Jahren die felsigen Abschnitte als Weinberg urbar, indem er schwere Felsbrocken sprengte. „Allein um die Felsen auf dem Hubacker beseitigen zu können, soll Friedrich Heinrich seine Sprengmeister-Prüfung gemacht haben. Weil Vater und Sohn von einem optimal nutzbaren Weinberg träumten, ebneten sie dann auch noch die Terrassen.“ (vgl. S. 153f., Junko Iwamoto, Kellergeschichten – Zwölf Monate auf dem Weingut Keller, 2.Aufl. ISBN 978-3-00-034169-4). Ein paar Jahre nach den Sprengungen konnte kein Wein gelesen werden und als endlich wieder daran zu denken war, wurde Erwin, der einzige Sohn von Friedrich Wilhelm und seiner Frau, in die Wehrmacht eingezogen.

1945 wurde das Haupthaus durch Bomben der Amerikaner zerstört und nach Kriegsende wurde der gesamte Wein, der im Keller des Weingutes lagerte, durch die französische Armee beschlagnahmt. Erst 1947 kehrte Erwin aus der Kriegsgefangenschaft  zurück, ein tschechischer Bauer hatte ihm bei der Flucht geholfen. 1948 heirate Erwin seine Jugendliebe, mit der er schon vor seiner Einziehung verlobt war und begann mit seinem Vater, dem Sprengmeister, das Weingut wieder aufzubauen. Aber da ein Übel selten allein kommt, hatte 1945 die Reblaus „Einzug“ im Hubacker gehalten. Glücklicherweise hat man sie frühzeitig entdeckt und der Schaden blieb eng begrenzt. Seit 1948 wurden dann Pfropfreben mit amerikanischer Unterlage gepflanzt und bis Anfang der 50er Jahre der Hubacker saniert. Mitte der 70er Jahre war der Hubacker nochmals in Gefahr, denn die geplante Autobahn A61 sollte direkt durch den Weinberg geführt werden. Doch Dank der Einwendungen der Familie und der regionalen Politik hatte man im Verkehrsministerium von Rheinland-Pfalz ein Einsehen und die lokale Weinkultur blieb erhalten, und so macht die A61 in Ihrer aktuellen Streckenführung von der Ausfahrt Worms nach Gundersheim eine Kurve – um den Hubacker  herum.

Heute liegt der Kellersche Teil des Hubackers  „in seinen niedrigsten Höhen 170 Meter und in seiner höchsten Erhebung 230 Meter über dem Meeresspiegel. Die maximale Hangneigung beträgt 28% (…). ‚Als ich jung war, hieß es in Rheinhessen, man sollte in Höhen über 200 Metern über dem Meeresspiegel besser keinen Wein anbauen. Im Süden der Pfalz gibt es Wälder, die den Wein in dieser Höhe schützen, aber in Rheinhessen nicht. Deshalb sind die Reben dem Wind ausgesetzt. Damals kühlte der Boden in der Höhe aus, weshalb dort kein guter Wein wuchs,‘ so Erwin.“ (vgl. S. 153f., Junko Iwamoto, Kellergeschichten – Zwölf Monate auf dem Weingut Keller, 2.Aufl. ISBN 978-3-00-034169-4).

Dem Hubacker und dem Weingut Keller hat der Klimawandel sicherlich geholfen, die Trauben im Hubacker reifen heute immer noch spät, aber sie erreichen eine bessere Reife und  aus dem einstigen Nachteil ist ein Vorteil geworden:  die kühlen Winde tragen heute dazu bei, dass man eine stärkere Tag-Nacht-Abkühlung hat, was einer guten Säureausbildung helfen dürfte. Unterirdisch erstreckt sich im Hubacker  eine große Platte von gelbem Kalksteinfels, darüber liegt ein tonhaltiger Boden mit Humusschicht. So wird das Regenwasser gehalten und selbst in heißen und trockenen Sommern kommt kein Trockenstress auf.

Interessanterweise stammen sämtliche Rieslingklone des Hubackers von der Saar. Bis in die 70er Jahre gab es auf dem Weingut Keller kaum Riesling, erst mit der Hochzeit von Klaus Keller mit Hedi, einer Winzertochter von der Obermosel kam die Begeisterung für Riesling in die Familie Keller. Die – inzwischen leider verstorbene – Frau von Klaus Keller und Mutter von Klaus Peter Keller besuchte die Weinbauschule in Trier und arbeitete anschließend in dem der Weinbauschule angeschlossenen Institut zur Selektion von Klonen.

