Baron de L, Baron de Ladoucette – Pouilly-Fumé /Loire

93 Punkte – Die Familien Ladoucette und Lafond galten bereits im 18.Jahrhundert als Besitzer der größten und teilweise besten Lagen im Loire Tal. Ihre Besitzungen hatten sie 1787 von der unehelichen Tochter König Louis XV erworben. Der heutige Eigentümer Baron Patrick de Ladoucette übernahm im Jahr 1972 den Besitz vollständig und dehnte seine Aktivitäten auf Sancerre, Chablis, Vouvray und Chinon aus. Mit dem Jahrgang 1973 wurde nicht nur erstmals der „Baron de L“ auf die Flasche gezogen, sondern das inzwischen äußerst renommierte Familien-Weingut begann  völlig neue Maßstäbe für Pouilly-Fumé Weine zu setzen. Der „Baron de L“ wird nicht im Holz ausgebaut und besitzt als reinsortiger Sauvignon Blanc trotzdem eine besondere Fähigkeit zur Reife. Dies zeigt auch recht eindrucksvoll unser 1990er im Glas: Schöne, komplexe Nase mit einer Mischung aus Blüten, Flieder und einer dezenten Rauchigkeit (Feuerstein, etwas verbranntes Gummi. Am Gaumen balanciert, mit schöner Reife und trotzdem frisch. Feine Buttrigkeit, etwas Karamell, dazu verwelkte Blüten und eine an reife gelbe, eher exotische Frucht im Hintergrund.

1990 Forster Kirchenstück Riesling Spätlese, Weingut Bürklin-Wolf – Pfalz (Best Bottle Nr.4)

91 Punkte – Ich liebe die Weine der Forster Lagen am Fuße des Haardtgebirges. Die Weine aus dem Kirchenstück sind stets üppige und im besten Sinne „reiche“ Weine – gleichzeitig bringen sie das Kunststück fertig, Eleganz und  Harmonie auszustrahlen. So auch diese sehr schöne Spätlese aus dem Jahr 1990. Die Nase ist faszinierend (!): Bienenwachs und ein Hauch  Petrol sind Boten des Alters, in Verbindung mit den saftigen Fruchtaromen von reifen Nektarinen, Mirabellen, kandierten Kumquats und anderen Südfrüchten entwickelt sich ein dichter und betörender Aromenstrauß, der es mir schwer macht, die Nase wieder aus dem Glas zu nehmen. Am Gaumen ist der Wein rund und intensiv, mit „dicken Backen“. Die Säure spielt mit und schafft ein Gegengewicht zur Opulenz des Weins. In letzter Konsequenz kann der Wein das Niveau, welches die Nase verspricht, am Gaumen jedoch nicht ganz halten.

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1990 Grüner Veltliner Ried Loibner Berg 19 Terrassen Smaragd, F.X. Pichler – Wachau (Best Bottle Nr.3)

87 Punkte – Heute gehören die Weine, insbesondere die Smaragde von F.X. Pichler zu den besten Weinen Österreichs und die internationale Presse kennt in ihrem Lob kaum Grenzen. Doch 1990 hatte man in Österreich immer noch mit den Folgen des Weinskandals von 1985 zu kämpfen und der Export war schwierig. Doch gerade darin lag wohl auch die Chance alles besser zu machen und ein Beitrag war das Klassifizierungssystem (Steinfeder, Federspiel und Smaragd)der Wachau, das 1986 eingeführt wurde, um die Einzigartigkeit der Weine der Wachau zu betonen. Doch Weinskandal hin oder her, im Hause F.X. Pichler setzte man schon seit vielen Jahrzehnten auf Qualität und die Selektion des besten Rebmaterials (ein eindrucksvolles Zeugnis dafür ist die alte Gladde des Großvaters, heute der Rahmen für den Internetauftritt: vgl. www.fx-pichler.at)

 

Nun hatten wir einen 20-jährigen Wein im Glas, der aus einem TOP-Jahrgang und aus einer Lage stammte, die zu den besten GV-Lagen Österreichs gehört – beste Voraussetzungen für ein schönes Weinerlebnis also. In der Nase kräutrig, etwas käsig (ein Eindruck, den ich bei gereiften GVs durchaus typisch finde), jedoch nicht mehr so intensiv wie es für junge Smaragde typisch ist. Man musste sich schon ein wenig einlassen auf diesen Stoff, um die Nuancen zu erfassen, doch der kräutrige/pflanzliche Einschlag war auch am Gaumen zu erkennen und der für die Rebsorte typisch weiße Pfeffer war ebenfalls noch  vorhanden. Insgesamt hat der Wein seine besten Tage schon gesehen, denn im Abgang mangelte es ihm etwas an Komplexität und Länge – doch interessant und schön war dieses Trinkereignis immer noch.

