1989 Domaine Zind Humbrecht – Riesling Clos Saint Urbain / Rangen deThann / Elsass

97 Punkte – WOW !!! Dieser Riesling ist eine bench mark für alles, was aus dieser Rebsorte erzeugt wird. 1989 war ein riesen Jahr im Elsass, aber das, was dieser Wein ins Glas bringt ist schier unglaublich und ich bedauere sehr, dass ich diesen Wein nicht als Pirat in meine letzte kleine Verkostung: Riesling Deutschland vs. Österreich gestellt habe, denn ich glaube er hätte alle anderen Wein (zwar knapp) geschlagen.

Das Bild zeigt nicht den richtigen Jahrgang

Die Nase verspricht schon ganz Großes: unglaublich tief, reichhaltig und sehr vielseitig (das englische Wort multy-layered drückt es für mich am Besten aus). Die Frische dieses nun 18 Jahre alten Rieslings ist atemberaubend und wer denkt, dass Elsässer Rieslinge nach ein paar Jahren immer nach Tankstelle riechen, wird klar eines besseren belehrt. Zwar ist eine ganz, ganz kleine Petrolnote zu erkennen, aber sie ist nur eine zarte Stimme im reichen Kanon an Geruchseindrücken, die  diesen Stoff auszeichnen.

Und jetzt der erste Schluck, ja, ja, ja denke ich nur und weiss gar nicht so genau, was ich in meine Verkostungsgladde eintragen soll, denn so unglaublich schön ist dieser Wein, dass ich unruhig auf meinem Sitz umherrutsche und kaum abwarten kann, was die anderen sagen. Und dann Helmut: "Glaube kaum, dass ich so einen schönen Weisswein bei mir im Keller habe (und wer um Helmuts Keller weiss, kann sich dies wiederum kaum vorstellen). Extraxtstark,  dicht, wahnsinnig komplex, druckvoll einerseits, differenziert andererseits, oder wie es Helmut dann für mich auf den Punkt brachte "da kansst di nei legen". Ganz, ganz großer Stoff –  und ganz nahe an der Perfektion !!

Reise nach Südtirol und Piemont – Tag 1

Eine Weinreise nach Südtirol und ins Piemont ? mit einem Ausflug an die Rhone 😉

Freitag 09.11.2006: Fahrt bei bestem Wetter von Frankfurt nach Sterzing, die Autobahn ist ungewöhnlich leer, dass Fahren entspannt und mit einem 150er Schnitt bis zur Grenze nach Österreich bin ich wohl manchmal schneller gewesen, als die Polizei erlaubt. Nur die Öschis mit ihrem 100er Tempolimit auf nahezu der gesamten Strecke bis nach Insbruck sind eine echte Spassbremse. Trotzdem pünktlich um 13.00 Uhr auf dem Pretzhof. Da meine Frankfurter Freunde mit dem eigenen Wagen gefahren sind und keinen Tankstop eingelegt haben, sind sie ein paar Minuten vor mir angekommen und so erwartet mich dann auch gleich der leckere Speckteller, dazu passend ein 2005er Alzinger Grüner Veltliner Reserve (93 Punkte) ? schöne, sehr klare Nase, kräuterwürzig, dicht und komplex, am Gaumen mit der Spannung eines Pflitzebogens, sehr mineralisch, kompakt und druckvoll.

