1978 Musigny Vielles Vignes, Comte Georges de Vogüé – Burgund (Top of the Pops)

94 Punkte Immer noch sehr fest und mit ordentlichem Speck auf den Rippen präsentiert sich der Musigny Vielles Vignes vom Comte Georges de Vogüé, übrigens eines derjenigen Häuser, das Parzellen von Bernard Grivilet übernommen haben soll (wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht täuscht). In der Aromatik seinem Vorgänger nicht unähnlich, aber noch deutlich fester und straffer. Auffallend schön, auch hier eine feine Süße, die diesen hervorragenden Burgunder ebenfalls auszeichnet. Die ausgeprägte Eleganz des Chambolle Musignys von Grivilet kann das „Flaggschiff“ des Comte Georges de Vogüé aktuell noch nicht (!!)ganz bieten, aber das Potential in ein paar Jahren mit dann gleichem Erfolg zu reüssieren ist vorhanden.

1978 Chambolle Musigny Les Amoureuses Tête de Cuvee, Bernard Grivilet – Burgund (Top of the Pops)

96 Punkte – Einmal mehr zeigte sich, dass die Weine von Bernard Grivilet lange Zeit das Maß der Dinge im Burgund waren. Zwar wird kolportiert, dass er bereits in den 70er Jahren den Kunden seines Handelshauses angeboten haben soll, sich den Jahrgang auf dem Etikett auszusuchen, doch letztlich verbinde ich bislang mit den Weinen seiner Domaine nur unfassbar schöne Trinkerlebnisse. Einen Wein von überirdischer Schönheit und eines meiner bislang größten Weinerlebnisse habe ich auch ihm zu verdanken (ein 1945er Chambolle-Musigny). Auch dieser Chambolle ist kein Ausreißer in der Reihe und der erste Eindruck in der Nase, geprägt von einer tiefen und sehr feinen Aromatik, lässt diese Unruhe in mir aufkommen, die ich immer verspüre, wenn ich das Glück habe, besonderen Weinen zu begegnen. Tee von roten Beeren, Feuerstein und eine feine, elegante Süße sind Eindrücke, die mich anfixen. Am Gaumen seidige Eleganz und ein hauchzarter Schmelz, dazu ein Eindruck auch gut zu einem Rhonewein (in Form von verbrannter Erde und heißen Steinen – und vielleicht ist ja auch etwas Rhone drin ;-)))  passen würde.

1978 Solaia, Marchese Antinori – Toscana

96 Punkte –  Über das Haus Antinori gibt es eine Vielzahl von Büchern und der Platz hier reicht nicht im Ansatz aus, um die vielen kleinen und großen Geschichten zu erzählen, die man hier aneinander reihen könnte, ohne beim Leser lange Weile zu erzeugen. Seitens der Familie schaut man auf eine fast 700 jährige Weinbautradition zurück und das Weingut wird heute in der 26sten Generation geführt. Man kann heute ohne Übertreibung sagen, dass Marchese Piero Antinori den Familienbesitz zu einem die Welt umspannenden Weinimperium ausgebaut hat. So ganz „nebenbei“ hat er durch sein Handeln maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute bei Chianti wieder an Qualitäts- und Spitzenweine denken und nicht nur an Touristentropfen für die Pizzeria um die Ecke. Wahrzeichen dieses Qualitätsstrebens sind sicherlich die beiden Referenzweine Tignanello (er erblickte 1971 das Licht der Welt) und Solaia (dessen Geburtsstunde mit dem 78er Jahrgang schlug), beide aus -überwiegend – Cabernet Sauvignon bereitet. Nicht unerwähnt darf an dieser Stelle bleiben, dass auch Renzo Cotarella, der seit 30 Jahren als Önologe/Chefönologe für die Familie Antinori tätig ist, einen großen Anteil am Erfolg des Weingutes in den letzten Jahrzehnten hat. In den beiden ersten Solaia-Weinjahrgängen 1978 und 1979 bestand der Rebsatz noch aus 80% Cabernet Sauvignon und 20% Cabernet Franc. In den folgenden Jahrgängen (ab 1982) kam Sangiovese hinzu, aktuelle Jahrgänge bestehen aus 75% Cabernet Sauvignon, 20% Sangiovese und 5% Cabernet Franc. Die Jahrgänge 1980, 1981, 1983, 1984, 1992 und 2002 wurden mangels ausreichender Qualität nicht lanciert.

