Clos Mogador – Vertikalverkostung 1991, 1992, 1995, 1997, 2002, 2006

Am 15. Mai war René Barbier zu Besuch bei Mövenpick in Düsseldorf. Ein paar Infos zur Bodega und zum Winzer hatte ich bereits bei der Terminankündigung geschrieben (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=412). Der Abend war sehr unterhaltsam und erkenntnisreich. Da nicht alle Teilnehmer Spanisch oder Französisch (René parliert perfekt in Französisch) sprachen, war es eine große Freude, dass eine junge Dame jede Frage und Antwort perfekt übersetzte. Sie war nicht nur fließend in beiden Sprachen, sondern besaß auch erhebliche Kenntnisse über Wein und – Dank eines Praktikums vor Ort – über die Bodega Clos Mogador.

Die größte Überraschung für mich war, dass René die Rebstöcke mehr oder weniger sich selbst überlässt. Er versucht nur minimalen Einfluss zu nehmen, um so einen möglichst hohen Ausdruck des terroirs zu erzielen. Für mich ist dies auch ein plausibler Grund, warum so große Unterschiede zwischen den einzelnen Jahrgängen bestehen.

 

Gestartet sind wir in die Verkostung mit dem 2006er Jahrgang des Manyetes; danach folgten sieben verschiedene Jahrgänge vom Clos Mogador.

 

 

2006 Manyetes, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

90 Punkte – Die Trauben für diesen Stoff stammen zu 70% von alten Cariñena-Rebstöcken (im Schnitt ca. 70 Jahre alt); die verbleibenden 30% sind Garnacha. Zu Beginn ätherisch-kühl. Mittelgewichtig, wirkt sehr mineralisch, mit einer schönen Saftigkeit (Pflaumensaft, Waldfrüchte) ausgestattet, dazu ein angenehme Würzigkeit und Aromen von  Tinte und Veilchen. Gut gefallen haben mir die feinsandigen Tannine, die dem Wein ein gutes und stabiles Rückgrad geben. Rene Barbier führte aus, dass der Manyetes die Mineralität schon in seiner Jugend deutlich hervorbringt, der Clos Mogador dafür mehrere Jahre Flaschenreife benötigt. Die Rebstöcke für den Manyetes stehen auf den ärmsten Böden, die im Sommer sehr, sehr heiß werden und diese Hitze lange speichern. Rene Barbier sagte, dass die Cariñena-Reben dann ziemlich im Stress sind, so aber auch die Ausbildung der Mineralität deutlich unterstützt wird.

 

 

1991 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – Der Wein kam mir vor wie ein reifer Mix aus Burgunder und Bordeaux; in der Entwicklung schon ziemlich weit fortgeschritten; eher schlanker Ansatz; Noten von rotem Tee (Hagebutte, Malve und Kirsche); deutliche Mineralität, fast ein wenig staubig. Irgendwie war ich mir nicht sicher, ob das nun ein eleganter Wein ist, der durch seine Mineralität ein wenig spröde wirkt, oder ob er auf Grund des Alters schon ein wenig karg ist und er sich jetzt zwar noch interessant präsentiert, aber die besten Zeiten schon hinter sich hat. 13,5% Alkohol / ca. 6.000 Flaschen produziert.

 

 

1992 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – Ab diesem Jahrgang wurde nur Lesegut der eigenen Weinberge (davor wurden Trauben in der Region zugekauft, u.a. aus dem berühmten Weinberg l’Ermita) verarbeitet. Im Gegensatz zum Vorgänger-Jahrgang ist der 92er ein Ausbund an Jugendlichkeit. Die dichte, ausdrucksvolle Aromatik ist interessant und betörend zugleich. Einerseits ein saftiger, beeriger Eindruck (Heidelbeeren; Amarenakirschen), andererseits offenbart der 92er Clos Mogador einen Eindruck von Sommerwiese (mit Noten von Kornblumen und Veilchen) und Herbstlaub (erdige Noten). Kombiniert mit der sämigen Süße und den weichen, feinsandigen Tanninen ging meine Hand leicht zum Glas gehen und mit großer Freude genoss ich, dass es noch einen Schluck „Nachschlag“ gab. 14% Alkohol.

