1991 Rüdesheimer Schlossberg Riesling Charta, Georg Breuer – Rheingau

85-89 Punkte –  Dieses Wein-Sammelstück wird bis heute jedes Jahr mit einem anderen, besonderen  Künstleretikett auf den Markt gebracht. Das Etikett für den überaus schwierigen Weinjahrgang 1991 gestaltete Marrku Hakuri, der 1946 in Finnland geboren wurde. Das Bild auf dem Etikett trägt den schönen Titel „Der frohe Klang vom Wachsen der Trauben“

Doch alle Kunst hilft nicht, wenn der Inhalt im Glas nicht stimmt und selten war ich so indifferent bei der Punktevergabe wie bei diesem 91er Riesling. Einerseits ist dieser mit nur 10% Alkohol daher kommende Riesling kaum gealtert, er zeigt nur einen Hauch von Firne, dazu schöne Citrusnoten (von Pampelmusen und Pomelos), Eisenkraut und Pfirsichen. Insgesamt sehr klar und rein, der Wein wirkt für sein Alter sehr frisch. Die Frische entstammt jedoch einer Säure, die den Wein bis heute zusammen gehalten hat, die aber auch als „krass“ bezeichnet werden kann. Mal war mir die Säure einfach nur zuviel, in einem anderen Moment fand ich sie dann doch erträglich und den Wein ausdrucksvoll, frisch und durchaus elegant.

Clos Mogador – Vertikalverkostung 1991, 1992, 1995, 1997, 2002, 2006

Am 15. Mai war René Barbier zu Besuch bei Mövenpick in Düsseldorf. Ein paar Infos zur Bodega und zum Winzer hatte ich bereits bei der Terminankündigung geschrieben (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=412). Der Abend war sehr unterhaltsam und erkenntnisreich. Da nicht alle Teilnehmer Spanisch oder Französisch (René parliert perfekt in Französisch) sprachen, war es eine große Freude, dass eine junge Dame jede Frage und Antwort perfekt übersetzte. Sie war nicht nur fließend in beiden Sprachen, sondern besaß auch erhebliche Kenntnisse über Wein und – Dank eines Praktikums vor Ort – über die Bodega Clos Mogador.

Die größte Überraschung für mich war, dass René die Rebstöcke mehr oder weniger sich selbst überlässt. Er versucht nur minimalen Einfluss zu nehmen, um so einen möglichst hohen Ausdruck des terroirs zu erzielen. Für mich ist dies auch ein plausibler Grund, warum so große Unterschiede zwischen den einzelnen Jahrgängen bestehen.

 

Gestartet sind wir in die Verkostung mit dem 2006er Jahrgang des Manyetes; danach folgten sieben verschiedene Jahrgänge vom Clos Mogador.

 

 

2006 Manyetes, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

90 Punkte – Die Trauben für diesen Stoff stammen zu 70% von alten Cariñena-Rebstöcken (im Schnitt ca. 70 Jahre alt); die verbleibenden 30% sind Garnacha. Zu Beginn ätherisch-kühl. Mittelgewichtig, wirkt sehr mineralisch, mit einer schönen Saftigkeit (Pflaumensaft, Waldfrüchte) ausgestattet, dazu ein angenehme Würzigkeit und Aromen von  Tinte und Veilchen. Gut gefallen haben mir die feinsandigen Tannine, die dem Wein ein gutes und stabiles Rückgrad geben. Rene Barbier führte aus, dass der Manyetes die Mineralität schon in seiner Jugend deutlich hervorbringt, der Clos Mogador dafür mehrere Jahre Flaschenreife benötigt. Die Rebstöcke für den Manyetes stehen auf den ärmsten Böden, die im Sommer sehr, sehr heiß werden und diese Hitze lange speichern. Rene Barbier sagte, dass die Cariñena-Reben dann ziemlich im Stress sind, so aber auch die Ausbildung der Mineralität deutlich unterstützt wird.

