2000 Riesling Vinothekfüllung, Weingut Knoll – Wachau

93 Punkte – Falls meine Unterlagen stimmen, ist der Milleniumsjahrgang beim Riesling das erste Jahr, in dem die Vinothekfüllung auf die Flasche kam.

Dieser Wein ist ein echter Brummer – und für mich der beste Beweis dafür, dass auch dicke Bäuche Stil und Sexappeal haben können. Reife Renekloden, Marillen, Oranqenkonfitüre, dazu ein Hauch Ingwer und eine ganz leichte Firne – alles umgeben von  einer barocken Fülle, Struktur und einer kräftigen,  reifen Säure. Der Wein hat Bums, Druck und auch reichlich Alkohol, aber insgesamt macht das riesig Spass, selbst wenn man – trotz der herrlich würzigen Mineralität (!!) – keine ganze Flasche trinken möchte. Brrr, stofflig, viel Schmelz (Werthers Echte) und richtiiiig lang.

1998-2008 Spätburgunder SD, Weingut Jacob Duijn – Baden

Schon lange liegen ein paar Flaschen Spätburgunder vom Weingut Duijn in meinem Keller. Jedes Jahr kamen ein paar wenige hinzu, aber getrunken habe ich meist „nur“ den Spätburgunder „Jannin“, also den Spätburgunder, den Jacob Duijn aus seiner Parzelle im Altschweier Sternenberg  erntet und der – preislich gesehen – die Mittelklasse des Hauses darstellt. Ein, zwei Flaschen der Luxusklasse, also dem SD aus der Lage  Bühlertaler Engelsfelsen habe ich stets auf die Seite gelegt und mir vorgenommen, sie im Rahmen einer Vertikalprobe mit Freunden zu studieren und zu genießen. Als nun auf einer  unserer letzten „Arbeitsproben“ das Gespräch auf deutschen Spätburgunder kam und in diesem Zusammenhang ein Kollege meinte: „also vom immer hoch gelobten Duijn habe ich noch nichts Besonderes getrunken“, war die Zeit reif, meine kleine SD-Sammlung zu opfern, denn nach meinen persönlichen Erfahrungen mit den Weinen von Jacob Duijn war ich diametral anderer Meinung.  Aber bekanntlich liegt die Wahrheit im Glas. Auf unserem allmonatlichen Jour fixe (also unserem Arbeitstreffen) standen im Mai die Spätburgunder SD 1998 bis 2008 aus dem Hause Duijn. An dieser Stelle sei nochmals Anne Seifried, der Lebenspartnerin von Jacob Duijn, gedankt, die in einer tollen Hau-Ruck-Aktion noch am Freitagnachmittag die beiden letzten Jahrgänge auf den Weg nach Hamburg gebracht hat, sodass wir am nachfolgenden Montag auch die Jahrgänge 2007 und 2008 in unserer Verkostung anstellen konnten.

Um die Weine besser verstehen und einordnen zu können, sind ein paar wenige Informationen zu Jacob Duijn und seinen Weinen sicherlich wichtig. Für mich die beste Nachricht vor ein paar Jahren war, dass Jacob auf biodynamischen Anbau umgestellt hat. Ich persönlich bin von diesem nachhaltigen Konzept sehr überzeugt und freue mich über jeden einzelnen Winzer, der diesen Weg einschlägt, denn nur durch die Rückbesinnung auf die Natur – bei gleichzeitiger Wiederherstellung der Natur – kann einerseits das Terroir vollumfänglich im Wein zum Ausdruck gebracht werden  und gleichzeitig ein Beitrag zum Erhalt der natürlichen Ressourcen geleistet werden. Der Verzicht auf Chemie im Weinberg ist dabei nur ein Bruchteil der Philosophie, viel wichtiger ist die Idee, das natürliche Gleichgewicht und damit die natürliche Widerstandskraft von Boden, Pflanzen, Tieren und somit natürlich auch der Reben wiederherzustellen. Das Ergebnis sind von Natur aus gesunde und wohlschmeckende Trauben, die das Terroir und den Jahrgang zu 100% widerspiegeln können. Ganz selbstverständlich gehört für mich zu dieser Idee auch die Vergärung mit den natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller, Reinzuchthefen haben da nichts zu suchen. Insofern ist auch „demeter“ zu kritisieren, die Ihren zertifizierten Winzern erlauben, mit Reinzuchthefen zu arbeiten. Doch Jacob Duijn ist konsequent und setzt weder Reinzuchthefen ein, noch werden die Weine geschönt oder gefiltert. Letztlich wird jede  Form von Manipulation des natürlichen Ausdrucks vermieden und das ist für mich  genau das Gegenteil von Langeweile im Wein, das ist Spannung, Veränderung und Genuss  und damit Basis für eine sowohl intellektuelle als auch sinnliche Auseinandersetzung mit dem Wein.