 

 

1995 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


91 Punkte – Der letzte Jahrgang Clos Mogador, der ohne Cariñena vinifiziert wurde. Die Cuvée bestand bis dato aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Syrah. Die 95er Ausgabe ist sehr tief in der Farbe; am Gaumen und in der Nase weich, wirkt noch primärfruchtig und besitzt eine leicht überreife Süße. Weiblich rund und sehr apart, dabei tiefe Geschmacksanlagen: Waldbeeren, Rumfrüchte und ein wenig rauchig.

 

Zu Beginn hatte ich bei diesem Wein einen Korkverdacht, der sich aber nicht bestätigte. Eine gute Hilfe bei der Überprüfung, ob man einen TCA (Korkschmecker) hat oder nicht, ist, wenn man einen kleinen Schluck Wein in ein Glas mit Wasser gibt. Riecht dieser Mix immer noch muffig, dann ist der Wein 100%ig korkig.

 

Rene Barbier berichtete, dass viele Menschen, bei seinen Weinen zu Beginn einen Korkverdacht haben, doch für ihn ist das ein Ausdruck des terroirs beim Clos Mogador und absolut typisch. Nun ja, über diese Aussage ließe sich wohl diskutieren, aber an so einem Abend lässt man das. Meiner Meinung nach könnte dies auch ein Ausdruck von nicht ganz sauberer Kellerarbeit (der neue, unterirdische Keller ging 1997 in Betrieb) bzw. recht hoher Schwefelgabe sein. Aber das ist nur eine vage Vermutung…. Letztlich zählt das, was im Glas ist, und  das war nach etwas Luft zum Atmen hervorragend!! 14,7% Alkohol.

 

 

1997 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


93+ Punkte – Was für ein barocker Wein. Mir fielen gleich ein paar ebensolche Frauen ein, aber nur wenige bringen diese üppigen Kurven mit so viel Lebensfreude, Unbekümmertheit und ländlicher Anmut zusammen – eine Mischung Ina Müller und kräftig gebauter Landfrau mit Stil und Charme.  

 

Die Frucht wirkte zwar geschmacklich etwas überreif, aber trotzdem erzeugt der Wein ein kühles Mundgefühl. Sehr ätherische Noten: Lavendel, Eisenkraut, Thymian, dazu ein Hauch Menthol und Tabak. Auch wenn der Wein etwas strukturierter sein könnte, macht es sooo viel Spaß ihn zu trinken und es ist erstaunlich wie gut dieser Wein – in einem ansonsten eher mittelmäßigen Jahrgang in Spanien – daherkommt. Später nochmals nachverkostet – der Wein legt weiter zu und gewinnt sogar noch etwas an Kontur. 14% Alkohol.

 

 

2002 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – das Jahr war kein unspannendes für die Winzer im Priorat, denn es gab in dieser ansonsten sehr heißen Region relativ viel Regen. Doch ich bin der Überzeugung, dass gerade die steinigen, schiefrigen Böden gut geeignet sind, das Wasser in tiefere Schichten abzuführen, sodass die Trauben sich nicht zu dick und wässrig werden. Auf der anderen Seite ist in solchen Jahren eine gute Reb- und Laubarbeit gefragt, damit die Trauben gut abtrocknen können und die Pilze kein zu leichtes Spiel haben.

 

Die 2002er Ausgabe des Clos Mogador zeigt eine angenehme Kühle in der Nase mit einer schönen Brombeer- und Heidelbeerfrucht. Am Gaumen recht straff und mit viel Biss. In der Aromatik einem Chateauneuf du Pape nicht ganz unähnlich; mineralischer Ansatz, Aromen von Pflaumen, roten Früchten und Mirabellen, recht kühl; sowohl die Tannine als auch die Säure sind etwas straffer als in anderen Jahren, aber ich empfinde das durchaus positiv; schöne Länge. 14,5% Alkohol.