 

 

1991 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – Der Wein kam mir vor wie ein reifer Mix aus Burgunder und Bordeaux; in der Entwicklung schon ziemlich weit fortgeschritten; eher schlanker Ansatz; Noten von rotem Tee (Hagebutte, Malve und Kirsche); deutliche Mineralität, fast ein wenig staubig. Irgendwie war ich mir nicht sicher, ob das nun ein eleganter Wein ist, der durch seine Mineralität ein wenig spröde wirkt, oder ob er auf Grund des Alters schon ein wenig karg ist und er sich jetzt zwar noch interessant präsentiert, aber die besten Zeiten schon hinter sich hat. 13,5% Alkohol / ca. 6.000 Flaschen produziert.

 

 

1992 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – Ab diesem Jahrgang wurde nur Lesegut der eigenen Weinberge (davor wurden Trauben in der Region zugekauft, u.a. aus dem berühmten Weinberg l’Ermita) verarbeitet. Im Gegensatz zum Vorgänger-Jahrgang ist der 92er ein Ausbund an Jugendlichkeit. Die dichte, ausdrucksvolle Aromatik ist interessant und betörend zugleich. Einerseits ein saftiger, beeriger Eindruck (Heidelbeeren; Amarenakirschen), andererseits offenbart der 92er Clos Mogador einen Eindruck von Sommerwiese (mit Noten von Kornblumen und Veilchen) und Herbstlaub (erdige Noten). Kombiniert mit der sämigen Süße und den weichen, feinsandigen Tanninen ging meine Hand leicht zum Glas gehen und mit großer Freude genoss ich, dass es noch einen Schluck „Nachschlag“ gab. 14% Alkohol.

 

 

1995 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


91 Punkte – Der letzte Jahrgang Clos Mogador, der ohne Cariñena vinifiziert wurde. Die Cuvée bestand bis dato aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Syrah. Die 95er Ausgabe ist sehr tief in der Farbe; am Gaumen und in der Nase weich, wirkt noch primärfruchtig und besitzt eine leicht überreife Süße. Weiblich rund und sehr apart, dabei tiefe Geschmacksanlagen: Waldbeeren, Rumfrüchte und ein wenig rauchig.

 

Zu Beginn hatte ich bei diesem Wein einen Korkverdacht, der sich aber nicht bestätigte. Eine gute Hilfe bei der Überprüfung, ob man einen TCA (Korkschmecker) hat oder nicht, ist, wenn man einen kleinen Schluck Wein in ein Glas mit Wasser gibt. Riecht dieser Mix immer noch muffig, dann ist der Wein 100%ig korkig.

 

Rene Barbier berichtete, dass viele Menschen, bei seinen Weinen zu Beginn einen Korkverdacht haben, doch für ihn ist das ein Ausdruck des terroirs beim Clos Mogador und absolut typisch. Nun ja, über diese Aussage ließe sich wohl diskutieren, aber an so einem Abend lässt man das. Meiner Meinung nach könnte dies auch ein Ausdruck von nicht ganz sauberer Kellerarbeit (der neue, unterirdische Keller ging 1997 in Betrieb) bzw. recht hoher Schwefelgabe sein. Aber das ist nur eine vage Vermutung…. Letztlich zählt das, was im Glas ist, und  das war nach etwas Luft zum Atmen hervorragend!! 14,7% Alkohol.

 

 

1997 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


93+ Punkte – Was für ein barocker Wein. Mir fielen gleich ein paar ebensolche Frauen ein, aber nur wenige bringen diese üppigen Kurven mit so viel Lebensfreude, Unbekümmertheit und ländlicher Anmut zusammen – eine Mischung Ina Müller und kräftig gebauter Landfrau mit Stil und Charme.  

