1986 Hermitage – Jean Louis Chave – nördliche Rhone / „Ma(n)ifest Nr.6“


91 Punkte – Jean-Louis Chave und vor allem sein Vater Gérard gehören zu den großen Weinmachern Frankreichs, Robert Parker zählt sie gar zu den besten Weinmachern weltweit. Bislang hatte ich weder das Vergnügen sie zu treffen, noch habe ich die Region je bereist. Dies steht jedoch ganz weit oben auf meiner Prioritätenliste. Darin liegt auch der Grund, warum ich hier nicht viel über das Weingut und die Weinbereitung schreiben kann. Details gibt es z.B. in  Robert Parkers Buch „Rhone“ zu lesen. Einen kleinen Hinweis möchte ich jedoch geben, der für das Verständnis der Weine von Chave nicht ganz unwichtig ist. Vater und Sohn halten sehr viel von der traditionellen Weinbereitung – Technik spielt in ihrem Keller eine sehr untergeordnete Rolle.

Da der Jahrgang 1986 an der nördlichen Rhone nicht gerade zu den Glanzpunkten zählt, war ich umso mehr gespannt, was man hier dem Jahrgang abgerungen hat. Auch diesen haben wir blind getrunken und es lagen so ziemlich alle „Mittrinker“ am Tisch (incl. Meiner Wenigkeit, der diesen Wein zur Verkostung angestellt hatte) daneben, als es um die Bestimmung der Provenienz ging. Zu Beginn zeigten sich viele Kaffee- und Kräuteraromen und die meisten waren im Bordeaux unterwegs. Am Gaumen ebenfalls viele, eher dunkel anmutende Kräuter, das Wort „Ricolasüße“ fiel, was als Ausdruck dieser Kräutrigkeit in Verbindung mit einer eher feinen, delikaten Süße eigentlich ganz gut passte, wenn auch die Bonbons deutlich süßer sind. Dieser Wein ist kein Schwergewicht, am Gaumen recht weich und entwickelt, dennoch zeigte er – trotz des rech kleinen Jahrgangs – eine gewisse Eleganz. Wer noch Restbestände hat, sollte sie jetzt trinken.

 

1986 Chateau Talbot – St. Julien

96 Punkte – Was für ein Baum von Wein. Dunkel, würzige Nase, rauchig, Tabak und Zedernholzbukett, schwarze Beeren. Am Gaumen straff und kraftvoll konzentriert – ein Powerstoff, der gleichzeitig tief und nachhaltig den ganzen Mund ausfüllt. Davon eine Flasche und jeder Strohwitwerabend ist gerettet. So stelle ich mir einen Zehnkämpfer vor – sehnig und kraftvoll zugleich; da gibt es nichts, was ihn aus der Bahn wirft, egal ob Sprint, Weitsprung, Kugelstoßen oder Langstrecke – auch in 10 Jahren wird er sein genussverwöhntes Publikum noch begeistern.

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1986 Unico, Vega Sicilia / Ribera del Duero

94+ Punkte: Dunkles Rubinrot, kaum Aufhellungen, sehr klar. In der Nase hinterläßt er einen tiefen Eindruck, Anklänge von Zedernholz und Nelken umrahmen die dunkle Frucht, strahlt Kühle und Eleganz aus. Am Gaumen hat mich die saftige, dunkelrote Frucht (schöne Sauerkirscharomatik, reife Heidelbeeren) in ihren Bann gezogen.
Zum großen Wein wird dieser Unico für mich aufgrund der Kombination von einer tiefen, Kühle ausstrahlenden Mineralik, der wirklich schönen Extraktsüße und der kräftigen Säure, die alle zusammen einen attraktiven und kurzweiligen Spannungsbogen aufbauen. Insgesamt ein Wein, der für mich erst am Beginn seiner Genussphase steht, hat vielleicht noch Potential noch komplexer und eleganter zu werden.

1986 Guigal – La Mouline / Cote Rotie, Rhone

95 Punkte – Von den drei 86er Lalas (La Turque, La Landonne, La Mouline) sicherlich der primus inter pares. Sehr elegante Nase mit Aromen von feinsten Gewürzen, Pflaume und Mokka. Eine dicht gewobene Aromendecke mit Noten  von Leder, edlen Gewürzen und einer eher rotbeerigen Fruchtaromatik (auch: Hagebutte und reife, rote Stachelbeere), dazu ein Hauch von Kokos. Vom Körper eher ein Mittelgewicht, der eingerahmt wird von edlen Tanninen und einer perfekt eingebundenen Säure. Besonders erfreulich ist die herrliche Frische und Saftigkeit dieses 21 Jahre alten Wein. Gleichzeitig ist er der eleganteste innerhalb des Trios und überzeugt mit einer inneren Harmonie, die nur große Weine auszeichnet. Schön, davon noch eine Flasche im Keller zu wissen 🙂

 

  

1986 Guigal – La Turque / Cote Rotie, Rhone

92 Punkte – sehr klares rubinrot; nicht ganz so elegant wie der 86 La Landonne, dafür etwas dichter in der Frucht und mit einer schönen Extraktsüße ausgestattet. Etwas Minzschokolade, sehr tief und dunkel von der Frucht, herrlich kräuterwürzig; schöne, reife und immer noch frische Tannine, extraktsüß, recht moderate Säure. Wenn man kritisch ist, kann man vielleicht den etwas herausstehenden Alkohol kritisieren. Sehr gute Länge. Auch wenn dieser La Turque – im Vergleich zu anderen Jahrgängen – nicht wirklich groß ist, so kann man jedoch feststellen, dass selbst in kleineren Jahren die „Lalas“ eine Qualität besitzen, die viele Winzer selbst in guten Jahren nur selten erreichen.