 

 

2003 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – 2003 war das große Hitzejahr in ganz Europa und in ganz Europa entstanden äußerst ungewöhnliche Weine: häufig fett und mit viel Alkohol ausgestattet. Viele sprachen vom Jahrhundertjahrgang (und vom Wetter war er das auch!!) und bei dem Gedanken, dass Alkohol ein Geschmacksträger ist, wird mir ganz „plummerant“ – müssen da die Weine nicht supertoll schmecken?

 

NEIN – sie müssen nicht, denn egal in welchem Land oder Landstrich man sich auf der nördlichen Halbkugel auch befindet, die Weine sind regelmäßig zu alkoholisch, zu breit, haben zu wenig Säure und sind folglich zu unausgewogen.

 

Auch beim 2003er Clos Mogador ist der Jahrgang deutlich erkennbar: würzig, warme Aromatik; Noten von Rumtopf und (über-)reifer Frucht. Im Glas zeigt er schon eine erstaunlich reife Farbe. Die Fruchtsüße, der dichte Saft und der hohe Extrakt stehen auf der „Habenseite“ der Bilanz dieses Weines. Im Soll sind zu verbuchen: die aromatische Breite, eine gewisse Unausgewogenheit sowie eine leichte Bitternote, die wahrscheinlich von der Überreife des Lesegutes stammt. Der Wein ist erstaunlich schnell gealtert, wahrscheinlich ist dies auch eine Folgeerscheinung der – im Vergleich zu an deren Jahrgängen – zu geringen Säure (?); 14,5% Alkohol.

 

2006 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


90 Punkte – Kühle, dunkle Frucht. Seidig und weich am Gaumen. Ausladende Primärfrucht mit Aromen von Himbeeren, Brombeeren, Pflaumen und Schokolade. Feinste Lindt-Schokolade und Amarena-Kirschen habe ich mir notiert. Die süße Frucht und der samtige Schmelz sind so auffällig, dass einige Probenteilnehmer vermuteten, dass der Sohn von Rene Barbier für diesen Jahrgang verantwortlich zeichnet und somit vielleicht ein neuer, etwas internationalerer Stil Einzug in den Keller gehalten hat. Aber schon bei der Frage, schüttelte Madame Barbier so heftig mit dem Kopf, dass klar wurde, Rene lässt sich das Zepter beim Rotwein noch nicht aus der Hand nehmen.

 

 

2007 Nelin, Bodegas Clos Mogador – Priorat


89 Punkte – Mit dem weißen 2007er Nelin wurde doch noch das Können vom Filius der Familie vorgestellt. Die Cuvee im Jahr 2007 besteht aus 54% Garnacha, 10% Viognier, 9% Pinot (weiß gegeltert), 13% Rousanne, 8% Macabeu und 6% Pedro Ximenez und Marsane. Der Wein wurde 9 Monate im Barrique ausgebaut; er hat 14% Alkohohl, 5,9 Gramm Säure/Liter und einen Restzucker von 0,5 Gramm/Liter.

 

Im Glas hat der Wein einen leichten Lachston, was von den weiß gekelterten Rotweintrauben stammen dürfte. Er duftet ein bisschen wie ein Neuer-Welt-Chardonnay, was auf den barrique-Einsatz zurückzuführen ist. Die Nase zeigt intensive, schöne Wiesen- und Blütendüfte, dazu eine deutliche Birnenfrucht; am Gaumen einem weißen Chateauneuf-du-Pape nicht unähnlich. Die deutliche Mineralik steht ihm gut; Assoziationen mit weißen Pfirsichen, grünen Bananen; Buttertrüffel und einem leichten Blütenhonig kommen mir beim „Kauen“ des Weines so in den Sinn. Schöner Stoff, den ich jedoch relativ jung (in den nächsten 1-4 Jahren) trinken würde, wenngleich ich beim weißen CdP etwas anderes rate: LIEGEN lassen.