Danach das Weinglück in Dosen, ein 2002er GV Kellerberg von F.X. Pichler (98 Punkte) ist ganz großes Kino und eigentlich perfekt; unglaublich dicht, kräuterwürzige Mineralität schon in der Nase spürbar, pure Extraktion, belegt und beschäftigt jeden Zentimeter auf der Zunge; Kraft und Finesse perfekt vereint, auch hier unglaublich mineralisch, wenn man die Aromen beschreiben möchte, assoziiere ich am ehesten mit Quitten, Sternfrucht und purer Mineralik, sensationell stoffig, trotzdem lang und elegant. Dazu eine gemischte Vorspeisenplatte (Hirschschinken, Hirschcarpaccio und Graukaas frisch aus dem Käsekeller von Karl) sind nicht minder lecker, gleiches gilt für das sensationelle Souffle vom Sauerkraut und Selchfleisch (geräuchertes und dann gekochtes Schweinefleisch). Es folgen resch gebratene Spanferkelrippchen und einer meiner Lieblingsweine aus Südtirol: 2004 Erbhof Unterganzner (Josephus Meyer) Lamarein (91 Punkte) ? sehr jung, die Nase ist durch die junge Frucht geprägt, gleiches gilt für den Gaumen. Trotzdem macht mir der Wein schon Freude, da er einfach eine unglaubliche Fruchtfülle besitzt und trotz seiner 15% Alkohol überhaupt nicht marmeladig wirkt, sondern durch seine unglaubliche Frucht, Kraft und Aromatik aus den getrockneten Lagrein-Trauben überzeugt; am Gaumen sehr weich, extraktreich und saftig; mit einer schönen Länge ausgestattet. Wird sich in den nächsten 2-3 Jahren sicherlich sehr positiv entwickeln, wenngleich er nicht die Tanninstruktur der Jahrgänge zu Beginn der 2000er Jahre aufweist. Nach einem kleinen Plausch mit Uli und Karl geht es dann weiter nach Burgstall bei Meran.

Am Abend ist an weiteres Essen nicht zu denken, aber da das Hidalgo mit seinem Keller (ca. 20.000 Flaschen) direkt neben unserer Pension liegt, schlagen Bernd und ich uns durch und werden von Traute und Renato gewohnt freundschaftlich begrüßt. Es ist der Vorabend des Weinfestivals und der normale Wahnsinn nimmt seinen Lauf, das Restaurant ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die üblichen Verdächtigen sind anwesend, einige Winzer mit Freunden, Weinfreaks, die man zwar nicht kennt, aber jedes Jahr wiedersieht. Unser Plan einen kleinen Schluck an der Bar zu nehmen, nimmt ein jähes Ende, als wir uns die Weinkarte geben lassen. Nach langem studieren, kommen wir überein, dass sich aufgrund der Preise Bordeaux lohnt und bestellen eine 1989er Pichon Longueville Comtesse de Lalande (94 Punkte): Kaminrot mit erkennbarem Wasserrand; schöne, sehr feine und offene Nase, erdig, etwas kräutrig, feine Frucht, an den guten alten Vanillepudding mit Erdbeeren von Muttern erinnernd (nicht zu verwechseln mit der Aromenpampe von heute, die zwar 10 mal intensiver duftet, aber mit der feinen, echten Vanille nichts mehr gemein hat), etwas kalkig, Noten von leichtem, sehr feinen Zigarrentabak, Zedernholz, herrliche Nase. Am Gaumen ebenfalls sehr elegant, herrlich gereift und gut balanciert, in gewisser Weise: die Leichtigkeit des Seins, spielerisch und trotzdem mit Tiefgang; mittlerer Körper, seidig, ganz klar und fein bis in den schönen, langen Abgang. Danach entdecken wir ein paar Münchener Freunde von der Toskana-Fraktion und trinken noch ein paar gemeinsame Schlücke Luce, Guado al Tasso und Siepi, ohne Notizen, aber mit der überrraschenden Erkenntnis, dass LUCE – ein Wein, um den ich bislang als Designerwein immer ein Bogen gemacht habe – diesmal viel Toscana und viel Sangiovese ohne speckigen Mantel ins Glas bringt.

1989 Domenico Clerico – Barolo Ciabot Mentin Ginestra

Anläßlich des Besuchs von guten Freunden aus Frankfurt haben wir im Hamburger Restaurant San Michele ein außergewöhnliches, superbes neun Gänge – Überraschungsmenü (Danke Franco – es war wunderbar !!) genossen und gemeinsam eine Magnum Domenico Clerico Barolo Ciabot Mentin Ginestra getrunken. Da ich es nicht besser formulieren kann, nachfolgend die Notiz meinses Freundes Bernd F.:

Der Wein ist für einen Barolo sehr dunkel und wirkt schon optisch sehr stoffig. Die Nase besticht sofort durch Eingängigkeit und große Harmonie und gleichzeitig durch eine sehr kraftvolle und doch durch Eleganz geprägte Note. Schon nach Sekundenbruchteilen ist jeder mögliche Zweifel an großem Trinkspaß zerstreut. Veilchen und

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