1986 Guigal – La Landonne / Cote Rotie, Rhone

92 Punkte – erstaunlich dunkles rubinrot; in der Nase feine Kräutrigkeit, zarte Eukalyptusanklänge, rotbeerige Eindrücke; rote Johannisbeeren. Am Gaumen hinterläßt er einen äußerst harmonischen Eindruck mit feiner Frucht und herrlich reifen Tanninen. Die Hand geht zum Glas, ein hedonistischer Wein, durchaus komplex, aber er erreicht nicht die berauschende Finesse und Größe anderer Jahrgänge. Insgesamt  recht würzig, mit Noten von Rosmarin, Petersilie und Lakritz. Erstaunlich, dass mit zunehmender Luftzufuhr die Harmonie etwas schwindet und der Wein etwas eckiger und kantiger wird. Sehr gute Länge 

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1986 Ducru Beaucaillou – St. Julien Bordeaux

Ohne Bewertung / (92 Punkte) – Und da war es wieder: das Dauerproblem, das die Weine von Ducru Beaucaillou Mitte, Ende der 80er Jahre bis in den 90er Jahrgang (der laut Rene Gabriel total verseucht ist; vgl Bordeaux Total)  „auszeichnet“: Ein Muffton, bei dem man nicht so genau weiß, hat der Wein Kork ?  Nee,  Kork ist das nicht, aber hier stört etwas massiv den Weingenuss. Einige meinen, dass es Ausdünstungen von Holzschutzmitteln sind, die hier Einfluss auf den Wein genommen haben.

Man wird es wohl nie von offizieller Seite aufklären, aber es dürfte einen driftigen Grund gegeben haben, dass man Anfang der 90er Jahre die Kellergebäude von Ducru-Beaucaillou grundlegend saniert hat und ein komplett neuer Fasskeller gebaut wurde. Hinter diesem Weinfehler verbirgt sich ein durchaus ansprechender Wein, den ich bei einer anderen Probe im Sommer diesen Jahres verkosten konnte (aber auch hier war erst die 2.Flasche ohne Tadel). Erwischt man eine gute Flasche präsentiert sich der 86er Ducru mit einer sehr ausgewogen, nachhaltigen Art. Die klassische Aromatik wird von guten Tanninen unterstrichen und die schöne Länge, die er am Gaumen zeigt, rundet das Bild ab. Dürfte auch in den nächsten Jahre sehr gut sein – leider ein totales Lotteriespiel, bei 6 Flaschen, die ich insgesamt besaß, waren leider nur zwei fehlerfrei. Die einwandfreie Flasche im Sommer habe ich mit 92 Punkten bewertet.

1986 Domaine Armand Rousseau – Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques / Burgund

 

87 Punkte – Der erste Wein der 86er Probe war ein Burgunder: ein guter Einstieg in den folgenden Rotweinabend. Rubin bis Ziegelrot, mit wässrigen, leicht orangefarbenen Aufhellungen am  Rand. In der Nase sehr offen, erstaunlich intensive Frucht mit Noten von Erdbeeren, Kirschen, Kompott und Holzkohle. Am Gaumen zeigt sich eine lebendige Säure, gefolgt von einer leicht kräutrigen Aromatik; dann rauchig, verbranntes Karamell, aber auch wieder rote Früchte – insgesamt schöne Frucht bis in den Abgang. Gut integrierte Tannine runden das Bild ab; die Fruchtsüße und Aromenintensität legt mit zunehmender Zeit im Glas zu, leider gilt dies auch für die Säure, die am Ende etwas zu spitz daherkommt.

 

1980 bis 1989 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 2)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

1980 / 84 Punkte – Die 80er Ausgabe fällt gegen den Vorgängerjahrgang recht deutlich ab; die verschiedenen Komponenten des Weins korrespondieren nicht richtig miteinander, der Wein hat eine gewisse Ruppigkeit und zeigt dadurch wenig Eleganz. Frucht ist zwar da, aber aufgrund mangelnder Harmonie und Finesse sind es nur 84 Punkte geworden. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure induziert ist.

 

1981 /  88 Punkte – In der Nase eher verhalten, dafür aber frisch und mit ätherischen Anklängen  guckt dieser 81er Monte Bello aus der Wäsche. Ein jetzt gut zu trinkender Wein; recht saftig, noch frisch und mit guten Tanninen ausgestattet; die Hand geht zum Glas – auch wenn dies keine große intellektuelle Herausforderung ist.