1992 Grüner Veltliner „Rotes Tor“ Smaragd, Franz Hirtzberger – Wachau

 

86 Punkte – Diese Magnum hatte ich vor ca. 2 Jahren bei einer Auktion eines renommierten Auktionshauses erstanden und eigentlich war 1992 ein vom Witterungsverlauf sehr gutes Weinjahr in der Wachau (Einem späten Austrieb der Reben folgte ein Frühling, der mit einem Vegetationsvorsprung und einer recht frühen  Rebblüte vom 5. – 15. Juni abschloss. Ein sehr heißer und trockener Sommer bedingte einen frühen Lesebeginn mit sehr reifen Trauben). Aber nicht nur die Wetterdaten stimmten mich positiv für diesen Wein, denn vor einiger Zeit hatte ich bei Freunden in Frankfurt den gleichen Wein aus gleichem Jahr als Federspiel getrunken und war positiv überrascht, wie lebendig und frisch er noch im Glas stand.

 

Aber bei diesem Smaragd wollte sich die „Handbremse“ nicht lösen. In der Nase Eindrücke von mürben Äpfeln und gedecktem Apfelkuchen. Am Gaumen zwar immer noch mit Kraft, doch scheint er diese aus dem Alkohol zu ziehen, denn dieser steht leider etwas im Vordergrund. Vom Mundgefühl ein deutlich trockener Wein, der wenig Frucht erkennen lässt, aber auf der „Haben“-Seite eine kräftige Mineralität für sich verbuchen darf. Auch von der Säure ist er mir weich und verwaschen. Insgesamt leider nur ein durchschnittlicher Eindruck und ich glaube auch nicht, dass der Wein nochmals in eine bessere Phase kommt.

 

Sofern nicht eine falsche Lagerung für die Schwäche verantwortlich ist, kann ich es mir nur so erklären, dass die Federspiele noch rechtzeitig gelesen wurden und man bei den Smaragd-Weinen auf Grund der späten Lese Probleme mit den Säurewerten in den Trauben bekommen hat. Die allgemeine Jahrgangsbeschreibung der Vinea Wachau scheint diese These zu bestätigen, dort schreibt man über den 1992er: „Der Jahrgang bringt vollmundige, geschmeidige Weine, denen in der Jugend etwas die Säurepikanz fehlt.“ Da der Wein im Alter nicht an Säure zulegen kann, fehlt sie ihm wohl auch im Alter 😉

1990 bis 1999 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 3)

1990 / 93 Punkte – Ja – hallo, da wird man wieder wach. Ein eher mittelgewichtiger Tropfen, habe wohl vor lauter Aufregung vergessen, detaillierte  Notizen zu machen und so lese ich heute: „schöner Saft“, „unglaublich saftig“ und „gute, saftige Frucht“ – ja was soll ich Euch sagen? Der Wein ist saftig ;-))) Dazwischen habe ich notiert: „eher dunklelrote Beerenfrucht, wirkt erstaunlich jung, subtile Fruchtfülle, very charming.

 

1991 / 96 Punkte – Für mich der Wein der Verkostung !!!!!!! Nicht nur dass diesen Jahrgang ein goldenes Etikett ziert (nicht, weil man erkannt hat, dass dieser Jahrgang vielleicht der größte bis dato produzierte Wein ist, sondern weil man auf eine 100-jährige Weingutgeschichte zurückschaut), sondern hier stimmt einfach alles!  Dieser Wein hat eine große Goldmedaille verdient. Sofern ich mich recht erinnere meinte mein amerikanisch-schweizerischer Tischnachbar: „Just great“, viel mehr braucht man einfach nicht zu sagen. Dieser Wein hat alle Komponenten eines großen Weins: perfekt strukturiert, tief und komplex in der Aromatik, kühl in der Anlage, substanziell und sehr elegant, aufregende Länge, großer Nachhall. Die Frucht ist vielschichtig, eher schwarzbeerig; feine Extraktsüße, Graphit- und Trüffelnoten, um nur ein paar Eindrücke zu nennen, aber letztlich reicht: „Just great“.

