1993 Chateau Valandraud – Bordeaux (Top of the Pops)

90 Punkte – Das Pendant in diesem fünftem 2er-Flight, der 1982er Grand-Puy-Lacoste hatte leider einen schleichenden Kork und war kein Vergnügen (daher ohne Bewertung). Umso erfreuter war ich als ich die Nase bei diesem Wein zum ersten Mal ins Glas hielt. Zwar hatte ich zu Beginn eine Assoziation mit Pferdemist (aber man kann es ja auch etwas freundlicher formulieren und von Pferdebox oder –stall reden), aber dann zeigte dieser immer noch sehr jung wirkende Wein sowohl in der Nase, was in ihm steckt: viel Röstaromen, Schokolade und grüner Tabak – insgesamt etwas uneben und vielleicht sogar ein Hauch bäuerlich, aber andererseits gefallen mir die Frucht und die Eindrücke von wilden schwarzen Beeren, Wachholder und Lorbeer, gepaart mit etwas grünem Paprika. Am Gaumen hält er leider nicht ganz das, was die Nase verspricht, denn die Frucht ist den etwas grün wirkenden Tanninen nicht mehr ganz gewachsen

1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg, Karthäuserhof – Mosel (Top of the Pops)

92 Punkte – Sozusagen  zur Einstimmung gab es den einzig „offen“ ausgeschenkten Wein an diesem Abend. Aus der Magnum kam ein prachtvoller 1993 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese Goldkapsel ins Glas. Mich faszinierte insbesondere sein glockenklarer Ausdruck. Am Gaumen immer noch unglaublich saftig, dicht und jung, mit viel gelben (kandierten) Früchten und deutlichen Ananasanklängen. Neben einem wirklich schönen Spiel zwischen Süße und Säure, zeigt dieser immerhin schon 17 Jahre alte Riesling eine Mineralität, die vom Feinsten ist, und da er erst am Beginn seiner Reife ist, dürfte man noch viele, viele Jahre ganz viel Freude an diesem Musterexemplar haben.

1993 Chateau Cos d‘ Estournel – Saint Estephe

87 Punkte – Irgendwie ein ambivalenter Wein, einerseits eine recht deliklate Nase, dunkel, würzig und mit erkennbarer Tiefe; auch auf der Zunge mit recht guter Struktur und sehniger Kraft, andererseits fehlt etwas der Charme. Angenehme Säure und dunkle Aromatik auf der Zunge, Rostbraten, etwas Lakritz. Letzten Endes muss man jedoch sagen, dass die ca. 40-60 Euro, die man für diesen Grand Cru Classe ausgeben muss, auch für deutlich kleineres Geld als Cru Bourgeois aus anderem Jahrgang bekommen.

1993 Cabernet Sauvignon 12th Anniversary, La Jota Vineyards – Napa Valley

94 Punkte – Ein wunderbarer Cabernet Sauvignon aus Californien. Eine nahezu perfekte Symbiose zwischen lebendiger Frucht, schönen, ausgereiften Tanninen (kraftvoll, aber weich) und einer guten Säurestruktur. Das Ganze ist eingebaut in einen wohl definiertenn und kräftigen Körper. Keine Trinkmarmelade, sondern  ein Wein mit einer ausdrucksvollen, dunklen und Genuss spendenden  Frucht. Schöner Saft; aber auch ein differenzierter, vielschichtiger Charakter, mit dem man sich lange beschäftigen kann. Ein hedonistischer Wein. Frauen würden diesen "californischen Beau" wohl so beschreiben:  "lebensfroher, sonnenverwöhnter Intellektueller, der  zum Anbeissen aussieht und umwerfend riecht.

Schöne webpage: http://www.lajotavineyardco.com/

1990 bis 1999 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 3)

1990 / 93 Punkte – Ja – hallo, da wird man wieder wach. Ein eher mittelgewichtiger Tropfen, habe wohl vor lauter Aufregung vergessen, detaillierte  Notizen zu machen und so lese ich heute: „schöner Saft“, „unglaublich saftig“ und „gute, saftige Frucht“ – ja was soll ich Euch sagen? Der Wein ist saftig ;-))) Dazwischen habe ich notiert: „eher dunklelrote Beerenfrucht, wirkt erstaunlich jung, subtile Fruchtfülle, very charming.

 

1991 / 96 Punkte – Für mich der Wein der Verkostung !!!!!!! Nicht nur dass diesen Jahrgang ein goldenes Etikett ziert (nicht, weil man erkannt hat, dass dieser Jahrgang vielleicht der größte bis dato produzierte Wein ist, sondern weil man auf eine 100-jährige Weingutgeschichte zurückschaut), sondern hier stimmt einfach alles!  Dieser Wein hat eine große Goldmedaille verdient. Sofern ich mich recht erinnere meinte mein amerikanisch-schweizerischer Tischnachbar: „Just great“, viel mehr braucht man einfach nicht zu sagen. Dieser Wein hat alle Komponenten eines großen Weins: perfekt strukturiert, tief und komplex in der Aromatik, kühl in der Anlage, substanziell und sehr elegant, aufregende Länge, großer Nachhall. Die Frucht ist vielschichtig, eher schwarzbeerig; feine Extraktsüße, Graphit- und Trüffelnoten, um nur ein paar Eindrücke zu nennen, aber letztlich reicht: „Just great“.

