1999 Crozes Hermitage La Guiraude, Alain Graillot – Nördliche Rhone

87 Punkte – Kein ganz einfacher Tropfen: zu Beginn dominiert die Säure recht deutlich. Mit etwas Luft kommt die Frucht etwas stärker durch. In der Nase Noten von verbranntem Gummi, Lavendel und Cassis. Am Gaumen springt einen die straffe Säure an; erst langsam offenbart er die Noten herber Lakritze, schwarzer Johannisbeere, Lavendel und feuchtem Unterholz; dennoch herkunfts- und rebsortentypisch. Vom Körper eher mittelgewichtig, gestützt von seinen Tanninen ist der Wein noch gut trinkbar; aber eine weitere Lagerung dürfte ihm mehr schaden als nutzen – austrinken!! Heute Abend zum Gegrilltem passte er nicht schlecht.

1999 La Porte du Ciel, Chateau de la Negly – Coteaux du Languedoc / „Ma(n)ifest Nr.13“

 

94 Punkte – ich war und bin ein großer Freund des La Falaise, diesem preis-WERTEN Wein von Jean Rosset, dem Eigentümer von Chateau de la Negly. Seine „Himmelspforte“ spielt deutlich eine Liga höher, aber der Top-Zuschlag für das Trinkvergnügen in der Champions League ist doch erheblich.

Tief und fast schwarz steht der Wein im Glas. Immer wieder fasziniert mich bei dieses Weinen aus dem Süden Frankreichs (La Clape) die Kombination aus hohem Alkohol und der eher kühlen Stilistik am Gaumen und in der Nase. Auch die 99er Himmelspforte hat laut Etikett 14,5% Alkohol (tatsächlich wohl eher noch einen Schnaps mehr), verführt aber gleichzeitig mit ihrer kühlen Art. Die Aromatik ist geprägt durch eine tiefe, saftige Frucht mit viel Lakritz- und Kräuternoten, dazu etwas Schokolade und Kokos (wohl vom Fassausbau), Brombeeren, Minze und Menthol. Der Wein besitzt eine dezente Bitternote, die jedoch nicht aus unreifen Tanninen oder dem Holz kommt, sondern wohl eher dem Boden zuzuschreiben ist. Die Tannine sind herrlich weich und feinkörnig und der Wein hinterlässt einen langen, samtigen Eindruck am Gaumen.

1999 Brunello Montosoli, Altesino (Cantine di Palazzo Altesi da Altesino) – Toscana

 

93/94  Punkte – Auf einem Hügel östlich von Montalcino erhebt sich der eindrucksvolle Palazzo Altesi, der im 15. Jahrhundert von der toskanischen Familie Tricerchi errichtet wurde. Ihr weißes Marmorwappen ist bis heute über dem alten Eichentor zu sehen. Seit 2002 ist das Weingut Altesino im Besitz der Römerin Elisabetta Gnudi Angelini (auch Eigentümerin der Tenuta Carparzo). Das Gut war häufig ein Vorreiter bei strukturellen Neuerungen, die der Brunello di Montalcino in den vergangenen dreißig Jahren erfahren hat. Bereits 1979 begann man bei Altesino mit dem Ausbau der Weine in französischen Barriques. 1975 führte das Gut mit dem Cru Montosoli den ersten Lagenwein des Montalcino-Gebiets ein. Die ersten "Futures" für Subskriptionskäufe von Brunello wurden für den Brunello Altesino von 1985 ausgegeben.

Unser Wein im Glas war genau dieser Einzellagen-Brunello Montosoli aus dem Jahr 1999. Der Winespectator beschreibt ihn in seiner Ausgabe Okt. 2004 als strengen Burschen, der weiterer Lagerung bedarf und empfiehlt folgerichtig erst einen späteren Genuss – ab 2009. Das Jahr ist gekommen und so schau’mer mal:

Sehr kraftvoll präsentiert sich dieser Brunello, immer noch sehr saftig und mit voller Körper presst sich der Wein an den Gaumen. Dazu passen die Extraktsüße und das Aroma von dicken, schwarzen Knubberkirschen sowie vollreifen Waldbeeren. Aromenstark, mit festen, aber gut integrierten Tanninen, die dem Wein Struktur verleihen. Trotzdem kein Monsterwein, sondern dicht, stark und ausdrucksvoll. Er baut im Glas aus und besitzt eine delikate Art sowie eine schöne Länge, die den Gaumen auch noch lange nach dem Schlucken beschäftigt. Ich habe in meinem kleinen Verkostungsbüchlein dreimal die Punkte geändert/durchgestrichen und so bekommt der Wein halt um die 93/94 Punkte.