 

 

1992 / 92 Punkte – Auch dieser Jahrgang weiß durchaus zu begeistern, er ist dem 90er recht ähnlich, die Frucht ist immens, man kann fast noch von Primärfrucht sprechen, tief und nachhaltig – mit angenehmer Komplexität und gutem Saft ausgestattet, auch eine gewisse mineralische Note ist erkennbar. Der 92er zeigt eine schöne Dichte und endet lang auf der Frucht.  Der Wein besitzt gute Anlagen, um viele weitere Jahre (mind. 10)  in Würde zu altern und um dabei viel Genuss zu bereiten. 

 

1993 / 89 Punkte – Die Nase wirkt sehr kühl; am Gaumen ein fester, strukturierter Monte Bello mit griffigen Tanninen und einer feiner Bitterkeit in der Frucht. Noten von Eukalyptus und Minze unterstützen den kühlen Eindruck, den man schon in der Nase erkennen kann. Für mich ein Wein, wie ein sehr guter Cru Bourgeois aus dem Haut Medoc. Jetzt gut zu trinken, eine weitere Qualitätssteigerung in den nächsten Jahren halte ich für unwahrscheinlich.

 

1994 / 91 Punkte – Leider habe ich bei diesem und dem nächsten Wein immer weniger Notizen gemacht, da das Essen lecker war und ich mit dem Tempo beim Ausschenken nicht mehr ganz mitkam. Die Nase wirkt tief und dunkel, am Gaumen ein fest strukturierter Wein, mit griffigen Tanninen. Die Frucht ist eher schlank; der Wein hat wenig Fett auf den Rippen. Auf der anderen Seite zieht er sich schön und gleichmäßig durch und endet mit einer wirklich guten Länge. Vielleicht der Aristokrat unter den 90er Jahrgängen.

 

1995 / 93 Punkte – Der dritte Jahrgang in Folge bei dem mir die Kühle in der Nase positiv auffällt. Der 95er zeigt jedoch die tiefste Frucht und ist noch eine Spur frischer als seine beiden Vorgänger. Obendrein hat er etwas mehr Fett auf den Rippen, sodass er deutlich saftiger und fruchtiger wirkt. Auffallend an diesem Jahrgang ist auch eine erkennbare Mineralik. Die Cuvee besteht aus einer Cuvee von 69% Cabernet Sauvignon, 18% Merlot, 10% Petit Verdot und 3% Cabernet Franc. Parker berichtet, dass Paul Draper in diesem Jahrgang extrem selektioniert hat und nur 25% der Ernte in den Wein gegangen sind.

 

1996 / 94 Punkte – Erstmals nach dem Ausschenken ein leichter Stinker im Glas, der jedoch recht schnell verfliegt. Die Cuvee kommt dieses Jahr ohne Cabernet Franc aus und besteht aus 80% Cabernet Sauvignon, 11% Merlot und 9% Petit Verdot. In meinen Notizen steht „Kraftvoll !!!“ Die Ausrufungszeichen belegen, was mir von diesem Wein in Erinnerung geblieben ist – dieser Jahrgang hat Power und eine wunderbare Stoffigkeit. Die Frucht ist eng gewoben und die Frische, die er an Tag legt, ist bemerkenswert. Ein Wein, der noch ein langes Leben vor sich hat – wer diesen Jahrgang irgendwie zu fassen bekommt, sollte zuschlagen. Feine Bitternoten geben der ansonsten saftigen und beerigen Frucht eine zusätzliche Dimension. Komplexer Stoff, der auch wieder diese Mineralität zeigt, die schon seinen Jahrgangsvorgänger auszeichnete.

