Bordeaux 1985 – kleine Horzontalverkostung

Einmal mehr war ich bei Freunden in Frankfurt zum Weintrinken eingeladen. Diesmal war klar, was auf den Tisch des Hauses kommen sollte: Bordeaux – denn die beiden Jungs haben erst kürzlich einen besonderen Deal gemacht und einen Weinschatz aufgekauft, der so ziemlich alles hergibt, was in der Zeit von 1982 bis 1990 Rang, Namen und viele, viele Punkte hat. Mein Mitbringsel, ein 1985er Chateau Cos d’Estournel  fügte sich an diesem Abend per Zufall perfekt in die kleine horizontale Verkostung ein, die von den jeweils „besseren Hälften“ intelligent und mit Fingerspitzengefühl für uns Jungs blind zusammengestellt worden war. Es gab (in der Reihenfolge der Nennung):

 

  • 1985 Chateau Grand Puy Lacoste, Pauillac
  • 1985 Chateau Latour, Pauillac
  • 1985 Chateau Cos d’Estournel , St. Estephe
  • 1985 Chateau Lynch Bages, Pauillac
  • 1985 Chateau Leoville Barton, St. Julien

 

Ein kleiner Hinweis vorab: Die verkosteten Weine stammten aus einem Top-Keller, den sie seit ihrer Lieferung nach dem Primeur-Einkauf nicht verlassen haben. Insofern liegen den nachfolgenden Notizen hervorragend konditionierte Flaschen zu Grunde.

 

Als warm up gab es einen weißen Wein-Kracher, der nicht lange fackelt, sondern mit dem man gleich von „Null auf Hundert“ in unter 4 Sekunden beschleunigt wird:


1998 Grüner Veltliner Ried Lamm, Weingut Bründlmayer – Kamptal

 

95 Punkte – Was für eine Rakete, bereits in der Nase bekommt man einen Eindruck von der brachialen Kraft und der Urgewalt dieses Weines. In der Nase schwingt zwar zu Beginn ein Hauch von flüchtiger Säure mit, aber dann erlebt man ein Feuerwerk von orientalischen Gewürzen, Rauch und weißem Pfeffer. Der erste Schluck kommt fast einem Anschlag gleich, denn der Wein brennt sich mit seiner krassen, ungemein salzigen Mineralität in der Zunge ein. Aber auch die Frucht ist nicht von schlechten Eltern: Noten von überreifen Äpfeln, Citrusfrüchten, viel Pampelmuse und Aprikosen sind nur ein paar Eindrücke, die man gewinnt, wenn man diesen ungemein dichten, feisten Wein kaut. Ein opulenter, brutaler Stoff, der trotz des hohen Alkohols und der leichten Botrytis noch ein langes Leben vor sich hat und der für mich eine Referenz des Grünen Veltliners darstellt. Mario Scheuermann hat mal zu diesem Wein geschrieben: „Auch dieser Wein sprengt mit seiner brachialen Kraft und Wucht jeden Rahmen und jede Konvention der Sorte. Dieser hat kein Pfefferl, sondern richtig Pfeffer. Neben einem solch faszinierenden Ungetüm müssen die meisten großen weißen Burgunder die Waffen strecken“ (vgl. Capital Weincompass, Mario Scheuermann). Den ersten Teil dieses statements kann ich voll und ganz unterschreiben, warum man jedoch dieses Weinunikat mit einem weißen Burgunder vergleicht, erschließt sich mir jedoch nicht, auch wenn dieser irre Stoff – trotz aller power und Aggressivität – eine innere Harmonie und Ausgewogenheit auf hohem Niveau besitzt.

 

 

1985 Chateau Grand Puy Lacoste – Pauillac

 

93 Punkte – Chateau Grand Puy Lacoste hat in der Dekade von 1980 bis 1990 langlebige Weine von hervorragender Qualität erzeugt. Einen Beweis mehr lieferte dieser schöne 85er, der in seiner Aromatik ganz typisch für dieses Chateau ist. Intensive, kräutrige und maskulin wirkende Nase mit Anklängen von frischen Trüffeln und Rauch (Asche eines ausgeglühten Lagerfeuers). Am Gaumen gerade aus mit schöner, klarer Frucht; vom Mundgefühl recht weich, mit Anklängen von roten Früchten, Lakritze und schwarzem Pfeffer. Ein in sich schlüssiger Tropfen, den ich gerne und mit viel Genuss getrunken habe. Auf diesem Niveau mindestens noch 5 Jahre.

