1989 Barolo La Villa Fratelli Seghesio Piemont


94 Puntke – Der ein Jahr ältere La Villa aus dem Jahrgang 1989 unterscheidet sich von seinem Bruder aus 1990 im Stil; er wirkt etwas klassischer, aber nicht minder attraktiv. Im Ergebnis ist er etwas filigraner und eleganter; aber auch der 89er zeigt eine wunderbare aromatische Tiefe mit runden, körnigen Tanninen. Die Aromatik ist ebenfalls dunkel, mit einer tollen Frucht (Kirschen, Brombeeren und Waldboden) sowie einer ansprechenden Fruchtsüße. Dies alles wird eingerahmt und durchzogen von malzigen Aromen, Zedernholz und einem Hauch Trüffel. Beeindruckend die aromatische Länge mit der er Mund und Rachen auskleidet. Auch hier ist keine Eile geboten, der Wein wird auf diesem Niveau noch etliche Jahre zu trinken sein.

1989 Barbaresco Selezione Christa Klauke, Produttori del Barbaresco – Piemont


90 Punkte – Spannend war die  für die Buchautorin und (ehemalige) Weinhändlerin Christa Klauke gemachte Spezial-Abfüllung. Diese Flasche entstammte einem Fass (No.137), das ausschließlich für sie abgefüllt worden war. Wie ich gehört habe, gehörte sie einmal zu den recht bedeutenden Händlern in Deutschland und ihre Liebe galt dem italienischen Wein.

Die Nase zeugt von einem gereiften Nebbiolo klassischer Art, Anklänge an Trüffel, Liebstöckel, rote Beeren und Trockenblumen. Am Gaumen ein vergleichbares Aromenbild; ein wirklich schön geschliffenes Tannin sowie die gut eingepasste Säure sorgen für ein harmonisches Gesamtbild; die gute Länge rundet dieses erfreulichen Weingenuss ab. Man darf davon ausgehen, dass für diese Spezialabfüllung ein wirklich gutes Fass gewählt worden ist. Allerdings war es im Jahrgang 1989 auch schwierig keinen guten Nebbiolo zu erzeugen. Wir haben noch länger darüber diskutiert, ob 1989 oder 1990 der bessere Jahrgang ist. Wenngleich in der Literatur 1990 die Nase leicht vorne hat, so waren wir uns am Tisch auf Grund eigener Erlebnisse einig, dass 1989 im Durchschnitt der etwas bessere dieser beiden großen Jahrgänge in der Langhe ist.

 

1989 Meringer Zellerberg Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / „Ma(n)ifest Nr.2“

Hier zeigt sich der Unterschied der Lage, vom gleichen Winzer und aus gleichem Jahrgang, aber nicht von gleicher Güte wie die Auslese aus der Trittenheimer Apotheke. Gelbe Früchte, aber etwas undifferenziert.

84 Punkte 

1989 Trittenheimer Apotheke Goldkapsel Auslese, Franz Josef Steffen – Mosel / „Ma(n)ifest Nr.1“

 

88 Punkte – Diese oberleckere Auslese Goldkapsel aus einer richtig berühmten und wunderschönen Lage (einen Besuch von Trittenheim und der Moselschleife kann ich jedem Naturliebhaber und Genussmenschen nur empfehlen) gehört in die Kategorie Einstiegsdroge. Sollte es wirklich noch jemand da draußen geben, der für kleines Geld (€12,- im Restaurant Schorn käuflich zu erwerben) mal wissen möchte, wie ein klassischer Moselriesling reift, der sollte hier zugreifen. Und wer sich etwas mehr Mühe machen möchte geht selbst auf die Pirsch nach solchen Goldschätzen, denn es gibt immer noch eine Vielzahl kleiner Winzerbetriebe, die in keinem Weinführer gelistet sind, die eine Vielzahl von Flaschen aus sehr guten Jahren im Keller liegen haben, die es zu entdecken gilt. Hinfahren, Probieren und die schönsten Wein mit nach Hause nehmen.

 

Diese Goldkapsel war im besten Sinne „trinkig“, ganz zarter Petrolton, Citrusaromen, gelbe Früchte, ein bisschen exotische Frucht, schönes Säure-Süße-Spiel, straff und immer noch herrlich frisch; dabei recht differenziert und klar in der Aromatik.