1999 Cabernet Sauvignon Premium Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski6)

92 Punkte – Gesehen habe ich diese Premium-Version der „normalen“ Reserva noch in keinen Weinhandel, aber umso schöner, dass wir sie – Dank Mathias – verkosten konnten. Laut Etikett hat man für diesen Wein nur die „reifesten Trauben von den ältesten Rebstöcken, die man finden konnte“ (Klasse Formulierung 🙂 verwendet. Für den 12-monatigen Fassausbau hat man zu 100% neue Hölzer verwendet. Beweis für die besonders reifen Trauben sind die 14% Alkohohl – gegenüber 12,5% bei der „einfachen“ Reserva aus gleichem Jahrgang.

 

Die Nase wirkt kühl und zeugt von reifen, dunklen Früchten. Hinzu kommt ein Touch Vanille, Schokolade und die kühle Frische von Eukalyptus und Minze. Am Gaumen ein ähnliches Bild, saftig, voll ausgereifte Tannine und eine dunkle, kühle Frucht (Knubberkirschen, Cassis, Zwetschgen), die kombiniert mit ätherischen Noten sowie Anklängen von Schokolade und  Zedernholz zu einem kraftvollen und eleganten Wein beiträgt. Diesen Wein würde ich gerne in jede Bordeaux oder Napa-Probe als Pirat einschmuggeln.

1999 Cabernet Sauvignon Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski 5)

85 Punkte – Es war schon lustig, wie wir um diesen – ebenfalls blind getrunkenen – Wein herumgeraten haben. Letztlich lag ich nicht ganz daneben, wurde aber für meine etwas flapsige These: „Ostblock“ gescholten und gefragt, ob ich die letzten zwei Jahrzehnte Winterschlaf gehalten habe. Dennoch wurde es zum running gag des Skiurlaubs und bei jeder Flasche Wein, zu der wir bei unserem allabendlichen Weinquiz  keine rechte Meinung hatten, kam die Frage: „Ostblock“? 

 

Gut gereift und immer noch schön frisch zeigt sich diese Cabernet Reserva. Zu Beginn recht schlank, baut er im Glas jedoch leicht aus und eine recht saftige Kirsch- und Cassis-Frucht kam zum Vorschein. Mag es das Bitteraroma von Orangenzesten sein oder ist es kleines Bitterle aus dem Fassausbau, richtig stören tat es nicht und letztlich hatten wir einen ordentlicher Wein, mit Struktur, Substanz und einer gewissen Länge im Glas.   

 

1995, 1999, 2000, 2001 Asinone, Poliziano – Toskana

Der 1985 erstmals gefüllte Einzellagenwein von Federico Carletti, Chef der Az.Agr. Poliziano  ist für mich seit vielen Jahren der Referenzwein in Sachen Vino Nobile di Montepulciano. Zwar gibt es jedes Jahr Weine von anderen Winzern, die noch eine Nuance besser sind, aber über die Jahre hinweg gibt es keinen zweiten Erzeuger, der Jahr für Jahr eine solche Klasse auf die Flasche bringt. Der Wein besteht – wie alle Vino Nobile di Montepulciano – vorwiegend aus Prugnolo Gentile Trauben (besonderer Sangiovese-Klon) und geringen, schwankenden Anteilen von Canaiolo und Mammolo.

1999 – 88 Punkte; In diesem Vierer-Flight für mich der schwächste Jahrgang. Die Nase präsentiert sich fest, mit dunklen, fast herben Fruchtnoten, am Gaumen fest, deutliche Adstringenz, Leder, ebenfalls dunkel und die für den Asinone so typische Graphit- oder Bleistiftnote. Mittlerer Körper und schöne Säure; die Tannine wirken immer noch sehr fest, aber der Wein wird sich nicht mehr verbessern; sollte in den nächsten 1-2 Jahren ausgetrunken werden.

1995 – 90 Punkte;  Hier zeigt sich mal wieder, dass der 95er Jahrgang in der Toskana ein Strukturjahrgang war. Der Wein überzeugt mit seiner festen Art, die Tannine sind immer noch deutlich, aber inzwischen gut integriert. In der Nase dunkel, feuchtes Herbstlaub, Waldboden und dunkle Frucht, etwas etherisch. Am Gaumen viel Struktur, aber auch eine recht komplexe, dunkle Aromatik, Graphit, wirkt durchaus mineralisch, mit noch immer schöner Frische. Angenehme Länge. Keine weiteren Reserven, aber sicherlich noch sehr gut in den nächsten 2-4 Jahren auf diesem Niveau zu trinken.