 

 

1985 Chateau Latour – Pauillac

92-94 Punkte – Meine erste Begegnung mit Latour aus diesem Jahrgag und irgendwie bin ich mit mir nicht wirklich im Reinen: hat mir der Wein richtig gut gefallen hat oder nicht? Zu Beginn ein leichter Kellermuff; dann viele Kaffee-, Malz- (süßlich) und Marzipannoten. Mit viel Luft (dekantieren einmal mehr empfohlen) wird der Wein vielschichtiger und die Frucht blüht auf. Am Gaumen wirkt der Wein recht feminin, feinen Noten von Himbeeren und grünen Erbsen. Die Tannine sind rund und geschliffen; hinten heraus bleibt jedoch ein kleines Bitterle. Zu Beginn erstaunlich dicht und weich, aber irgendwie auch ein wenig richtungslos – der Wein hat noch ordentlich Alterungspotential, aber die Frage: „Findet er noch die klare Richtung und seine echte Latour-Seele?“ bleibt. Da er im Glas mit der Zeit ausbaute, bin ich zuversichtlich, dass bei gut gelagerten Flaschen noch 1-2 Punkte mehr drin sind. Für das viele Geld würde ich mir momentan lieber ein paar Flaschen Grand Puy Lacoste gönnen.

 

 

1985 Chateau Cos d’Estournel – St. Estephe

 

93 Punkte – Dieser Wein spaltete an diesem Abend ein wenig die Gemüter. Mein lieber Freund mir gegenüber punktete 88/89 Punkte und meinte er sei etwas verwaschen, mein Weinfreund zur Linken setzte ihn am Ende ein Tick über den noch folgenden 85er Leoville Barton. Ich hatte ihn mit 93 Punkten  punktgleich mit dem Leoville und damit deutlich jenseits der 90-Punkte-Grenze. Ich habe mir „androgyn“ notiert – einerseits ein dunkle, maskuline und mineralische Aromatik (Dörrobst, schwarze Oliven), andererseits eine vordergründige, saftige, weiche und weibliche Wärme sowie eine runde, üppige Frucht. Schwer zu verstehen, aber hinter der weichen, üppigen Frucht auch viel Struktur und etwas ruppige Tannine. Mit haben die Gegensätze gut gefallen.

 

 

1985 Chateau Lynch Bages – Pauillac

 

96 Punkte – Zwei Worte habe ich mir als Fazit in mein kleines Notizbuch notiert: „Sinnliche Schönheit“ Nein, nicht diese Hungerhaken, die man heute ständig auf irgendwelchen Modenschauen sieht, sondern uns hat an diesem Abend eine femme fatale begeistert. Schon das Bukett hatte ein unglaublich verschwenderisches Parfüm: reife Weichselkirschen, vielen süßlich-orientalischen Anklängen; eingefangen in einer Box aus edlem Zedernholz (Zigarrenbox, die den Duft der letzten Zigarren ein wenig bewahrt hat).  Am Gaumen saftige Fülle, sehr ausdrucksstark und ausladend. Intensiv, voller Körper und ziemlich sexy. Durchaus elegant, aber primär (im allerbesten Sinne) ein Kind der Bourgeoisie.

 

 

1985 Chateau Leoville Barton – St. Julien

 

93 Punkte – Zu Beginn sehr viel Kaffee- und Röstaromen, Zedernholz und Zigarrenkiste. Am Gaumen recht maskulin in seinen Anlagen: Röstaromen, das Tannin trocknet den Gaumen etwas an; auf der anderen Seite mit einer recht eleganten rotbeerigen Frucht und einer feinen, recht eleganten Süße. Aufgrund der sehr straffen Säure kann ich die Notiz von Rene Gabriel aus 1999 ganz gut nachvollziehen, wo er dem 85er Chateau Leoville Barton eine „Sangiovese-Affinität“ attestiert und ihn zum „Frankreich/Toskaner“ mutieren lässt. Da der Wein im Glas hinten heraus recht schnell abbaute, verstehe ich es auch, wenn man ihm noch ein oder zwei Pünktchen abzieht.  

