Berlin SPÄTBURGUNDER Cup 2015

2013_Fürst_Hundsrück (1)Genussmensch und Veranstalter Martin Zwick hat einmal mehr die besten deutschen Spätburgunder des neuen Jahrgangs zusammengetragen, um sie einem Verkostungsteam aus Weinschreibern, Weinhändlern, Sommeliers und Weinliebhabern zu präsentieren. Als Vertreter für den WEINWISSER (www.weinwisser.de) habe ich dieses Jahr auch den dritten Berlin Cup absolviert.

Das Jahr 2013 war für viele Winzer kein einfacher Jahrgang. Zur Ernte gab es eine feuchte und regnerische Periode, die schnell hohen Fäulnisdruck erzeugte. Mit einer „rapido“ Lese (teilweise mit verdoppelter Lesemannschaft) und penibler Traubenselektion konnte Mutter Natur vielfach ein Schnippchen geschlagen werden. Auch der Umstand, dass der Spätburgunder – anders als es der Name es vermuten lässt – eine eher früh reifende Rebsorte ist, war in manchen Regionen von Vorteil. Aus den bisherigen Erfahrungen kann ich zusammenfassend sagen:

  1. Der Jahrgang 2013 ist ein sehr schönes Burgunderjahr. Ein guter und präziser Säurebiss in Verbindung mit einer subtilen Burgunderfrucht bringen viele Wein weit nach vorne. Die Tannine sind meist fein und ausgereift, sodass grüne Noten kaum zu finden sind. Ein Terroirjahrgang, in dem man vieles über die Charakteristiken einzelner Lagen lernen kann.
  2. Der Umgang mit dem Holz hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, die meisten Winzer spielen inzwischen technisch perfekt auf dieser Klaviatur, einige beherrschen das Instrument inzwischen geradezu virtuos. Holzexzesse bzw. ein allzu ungeschickter Einsatz von neuem Holz scheint weitgehend der Vergangenheit anzugehören – wie schön!!
  3. Die Spitzengruppe der Erzeuger von guten und sehr guten Spätburgundern ist in den letzten Jahren – ähnlich wie beim Riesling – merklich breiter geworden. Eine für den Weingenießer in jeder Hinsicht erfreuliche Entwicklung.
  4. Ein wenig überraschend war, dass viele Weine jetzt schon – in ihrer Jugend – bereits sehr harmonisch sind und einen hohen Trinkfluss besitzen. Trotzdem sollte die ganz große Mehrzahl der Weine eine ordentliche Lagefähigkeit (mindestens 7 bis 10 Jahre) aufweisen. Die absoluten Topweine sind in den nächsten 15-20 Jahren gerne gesehene Kellerkinder, um dann mit viel Genuss perfekt gereift getrunken zu werden.

2013_Huber_Wildenstein

Referenzweine, die international keinen Vergleich zu scheuen brauchen und für mich global zu den großen Grand Crus gezählt werden können sind: Fürsts 2013 Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder GG und Hubers 2013 Bienenberger Wildenstein GG Spätburgunder R. Großer Stoff, der jetzt eher am 2. und 3. Tag nach dem Öffnen genossen werden sollte, als am Tag des Öffnens.

Ganz knapp dahinter und unter Preis-/ Leistungsgesichtspunkten so attraktiv, dass man an ihnen nur schwerlich vorbeikommt (ich habe nicht widerstanden und bestellt): der 2013er Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG von Schnaitmann und der 2012 Pinot Noir Reserve; Auslese trocken von Koehler-Ruprecht (der genaue Preis kommt jedoch erst zur Freigabe des Weins Mitte 2016)

Siegerwein des Berlin Spätburgunder Cups ist der 2013 Kallstadter Saumagen Spätburgunder der Brüder Rings aus Freinsheim in der Pfalz. Die fabelhaften Baker Boys bedurften einer Susie Diamond alias Michelle Pfeiffer um ihr Talent in bare Münze umzuwandeln. Die Brüder Rings schaffen das auch ohne weibliche Unterstützung. Sie besitzen das richtige Gespür für ihre Lagen, den Wein, das Holz, die Balance und den Markt. Ihre Spätburgunder sind zwar nicht die ganz große, intellektuelle besonders wertvolle Weinoper, aber es sind Spätburgunder, die ein geiles Niveau haben und die gleichermaßen Freaks, Kritiker oder einfach „normale“ Weintrinker in großer Zahl begeistern. Pavarotti & Friends lässt grüßen.

2013 Pinot Noir Kalkstein – Frank John, Pfalz (€45,-)

Dunkles Rubinrot mit deutlicher Transparenz, fruchtig-süßer Ansatz, Walderdbeeren, Himbeeren, etwas Sauerkirsch; klare Frucht und schöne Säure; mittelgewichtig mit guter Struktur; dezent medizinale Note im Abgang. 86-88 Punkte

2013 Lorcher Kapellenberg Pinot Noir, QbA trocken – Chat Sauvage, Rheingau (€45,-)

Recht dunkles Rubinrot; dunkle, leicht vom Alkohol getragene Nase, etwas rauchig, geschnittenes Holz, saftiger Ansatz, schöne aromatische Tiefe mit festem Kern, gutes Tannin, klare Frucht; fest gewirkte, gute Struktur; Holz ist sehr gut eingebunden; druckvoll, mit guter Länge. 89-90 Punkte

2013 Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder, QbA trocken – Zelt, Pfalz (€25,-)

Mittleres Rubinrot mit leicht purpurnen Reflexen, viel Himbeeren und Kirschen, saftiger Ansatz, gute Säure, trinkig, etwas vordergründig und leicht dropsig, geht in Richtung easy drinking, ordentliche Länge; 86-87 Punkte

2013 Birkweiler Kastanienbusch Köppel Spätburgunder, QbA trocken – Siener, Pfalz (€17,50)

Dunkles Rubinrot, die Nase noch leicht vom Holz dominiert, dahinter dunkle Waldbeeren, leicht mineralische Komponente, mittlerer Körper, zugreifende Tannine, sehr ausgewogen und mit guter Struktur, hat schönen Widerstand. Insgesamt sehr stimmiges Bild. Bereits jetzt mit großer Freude zutrinken, aber auch mit gutem Potential. Geht in die burgundische Richtung. 90-92 Punkte