Auf Grund der gemeinsamen Liebe zum Riesling beschlossen Hedi und Klaus Keller nunmehr Riesling im Hubacker anzupflanzen. Der erste Versuch mit Rheingauer Klonen scheiterte jedoch, die Weine entsprachen nicht den gemeinsam gesteckten Zielen. Hedi Keller konnte nun ihren Mann überzeugen, Klone zu pflanzen, die sie bereits aus Ihrer Arbeit am Institut in Trier kannte. Das Ergebnis: Heute stammen sämtliche Reben im Hubacker von Saar- Selektionen, die aus  alten Beständen der Oberemmeler Hütte und dem Scharzhofberg – gemeinsam von Hedi Keller und Eberhard von Kunow (Weingut von Hoevel) – selektioniert wurden.

Vor 10 Jahren, im Jahr 2001, hat Klaus Peter Keller  (die 9.Generation der Familie Keller im Weingut)  erstmals die Vinifikation des Jahrgangs übernommen und so auch das Ergebnis des Großen Gewächses aus dem Hubacker zu verantworten. Ich war sehr gespannt, wie sich diese 10 Jahrgänge – im Vergleich einer Vertikalverkostung – nebeneinander präsentieren werden.

Selten ist mir ein Fazit über 10 Jahrgänge leichter gefallen, als nach dieser Verkostung: Alle Weine haben eine unglaubliche Kraft und innere Spannung, sie eint die vom Kalkstein geprägte Mineralik. Die Säure ist stets perfekt integriert und mich hat vor allem die sehr klare und präzise Definition überzeugt, am besten zu vergleichen mit dem austrainierten Körper eines Balletttänzers oder einer Skulptur eines Athleten der frühen olympischen Spiele in Athen.  

Auffallend auch die hervorragende Alterungsfähigkeit, wir hatten 10 aufeinander folgende Jahrgänge am Tisch, aber eine Alterung zwischen den Jahrgängen ist kaum feststellbar, selbst der 2001 zeigt eine Frische und Lebendigkeit, die viele, wesentliche jüngere Große Gewächse nach 3 oder 4 Jahren schon nicht mehr vorweisen können.

Da das Wetter zur Zeit so schön kalt und klar ist, habe ich sämtliche Flaschen 2 Tage auf dem Balkon stehen lassen und die Weine nochmals nachverkostet. Überzeugendes Ergebnis: alle Weine noch intakt, insbesondere die jüngeren Jahrgänge zeigen teilweise noch deutlicher, was in ihnen steckt, aber auch der 2004 braucht die Zeit. Wer die Zeit und die Muse hat, sollte den Hubackers von Keller mindestens viel Zeit im Keller geben, sie reifen nicht nur perfekt, sie brauchen das Lager im Keller, um ihre Finesse und Eleganz überhaupt ausspielen zu können.  Vom Stil gibt es einen Ausreißer für mich im Gesamtkontext dieser 10 Jahre Hubacker GG – der 2005; doch dazu gleich mehr.

Dankenswerter Weise hat Klaus Peter Keller mir zu jedem Jahrgang eigene Informationen zur Verfügung gestellt, die nachfolgend meine Verkostungseindrücke jeweils einleiten.


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2001 Vina Ardanza Reserva Especial, La Rioja Alta – Rioja

93 Punkte – La Rioja Alta ist ein Klassiker im Rioja. Bereits 1890 von 5 Basken und Rioja Winzern unter dem Namen "Sociedad Vinicola De La Rioja Alta" gegründet und seit 1941 unter dem heutigen Namen La Rioja Alta erfolgreich im Markt tätig, steht der Name heute für berühmte Weine, eine lange  Tradition sowie ein Konglomerat an Marken.

Vina Ardanza ist ein 30 Jahre altes Weingut in Fuenmayor im Rioja Alta Distrikt. Von hier stammen die 80% der Trauben dieser Special Reserva, die bislang nur in den Jahren 1964, 1973 und 2001 gefüllt wurde. Die verbleibenden 20% sind Garnacha aus Ausejo und Tudelilla, gelegen in Rioja Baja (wer denkt da nicht gleich an die Werbung mit dem Spülmittel 😉

Der Wein wurde 14 Tage auf der Maische in Temperatur-kontrolierten Stahltanke vergoren, anschliessend durchlief er 21 Tage die malolaktische Gärung und blieb 3 Jahre in Fässern aus amerikanischer Eiche, die eine durchschnittliches Alter von 4 Jahren hatten (die ist für mich erstaunlich, denn der Wein ist sehr deutlich vom Holz geprägt und ich habe vermutet, dass er überwiegend im neuen Holz lag). Im März 2004 kam er dann auf die Flasche; allerdings startete man mit dem Verkauf erst in 2011.