 

1997 / 92 Punkte – Auch diesem Jahrgang merkt man seine 10 Jahre Alter kaum an, er wirkt ungemein jung und frisch. Eine schöne tiefe, recht saftige  Aromatik von dunklen, aber eher roten Beeren; Lakritze sowie eine sehr gut eingebundene Holzaromatik/-würze überzeugen auch in diesem Jahr.

 

1998 / 88 Punkte – Der 98er ist sicherlich der schwächste Wein aus dem Flight: Mitte/Ende 90er Jahre. Er wirkt trotz des recht hohen Merlot-Anteils (70% CS, 24% Merlot, 5% Petit Verdot und 1% Cabernet Franc) streng erzogen. Zwar ist die Frucht recht dicht und saftig, aber die hohe Säure lässt ihn etwas eckig und kantig erscheinen; es mangelt ihm ein wenig an Finesse.

 

1999 / 91 Punkte – Der letzte Jahrgang des alten Jahrtausends strömt mit viel Saft und Kraft in den Mund. Extraktreich und immer noch primärfruchtig; Aromen von Wildkirschen, Kakao, Lakritz und Schokolade zeugen von einer guten Verbindung aus Frucht und Holz; recht komplex.

Guigal-Probe im November 2006 / 5 Jahrgänge La Mouline, La Landonne und La Turque

Ein unglaublicher Abend !

 

Nach einem langen Wochenende auf dem Meraner Weinfestival und viele, viele  Weine später (die auch in 2006 wieder jede Aufmerksamkeit wert waren) erwartete mich am Montag, den 12.11.06 auf dem Pretzhof ein Highlight der besonderen Art. Ein Weinfreund aus Bottrop hatte seine Schatzkammer geöffnet und gemeinsam mit Karl und Ulli Mair vom Pretzhof, die für das leibliche Wohl und einen perfekten Rahmen gesorgt haben, eine Probe der Superlative organisiert. So nahm ein wunderbarer Abend seinen Lauf. Begleitet von – hervorragend mit den Weinen abgestimmten – Südtiroler Spezialitäten haben wir an diesem Abend folgende Guigal-Weine verkostet ? Halt!! Nein!! Ich habe nicht verkostet, sondern mit unglaublich viel Genuss jeden einzelnen Wein Schluck für Schluck getrunken:

 

1982 La Mouline

1982 La Landonne

1987 La Mouline

1987 La Landonne

1987 La Turque

1993 La Mouline

1993 La Landonne

1993 La Turque

1997 La Mouline

1997 La Landonne

1997 La Turque

1999 La Mouline

1999 La Landonne

1999 La Turque

1999 Rene Rostaing ? La Landonne

1999 J.M. Gerin ? La Landonne

 

Doch der Reihe nach! Gestartet wurde mit den beiden 82ern, La Turque gab es damals noch nicht, er erblickte erst 1985 das Licht der Welt. Um es vorweg zu nehmen, für mich die hedonistischsten Weine an diesem Abend. Zwar nicht mit der höchsten Punktzahl, aber so unglaublich vielschichtig, komplex, filigran und elegant, dass keine Wünsche offen blieben. Diese unglaubliche Finesse und Leichtigkeit ? ja fast schon ?Schwerelosigkeit? dieser Weine haben mich restlos begeistert. 1982 La Mouline (97 Punkte) ? wie öfters noch ? eine Nasenspitze vorne, feinste Noten von Speck, Rauch, verbrannter Erde, Eisen (wie in einer Schlosserei), kombiniert mit immer noch vorhandenen Fruchtnoten, unglaublich tief und komplex, Rosen, ein Wein, der alle paar Minuten neue Aromen offenbart, dabei die Leichtigkeit des Seins besitzt und mit unglaublicher Eleganz daherkommt, aber im Hintergrund Rückgrad zeigt und Struktur offenbart. Was für eine Länge, Hedonismus pur !! Der 1982er La Landonne (96 Punkte) zeigt noch eine Spur mehr Frucht, feinste rote Beeren, an Malven und Hagebuttentee erinnernd, auch ein Spaziergang durch den frühlingshaften Laubwald kommt mir in den Sinn; dicht, unglaublich tief und finessenreich, mineralische (kalkige) Noten, weich am Gaumen, für mich auf dem Höhepunkt des Trinkgenusses, unglaublich lang.

