1972 bis 1978 Ridge – Monte Bello, Kalifornien (Teil 1)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

 

Im Mövenpick Beef Club zu Zürich traf sich eine illustre Runde von Weinliebhabern, um – unter der Moderation von Rene Gabriel – 32 Jahrgänge „Ridge – Monte Bello“ zu verkosten. Initiiert und zusammengetragen hatte diese besondere Probe Nils Frei, ein  überaus angenehmer, bescheidener und liebenswerter Weinfreak aus der Schweiz. Seinen Faible zum kalifornischen Wein im Allgemeinen und zum Monte Bello im Speziellen hat er während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Dallas entdeckt. Lieber Nils, nochmals vielen Dank für diese außerordentlich schöne und interessante Verkostung !

 

Wer Infos zum Weingut, zur Philosophie des Hauses (oder Ähnliches) benötigt, dem empfehle ich die attraktiv und interessant gestaltete homepage von Ridge Vineyards: www.ridgewine.com .

 

Wenn man einen Wein über so viele Jahrgänge verkostet, zeigt sich häufig, ob es Stilbrüche oder größere Umstellungen in der „Methodik“ gegeben hat. Einen solchen Bruch konnte ich diesmal nicht ausmachen; der „Monte Bello“ zeigt die gleiche Kontinuität, wie sein Schöpfer Paul Draper, der schon seit 1969 auf dem Weingut für’s  winemaking zuständig ist.

 

Zum Wein – Gestartet wurde mit einem 2er flight aus den frühen 70er Jahren:

 

1972 / 88 Punkte  – Die erste Nase ist viel versprechend – Vorfreude kommt auf: Süßer Duft von Dörrobst und Feigen, gepaart mit einer feinen balsamischen Note. Am Gaumen konnte dieser Nasenbär-Wein leider nicht das vollumfänglich bestätigen, was die Nase versprochen hat – etwas trocknende Tannine und eine nicht harmonische Säure führen dazu, dass ich unter  90 Punkten bleibe; die Nase war deutlich drüber.

 

1973 / 85 Punkte – Der nachfolgende 73er war noch etwas schwächer, in der Nase offeriert er Anklänge an Waldboden, Erdbeeren und ein Hauch von Maggi. Eher leicht bis mittelgewichtig am Gaumen, immer noch etwas rote Frucht, ein wenig malzige Süße, aber die Tannine wirken metallisch und die Säure kommt noch etwas spitzer heraus als beim 72er; insgesamt auch ein wenig kurz im Abgang.

 

1974 / 93 Punkte – Ein ganz anderes Kaliber ist der erste Wein des nachfolgenden 6er flights. Wow, was ist das? Zu Beginn in der Nase noch etwas verschlossen, aber mit Luftzufuhr entwickelt sich ein tiefes und komplexes Bukett. Am Gaumen wie ein klassischer Bordeaux, der trotz seines Alters immer noch sehr fest und straff rüberkommt; runde Tannine, Noten von Teer, Lakritz und etwas Minze paaren sich zu der ansonsten eher rot wirkenden Frucht; leicht rauchige Noten und eine erkennbare Mineralik runden das Bild ab; die bei den beiden Vorgängerjahren so kräftige Säure ist auch hier im Ansatz vorhanden, aber der Wein hat genug Speck, um dies auszugleichen.

 

1975 / ohne Bewertung – leider korkig.

 

1976 / 90 Punkte – fette Nase, Noten von Überreife. Extrakt- und Fruchtsüße, Aromen von Karamell, Orangeat und mit dunkler Schokolade überzogenes Kirschmarzipan. Vom Körper eher mittelgewichtig, mit viel Extraktsüße ausgestattet, insgesamt aber erstaunlich fest und jung. Wie Parker hier auf 69 Punkte kommt, ist mir ein Rätsel!? Vielleicht ist es ein Übertragungsfehler von der Print-Ausgabe  in die Online-Version (und es waren einmal 89 Punkte). Wer die gedruckte Ausgabe (WA Nr. 89 / Oktober 1993) vorliegen hat, möge dies bitte kontrollieren.

 

1977 / 92 Punkte –  Die Frucht wirkt deutlich dunkler als bei den Jahrgängen zuvor, Anklänge an Waldkräuter, Hirschleder  und Pilze. Insgesamt sehr schön saftig, aber auch mit viel Tannin und Säure ausgestattet.  Gute Länge.

 

1978 / 92 Punkte – Im ersten Moment erschlagen mich die Maggikrautnoten, die aber mit zunehmender Luftzufuhr abflauen und einen gut gereiften Wein zu Wort kommen lassen. Ansprechende Tiefe im Bukett und am Gaumen – ein hedonistischer Wein ! Aromen von Rosinen, Süßlakritz und eher dunklen Früchten, buttrige Anklänge. Aber auch deutlich Liebstöckel am Gaumen und eine Säure, die mir etwas zu schaffen macht. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure vorgegaukelt wird.

1979 nicht produziert

1977 Schloss Reinhartshausen – Erbacher Marcobrunn Kabinett

90 Punkte – UNGLAUBLICH !! Was für ein schöner, lebendiger und eleganter Wein, ein Kabintt aus einem kleinen bis maximal mittleren Jahrgang. Broadbent schreibt in: Das große Buch der Weinjahrgänge, Luzern 1983: "Leichte Weine, vorwiegend von gewöhnlicher Qualität, rasch zu trinken. (…) Weine eines solchen Jahrganges sollten bereits getrunken sein."

Dieser Riesling zeigt sich im Glas goldgelb und von brillianter Klarheit. Die Nase läßt auf keinen ganz jungen Wein schliessen, aber das wahre Alter verrät sie nicht. Man findet Noten von reifen gelben Früchten, Kamille, Blüten, Wachs (ein Freund sprach auch von Bohnerwachs) und sie animiert mit ihrer frischen und noblen Art zum Trinken. Die Frische zeigt sich auch am Gaumen, da sind Aprikosen, reife Quitten und Orangenzesten. Die Säure ist herrlich,  der Körper mittelgewichtig und die Länge hervorragend, aber der Gipfel dieses Kabinetts ist seine Ausgewogenheit, seine Differnziertheit und Finesse sowie die nahezu nicht erklärbare Frische.

Ach, wenn ich von diesem Stoff doch noch ein paar Flaschen hätte !!