1990 Barolo La Villa, Fratelli Seghesio – Piemont


93 Punkte – Die Brüder Aldo und Riccardo Seghesio haben erst Ende der 80er Jahre damit begonnen eigenen Wein abzufüllen. Vorher wurden die Trauben oder auch der Jungwein an Handelsbetriebe verkauft. Doch dann begannen sie den Wein selbst zu füllen und auf hohe Qualität zu setzen. So wurden nicht nur die alten Fässer zersägt und auf französische Eiche (600-700 Liter Fässer) gesetzt, sondern man reduzierte auch die Erntemenge erheblich (grüne Lese mit teilweise 50% Ertragsreduzierung und letztendlich nie mehr als 40hl Wein pro Hektar. Die internationale Weinszene entdeckte die Weine sehr schnell – auch dank der internationalen Weinjournalisten; Parker hat z.B. den Barolo La Villa in 14 Jahrgängen bewertet und nie mit wenige als 90 Punkten bewertet. Auch der Gambero Rosso ist stets voll des Lobes über die Weine der Gebrüder Seghesio. 

 

Noch mit dichter Farbe strömt der Wein in die Gläser und ein Duft aus Lakritz, Tabak, Waldbeeren und Kirschen umschmeichelt die Nase. Im Mund präsentiert er sich saftig und mit einer schönen Fruchtsüße; der recht hohe Speichelfluss deutet auf eine knackige Säure hin, die trotzdem gut eingebunden wirkt. Das gleiche gilt für die kräftigen Tannine. Der Körper ist kräftig, aber auf Grund seiner Anlagen ist der Wein in sich harmonisch und so dürfte der Barolo La Villa 1990 noch einen erhebliches Lagerpotential besitzen.

1990 Erbacher Schlossberg Riesling Auslese, Schloss Reinhartshausen – Rheingau

 

89 Punkte – Wer mich kennt, weiß, dass ich Altweine von Schloss Reinhartshausen liebe. Doch zu Beginn der 90er Jahre begann eine Schwächephase, die erst seit wenigen Jahren zu überwunden scheint. Die 90er Auslese aus dem Erbacher Schlossberg hat noch viel Süße zu bieten. In der Nase eindeutige Anklänge von Orangenzesten; am Gaumen ebenfalls Noten von Orangen, Aprikosen und etwas kräutriger Würze. Gut gefallen haben mir die animierende Säure und die ordentliche Länge, die der Wein im Abgang zeigt.

1990 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo GAJA – Piemont

93-95 Punkte: im Vergleich zum 90er der bessere Jahrgang. Was für ein dunkler, tiefer und immer noch juegendlicher Barbaresco!! Die Nase wirkt frisch, mit tiefer, dunkler Frucht, Kirsche und Holunder. Einmal im Mund kann man das Alter dieses Nebbiolos kaum glauben; er ist so frisch und jung in seiner Aromatik; die noblen Tannine sind kraftvoll und strukturgebend. Am Gaumen überzeugt mich die Frucht und die Struktur dieses Weines zu 100%; so tief, rein und klar ist dieser Wein. Aber auch der 2.Gaja stand an diesem Barolo-/Barbarescoabend im Kontext mit anderen großen Weinen der Region und so fiel es mir auch beim 90er schwer, diesen Wein klar als Barbaresco zu identifizieren. Ich weiß nicht so genau, ob es die Röstaromen aus dem Holz waren, die dem Wein zwar perfekt zu Gesicht standen und die sich hervorragend in das Gesamtbild einfügten, oder ob es vielleicht die hohen Extraktwerte/Extraktsüße waren, aber so ein richtiges Bild eines Barbaresco wollten meine Sinne mir bei diesem Wein nicht malen. Trotzdem richtig genialer, kraftvoller und komplexer Stoff, der gleichzeitig sehr harmonisch und sinnlich wirkt. An dieser Stelle auch der Hinweis, dass ich den Wein deutlich über 92 Punkte erlebt habe, nur die mir etwas fehlende (oder anders ausgedrückt, die vielleicht von mir nicht wahrgenommene) Typizität eines Barbaresco gab Abzüge in der "B"-Note.  