 

Der nächste Flight bestand aus der 87er Dreierbande. Der 1987er La Mouline (97+ Punkte) für mich auf Rang Eins ? sowohl von der Trinkreihenfolge als auch vom Genuss. Die kraftvolle Nase ist überwältigend, wirkt noch sehr jung kurz vor dem 20. Geburtstag des Weins. Deutlich dunkler und mit weniger Farbaufhellungen als der 5 Jahre ältere Bruder. Dieses Bild spiegelt sich auch am Gaumen wieder – man fragt sich, wo diese Kraft bei einem 87er herkommt?  Ein herrlicher Syrah: komplex, kraftvoll, voller Geheimnisse, die er nur nach und nach beim Trinken offenbart. Auch im 1987er La Landonne (96 Punkte) findet man diese Kraft wieder, die Tannine sind immer noch fest, das perfekte Säurespiel unterstreicht die Frucht und lässt sie voll erblühen. Gigantische Länge. Hier könnte ich mir vorstellen, dass der 87er La Landonne in ein paar Jahren noch besser ist. Zwischen beiden siedelt sich der 1987 La Turque (97 Punkte) an. Die Spur Pfefferminz hat mir bei dieser vielschichtigen und ätherischen Kräuternase besonders gut gefallen. Die feine Süße am Gaumen spielt hervorragend mit ihren Kollegen Säure, Tannin und Frucht, sodass dieser kraftvolle Wein  – bis in sein langes Finale ? das hält, was die Nase schon verspricht.

 

Der dritte Flight war sicherlich in dieser Runde ? relativ gesehen ? der schwächste, doch wirklich schwach war keiner dieser Weine. Mit Punkten zwischen 90 und 93 befindet sich Guigal mit seinen Paradepferden selbst in einem nicht starken Jahrgang auf einem Niveau, wo sich andere freuen würden  in Top-Jahren zu landen. La Mouline ist für mich – schon fast selbstredend – der primus inter pares. Der 1993er La Mouline (93 Punkte) offenbart zu Beginn etwas Kleber-Noten, dann eine sehr schöne und dichte Nase nach dunklen Früchten, gefolgt von einem eher runden und weichen Ansatz, am Gaumen Noten von Rauch und Speck, tiefe Frucht, schlanker und nicht ganz so tief wie die Vorgänger; dennoch gute Länge. Der 93er La Landonne (90 Punkte) hat zu Beginn ebenfalls eine leichte ?Klebernase?, ist leider nicht ganz so ausgewogen wie seine Vorgänger, im Körper eher mittelgewichtig. Die kräftige Säure zehrt an Balance und Finesse und mit ?nur? 90 Punkten bekommt dieser Weine die Schlusslaterne an diesem Abend. Eine sehr würdige Figur machte der 93er La Turque (91+ Punkte) ? so wie  La Mouline mit runder, recht dichter und angenehm süßer Frucht, eine schöne Saftigkeit offenbart er ebenfalls; am Gaumen auch etwas animalische Anklänge, leider ein wenig spitz der Alkohol; kraftvoll bis in den mittellangen Abgang.

 