 

 

1992 / 92 Punkte – Auch dieser Jahrgang weiß durchaus zu begeistern, er ist dem 90er recht ähnlich, die Frucht ist immens, man kann fast noch von Primärfrucht sprechen, tief und nachhaltig – mit angenehmer Komplexität und gutem Saft ausgestattet, auch eine gewisse mineralische Note ist erkennbar. Der 92er zeigt eine schöne Dichte und endet lang auf der Frucht.  Der Wein besitzt gute Anlagen, um viele weitere Jahre (mind. 10)  in Würde zu altern und um dabei viel Genuss zu bereiten. 

 

1993 / 89 Punkte – Die Nase wirkt sehr kühl; am Gaumen ein fester, strukturierter Monte Bello mit griffigen Tanninen und einer feiner Bitterkeit in der Frucht. Noten von Eukalyptus und Minze unterstützen den kühlen Eindruck, den man schon in der Nase erkennen kann. Für mich ein Wein, wie ein sehr guter Cru Bourgeois aus dem Haut Medoc. Jetzt gut zu trinken, eine weitere Qualitätssteigerung in den nächsten Jahren halte ich für unwahrscheinlich.

 

1994 / 91 Punkte – Leider habe ich bei diesem und dem nächsten Wein immer weniger Notizen gemacht, da das Essen lecker war und ich mit dem Tempo beim Ausschenken nicht mehr ganz mitkam. Die Nase wirkt tief und dunkel, am Gaumen ein fest strukturierter Wein, mit griffigen Tanninen. Die Frucht ist eher schlank; der Wein hat wenig Fett auf den Rippen. Auf der anderen Seite zieht er sich schön und gleichmäßig durch und endet mit einer wirklich guten Länge. Vielleicht der Aristokrat unter den 90er Jahrgängen.

 

1995 / 93 Punkte – Der dritte Jahrgang in Folge bei dem mir die Kühle in der Nase positiv auffällt. Der 95er zeigt jedoch die tiefste Frucht und ist noch eine Spur frischer als seine beiden Vorgänger. Obendrein hat er etwas mehr Fett auf den Rippen, sodass er deutlich saftiger und fruchtiger wirkt. Auffallend an diesem Jahrgang ist auch eine erkennbare Mineralik. Die Cuvee besteht aus einer Cuvee von 69% Cabernet Sauvignon, 18% Merlot, 10% Petit Verdot und 3% Cabernet Franc. Parker berichtet, dass Paul Draper in diesem Jahrgang extrem selektioniert hat und nur 25% der Ernte in den Wein gegangen sind.

 

1996 / 94 Punkte – Erstmals nach dem Ausschenken ein leichter Stinker im Glas, der jedoch recht schnell verfliegt. Die Cuvee kommt dieses Jahr ohne Cabernet Franc aus und besteht aus 80% Cabernet Sauvignon, 11% Merlot und 9% Petit Verdot. In meinen Notizen steht „Kraftvoll !!!“ Die Ausrufungszeichen belegen, was mir von diesem Wein in Erinnerung geblieben ist – dieser Jahrgang hat Power und eine wunderbare Stoffigkeit. Die Frucht ist eng gewoben und die Frische, die er an Tag legt, ist bemerkenswert. Ein Wein, der noch ein langes Leben vor sich hat – wer diesen Jahrgang irgendwie zu fassen bekommt, sollte zuschlagen. Feine Bitternoten geben der ansonsten saftigen und beerigen Frucht eine zusätzliche Dimension. Komplexer Stoff, der auch wieder diese Mineralität zeigt, die schon seinen Jahrgangsvorgänger auszeichnete.

 

1997 / 92 Punkte – Auch diesem Jahrgang merkt man seine 10 Jahre Alter kaum an, er wirkt ungemein jung und frisch. Eine schöne tiefe, recht saftige  Aromatik von dunklen, aber eher roten Beeren; Lakritze sowie eine sehr gut eingebundene Holzaromatik/-würze überzeugen auch in diesem Jahr.

 

1998 / 88 Punkte – Der 98er ist sicherlich der schwächste Wein aus dem Flight: Mitte/Ende 90er Jahre. Er wirkt trotz des recht hohen Merlot-Anteils (70% CS, 24% Merlot, 5% Petit Verdot und 1% Cabernet Franc) streng erzogen. Zwar ist die Frucht recht dicht und saftig, aber die hohe Säure lässt ihn etwas eckig und kantig erscheinen; es mangelt ihm ein wenig an Finesse.

 

1999 / 91 Punkte – Der letzte Jahrgang des alten Jahrtausends strömt mit viel Saft und Kraft in den Mund. Extraktreich und immer noch primärfruchtig; Aromen von Wildkirschen, Kakao, Lakritz und Schokolade zeugen von einer guten Verbindung aus Frucht und Holz; recht komplex.