1982 Chateau Gruaud Larose – Bordeaux (Top of the Pops)

97 Punkte – Rrrrh, what a man, die Damenwelt wäre wohl begeistert, denn dieser Stoff ist der Wein gewordene Sean Connery, eine Mischung aus Kerl und Gentleman, aus schottischer Derbheit und weltgewandtem Auftreten, einem von der Natur gegerbtem Gesicht mit spitzbübischem und verführerischem Lächeln. Für mich ist dieser Wein der Inbegriff eines klassischen Bordeaux; intensive Nase mit Noten von Speck und Rauch; einerseits urwüchsig, fast animalisch, andererseits mit viel Charme und Finesse. Am Gaumen immer noch unglaublich jung, mit viel Kraft, Druck und kernigem Körper – hat einen mächtigen Bums würde man wohl beim Rugby oder Fußball sagen. Dazu passen die ledrigen Noten genauso gut wie die schwarzen Beeren und die getrockneten Kräuter- und Lorbeernoten. Bei so einem Wein geht bei mir die Hand permanent zum Glas, aber es gibt auch Momente, da sitzt man fast meditativ in der Ecke und genießt die aromatische Länge jedes Schlucks.

1982 Chateau Cheval Blanc – St. Emilion / Bordeaux („kleine“ Weinprobe Nr.9)

99 Punkte – Was für ein Stoff!! Zu Beginn eine schöne (vielleicht sogar etwas verwaschene) Frucht, die mit zunehmender Luft aber so unglaublich ausbaute, das man die Tiefe der Aromatik nur als abgründig beschreiben kann. Wie meist bei wirklich ganz großen Weinen macht es wenig Sinn, die Aromeneindrücke zu beschreiben, sondern das „Gesamtkunstwerk“ zählt – und in diese Kategorie gehört dieser Wein ohne Zweifel. Der 82er Cheval baute einen Druck, eine Komplexität und Nachhaltigkeit auf, die in ihrer Harmonie nicht in Worte zu fassen ist. Dieser Wein ist perfekt und als er aufgedeckt wurde, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, dass Parker ihn gerade 3 oder 4 Wochen zuvor von 100 auf 92 Punkte degradiert hatte. Der Wein hat eine Strahlkraft, eine Eleganz und eine innere Harmonie, die es einem nahezu unmöglich machen, die Hand vom Glas zu nehmen. Doch nur wer Ruhe und Gelassenheit mitbringt, wird ihn in seiner Klarheit und Vollkommenheit erfassen können. Im direkten Vergleich zum schon nahezu perfekten Margaux machen die noch größere Harmonie und die nicht enden wollende Länge im Abgang den Unterschied zwischen 96 und 99 Punkten aus. Eines sei vielleicht noch angemerkt, diese Flasche wurde seit der Auslieferung aus der Subskription so gut wie nie angefasst und seitdem perfekt gelagert. Es dürfte nahezu ausgeschlossen sein, solche Flaschen auf einer Auktion  zu erwerben, denn dort gehen häufig „Wanderpokale“ über den Tisch, bei denen man nicht weiß, welche Strapazen sie zwischenzeitlich erleben mussten.

1982 Chateau Margaux – Margaux / Bordeaux („kleine“ Weinprobe Nr.8)

96 Punkte – Unglaublich spannend an diesem Abend war die direkte Gegenüberstellung (im Rahmen einer anonymen Blindverkostung) der beiden hoch bezahlten Spitzenstars aus dem Jahrhundertjahrgang 1982.

 

Zunächst kam ein Wein ins Glas, mit dem ich frisch eingegossen fast ein wenig Problem hatte – den gekochten Kohlrabi mag ich zwar auf dem Teller, aber nicht unbedingt im Glas. Doch mit Luftzufuhr entfaltete sich ein wunderbares, dichtes Bukett mit vielen Frucht-, Kräuter- und Würzarmen. Auffallend sind die hohe Dichte, die innere Spannung und die Konsistenz, die diesen Wein auszeichnen. Mir wurde schlagartig klar, dass dieser Wein erst am Beginn seiner Trinkreife steht. Am Gaumen dann ein vergleichbares Bild: dicht, lebendig, voller innerer Spannung und Harmonie. Ein Wein mit vollem Körper, aber ohne jeden Verdacht fett oder übermäßig kraftvoll/überextrahiert zu sein. Die Tannine sind wunderbar fest und Struktur bildend, ohne Härte/Spröde. Die differenzierte Frucht von Cassis und dunklen Beeren ist eingeflochten in einen schönen Aromenteppich aus feinen Röstaromen (Kaffee und Kakao), edlem Tabak und Bleistiftnoten. Die animierende Saftigkeit, kombiniert mit der perfekten Struktur, der feinen Süße und dem Hauch von Minze und Eukalyptus haben mich begeistert.

