1994 Cabernet Sauvignon Alexander Valley, Silver Oak – Napa Valley

92 Punkte – geschmeidiger Stoff aus der Magnum. Rund, weich, ausdrucksvolle Frucht, hedonistisch und trinkig, herrlich „wegzuschlabbern“. Da ist alles am richtigen Fleck, wunderbar gereift, schöne Balance, mürbe Tannine, sämig, dunkle Beeren, Brombeeren, ein wenig Schoki. Die ganz große Tiefe fehlt ihm, aber das „Zeug“ zum geschmorten Kalb – herrlich!!!!!

1994 Chardonnay Grand Select, Weingut Wieninger – Wien

85 Punkte – Schon erstaunlich, wie stark dieser Chardonnay noch von jung wirkenden Holzaromen beeinflusst ist. Die Nase zeigt deutliche Barriquenoten, Buttertoffee, aber zu Beginn auch eine leichte Sauerkrautnote, die mit zunehmender Luft im Glas sich etwas abbaut und floralen Anklängen weicht. Der Eindruck, den dieser Wein in der Nase hinterlässt, ist intensiv, aber leider auch etwas grob. Am Gaumen ebenfalls laktische Noten, dazu eine schöne Citrus-Apfelfrucht mit guter Säurestruktur; recht langer Abgang. Ein Chardonnay im internationalen Stil, wie er lange en vogue war, heute aber eher unpopulär ist. Mit hat er trotzdem ganz gut gefallen und meine Hand ging durchaus zum Glas, auch wenn er insgesamt eher etwas  holprig geschnitzt ist; mit seinen 13,5% Alkohol ist er auch nicht zu fett.  

 

1994 Côte Rôtie Cuvee La Modorée M. Chapoutier Rhone

95 Punkte – 

Diese Cuvee stammt aus Weinbergsparzellen mit 70-80 Jahre alten Rebstöcken, die direkt an Guigals berühmte Lage „La Turque“ angrenzen. Nicht ganz so teuer, aber für dieses Kleinod muss man schon tief in die Tasche greifen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass dieser Wein viel fürs Geld bietet. Die angenehm tiefe und nuancierte Nase wirkt kühl und offenbart Düfte von schwarzem Pfeffer, dunklen Beerenfrüchten, Wacholder, Oliven und Lorbeer. Am Gaumen ebenfalls kühl und sehr klar/rein. Die Tannine sind edel (wie der ganze Wein), der Körper ist mittelgewichtig und der nicht zu hohe Alkohol (12,8%) passt hervorragend dazu. Ein feiner, vielschichtiger, ja aristokratischer Tropfen, der seine Noblesse bis in das lange Finale behält. Der Wein wird auch in den nächsten 3,4,5 Jahren seine Klasse nicht verlieren (vorausgesetzt er war stets gut gelagert).

1994 bis 2004 Chateau La Tour de By – Medoc

10 Jahre Chateau La Tour de By

 

Vorab: Dies ist ein Bordeaux für Einsteiger mit einem sehr guten PLV (ca. € 13,-)

 

Abseits der üblichen Touristenwege liegt dieses Chateau im kleinen Ort Bégadan. Der Name des Weingutes leitet sich vom ehemaligen Leuchtturm von By ab, der 1825 aus den Mauerresten einer Getreidemühle errichtet wurde und fortan der Schiffen auf der Gironde den richtigen Weg wies.  Unweit davon, direkt am Flussufer, auf einer Kieskuppe liegt das Herrenhaus und Weingut Chateau La Tour de By. Man schaut auf eine bewegte Vergangenheit. 1599 gehörte das Lehen „de By“ noch Pierre Tizon; es blieb im Familienbesitz bis 1725 als es an den Grafen Louis de Gramont verkauft wurde. Die nachfolgenden Besitzer waren die Herrn de Lignac. Im Jahr 1860 wurde es schließlich von Alfred Rubichon erworben, der 1876 das heutige der Gironde zugewandte Château La Tour de By errichten ließ. Bis zu diesem Zeitpunkt hieß das Weingut noch „La Roque de By“ – unter diesem Namen wird heute der zweite Wein des Hauses vermarktet.