1985 Bussia Soprana, Aldo Conterno – Piemont

90 Punkte – Aldo Conternos Weinbergbesitz liegt eng beieinander; seine Weinstöcke stehen überwiegend in den Lagen Bussia Soprana, Bricco Cicala und Colonello. Die Straße von Bussia Soprana nach Pianpolvere markiert die Grenze zwischen diesem Weinberg und den davon nördlich gelegenen Grand Cru Lagen Bricco Cicala und Colonnello.

 

Bussia Soprana ist die Basisqualität von Aldo Conterno, für mich sind diese Weine nie spektakulär, aber stets sehr gut. Aldo Conternos Bussia überzeugt mich stets mit seiner Geradlinigkeit und Klarheit. Ohne Schnörkerl, auf das Wesentliche des Nebbiolo konzentriert.

Die Langlebigkeit seiner Weine zeigt sich auch beim Bussia 85. In der Nase hatte ich zu Beginn ein kleiner Ton von Sauerkraut, aber der verfliegt schnell und dann kommen die Aromen von Rosen, Teer, Kirsch und getrockenten Kräutern durch – ein feiner und eleganter Nasenbär! Am Gaumen kann er die Klasse nicht ganz halten, mittlerer Körper, von der Aromatik rein und klar, klassischer Nebbiolo, etwas roter Tee, Trockenkräuter, ein Hauch Kirche. Durchaus kräftige Säure, die ihn einerseits noch etwas schlanker erscheinen läßt, andererseits den frischen Eindruck unterstützt.

1985 Barolo Bricotto Bussia, Domenico Clerico – Piemont

Hier bin ich mir nicht sicher, aus welcher der beiden Bussia Lagen (wird aber weiter recheriert, habe momentan leider meine gesamte Literarur nicht greifbar) dieser Wein strammt. Beide Lagen (Bussia Soprana und Bussia Sottana) gehören zur Gemeinde Monforte und für beide wird die Abkürzung Bussia verwendet, aber die Konfusion darüber herrscht nicht nur bei mir. Auch die alte Strasse, die früher beide Lagen verband, trug den Namen "Bussia" und so ist es auch nicht verwunderlich, dass bis heute dieser Name mannigfaltig (und somit die Sinne verwirrend) verwendet wird.

89 Punkte – Die Nase ist nicht ganz einfach zu erfassen, da findet man Noten von Teer, Blut, Kleber und herben Kräutern. Im Kern sehr dunkel; mit festen Tanninen ausgestattet; mir  bereitet dieser Barolo  durchaus Freude, denn auch vom Geschmack wirkt er eher maskulin und kräutrig; mittelgewichtig. Für etwas Aufhellung sorgt eine Frucht, die an rote Früchte und Hagebutten erinnert.  Angenehme Länge.

1985 Barolo Ciabot Mentin Ginestra, Domenico Clerico – Piemont

Die Lage Ginestra gehört zu den großen, klassischen Lagen im Piemont. Bereits Lorenzo Fantini hat in seiner Gesamtdarstellung des Weinbaus in der Provinz Cuneo "Monografia sulla viticoltura ed enologia nella provincia di Cuneo" Ende des 19. Jahrhunderts die Lage Ginestra (neben Bussia und Pugnane) als Bereich der Gemeinde Monforte mit Barolo höchster Qualität beschrieben (vgl. C.Petrini: Barolo + Barbaresco – Atlas der Lagen, Weine und Produzenten, Hallwag 2000). Neben Domenico Clerico produzieren  u.a. Paolo Conterno "Barolo Ginestra", Conterno Fantino "Barolo Sori Ginestra" und Elio Grasso "Barolo Ginestra Vigna Casa Maté" Weine aus dieser Lage.
 

92 Punkte – In der Nase etwas Liebstöckel, zunächst auch ein wenig dumpf, jedoch klärt sich dies mit zunehmender Luft im Glas. Intensive Aromen von Unterholz  und Teer. Am Gaumen körperreich, immer noch sehr fest, klassischer Baroloeindruck, gute Struktur; im Mund sehr lebendig und mit guter Länge

1985 Fratelli Barale, Barolo Vigna Castellero Riserva – Piemont

89 Punkte – Zu Beginn deutliche Altersnote in Form von Liebstöckelaromen in der Nase, später dringt die reife Frucht besser durch, Noten von feuchtem Unterholz, Veilchen und Leder. Von der Statur eher mittelgewichtig. Mit dem ersten Schluck geht der Vorhang auf und eine unerwartet saftige und spielerische Frucht betritt die Bühne. Die in Würde gereifte Frucht in der Hauptrolle brilliert mit Komplexität und Tiefe, in weiteren Rollen ein etwas sprödes, aber doch überzeugendes Tannin und eine Säure, die leider mit der Klasse der beiden anderen Mimen nicht mithalten kann und aufgrund der etwas spitzen, eher säuerlichen Art zu Abzügen in der Gesamtwertung führt.