Flight Nummer 4 war dann schon wieder großes Kino. Der 97er La Mouline (94 Punkte) diesmal nicht an vorderster Front ? wirkte noch unglaublich jung. In der Nase offenbarte sich eine üppige, herrliche Frucht; diverse Kräuter, aber auch Blut und Eisen waren mit im Spiel. Ein dichter, fast süßer Extrakt, auffallend die Cremigkeit und die milde Säure in diesem Jahrgang.  Der 97er La Landonne (95 Punkte) ist da anders, die Frucht ist deutlich eingepackt in ein kraftvolles Tannin, das aktuell etwas spröde wirkt. Am Gaumen ist er unglaublich tief, neben der wunderbaren Beerenfrucht ist er etwas stärker beeinflusst durch das Holz: Teer- und Mokkanoten weisen den Weg, aber auch Anklänge an grüne Tomaten und Sauerkraut mischen sich dazwischen.  Auffällig im Vergleich zu den Vorgänger-Jahrgängen ist die milde Säure. Trotzdem wirkt er vielschichtig und sehr klar, gute Länge. Last but not least der 97er La Turque (96 Punkte) ? zeigt eine 97er typische Frucht: sehr dicht und extraktsüß, Anklänge von Rumtopf, süßer Lakritz und Süßholz. Mit den 96 Punkten möchte ich aber nicht selbiges für diesen Wein raspeln, sondern mir gefällt das Spiel, die dieser Wein trotz aller Üppigkeit besitzt. Im Vergleich zu den beiden Jahrgangsbrüdern hat er die stärkste Säure, sodass er mir noch etwas mehr Trinkfreude bereitet. Langes, sehr fruchtbetontes Finale.

 

Nun der Hammer des Abends! Noch einmal werden alle Sinne wach und trotz des etwas fortgeschrittenen Alkoholeinflusses bin ich auf einmal wieder voll bei der Sache und kann gar nicht genug bekommen von dem Duft, der jetzt aus dem Glas strömt. Der 99er La Mouline (99 Punkte) hat alle Anlagen, die ein perfekter Wein benötigt ? eine überaus verschwenderische Aromenfülle eines Korbes voller reifer Früchte (besonders intensiv: reife Kirschen).  Die aromatische Komplexität und intensive Mineralität sind beeindruckend, dabei extrem klar und überaus präzise definiert. Säure, Tannin und Frucht sind perfekt aufeinander abgestimmt; wunderbarer, dichter, süßer Extrakt, dabei verspielt und gleichzeitig druckvoll ? nein, das ist kein Widerspruch, das ist groß! Die mineralische Frische trägt bis in den unglaublich langen Abgang. Noch vom La Mouline völlig eingenebelt und high, habe ich beim 99er La Landonne (98 Punkte) leider vergessen mir die Punkte zu notieren, aber im Nachhinein sind es mindestens gefühlte 98! Meine Notizen lauten: Grandiose Frucht, sehr viel Extrakt(süße), dabei sehr rauchig und speckig, ?Pah, packt der zu?, höre ich neben mir Karl Mair sagen und denke nur, wie recht er hat. Die sandigen Tannine, die herrliche Würzigkeit, Aromen von Speck, Teer und der Eindruck von Sandelholz  und einem Hauch Vanille sind nur ein paar Eindrücke, die dieser Wein in seiner Entwicklung an diesem wundervollen Abend offeriert. Wahre Begeisterung ruft die perfekte Balance aller Bestandteile bei mir hervor. Den Abschluß dieser denkwürdigen Reihe bildet der 99er La Turque (98 Punkte) ? Von den Anlagen ähnlich wie seine Brüder aus dem Jahrgang: überaus groß, kraftvoll, tief, nachhaltig und allerbestens strukturiert; dabei perfekt balanciert und mit eindrucksvoller Finesse ausgestattet. Trotzdem ist dieser Wein ein wenig anders. Die Frucht erinnert eher an süße, exotische Früchte, ein Hauch von Banane und viel Kaffee. Am Gaumen auch deutliche Anklänge an Marzipan und reife, schwarze Kirschen (oder vielleicht doch eher Schwarzwälderkirsch); sehr saftig und mit herrlichen, dichten und körnigen Tanninen ausgestattet. Von den dreien aus 1999 zur Zeit sicherlich am Besten zu trinken, trotzdem hat er ? wie die beiden anderen auch ? noch eine grandiose Zukunft vor sich.

 

Es folgten zwei weitere Weine aus der Lage La Landonne: 99er Rene Rostaing ? La Landonne (96 Punkte) und ein etwas enttäuschender J.M. Gerin ? La Landonne (88 Punkte).