1990 Barolo Collina Rionda Riserva, Bruno Giacosa – Piemont

96 Punkte – Und da war wieder so eine süchtig machende Flasche. Für diese Sorte von Wein benötigt man jedoch Zeit, um sie zu zelebrieren und zu verstehen – dies ist kein Wein für den schnellen Genuß.

Zu Beginn im Glas (Flasche wurde mehrere Stunden vorher geöffnet) überraschend gereiftes Bukett von Rosen, Fleischbrühe und Liebstöckel, dass im Glas jedoch ausbaut und immer jünger (!) wird. Dann dunkle Fruchtnoten, etwas rauchig, Unterholz und ein Hauch Schokolade.  Am Gaumen ein unglaublich vielschichtiger Wein, mit Substanz und Tiefe. Mittelgewichtig, mit dunklen Waldfruchtaromen, erinnert an feinste Pralinen, ein Hauch malzige Süße. Wird immer  feiner und differnzierter, bestens definiert (tolle Tanninstruktur), mit lebendiger Säure und hoher Eleganz.

1990 Chateau Cos d‘ Estournel – St. Estephe

94 Punkte – Auch hier dezente Stallnoten zu Beginn, wirkt in der Nase dunkel, toastig, es duftet wie in der Lederwarenabteilung im Alsterhaus in Hamburg . Am Gaumen aber ein Schmeichler vor dem Herrn: erstaunlich schmelzig, weich, ja fast verspielt mit Aromen von Kakao(milch) und  Backflaumen einerseits sowie dunklen Anklängen von Cassis, Kaffee und Tabak andererseits. Besonders gefällt mir die innere Harmonie dieses mittelgewichtig wirkenden Weines; hedonistisches Trikvergnügen ohne große Ecken und Kanten.

1990 bis 1999 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 3)

1990 / 93 Punkte – Ja – hallo, da wird man wieder wach. Ein eher mittelgewichtiger Tropfen, habe wohl vor lauter Aufregung vergessen, detaillierte  Notizen zu machen und so lese ich heute: „schöner Saft“, „unglaublich saftig“ und „gute, saftige Frucht“ – ja was soll ich Euch sagen? Der Wein ist saftig ;-))) Dazwischen habe ich notiert: „eher dunklelrote Beerenfrucht, wirkt erstaunlich jung, subtile Fruchtfülle, very charming.

 

1991 / 96 Punkte – Für mich der Wein der Verkostung !!!!!!! Nicht nur dass diesen Jahrgang ein goldenes Etikett ziert (nicht, weil man erkannt hat, dass dieser Jahrgang vielleicht der größte bis dato produzierte Wein ist, sondern weil man auf eine 100-jährige Weingutgeschichte zurückschaut), sondern hier stimmt einfach alles!  Dieser Wein hat eine große Goldmedaille verdient. Sofern ich mich recht erinnere meinte mein amerikanisch-schweizerischer Tischnachbar: „Just great“, viel mehr braucht man einfach nicht zu sagen. Dieser Wein hat alle Komponenten eines großen Weins: perfekt strukturiert, tief und komplex in der Aromatik, kühl in der Anlage, substanziell und sehr elegant, aufregende Länge, großer Nachhall. Die Frucht ist vielschichtig, eher schwarzbeerig; feine Extraktsüße, Graphit- und Trüffelnoten, um nur ein paar Eindrücke zu nennen, aber letztlich reicht: „Just great“.

 

 

1992 / 92 Punkte – Auch dieser Jahrgang weiß durchaus zu begeistern, er ist dem 90er recht ähnlich, die Frucht ist immens, man kann fast noch von Primärfrucht sprechen, tief und nachhaltig – mit angenehmer Komplexität und gutem Saft ausgestattet, auch eine gewisse mineralische Note ist erkennbar. Der 92er zeigt eine schöne Dichte und endet lang auf der Frucht.  Der Wein besitzt gute Anlagen, um viele weitere Jahre (mind. 10)  in Würde zu altern und um dabei viel Genuss zu bereiten. 

 

1993 / 89 Punkte – Die Nase wirkt sehr kühl; am Gaumen ein fester, strukturierter Monte Bello mit griffigen Tanninen und einer feiner Bitterkeit in der Frucht. Noten von Eukalyptus und Minze unterstützen den kühlen Eindruck, den man schon in der Nase erkennen kann. Für mich ein Wein, wie ein sehr guter Cru Bourgeois aus dem Haut Medoc. Jetzt gut zu trinken, eine weitere Qualitätssteigerung in den nächsten Jahren halte ich für unwahrscheinlich.