Die Lage Bühlertaler Engelsfelsen ist geprägt durch Granitverwitterungsboden mit aufgeschlossenem Granit, der „dem Boden in einigen Grand Cru Lagen des Beaujolais sehr ähnelt“ (vgl. Braatz, Sautter, Swoboda, Holler: Weinatlas Deutschland, S. 182). Der Rebbestand für den SD ist im Schnitt über 40 Jahre alt; der Ertrag liegt gemäß Webpage (vgl. www.weingut-duijn.de) bei ca. 25 hl/ha. Das Lesegut wird weitgehend von Hand entrappt,  jedoch werden 20% der Stiele mitvergoren und die Gärung findet in 3000 Liter großen Holzbottichen statt. Die 2.Gärung erfolgt während der Lagerung im Barrique, die Weine liegen dort ca. 24 Monate.

Wir verkosten in unserer Gruppe schon seit vielen Jahren Wein, doch selten gab es eine so homogene Bewertung. Nachfolgend schildere ich meine – höchst subjektiven – Eindrücke zu den einzelnen Jahrgängen:

 

1998

Reife Farbe mit leichtem Wasserrand und orangenen Anklängen;  zur Mitte hin ziegelrot; etwas matt. Die Nase ist geprägt von einem schönen Duft von verwelkten Blüten und getrockneten Kräutern, dazu ein wenig rauchige Noten (Toast), reife Erdbeeren.  Das schöne und differenzierte Bukett schraubt die Erwartungen hoch, doch am Gaumen kann er nicht ganz das Niveau halten: Kühle Art, mit deutlicher Mineralik, mittelgewichtig; die recht kräftige Säure verleiht ihm einen Ausdruck von Frische. Neben dem mineralischen Eindruck, fällt das sehr abgebaute Tannin auf. Erst langsam entfaltet sich ein Aroma von Kirschen und schwarzen Pfeffer, das auch den Abgang prägt. – 89 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88

 

2000

Deutlich glänzender und strahlender als der 1998er, auch in der Farbe frischer.  Gereifter Pinot mit ausdrucksvollem, fest gewirktem Bukett;  eher dunkles Beerenaroma, aber auch Erdbeeren, klare Note von getoastetem Holz, leicht rauchig. Die Nase ist nicht ganz so edel und ausdifferenziert wie beim 1998er. Am Gaumen zeigt der 2000er SD dafür eine schöne, dichte und rotbeerige Frucht, feine Tannine und Anklänge von gebranntem Holz. Insgesamt ein ziemlich geradliniger Typ, mit feinem Schmelz und korrespondierenden Tanninen. Die Mineralität ist ebenfalls nicht ganz so ausgeprägt wie beim 98er, aber immer noch gut wahrzunehmen; auch im Abgang erscheint mir der 98er etwas länger. – 88 Punkte  / Durchschnitt der Runde: 88,2

2001

Das Fazit vorweg – wow, was für ein feiner, tiefgründiger und finessenreicher  Spätburgunder.  Eine Flasche von diesem  2001 Spätburgunder  SD,  ggf. noch ein gutes Buch und  das Leben meint es wirklich gut mit Dir.  Der Wein duftet herrlich;  die tiefen und vielschichtigen Aromen strömen einem förmlich entgegen -betörend!!  Zitat am Tisch: „Was für eine geile Nase!“  – man kann es sicherlich feiner artikulieren, aber im Ergebnis ist dem nichts hinzuzufügen 😉