2000 – 92 Punkte;  Hervorragender Stoff und jetzt perfekt (!!) zu trinken. Eigentlich gilt das Milleniumjahr in der Toskana nicht als wirklich großes Jahr, doch – wie viele seiner Brüder – zeigt sich auch der Asinone gerade jetzt von seiner schönsten Seite. In der Nase etwas stoffiger und weicher als die beiden Jahrgänge zuvor. Glockenklarer Vino Nobile und als Sangiovese in bestechender Form – klassisch, strukturbetont, mit schönem Säuregerüst und lebendiger Frucht. Die Frucht ist geprägt von dunklen Noten, Leder, Gewürzen, Graphit  und einer wirklich schönen Tiefe. Die Tannine sind etwas weicher als beim 95er und 99er, aber trotzdem strukturgebend; befindet sich in einem sehr gutem Gleichgewicht, wirkt äußerst harmonisch.  Jetzt – wie bereits gesagt – in bester Verfasung, aber sicherlich sehr gut auch in den nächsten 2-3 Jahren,  danach wird es spannend.

2001 – 92 Punkte; Ebenfalls ein wirklich gelungener Vino Nobile, auch wenn ich aktuell den 2000er auf Grund seines Charmes einen Tick vorziehe. Beeindruckend ist Jahr für Jahr der Charakter und die Typizität dieses Weines – da gibt es keinen größeren Stilbruch, keine Anbiederung an den mainstream-Geschmack. Der 2001er Jahrgang vom Asinone ist ziemlich komplett, d.h. er hat eine ansprechende Fruchttiefe; eine gute Struktur; ausgereifte, aber deutliche Tannine,eine kräftige, aber sehr gut eingebaute Säure und somit eine innere Stimmigkeit, die ihn genußreich die Kehle runter laufen läßt. Wie in jedem Jahrgang findet sich auch in diesem die Bleistiftnote und das obligatorische Leder wieder. Zusammenfassend möchte ich noch anmerken, dass der Asinoe für mich ein perfekter Essensbegleiter ist, der zwar auch allein getrunken werden kann, aber seine volle Schönheit beim Essen zeigt, denn ich kann mir vorstellen, dass dem Einen oder Anderen die Tannine und die Säure sonst zu sehr zu schaffen machen.

Wer etwas Zeit und Muße mitbringt, wird diesen Wein stets belüften. Wenn es etwas schneller gehen soll, kann man ihn auch sehr gut in die Karaffe (ca. 1 Std.) geben. Allerdings empfehle ich, schon nach dem Öffnen direkt mal einen Schluck zu nehmen…. große Unterschiede gibt es vor allem in der Wahrnehmung der Tannine….. Selbstversuch lohnt… :-))

1999 Grüner Veltliner Ried Lamm, Bründlmayer – Kamptal

95 Punkte- Wow, was für eine elegante Weinbombe – dieser Satz ist ein Widerspruch in sich, aber passend für diesen Wein. Inzwischen 9 Jahre alt, aber immer noch eine GV-Referenz. Im Jahrgang 1999 hat Willi Bründlmayer einen Wein erschaffen, der unglaubliche Power mit einer hedonistischen Trinkfreude kombinert, die nur unfassbares Erstaunen hinterläßt.

Die Nase ist geprägt von einem "schmerzhaften" Duft von Pfefferkuchen, Salz, Marillen, weißem Pfeffer und einer Aromendichte, die stets dazu verleitet die Nase immer und immer wieder in Glas zu halten. Für den Gaumen der ultimative Härtetest; ein Wein der die Geschmacksknospen zum Explodieren bringt (oder wie es Stuart Pigott in seiner ihm eigenen Spache zum Ausdruck gebracht hat: "Ein Neutronenstern von ungeheurer Dichte, der mit ungewöhnlich intensiver Leuchtkraft pulsiert". Wenn man dies weniger prosarisch ausdrückt, bewegt den Gaumen eine nicht endend wollende Mineralik, die sich in einer extrem spürbaren Salzigkeit ausdrückt. Paralell dazu pruduziert ein Alkoholgehalt von 15% einen wunderbaren Schmelz, der hervorragend die Aromen trägt. Da sind z.B. Marillen, Tabak, Vanille, weißer Pfeffer (kein Pfefferl, sondern ein ausgewachsener weißer Pfeffer), exotische Fruchtanklänge, Waldhonig, (…). Bei aller Kraft und Dichte ist dieser GV auf höchstem Niveau (vorausgesetzt man gibt ihm etwas Luft) ausgewogen und trinkig, die Länge ist atemberaubend und ich freue mich sehr, sehr auf die 4 Flaschen, die ich noch im Keller habe.