 

Die Frucht wirkte zwar geschmacklich etwas überreif, aber trotzdem erzeugt der Wein ein kühles Mundgefühl. Sehr ätherische Noten: Lavendel, Eisenkraut, Thymian, dazu ein Hauch Menthol und Tabak. Auch wenn der Wein etwas strukturierter sein könnte, macht es sooo viel Spaß ihn zu trinken und es ist erstaunlich wie gut dieser Wein – in einem ansonsten eher mittelmäßigen Jahrgang in Spanien – daherkommt. Später nochmals nachverkostet – der Wein legt weiter zu und gewinnt sogar noch etwas an Kontur. 14% Alkohol.

 

 

2002 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat

 

92 Punkte – das Jahr war kein unspannendes für die Winzer im Priorat, denn es gab in dieser ansonsten sehr heißen Region relativ viel Regen. Doch ich bin der Überzeugung, dass gerade die steinigen, schiefrigen Böden gut geeignet sind, das Wasser in tiefere Schichten abzuführen, sodass die Trauben sich nicht zu dick und wässrig werden. Auf der anderen Seite ist in solchen Jahren eine gute Reb- und Laubarbeit gefragt, damit die Trauben gut abtrocknen können und die Pilze kein zu leichtes Spiel haben.

 

Die 2002er Ausgabe des Clos Mogador zeigt eine angenehme Kühle in der Nase mit einer schönen Brombeer- und Heidelbeerfrucht. Am Gaumen recht straff und mit viel Biss. In der Aromatik einem Chateauneuf du Pape nicht ganz unähnlich; mineralischer Ansatz, Aromen von Pflaumen, roten Früchten und Mirabellen, recht kühl; sowohl die Tannine als auch die Säure sind etwas straffer als in anderen Jahren, aber ich empfinde das durchaus positiv; schöne Länge. 14,5% Alkohol.

 

 

2003 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


88 Punkte – 2003 war das große Hitzejahr in ganz Europa und in ganz Europa entstanden äußerst ungewöhnliche Weine: häufig fett und mit viel Alkohol ausgestattet. Viele sprachen vom Jahrhundertjahrgang (und vom Wetter war er das auch!!) und bei dem Gedanken, dass Alkohol ein Geschmacksträger ist, wird mir ganz „plummerant“ – müssen da die Weine nicht supertoll schmecken?

 

NEIN – sie müssen nicht, denn egal in welchem Land oder Landstrich man sich auf der nördlichen Halbkugel auch befindet, die Weine sind regelmäßig zu alkoholisch, zu breit, haben zu wenig Säure und sind folglich zu unausgewogen.

 

Auch beim 2003er Clos Mogador ist der Jahrgang deutlich erkennbar: würzig, warme Aromatik; Noten von Rumtopf und (über-)reifer Frucht. Im Glas zeigt er schon eine erstaunlich reife Farbe. Die Fruchtsüße, der dichte Saft und der hohe Extrakt stehen auf der „Habenseite“ der Bilanz dieses Weines. Im Soll sind zu verbuchen: die aromatische Breite, eine gewisse Unausgewogenheit sowie eine leichte Bitternote, die wahrscheinlich von der Überreife des Lesegutes stammt. Der Wein ist erstaunlich schnell gealtert, wahrscheinlich ist dies auch eine Folgeerscheinung der – im Vergleich zu an deren Jahrgängen – zu geringen Säure (?); 14,5% Alkohol.

 

2006 Clos Mogador, Bodegas Clos Mogador – Priorat


90 Punkte – Kühle, dunkle Frucht. Seidig und weich am Gaumen. Ausladende Primärfrucht mit Aromen von Himbeeren, Brombeeren, Pflaumen und Schokolade. Feinste Lindt-Schokolade und Amarena-Kirschen habe ich mir notiert. Die süße Frucht und der samtige Schmelz sind so auffällig, dass einige Probenteilnehmer vermuteten, dass der Sohn von Rene Barbier für diesen Jahrgang verantwortlich zeichnet und somit vielleicht ein neuer, etwas internationalerer Stil Einzug in den Keller gehalten hat. Aber schon bei der Frage, schüttelte Madame Barbier so heftig mit dem Kopf, dass klar wurde, Rene lässt sich das Zepter beim Rotwein noch nicht aus der Hand nehmen.

