Burgundmarathon 1.Tag / 3.flight

Im 3. flight gab es gleich zwei Premieren, zunächst kam erstmals an diesem Abend ein „Grand Cru“ in unsere Gläser, gefolgt von einem 1959 Spätburgunder Cabinet Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter Eltville (als Pirat des Abends). Insbesondere der Spätburgunder hat mich fast umkippen lassen und ich habe unverhofft einen Eindruck davon bekommen, was erst vor kurzer Zeit  Martin Wurzer-Berger in seinem Artikel „Begegnungen auf Augenhöhe – Die erregenste Vergleichsprobe des Jahres: Assmannshäuser Höllenberg und große Burgunder Pinot Noirs 1959 bis 1921“ (vgl. Weinmagazin „Fine“ – Ausgabe 1/2009, S. 43ff.) beschrieben hat. Als der Wein nach unserer Blindverkostung aufgedeckt wurde, konnte ich mich nur zu gut an den Bericht erinnern, den ich erst wenige Wochen zuvor gelesen hatte (ohne jedoch zu ahnen, dass ich wenig später – zumindest partiell – ein ähnlich spannendes Erlebnis haben werde). Die sich dem Artikel von Wurzer-Berger anschließenden Verkostungsnotizen von Sam Hofschuster (Chef-Verkoster des Weinportals www.wein-plus.de) sind ebenfalls lesenswert, doch leider lässt der Hofschuster die eigentlich nötige Akribie bei der Zitierung des Etiketten vermissen,  denn es ist schon ein großer Unterschied, ob es sich um einen Cabinet (einige Etiketten sind jedoch auf dem Fotos zum Artikel; vgl. S.44 zu erkennen)  handelt oder nicht. Auch bei den Pinot Noirs aus dem Burgund sind viele Detailinfos der Etiketten nicht aufgeführt.

 

1959 Corton Grand Cru,  J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq – Burgund (Füllstand 3,8cm)

 

87 Punkte – Schon etwas trübe in der Farbe; mit recht verhaltenen Eindrücken in der Nase, erinnert dieser Wein an Feuersteine nach einem Regenguss. Am Gaumen eher verwaschene Aromen, ohne klares Bild. In der Mitte jedoch mit feiner Süße und Eindrücken von Kirschkuchen und Kirschwasser. Im Abgang zeigt er keine besondere Länge. Im Vergleich zu einigen der „einfachen“ Dorflagen verspüre ich bei diesem Grand Cru keinen Lustgewinn / Genusszuwachs. Bei der Rückverkostung ist die Nase noch schwächer, am Gaumen zeigt sich ein vergleichbares Bild (86Punkte).

 

1959 Spätburgunder Cabinet Assmannshäuser Höllenberg der Staatsweingüter Eltville – Rheingau (Füllstand 2,5cm)

 

94 Punkte – Tiefe, dunkle Nase mit Aromen von Mokka, Kirschen, Pflaumen, feuchtem Holz und Süßholz. Am Gaumen beeindruckt mich die kräftige Statur und Definiertheit dieses Spätburgunders, der ganze 60 Jahre alt ist. Er wirkt sehr klar in der Aromatik, zeigt eine edle und reife Frucht mit Noten von Mokka und Karamell. Sehr schöne Balance aller Komponenten, die sich bis in den wunderschönen, langen Abgang durchzieht. Ein großer Wein. Leider kann er dieses Niveau bei der Rückverkostung  nicht mehr abrufen, die zusätzliche Belüftung hat Schaden angerichtet, er fällt auseinander, die Süße steht recht deutlich außen vor (89 Punkte). Anzumerken bleibt, dass sich der Spätburgunder in seiner Aromatik und in seinem Stil recht deutlich von allen anderen Pinot Noirs aus Burgund unterscheidet. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kamen auch die Teilnehmer der großen Vergleichsprobe auf Kloster Eberbach, deren Reaktion Martin Wurzer-Berger wie folgt zusammenfasst: „Zum einen erkennen und beurteilen sie differenziert die Stärken und Defizite der französischen Pinot Noirs, denen im Allgemeinen ein guter Zustand attestiert wird. Die Assmannshäuser lassen sich jedoch nicht ohne weiteres in das burgundische Geschmacksbild integrieren. Sie scheinen tatsächlich eine bemerkenswert eigenständige Form des Spätburgunders zu repräsentieren, die sich in einer ausgezeichneten Lagerfähigkeit demonstriert und auch geschmacklich zu überzeugen weiß.“

 

 

1959 Latricières Chambertin Grand Cru, Remoissenet Père et fils – Burgund (Füllstand 3,0 cm)

 