1980 bis 1989 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 2)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

1980 / 84 Punkte – Die 80er Ausgabe fällt gegen den Vorgängerjahrgang recht deutlich ab; die verschiedenen Komponenten des Weins korrespondieren nicht richtig miteinander, der Wein hat eine gewisse Ruppigkeit und zeigt dadurch wenig Eleganz. Frucht ist zwar da, aber aufgrund mangelnder Harmonie und Finesse sind es nur 84 Punkte geworden. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure induziert ist.

 

1981 /  88 Punkte – In der Nase eher verhalten, dafür aber frisch und mit ätherischen Anklängen  guckt dieser 81er Monte Bello aus der Wäsche. Ein jetzt gut zu trinkender Wein; recht saftig, noch frisch und mit guten Tanninen ausgestattet; die Hand geht zum Glas – auch wenn dies keine große intellektuelle Herausforderung ist.

 

1982 /  60 Punkte – „ugly“ sagte mein Tischnachbar (gebürtiger Amerikaner und Wahlschweizer) und dem kann ich nur zustimmen. Man kann diesen Wein auch für korkig halten; aber dieser Muffton, diese extrem krautige Note kommt aus der Verarbeitung von unreifem Lesegut.

 

1983 / 88 Punkte – Da ist zumindest wieder Wein im Glas  – nach dem 82er eine echte Wohltat, wenn auch kein  „Kracher“. Eher von der Struktur getrieben und mit festen Tanninen ausgestattet macht dieser Jahrgang nicht den ganz großen Spaß. Wenig Fleisch auf den Rippen, eher sehnig. Die Aromen von Milchschokolade und Toffee im Abgang versöhnen etwas.

 

1984 / 84 Punkte – Die 80er Jahre sind bislang keine Offenbarung. In der Nase etwas krautig, erkennbare Reife, Liebstöckel. Dann erstaunlich reduktiv, auch ein wenig laktisch; letztendlich mangelt es ihm an Harmonie. Rene Gabriel meint: „schöne Blechbüchse zum Ende“ – ein Grund, warum ich Konserven grundsätzlich nach dem Öffnen sofort entleere, wenn es denn schon nicht ohne sie geht.

 

1985 / 90 Punkte – Geht doch !  Ein wenig Maggikraut zu Beginn, ein wenig Überreife in der Frucht, letztlich aber schöne Beerenfrucht in der Nase – erster Jahrgang in der 80er Jahren mit einer Bewertung >= 90 Punkte. Am Gaumen gut und fest gebaut, feine Extraktsüße; schöne, recht saftige Frucht mit Anklängen an Sattelleder, Malz und süßem Lakritz. 

 

1986 / 85 Punkte – Und schon wieder geht es den Berg hinunter. Assoziationen mit Pferdehaaren und Mottenkugeln kommen mir in den Sinn. Am Gaumen wirkt dieser Jahrgang recht spröde, die etwas spitze Säure trägt ihren Anteil dazu bei. Hinten heraus eher rauchig und mineralisch im Abgang.

 

1987 / 94 Punkte – In Europa war 1987 ein schwieriger Jahrgang und ich hätte keinen Wein gewusst, den ich dieses Jahr zum zwanzig-jährigen Jubiläum des Jahrgangs empfohlen hätte. Hier die Übersee-Antwort: Monte Bello 1987 (!) Mag man den Ausführungen von Robert Parker folgen, war dies einst ein sehr robuster Wein, der Geduld erforderte. Alle Anwesenden freuten sich der Geduld, die Nils mit dieser Flasche an den Tag gelegt hatte und so konnten wir ein „American Beauty“ genießen. Schon tief und substanziell in der Nase, am Gaumen ebenso weich wie tief in der Aromatik, viel Substanz, geschmeidig. Feinster Kakao und Minze sind die Begleiter eines wunderbar harmonisierten Weines, der eine aufregende Eleganz und Finesse zeigt. Einziger Wehmutstropfen, schon die produzierte Menge dieses Tropfens fiel weit unterdurchschnittlich aus, sodass es in Europa nahezu unmöglich sein wird, auch nur eine Flasche davon aufzutreiben.

