1975 Bodegas Muga – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 1)

83 Punkte – Die Bodegas Muga gehören zu den großen Traditionsbetrieben der Rioja, eine ausführlichere Befassung mit diesem großen, alten Weinhaus ist durchaus lohnend. Für einen ersten – sehr schön gestalteten – Einblick empfehle ich die webpage (www.bodegasmuga.com). Obwohl 1975 als sehr gutes, aber nicht exzellentes Jahr in der Rioja gilt, hat dieser Wein schon seine Glanzzeit hinter sich gelassen. In der Nase wirkt er leicht gezehrt und die kräftige Säure lässt auch am Gaumen keinen wirklichen Genuss aufkommen. Auf der anderen Seite ist die Säure sicherlich dafür mit verantwortlich, dass dieser „einfache“ Rioja überhaupt noch am Leben ist und so entwickelt sich nach ausgiebiger Luftzufuhr doch so etwas wie eine Frucht, die dezent an rote Beeren, speziell rote Johannisbeeren erinnert.

1975 Viña Real Reserva – CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 1)

90 Punkte – Der Viña Real ist da schon etwas burschikoser als der Imperial aus gleichem Jahrgang. Auffallend schön auch hier die feine Fruchtsüße, die sehr gut die recht kräftige Säure abpuffert, aber zu den (ebenfalls) roten Fruchtnoten gesellen sich auch dunkle Anklänge, die an geröstete Erde erinnern. Besitzt nicht die gleiche Eleganz und die Leichtigkeit des Imperial und deshalb auch 2 Punkte Abstand in der Bewertung.

1975 Imperial Reserva, CVNE (Compañia Vinicola del Norte de España) – Rioja (Spannendes Spanien – Flight 1)


92 Punkte – 1975 gilt im Rioja als sehr gutes Jahr und entsprechend spannend war dann auch die (zunächst verdeckte) Gegenüberstellung der beiden CVNE-Weine. Der Imperial kommt von einem CVNE-Weingut mit Weinbergen im Gebiet der Rioja Alta;  der „Bruder“ stammt dagegen von einer anderen CVNE-Bodega mit dem Namen „Viña Real“, die dazu gehörigen Weinberge stehen im Gebiet Rioja Alavesa.

 

Dieser Rioja-Wein offeriert eine herrliche „Burgundernase“ und ich dachte auch zunächst, dass wir den nächsten „französischen Piraten“ in unserer Spanien-Weinprobe gefunden hatten. Auch die ausgewogene, filigrane und finessenreiche Art am Gaumen sprach dafür, aber die deutliche Jodhaltigkeit konnte ich dagegen nicht recht einordnen. Die Frucht ist sehr fein und eher rotbeerig mit schönen Anklängen an Hagebutten. Besonders feminin und mit tragender Rolle in dieser „Mozart-Weinoper“ umschmeichelt die feine Süße den Gaumen. Feiner Stoff!!

1975 Pichon Longueville Comtesse de Lalande – Pauillac

88 Punkte – recht hell in der Farbe, wirkt augenblicklich reif und rund; insgesamt recht weit in ihrer Entwicklung, mittlerer Körper; feines Leder und balsamisch; wirkt frisch, was aber primär durch die leicht spitze Säure bewirkt wird, auch in Sachen Komplexität nicht allererste Wahl. Sollte jetzt wohl endgültig ausgetrunken werden.

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1972 bis 1978 Ridge – Monte Bello, Kalifornien (Teil 1)

Ridge – Monte Bello Probe am 09.12.2007 in Zürich

 

Im Mövenpick Beef Club zu Zürich traf sich eine illustre Runde von Weinliebhabern, um – unter der Moderation von Rene Gabriel – 32 Jahrgänge „Ridge – Monte Bello“ zu verkosten. Initiiert und zusammengetragen hatte diese besondere Probe Nils Frei, ein  überaus angenehmer, bescheidener und liebenswerter Weinfreak aus der Schweiz. Seinen Faible zum kalifornischen Wein im Allgemeinen und zum Monte Bello im Speziellen hat er während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Dallas entdeckt. Lieber Nils, nochmals vielen Dank für diese außerordentlich schöne und interessante Verkostung !

