1996 Valpolicella Superiore, Romano Dal Forno

94 Punkte – Wow, ich kann es einfach nicht fassen, was Romano Dal Forno hier auf die Flasche bringt. Eine "normaler" Valpolicella ist ein Wein (häufig auch: +"chen"), der fruchtbetont ist und im besten Sinne fruchtig, schmatzig, lecker daher kommt. Diese Art von Wein sollte möglichst jung getrunken werden, bevor die pralle Schönheit verwelkt. Ganz anders dieser Einzellagen-Valpolicella "Vigneto di Monte Lodoletta". Lodoletta, der Name einer rassigen Italienierin ?? – Der Name des Weinberges ist hier wohl Programm. Nur ist das nicht irgendeine Bauernschönheit von den Hüglen des Valpolicella! Das hier ist die Wein gewordene Carla Bruni – zumindest, wenn man den aktuellen Gazetten Glauben schenken mag. Einerseits ganz auf Tiefe, Kühle und understatement angelegt, sicherlich auch mit einer distanzierenden Arroganz ausgestattet – andererseits aber: sinnliche Verführung – und zwar über Ecken, so dass man gar nicht merkt, wie man langsam, aber sicher willenlos wird. So sitze ich z.B.gerade  in meinem kühlen Weinkeller (ca. 16° Grad Celsius) und versuche alle Neuzugänge in die Kellerverwaltung einzugeben.  Dieser Wein macht mich so wuschig und ich kann die Hand gar nicht vom Glas lassen; mit der Folge, dass langsam, aber sicher die Konzentration schwindet. Egal, so einen Genuss stiftenden Wein hat man nicht alle Tage im Glas, also Arbeit bei Seite, zurück in die Wohnung, eine schöne CD einlegen und geniessen!!!

Betörende Nase von ganz dunklen Kirchen und Blaubeeren – mit einem Schlag Sahne darüber; dazu Eindrücke von Thai-Basilikum, Waldboden, Leder, Lorbeeren und Tabak. Am Gaumen immer noch sehr fest, reife, aber noch erstaunlich zupackende Tannine. Dazu kommt eine zarte Fruchtsüße, die aber kaum merklich ist, denn auf der anderen Seite sind da dunkle, fast schon bitter anmutende Eindrück von 80/90%-iger Schokolade, Kirschen und etwas grün wirkenden Kräutern. Geile Länge!!!! Wow, warum ist das nur meine einzige Flasche – ich brauche mehr davon….

Meine Notiz aus 2005 stimmt immer noch – nur sind schon wieder 5 JAhre ins Land gegangen und der Wein ist kaum verändert: http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=38

 

1996 Finca Dofi, Alvaro Palacios – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 3)

90 Punkte – Dieser Wein zeigt eine „herbe“ Frucht und ist überaus kräutrig in seiner Aromatik. Am Gaumen mit noch reichlich Tannin beladen, zeigt sich auch hier eine dichte Kräutrigkeit, die viele orientalische Anklänge hat (z.B. Kardamon). Kombiniert mit einer interessanten Fruchtaromatik (Mischung aus Kiwi und Kirschen) hatten wir einen interessanten Wein im Glas, den man aber nicht weiter lagern muss.

1996 Clos Erasmus, Clos i Terrasses (Daphne Glorian) – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 3)

92 Punkte –Daphne Glorians (mittlerweile die Frau des US-Weinimporteurs Eric Salomon) Clos Erasmus gehört mit zu den meist gesuchten und teuersten Weinen Spaniens. Er hat gezeigt, dass er in sehr guten Jahrgängen das Potential hat, bei Parker und Co. Höchstpunktzahlen abzuräumen und so gehört er heute zu den Wein-Kultobjekten der iberischen Halbinsel. Förderlich für die Preisgestaltung ist sicherlich auch die winzige Menge (zwischen 300 und 500 Kisten p.a.), die von diesem Wein nur erzeugt wird.

Der Clos Erasmus aus dem Jahrgang 1996 ist ein sehr gut strukturierter Wein mit einer feinen Süße und runden, feinkörnigen Tanninen. Am Gaumen ist er mit einer schönen aromatischen Dichte ausgestattet; die vielen kräutrigen Aromen (z.B. weißer Pfeffer) wirken animierend; durch den leichten Hauch von Liebstöckel wirkt er jedoch schon deutlich entwickelt. Insgesamt ist der 96er Clos Erasmus aber ein eleganter Wein von mittlerer Statur, den man jetzt trinken sollte.