 

1989 Barbaresco Sori San Lorenzo, Angelo GAJA – Piemont

90-93 Punkte – GAJA, der große Name des Barbaresco, der Langhe, Italiens, ja eines der berühmtesten Weingüter weltweit. So einen Wein im Glas zu haben ist allein schon aus pekuniären Gründen etwas Besonderes. Aber auch die Geschichte der Familie ist so spannend wie abwechslungsreich und nicht immer war sie von dem Reichtum geprägt, zu dem es  heute Angelo Gaja, der "Unternehmer mit der Weltkarte in der Hand"  mit viel Herz, Verstand, unternehmerischem Geschick und Visionen gebracht hat. In dem vom Hallwag-Verlag und Slow food publizierten Buch (Hrsg: Carlo Petrini) "Barolo Barbaresco" kann man z.B. lesen:

"Entstanden war die Firma 1859, als es dem Urgroßvater Giovanni, einem wohlhabenden Fuhrunternehmer, gelungen war, durch seine Hände Arbeit den fünf Söhnen und zwei Töchtern je ein Bauernhof zu vererben. Drei seiner Söhne verloren, wie es in der Langhe fast schon Tradition hatte, den Hof auch gleich wieder beim Glücksspiel. Barba Cit, also "kleiner Onkel", wie der jüngste genannt wurde (er war fast zwei Meter groß), schaffte es sogar, die beiden Bauernhöfe, die seine reiche Frau mit in die Ehe gebracht hatte, gleich mitzuverspielen. Der zweitjüngste, unser Angelo (Anmerkung: der Großvater des heutigen Angelo Gaja) mit dem Maultier (Anmerkung: bezieht sich auf die frühere Ausführungen in diesem Artikel), war von ganz anderem Charakter, "der läuft mit dem Rosenkranz in der Hand rum", sagten die Leute. Er heiratete Clotilde Rey, eine strenge, unnachgiebige Frau, die in Chambéry den Beruf der Volksschullehrerin erlernt hatte. In Barbaresco wurde sie nur Madame genannt – allein den engsten Verwandten war die Koseform Tildin bekannt. Sie wusste genau, was gute Qualität und gute Arbeit bedeuteten und übernahm sogleich im familieneigenen Gasthaus Osteria del Valpore und im Weinkeller das Regiment. (…) Als Angelo Gaja 1961 seine Arbeit in dem Betrieb aufnahm, war er in der beneidenswerten Situation, bereits über einen in Italien berühmten Namen und 33 Hektar ausgezeichneter Barbaresco-Weingärten zu verfügen. (…)"

Noch detailliertere Informationen findet man im Buch "Sori San Lorenzo – Die Entstehung eines großen Weins" von Edward Steinberg, das 1996 von Slow Food herausgebracht wurde.

  

Der Barbaresco Sorì San Lorenzo ist regelmäßig geprägt von Kraft, Muskeln und Potential. Dies gilt auch für den 89er !! Ein unglaublich junger Wein, mit dunklem Kern steht er im Glas. Die tiefe Frucht ist geprägt von sehr dunklen Fruchtaromen, Wacholderbeeren und grüner Banane. Auch am Gaumen ist er kraftvoll, mit schönem, runden Mundgefühl, eher dunkler Frucht, guter Säure und schöner Tanninstruktur; gute Länge. Im Vergleich zu allen anderen Nicht-Gaja-Barolo/Barbarescoweinen an diesem Abend wirkte er sehr sooo jung, aber auch ein wenig zu glatt. Aber ich möchte dem Wein nicht Unrecht tun, daher die weit gefaßte (90-93 Punkte) Bewertung, obwohl ich glaube, dass man Schwierigkeiten haben wird – ihn blind verkostet – klar dem Piemont zuzuordnen. Muss nachverkostet werden.  

1989 Barolo Cicala, Aldo Conterno – Piemont

94 Punkte – Die Lage Bricco Cicala ist eine muldenförmige, windgeschützte Lage im oberen Teil des Tals von Bussia Soprana. Dieser Wein wird nur in guten Jahren erzeugt, ansonsten sind auch diese Trauben Bestandteil des "Standardbarolos" Bussia Soprana. Die Böden sind karg und der hier erzeugte Barollo gilt als besonders langlebig.