Aroma für Aroma entwickelt dieser wunderbare Spätburgunder; da findet man Noten von getrockneten Kräutern (z.B. Kamille und Salbei),  Orangenschalen, Erdbeeren, aber auch Jod und Tabak.  Insgesamt ein wahres Wunder an Komplexität und Differenziertheit.  Am Gaumen das Spiegelbild der Eindrücke aus der Nase. Der 2001er SD bietet eine hervorragende aromatische Tiefe, ist dabei  kompakt & kraftvoll und bietet dem Gaumen Widerstand. Ein nahezu  perfektes Bild entwickelt sich auf der Zunge:  die Kombination  aus  feiner Saftigkeit, unterlegt mit einer reifen Säure und  perfekt eingebundenen Noten aus dem Barrique-Lager bilden hier die Grundlage. Hinzu kommt ein Spiel  aus Kraft und Muskeln einerseits und differenzierter Frucht und Anmut andererseits.  Diesem so erzeugten Spannungsbogen kann man sich als Genießer kaum entziehen.   Der 2001er Spätburgunder SD von Jacob Duijn zeigt sich lang und elegant im Abgang und auch hier weiß er mit seiner  höchst komplexen Art zu betören. Einmal, durch etwas Belüftung der Flasche nach dem Öffnen in Fahrt gekommen, tragen seine Anlagen ihn weit über 90 Punkte-Linie  und das lange Finale brennt sich in die Erinnerung  eines jeden Weintrinkers ein. – 95 Punkte / Durchschnitt der Runde: 94,2

2003

Nach den bereits drei verkosteten Jahrgängen 1998,2000 und 2001 strömt dieser Wein mit einer so tiefen und satten Farbe ins Glas, dass man sich fragt, welcher Dunkelfelder hier farbgebend war 😉 Natürlich ist das nicht der Fall, sondern die auffallend dunkle Farbe dürfte ein Spiegelbild des Hitzejahres 2003 sein (dickere Beerenschalen?)

In der Nase wirkt der Wein zunächst recht verschlossen, dann entfaltet sich eine dunkle Frucht, mit einem deutlichen Kirscharoma und Anklängen an Gewürze wie z.B. Nelken.  Auch am Gaumen ein für Spätburgunder eher ungewöhnliche Aromatik; mich erinnert er an die Donauwellen meiner Mutter, da gehen Knubberkirschen, Schokolade und Buttercreme eine wunderbare  Koexistenz ein.  Die 2003er Ausgabe des SD ist konzentriert, fleischig und körperreich; die Tannine sind spürbar, reif und rund. Die für diesen Jahrgang sehr gute Säure sorgt dafür, dass der Wein trotz seiner „fetten“ Anlagen ausgewogen und nicht zu schwer erscheint. Schöner, fester Kern, saftiger Stoff und ein Hauch von Minze im mittellangen Abgang. Mich erinnert der Wein eher an einen Supertoscan als an einen dt. Spätburgunder, trotzdem gefällt er mir gut und die 88 Punkte ist er allemal wert. – 88 Punkte / Durchschnitt der Runde: 87

2004

Auch der 2004 SD ist in der Farbe auffallend farbintensiv. Die Nase ist zu Beginn recht verschlossen und er braucht Luft im Glas, um sich zu öffnen. Der kompakte Eindruck bleibt jedoch; in der Aromatik eher dunkelbeerig, erinnert an Heidelbeeren;  auch eine zarte Tabaknote fällt auf. Am Gaumen ist der 2004er SD mit einer schönen, tiefen Aromatik ausgestattet;  er zeigt viel Extrakt und dezent würzige Noten. Der Wein ist sehr klar, in seinen Proportionen  bestens definiert und seine frische, mineralische Art erzeugt eine hohe Präsenz am Gaumen und auf der Zunge. Die Tannine wirken geschliffen und in seiner Anmutung  geht er in Richtung des 2001er Jahrgangs, jedoch ohne die  überaus betörende Differenziertheit und Finesse  des 01ers entwickeln zu können.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 89,8