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1999 Mormoreto, Castello di Frescobaldi – Toscana

Zuerst Begeisterung: Satte Beerenfrucht entströmt dem schwarzroten Glas. Fliederbeeren, Kirsche, etwas laktisch, sehr dicht, scheint ein Maul voll Wein zu versprechen. Am Gaumen dann leider Kleber und Aceton. Wieder ein Frescobaldi der keine Struktur zum Reifen hat, wie die Montesodis aus den 90ern.

75 Punkte Diese Worte hat mein lieber Freund Mathias Fahrig, Depotleiter von Jacques (in Hamburg Sternschanze) geschrieben und wie immer, viel zu positiv formuliert. Der Wein hat einen Fehler, er riecht wie essigsaure Tonerde, hat eine deutlich flüchtige Säure und letztlich ist es ein Skandal, dass einem so etwas für teures Geld vorgesetzt wird. In der Nase ist er schlimmer als am Gaumen, aber selbst, wenn man das Gute sucht, kommen da nicht mehr als 75 Punkte zusammen.

1990 bis 1999 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 3)

1990 / 93 Punkte – Ja – hallo, da wird man wieder wach. Ein eher mittelgewichtiger Tropfen, habe wohl vor lauter Aufregung vergessen, detaillierte  Notizen zu machen und so lese ich heute: „schöner Saft“, „unglaublich saftig“ und „gute, saftige Frucht“ – ja was soll ich Euch sagen? Der Wein ist saftig ;-))) Dazwischen habe ich notiert: „eher dunklelrote Beerenfrucht, wirkt erstaunlich jung, subtile Fruchtfülle, very charming.

 

1991 / 96 Punkte – Für mich der Wein der Verkostung !!!!!!! Nicht nur dass diesen Jahrgang ein goldenes Etikett ziert (nicht, weil man erkannt hat, dass dieser Jahrgang vielleicht der größte bis dato produzierte Wein ist, sondern weil man auf eine 100-jährige Weingutgeschichte zurückschaut), sondern hier stimmt einfach alles!  Dieser Wein hat eine große Goldmedaille verdient. Sofern ich mich recht erinnere meinte mein amerikanisch-schweizerischer Tischnachbar: „Just great“, viel mehr braucht man einfach nicht zu sagen. Dieser Wein hat alle Komponenten eines großen Weins: perfekt strukturiert, tief und komplex in der Aromatik, kühl in der Anlage, substanziell und sehr elegant, aufregende Länge, großer Nachhall. Die Frucht ist vielschichtig, eher schwarzbeerig; feine Extraktsüße, Graphit- und Trüffelnoten, um nur ein paar Eindrücke zu nennen, aber letztlich reicht: „Just great“.

 

 

1992 / 92 Punkte – Auch dieser Jahrgang weiß durchaus zu begeistern, er ist dem 90er recht ähnlich, die Frucht ist immens, man kann fast noch von Primärfrucht sprechen, tief und nachhaltig – mit angenehmer Komplexität und gutem Saft ausgestattet, auch eine gewisse mineralische Note ist erkennbar. Der 92er zeigt eine schöne Dichte und endet lang auf der Frucht.  Der Wein besitzt gute Anlagen, um viele weitere Jahre (mind. 10)  in Würde zu altern und um dabei viel Genuss zu bereiten. 

 

1993 / 89 Punkte – Die Nase wirkt sehr kühl; am Gaumen ein fester, strukturierter Monte Bello mit griffigen Tanninen und einer feiner Bitterkeit in der Frucht. Noten von Eukalyptus und Minze unterstützen den kühlen Eindruck, den man schon in der Nase erkennen kann. Für mich ein Wein, wie ein sehr guter Cru Bourgeois aus dem Haut Medoc. Jetzt gut zu trinken, eine weitere Qualitätssteigerung in den nächsten Jahren halte ich für unwahrscheinlich.