90 Punkte – Dieser Grand Cru besticht durch seine Klarheit; in der Farbe vollkommen klar, verbreitet er einen Maraschino-ähnlichen Duft (=relativ trockener Fruchtlikör) mit deutlichen Anklängen der Maraska-Kirschen, aus denen er hergestellt wird. Am Gaumen sehr sauber, klar und recht tief in der Aromatik; erinnert an schwarze Früchte, eingebettet in feinste Kaffeenoten, schöne Länge im Abgang. Auch diesem Wein hat die zusätzliche Luft bis zur Rückverkostung nicht gut getan, er entwickelt eine Pappe-Note in der Nase und wirkt nicht mehr so klar uns sauber (86 Punkte)

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Burgundmarathon 1. Tag / 1.flight

1959 Volnay,  J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq – Burgund (Füllstand 3,7cm)

88-89 Punkte – Ein schöner Einstieg in den ersten Abend und gleichzeitig ein Beweis, dass auch aus Dorflagen in hervorragenden Jahren guter und langlebiger Wein erzeugt werden kann. J.Drouhin ist heute ein großer Erzeuger mit viel Weinbergsbesitz, der Burgunder noch zu bezahlbaren Preises anbietet. Das belgische Handelshaus existiert heute ebenfalls noch (vgl. www.grafe.be), jedoch kann ichüber die Güte der angebotenen Wein nichts sagen, da ich sie nicht kenne. In der Nase präsentierte sich dieser Wein zu seinem 60. Geburtstag recht kühl, mit Noten von Tee, schwarzem Trüffel, recht klaren Tertiäraromen und einem Eindruck von gereiftem Barolo. Am Gaumen habe ich mir welke Rosen, Veilchen, leichte Röstnoten und rote (Johannis-)Beeren notiert. Recht vielfältiger Eindruck, mit reifer Säure (88 Punkte).  In der späteren Rückverkostung habe ich ihn auf 89 Punkte gezogen, da er an Klarheit und Frische etwas zugelegt hat; Anklänge an roten Tee und Kaffee.

1959 Volnay 1er Crù Santenots,  J.Drouhin / Abfüllung Grafè Lecocq – Burgund (Füllstand 4,6cm)


86-87 Punkte – Gleicher Winzer, gleicher Abfüller, gleicher Jahrgang, bessere Lage – und trotzdem der etwas schwächere Wein im Vergleich zur Dorflage.  Recht kräftige Nase, schwarzer Tee, deutliche Tertiärnoten, Karamell, recht spitzer Alkohol in der Nase. Auch am Gaumen ist er etwas einfacher als sein Vorgänger, erinnert mich ein wenig an Crème Catalane; etwas vorstehende Säure (86 Punkte). Die Luft bis zur Nachverkostung hat im gut getan, er hat etwas an Kraft gewonnen, leider entwickelt sich hinter heraus auch eine Bitternote, die ihm nicht so gut zu Gesicht steht.

 

1959 Pommard, de Cannière (Abfüllung) – Burgund (Füllstand 4,1 cm)


87 Punkte – In der Nase viel Butterkaramell, aber auch leicht flüchtige Säure, Honignoten, mit mehr Luft entwickelt sich ein Duft von Bienenwachs, Liebstöckel, insgesamt recht kräutrig. Am Gaumen noch ein recht schönes Aromenbild mit guter Säure und erkennbarer Burgunderfrucht. Mit mehr Luft wird er dunkler in der Aromatik.

1959 Nuits-St. Georges, Masson-Dubois (Abfüllung von Hubert Kehren, Saarbrücken) – Burgund / „Ma(n)ifest Nr.7“

 

92 Punkte – 1959 war im Burgund ein Jahrhundertjahrgang und wohl auch der Grund, warum dieser Wein noch so sensationell im Glas stand. Trotz intensiver Recherche konnte ich weder zum Erzeuger noch zum Abfüller in Saarbrücken befriedigende Informationen sammeln.

Zu Beginn in der Nase Aromen von verbrannten Gummireifen – dahinter florale Aromen, etwas Kaffee und eine erstaunliche Himbeerfrucht am Gaumen. Der Wein besitzt noch eine ausgezeichnete Struktur – mit einer schönen inneren Spannung sowie einer herrlichen, mürben Süße. Ein Wein für Genießer.

1959 Volnay-Caillerets 1er Cru, Louis Latour – Burgund

92 Punkte – Dieser Wein stammte aus einem grandiosen Burgunderjahr und die Premier Cru Lage "Caillerets" gehört zu den besonders guten ihrer Art in Volnay.  Der Weine brauchte Luft, die Nase wirkte zunächst etwas muffig und zeigte Aromen, die vermuten ließen, dass der Wein überm Punkt ist. Doch am Gaumen offenbarte er von Anbeginn seine Klasse: sehr fein und ausgewogen, mit seidigem Schmelz und immer noch vorhandener Fülle; auch die Tannine sind noch spürbar. Feine Karamellnoten (zu Beginn recht deutlich), malzige Spuren und mit zunehmend Luft wird er immer komplexer in der Aromatik. Er umschmeichelt die Zunge, kullert von links nach rechts und kleidet Mund und Rachen in Seide.