 

2006

Der 2006er SD ist zu Beginn in der Nase diskussionswürdig, denn er hat im ersten Moment einen recht deutlichen „Stinker“, der zwar mit der Zeit verfliegt, jedoch die ersten Eindrücke prägt. Am Tisch wurde diskutiert, ob es ein kleiner Böchser ist oder ob es die Nachklänge der spontanen Vergärung sind. Meine Vermutung ist, dass bei diesem Jahrgang die Schwefelgabe etwas höher ausgefallen ist und dass dadurch der Wein nicht zu 100% reintönig wirkt. Am Gaumen zeigt er sich von seiner saftigen Seite. Im Mund kühl und mit einer erkennbaren Mineralik ausgestattet. Er ist aromatisch tief sowie stoffig und konzentriert ins seiner Art. Die Tannine sind edel, stattlich und verleihen dem Wein das nötige Rückgrat,  aber das Holz wirkt (noch)  nicht komplett integriert und die leichte Bitternote hinten heraus sowie der – im Vergleich zu den anderen Jahrgängen – recht kurze Abgang sorgen dafür, dass der 06er Jahrgang die rote Laterne als Schlusslicht unserer Verkostung überreicht bekommt.  – 87 Punkte/  Durchschnitt der Runde: 85,6

 

2007

Mit der 2007er Ausgabe des SD scheint sich der Stil des Weins etwas verändert zu haben. Bereits in der Farbe wirkt er heller.  Auch im Bukett und am Gaumen erscheint mir der Wein zu Gunsten der Finesse und Differenziert  etwas zarter und weiblicher geworden zu sein.  Der Alkohol mit 12,5% ist moderat und auch beim Holzeinsatz vermute ich eine Veränderung im Vergleich zu früheren Jahren. 

Bereits in der Nase deutet der 2007er SD seine Klasse an, er wirkt schon in seiner Jugend edel und komplex. Die Aromatik ist geprägt durch Noten von roten Beeren, Anklängen an grünen Pfeffer und verschiedene herbe  Kräuter. Auch am Gaumen zeigt er ein beachtliches Spiel: eine feine,  differenzierte  Frucht, gepaart mit einer tiefen Mineralität  und edlen Aromen aus dem Holz, die bereits jetzt schon sehr gut integriert sind. Der Wein wirkt auffallend kühl und ich denke an Pinots aus der Region Sancerre, die dort auf sehr kalkhaltigen Böden wachsen; der SD spielt jedoch in einer höheren Liga.

Die Klasse des 2007er SDs lässt mich träumen, bei so einem Wein kann man Zeit und Raum vergessen und sich nur mit dem Inhalt des Glases beschäftigen. Dieser Spätburgunder  verbindet einen festen,  strukturbetonten Kern mit einem hohen Maß an Kraft, Eleganz und Anmut  – ich fühlte mich an eine wunderbare Giselle-Aufführung in einer Choreographie von John Neumeier im Hamburger Opernhaus erinnert. Tolle Länge !! Ich bin sehr gespannt, ob der Wein mit dem Alter noch etwas zulegen kann – 93 Punkte / Durchschnitt der Runde: 92,4

2008

Der 2008er wirkt im Glas noch einen Tick heller als der 07er.  Die Nase ist noch geprägt von einer Primärfrucht und ein  Noten  der Spotanvergärung.  Zur Zeit  erinnert er mich noch an einen Grand Cru aus dem Beaujolais: Veilchen, Kirscharomen, Bonbon;  dazu  zarte Röstaromen aus dem Holz.  Am Gaumen auffallend weich und seidig; sehr schön saftig.  Die leichte Extraktsüße und die frische Säure sind noch deutliche Boten der Jugend. Die Mineralik ist gut erkennbar, die Tannine sind feinkörng. Der Wein besitzt  – schon wie sein Vorgänger aus 2007 – einen festen Kern und erstaunlich viel Spiel für sein geringes Alter. Zurzeit hat er noch nicht ganz das Niveau des 2007ers erreicht, aber ich denke, er wird noch ein wenig zulegen. Schöne Länge.  – 91 Punkte / Durchschnitt der Runde: 90,4