 

1994 / 91 Punkte – Leider habe ich bei diesem und dem nächsten Wein immer weniger Notizen gemacht, da das Essen lecker war und ich mit dem Tempo beim Ausschenken nicht mehr ganz mitkam. Die Nase wirkt tief und dunkel, am Gaumen ein fest strukturierter Wein, mit griffigen Tanninen. Die Frucht ist eher schlank; der Wein hat wenig Fett auf den Rippen. Auf der anderen Seite zieht er sich schön und gleichmäßig durch und endet mit einer wirklich guten Länge. Vielleicht der Aristokrat unter den 90er Jahrgängen.

 

1995 / 93 Punkte – Der dritte Jahrgang in Folge bei dem mir die Kühle in der Nase positiv auffällt. Der 95er zeigt jedoch die tiefste Frucht und ist noch eine Spur frischer als seine beiden Vorgänger. Obendrein hat er etwas mehr Fett auf den Rippen, sodass er deutlich saftiger und fruchtiger wirkt. Auffallend an diesem Jahrgang ist auch eine erkennbare Mineralik. Die Cuvee besteht aus einer Cuvee von 69% Cabernet Sauvignon, 18% Merlot, 10% Petit Verdot und 3% Cabernet Franc. Parker berichtet, dass Paul Draper in diesem Jahrgang extrem selektioniert hat und nur 25% der Ernte in den Wein gegangen sind.

 

1996 / 94 Punkte – Erstmals nach dem Ausschenken ein leichter Stinker im Glas, der jedoch recht schnell verfliegt. Die Cuvee kommt dieses Jahr ohne Cabernet Franc aus und besteht aus 80% Cabernet Sauvignon, 11% Merlot und 9% Petit Verdot. In meinen Notizen steht „Kraftvoll !!!“ Die Ausrufungszeichen belegen, was mir von diesem Wein in Erinnerung geblieben ist – dieser Jahrgang hat Power und eine wunderbare Stoffigkeit. Die Frucht ist eng gewoben und die Frische, die er an Tag legt, ist bemerkenswert. Ein Wein, der noch ein langes Leben vor sich hat – wer diesen Jahrgang irgendwie zu fassen bekommt, sollte zuschlagen. Feine Bitternoten geben der ansonsten saftigen und beerigen Frucht eine zusätzliche Dimension. Komplexer Stoff, der auch wieder diese Mineralität zeigt, die schon seinen Jahrgangsvorgänger auszeichnete.

 

1997 / 92 Punkte – Auch diesem Jahrgang merkt man seine 10 Jahre Alter kaum an, er wirkt ungemein jung und frisch. Eine schöne tiefe, recht saftige  Aromatik von dunklen, aber eher roten Beeren; Lakritze sowie eine sehr gut eingebundene Holzaromatik/-würze überzeugen auch in diesem Jahr.

 

1998 / 88 Punkte – Der 98er ist sicherlich der schwächste Wein aus dem Flight: Mitte/Ende 90er Jahre. Er wirkt trotz des recht hohen Merlot-Anteils (70% CS, 24% Merlot, 5% Petit Verdot und 1% Cabernet Franc) streng erzogen. Zwar ist die Frucht recht dicht und saftig, aber die hohe Säure lässt ihn etwas eckig und kantig erscheinen; es mangelt ihm ein wenig an Finesse.

 

1999 / 91 Punkte – Der letzte Jahrgang des alten Jahrtausends strömt mit viel Saft und Kraft in den Mund. Extraktreich und immer noch primärfruchtig; Aromen von Wildkirschen, Kakao, Lakritz und Schokolade zeugen von einer guten Verbindung aus Frucht und Holz; recht komplex.

1999 Wild Duck Creek Estate – Springflat Shiraz / Central Victoria

91 Punkte – Am Heiligabend ein Wein, der mir Spass macht, aber auch den nicht sonderlich weinerfahrenen Rest der Familie glücklich macht. Ein dichtes, mit Frucht beladenes Weinkonzentrat, dass – trotz des hohen Alkohols (15%) nicht überladen wirkt, sondern mit einer frischen Säure genügend Gegengewicht produziert, um ein harmonisches Bild abzuliefern. Immer noch schön saftig, die Aromatik ist eher dunkelbeerig, schokoladig und besitzt einen Hauch von Minze. Die Tannine sind reif und rund, und die Länge ist gut. Ein schöner Australier mit recht viel Depot in der Flasche.

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