2013 Blauer Spätburgunder, QbA trocken – Karl H. Johner, Baden (€23,90)

Deutlich vom Holz geprägte Nase, viel Toasting, Rauch, Röstaromen, Zigarrenkiste. Dahinter dunkle Frucht, Zwetschge, Schwarze Kirsche, Tabakblätter. Am Gaumen überraschend fruchtig, mit guter Säure, aber auch leicht laktischen Noten, kraftvoll mit deutlichem Alkohol. Gut gemacht, Biber-Wein. 88-89 Punkte

2013 Spätburgunder Rhini, Landwein trocken – Ziereisen, Baden (€34,-)

Kühler, geschliffener Duft, dezent nach Beeren, Tomaten, leicht kräutrige Anklänge, zeigt Tannin und Struktur (aktuell aber noch leicht trocknend), kühl-herbe Ausrichtung mit deutlich mineralischem Nachhall. Balanciert, schöne Säure, insgesamt eher wenig Frucht, kräutrig, zart tabakig, hier steht Mineralik und Terroir im Vordergrund. 89-91 Punkte

2013 Ihringer Winklerberg Häusleboden Spätburgunder GG – Dr. Heger, Baden (€71,40)

Mittleres, ziemlich transparentes Runbinrot, sehr schöner Glanz, wunderbar balancierte, ruhige Art, feine Textur, eleganter Stil. Die Komponenten Frucht (rot- und dunkelbeerig, subtile Kirschfrucht), Tannin und Säure sind perfekt aufeinander abgestimmt; schöne Struktur; sehr klare und reintönige Art, richtig guter Stoff, feinsandiges Tannin, nachhaltig und subtil zugleich, erstaunlich früh zu trinken, aber mit gutem Lagerpotential 92-94 Punkte

2013 Freinsheimer Musikatenbuckel Spätburgunder, QbA trocken – Krebs, Pfalz (€28,-)

Geschliffene Frucht mit dezent holzwürziger Noten in der Nase, am Gaumen deutlicher von der Frucht geprägter Wein, Waldbeeren, Erdbeeren, rote Johannisbeeren, recht deutliches, noch etwas rauhes Tannin, dunkle Mineralik, pikante Säure, wirkt noch! nicht komplett harmonisch; trägt aber nachhaltig, kühl und lange am Gaumen. 89-90 Punkte

2013 Alsheim Spätburgunder, QbA trocken – Juwel Juliane Eller, Rheinhessen (€12,-)

Sehr helle, transparente rubinrote Farbe, noch ganz leichte Gärkohlensäure; leichte, rotbeerige Frucht, feinduftig, Schattenmorellen. Am Gaumen aber ein etwas saurer Geselle, dezent rauchige Noten, die eher transparente Frucht ist rotbeerig, schlank, letztlich ein wenig zu dünn. Wenig Tannin. 85-86 Punkte

2013 Avantgarde / Hölle Spätburgunder QbA trocken – Bergdolt-Reif & Nett, Pfalz (€16,-)

Frischer, feinsaftiger Ansatz, zeigt klare Frucht, wunderbar reintönig, es fehlt ihm etwas an Tiefe und Komplexität, feines Tannin, sehr stimmig. Trinkanimierend, sauber und gut! Schöne feinfruchtige Länge. 86-88 Punkte

2013 Marienglas – Untertürkheimer Gips Spätburgunder GG – Aldinger, Württemberg

Sehr kräutrig-erdige Geschichte, dezent rot-schwarzbeerige Fruchtnoten. Am Gaumen aromatisch tiefer Ansatz, feinsaftig; dezente, recht feine Tannine, mittelgewichtig, guter Saft, dunkle Beerenfrucht, etwas Kirsche, macht Freude. 88-89 Punkte

2013 Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG, – Heid, Württemberg (€25,-)

Bordeauxrot mit mittlerer Transparenz, tiefer Ansatz, feinsaftig, ernst, eher dunkelbeerig, Schattenmorellen; kühle Stilistik. Am Gaumen mit herrlicher Struktur und geschliffener Textur, feinsaftig, perfekte Tannine, großartige Tiefe, dunkler Ansatz, dunkle Kirschen, ein Hauch schwarze Oliven, Kräuter, Mineralik – hier ist alles an seinem Platz! 91-93 Punkte

2013 Spätburgunder Terra 1261, QbA trocken – Weingut Stadt Klingenberg / Benedikt Baltes, Franken (ca. €100 – als Teil einer Lagenkiste)

Helles Rubinrot mit mittlerer Transparenz. Feine, dezent rotbeerige Frucht, etwas roh-fleischige Noten, Nuancen von Kirschen und getrockneten Kräutern, filigran gewirkte Nase. Am Gaumen hochelegant, perfekte Balance, mit sehr schöner aromatischer Tiefe, verspielt, feine und noble Tannine, mineralische Anklänge, mit ganz vielen Facetten, besitzt eine wunderbare Leichtigkeit des Seins. Aristokratisch und subtil bis lange Finale. 93-94 Punkte

2013 Fellbacher Lämmler Spätburgunder GG – Schnaitmann, Württemberg (€42,-)

Herrlich intensives und nachhaltiges Parfum; dicht und gleichzeitig vielschichtig und facettenreich – so schön! Am Gaumen ein wunderbare Aromen-Melange. Feinsaftig und eher kühl in der Aromatik, kein bisschen vordergründige Frucht, sondern eher vegetabil-kräutrige Noten, Kirschkerne, erdig und mineralisch; wunderbares Säurespiel, viel Substanz, noch recht fest gewirkt, aber mit sehr feinen Anlagen, nachhaltig und mit formidabler Länge. 93-95 Punkte

2013 Melandor Pinot Noir, QbA trocken – Metzger, Pfalz (€48,-)

Sehr klare und reintönige Burgunderfrucht mit herrlicher Fruchtsüsse, ziemlich dicht, saftig, hohe Frische, rote Frucht mit einem Hauch dunklem Holz. Feinsaftig und reintönig, geschliffene Tannine und eine wunderbar frische und perfekt integrierte Säure, animierend, das macht müde Seelen munter. Sehr stimmig und mit schöner Länge. 90-91 Punkte

2013 Pinot Noir, QbA trocken – Jülg, Pfalz (€36,-)

Sehr substanzgetriebener Wein mit viel Anspruch, eher dunkle Beerenfrüchte, tabakige Holznoten. Am Gaumen dicht gewirkte Frucht, die sich aktuell mit dem deutlichen Holz noch nicht richtig vermählt hat. Dunkle Beerenfrucht, rauchig erdige Noten, ganz schön dunkel ;-). Kraftvolle Tannine, strukturgetriebener Pinot. Wirkt ein bisschen gewollt, es bleibt abzuwarten, ob alle Komponenten mit ein, zwei Jahren Flaschenreife noch richtig zueinander finden. Jetzt 86-87 Punkte