 

 

 

 

2000 Cims de Porrera Classic, Cims de Porrera – Priorat

92 Punkte – Mit dem ersten Jahrgang 1996 erzeugte dieser Wein in Deutschland großes Aufsehen und seitdem taucht er mit beständiger Regelmäßigkeit in diversen Weinforen immer wieder auf. Da ich ein großer Freund von vertikalen Verkostungen (ein Wein über diverse Jahrgänge) bin, muss ich zugeben, dass ich den Tropfen "blind" über mehrere Jahre gekauft und eingelagert habe. Nach und nach öffne ich nun die Flaschen und versuche nachzuvollziehen, warum dieser Wein ein solche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Da über das "Projekt" Cims de Porrera genug geschrieben wurde, erspare ich mir hier Details und empfehle dem interessierten Leser den Wein zu googlen. Reduziert auf meine Verkostungseindrücke läßt sich zur 2000er Ausgabe folgendes sagen: Mit einer dichten, rubinroten Farbe und offensichtlich unfiltriert fliesst er ins Glas. Die Nase ist geprägt von eingekochten roten Früchten, primär Kirschkonfitüre. Frisch geöffnet ist er irgendwie schwierig (max. 89 Punkte), aber mit etwas Luft wird er deutlich klarer in der Aromatik, auch am Gaumen wird er nach 1-2 Stunden immer schöner (aber bitte nicht dekantieren). Zunächst erinnert mich das noch etwas diffuse Aroma stark an eingekochte Früchte und ich bin nicht sonderlich begeistert, doch mit zunehmender Luft gewinnt er deutlich an Kontur und nach 1-2 Stunden ist er geprägt von einer klaren, schönen Kirschfrucht, die mit ausgereiften Tanninen und einer sehr schönen Säure unterlegt, daher kommt. Der Wein ist dann schön saftig und entfaltet sein gesamtes Potential. "Schmatzig" habe ich mir notiert, der Speichelfluß im Mund nimmt deutlich zu und ich kaue immer länger auf diesem, inzwischen herrlichen Stoff. Der Abgang wird immer länger und alle 15 Minuten ziehe ich meine Punkte nach – waren da zu Beginn maximal 89 Punkte im Glas, so komme ich nach ca. 2 Stunden schon auf 92, auch die 93 sind nicht abwegig. Ich habe in der letzten Zeit selten einen Wein aus diesem Jahrtausend erlebt, der innerhalb von 2 Stunden so zugelegt hat. Einen letzten Schluck, einen "Zungenschnalzer" und 92 Punkte als mein Bekenntnis für die Trinkfreude, die er mir bereitet hat sowie einen letzten Rest in der Flasche für die morgige Nachverkostung und die Welt ist trotz Flugverbot und kurz bevorstehendem Urlaub in Paris (wie komme ich nur dahin?) in Ordnung.

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2000 Chateau Beau-Sejour Bécot – St. Emilion (Spannendes Spanien – Flight 2)

87 Punkte  – Bei unserer Spanienprobe als Pirat sofort zu erkennen gewesen, aber wieso er bei Parker konsistent zwischen 90 und 94, zuletzt 93 Punkten bekommen hat, erschließt sich mir aktuell nicht. Zwar muss man auch bei diesem 2000er feststellen, dass er wohl in einer etwas schwierigen Phase ist, aber 6 Punkte Potential sind da nicht drin. Erstaunlicherweise hatten wir einen St. Emilion im Glas, denn der Wein hatte für mich eine so deutliche Cabernet-Nase, dass ich ihn klar an das linke Ufer gesetzt habe. Deutliche Paprika- und Kräuternoten dominieren die Frucht in der Nase und am Gaumen. Er zeigt zwar viel Saft und einen gewissen Schmelz, aber die Tannine sind noch ultrafest und der Wein packt zu. Der Wein wird sicherlich ein Langstreckenläufer, aber zur Zeit fehlt ihm jedwede Harmonie und man sollte ihn noch ein paar Jahre weglegen, bevor man die nächste Flasche aufmacht.