1982 Barolo Cottina Rionda Riserva, Bruno Giacosa – Piemont

98 Punkte – Was für ein traumhafter Wein !! Dieser Barolo vereint große Harmonie und Eleganz mit einer inneren Spannung und – für das Alter – großen Frische, die nur ganz, ganz, ganz wenige Weine dieser Welt vorweisen können. Jemand am Tisch sprach von einem erhabenen Wein –  das ist mir vielleicht ein wenig zu pathetisch, aber großer Stoff ist das allemal. Die Aromatik in Nase und Mund ist unglaublich tief, komplex und fein und alle Versuche einer verbalen Beschreibungen sind irgendwie zu kurz gefasst, aber die ganz feine Süße, die perfekt reife Säure und die edlen, ausgewogenen Tannine möchte ich gerne herausstellen. Die Aromatik bezeichne ich persönlich als klassisch:  Noten von (welken) Rosen, Teer, roten Früchten,  sowie feuchter Erde, etherischen Anklängen und Trüffel. Und nochmals die Tiefe, Komplexität  und die Finesse – bis weit rein in den laaaaangen Abgang – sind total beeindruckend.

  

Einen Barolo aus der Lage Vigna Rionda hat Bruno Giacosa zuletzt im Jahr 1993 vinifiziert. Da Bruno Giacosa erst Mitte der 80er Jahre (1984) damit begonnen hat, eigene Weinberge zu kaufen, stammen sämtliche Weine vorher aus zugekauften Trauben. Einen perfekten Überblick über alle erzeugten Weine und Qualitätsstufen (weißes/rotes Etikett) findet man auf folgender Seite:

http://networks.ecse.rpi.edu/~vastola/wine/giacosa/barolo/index.html

1982 Barolo Monprivato, Giuseppe Mascarello – Piemont

90 Punkte – Mauro Mascarello hat den Betrieb von seinem Vater 1967 übernommen. Im Jahr 1970 kam die erste reine Lagenabfüllung auf die Flasche. In diesen Jahren schlugen die Revoluzzergedanken von Mauro auch auf die Weinbereitung durch und so mussten  die Weine in der ersten Hälfte der 70er Jahre mit einer Maischestandzeit von nur fünf bis sechs Tagen auskommen. Dieses Methode wurde jedoch wieder verworfen und so sind seine Weine heute Leuchttürme klassisch erzeugter Barolos: drei bis vier Wochen temperaturkontrollierte Gärung und Mazeration mit untergetauchtem Tresterhut sowie  langsamer Milchsäurevergärung bis weit in den nächsten Sommer hinein.

Die Lage Monprivato in der Gemeinde Castiglione Falleto ist fest mit der Familie Mascarello verbunden. Mauros Großvater Maurizio kaufte bereits im Jahr 1904 in Monprivato Land und ein Bauernhaus. Renato Ratti stufte in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Lage in seiner bis heute richtungsweisenden "Carta del Barolo"  in die allerhöchste Qualitätsstufe ein. Der Boden besteht aus grau-weißem Kalkmergel mit hohen Spurenanteilen von Bor, Eisen und Mangan. Als Ergebnis bringt er so klar terroirdominierte Baroli hervor.