Der 89er Cicala strömt dunkel ins Glas – wirkt dicht und jung. Aufregend frisch betört er die Nasenschleimhäute. Am Gaumen sehr klar, tief und aromatisch. Auffallend schön sind die reichlich vorhandenen, ausgereiften Tannine, die dem Wein ein hervorragende Struktur geben. Feine Fruchtsüße, gepaart mit einer perfekt balancierten Säure; viel innere Harmonie und Eleganz lassen diesen Barolo zu einem Trinkerlebnis werden. Wie schon beim "einfachen" Barolo Bussia Soprana überzeugt auch hier die für den Erzeuger so typische Klarheit und Reinheit dieses Barolos. Fazit: pure Barolo!!

1989 Barolo, Bartolo Mascarello – Piemont

93 Punkte – Im direkten Vergleich zum 88er getrunken – es zeigt sich einmal mehr, welchen Einfluß die Jahrgänge haben können. War der 88er eher ein wenig vorzeitig gealtert, so zeigt der 89er Barolo, was es heißt ein stolzer Nebbiolo zu sein:

In der Nase betörend reife rote Früchte, Teer und Anklänge an getrockente Kräuter und Blüten; am Gaumen frisch, präsent, mit schönem Schmelz und kräftigen, aber reifen und recht runden Tanninen. Schöner Grip am Gaumen, reichlich Frucht mit eher dunklen Fruchtaromen, etwas Kohle und dunkler, herber Kakao. Das ganze ist unterlegt mit einer ausgewogenen Säure und einer feinen Fruchtsüße, sodass sich ein sehr harmonischer und sehr ausgewogener Gesamteindruck entwickelt.

1989 Pichon Longueville Baron – Pauillac

94 Punkte – der 89er Pichon Baron wirkt immer noch sehr jugendlich; zu Beginn ein ganz kleiner Pferdestall in der Nase, doch dann öffnete sich dieser dicht, dunkel und kompakt wirkende, klassische Pauillac mit nahezu perfekter Struktur. Dunkle Cassis- und Heidelbeeraromen, mit  herrlichen Röstaromen veredelt, dezent Mokka und Minze. Am Gaumen straff, fest  und edel gebaut, läßt kaum Wünsche offen und wird sicherlich auf diesem hohen Niveau die nächsten Jahre sich weiter entwickeln und vielleicht noch eine Spur an Komplexität drauf legen. Ein edler Herrenwein.

1989 GAJA, Barbaresco – Piemont

92+ Punkte – Fast 20 Jahre alt und steht voll im Saft –  herrlich !! Gaja’s 1989 Barbaresco hat eine vollen, gut definierten Körper, hier und da mit genau den richtigen Rundungen – ist aber leider eher als männlich einzustufen ;-))) So offeriert er eine dunkle Frucht nach Knubberkirschen oder sind es doch die edlen Piemontkirschen?  Schöne Extraktion, perfekt eingebundenes Holz (einst viel neues Holz), eher dunkel, mit zartem Schmelz, sehr feine Würze, ein Hauch feine Schokolade; gut balanciert und harmonisch. Die Tannine sind fein und von schöner Körnigkeit.  Gute Länge. Dieser Wein ist sexy !!!

1980 bis 1989 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 2)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

1980 / 84 Punkte – Die 80er Ausgabe fällt gegen den Vorgängerjahrgang recht deutlich ab; die verschiedenen Komponenten des Weins korrespondieren nicht richtig miteinander, der Wein hat eine gewisse Ruppigkeit und zeigt dadurch wenig Eleganz. Frucht ist zwar da, aber aufgrund mangelnder Harmonie und Finesse sind es nur 84 Punkte geworden. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure induziert ist.

 

1981 /  88 Punkte – In der Nase eher verhalten, dafür aber frisch und mit ätherischen Anklängen  guckt dieser 81er Monte Bello aus der Wäsche. Ein jetzt gut zu trinkender Wein; recht saftig, noch frisch und mit guten Tanninen ausgestattet; die Hand geht zum Glas – auch wenn dies keine große intellektuelle Herausforderung ist.