2000 Vina el Pison, Artadi – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 2)

93 Punkte – Der teuerste Wein von Artadi ist der Vina el Pison. Der Wein stammt vom 2,4ha großen „Familienweinberg“, der bereits 1945 vom Großvater der heutigen Eigentümer angelegt wurde und seit 1991 wird er als Einzellagenwein separat ausgebaut. Der aus 100% Tempranillo bestehende Wein reift 18-24 Monate in französischer Eiche.

 

Für den Vina el Pison gilt das gleiche wie für den Bruder, den Grandes Anadas, leider haben wir den Wein zur Unzeit getrunken, das heißt, er will nicht wirklich zeigen, was in ihm steckt. Der Wein ist unglaublich dicht, fest und hat viel Kraft, zeigt auch einen gewissen Schmelz und erinnert mich ein wenig an den herrlichen Pflaumenkuchen meiner Mutter. Aber wenn dieses Teil mal aufmacht und sich ausdifferenziert, dann dürfte der „perfekt trainierte Körper“  eine Eleganz entwickeln, um als Solist ganz groß rauszukommen. Aktuell aber nur 93 Punkte, mit dem Potential, dass weitere zwei, drei Punkte hinzukommen.

2000 Grandes Anadas, Artadi – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 2)

94 Punkte – Artadi gehört sicherlich zur ersten Garde der Weingüter, die mit neuen Methoden und einem uneingeschränkten Qualitätsstreben den spanischen Weinbau beeinflußt haben. Im Jahr 1985 gegründet, gehören die Weine von Artadi zu den besten und teuersten, die man aus Spanien beziehen kann.

 

Die Reben für den Grandes Anadas stehen im Herzen der Rioja Alavesa; der Wein wird nur in besonders guten Jahren erzeugt. In der Nase offeriert er ein dichte und tiefe Aromatik, die sehr komplex wirkt. Am Gaumen kommt der Wein aktuell sehr dicht und ein wenig verschlossen daher. Die Tannine wirken zwar perfekt ausgereift, aber sie dominieren zurzeit den Wein. Trotzdem ist die Klasse des Weins sehr gut erkennbar und mir gefallen der Druck und die Kraft, die der Grandes Anadas am Gaumen aufbaut. Bissfest und mit noch riesigem Potential für ein langes Leben sollte man (gute Lagerung vorausgesetzt) dem Wein noch zwei oder drei Jahre auf der Flasche geben, bevor man die nächste Flasche öffnet; ich vermute, dass er diese Zeit mindestens braucht, um dann aus seinem Winterschlaf zu erwachen und aufzublühen. Meine 94 Punkte beinhalten sicherlich auch eine gewisse Potentialbewertung und sind insofern mit einem kleinen Fragezeichen zu versehen.      

2000 Pouilly Fuissé Vieilles Vignes, Domaine Cordier – Mâconnais (Ski10)


90 Punkte – Es war reiner Zufall, aber passend, dass wir am Vorabend mit Beaujolais aufhörten und nun einen Wein aus dem nördlich angrenzenden Mâconnais im Glas hatten. Ein Schicksal teilen sich beide Regionen leider: In Deutschland assoziiert man mit ihren Namen nur schwache Weinqualitäten, wobei dem Mâcconais noch der Umstand anhaftet, dass viel zu wenig Leute diese Anbauregion überhaupt kennen.

Jedoch gibt es im Mâcconais ein Gebiet, das sich als "gallisches Dorf" erweist und das seit jeher ein besseres Image genießt: in der Gegend von Pouilly Fuissé finden die Chardonnayreben auf  den welligen Kalksteinhügeln – mit ihren Lössböden – ideale Bedingungen. Die Domaine Cordier ist Ende der 90er Jahre bekannt geworden, nachdem Robert Parker die Weine von Christophe Cordier entdeckt hatte und sie teilweise höher bepunktete, als die weißen Burgunder (und Preisknaller) von Coche-Dury oder Comte Lafon.