 

Der 1982er Monprivato ist unglublich eigenständig in seiner Aromatik. Schon in der Nase überstrahlt der Duft von Walnüssen alle anderen Aromen und auch am Gaumen ist die Walnuß nicht zu "überschmecken". Die Nase ist deutlich geprägt von Tertiäraromen, leicht süß und animalisch. Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck fort; der Wein wirkt sehr balsamisch, deutliche Walnussaromatik, süßer Sherry, aber eben auch mit excellenter Konzentration ausgestattet. Selten war ich mir in der "Benotung" eines Weines so unsicher; einerseits deutliche Alterungsnoten, die ausgeprägte Nussigkeit und die oxidative Veranlagung. Anderserseits machte mir dieser Wein Spaß, meine Neugier wurde mit jedem Schluck weiter herausgefordert und die (morbide) Süße gefiel mir durchaus. Ich war hin und her gerissen zwischen 88 und 93 Punkten; letztlich habe ich 90 gegeben, kann aber jeden verstehen, der diesen Wein ablehnt, aber genauso kann ich denjenigen verstehen, der sagt: wow, was für ein singuläres Erlebnis.

1980 bis 1989 Ridge – Monte Bello / Kalifornien (Teil 2)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

1980 / 84 Punkte – Die 80er Ausgabe fällt gegen den Vorgängerjahrgang recht deutlich ab; die verschiedenen Komponenten des Weins korrespondieren nicht richtig miteinander, der Wein hat eine gewisse Ruppigkeit und zeigt dadurch wenig Eleganz. Frucht ist zwar da, aber aufgrund mangelnder Harmonie und Finesse sind es nur 84 Punkte geworden. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure induziert ist.

 

1981 /  88 Punkte – In der Nase eher verhalten, dafür aber frisch und mit ätherischen Anklängen  guckt dieser 81er Monte Bello aus der Wäsche. Ein jetzt gut zu trinkender Wein; recht saftig, noch frisch und mit guten Tanninen ausgestattet; die Hand geht zum Glas – auch wenn dies keine große intellektuelle Herausforderung ist.

 

1982 /  60 Punkte – „ugly“ sagte mein Tischnachbar (gebürtiger Amerikaner und Wahlschweizer) und dem kann ich nur zustimmen. Man kann diesen Wein auch für korkig halten; aber dieser Muffton, diese extrem krautige Note kommt aus der Verarbeitung von unreifem Lesegut.

 

1983 / 88 Punkte – Da ist zumindest wieder Wein im Glas  – nach dem 82er eine echte Wohltat, wenn auch kein  „Kracher“. Eher von der Struktur getrieben und mit festen Tanninen ausgestattet macht dieser Jahrgang nicht den ganz großen Spaß. Wenig Fleisch auf den Rippen, eher sehnig. Die Aromen von Milchschokolade und Toffee im Abgang versöhnen etwas.

 

1984 / 84 Punkte – Die 80er Jahre sind bislang keine Offenbarung. In der Nase etwas krautig, erkennbare Reife, Liebstöckel. Dann erstaunlich reduktiv, auch ein wenig laktisch; letztendlich mangelt es ihm an Harmonie. Rene Gabriel meint: „schöne Blechbüchse zum Ende“ – ein Grund, warum ich Konserven grundsätzlich nach dem Öffnen sofort entleere, wenn es denn schon nicht ohne sie geht.

 

1985 / 90 Punkte – Geht doch !  Ein wenig Maggikraut zu Beginn, ein wenig Überreife in der Frucht, letztlich aber schöne Beerenfrucht in der Nase – erster Jahrgang in der 80er Jahren mit einer Bewertung >= 90 Punkte. Am Gaumen gut und fest gebaut, feine Extraktsüße; schöne, recht saftige Frucht mit Anklängen an Sattelleder, Malz und süßem Lakritz. 

 

1986 / 85 Punkte – Und schon wieder geht es den Berg hinunter. Assoziationen mit Pferdehaaren und Mottenkugeln kommen mir in den Sinn. Am Gaumen wirkt dieser Jahrgang recht spröde, die etwas spitze Säure trägt ihren Anteil dazu bei. Hinten heraus eher rauchig und mineralisch im Abgang.