2013 Kalkmergel Spätburgunder, QbA trocken – Wageck, Pfalz (€15,80)

Klare, transparente und etwas parfümiert wirkende rote Beerenfrucht. Am Gaumen mit frischer Saftigkeit, zeigt viel rotbeerige, süßlich wirkende Frucht, Erdbeeren, Himbeeren; wenig Tannin, etwas laktische Anmutung, eher leichtgewichtig. 85-86 Punkte

2013 Birkweiler Kastanienbusch Pinot Noir, QbA trocken – Siener, Pfalz (€32,-)

Ausdrucksvolle Frucht, dunkelbeerig, Kirsche, balsamische Anklänge, ein Hauch von dunkler Fleischsoße. Am Gaumen mit tiefer Aromatik, hat gute Substanz, feinsaftig mit schöner, dunkler Pinot-Frucht; feine Extraktsüsse; ein Hauch von Schokolade und balsamische Anklänge. Mittelgewichtig, mit sanfter Oberfläche und einem schönen, runden und mürben Tannin. Gute Verbindung von Holz und Frucht. Substanzreicher und hedonistischer Tropfen. 91-93 Punkte

2013 Probstey Spätburgunder QbA trocken – Thörle, Rheinhessen (€26,-)

Fruchtig holzduftige Nase mit Waldbeeren- und Cassisarmoatik. Am Gaumen ebenfalls eine Aromatik von reifen Waldbeeren, kombiniert mit Tabak-und Kakaotönen aus dem Holz, angenehme Saftigkeit, dezent mineralische Anklänge. Ordentlich gebaut; mittleres Tannin. Man wünscht sich etwas mehr aromatischen Ausdruck und Komplexität. 86-87 Punkte

2013 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder GG – Allendorf, Rheingau (€25,-)

Luftiger Ansatz, ein Spiel von Erdbeeren, roten Beeren und Rhabarber mit einem Hauch von Vanille. Insgesamt ein eher leichtfüßiger, subtiler Spätburgunder mit einer luftig-lockeren Frucht, dahinter auch mineralische Anklänge. Die Tannine passen in ihrer eher zarten Art zu diesem fruchtbetonten, mit guter Säure ausgestatteten Spätburgunder. Hatte es im in diesem Umfeld etwas schwer. 86-88 Punkte

2013 Hochheimer Stein Spätburgunder GG – Künstler, Rheingau (€ 24,90)

Im Kern rubinrot, am Rand jugendlich purpur. Das Bouquet verströmt eine Duft von Kirschen und reichlich Kräutern. Am Gaumen schlanker Ansatz mit festem Kern und herrlichem Widerstand. Die dunkle Seite der Macht bestimmt das Fruchtbild. Kirschkerne, erdig-würzige Anklänge und ein Hauch von Malz. Gut definierter, schlanker Körper, herrlich frische, mineralische Art, das Holz ist perfekt eingebunden. Im langen Finale eher leise und subtil. 91-92 Punkte.

2013 Muschelkalk Spätburgunder, Landwein – Enderle & Moll, Baden (€32,50,-)

Zu Beginn mit luftiger und ausdrucksvoller Frucht, noch etwas vordergründig, rote Beerenfrucht, Hagebutten, ein Hauch Cassis, auch getrocknete Kräuter und florale Anklänge. Am Gaumen mit aromatischer Tiefe und sehr klaren, reintönigen Aromen. Auch wenn noch nicht alles perfekt zueinander gefunden hat, überzeugt die aromatische Vielfalt. Feinsaftig, feiner Säurebiss. Klare Art und Frische; moderate und feine Tannine; ein schöner Luftikus/Seiltänzer mit Nachhall und der Leichtigkeit des Seins. 90-92 Punkte

2013 Niersteiner Paterberg Sptätburgunder GG – St. Antony, Rheinhessen (€32,90)

Tiefes Rubinrot mit noch dezent violetten Randreflexen. Ausdrucksvolle und tiefe Burgunderfrucht, vielschichtig, dunkel, Kirschkerne. Am Gaumen ebenfalls dunkle Beeren, verwoben mit einer komplexen Kräutrigkeit (getrocknete Kräuter). Viel Substanz und überaus strukturiert, es passt alles zusammen: die für einen Burgunder recht nachhaltigen Tannine, die trotzdem weiche Oberfläche, die schöne Säure, die sehr reintönige Frucht von dunklen Beeren und Kirschen, die aromatische Tiefe und der gute Extrakt. Herrlich zupackender Wein. Er gibt ein Versprechen für lang anhaltenden Genuss. 92-94 Punkte

2013 Saulheimer Hölle Spätburgunder, QbA trocken – Thörle, Rheinhessen (€29,-)

Dunkle Spätburgunderfrucht, noch von Holz und Toasting geprägte holzwürzige Nase. Am Gaumen mit guter aromatischer Tiefe und Substanz. Klar und mit dunkler Frucht, packt zu, hat Kraft und Tannin, eher kühl gewirkt mit erkennbarer Extraktsüße. Dezent kräuterwürzig, eher maskuliner Spätburgunder. 88-90 Punkte

2013 Dernauer Pfarrwingert Spätburgunder GG – Meyer-Näkel, Ahr (€48,-)

Dichtes Rubinrot. Dichte Waldbeerenfrucht, Erdbeeren, dezente Kräutrigkeit. Am Gaumen schöner Extrakt. Dunkle Waldbeeren, Kirschfrucht und Erdbeeren, dahinter dezent kräutrige Noten. Etwas Extraktsüße – abgepuffert mit schöner Säure. Insgesamt mittelgewichtig mit guter Frische und fein eingepassten Gerbstoffen. Ausgewogener und harmonischer Spätburgunder, der bereits jetzt gut zu trinken ist. 89-91 Punkte

2013 Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder GG – Fürst, Franken (€94,-)

Rubinrot mit mittlerer Transparenz und schönem Glanz. In der Nase feiner, tiefer und kühl-mineralischer Ansatz, überaus reintönige Aromen, eher dunkelbeerig und kräutrig. Am Gaumen die gleiche reintönige und transparente Art. Baut viel Zug und Druck auf, viel innere Stärke, dabei nie schwer. Packt zu, feinwürzig, mit herrlichem Säurebiss und subtiler Extraktsüße; feinsaftig und überaus klar. Hedonistischer Wein mit riesigem Potential und tollem Harmonie-Versprechen. Großartig; feistes Teil! 94-96 Punkte