 

 

2007 Nelin, Bodegas Clos Mogador – Priorat


89 Punkte – Mit dem weißen 2007er Nelin wurde doch noch das Können vom Filius der Familie vorgestellt. Die Cuvee im Jahr 2007 besteht aus 54% Garnacha, 10% Viognier, 9% Pinot (weiß gegeltert), 13% Rousanne, 8% Macabeu und 6% Pedro Ximenez und Marsane. Der Wein wurde 9 Monate im Barrique ausgebaut; er hat 14% Alkohohl, 5,9 Gramm Säure/Liter und einen Restzucker von 0,5 Gramm/Liter.

 

Im Glas hat der Wein einen leichten Lachston, was von den weiß gekelterten Rotweintrauben stammen dürfte. Er duftet ein bisschen wie ein Neuer-Welt-Chardonnay, was auf den barrique-Einsatz zurückzuführen ist. Die Nase zeigt intensive, schöne Wiesen- und Blütendüfte, dazu eine deutliche Birnenfrucht; am Gaumen einem weißen Chateauneuf-du-Pape nicht unähnlich. Die deutliche Mineralik steht ihm gut; Assoziationen mit weißen Pfirsichen, grünen Bananen; Buttertrüffel und einem leichten Blütenhonig kommen mir beim „Kauen“ des Weines so in den Sinn. Schöner Stoff, den ich jedoch relativ jung (in den nächsten 1-4 Jahren) trinken würde, wenngleich ich beim weißen CdP etwas anderes rate: LIEGEN lassen.

1991 Mas de Masos, Cellers Capafons-Ossó – Priorat


80 Punkte – 

Dieser gereifte Priorat-Wein war eine ziemliche Pleite, denn der  hatte seine besten Zeiten eindeutig hinter sich. In der Nase erinnerte er ein wenig an Barolo, etwas Sauerkirschen, recht kühl und schlank. Schlank ist dann vornehm ausgedrückt für das, was der Wein am Gaumen darbot. Die Säure steht heraus und Trinkfreude konnte da nicht mehr aufkommen.

Auf der aktuellen Webseite ist über den Wein folgendes zu erfahren, wobei ich nicht recherchieren konnte, ob diese Infos auch schon weitgehend für den 91er Jahrgang galten: „Aus Grenache poilue, Grenache Pays, Cabernet Sauvignon und Carignan hergestellt, langer Einweichung und 12-monatiger Alterung des Weines im französischen Eichenfass. aus Grenache poilue, Grenache Pays, Cabernet Sauvignon und Carignan hergestellt, langer Einweichung und 12-monatiger Alterung des Weines im französischen Eichenfass. Der Wein MAS DE MASOS gärt in kleinen französischen Eichenfässern und altert dann auch in denselben. Letzten Endes wird der Wein in die Flasche gefüllt und im Weinkeller bei einer konstanten Temperatur zur Alterung gelagert. Die Trauben, die benutzt werden um den MAS DE MASOS herzustellen, kommen aus ca. sechs tausend sehr alten, 1852 gepflanzten Rebstöcken, mit einer Produktivität je nach Jahr von 600 bis 900 Gramm per Rebstock.

Spanien Verkostung

Eine Erfahrung mache ich immer und immer wieder, mit und über Wein lernt man irre nette Leute kennen! So auch am vorletzten Wochenende. Ein guter Freund aus Frankfurt fragte, ob ich Lust hätte, an einer Spanienprobe mit High-End-Weinen jüngeren Datums teilzunehmen. Allerdings würde die Probe nicht bei ihm stattfinden, sondern beim neuen Nachbarn von schräg gegenüber. Tolle Weine, nette Leute – das klingt einfach zu verlockend, um abzusagen. So fuhr ich zum Keller und schnappte mir eine Flasche 2004 Flor des Pingus von Peter Sissek und rollte gen Frankfurt.