Doch die Wahrheit liegt bekanntlich im Glas. Unser Chardonnay verströmte reife, fruchtige Noten, insbesondere eine gereifte Birnenfrucht. Darüber hinaus wirkte er ein wenig rauchig und auch käsige Anklänge habe ich mir notiert. Am Gaumen dann recht frisch; mit gutem Extrakt und einer kräftigen Säure. Die kalkige Mineralik steht ihm gut, die Citrus- und Maracujanoten passen gut dazu und mit zunehmender Luftzufuhr wird er auch etwas geschmeidiger. Die Reife des Weines verrät sich durch eine dezente Nussigkeit und Punktabzug gab es für die wenig vorhandene Länge im Abgang.

2000 Poggio Valente Morellino di Scansano, Fattoria Le Pupille – Toscana

91 Punkte – Wow, diesen Wein habe ich in 2005 schon ziemlich (85 Punkte) abgeschrieben, meine damalige Notiz lautete:

"Dichte Farbe, ungewöhnlich streng ist die Frucht in ein Korsett aus Tannin und Holz eingebunden – wo ist die Lebendigkeit und unbekümmerte Verspieltheit dieses Weines, die ich in anderen Jahrgängen so schätze. Noten von Kirsche, etwas Schokolade und ein wenig Pflaume, ein mittlerer Körper, sehr solide Tannine bestimmen das Bild dieses Weines, der gut gemacht ist, aber mir nicht die gewohnte Freude bereitet. Im Idealfall ist er jetzt in einer Verschlußphase und wird sich vielleicht in 12 Monaten wieder von einer besseren Seite zeigen."

So falsch lag ich mit meiner damaligen Vermutung nicht, aber wahrscheinlich hat es länger als 12 Monate gedauert, bis der Wein wieder aus dem Knick kam. Jetzte jedenfalls ist der Trinkspaß zurück, denn das stramme Tanninkorsett ist immer noch spürbar, aber die Frucht hat sich zu neuen Höhen aufgeschwungen und so erlebt man eine süße Frucht mit viel Kirch-, Milchschokolade- und Pflaumenaromen. Er wirkt bei aller Tanninstrenge saftig und macht viel Spaß, denn die Tannine haben an Eckigkeit eingebüßt und die Frucht stellt sich mit aller Macht dagegen. Elegant kann man den Wein wohl nicht nennen, aber als junge, dralle  Pamela Anderson im roten baywatch-Badeanzug geht er voll durch. Besonders gefällt mir die fruchtige Süße, die er im langen Abgang behält und die mit leicht würzigen Noten und Kirschmarzipan nachklingt. Very sexy.

1995, 1999, 2000, 2001 Asinone, Poliziano – Toskana

Der 1985 erstmals gefüllte Einzellagenwein von Federico Carletti, Chef der Az.Agr. Poliziano  ist für mich seit vielen Jahren der Referenzwein in Sachen Vino Nobile di Montepulciano. Zwar gibt es jedes Jahr Weine von anderen Winzern, die noch eine Nuance besser sind, aber über die Jahre hinweg gibt es keinen zweiten Erzeuger, der Jahr für Jahr eine solche Klasse auf die Flasche bringt. Der Wein besteht – wie alle Vino Nobile di Montepulciano – vorwiegend aus Prugnolo Gentile Trauben (besonderer Sangiovese-Klon) und geringen, schwankenden Anteilen von Canaiolo und Mammolo.

1999 – 88 Punkte; In diesem Vierer-Flight für mich der schwächste Jahrgang. Die Nase präsentiert sich fest, mit dunklen, fast herben Fruchtnoten, am Gaumen fest, deutliche Adstringenz, Leder, ebenfalls dunkel und die für den Asinone so typische Graphit- oder Bleistiftnote. Mittlerer Körper und schöne Säure; die Tannine wirken immer noch sehr fest, aber der Wein wird sich nicht mehr verbessern; sollte in den nächsten 1-2 Jahren ausgetrunken werden.