 

1996 Clos Mogador, Rene Barbier – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 3)

93 Punkte – Einen ausführlichen Bericht zu den Weinen von Rene Barbier habe ich anlässlich seines Besuchs in Düsseldorf geschrieben (http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=431). Die 96er Ausgabe seines Clos Mogador zeichnet sich durch eine intensive, dichte Frucht mit vielen Anklängen an Zwetschgen- und Pflaumenmarmelade aus, ein Hauch Zimt und andere feine Gewürzaromen runden das Bild ab. Der Wein hat eine sehr schöne aromatische Tiefe, ist dicht und die Tannine sind reif und rund; er endet auf der Frucht und haftet wirklich lange am Gaumen.

1996 Oberhäuser Brücke Riesling Eiswein, Hermann Dönnhoff – Nahe / „Ma(n)ifest Nr.12“

 

95 Punkte – Dieser Wein sieht aus wie eine mit Wasser verdünnte Coca Cola; bernsteinfarben. Auch wenn man wegen der Farbe schon mal die Stirn runzeln kann, so ist man nach der ersten Annäherung an das Glas doch vollkommen geläutert. Schon in der Nase bekommt man einen Eindruck von der Urgewalt und Komplexität dieses Weines. Einmal im Mund entfaltet sich ein Aromenfeuerwerk, wie ich es bislang selten erlebt habe. Die süße Frucht (exotische Früchte, Zwetschgenröster, Kirschen) ist unterlegt mit einer glockenklaren und intensiven Säure, die jedoch – dank der herrlichen Fruchtsüße – ein frappierendes Spiel entwickelt, dass in einem furiosen, lange am Gaumen anhaltenden Finale endet.

 

Laut der Info edlen Spenders hat Hermann Dönnhoff mehrere Eisweine in diesem Jahrgang seiner Lager Oberhäuser Brücke abgerungen; Nr. 28 hatte mit 250° Öchsle nicht nur den höchsten Zuckergehalt, sondern war auch mit 99 Punkten Siegerwein im Gault Millau 1998 im Bereich der edelsüßen Gewächse. Der Traumstoff bei uns im Glas wurde wohl ein paar Nächte früher geerntet und hatte ursprünglich ein Mostgewicht von 210° Öchsle.

1996 Chateau Durfort-Vivens – Margaux

87 (++) Punkte – Die auf Chateau Durfort Vivens erzeugten Weinqualitäten sind bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ihrem  Status als Deuxième Grand Cru sicherlich gerecht geworden. Inzwischen ist in großem Umfang in das Weingut investiert worden, aber an alte Glanzzeiten konnte man noch nicht anknüpfen. Der 96er Jahrgang ist ein Lichtblick, doch muss man schon verdammt viel Geduld aufbringen, wenn man diesen Wein in seinem Genussstadium erleben möchte.

 

Sehr dunkles, undurchsichtiges rubinrot; in der Nase viel würzige Holzaromen, Cassisfrucht, Paprika und grüne Walnüsse.  Am Gaumen zu Beginn Tabak/Zigarrenaromatik; sehr kräutrig; dunkle Frucht; Blut (Eisen); immer noch sehr straffe Tannine. Hat sicherlich noch Potential für etliche Jahre, dürfte sich auch weiterhin positiv zu noch mehr Harmonie und Finesse entwickeln. 

1996 Cuvée Millesimée Champagner Grand Cru / dosage zéro, Pierre Moncuit – Champagne

94 Punkte – Dieser Blanc de Blanc (=reiner Chardonnay) Champagner ist für mich mit das Beste, was ich bislang an Champagner getrunken habe. Die champagnertypischen brotigen Anklänge sind wunderschön ausgeprägt, die Aromen reichen von exotischen Früchten wie Ananas und Papaja, über frisch aufgeschnittene Äpfel bis hin zu ganz zarten Noten von frischem Sauerkraut.  Im Mund ist er sehr frisch und trocken mit weichem, zartem Schmelz. Sehr feine, gleichmäßige Perlage und tolle Länge. Die Champagner von Pierre Moncuit werden auf Grund ihrer Qualität Jahr für Jahr bekannter und so ist dieser Champagner ab Hof bereits ausverkauft. Der aktuell im Verkauf befindliche 2002er Jahrgangschampagner ist ebenfalls eine besondere Empfehlung, denn der ab Hof Preis (etwas über Euro 30,-) ist leicht gesunken.  Auch wenn die Preise des 96er etwas höher lag (knapp Euro 40,-), so ist er doch weit, weit entfernt davon, was vergleichbare Qualitäten (z.B. Dom Perignon in sehr guten Jahren) der  großen Champagnerhäuser  kosten.