 

1982 /  60 Punkte – „ugly“ sagte mein Tischnachbar (gebürtiger Amerikaner und Wahlschweizer) und dem kann ich nur zustimmen. Man kann diesen Wein auch für korkig halten; aber dieser Muffton, diese extrem krautige Note kommt aus der Verarbeitung von unreifem Lesegut.

 

1983 / 88 Punkte – Da ist zumindest wieder Wein im Glas  – nach dem 82er eine echte Wohltat, wenn auch kein  „Kracher“. Eher von der Struktur getrieben und mit festen Tanninen ausgestattet macht dieser Jahrgang nicht den ganz großen Spaß. Wenig Fleisch auf den Rippen, eher sehnig. Die Aromen von Milchschokolade und Toffee im Abgang versöhnen etwas.

 

1984 / 84 Punkte – Die 80er Jahre sind bislang keine Offenbarung. In der Nase etwas krautig, erkennbare Reife, Liebstöckel. Dann erstaunlich reduktiv, auch ein wenig laktisch; letztendlich mangelt es ihm an Harmonie. Rene Gabriel meint: „schöne Blechbüchse zum Ende“ – ein Grund, warum ich Konserven grundsätzlich nach dem Öffnen sofort entleere, wenn es denn schon nicht ohne sie geht.

 

1985 / 90 Punkte – Geht doch !  Ein wenig Maggikraut zu Beginn, ein wenig Überreife in der Frucht, letztlich aber schöne Beerenfrucht in der Nase – erster Jahrgang in der 80er Jahren mit einer Bewertung >= 90 Punkte. Am Gaumen gut und fest gebaut, feine Extraktsüße; schöne, recht saftige Frucht mit Anklängen an Sattelleder, Malz und süßem Lakritz. 

 

1986 / 85 Punkte – Und schon wieder geht es den Berg hinunter. Assoziationen mit Pferdehaaren und Mottenkugeln kommen mir in den Sinn. Am Gaumen wirkt dieser Jahrgang recht spröde, die etwas spitze Säure trägt ihren Anteil dazu bei. Hinten heraus eher rauchig und mineralisch im Abgang.

 

1987 / 94 Punkte – In Europa war 1987 ein schwieriger Jahrgang und ich hätte keinen Wein gewusst, den ich dieses Jahr zum zwanzig-jährigen Jubiläum des Jahrgangs empfohlen hätte. Hier die Übersee-Antwort: Monte Bello 1987 (!) Mag man den Ausführungen von Robert Parker folgen, war dies einst ein sehr robuster Wein, der Geduld erforderte. Alle Anwesenden freuten sich der Geduld, die Nils mit dieser Flasche an den Tag gelegt hatte und so konnten wir ein „American Beauty“ genießen. Schon tief und substanziell in der Nase, am Gaumen ebenso weich wie tief in der Aromatik, viel Substanz, geschmeidig. Feinster Kakao und Minze sind die Begleiter eines wunderbar harmonisierten Weines, der eine aufregende Eleganz und Finesse zeigt. Einziger Wehmutstropfen, schon die produzierte Menge dieses Tropfens fiel weit unterdurchschnittlich aus, sodass es in Europa nahezu unmöglich sein wird, auch nur eine Flasche davon aufzutreiben.

 

1988 / 84 Punkte – Da war sie wieder, die herausstehende Säure, die einige Jahrgänge des Monte Bello „auszeichnet“. Meine Notizen sind so kurz ausgefallen – genauso unaufregend ist der Wein: kantig, etwas Bitterschokolade, eher bittere Orangenzesten, unangenehmer Kuhstall in der Nase, spitze Säure, recht angenehme Kühle, ein Hauch von Lakritz. Bestanfalls als harmlos zu bezeichnen.

 

1989 / 85 Punkte – So schlimm wie ihn einst Parker beschrieben hat (75 Punkte) ist er nicht, aber als „Bringer“ kann man ihn auch nicht bezeichnen. In der Nase auffallend viel Liebstöckel/Maggikraut, am Gaumen immer noch feste Tannine, recht grob geschnitzt, aber auch eine erkennbare Extraktsüße, leicht malzig, ein Wein eher zum unkomplizierten „Saufen“; zur Brotzeit (dafür natürlich viel zu teuer) geeignet.

1986 Pol Roger – Extra Cuvee de Reserve

89 Punkte – Dieser Champagner ist – nach der Cuvee Sir Winston Churchill – die "Nummer Zwei" des Hauses Pol Roger. Der 86er war in der Nase geprägt von Sekundär- und Tertiäraromen, leichte Kellernoten; der Gaumen ist geprägt von einer prägnanten Säure, einer sehr guten Perlage, Noten von Rosinen, Kuchenteigaromen, Sauerteig- und Brotaromen. Ein immer noch animierender Trinkgenuss.