2013 Bienenberger Wildenstein Spätburgunder R / GG – Huber, Baden (€120,-)

Von Anbeginn eine ungeheuer subtile und vielschichtige Aromatik. Betörende Nase mit ätherisch/balsamischen Anklängen, feinen Kirsch- und dunklen Beerennoten, auch würzige Aromen. Am Gaumen eine vergleichbar komplexes Aromenspiel zwischen Frucht, Gewürzen (z.B. roter Pfeffer) und erdig, mineralischen Anklängen. Kühle, sehr geschliffene Art. Hier ist alles bestens definiert, passend dimensioniert und auf eine lange Zukunft hin strukturiert. Frucht, frische Säure, feingliedrige Tannine und ein wunderschönes, langes und elegantes Finale. Groß!  94-95 Punkte

2013 Berntaler Felsenberg Spätburgunder – Rings Pfalz (€?)

Subtanzreicher und reintöniger Duft, dunkle Beerenfrucht, viel Kirsche und eine schöne Röstaromatik. Am Gaumen ebenfalls viel Substanz, viel innere Spannung, eher dunkle Aromatik mit erkennbar mineralischen Anklängen. Gute Tannine, die Struktur bringen; schöne, feinsaftige dunkle Kirsch(kern)frucht, gute Frische & ein gut eingebundenes Holz. (Anmerkung: Weinberg in 2010 restauriert, in Naturschutzgebiet gelegen, mit Kalksteinmauern umgeben – quasi ein Clos. Jungfernjahrgang, sehr kalkige Böden mit etwas Eisen; nur 2 Barriques, bislang noch ohne Preis) 90-92 Punkte

2013 Kallstadter Saumagen Spätburgunder, QbA trocken – Rings, Pfalz (€38,-)

Kühler, intensiver Duft von rotschwarzen Beeren und Kirschen, durchzogen mit einem wunderbaren Potpourrie von getrockneten Kräutern und Gewürzen. Am Gaumen geil-saftig (sorry des Ausdrucks), tief und nachhaltig. Der Wein hat Power und Frische, ist klar, kühl und substanzgeladen. Insgesamt fest gewirkt, mit ein paar schönen Pölsterchen an den richtigen Stellen und runden, weichen, aber nachhaltigen Tanninen. Irgendwie ein crowdpleaser, aber aktuell passt hier einfach alles. Alles ist richtig dimensioniert, dicht und very sexy! Frisch & jung, mit schönem Schmelz und herrlicher Frucht. Es gibt viel zu entdecken in den Ecken und Winkeln dieses Weins. Vielleicht nicht der nobelste aller Spätburgunder, aber selbst ein Weinintellektueller wird sich dem Charme des Saumagens nicht entziehen können. Eine perfekte Spätburgunder-Praline, die irre lang am Gaumen haftet. Jetzt schon super zu trinken. 93-95 Punkte

2013 Teufelspfad Spätburgunder, QbA trocken – Braunewell, Rheinhessen (€22,50)

Schöner Spätburgunder mit fruchtig floraler Art, reintönige Art. Am Gaumen schöne Saftigkeit, viel Kirschfrucht sowie rote und schwarze Beeren, mittelgewichtig, recht konzentriert und mit passendem Holz abgerundet. Die ziemlich feinen Tannine sind gut eingepasst, die Säure ist stimmig und die mineralische Note im Hintergrund gibt ihm eine kühle Note. Insgesamt ein sehr schöner und stimmiger Wein, der gute Anlagen mitbringt und gut ausbalanciert ist. 89-91 Punkte

2013 Koepfle Spätburgunder; QbA trocken – Henrik Möbitz, Baden (€39,-)

Dunkles Rubinrot mit mittlerer Transparenz und schönem Glanz. Tiefe aromatische Art, subtil und kraftvoll zugleich, eine gewisse Form von Kargheit, dafür herrlich mineralisch und mit herben Zug, feine Tannine, insgesamt vielschichtig, aktuell noch sehr jung und mit starkem Terroirausdruck. Richtig guter Stoff! 91-92 Punkte

2012 Pinot Noir; Auslese trocken – Koehler-Ruprecht, Pfalz (ca.€20,-)

Klare, dunkle Beerenfrucht mit deutlichen Kirschnoten, aber auch etwas medizinale Anklänge. Am Gaumen kraftvolle Art mit guter innerer Spannung; vielschichtige, eher herbe Frucht. Mittleres Tannin, packt trotzdem zu, gute Säure. Animierend. Schöne Länge. 89-91 Punkte

2012 Pinot Noir Reserve; Auslese trocken – Koehler-Ruprecht, Pfalz (k.A. erscheint Mitte 2016)

Tief und vielschichtig, mit sehr schöner Dichte und viel innerer Spannung, feinsaftig mit schönem Spiel und superber Frische Die Tannine sind feinkörnig. Viel innere Spannung und doch ungemein variabel und komplex. Das neue Holz ist bestens integriert und die leichte nussig-schokoladige Röstaromatik fügt sich perfekt ein. Zupackend und gleichzeitig hedonistisch. Dann bleibt der Zettel leer und die Deklination einzelner Aromen fehlt – habe einfach gedankenverloren genossen! Für eine Zahl auf dem Papier hat es nach der Träumerei dann doch gereicht: 93-94 Punkte

2012 Brauneberger Klostergarten Spätburgunder** – Molitor, Mosel (ca.€45,-)

Feiner und frischer Duft von dunklen Kirschen, rotbeerige Noten zusammen mit kühlen erdigen und mineralischen Anklängen. Am Gaumen ebenfalls sehr klar, kühl und reintönig. Wieder eine schöne Melange aus dunkler Sauerkirschfrucht und kühlen mineralisch-würzigen Anklängen, schwarzer Pfeffer, auch etwas kalter Rauch. Insgesamt mit schöner innerer Spannung, gutem Säurebiß und klarem Ausdruck. Viel Potential, wirkt sehr burgindisch. 90-92 Punkte