 

1982 /  60 Punkte – „ugly“ sagte mein Tischnachbar (gebürtiger Amerikaner und Wahlschweizer) und dem kann ich nur zustimmen. Man kann diesen Wein auch für korkig halten; aber dieser Muffton, diese extrem krautige Note kommt aus der Verarbeitung von unreifem Lesegut.

 

1983 / 88 Punkte – Da ist zumindest wieder Wein im Glas  – nach dem 82er eine echte Wohltat, wenn auch kein  „Kracher“. Eher von der Struktur getrieben und mit festen Tanninen ausgestattet macht dieser Jahrgang nicht den ganz großen Spaß. Wenig Fleisch auf den Rippen, eher sehnig. Die Aromen von Milchschokolade und Toffee im Abgang versöhnen etwas.

 

1984 / 84 Punkte – Die 80er Jahre sind bislang keine Offenbarung. In der Nase etwas krautig, erkennbare Reife, Liebstöckel. Dann erstaunlich reduktiv, auch ein wenig laktisch; letztendlich mangelt es ihm an Harmonie. Rene Gabriel meint: „schöne Blechbüchse zum Ende“ – ein Grund, warum ich Konserven grundsätzlich nach dem Öffnen sofort entleere, wenn es denn schon nicht ohne sie geht.

 

1985 / 90 Punkte – Geht doch !  Ein wenig Maggikraut zu Beginn, ein wenig Überreife in der Frucht, letztlich aber schöne Beerenfrucht in der Nase – erster Jahrgang in der 80er Jahren mit einer Bewertung >= 90 Punkte. Am Gaumen gut und fest gebaut, feine Extraktsüße; schöne, recht saftige Frucht mit Anklängen an Sattelleder, Malz und süßem Lakritz. 

 

1986 / 85 Punkte – Und schon wieder geht es den Berg hinunter. Assoziationen mit Pferdehaaren und Mottenkugeln kommen mir in den Sinn. Am Gaumen wirkt dieser Jahrgang recht spröde, die etwas spitze Säure trägt ihren Anteil dazu bei. Hinten heraus eher rauchig und mineralisch im Abgang.

 

1987 / 94 Punkte – In Europa war 1987 ein schwieriger Jahrgang und ich hätte keinen Wein gewusst, den ich dieses Jahr zum zwanzig-jährigen Jubiläum des Jahrgangs empfohlen hätte. Hier die Übersee-Antwort: Monte Bello 1987 (!) Mag man den Ausführungen von Robert Parker folgen, war dies einst ein sehr robuster Wein, der Geduld erforderte. Alle Anwesenden freuten sich der Geduld, die Nils mit dieser Flasche an den Tag gelegt hatte und so konnten wir ein „American Beauty“ genießen. Schon tief und substanziell in der Nase, am Gaumen ebenso weich wie tief in der Aromatik, viel Substanz, geschmeidig. Feinster Kakao und Minze sind die Begleiter eines wunderbar harmonisierten Weines, der eine aufregende Eleganz und Finesse zeigt. Einziger Wehmutstropfen, schon die produzierte Menge dieses Tropfens fiel weit unterdurchschnittlich aus, sodass es in Europa nahezu unmöglich sein wird, auch nur eine Flasche davon aufzutreiben.

 

1988 / 84 Punkte – Da war sie wieder, die herausstehende Säure, die einige Jahrgänge des Monte Bello „auszeichnet“. Meine Notizen sind so kurz ausgefallen – genauso unaufregend ist der Wein: kantig, etwas Bitterschokolade, eher bittere Orangenzesten, unangenehmer Kuhstall in der Nase, spitze Säure, recht angenehme Kühle, ein Hauch von Lakritz. Bestanfalls als harmlos zu bezeichnen.

 

1989 / 85 Punkte – So schlimm wie ihn einst Parker beschrieben hat (75 Punkte) ist er nicht, aber als „Bringer“ kann man ihn auch nicht bezeichnen. In der Nase auffallend viel Liebstöckel/Maggikraut, am Gaumen immer noch feste Tannine, recht grob geschnitzt, aber auch eine erkennbare Extraktsüße, leicht malzig, ein Wein eher zum unkomplizierten „Saufen“; zur Brotzeit (dafür natürlich viel zu teuer) geeignet.