 

1987 / 94 Punkte – In Europa war 1987 ein schwieriger Jahrgang und ich hätte keinen Wein gewusst, den ich dieses Jahr zum zwanzig-jährigen Jubiläum des Jahrgangs empfohlen hätte. Hier die Übersee-Antwort: Monte Bello 1987 (!) Mag man den Ausführungen von Robert Parker folgen, war dies einst ein sehr robuster Wein, der Geduld erforderte. Alle Anwesenden freuten sich der Geduld, die Nils mit dieser Flasche an den Tag gelegt hatte und so konnten wir ein „American Beauty“ genießen. Schon tief und substanziell in der Nase, am Gaumen ebenso weich wie tief in der Aromatik, viel Substanz, geschmeidig. Feinster Kakao und Minze sind die Begleiter eines wunderbar harmonisierten Weines, der eine aufregende Eleganz und Finesse zeigt. Einziger Wehmutstropfen, schon die produzierte Menge dieses Tropfens fiel weit unterdurchschnittlich aus, sodass es in Europa nahezu unmöglich sein wird, auch nur eine Flasche davon aufzutreiben.

 

1988 / 84 Punkte – Da war sie wieder, die herausstehende Säure, die einige Jahrgänge des Monte Bello „auszeichnet“. Meine Notizen sind so kurz ausgefallen – genauso unaufregend ist der Wein: kantig, etwas Bitterschokolade, eher bittere Orangenzesten, unangenehmer Kuhstall in der Nase, spitze Säure, recht angenehme Kühle, ein Hauch von Lakritz. Bestanfalls als harmlos zu bezeichnen.

 

1989 / 85 Punkte – So schlimm wie ihn einst Parker beschrieben hat (75 Punkte) ist er nicht, aber als „Bringer“ kann man ihn auch nicht bezeichnen. In der Nase auffallend viel Liebstöckel/Maggikraut, am Gaumen immer noch feste Tannine, recht grob geschnitzt, aber auch eine erkennbare Extraktsüße, leicht malzig, ein Wein eher zum unkomplizierten „Saufen“; zur Brotzeit (dafür natürlich viel zu teuer) geeignet.

Guigal-Probe im November 2006 / 5 Jahrgänge La Mouline, La Landonne und La Turque

Ein unglaublicher Abend !

 

Nach einem langen Wochenende auf dem Meraner Weinfestival und viele, viele  Weine später (die auch in 2006 wieder jede Aufmerksamkeit wert waren) erwartete mich am Montag, den 12.11.06 auf dem Pretzhof ein Highlight der besonderen Art. Ein Weinfreund aus Bottrop hatte seine Schatzkammer geöffnet und gemeinsam mit Karl und Ulli Mair vom Pretzhof, die für das leibliche Wohl und einen perfekten Rahmen gesorgt haben, eine Probe der Superlative organisiert. So nahm ein wunderbarer Abend seinen Lauf. Begleitet von – hervorragend mit den Weinen abgestimmten – Südtiroler Spezialitäten haben wir an diesem Abend folgende Guigal-Weine verkostet ? Halt!! Nein!! Ich habe nicht verkostet, sondern mit unglaublich viel Genuss jeden einzelnen Wein Schluck für Schluck getrunken:

 

1982 La Mouline

1982 La Landonne

1987 La Mouline

1987 La Landonne

1987 La Turque

1993 La Mouline

1993 La Landonne

1993 La Turque

1997 La Mouline

1997 La Landonne

1997 La Turque

1999 La Mouline

1999 La Landonne

1999 La Turque

1999 Rene Rostaing ? La Landonne

1999 J.M. Gerin ? La Landonne

 

Doch der Reihe nach! Gestartet wurde mit den beiden 82ern, La Turque gab es damals noch nicht, er erblickte erst 1985 das Licht der Welt. Um es vorweg zu nehmen, für mich die hedonistischsten Weine an diesem Abend. Zwar nicht mit der höchsten Punktzahl, aber so unglaublich vielschichtig, komplex, filigran und elegant, dass keine Wünsche offen blieben. Diese unglaubliche Finesse und Leichtigkeit ? ja fast schon ?Schwerelosigkeit? dieser Weine haben mich restlos begeistert. 1982 La Mouline (97 Punkte) ? wie öfters noch ? eine Nasenspitze vorne, feinste Noten von Speck, Rauch, verbrannter Erde, Eisen (wie in einer Schlosserei), kombiniert mit immer noch vorhandenen Fruchtnoten, unglaublich tief und komplex, Rosen, ein Wein, der alle paar Minuten neue Aromen offenbart, dabei die Leichtigkeit des Seins besitzt und mit unglaublicher Eleganz daherkommt, aber im Hintergrund Rückgrad zeigt und Struktur offenbart. Was für eine Länge, Hedonismus pur !! Der 1982er La Landonne (96 Punkte) zeigt noch eine Spur mehr Frucht, feinste rote Beeren, an Malven und Hagebuttentee erinnernd, auch ein Spaziergang durch den frühlingshaften Laubwald kommt mir in den Sinn; dicht, unglaublich tief und finessenreich, mineralische (kalkige) Noten, weich am Gaumen, für mich auf dem Höhepunkt des Trinkgenusses, unglaublich lang.