2012 Brauneberger Klostergarten Spätburgunder*** – Molitor, Mosel (ca.€80,-)

Sehr tiefe Burgundernase, unglaublich klar und reintönig, gerade aus und doch äußerst vielschichtig, es benötigt viel Zeit im Glas, damit der Wein sich zu offenbaren beginnt. Es deutet sich erst langsam an, was in dem Wein steckt. Dieser Stoff ist für ein langes, genussvolles Leben bereitet und stellt die hohe Winzerskunst dar. Sehr pur und rein, mit viel innerer Vibration und sehr fein definierten Aromen, dunkelfruchtig, dunkle Sauerkirschen, blütige Anklänge. Die Tannine bilden Struktur, sind in ihrer Wahrnehmung aber sehr feinkörnig und weich. Wunderbarer Tropfen mit riesigem Zukunftsversprechen. 91-94 Punkte

2012 Westhofener Morstein Spätburgunder GG – Gutzler, Rheinhessen (€31,-)

Recht dunkle rote und schwarze Frucht, deutlich vegetabile, herbe und erdig-mineralische Anklänge im Duft und am Gaumen; am Gaumen auch tabakig-kräutrige Anklänge. Insgesamt ein sehr individueller Spätburgunder, der einen etwas herberen Stil charakterisiert. Die für einen Spätburgunder straffen Tannine sind ebenso gut eingebunden wie das moderate Holz. Erkennbar strukturierter und nicht auf vordergründiger Frucht aufbauender Charakter. Gute Länge. Lagerpotential. 88-90 Punkte

2012 Großkarlbacher Burgweg Spätburgunder, QbA trocken – Wageck, Pfalz (€28,90)

Interessanter Stoff, in der Nase mit kühler Frucht, herbe rote Beerenfrucht, durchzogen mit ein paar kräutrigen Noten. Am Gaumen extraktreicher Stoff, mit feinsaftiger Frucht und schönem Schmelz, der insbesondere auch aus dem deutlichen, aber sehr gut integrierten, Fassausbau stammen dürfte. Erkennbare Extrakt- und Holzsüße, aber am Gaumen auch dunkle Früchte wie Pflaumen, kombiniert mit Kirschen, ein bisschen Schwarzwälder Kirsch. Schöner Zug und ordentliche Länge. 86-88

2012 Pinot Noir Reserve – Koch, Baden (€48,-)

Hellrot, transparent mit schönem Glanz. Herrlich reintönige Nase, vielschichtig, mit einer wunderschönen roten Beerenfrucht, feine Fruchtsüße, rote Johannisbeeren, Schattenmorellen. Am Gaumen eher zart, mit seiner eher kühlen roten Beerenfrucht tanzt er auf der Zunge, ist verspielt, aber nicht kitschig, die gute Struktur bleibt im Hintergrund. Der schöne Säurebiss passt sehr gut zu seiner feinsaftigen Frucht. Mit macht dieser reintönige und sehr klare Spätburgunder sehr viel Spaß. Gerade als letzter Wein in einer 41 Spätburgunder umfassenden Probe, überzeugt mich die 2012er Ausgabe von Holger Kochs Pinot Reserve sehr. Ich werde wieder munter! 91-93 Punkte

2015 Berlin Riesling Kabinett Cup

Martin Zwick hat seine Berlin Cup Serie als Weinveranstaltung und Gradmesser für den jeweiligen Jahrgang weiter professionalisiert. Perfekt temperiert wurden die 39 Riesling Kabinett Weine in Zalto-Gläsern präsentiert. Hochkonzentriert arbeiteten 12 Verkoster das Programm in 2er Flights zügig ab. Die Ergebnisse aller Verkoster wurden um den besten und schlechtesten Wert bereinigt und anschließend der Mittelwert gebildet. Die Sieger sind somit durch das Votum aller Verkoster ermittelt. Einziger Wehmutstropfen war, dass auf Empfehlung eines jungen, erfolgreichen Moselwinzers alle Weine erst direkt vor ihrer Präsentation geöffnet wurden. Zwar mag dies denjenigen Rieslingen zu Gute kommen, die kein botrytisfreies Lesegut hatten, andererseits kommt dies weder den Bedingungen nahe, unter denen ein Verbraucher seinen Wein genießt, noch lässt es Raum und Platz für eine Entfaltung, die viele dieser jungen Weine erleben, wenn man ihnen nur etwas Luft und Zeit gibt. Die am nächsten Tage von mit in Ruhe durchgeführte (aber ohne Einfluss auf die nachfolgenden Notizen) Nachverkostung hat dies bestätigt.


Die Qualität des Jahrgangs 2014 ist insgesamt gut, aber nicht herausragend. Die Zahl der fetten, deklassierten Spätlesen scheint etwas zurück zu gehen. Es war schön festzustellen, dass man wieder mehr Wert auf animierende Trinkigkeit legt. Die gute Säure, die dieser Jahrgang reichlich hervorgebracht hat, ist dabei sicherlich förderlich gewesen. Das Haar in der Suppe ist, dass einige Weine mit etwas weniger Restsüsse noch besser dastehen würden.

Die 5 Kabinettweine auf dem Siegertreppchen sind wunderschöne Vertreter ihrer Art.

Berlin Kabinett Cup - die Sieger

Besonders angetan haben es mir jedoch 2 Weine, die es knapp nicht auf das Treppchen geschafft haben. Der von Hövel – Vollmondwein hat mich mit seiner steinigen und erdigen Art besonders begeistert. Er ist fest gebaut und für mich gab es keinen anderen Wein, der mehr Energie besaß und mich so animierte, wie dieser bei Vollmond gelesene Wein. Ebenfalls herausstellen möchte ich einen Wein von Joh. Babt. Schäfer. Er hat mit seinem sehr mineralischen, klaren und fokussierten Dorsheimer Pittermännchen Kabinett ein kleines Meisterwerk abgeliefert, das zeigt, dass Widerstand am Gaumen und Harmonie im Wein auf einer Seite der Medaille stehen können.

von Hövel

1) 2014 Wagner Stempel Siefersheim Riesling Kabinett, 8%: Nasse Steine, helles Steinobst, Apfel, feinsaftiger Typ, Restzuckerspiel, leicht kräutrig, sehr limonadig, Zitrone, gute Säure, sehr vielfältige Frucht, animierende Säure. Am Abend noch ziemlich zu und unausgewogen, am kommenden Tag deutlich animierender und vielschichtig. 85-88 Punkte

2) 2014 Schätzel KabiNett Niestein, Rheinhessen, 8,5%: Duftige, noch stark von Gäraromen geprägte Nase fruchtig, deutliche Restsüsse andeutend, angenehmer Saft, am Gaumen überraschend Verhalten in der Süße, zeigt sich schön, pikante Säure, leicht rauchig, zum Kauen, 87 Punkte