Im Glas ist er er klar und glänzend, dunkel-kirschrot und von mittlerer Dichte. Die Nase ist überschwänglich und zunächst geprägt von Kirschen und anderen roten Beeren. Die Noten aus dem Holz sind sehr deutlich, aber auch sehr animierend. Deutliche Noten von Kokos, Zimt, Tabak und diverse etherischen Anklänge bilden – gemeinsam mit der Frucht – einen wunderbaren Aromenstrauss, der ungeduldig die Hand zum Glas gehen läßt. Auf der Zunge ist der Wein dann erstaunlich elegant, fast ein wenig burgundisch. Der volle Körper bildet gemeinsam mit den weichen und reifen Tannine sowie der sehr schönen Säure ein gutes Gerüst, auf der sich die reiche Frucht sehr, sehr gut entfalten kann. Im langen und wunderbar harmonischen Abgang ist der Wein fruchtbetont. Aktuell kann der Wein mit reichlich Genuss getrunken werden, jedoch sollte man ihn vorher dekantieren.

Wer Zeit und Muse hat, wird sich sicherlich die nächsten 15 Jahre an diesem herrlichen Rioja erfreuen können, wobei ich nicht ausschliessen möchte, dass er sich in den kommenden zwei oder drei Jahren noch einmal verschliessen wird. Für  knapp unter 20 Euro ist das ein perfekter Einstieg in die Welt großer Riojas.

1998-2008 Spätburgunder SD, Weingut Jacob Duijn – Baden

Schon lange liegen ein paar Flaschen Spätburgunder vom Weingut Duijn in meinem Keller. Jedes Jahr kamen ein paar wenige hinzu, aber getrunken habe ich meist „nur“ den Spätburgunder „Jannin“, also den Spätburgunder, den Jacob Duijn aus seiner Parzelle im Altschweier Sternenberg  erntet und der – preislich gesehen – die Mittelklasse des Hauses darstellt. Ein, zwei Flaschen der Luxusklasse, also dem SD aus der Lage  Bühlertaler Engelsfelsen habe ich stets auf die Seite gelegt und mir vorgenommen, sie im Rahmen einer Vertikalprobe mit Freunden zu studieren und zu genießen. Als nun auf einer  unserer letzten „Arbeitsproben“ das Gespräch auf deutschen Spätburgunder kam und in diesem Zusammenhang ein Kollege meinte: „also vom immer hoch gelobten Duijn habe ich noch nichts Besonderes getrunken“, war die Zeit reif, meine kleine SD-Sammlung zu opfern, denn nach meinen persönlichen Erfahrungen mit den Weinen von Jacob Duijn war ich diametral anderer Meinung.  Aber bekanntlich liegt die Wahrheit im Glas. Auf unserem allmonatlichen Jour fixe (also unserem Arbeitstreffen) standen im Mai die Spätburgunder SD 1998 bis 2008 aus dem Hause Duijn. An dieser Stelle sei nochmals Anne Seifried, der Lebenspartnerin von Jacob Duijn, gedankt, die in einer tollen Hau-Ruck-Aktion noch am Freitagnachmittag die beiden letzten Jahrgänge auf den Weg nach Hamburg gebracht hat, sodass wir am nachfolgenden Montag auch die Jahrgänge 2007 und 2008 in unserer Verkostung anstellen konnten.

Um die Weine besser verstehen und einordnen zu können, sind ein paar wenige Informationen zu Jacob Duijn und seinen Weinen sicherlich wichtig. Für mich die beste Nachricht vor ein paar Jahren war, dass Jacob auf biodynamischen Anbau umgestellt hat. Ich persönlich bin von diesem nachhaltigen Konzept sehr überzeugt und freue mich über jeden einzelnen Winzer, der diesen Weg einschlägt, denn nur durch die Rückbesinnung auf die Natur – bei gleichzeitiger Wiederherstellung der Natur – kann einerseits das Terroir vollumfänglich im Wein zum Ausdruck gebracht werden  und gleichzeitig ein Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ressourcen geleistet werden. Der Verzicht auf Chemie im Weinberg ist dabei nur ein Bruchteil der Philosophie, viel wichtiger ist die Idee, das natürliche Gleichgewicht und damit die natürliche Widerstandskraft von Boden, Pflanzen, Tieren und somit natürlich auch der Reben wiederherzustellen. Das Ergebnis sind von Natur aus gesunde und wohlschmeckende Trauben, die das Terroir und den Jahrgang zu 100% widerspiegeln können. Ganz selbstverständlich gehört für mich zu dieser Idee auch die Vergärung mit den natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller, Reinzuchthefen haben da nichts zu suchen. Insofern ist auch „demeter“ zu kritisieren, die Ihren zertifizierten Winzern erlauben, mit Reinzuchthefen zu arbeiten. Doch Jacob Duijn ist konsequent und setzt weder Reinzuchthefen ein, noch werden die Weine geschönt oder gefiltert. Letztlich wird jede  Form von Manipulation des natürlichen Ausdrucks vermieden und das ist für mich  genau das Gegenteil von Langeweile im Wein, das ist Spannung, Veränderung und Genuss  und damit Basis für eine sowohl intellektuelle als auch sinnliche Auseinandersetzung mit dem Wein.