 

Der nächste Flight bestand aus der 87er Dreierbande. Der 1987er La Mouline (97+ Punkte) für mich auf Rang Eins ? sowohl von der Trinkreihenfolge als auch vom Genuss. Die kraftvolle Nase ist überwältigend, wirkt noch sehr jung kurz vor dem 20. Geburtstag des Weins. Deutlich dunkler und mit weniger Farbaufhellungen als der 5 Jahre ältere Bruder. Dieses Bild spiegelt sich auch am Gaumen wieder – man fragt sich, wo diese Kraft bei einem 87er herkommt?  Ein herrlicher Syrah: komplex, kraftvoll, voller Geheimnisse, die er nur nach und nach beim Trinken offenbart. Auch im 1987er La Landonne (96 Punkte) findet man diese Kraft wieder, die Tannine sind immer noch fest, das perfekte Säurespiel unterstreicht die Frucht und lässt sie voll erblühen. Gigantische Länge. Hier könnte ich mir vorstellen, dass der 87er La Landonne in ein paar Jahren noch besser ist. Zwischen beiden siedelt sich der 1987 La Turque (97 Punkte) an. Die Spur Pfefferminz hat mir bei dieser vielschichtigen und ätherischen Kräuternase besonders gut gefallen. Die feine Süße am Gaumen spielt hervorragend mit ihren Kollegen Säure, Tannin und Frucht, sodass dieser kraftvolle Wein  – bis in sein langes Finale ? das hält, was die Nase schon verspricht.

 

Der dritte Flight war sicherlich in dieser Runde ? relativ gesehen ? der schwächste, doch wirklich schwach war keiner dieser Weine. Mit Punkten zwischen 90 und 93 befindet sich Guigal mit seinen Paradepferden selbst in einem nicht starken Jahrgang auf einem Niveau, wo sich andere freuen würden  in Top-Jahren zu landen. La Mouline ist für mich – schon fast selbstredend – der primus inter pares. Der 1993er La Mouline (93 Punkte) offenbart zu Beginn etwas Kleber-Noten, dann eine sehr schöne und dichte Nase nach dunklen Früchten, gefolgt von einem eher runden und weichen Ansatz, am Gaumen Noten von Rauch und Speck, tiefe Frucht, schlanker und nicht ganz so tief wie die Vorgänger; dennoch gute Länge. Der 93er La Landonne (90 Punkte) hat zu Beginn ebenfalls eine leichte ?Klebernase?, ist leider nicht ganz so ausgewogen wie seine Vorgänger, im Körper eher mittelgewichtig. Die kräftige Säure zehrt an Balance und Finesse und mit ?nur? 90 Punkten bekommt dieser Weine die Schlusslaterne an diesem Abend. Eine sehr würdige Figur machte der 93er La Turque (91+ Punkte) ? so wie  La Mouline mit runder, recht dichter und angenehm süßer Frucht, eine schöne Saftigkeit offenbart er ebenfalls; am Gaumen auch etwas animalische Anklänge, leider ein wenig spitz der Alkohol; kraftvoll bis in den mittellangen Abgang.