3) 2014 Schloss Johannisberg Riesling Kabinett feinherb, Rotlack, Rheingau: Verhaltene Nase, schöne ausgewogene Frucht, Frische, Zitrusnoten, etwas Orangensaft, krasse Säure, gute Länge, schlank, schwer zu bepunkten – 87 Punkte

4) 2014 Schäfer Fröhlich Felseneck Riesling Kabinett, Nahe: Deutliche Spontannoten, rauchig. Viel Schweiß, stark reduktiv, animierende Frucht mit schönem Spiel, ein wenig exotisch, Orangenblüten – 89 Punkte

5) 2014 Robert Weil Riesling Kabinett, Rheingau 8,5%: Schöner junger, ziemlich unaufgeregter Stil, weißgelbe Frucht, schöne Säure, hat Zug und ein wenig Druck, sehr angenehme, feinsaftige Art, mittlerer Extrakt, wirkt schon balanciert, 87 Punkte

6) 2014 Diel Dorsheimer Goldloch Riesling Kabinett, Nahe, 8%: Sehr viel gelbes Steinobst – Rheingaustilistik !? noch sehr jung und auch etwas schwefelig, saftig, recht extraktreich, zeigt deutliche Restsüsse, etwas dicklich, nicht ganz mein Stil 86 Punkte

7) 2014 Joh. Babt. Schäfer Dorsheimer Pittemännchen Kabinett, Nahe 8% Sponitnase, sehr klar, dichte Stilistik, wat zum Kauen, sehr kräutrig mineralisch, noch Spontinoten, fest angelegt, schönes Spiel, ein Hauch Gerbstoff, richtig gut, bleibt lange stehen 90+ Punkte

8) 2014 Diel Dorsheimer Pittemännchen Riesling Kabinett, Nahe, 7,5% blütige, leicht kräutrige Nase, am Gaumen, sehr steinig, Schiefer, rauchig, kräutrige, trüber Apfelsaft, saftig traubig, auch mit Restsüsse, echt lecker, da geht die Hand zumGlas. 89 Punkte

9) 2014 Meierer Kesten Kabinett, Mosel, 8% kräutrige Frucht, getrocknete Blätter, animierende Säure, unaufgeregt schön, angenehme Trinkigkeit, 87 Punkte

10) 2014 Fritz Haag Braunebeger Riesling Kabinett, 8%, brutale Spontinoten, deutliche Steinobstfrucht, gelb exotisch, Ananas, animierende Säure, Spiel mit der Süße, 88+ Punkte (am Tisch wurde leider (versehentlich gequatscht) und vermutet wegen leichtem Championnote Weinfehler, pilzig, die Gruppendynamik schlug zu; ich bin anderer Meinung.)

11) 2014 Karthäuserhof Kathäuserhofberg Rielsing Kabinett, Ruwer, 8% leichte Sponitnase, feinsaftig, leichte Steinigkeit, mineralisch saftig, frische Frucht am Gaumen, gute Säure, sehr lecker und animierend. 88 Punkte

12) 2014 Dönnhoff Oberhäuser Leistenberg Riesling Kabinett, Nahe, 9%,sehr exotische Frucht, sehr dicht, viel gelbe Frucht, viel Zitrusnoten, gute Säure, dicht, etwas extrovertiert, schön saftig, kompakt, leichte Würzigkeit, dicht, ein Hauch Gerbstoff, der schmeckt wahrscheinlich jedem. 88 Punkte

13) 2014 Willi Schäfer Graacher Himmelreich Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Kräuterbionade mit Waldmeistereinschlag, sehnig, schlanker Stil, kräutrig, tolle Säure, hier geht was ab im Glas, belebend, 91+ Punkte

14) 2014 Weiser-Künstler Enkircher Ellergrub, Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% kräutrig, gute Säure, tief, ziemlich komplex und „intelligente“ Frucht, dreckige Mineralität, stimmig, richtige Spätlese 90 Punkte

15) 2014 Forstmeister Zilliken Bockstein Kabinett, Mosel, 7,5%: verhaltene Nase, leicht würzig, wird mit Wärme dropsig, am Gaumen recht dicht, aber irgendwie nicht stimmig, guter Extrakt, aber wo ist die Harmonie, BSA? – wo ist das Spiel? 85 Punkte

16) 2014 St. Urbanshof Ockfen Bockstein Kabinett, Mosel, 8,5% typische Rieslingnase, traubig, am Gaumen viel Frucht und Süße, dropsig zu Beginn, ordentliche Säure, baut im Glas schön aus, wird kräutriger, viel Aprikosen und Pfirsichfrucht, weiße Plattpfirische, die Spontannoten und die reichlich vorhandene Restsüsse stehen ihm ziemlich gut. 87 Punkte

17) 2014 A.J. Adam Hofberg Kabinett, Mosel, 8,5%, ungewöhnliche Frucht, Orangenblüten, etwas Tabak, Gerbstoff, hat Kraft und schöne Schlankheit, feine Saftigkeit, am Gaumen feine Würze, nicht zu schwer, der ist gut balanciert. Wirkt edel, steht lang am Gaumen. 91 Punkte

18) 2014 Julian Haardt Oligsberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5%, deutliche Spontannoten, herrliche Frucht, feinsaftig, tolle Säure, hier geht was ab, mit der Luft/Wärme kommt die Süße deutlich raus, ist aber balanciert, deutliche Steinobstaromatik, schöne Länge. 90 Punkte

19) 2014 Julian Haardt, Goldtröpchen Riesling Kabinett, Mosel, 7,5%, leichte Spontinase, blütig, kräutrige Nase, verspielt. Am Gaumen saftig, mit Druck, Schießpulver, mineralisch, animierend, tolle Länge, 89 Punkte

20) 2015 Reinhold Haardt Goldtröpchen Kabinett, Mosel,8,5% deutliche Spontannoten, viel Süße, gute Säure, etwas klebrig, gelbe Frucht, saftig, dicht, kompakt, leckeschmecker, unkompliziert, lebt von der Süße. 87 Punkte

21) 2014 von Kesselstadt Scharzhofberger Riesling Kabinett feinherb, Mosel, 9,5% rauchig verhaltene Nase hier wurde am Tisch bei beiden Flaschen UTA ausgesprochen und die Gruppendynamik schlug zu. Am Folgetag aus Konterflasche nachverkostet, schöne saftig weißgelbe Frucht, Kräuterlimo, dezente Mineralik, hat schönen Körper und steht jung und frisch im Glas. 88 Punkte am Folgetag