Die Lage Bühlertaler Engelsfelsen ist geprägt durch Granitverwitterungsboden mit aufgeschlossenem Granit, der „dem Boden in einigen Grand Cru Lagen des Beaujolais sehr ähnelt“ (vgl. Braatz, Sautter, Swoboda, Holler: Weinatlas Deutschland, S. 182). Der Rebbestand für den SD ist im Schnitt über 40 Jahre alt; der Ertrag liegt gemäß Webpage (vgl. www.weingut-duijn.de) bei ca. 25 hl/ha. Das Lesegut wird weitgehend von Hand entrappt,  jedoch werden 20% der Stiele mitvergoren und die Gärung findet in 3000 Liter großen Holzbottichen statt. Die 2.Gärung erfolgt während der Lagerung im Barrique, die Weine liegen dort ca. 24 Monate.

Wir verkosten in unserer Gruppe schon seit vielen Jahren Wein, doch selten gab es eine so homogene Bewertung. Nachfolgend schildere ich meine – höchst subjektiven – Eindrücke zu den einzelnen Jahrgängen:

 

1998

Reife Farbe mit leichtem Wasserrand und orangenen Anklängen;  zur Mitte hin ziegelrot; etwas matt. Die Nase ist geprägt von einem schönen Duft von verwelkten Blüten und getrockneten Kräutern, dazu ein wenig rauchige Noten (Toast), reife Erdbeeren.  Das schöne und differenzierte Bukett schraubt die Erwartungen hoch, doch am Gaumen kann er nicht ganz das Niveau halten: Kühle Art, mit deutlicher Mineralik, mittelgewichtig; die recht kräftige Säure verleiht ihm einen Ausdruck von Frische. Neben dem mineralischen Eindruck, fällt das sehr abgebaute Tannin auf. Erst langsam entfaltet sich ein Aroma von Kirschen und schwarzen Pfeffer, das auch den Abgang prägt. – 89 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88

 

2000

Deutlich glänzender und strahlender als der 1998er, auch in der Farbe frischer.  Gereifter Pinot mit ausdrucksvollem, fest gewirktem Bukett;  eher dunkles Beerenaroma, aber auch Erdbeeren, klare Note von getoastetem Holz, leicht rauchig. Die Nase ist nicht ganz so edel und ausdifferenziert wie beim 1998er. Am Gaumen zeigt der 2000er SD dafür eine schöne, dichte und rotbeerige Frucht, feine Tannine und Anklänge von gebranntem Holz. Insgesamt ein ziemlich geradliniger Typ, mit feinem Schmelz und korrespondierenden Tanninen. Die Mineralität ist ebenfalls nicht ganz so ausgeprägt wie beim 98er, aber immer noch gut wahrzunehmen; auch im Abgang erscheint mir der 98er etwas länger. – 88 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88,2

2001

Das Fazit vorweg – wow, was für ein feiner, tiefgründiger und finessenreicher  Spätburgunder.  Eine Flasche von diesem  2001 Spätburgunder  SD,  ggf. noch ein gutes Buch und  das Leben meint es wirklich gut mit Dir.  Der Wein duftet herrlich;  die tiefen und vielschichtigen Aromen strömen einem förmlich entgegen -betörend!!  Zitat am Tisch: „Was für eine geile Nase!“  – man kann es sicherlich feiner artikulieren, aber im Ergebnis ist dem nichts hinzuzufügen 😉

Aroma für Aroma entwickelt dieser wunderbare Spätburgunder; da findet man Noten von getrockneten Kräutern (z.B. Kamille und Salbei),  Orangenschalen, Erdbeeren, aber auch Jod und Tabak.  Insgesamt ein wahres Wunder an Komplexität und Differenziertheit.  Am Gaumen das Spiegelbild der Eindrücke aus der Nase. Der 2001er SD bietet eine hervorragende aromatische Tiefe, ist dabei  kompakt & kraftvoll und bietet dem Gaumen Widerstand. Ein nahezu  perfektes Bild entwickelt sich auf der Zunge:  die Kombination  aus  feiner Saftigkeit, unterlegt mit einer reifen Säure und  perfekt eingebundenen Noten aus dem Barrique-Lager bilden hier die Grundlage. Hinzu kommt ein Spiel  aus Kraft und Muskeln einerseits und differenzierter Frucht und Anmut andererseits.  Diesem so erzeugten Spannungsbogen kann man sich als Genießer kaum entziehen.   Der 2001er Spätburgunder SD von Jacob Duijn zeigt sich lang und elegant im Abgang und auch hier weiß er mit seiner  höchst komplexen Art zu betören. Einmal, durch etwas Belüftung der Flasche nach dem Öffnen in Fahrt gekommen, tragen seine Anlagen ihn weit über 90 Punkte-Linie  und das lange Finale brennt sich in die Erinnerung  eines jeden Weintrinkers ein. – 95 Punkte / Durchschnitt der Runde: 94,2

