1928 Cahteau Pavie – Saint


95 Punkte
– „Moderner“ alter Wein??  – „Moderne Ausbaumethoden“, wie absurd eine solche Feststellung sein kann, durfte ich an diesem Altwein-Abend erfahren. Der Wein war in etwa so alt wie der Altersdurchschnitt seiner Verkoster – multipliziert mit dem Faktor 2! Die Mehrheit am Tisch hielt ihn für einen sehr gut gereiften (vielleicht 20, maximal 30 Jahre alten) Überseewein aus Kalifornien – da waren noch Noten von Mokka, Reste einer süßen roten Frucht; abgeschliffene, reife, aber irgendwie auch runde, mürbe Tannine. Im Antrunk etwas spröde, aber dann mit weichem Kern; zarte Beerenfruchtanklänge und eine feminine, süßliche Würze – oder anders formuliert: feine, dunkle Bratensoße mit zarter Restfrucht von darin eingekochten Beeren. Immer noch unglaublich lebendig und aromatisch, ja sogar „noch im Saft stehend“ – da macht der „Mit-Achtziger“ doch glatt noch das Sportabzeichen in Gold mit drei Lorbeer-Kränzen. Der sehr, sehr  gute Bordeaux-Jahrgang 1928 (und die somit perfekt ausgereiften Trauben) haben das Grundgerüst gelegt, aber das Terroir von Pavie ist einzigartig und spielt für den Charakter dieses Weines eine so gewichtige Rolle, das es selbst bei einem 80-jährigen Wein als stilbildend bezeichent werden kann. Der Wein zeigt mit seiner schönen, reifen Säure eine gute Balance und spätestens nach dem zweiten Schluck auch Eleganz. Sehr gute Länge. Fazit: Chateau Pavie ist schon immer als „Modernist“ daher gekommen 😉 – nicht erst seit Parker ihn geadelt hat.

1920 und 1928 Federico Paternina – Rioja

Federico de Paternina Josué hat im Jahr 1896 durch den Zusammenschluss von drei Weingütern seine Bodega in Ollauri gegründet. Dass man damals in der Rioja Alta nicht kleckerte, sondern  klotzte, zeigt die Anzahl der über 1000 Fässer aus amerikanischer Eiche, die damals schon den Keller zierten. Peternina verkaufte seine Bodega im Jahr 1919 an einen Banker aus Logrono, blieb ihr aber als Berater bis zu seinem Tod in der 30er Jahren erhalten. Der fleißige Banker „sammelte“ weitere Weitgüter, inklusive der Catholic Farmers Union Cooperative in Haro. Mit diesem Erwerb wurde auch der Firmensitz nach Haro verlegt. Im Jahr 1974 erwarb das schnell wachsende Konglomerat Rumasa das Weingut, doch leider stand das Firmenkonglomerat auf tönernen Füssen und wurde 1980 zur Rettung verstaatlicht. Da in diesen Jahren nichts investiert wurde, sank die Qualität der Weine und damit das Image ins Bodenlose. Der in der Rioja geborene Geschäftsmann und Weigutsbesitzer Marcos Eguizábal Ramirez erwarb 1984 Paternina für nur eine Pesete. Nach harten Jahren begann nun der Wiederaufstieg, es wurde investiert, erweitert, diversifiziert und heute ist die seit 1984 börsennotierte Firma einer der größten spanischen Wein- und Sherry-Erzeuger.

97 Punkte – Die 20er Jahre gelten – mit Ausnahme von 1923, 1926 und 1927 – als insgesamt sehr gute Jahre. Der 28er Jahrgang wird vom Kontrollrat der Region Rioja als „sehr gutes Jahr“ geführt. Der Winter war mild, ein wunderbares Frühjahr – mit vollkommener Blüte – folgte. Der anschließende Sommer war heiß und trocken, mit viel Sonnenschein und etwas, dringend benötigtem Regen im August. Der Herbst war dann entgegengesetzt ungewöhnlich kalt, während der Ernte gab es in einigen Regionen sogar Frost. Die Erträge waren auf natürliche Weise reduziert, aber – gerade in höheren Lagen – hatten die Träubchen eine exzellente Qualität (vgl. Pekka Nuikki, Drinking History, Tre Torri Verlag).

Da ich bislang häufig die Erfahrung gemacht habe, dass alte Rioja-Weine (z.B. im totalen Gegensatz zu alten Burgundern) nicht besonders viel Belüftung vertragen, haben wir die Flasche aufgezogen, kurz karaffiert und dann getrunken. Die Nachverkostung am Ende der Probe zeigte jedoch, dass der Wein mit mehr Luft noch eleganter wurde. Der 28er Paternina hat für sein Alter eine immer noch schöne, im Kern recht dunkle und gesunde rote Farbe – würde ihn eher für einen Wein aus den 60iger Jahren halten. Die Nase ist wunderbar – ein sehr feine, zarte Note von Kaffee, Malz und Vanille, dazu Schattenmorellen und getrocknete Kräuter – und irgendetwas hat mich sowohl in der Nase als auch am Gaumen an Cola erinnert. Am Gaumen erstaunlich lebendig und fein. Der Wein bietet ein filigranes und gleichzeitig intensives, aromatisches Mundgefühl mit grazilen Tanninen, einem feinen Spiel von  Karamell, Cola, Sauerkirschen (Schattenmorellen) und malzigen Anklängen – im Abgang bekommt der Wein eine elegante Note, die mich an orientalisch gewürzte Speisen erinnert. Langer, differenzierter und graziler Abgang.

93 Punkte – Der 1920 ist auf dem Papier das noch größere Jahr, der Jahrgang gilt als exzellent. Im Glas, der Nase und am Gaumen ist er dem 1928er nicht unähnlich, aber doch wirkt er wie eine Symphonie hinter einer Glasscheibe – er kann nicht ganz durchdringen. Die Klasse und Eleganz sind wahrnehmbar, aber sie nehmen einen nicht so gefangen wie beim 28er, den wir unmittelbar vorher genossen haben. Berauschend ist auch hier die feine Süße, hinzu kommt eine etwas animalische, an getrocknetes Leder erinnernde Note. Hat insgesamt nicht ganz die Länge und Klasse des 28igers.

BBP – Best Bottle Party – Ein Weinfest im März

Zur Best Bottle Party (BBP) trafen sich am 20.März dieses Jahres 10 Weinfreunde im Düsseldorfer Restaurant „Schorn“, um den besten Flaschen aus den Kellern der Teilnehmer zu huldigen. Vielleicht waren es nicht die allergrößten Flaschen, aber alle Teilnehmer hatten echte „Herzblut-Flaschen“ mitgebracht. Die Probe wurde bereits vor einiger Zeit vom weinterminator ausführlich beschrieben; da ich jedoch meine eigenen Eindrücke grundsätzlich in den Computer hacke, um sie für eigene Zwecke zu dokumentieren, dachte ich, dass einige Weinfreaks und Leser meines kleinen Blogs Spaß an einer „zweiten Meinung“ haben……..

Als die Tafel voll besetzt war, starteten wir in einen Abend, der 25 (!!) außergewöhnliche Momente bescheren sollte. Wie in jedem großen Film oder Theaterstück lagen jedoch Freund und Leid eng beieinander. Mindestens genauso weit auseinander lagen allerdings auch die Geburtsjahre der Dasteller – zwischen 1910 und 1995!!

 

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