 

1996 Le Stanze; Poliziano – Toscana (Celerina 7)

80+ Punkte – Was für eine Enttäuschung, ich hatte zwar beim 96er Jahrgang nicht auf Großes gehofft, aber dass diese Cuvee aus CS, Merlot und ein wenig Petit Verdot so abschmieren würde….

Reife Nase, Rumtopf (marinierte Früchte), reife Waldfrucht, etwas Kirsch. Wäre der Wein so wie seine Nase es suggeriert, wäre die Weinwelt in Ordnung. Aber am Gaumen passierte außer einer recht kräftigen Säure, harschen Tanninen und einem (recht edlen) Holzaroma nicht viel. Hinten heraus ist der Wein richtig austrocknend vom Tannin. Der Wein ist fertig.

1996 Fontanabianca , Barbaresco Sori Burdin – Piemont

92 Punkte – Zu einer best bottle Sylvester-Party habe ich diesen Wein mitgenommen, von dem ich einst 6 Flaschen besaß und die ich leider viel zu früh getrunken habe. Im Februar 2000 erworben und damit als mein erster, in "größerer" Anzahl gekaufter Nebbiolo in meine persönlichen Weinanalen eingegangen, konnte auch die letzte Flasche voll und ganz überzeugen.

Sehr ausgewogener und harmonischer Stoff, tolle Frucht u.a. mit Noten von Weichselkirschen und etwas Pflaume, immer noch schön voll und "fleischig"; reife und weiche Tannine, eine schöne Spur Mineralität zieht sich durch den Wein, sehr ausgewogene Säure; wirklich fein und elegant mit sehr guter Länge.

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1990 bis 1999 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 3)

1990 / 93 Punkte – Ja – hallo, da wird man wieder wach. Ein eher mittelgewichtiger Tropfen, habe wohl vor lauter Aufregung vergessen, detaillierte  Notizen zu machen und so lese ich heute: „schöner Saft“, „unglaublich saftig“ und „gute, saftige Frucht“ – ja was soll ich Euch sagen? Der Wein ist saftig ;-))) Dazwischen habe ich notiert: „eher dunklelrote Beerenfrucht, wirkt erstaunlich jung, subtile Fruchtfülle, very charming.

 

1991 / 96 Punkte – Für mich der Wein der Verkostung !!!!!!! Nicht nur dass diesen Jahrgang ein goldenes Etikett ziert (nicht, weil man erkannt hat, dass dieser Jahrgang vielleicht der größte bis dato produzierte Wein ist, sondern weil man auf eine 100-jährige Weingutgeschichte zurückschaut), sondern hier stimmt einfach alles!  Dieser Wein hat eine große Goldmedaille verdient. Sofern ich mich recht erinnere meinte mein amerikanisch-schweizerischer Tischnachbar: „Just great“, viel mehr braucht man einfach nicht zu sagen. Dieser Wein hat alle Komponenten eines großen Weins: perfekt strukturiert, tief und komplex in der Aromatik, kühl in der Anlage, substanziell und sehr elegant, aufregende Länge, großer Nachhall. Die Frucht ist vielschichtig, eher schwarzbeerig; feine Extraktsüße, Graphit- und Trüffelnoten, um nur ein paar Eindrücke zu nennen, aber letztlich reicht: „Just great“.

 

 

1992 / 92 Punkte – Auch dieser Jahrgang weiß durchaus zu begeistern, er ist dem 90er recht ähnlich, die Frucht ist immens, man kann fast noch von Primärfrucht sprechen, tief und nachhaltig – mit angenehmer Komplexität und gutem Saft ausgestattet, auch eine gewisse mineralische Note ist erkennbar. Der 92er zeigt eine schöne Dichte und endet lang auf der Frucht.  Der Wein besitzt gute Anlagen, um viele weitere Jahre (mind. 10)  in Würde zu altern und um dabei viel Genuss zu bereiten. 