2003

Nach den bereits drei verkosteten Jahrgängen 1998,2000 und 2001 strömt dieser Wein mit einer so tiefen und satten Farbe ins Glas, dass man sich fragt, welcher Dunkelfelder hier farbgebend war 😉 Natürlich ist das nicht der Fall, sondern die auffallend dunkle Farbe dürfte ein Spiegelbild des Hitzejahres 2003 sein (dickere Beerenschalen?)

In der Nase wirkt der Wein zunächst recht verschlossen, dann entfaltet sich eine dunkle Frucht, mit einem deutlichen Kirscharoma und Anklängen an Gewürze wie z.B. Nelken.  Auch am Gaumen ein für Spätburgunder eher ungewöhnliche Aromatik; mich erinnert er an die Donauwellen meiner Mutter, da gehen Knubberkirschen, Schokolade und Buttercreme eine wunderbare  Koexistenz ein.  Die 2003er Ausgabe des SD ist konzentriert, fleischig und körperreich; die Tannine sind spürbar, reif und rund. Die für diesen Jahrgang sehr gute Säure sorgt dafür, dass der Wein trotz seiner „fetten“ Anlagen ausgewogen und nicht zu schwer erscheint. Schöner, fester Kern, saftiger Stoff und ein Hauch von Minze im mittellangen Abgang. Mich erinnert der Wein eher an einen Supertoscan als an einen dt. Spätburgunder, trotzdem gefällt er mir gut und die 88 Punkte ist er allemal wert. – 88 Punkte / Durchschnitt der Runde: 87

2004

Auch der 2004 SD ist in der Farbe auffallend farbintensiv. Die Nase ist zu Beginn recht verschlossen und er braucht Luft im Glas, um sich zu öffnen. Der kompakte Eindruck bleibt jedoch; in der Aromatik eher dunkelbeerig, erinnert an Heidelbeeren;  auch eine zarte Tabaknote fällt auf. Am Gaumen ist der 2004er SD mit einer schönen, tiefen Aromatik ausgestattet;  er zeigt viel Extrakt und dezent würzige Noten. Der Wein ist sehr klar, in seinen Proportionen  bestens definiert und seine frische, mineralische Art erzeugt eine hohe Präsenz am Gaumen und auf der Zunge. Die Tannine wirken geschliffen und in seiner Anmutung  geht er in Richtung des 2001er Jahrgangs, jedoch ohne die  überaus betörende Differenziertheit und Finesse  des 01ers entwickeln zu können.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 89,8

 

2006

Der 2006er SD ist zu Beginn in der Nase diskussionswürdig, denn er hat im ersten Moment einen recht deutlichen „Stinker“, der zwar mit der Zeit verfliegt, jedoch die ersten Eindrücke prägt. Am Tisch wurde diskutiert, ob es ein kleiner Böchser ist oder ob es die Nachklänge der spontanen Vergärung sind. Meine Vermutung ist, dass bei diesem Jahrgang die Schwefelgabe etwas höher ausgefallen ist und dass dadurch der Wein nicht zu 100% reintönig wirkt. Am Gaumen zeigt er sich von seiner saftigen Seite. Im Mund kühl und mit einer erkennbaren Mineralik ausgestattet. Er ist aromatisch tief sowie stoffig und konzentriert ins seiner Art. Die Tannine sind edel, stattlich und verleihen dem Wein das nötige Rückgrat,  aber das Holz wirkt (noch)  nicht komplett integriert und die leichte Bitternote hinten heraus sowie der – im Vergleich zu den anderen Jahrgängen – recht kurze Abgang sorgen dafür, dass der 06er Jahrgang die rote Laterne als Schlusslicht unserer Verkostung überreicht bekommt.  – 87 Punkte/  Durchschnitt der Runde: 85,6

 

2007

Mit der 2007er Ausgabe des SD scheint sich der Stil des Weins etwas verändert zu haben. Bereits in der Farbe wirkt er heller.  Auch im Bukett und am Gaumen erscheint mir der Wein zu Gunsten der Finesse und Differenziert  etwas zarter und weiblicher geworden zu sein.  Der Alkohol mit 12,5% ist moderat und auch beim Holzeinsatz vermute ich eine Veränderung im Vergleich zu früheren Jahren. 