 

Wer Infos zum Weingut, zur Philosophie des Hauses (oder Ähnliches) benötigt, dem empfehle ich die attraktiv und interessant gestaltete homepage von Ridge Vineyards: www.ridgewine.com .

 

Wenn man einen Wein über so viele Jahrgänge verkostet, zeigt sich häufig, ob es Stilbrüche oder größere Umstellungen in der „Methodik“ gegeben hat. Einen solchen Bruch konnte ich diesmal nicht ausmachen; der „Monte Bello“ zeigt die gleiche Kontinuität, wie sein Schöpfer Paul Draper, der schon seit 1969 auf dem Weingut für’s  winemaking zuständig ist.

 

Zum Wein – Gestartet wurde mit einem 2er flight aus den frühen 70er Jahren:

 

1972 / 88 Punkte  – Die erste Nase ist viel versprechend – Vorfreude kommt auf: Süßer Duft von Dörrobst und Feigen, gepaart mit einer feinen balsamischen Note. Am Gaumen konnte dieser Nasenbär-Wein leider nicht das vollumfänglich bestätigen, was die Nase versprochen hat – etwas trocknende Tannine und eine nicht harmonische Säure führen dazu, dass ich unter  90 Punkten bleibe; die Nase war deutlich drüber.

 

1973 / 85 Punkte – Der nachfolgende 73er war noch etwas schwächer, in der Nase offeriert er Anklänge an Waldboden, Erdbeeren und ein Hauch von Maggi. Eher leicht bis mittelgewichtig am Gaumen, immer noch etwas rote Frucht, ein wenig malzige Süße, aber die Tannine wirken metallisch und die Säure kommt noch etwas spitzer heraus als beim 72er; insgesamt auch ein wenig kurz im Abgang.

 

1974 / 93 Punkte – Ein ganz anderes Kaliber ist der erste Wein des nachfolgenden 6er flights. Wow, was ist das? Zu Beginn in der Nase noch etwas verschlossen, aber mit Luftzufuhr entwickelt sich ein tiefes und komplexes Bukett. Am Gaumen wie ein klassischer Bordeaux, der trotz seines Alters immer noch sehr fest und straff rüberkommt; runde Tannine, Noten von Teer, Lakritz und etwas Minze paaren sich zu der ansonsten eher rot wirkenden Frucht; leicht rauchige Noten und eine erkennbare Mineralik runden das Bild ab; die bei den beiden Vorgängerjahren so kräftige Säure ist auch hier im Ansatz vorhanden, aber der Wein hat genug Speck, um dies auszugleichen.

 

1975 / ohne Bewertung – leider korkig.

 

1976 / 90 Punkte – fette Nase, Noten von Überreife. Extrakt- und Fruchtsüße, Aromen von Karamell, Orangeat und mit dunkler Schokolade überzogenes Kirschmarzipan. Vom Körper eher mittelgewichtig, mit viel Extraktsüße ausgestattet, insgesamt aber erstaunlich fest und jung. Wie Parker hier auf 69 Punkte kommt, ist mir ein Rätsel!? Vielleicht ist es ein Übertragungsfehler von der Print-Ausgabe  in die Online-Version (und es waren einmal 89 Punkte). Wer die gedruckte Ausgabe (WA Nr. 89 / Oktober 1993) vorliegen hat, möge dies bitte kontrollieren.

 

1977 / 92 Punkte –  Die Frucht wirkt deutlich dunkler als bei den Jahrgängen zuvor, Anklänge an Waldkräuter, Hirschleder  und Pilze. Insgesamt sehr schön saftig, aber auch mit viel Tannin und Säure ausgestattet.  Gute Länge.

 

1978 / 92 Punkte – Im ersten Moment erschlagen mich die Maggikrautnoten, die aber mit zunehmender Luftzufuhr abflauen und einen gut gereiften Wein zu Wort kommen lassen. Ansprechende Tiefe im Bukett und am Gaumen – ein hedonistischer Wein ! Aromen von Rosinen, Süßlakritz und eher dunklen Früchten, buttrige Anklänge. Aber auch deutlich Liebstöckel am Gaumen und eine Säure, die mir etwas zu schaffen macht. Rene Gabriel spricht von einer falschen Frische, die durch die Säure vorgegaukelt wird.

1979 nicht produziert