 

1994 / 91 Punkte – Leider habe ich bei diesem und dem nächsten Wein immer weniger Notizen gemacht, da das Essen lecker war und ich mit dem Tempo beim Ausschenken nicht mehr ganz mitkam. Die Nase wirkt tief und dunkel, am Gaumen ein fest strukturierter Wein, mit griffigen Tanninen. Die Frucht ist eher schlank; der Wein hat wenig Fett auf den Rippen. Auf der anderen Seite zieht er sich schön und gleichmäßig durch und endet mit einer wirklich guten Länge. Vielleicht der Aristokrat unter den 90er Jahrgängen.

 

1995 / 93 Punkte – Der dritte Jahrgang in Folge bei dem mir die Kühle in der Nase positiv auffällt. Der 95er zeigt jedoch die tiefste Frucht und ist noch eine Spur frischer als seine beiden Vorgänger. Obendrein hat er etwas mehr Fett auf den Rippen, sodass er deutlich saftiger und fruchtiger wirkt. Auffallend an diesem Jahrgang ist auch eine erkennbare Mineralik. Die Cuvee besteht aus einer Cuvee von 69% Cabernet Sauvignon, 18% Merlot, 10% Petit Verdot und 3% Cabernet Franc. Parker berichtet, dass Paul Draper in diesem Jahrgang extrem selektioniert hat und nur 25% der Ernte in den Wein gegangen sind.

 

1996 / 94 Punkte – Erstmals nach dem Ausschenken ein leichter Stinker im Glas, der jedoch recht schnell verfliegt. Die Cuvee kommt dieses Jahr ohne Cabernet Franc aus und besteht aus 80% Cabernet Sauvignon, 11% Merlot und 9% Petit Verdot. In meinen Notizen steht „Kraftvoll !!!“ Die Ausrufungszeichen belegen, was mir von diesem Wein in Erinnerung geblieben ist – dieser Jahrgang hat Power und eine wunderbare Stoffigkeit. Die Frucht ist eng gewoben und die Frische, die er an Tag legt, ist bemerkenswert. Ein Wein, der noch ein langes Leben vor sich hat – wer diesen Jahrgang irgendwie zu fassen bekommt, sollte zuschlagen. Feine Bitternoten geben der ansonsten saftigen und beerigen Frucht eine zusätzliche Dimension. Komplexer Stoff, der auch wieder diese Mineralität zeigt, die schon seinen Jahrgangsvorgänger auszeichnete.

 

1997 / 92 Punkte – Auch diesem Jahrgang merkt man seine 10 Jahre Alter kaum an, er wirkt ungemein jung und frisch. Eine schöne tiefe, recht saftige  Aromatik von dunklen, aber eher roten Beeren; Lakritze sowie eine sehr gut eingebundene Holzaromatik/-würze überzeugen auch in diesem Jahr.

 

1998 / 88 Punkte – Der 98er ist sicherlich der schwächste Wein aus dem Flight: Mitte/Ende 90er Jahre. Er wirkt trotz des recht hohen Merlot-Anteils (70% CS, 24% Merlot, 5% Petit Verdot und 1% Cabernet Franc) streng erzogen. Zwar ist die Frucht recht dicht und saftig, aber die hohe Säure lässt ihn etwas eckig und kantig erscheinen; es mangelt ihm ein wenig an Finesse.

 

1999 / 91 Punkte – Der letzte Jahrgang des alten Jahrtausends strömt mit viel Saft und Kraft in den Mund. Extraktreich und immer noch primärfruchtig; Aromen von Wildkirschen, Kakao, Lakritz und Schokolade zeugen von einer guten Verbindung aus Frucht und Holz; recht komplex.

1980 bis 1989 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 2)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

1980 / 84 Punkte – Die 80er Ausgabe fällt gegen den Vorgängerjahrgang recht deutlich ab; die verschiedenen Komponenten des Weins korrespondieren nicht richtig miteinander, der Wein hat eine gewisse Ruppigkeit und zeigt dadurch wenig Eleganz. Frucht ist zwar da, aber aufgrund mangelnder Harmonie und Finesse sind es nur 84 Punkte geworden. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure induziert ist.