Bereits in der Nase deutet der 2007er SD seine Klasse an, er wirkt schon in seiner Jugend edel und komplex. Die Aromatik ist geprägt durch Noten von roten Beeren, Anklängen an grünen Pfeffer und verschiedene herbe  Kräuter. Auch am Gaumen zeigt er ein beachtliches Spiel: eine feine,  differenzierte  Frucht, gepaart mit einer tiefen Mineralität  und edlen Aromen aus dem Holz, die bereits jetzt schon sehr gut integriert sind. Der Wein wirkt auffallend kühl und ich denke an Pinots aus der Region Sancerre, die dort auf sehr kalkhaltigen Böden wachsen; der SD spielt jedoch in einer höheren Liga.

Die Klasse des 2007er SDs lässt mich träumen, bei so einem Wein kann man Zeit und Raum vergessen und sich nur mit dem Inhalt des Glases beschäftigen. Dieser Spätburgunder  verbindet einen festen,  strukturbetonten Kern mit einem hohen Maß an Kraft, Eleganz und Anmut  – ich fühlte mich an eine wunderbare Giselle-Aufführung in einer Choreographie von John Neumeier im Hamburger Opernhaus erinnert. Tolle Länge !! Ich bin sehr gespannt, ob der Wein mit dem Alter noch etwas zulegen kann – 93 Punkte / Durchschnitt der Runde: 92,4

2008

Der 2008er wirkt im Glas noch einen Tick heller als der 07er.  Die Nase ist noch geprägt von einer Primärfrucht und ein  Noten  der Spotanvergärung.  Zur Zeit  erinnert er mich noch an einen Grand Cru aus dem Beaujolais: Veilchen, Kirscharomen, Bonbon;  dazu  zarte Röstaromen aus dem Holz.  Am Gaumen auffallend weich und seidig; sehr schön saftig.  Die leichte Extraktsüße und die frische Säure sind noch deutliche Boten der Jugend. Die Mineralik ist gut erkennbar, die Tannine sind feinkörng. Der Wein besitzt  – schon wie sein Vorgänger aus 2007 – einen festen Kern und erstaunlich viel Spiel für sein geringes Alter. Zurzeit hat er noch nicht ganz das Niveau des 2007ers erreicht, aber ich denke, er wird noch ein wenig zulegen. Schöne Länge.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 90,4

 

 

 

 

2001 Tirant, Rottlan Torra – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 4)

94 Punkte – Rottlan Torra ist ein Familienbetrieb im Herzen des Priorat. Man hat bereits 1984 begonnen selbst erzeugte Wein zu vermarkten, noch bevor die „große“ Entdeckung der brach liegenden Rebschätze in der Region einsetzte. Doch richtig losgelegt im Qualitätsweinbau in der heutigen Ausprägung hat man erst 11 Jahre später, im Jahr 1995. Für mich haben die Weine von Rottlan Torra immer etwas sehr ursprüngliches, ja bisweilen auch wildes – ohne jedoch auf eine gewisse Eleganz und Trinkigkeit zu verzichten. Da passt die Geschichte hinter dem Namen „Tirant“ ganz gut : Tirant lo Blanc war ein heroischer Ritter im Mittelalter, der für seine Heldentaten weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt war. Dieser kräftige, stämmige, intelligente, oft auch raffinierte und stets elegante Ritter steht heute als Symbol für die Eigenschaften des Weines, der nach ihm benannt ist. So zumindest lautet die schöne Geschichte, die man seitens des Weingutes erzählt.

 

Bei uns im Glas steht ein überaus animierender Wein, der einerseits eine tiefe Aromatik zeigt, die an rote Beerenfrüchte und roten Tee erinnert, andererseits aber eine gewisse Leichtigkeit des Seins besitzt, die von einer wunderbaren Mineralität getragen wird. Mit zunehmender Luftzufuhr entwickelt diese Cuvee aus jeweils 25% Grenache, Carignan (von 90-100 Jahre alten Rebstöcken) und Cabernet Sauvignon sowie 15% Syrah und 10% Merlot eine feine Süße, die mir sehr gut gefällt und die u.a. dafür sorgt, dass meine Hand freudig zum Glas geht. Mit jetzt gut 8 Jahren Reife ist der Wein herrlich zu trinken, der Babyspeck ist nun abgelegt und ein mittlelschwerer, schön definierter Körper bildet die Basis für ein ziemlich elegantes und komplexes Aromenspektrum. Die schöne Länge im Abgang rundet das Bild dann nur noch ab.