 

Flight Nummer 4 war dann schon wieder großes Kino. Der 97er La Mouline (94 Punkte) diesmal nicht an vorderster Front ? wirkte noch unglaublich jung. In der Nase offenbarte sich eine üppige, herrliche Frucht; diverse Kräuter, aber auch Blut und Eisen waren mit im Spiel. Ein dichter, fast süßer Extrakt, auffallend die Cremigkeit und die milde Säure in diesem Jahrgang.  Der 97er La Landonne (95 Punkte) ist da anders, die Frucht ist deutlich eingepackt in ein kraftvolles Tannin, das aktuell etwas spröde wirkt. Am Gaumen ist er unglaublich tief, neben der wunderbaren Beerenfrucht ist er etwas stärker beeinflusst durch das Holz: Teer- und Mokkanoten weisen den Weg, aber auch Anklänge an grüne Tomaten und Sauerkraut mischen sich dazwischen.  Auffällig im Vergleich zu den Vorgänger-Jahrgängen ist die milde Säure. Trotzdem wirkt er vielschichtig und sehr klar, gute Länge. Last but not least der 97er La Turque (96 Punkte) ? zeigt eine 97er typische Frucht: sehr dicht und extraktsüß, Anklänge von Rumtopf, süßer Lakritz und Süßholz. Mit den 96 Punkten möchte ich aber nicht selbiges für diesen Wein raspeln, sondern mir gefällt das Spiel, die dieser Wein trotz aller Üppigkeit besitzt. Im Vergleich zu den beiden Jahrgangsbrüdern hat er die stärkste Säure, sodass er mir noch etwas mehr Trinkfreude bereitet. Langes, sehr fruchtbetontes Finale.

 

Nun der Hammer des Abends! Noch einmal werden alle Sinne wach und trotz des etwas fortgeschrittenen Alkoholeinflusses bin ich auf einmal wieder voll bei der Sache und kann gar nicht genug bekommen von dem Duft, der jetzt aus dem Glas strömt. Der 99er La Mouline (99 Punkte) hat alle Anlagen, die ein perfekter Wein benötigt ? eine überaus verschwenderische Aromenfülle eines Korbes voller reifer Früchte (besonders intensiv: reife Kirschen).  Die aromatische Komplexität und intensive Mineralität sind beeindruckend, dabei extrem klar und überaus präzise definiert. Säure, Tannin und Frucht sind perfekt aufeinander abgestimmt; wunderbarer, dichter, süßer Extrakt, dabei verspielt und gleichzeitig druckvoll ? nein, das ist kein Widerspruch, das ist groß! Die mineralische Frische trägt bis in den unglaublich langen Abgang. Noch vom La Mouline völlig eingenebelt und high, habe ich beim 99er La Landonne (98 Punkte) leider vergessen mir die Punkte zu notieren, aber im Nachhinein sind es mindestens gefühlte 98! Meine Notizen lauten: Grandiose Frucht, sehr viel Extrakt(süße), dabei sehr rauchig und speckig, ?Pah, packt der zu?, höre ich neben mir Karl Mair sagen und denke nur, wie recht er hat. Die sandigen Tannine, die herrliche Würzigkeit, Aromen von Speck, Teer und der Eindruck von Sandelholz  und einem Hauch Vanille sind nur ein paar Eindrücke, die dieser Wein in seiner Entwicklung an diesem wundervollen Abend offeriert. Wahre Begeisterung ruft die perfekte Balance aller Bestandteile bei mir hervor. Den Abschluß dieser denkwürdigen Reihe bildet der 99er La Turque (98 Punkte) ? Von den Anlagen ähnlich wie seine Brüder aus dem Jahrgang: überaus groß, kraftvoll, tief, nachhaltig und allerbestens strukturiert; dabei perfekt balanciert und mit eindrucksvoller Finesse ausgestattet. Trotzdem ist dieser Wein ein wenig anders. Die Frucht erinnert eher an süße, exotische Früchte, ein Hauch von Banane und viel Kaffee. Am Gaumen auch deutliche Anklänge an Marzipan und reife, schwarze Kirschen (oder vielleicht doch eher Schwarzwälderkirsch); sehr saftig und mit herrlichen, dichten und körnigen Tanninen ausgestattet. Von den dreien aus 1999 zur Zeit sicherlich am Besten zu trinken, trotzdem hat er ? wie die beiden anderen auch ? noch eine grandiose Zukunft vor sich.

 

Es folgten zwei weitere Weine aus der Lage La Landonne: 99er Rene Rostaing ? La Landonne (96 Punkte) und ein etwas enttäuschender J.M. Gerin ? La Landonne (88 Punkte).