 

Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man einen solchen Wein ins Glas bekommt, schließlich hat er Weingeschichte geschrieben. Noch aufregender wird es, wenn solch ein Stoff eine Qualität in Mund und Nase zaubert, von der man mitgenommen wird auf die Reise durch die Aromenwelten, die nur ein großer Wein offenbaren kann. Gerade bei solchen Weinen bleibt es für mich schwierig, meine Eindrücke in Worte zu fassen; zu umfangreich sind sie, als dass man das Trinkerlebnis nachvollziehbar beschreiben könnte.  Trotzdem ein Versuch: Für mich hatte die Nase eine Mischung aus Cassis, gereiftem Honig, Tapetenkleister, Leder und Eindrücken von getrockneten Wiesenblumen und Sandelholz. Am Gaumen sehr komplex, erinnert mich an den gigantisch leckeren Zwetschgen-Hefekuchen meiner Mutter. Der Wein hat eine hervorragende innere Kraft und eine Balance, die so nur große Weine besitzen.  Ein nobler Wein, sehr komplex, mit einer feinen Kühle, einer ganz, ganz zarten Süße und einer Spur Minze, die bis in das lange Finale reicht.

 

1978 Barbaresco Santo Stefano Riserva Speciale, Bruno Giacosa – Piemont

99/100 Punkte – Dieser Wein war für mich nicht nur DER Gewinner in dieser hochkarätigen Piemontprobe, sozusagen primus inter pares; nein ! Dieser Wein gehört für mich zu der Hand voll Weine, die den Weinhimmel bedeuten. Diese Weine sind so schön und ergreifend, dass man es kaum fassen kann. Sie nehmen einen mit auf eine Reise, die so unglaublich beeindruckend ist, dass man Raum und Zeit ausblendet. Für diesen Typus Wein finde ich schwer Worte, denn sie sind komplex und harmonisch, dass man es eigentlich nicht beschreiben kann. (An dieser Stelle sollte jedoch erwähnt werden, dass die Flasche aus einem perfekten Keller stammte, dort über viele, viele Jahre lag und ihr nicht das Los sonst eher üblicher "Wanderpokale" beschieden war.)

Für einen 30 Jahre alten Nebbiolo offenbart schon die große Dichte und die dunkle Farbe im Kern die erste Überraschung. Die Nase wirkt immer noch sehr jung; mit kräutrig-balsamischen Noten,  feinstem Marzipan, dezenter Malzigkeit, ein wenig Waldboden (erdig) und  Anklänge an rote Früchte. Einmal im Mund angekommen nimmt man nur Harmonie war, hier sind eine hoch komplexe Aromatik, ein mittelgewichtiger Körper, eine perfekt reife Säure sowie superfeine Tannine auf das Beste miteinander vermählt. Diesen Wein kann man eigentlich nur als großes Kunstwerk beschreiben. Kein Picasso, kein Kandinsky, ich würde ihn am ehesten mit einem Gemälde von Claude Monet vergleichen, Tausende von einzelenen Strichen, die ein großes Kunstwerk definieren, das Schönheit, Licht und Melancholie in sich verbindet.

1978 Barbaresco, Angelo Gaja – Piemont

91 Punkte – Aus einem ganz großen Nebbiolojahrgang stammt dieser Barbaresco von Angelo Gaja. Vielleicht ist dieser Wein ein Hinweis für die potentielle Entwicklung der später in der Probe folgenden Jahrgänge 1989 und 1990 des Einzellagen-Barbaresco Sori San Lorenzo.

In der Nase zeigt der "einfache" Barbarsco von Gaja ein deutliche Reife: da finden sich schon deutliche Noten von Liebstöckel, Fleischbrühe, Leder und feuchtem Unterholz. Am Gaumen überrascht er dann mit einer erstaunlich tiefen Aromatik, die eher auf einen jüngeren Jahrgang hindeutet. Antonio Galloni hat eine für mich 100% passende Beschreibung in 2006 zu diesem Wein abgeliefert:

Dark red. Gaja’s 1978 Barbaresco is a study in contrasts. The nose suggests a mature wine, with aromas of leather and cocoa dominating, although on the palate the wine shows generous amounts of dark fruit in a concentrated style with much persistence, length and the structure of the vintage. My impression is of a beautiful wine that lacks the balance to be a truly great wine. 92/drink now-, 02/06

1972 bis 1978 Ridge – Monte Bello, Kalifornien (Teil 1)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

 

Im Mövenpick Beef Club zu Zürich traf sich eine illustre Runde von Weinliebhabern, um – unter der Moderation von Rene Gabriel – 32 Jahrgänge „Ridge – Monte Bello“ zu verkosten. Initiiert und zusammengetragen hatte diese besondere Probe Nils Frei, ein  überaus angenehmer, bescheidener und liebenswerter Weinfreak aus der Schweiz. Seinen Faible zum kalifornischen Wein im Allgemeinen und zum Monte Bello im Speziellen hat er während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Dallas entdeckt. Lieber Nils, nochmals vielen Dank für diese außerordentlich schöne und interessante Verkostung !