 

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts erwarb Julien Damoy das Weingut. Die nötigen finanziellen Mittel hatte er im Lebensmittelhandel in Paris verdient. Seine Nachfolge trat sein Schwiegersohn Chaumont aus Burgund an, der das Weingut auch bis 1961 – als es an den Abgeordneten Kaskoreff verkauft wurde – geführt hatte. Nur vier Jahre später wurde es erneut verkauft. Ein paar Nordafrikaheimkehrer waren auf der Suche nach preislich und qualitätsmäßig interessantem Terroir und wurden hier fündig. Die Herren Lapalu, Cailloux und Pages sorgten für die Wiedergeburt dieser Lage im nördlichen Medoc. Seit 1999 sind Marc Pages und seine Kinder die alleinigen Besitzer von Chateau La Tour de By. In vier Jahrzehnten hat es Marc (als ehemaliger Absolvent der landwirtschaftlichen Hochschule in Tunis) und seine Familie verstanden, das Cru Bourggeois Weingut auf den Level eines Grands Crus zu hieven.

 

Heute bewirtschaftet man 74 ha Rebland, wovon ca. 65% mit Cabernet Sauvignon, 30% mit Merlot, 3% mit Cabernet Franc und 2% mit Petit Verdot bestockt sind. Der Ausbau der Weine erfolgt in Eichenholzfässern, wovon ca. 30% pro Jahrgang neu angeschafft werden. Aus der Not machte Marc eine Tugend. Als zu Beginn der 70er Jahre die Weine schwer verkäuflich waren und die Bordelaiser negociants die Weine nicht abnehmen wollten, brach er mit dem für Bordeaux typischen Handelssystem und baute seine eigene Vertriebsstruktur auf. So werden heute über 1.000 Restaurants in Frankreich direkt beliefert und über 5.000 private Weinliebhaber sorgen dafür, dass die ca. 40.000 produzierten Kisten auch ihre Abnehmer finden.

 

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1990 bis 1999 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 3)

1990 / 93 Punkte – Ja – hallo, da wird man wieder wach. Ein eher mittelgewichtiger Tropfen, habe wohl vor lauter Aufregung vergessen, detaillierte  Notizen zu machen und so lese ich heute: „schöner Saft“, „unglaublich saftig“ und „gute, saftige Frucht“ – ja was soll ich Euch sagen? Der Wein ist saftig ;-))) Dazwischen habe ich notiert: „eher dunklelrote Beerenfrucht, wirkt erstaunlich jung, subtile Fruchtfülle, very charming.

 

1991 / 96 Punkte – Für mich der Wein der Verkostung !!!!!!! Nicht nur dass diesen Jahrgang ein goldenes Etikett ziert (nicht, weil man erkannt hat, dass dieser Jahrgang vielleicht der größte bis dato produzierte Wein ist, sondern weil man auf eine 100-jährige Weingutgeschichte zurückschaut), sondern hier stimmt einfach alles!  Dieser Wein hat eine große Goldmedaille verdient. Sofern ich mich recht erinnere meinte mein amerikanisch-schweizerischer Tischnachbar: „Just great“, viel mehr braucht man einfach nicht zu sagen. Dieser Wein hat alle Komponenten eines großen Weins: perfekt strukturiert, tief und komplex in der Aromatik, kühl in der Anlage, substanziell und sehr elegant, aufregende Länge, großer Nachhall. Die Frucht ist vielschichtig, eher schwarzbeerig; feine Extraktsüße, Graphit- und Trüffelnoten, um nur ein paar Eindrücke zu nennen, aber letztlich reicht: „Just great“.

 

 

1992 / 92 Punkte – Auch dieser Jahrgang weiß durchaus zu begeistern, er ist dem 90er recht ähnlich, die Frucht ist immens, man kann fast noch von Primärfrucht sprechen, tief und nachhaltig – mit angenehmer Komplexität und gutem Saft ausgestattet, auch eine gewisse mineralische Note ist erkennbar. Der 92er zeigt eine schöne Dichte und endet lang auf der Frucht.  Der Wein besitzt gute Anlagen, um viele weitere Jahre (mind. 10)  in Würde zu altern und um dabei viel Genuss zu bereiten. 

 

1993 / 89 Punkte – Die Nase wirkt sehr kühl; am Gaumen ein fester, strukturierter Monte Bello mit griffigen Tanninen und einer feiner Bitterkeit in der Frucht. Noten von Eukalyptus und Minze unterstützen den kühlen Eindruck, den man schon in der Nase erkennen kann. Für mich ein Wein, wie ein sehr guter Cru Bourgeois aus dem Haut Medoc. Jetzt gut zu trinken, eine weitere Qualitätssteigerung in den nächsten Jahren halte ich für unwahrscheinlich.