Ein altes Haus in Frankfurt, ein großer, hoher Raum (war wohl früher mal die Garage für diverse Kutschen), darin u.a. ein riesiger Tisch (3,50 x 1,50) mit ein paar Stühlen und einer großen Ottomane, auf der mindestens 3 oder 4 Leute lümmeln können. Dazu super tolle Jazz-Musik und Gastgeber, die offensichtlich die Unkompliziertheit und Entspanntheit erfunden haben. Als Essen gab es eines der besten Entrecotes, die ich je gegessen habe. Ein schmatzig-köstlicher grüner Salat mit viel frischem Koriander und Datteln rundete die Sache perfekt ab. In der Nacht gab es dann Portwein, Kaffee, geile Zigarren und einen alten Rum …… und wer dann nicht groovt und ausgelassen tanzt, ist selbst Schuld. Eine 100 Punkte Wein-Nacht.

Die Verkostungsnotizen der einzelnen Weine finden sie oben.


„Spanien Verkostung“ weiterlesen

1990 bis 1999 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 3)

1990 / 93 Punkte – Ja – hallo, da wird man wieder wach. Ein eher mittelgewichtiger Tropfen, habe wohl vor lauter Aufregung vergessen, detaillierte  Notizen zu machen und so lese ich heute: „schöner Saft“, „unglaublich saftig“ und „gute, saftige Frucht“ – ja was soll ich Euch sagen? Der Wein ist saftig ;-))) Dazwischen habe ich notiert: „eher dunklelrote Beerenfrucht, wirkt erstaunlich jung, subtile Fruchtfülle, very charming.

 

1991 / 96 Punkte – Für mich der Wein der Verkostung !!!!!!! Nicht nur dass diesen Jahrgang ein goldenes Etikett ziert (nicht, weil man erkannt hat, dass dieser Jahrgang vielleicht der größte bis dato produzierte Wein ist, sondern weil man auf eine 100-jährige Weingutgeschichte zurückschaut), sondern hier stimmt einfach alles!  Dieser Wein hat eine große Goldmedaille verdient. Sofern ich mich recht erinnere meinte mein amerikanisch-schweizerischer Tischnachbar: „Just great“, viel mehr braucht man einfach nicht zu sagen. Dieser Wein hat alle Komponenten eines großen Weins: perfekt strukturiert, tief und komplex in der Aromatik, kühl in der Anlage, substanziell und sehr elegant, aufregende Länge, großer Nachhall. Die Frucht ist vielschichtig, eher schwarzbeerig; feine Extraktsüße, Graphit- und Trüffelnoten, um nur ein paar Eindrücke zu nennen, aber letztlich reicht: „Just great“.

 

 

1992 / 92 Punkte – Auch dieser Jahrgang weiß durchaus zu begeistern, er ist dem 90er recht ähnlich, die Frucht ist immens, man kann fast noch von Primärfrucht sprechen, tief und nachhaltig – mit angenehmer Komplexität und gutem Saft ausgestattet, auch eine gewisse mineralische Note ist erkennbar. Der 92er zeigt eine schöne Dichte und endet lang auf der Frucht.  Der Wein besitzt gute Anlagen, um viele weitere Jahre (mind. 10)  in Würde zu altern und um dabei viel Genuss zu bereiten. 

 

1993 / 89 Punkte – Die Nase wirkt sehr kühl; am Gaumen ein fester, strukturierter Monte Bello mit griffigen Tanninen und einer feiner Bitterkeit in der Frucht. Noten von Eukalyptus und Minze unterstützen den kühlen Eindruck, den man schon in der Nase erkennen kann. Für mich ein Wein, wie ein sehr guter Cru Bourgeois aus dem Haut Medoc. Jetzt gut zu trinken, eine weitere Qualitätssteigerung in den nächsten Jahren halte ich für unwahrscheinlich.