1995 – 90 Punkte;  Hier zeigt sich mal wieder, dass der 95er Jahrgang in der Toskana ein Strukturjahrgang war. Der Wein überzeugt mit seiner festen Art, die Tannine sind immer noch deutlich, aber inzwischen gut integriert. In der Nase dunkel, feuchtes Herbstlaub, Waldboden und dunkle Frucht, etwas etherisch. Am Gaumen viel Struktur, aber auch eine recht komplexe, dunkle Aromatik, Graphit, wirkt durchaus mineralisch, mit noch immer schöner Frische. Angenehme Länge. Keine weiteren Reserven, aber sicherlich noch sehr gut in den nächsten 2-4 Jahren auf diesem Niveau zu trinken.

2000 – 92 Punkte;  Hervorragender Stoff und jetzt perfekt (!!) zu trinken. Eigentlich gilt das Milleniumjahr in der Toskana nicht als wirklich großes Jahr, doch – wie viele seiner Brüder – zeigt sich auch der Asinone gerade jetzt von seiner schönsten Seite. In der Nase etwas stoffiger und weicher als die beiden Jahrgänge zuvor. Glockenklarer Vino Nobile und als Sangiovese in bestechender Form – klassisch, strukturbetont, mit schönem Säuregerüst und lebendiger Frucht. Die Frucht ist geprägt von dunklen Noten, Leder, Gewürzen, Graphit  und einer wirklich schönen Tiefe. Die Tannine sind etwas weicher als beim 95er und 99er, aber trotzdem strukturgebend; befindet sich in einem sehr gutem Gleichgewicht, wirkt äußerst harmonisch.  Jetzt – wie bereits gesagt – in bester Verfasung, aber sicherlich sehr gut auch in den nächsten 2-3 Jahren,  danach wird es spannend.

2001 – 92 Punkte; Ebenfalls ein wirklich gelungener Vino Nobile, auch wenn ich aktuell den 2000er auf Grund seines Charmes einen Tick vorziehe. Beeindruckend ist Jahr für Jahr der Charakter und die Typizität dieses Weines – da gibt es keinen größeren Stilbruch, keine Anbiederung an den mainstream-Geschmack. Der 2001er Jahrgang vom Asinone ist ziemlich komplett, d.h. er hat eine ansprechende Fruchttiefe; eine gute Struktur; ausgereifte, aber deutliche Tannine,eine kräftige, aber sehr gut eingebaute Säure und somit eine innere Stimmigkeit, die ihn genußreich die Kehle runter laufen läßt. Wie in jedem Jahrgang findet sich auch in diesem die Bleistiftnote und das obligatorische Leder wieder. Zusammenfassend möchte ich noch anmerken, dass der Asinoe für mich ein perfekter Essensbegleiter ist, der zwar auch allein getrunken werden kann, aber seine volle Schönheit beim Essen zeigt, denn ich kann mir vorstellen, dass dem Einen oder Anderen die Tannine und die Säure sonst zu sehr zu schaffen machen.

Wer etwas Zeit und Muße mitbringt, wird diesen Wein stets belüften. Wenn es etwas schneller gehen soll, kann man ihn auch sehr gut in die Karaffe (ca. 1 Std.) geben. Allerdings empfehle ich, schon nach dem Öffnen direkt mal einen Schluck zu nehmen…. große Unterschiede gibt es vor allem in der Wahrnehmung der Tannine….. Selbstversuch lohnt… :-))

2000 Les Rocailles, Chateau de Capitoul – Languedoc / La Clape (Celerina 1)

87 Punkte: nich ganz klar (aber hat auch 1000 km Fahrt hinter sich); in der Nase etwas laktisch, Wacholderbeere, reifste Himbeeren, Himbeergeist, frische Zigarre. Am Gaumen angenehme Frucht, Waldkirsch, reife Himbeere, schwarzer Pfeffer, würzig; recht saftig; kräftiger Körper; vom Mundgefühl eher samtig, doch hinten heraus leider recht scharf.