 

1994 / 91 Punkte – Leider habe ich bei diesem und dem nächsten Wein immer weniger Notizen gemacht, da das Essen lecker war und ich mit dem Tempo beim Ausschenken nicht mehr ganz mitkam. Die Nase wirkt tief und dunkel, am Gaumen ein fest strukturierter Wein, mit griffigen Tanninen. Die Frucht ist eher schlank; der Wein hat wenig Fett auf den Rippen. Auf der anderen Seite zieht er sich schön und gleichmäßig durch und endet mit einer wirklich guten Länge. Vielleicht der Aristokrat unter den 90er Jahrgängen.

 

1995 / 93 Punkte – Der dritte Jahrgang in Folge bei dem mir die Kühle in der Nase positiv auffällt. Der 95er zeigt jedoch die tiefste Frucht und ist noch eine Spur frischer als seine beiden Vorgänger. Obendrein hat er etwas mehr Fett auf den Rippen, sodass er deutlich saftiger und fruchtiger wirkt. Auffallend an diesem Jahrgang ist auch eine erkennbare Mineralik. Die Cuvee besteht aus einer Cuvee von 69% Cabernet Sauvignon, 18% Merlot, 10% Petit Verdot und 3% Cabernet Franc. Parker berichtet, dass Paul Draper in diesem Jahrgang extrem selektioniert hat und nur 25% der Ernte in den Wein gegangen sind.

 

1996 / 94 Punkte – Erstmals nach dem Ausschenken ein leichter Stinker im Glas, der jedoch recht schnell verfliegt. Die Cuvee kommt dieses Jahr ohne Cabernet Franc aus und besteht aus 80% Cabernet Sauvignon, 11% Merlot und 9% Petit Verdot. In meinen Notizen steht „Kraftvoll !!!“ Die Ausrufungszeichen belegen, was mir von diesem Wein in Erinnerung geblieben ist – dieser Jahrgang hat Power und eine wunderbare Stoffigkeit. Die Frucht ist eng gewoben und die Frische, die er an Tag legt, ist bemerkenswert. Ein Wein, der noch ein langes Leben vor sich hat – wer diesen Jahrgang irgendwie zu fassen bekommt, sollte zuschlagen. Feine Bitternoten geben der ansonsten saftigen und beerigen Frucht eine zusätzliche Dimension. Komplexer Stoff, der auch wieder diese Mineralität zeigt, die schon seinen Jahrgangsvorgänger auszeichnete.

 

1997 / 92 Punkte – Auch diesem Jahrgang merkt man seine 10 Jahre Alter kaum an, er wirkt ungemein jung und frisch. Eine schöne tiefe, recht saftige  Aromatik von dunklen, aber eher roten Beeren; Lakritze sowie eine sehr gut eingebundene Holzaromatik/-würze überzeugen auch in diesem Jahr.

 

1998 / 88 Punkte – Der 98er ist sicherlich der schwächste Wein aus dem Flight: Mitte/Ende 90er Jahre. Er wirkt trotz des recht hohen Merlot-Anteils (70% CS, 24% Merlot, 5% Petit Verdot und 1% Cabernet Franc) streng erzogen. Zwar ist die Frucht recht dicht und saftig, aber die hohe Säure lässt ihn etwas eckig und kantig erscheinen; es mangelt ihm ein wenig an Finesse.

 

1999 / 91 Punkte – Der letzte Jahrgang des alten Jahrtausends strömt mit viel Saft und Kraft in den Mund. Extraktreich und immer noch primärfruchtig; Aromen von Wildkirschen, Kakao, Lakritz und Schokolade zeugen von einer guten Verbindung aus Frucht und Holz; recht komplex.

1994 Domaine Pégau, Cuvée Laurence / Rhône, Châteauneuf du Pape

92 Punkte – Das Bukett ist recht ursprünglich und wild, man könnte auch bäuerlich sagen: animalische Noten, Stall und garrique (Thymian und Muskatnuss) kommen genauso vor wie rote Früchte. Am Gaumen wirkt Laurence recht heiß und wild, urwüchsig, mit guter Säure und einer erstaunlich feinen Süße. Insgesamt ist der Wein harmonisch und überzeugt mit seinem selbständigen Charakter, auch wenn er in der Mitte am Gaumen einen kleinen Hänger zeigt. Eine schöne Länge rundet den positiven Eindruck ab.

 

1994 Rosemount Estate – Balmoral / Australien

94 Punkte : Welch eine Überraschung ist dieser die Sinne schmeichelnde 94er Balmoral. Zu  dieser fast aristokratischen, reifen, fein-saftigen und differenzierten   Frucht (alle Arten von Waldbeeren sowie hauchzarte,  süß-würzige Aromen)


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