2001 Chateau Pavie – St. Emilion (Spannendes Spanien – Flight 4)

97 Punkte – Duftmonster!! Was für ein unglaublicher Stoff, was für eine "Piratenbraut" in unserer Spanienprobe: so sexy, so feminin, rund und weich. Dieser betörende Stoff besteht aus 70% Merlot, 20% Cabernet Franc und 10% Cabernet Sauvignon. Ausladende Fruchtaromen, perfekt in Szene gesetzt und schon jetzt unglaublich harmonisch und animierend zugleich. Kraftvoll, dicht, extraktreich und saftig – Schicht um Schicht möchte man diesen Stoff zerlegen und man wird immer wieder auf etwas Neues stoßen: ein Korb voller Früchte, viel süße Lakritze, Kakao, feinste Schokolade, diverse Kaffeearomen – einfach herrlich. Runder Ansatz, dabei saftig und mit perfekt ausgereiften Tanninen sowie einer kräftigen, sehr gut korrespondierenden Säure, ausgestattet. Dieser Wein ist mustergültig und ich kann mir schwer vorstellen, dass es in diesem Jahrgang einen besseren Bordeaux gibt, vielleicht noch Latour (aber völlig anders). Phantastisch langer und wunderbar fruchtbetonter Abgang, dabei stets dicht, kraftvoll und durchaus Eleganz zeigend – soweit dies eine junge Diva entwickeln kann. 

2001 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 4)

95 Punkte – Sicherlich einer der größten Jahrgänge des Clos Mogador: kraftvoll, saftig, dicht und wunderbar vielschichtig – so präsentiert sich dieser Wein Nase und Gaumen. Die vielfältigen Fruchtaromen (Knubberkirschen, Blaubeeren, Brombeeren) sind unterlegt mit einem feinen Schokoladen-und Kaffeearoma; dazu gesellt sich eine feine Fruchtsüße, die sich bis in den langen Abgang durchzieht. Die dichten und herrlich körnigen Tannine sowie die hervorragende Mineralik geben dem Wein Struktur und erstere sorgen sicherlich noch für ein langes, genussfreudiges Leben. Dieser Wein ist Hedonismus pur. Hmm, sooo lecker und doch auch intellektuell.

2001 Chateau Gloria – St. Julien

 

87 Punkte – habe ich mir bei diesem Wein notiert. Dazu habe ich in mein kleines Notizbuch, das ich stets am Mann trage, wenn ich zu Weinveranstaltungen unterwegs bin, folgendes geschrieben: Kaffee, Tabak, viel Karo-Kaffee, sehr dunkel in der Farbe. Am Gaumen ebenfalls dunkle Frucht von Pflaumen und Schwarzkirschen; angenehme Frische und runder, recht weicher Ansatz. Kein großer Wein, aber klar, geradeaus und gut zu trinken.

 

Beim kleinen cross-ckeck mit den Ergüssen der bekannten Weinjournalisten las ich bei Rene Gabriel: „04: Aufhellendes Rubin-Granat. Reduktives, schwierig anzugehendes Bouquet; Phenol- und Leimton, gewisse Wildbretaromen. Im Gaumen weich, rote Pflaumen, zeigt jetzt schon erste Schokonoten und endet mit einem gewissen Humustouch, wird sich eher schnell entwickeln und im Geschmack artisanal, ja sogar dumpf werden. 16/20 2006-2018“. (Vgl. Rene Gabriel, Bordeaux Total, S. 133, WeinWisser Verlag (Anmerkung des Autors: Rene Gabriel bewertet nicht nach der 100 Punkte Skala, sondern mit maximal 20 Punkten)) Es ist absolut normal, dass verschiedene Verkoster zu verschiedenen Punktwertungen kommen können – meist sind die Differenzen klein, ab und an auch mal größer. Wie aber bitte schmeckt „artisanal“???????

 

Mit meinen bescheidenen Sprachkenntnissen habe ich das Wort in „artis“ und „anal“ zerlegt und frei übersetzt „Am/Im Arsch der Kunst“ – aber da stellt sich doch gleich die nächste Frage: Wie schmeckt so etwas? Ne,ne,ne, da bin ich wohl auf dem Holzweg.

 

Mal sehen was raus kommt, wenn man diesen Begriff googelt. Siehe da, der erste Eintrag stammt von Wikipedia – das verspricht Aufklärung! Da steht dann: „Artisanal ist eine der zugelassenen Herstellungskategorien der französischen Appellation d’Origine Contrôlée für Käsesorten. Hierbei muss der Käser die Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen verwenden, die auf seinem Hof gehalten werden. Anders als bei der Fermier-Kategorie darf er jedoch auch Milch von anderen Höfen hinzukaufen.“ Hmmm, …. der Wein schmeckt also wie eine Herstellungskategorie von französischem Käse???