 

1994 / 91 Punkte – Leider habe ich bei diesem und dem nächsten Wein immer weniger Notizen gemacht, da das Essen lecker war und ich mit dem Tempo beim Ausschenken nicht mehr ganz mitkam. Die Nase wirkt tief und dunkel, am Gaumen ein fest strukturierter Wein, mit griffigen Tanninen. Die Frucht ist eher schlank; der Wein hat wenig Fett auf den Rippen. Auf der anderen Seite zieht er sich schön und gleichmäßig durch und endet mit einer wirklich guten Länge. Vielleicht der Aristokrat unter den 90er Jahrgängen.

 

1995 / 93 Punkte – Der dritte Jahrgang in Folge bei dem mir die Kühle in der Nase positiv auffällt. Der 95er zeigt jedoch die tiefste Frucht und ist noch eine Spur frischer als seine beiden Vorgänger. Obendrein hat er etwas mehr Fett auf den Rippen, sodass er deutlich saftiger und fruchtiger wirkt. Auffallend an diesem Jahrgang ist auch eine erkennbare Mineralik. Die Cuvee besteht aus einer Cuvee von 69% Cabernet Sauvignon, 18% Merlot, 10% Petit Verdot und 3% Cabernet Franc. Parker berichtet, dass Paul Draper in diesem Jahrgang extrem selektioniert hat und nur 25% der Ernte in den Wein gegangen sind.

 

1996 / 94 Punkte – Erstmals nach dem Ausschenken ein leichter Stinker im Glas, der jedoch recht schnell verfliegt. Die Cuvee kommt dieses Jahr ohne Cabernet Franc aus und besteht aus 80% Cabernet Sauvignon, 11% Merlot und 9% Petit Verdot. In meinen Notizen steht „Kraftvoll !!!“ Die Ausrufungszeichen belegen, was mir von diesem Wein in Erinnerung geblieben ist – dieser Jahrgang hat Power und eine wunderbare Stoffigkeit. Die Frucht ist eng gewoben und die Frische, die er an Tag legt, ist bemerkenswert. Ein Wein, der noch ein langes Leben vor sich hat – wer diesen Jahrgang irgendwie zu fassen bekommt, sollte zuschlagen. Feine Bitternoten geben der ansonsten saftigen und beerigen Frucht eine zusätzliche Dimension. Komplexer Stoff, der auch wieder diese Mineralität zeigt, die schon seinen Jahrgangsvorgänger auszeichnete.

 

1997 / 92 Punkte – Auch diesem Jahrgang merkt man seine 10 Jahre Alter kaum an, er wirkt ungemein jung und frisch. Eine schöne tiefe, recht saftige  Aromatik von dunklen, aber eher roten Beeren; Lakritze sowie eine sehr gut eingebundene Holzaromatik/-würze überzeugen auch in diesem Jahr.

 

1998 / 88 Punkte – Der 98er ist sicherlich der schwächste Wein aus dem Flight: Mitte/Ende 90er Jahre. Er wirkt trotz des recht hohen Merlot-Anteils (70% CS, 24% Merlot, 5% Petit Verdot und 1% Cabernet Franc) streng erzogen. Zwar ist die Frucht recht dicht und saftig, aber die hohe Säure lässt ihn etwas eckig und kantig erscheinen; es mangelt ihm ein wenig an Finesse.

 

1999 / 91 Punkte – Der letzte Jahrgang des alten Jahrtausends strömt mit viel Saft und Kraft in den Mund. Extraktreich und immer noch primärfruchtig; Aromen von Wildkirschen, Kakao, Lakritz und Schokolade zeugen von einer guten Verbindung aus Frucht und Holz; recht komplex.