 

1981 /  88 Punkte – In der Nase eher verhalten, dafür aber frisch und mit ätherischen Anklängen  guckt dieser 81er Monte Bello aus der Wäsche. Ein jetzt gut zu trinkender Wein; recht saftig, noch frisch und mit guten Tanninen ausgestattet; die Hand geht zum Glas – auch wenn dies keine große intellektuelle Herausforderung ist.

 

1982 /  60 Punkte – „ugly“ sagte mein Tischnachbar (gebürtiger Amerikaner und Wahlschweizer) und dem kann ich nur zustimmen. Man kann diesen Wein auch für korkig halten; aber dieser Muffton, diese extrem krautige Note kommt aus der Verarbeitung von unreifem Lesegut.

 

1983 / 88 Punkte – Da ist zumindest wieder Wein im Glas  – nach dem 82er eine echte Wohltat, wenn auch kein  „Kracher“. Eher von der Struktur getrieben und mit festen Tanninen ausgestattet macht dieser Jahrgang nicht den ganz großen Spaß. Wenig Fleisch auf den Rippen, eher sehnig. Die Aromen von Milchschokolade und Toffee im Abgang versöhnen etwas.

 

1984 / 84 Punkte – Die 80er Jahre sind bislang keine Offenbarung. In der Nase etwas krautig, erkennbare Reife, Liebstöckel. Dann erstaunlich reduktiv, auch ein wenig laktisch; letztendlich mangelt es ihm an Harmonie. Rene Gabriel meint: „schöne Blechbüchse zum Ende“ – ein Grund, warum ich Konserven grundsätzlich nach dem Öffnen sofort entleere, wenn es denn schon nicht ohne sie geht.

 

1985 / 90 Punkte – Geht doch !  Ein wenig Maggikraut zu Beginn, ein wenig Überreife in der Frucht, letztlich aber schöne Beerenfrucht in der Nase – erster Jahrgang in der 80er Jahren mit einer Bewertung >= 90 Punkte. Am Gaumen gut und fest gebaut, feine Extraktsüße; schöne, recht saftige Frucht mit Anklängen an Sattelleder, Malz und süßem Lakritz. 

 

1986 / 85 Punkte – Und schon wieder geht es den Berg hinunter. Assoziationen mit Pferdehaaren und Mottenkugeln kommen mir in den Sinn. Am Gaumen wirkt dieser Jahrgang recht spröde, die etwas spitze Säure trägt ihren Anteil dazu bei. Hinten heraus eher rauchig und mineralisch im Abgang.

 

1987 / 94 Punkte – In Europa war 1987 ein schwieriger Jahrgang und ich hätte keinen Wein gewusst, den ich dieses Jahr zum zwanzig-jährigen Jubiläum des Jahrgangs empfohlen hätte. Hier die Übersee-Antwort: Monte Bello 1987 (!) Mag man den Ausführungen von Robert Parker folgen, war dies einst ein sehr robuster Wein, der Geduld erforderte. Alle Anwesenden freuten sich der Geduld, die Nils mit dieser Flasche an den Tag gelegt hatte und so konnten wir ein „American Beauty“ genießen. Schon tief und substanziell in der Nase, am Gaumen ebenso weich wie tief in der Aromatik, viel Substanz, geschmeidig. Feinster Kakao und Minze sind die Begleiter eines wunderbar harmonisierten Weines, der eine aufregende Eleganz und Finesse zeigt. Einziger Wehmutstropfen, schon die produzierte Menge dieses Tropfens fiel weit unterdurchschnittlich aus, sodass es in Europa nahezu unmöglich sein wird, auch nur eine Flasche davon aufzutreiben.

 

1988 / 84 Punkte – Da war sie wieder, die herausstehende Säure, die einige Jahrgänge des Monte Bello „auszeichnet“. Meine Notizen sind so kurz ausgefallen – genauso unaufregend ist der Wein: kantig, etwas Bitterschokolade, eher bittere Orangenzesten, unangenehmer Kuhstall in der Nase, spitze Säure, recht angenehme Kühle, ein Hauch von Lakritz. Bestanfalls als harmlos zu bezeichnen.

 

1989 / 85 Punkte – So schlimm wie ihn einst Parker beschrieben hat (75 Punkte) ist er nicht, aber als „Bringer“ kann man ihn auch nicht bezeichnen. In der Nase auffallend viel Liebstöckel/Maggikraut, am Gaumen immer noch feste Tannine, recht grob geschnitzt, aber auch eine erkennbare Extraktsüße, leicht malzig, ein Wein eher zum unkomplizierten „Saufen“; zur Brotzeit (dafür natürlich viel zu teuer) geeignet.