 

Also liebe Leute, die Weinsprache ist schon eine besondere, aber ab und zu scheinen doch die Gäule mit uns Verkostern / Weinliebhabern durchzugehen. Lieber Rene, solltest Du das jemals lesen, kläre mich doch bitte auf, was Du mit „und im Geschmack artisanal, ja sogar dumpf werden“ gemeint haben könntest. ;-)))))

2001 Les Vaillons, Domaine Long-Depaquit (Albert Bichot) – Chablis


83 Punkte – Das Haus Albert Bichot wurde 1831 von Bernard Bichot gegründet und es gehört heute – mit 130 Hektar Boden, die sich über 5 Domänen in Chablis, Côte de Beaune und Côte de Nuits erstrecken – zu den größten Weingütern im Burgund. Seit fünf Generationen leitet die Familie Bichot, als Weingutsbesitzer und Weinhändler, das Geschick des Unternehmens, das sich bis heute als reines Familienunternehmen behauptet hat.

Völlig unterschiedlich präsentierten sich die beiden gleichen Halbflaschen aus der Premier Cru Lage Vaillons, die verdeckt in den zwei Karaffen vor uns standen. War der Wein im ersten Glas trinkbar, so roch der Wein aus der zweiten Karaffe wie eine Mischung aus (Reifen-) Gummi, Karamell und Schwarzbrot. Am Gaumen war dann für mich Ende (daher ohne Wertung) und ich sehnte mich nach einem Spucknapf, der an diesem Abend leider nicht auf dem Tisch stand. Der einstmals (vor der Abfüllung auf die Flasche) identische Wein in der ersten Karaffe zeigte zwar auch schon eine recht deutlich erkennbare Firne in der Nase, aber die Mischung aus Bananensaft und weißen/gelben Früchten war irgendwie interessant. Am Gaumen war dieser furztrockene Wein dann eigentlich zu alt für seine acht Jahre – er wirkte bereits sehnig und gezehrt. Die für einen Chablis typische Mineralik war zwar noch zu erkennen, aber für mehr als 83 Punkte reichte das nicht mehr.

 

2001 Chateauneuf-du-Pape, Domaine de la Vieille Julienne, Chateauneuf-du-Pape (Ski3)

91 Punkte – Der Wein zeigt eine etwas überreife, extraktsüße Frucht mit angenehmer Saftigkeit; dunkle Beeren, Brombeeren, Pflaumenkuchen, Lakritze, Kaffee und eine feine Würze. Die ungeschönte und ungefilterte Cuvee aus 90% Grenache (mit kleinen Anteilen von Mourvedre, Syrah, Cinsault und Counoise) zeigt eine mittlere Komplexität, ist druckvoll und zeugt von einer gewissen Eleganz. Die gute Säure und die festen Tannine verleihen ihm Struktur, sodass auch eine Lagerung über weitere Jahre kein Problem darstellen sollte.

 

Parker berichtet in einer Notiz zu Domaine de la Vieille Julienne, dass Weinmacher und Eigentümer Jean-Pierre Daumen mit dem Jahrgang 2001 sich erstmals von alten Traditionen löste. Bei den Flaschen setzt er fortan nur „normale“ Burgunderflaschen ein (die nicht mehr die traditionelle CdP – Glasgravur/-prägung aufweisen) und das Etikett wurde komplett aufgeräumt.

2001 Hardiesse Pic Saint-Loup, Chateau Valflaunès – Coteaux du Languedoc (Ski 2)


92 Punkte – Was für ein Paukenschlag, wenn man die Nase in ein mit Hardiesse 2001 gefülltes Weinglas hält. Eine so intensive Kräuteraromatik kenne ich ansonsten nur von Kräuterlikören, aber hier entfaltet sich im Wein ein Aromenstrauß von Garrigue, Thymian, Rosmarin, Chinarinde und süßer Lakritze – erinnert mich insgesamt ein wenig an Barolo Chinato, diesen mit bis zu 70 Kräutern „veredelten“ Wein aus dem Piemont. Die Kombination aus Süße, Kräutern und Gewürzen wirkt fast berauschend, man möchte die Nase gar nicht mehr aus dem Glas nehmen.  Am Gaumen wirkt der Wein einerseits kühl (Noten von Eukalyptus und Menthol), anderseits zeigt er eine explosive, sehr extraktsüße Beerenfrucht, vermählt mit Noten von Chilischokolade und weißem Pfeffer. Durch die geschmeidigen Tannine und die ausreichende Säure ist dieser saftige, körperreiche Wein so strukturiert, dass das Extraktionsmonster ausreichend Frische und sogar ein wenig Eleganz entwickeln kann. Fazit: „sex in a bottle“ – für einst Euro 14,90.