 

Wer Infos zum Weingut, zur Philosophie des Hauses (oder Ähnliches) benötigt, dem empfehle ich die attraktiv und interessant gestaltete homepage von Ridge Vineyards: www.ridgewine.com .

 

Wenn man einen Wein über so viele Jahrgänge verkostet, zeigt sich häufig, ob es Stilbrüche oder größere Umstellungen in der „Methodik“ gegeben hat. Einen solchen Bruch konnte ich diesmal nicht ausmachen; der „Monte Bello“ zeigt die gleiche Kontinuität, wie sein Schöpfer Paul Draper, der schon seit 1969 auf dem Weingut für’s  winemaking zuständig ist.

 

Zum Wein – Gestartet wurde mit einem 2er flight aus den frühen 70er Jahren:

 

1972 / 88 Punkte  – Die erste Nase ist viel versprechend – Vorfreude kommt auf: Süßer Duft von Dörrobst und Feigen, gepaart mit einer feinen balsamischen Note. Am Gaumen konnte dieser Nasenbär-Wein leider nicht das vollumfänglich bestätigen, was die Nase versprochen hat – etwas trocknende Tannine und eine nicht harmonische Säure führen dazu, dass ich unter  90 Punkten bleibe; die Nase war deutlich drüber.

 

1973 / 85 Punkte – Der nachfolgende 73er war noch etwas schwächer, in der Nase offeriert er Anklänge an Waldboden, Erdbeeren und ein Hauch von Maggi. Eher leicht bis mittelgewichtig am Gaumen, immer noch etwas rote Frucht, ein wenig malzige Süße, aber die Tannine wirken metallisch und die Säure kommt noch etwas spitzer heraus als beim 72er; insgesamt auch ein wenig kurz im Abgang.

 

1974 / 93 Punkte – Ein ganz anderes Kaliber ist der erste Wein des nachfolgenden 6er flights. Wow, was ist das? Zu Beginn in der Nase noch etwas verschlossen, aber mit Luftzufuhr entwickelt sich ein tiefes und komplexes Bukett. Am Gaumen wie ein klassischer Bordeaux, der trotz seines Alters immer noch sehr fest und straff rüberkommt; runde Tannine, Noten von Teer, Lakritz und etwas Minze paaren sich zu der ansonsten eher rot wirkenden Frucht; leicht rauchige Noten und eine erkennbare Mineralik runden das Bild ab; die bei den beiden Vorgängerjahren so kräftige Säure ist auch hier im Ansatz vorhanden, aber der Wein hat genug Speck, um dies auszugleichen.

 

1975 / ohne Bewertung – leider korkig.

 

1976 / 90 Punkte – fette Nase, Noten von Überreife. Extrakt- und Fruchtsüße, Aromen von Karamell, Orangeat und mit dunkler Schokolade überzogenes Kirschmarzipan. Vom Körper eher mittelgewichtig, mit viel Extraktsüße ausgestattet, insgesamt aber erstaunlich fest und jung. Wie Parker hier auf 69 Punkte kommt, ist mir ein Rätsel!? Vielleicht ist es ein Übertragungsfehler von der Print-Ausgabe  in die Online-Version (und es waren einmal 89 Punkte). Wer die gedruckte Ausgabe (WA Nr. 89 / Oktober 1993) vorliegen hat, möge dies bitte kontrollieren.

 

1977 / 92 Punkte –  Die Frucht wirkt deutlich dunkler als bei den Jahrgängen zuvor, Anklänge an Waldkräuter, Hirschleder  und Pilze. Insgesamt sehr schön saftig, aber auch mit viel Tannin und Säure ausgestattet.  Gute Länge.

 

1978 / 92 Punkte – Im ersten Moment erschlagen mich die Maggikrautnoten, die aber mit zunehmender Luftzufuhr abflauen und einen gut gereiften Wein zu Wort kommen lassen. Ansprechende Tiefe im Bukett und am Gaumen – ein hedonistischer Wein ! Aromen von Rosinen, Süßlakritz und eher dunklen Früchten, buttrige Anklänge. Aber auch deutlich Liebstöckel am Gaumen und eine Säure, die mir etwas zu schaffen macht. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure vorgegaukelt wird.

1979 nicht produziert