22) 2014 von Hövel Scharzhofberg Riesling Kabinett, Mosel, 9,0% animierende kräutrige, sehr mineralische Nase, kompakt, fest, herrliche Säure, packt zu, extravagant, Tabak, etwas medizinal, am Gaumen: Orangensaft, blütig, präsentiert sich frisch noch etwas unaufgeräumt. 88 Punkte

23) 2014 Max. Grünhäuser, Abtsberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% etwas kinderkotzige 😉 spontane Nase, Kräuter, mineralisch, animierend, schlank, gute Säure, Birne, Steine, etwas Schießpulver, sehr gute Länge 88 Punkte

24) 2014 von Hövel Oberemmler Hütte Riesling Kabinett, Mosel: ungewöhnliche Geschichte, dieser Wein ist daneben, Sumpfdotterblumen, medizinal, am Gaumen irgendwie komische Aromatik, Krokus, Safran, macht mich ratlos. wie soll ich das finden? Würzigkeit, saftig, recht dicht und hat Extrakt, gute Säure, 87 Punkte

25) 2014 Willi Schäfer Graacher Domprobst Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% schöner, guter, etwas gefälliger Riesling, feine Süße, auch angenehme Saftigleit, aromatisch gut, aber irgendwie auch etwas einfallslos, traubig, schöne Süße, Säure, 86 Punkte

26) 2014 Dr. F. Weins-Prüm Graacher Domprobst Riesling Kabinett: Kork o.W,

27) 2014 Max. Grünhäuser Herrenberg Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Deutlicher Spontanstinker, feinsaftig, animierend, Hallo Wach Wein, belebend, gute Säure, Kabinett, straff und präzise, kräutrige Mineralik, schöne Länge. Dieser Kabinett strahlt und bringt mich zum Strahlen. 90+ Punkte

28) 2014 Forstmeister Zilliken Rausch Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% runder, fruchtig, saftiger Riesling, ohne Ecken und Kanten, macht Spass, etwas würzig, Botrytis, Honig, Würzigkeit rund, im guten Sinne unkompliziert. Spätlese. 89 Punkte

29) 2014 Von Hövel Oberemmler Hütte Vollmondwein Vesteigerungskabinett, Mosel, 9,0%: klar, sehr fest, sehr mineralisch, steinig, erdig, sehr reintönig. heftiger Stoff. Das animiert, ist dicht, mit viel Zug; leichte, mir gefallende Bitterkeit, das ist gut, das ist lang. Love it! 92 Punkte

30) 2014 Schloss Lieser Braunebeeger Juffer, Mosel, 7,5% Heftige Spontannoten, Austernwasser, Tang, Käse, am Gaumen saftig, gelbe Frucht, Steinobst, runde und mollige Frucht, 87 Punkte

31) 2014 Max. Ferdinand Richter, Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett, Mosel, 9%, So etwas habe ich bei einem Wein noch nie erlebt, das riecht zu 100% nach Ziegler Obstbrand, Kirsche und Vogelbeeren, was für eine Frucht, am Gaumen fruchtig, etwas süß aber aromatisch! Irgendwie in der Art daneben, Gelbe Pflaumen, gelbes Steinobst, gute Säure. Heute! 84 Punkte

32) 2014 Schloss Lieser Wehlener Sonneruhr Riesling Kabinett, Mosel, 7,5% Spontannoten, Schießpulver, schöne Frische, reintönig, gute Frucht, Cassis, gelbe Frucht, geschmeidig, trinkig, animierend, ein geiler Kabinett, der seinem Namen alle Ehre macht, rauchig, 89 Punkte

33) 2014 Max. Ferd. Richter Veldenzer Elisenberger Riesling Kabinett**, Mosel, 8,5% Spontinoten, sehr vegetabile Noten, 2.Flasche besser, gute Säure, animierend, kräutrig mineralisch. Am folgenden Tag nachverkostet, was für ein Unterschied, deutlich ausgebaut, viel straffe Schiefermineralik, guter Zug, kräutrig, animierend. 86-89 Punkte

34) 2014 Dr. Loosen, Edener Treppchen Riesling Kabinett, Mosel, 8%, schöne, saftige Frucht, leicht würzig, dabei klar und animierend, schöne rund, Apfelringe, gute Säure, gefällig, der schmeckt jedem zu jeder Zeit, unglaublich trinkig, 87 Punkte

35) 2014 Peter Lauer Ayler Kupp Riesling Kabinett Fass Nr. 5, Saar, 7,5%, rauchig, Jod, Sponti, Kabinett, schöne kräutrige Frucht, schöne Säure Süße, hat Frische und Ordnung, kraftvoll, hat Zug, animiert und hat Länge. 90 Punkte

36) 2014 St. Urbanshof Piesporter Goldtröpchen, Mosel, 9,5% Almdudler, fruchtig, weiße Johannsibeeren, kräutrig mit ein wenig viel Restsüsse, Limo – fast klebrig, üppig, nicht wirklich stimmig. 85 Punkte

37) 2014 Werther Windisch Riesling Kabinett, Rheinhessen, 10,5% ultrajung, Brausepulver, Cassis, rauchig, mineralisch, macht wach, animierend, etwas parfümig noch, im Abgang pikant. 88 Punkte

38) 2014 Gunderloch Jean Baptiste Riesling Kabinett feinherb, 11% klare Aprikosenfrucht, sehr klar, reintönig, am Gaumen ordentlicher Saft, guter Extrakt, stimmig, gute Frucht, gelb, schöne Spätlese, saftig, gute Länge 89+ Punkte

39) 2014 von Kesselstadt Domprobst Riesling feinherb: blütig, herrlich frisch, animiert, hat gute Säure, etwas grün, hat Gerbstoff, animiert. Schöne Länge. 88 Punkte

Ten Years After – Große Gewächse (und Vergleichbares) des Jahrgangs 2004 – Teil 1/2

GG 2004Wie schon im letzten Jahr, hat unsere Hamburger Weinrunde auch dieses Jahr wieder eine Bestandsaufnahme der Großen Gewächse zehn Jahre nach Ihrem Erscheinen unternommen. Dem lieben Ole sei Dank, der für die Probe seinen Keller geöffnet hat und bei der Auswahl ein goldenes Händchen bewies. An dieser Stelle ist auch der kleine Pferdefuß einer solchen Probe zu sehen, sie kann eben nur eine Stichprobe sein. Da jedoch die Keller unserer Runde voll sind, wird es in Kürze noch Teil 2 der Ten Years After Probe geben.