 

1988 / 84 Punkte – Da war sie wieder, die herausstehende Säure, die einige Jahrgänge des Monte Bello „auszeichnet“. Meine Notizen sind so kurz ausgefallen – genauso unaufregend ist der Wein: kantig, etwas Bitterschokolade, eher bittere Orangenzesten, unangenehmer Kuhstall in der Nase, spitze Säure, recht angenehme Kühle, ein Hauch von Lakritz. Bestanfalls als harmlos zu bezeichnen.

 

1989 / 85 Punkte – So schlimm wie ihn einst Parker beschrieben hat (75 Punkte) ist er nicht, aber als „Bringer“ kann man ihn auch nicht bezeichnen. In der Nase auffallend viel Liebstöckel/Maggikraut, am Gaumen immer noch feste Tannine, recht grob geschnitzt, aber auch eine erkennbare Extraktsüße, leicht malzig, ein Wein eher zum unkomplizierten „Saufen“; zur Brotzeit (dafür natürlich viel zu teuer) geeignet.

1985 Leoville Las Cases / St. Julien / Bordeaux

96 Punkte – Zu Beginn ein starkes Aroma von Kaffee, Mokka und Tabak in der Nase; sehr tief, kühl und aromenreich – man ist beschäftigt. Am Gaumen sehr frisch, kühl und eher maskulin. Schöner, kräftiger Körper; herrliche Tanninstruktur; reife und körnige Tannine, die der tollen Frucht den nötigen Widerstand geben und dem Wein so eine perfekte Statur verleihen. Röstaromen, Kaffee, feinste Schokolade, Cassis, beerig, herrlicher Stoff …. mehr Worte muss man einfach nicht machen.

1985 Castello di Rampolla – Sammarco

94 Punkte – Wow, dieser Supertuscan zeigt deutlich, dass italienische Weine aus großen Jahrgängen sehr gut altern können. Leider kann ich meine detaillierten Verkostungsnotizen nicht finden, aber in bleibender Erinnerung sind mir geblieben:

# die erstaunliche Frische
# eine schöne, saftige (dunkle Beeren-)Frucht
# die immer noch unglaublich strammen Tannine,
# sowie Ecken und Kanten, 

die zu diesem Wein passen und ihn sehr individuell und eigenständig dastehen lassen und die gleichzeitig den Trinker dazu anstacheln sich mit dem Wein auseinanderzusetzen. Die kräftige Säure unterstützt den Eindruck von Frische. Es wird – trotz der fast reinsortigen Cabernet –  deutlich, dass dies kein Bordeauxwein ist, sondern ein Italiener – obwohl die schönen Graphitnoten  jedem Bordeaux zu Ehre gereichen würden. Insgesamt hat mir der Druck am Gaumen, die Frische, letztlich aber auch die Stimmigkeit aller Komponenten auf hohem Niveau so gut gefallen, dass mit die Vergabe von 94 Punkten leicht gefallen ist.

1985 Corton – Bressandes / Domaine P. Dubreuil – Fontaine / Burgund

89 Punkte – die erste Nase hinterlässt einen etwas (kuh-) stalligen Eindruck, der jedoch mit zunehmender Belüftung verfliegt und einer schlanken, etwas kräutrig wirkenden Frucht mit Anklängen an Zwetschgen Platz macht.

Der Gaumen ist geprägt von einer angenehmen Extraktsüße, einer eher kühlen Aromatik (die etwas metallisch wirkt) sowie einer guten Länge. Die immer noch vorhandene Frucht erinnert an rote Beeren, Erdbeeren. Der Wein wirkt mit seinem mittelgewichtigen Körper durchaus elegant, alle Komponenten (Frucht, Säure, Tannine) sind harmonisch miteinander verschmolzen . Für eine Benotung deutlich über 90 Punkten fehlt es etwas an Komplexität und Tiefe, wenngleich der Wein eine gewisse Eleganz vorweisen kann, die insbesondere durch die schönen, weichen und runden Tannine geprägt ist.