 

1993 / 89 Punkte – Die Nase wirkt sehr kühl; am Gaumen ein fester, strukturierter Monte Bello mit griffigen Tanninen und einer feiner Bitterkeit in der Frucht. Noten von Eukalyptus und Minze unterstützen den kühlen Eindruck, den man schon in der Nase erkennen kann. Für mich ein Wein, wie ein sehr guter Cru Bourgeois aus dem Haut Medoc. Jetzt gut zu trinken, eine weitere Qualitätssteigerung in den nächsten Jahren halte ich für unwahrscheinlich.

 

1994 / 91 Punkte – Leider habe ich bei diesem und dem nächsten Wein immer weniger Notizen gemacht, da das Essen lecker war und ich mit dem Tempo beim Ausschenken nicht mehr ganz mitkam. Die Nase wirkt tief und dunkel, am Gaumen ein fest strukturierter Wein, mit griffigen Tanninen. Die Frucht ist eher schlank; der Wein hat wenig Fett auf den Rippen. Auf der anderen Seite zieht er sich schön und gleichmäßig durch und endet mit einer wirklich guten Länge. Vielleicht der Aristokrat unter den 90er Jahrgängen.

 

1995 / 93 Punkte – Der dritte Jahrgang in Folge bei dem mir die Kühle in der Nase positiv auffällt. Der 95er zeigt jedoch die tiefste Frucht und ist noch eine Spur frischer als seine beiden Vorgänger. Obendrein hat er etwas mehr Fett auf den Rippen, sodass er deutlich saftiger und fruchtiger wirkt. Auffallend an diesem Jahrgang ist auch eine erkennbare Mineralik. Die Cuvee besteht aus einer Cuvee von 69% Cabernet Sauvignon, 18% Merlot, 10% Petit Verdot und 3% Cabernet Franc. Parker berichtet, dass Paul Draper in diesem Jahrgang extrem selektioniert hat und nur 25% der Ernte in den Wein gegangen sind.

 

1996 / 94 Punkte – Erstmals nach dem Ausschenken ein leichter Stinker im Glas, der jedoch recht schnell verfliegt. Die Cuvee kommt dieses Jahr ohne Cabernet Franc aus und besteht aus 80% Cabernet Sauvignon, 11% Merlot und 9% Petit Verdot. In meinen Notizen steht „Kraftvoll !!!“ Die Ausrufungszeichen belegen, was mir von diesem Wein in Erinnerung geblieben ist – dieser Jahrgang hat Power und eine wunderbare Stoffigkeit. Die Frucht ist eng gewoben und die Frische, die er an Tag legt, ist bemerkenswert. Ein Wein, der noch ein langes Leben vor sich hat – wer diesen Jahrgang irgendwie zu fassen bekommt, sollte zuschlagen. Feine Bitternoten geben der ansonsten saftigen und beerigen Frucht eine zusätzliche Dimension. Komplexer Stoff, der auch wieder diese Mineralität zeigt, die schon seinen Jahrgangsvorgänger auszeichnete.

 

1997 / 92 Punkte – Auch diesem Jahrgang merkt man seine 10 Jahre Alter kaum an, er wirkt ungemein jung und frisch. Eine schöne tiefe, recht saftige  Aromatik von dunklen, aber eher roten Beeren; Lakritze sowie eine sehr gut eingebundene Holzaromatik/-würze überzeugen auch in diesem Jahr.

 

1998 / 88 Punkte – Der 98er ist sicherlich der schwächste Wein aus dem Flight: Mitte/Ende 90er Jahre. Er wirkt trotz des recht hohen Merlot-Anteils (70% CS, 24% Merlot, 5% Petit Verdot und 1% Cabernet Franc) streng erzogen. Zwar ist die Frucht recht dicht und saftig, aber die hohe Säure lässt ihn etwas eckig und kantig erscheinen; es mangelt ihm ein wenig an Finesse.

 

1999 / 91 Punkte – Der letzte Jahrgang des alten Jahrtausends strömt mit viel Saft und Kraft in den Mund. Extraktreich und immer noch primärfruchtig; Aromen von Wildkirschen, Kakao, Lakritz und Schokolade zeugen von einer guten Verbindung aus Frucht und Holz; recht komplex.