Das Weinjahr 2004 war nach dem Hitzejahrgang 2003 wettertechnisch eher das Gegenteil – ein kühler Jahrgang mit einer sehr langen Reifeperiode. Um die volle physiologische Reife der Trauben zu erreichen, mussten die Winzer pokern, Klaus Peter Keller hat z.B. die Lese erst am 23. November beendet. Wer die Nerven behielt, konnte phantastische Trauben einbringen – vollends ausgereift und mit guten Säurewerten. Durch die Bank zeichnete alle Weine unserer Probe eine hohe Frische und aromatische Tiefe aus. Einige waren auch 10 Jahre nach Ihrem Erscheinen noch so unglaublich jugendlich, dass man sprachlos ins Glas schaute und sich beklommen fragte, warum man selbst in der gleichen Zeit deutlich stärker gealtert ist. Basis glockenklarer Rieslinge ist ein absolut sauberes Lesegut, dass der Jahrgang 2004 vielen Winzern auch reichlich beschert hat. Einige Weine der Probe versprechen auch für weitere Jahre herrliches Trinkvergnügen.

2004 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken, Karthäuserhof – Ruwer

93 Punkte – Der Wein sieht im Glas immer noch unglaublich jung aus, transparentes Zitronengelb mit ganz leicht grünen Reflexen. Schon unglaublich, was hier Christoph Tyrell und sein Team auf die Flasche gebracht haben. Schlank, tief und komplex sind die Attribute, die es am besten beschreiben. Ein frischer Duft von Sauerampfer, weißen Johannisbeeren und nassen Steinen, dazu ein Hauch Waldmeister. Dezente Zitrusnoten, sehr klar, rein und frisch; herrlich schlanke Figur, immer noch mit gutem Biss, Grip und enormer Tiefe, schöne Säure. Mineralische Länge! Sehr harmonisch! Auch wenn das damals noch kein GG war, hat Ole die richtige Entscheidung getroffen, diesen Wein in die Probe zu stellen, ein Musterschüler an Frische, Langlebigkeit und Mineralität.

2004 Riesling Winninger Uhlen R, Heymann-Löwnestein – Mosel

90 Punkte – Ein völlig anderer Stil im Vergleich zum Karthäuserhofberg. Typischer Heymann-Löwenstein-Stil: enorm reifes Lesegut, knapp an der Grenze zur Überreife, in seiner Art sicherlich ein Unikat und letztlich ein Stil an dem man sich reiben kann. In der Nase ein Duft von Muskatnuss, Apfelmus, exotischen Früchte und Kräutern. Am Gaumen fällt sofort die deutliche Restsüsse auf, die im Jahrgang 2004 jedoch einen fast ebenbürtigen Gegenspieler namens Säure bekommen hat. Saftiger Stoff mit kräftiger Würzigkeit und hoher Schiefermineralität, Orangenzesten, hoher Extrakt. Barocke Statur, aber auch viel Spiel, dezente Bitternoten und schmutzige Mineraität, da passiert ordentlich was im Glas. Erinnert mich an fruchtiges Marzipan und orientalische Gewürze. Bleibt am Gaumen lange haften, zeigt aber auch eine gewisse Schwerfälligkeit, die in 2004 auf Grund der Säure jedoch nicht gar so behäbig ausfällt wie bei anderen Jahrgängen dieses Weins.

2004 Oestricher Doosberg Riesling ***, Peter Jakob Kühn, Rheingau

92 Punkte – 3.Wein im 1.Flight und nochmals eine völlig andere Interpretation des Jahrgangs. Bei diesem Wein haben Maischestandzeiten bzw. eine Vergärung auf den Schalen genauso eine Rolle gespielt, wie der eher oxidative Ausbau im Fass. In der Nase dominiert eine deutliche Phenolik, der Doosberg zeigt viel kräutrige und vegetative Aromen (Verbene, Anis, Kamille und Heu), auch ein schöner Hefezopf kommt mir in den Sinn. Am Gaumen ein vergleichbares Aromenbild, weißer Tee, Lakritze, Kamille und vieles mehr, ist aber nahezu fruchtfrei. Der Wein überzeugt mit seiner lebendigen Art und Frische, und ist keineswegs – wie kürzlich in einem Blog gelesen – bereits hinüber. Der Wein ist furztrocken, zeigt viel mineralisches Spiel und Druck sowie ein wunderbares Säurespiel; der Abgang ist lang anhaltend und ausgewogen.

2004 Rüdesheimer Schlossberg Riesling Erstes Gewächs, August Kesseler – Rheingau

91 Punkte – Ein klassischer Rheingauriesling wie er im Buche steht. Die Nase ein frisches, duftiges Potpourri weißer und gelber Steinobstfrüchte, dezente Kräuterwürze. Am Gaumen herrlich frisch, klar und saftig. Quicklebendig und doch konzentriert, schöner fruchtiger Extrakt. Insgesamt stimmiger Wein, am Gaumen wird die gelbe Frucht komplettiert durch feine Würzaromen, ein paar Gramm Restzucker und eine passende Säure sorgen für das nötige Gleichgewicht. Der Schlossberg hat einen schönen Körper und einen weichen Schmelz. Sehr trinkig!

2004 Monzinger Halenberg Riesling GG, Emrich-Schönleber – Nahe

95 Punkte – für mich eines der GG, das man – auf Grund seiner alljährlichen aromatischen Konsistenz und Klasse  – blind getrunken recht leicht zuordnen kann. Die 04er Jahrgang sticht als primus inter pares selbst hier heraus, ein unglaublich gelungener Halenberg. Ein voller Gongschlag mit höchst reinem Klang. Die Nase ist dicht und reintönig, eine Mischung aus kühlem Gletscherwasser, das mit getrockneten Kräutern, Zesten von Zitrusfrüchten und Steinmehl angereichert wurde; Ingwer und rohen Tobinambur habe ich mir ebenfalls notiert. Am Gaumen auch nach 10 Jahren noch mit viel Zug und innerer Spannung, kraftvoll, vital. Die ausgeprägte Mineralität und ein reine, vielschichtige kühle Frucht sowie Kräutrigkeit beschäftigen die Sinne und den Geist beim Genuss dieses wirklich „Großen“ Gewächses. Hier passt alles: Kraft, aromatisches Spiel, Mineralität, Kühle, animierende, perfekt eingebundene Säure und Länge. Champions League!

2004 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling GG, Weingut Dönnhoff – Nahe

96 Punkte – Ebenfalls Champions League, aber anders in der Stilistik als der Halenberg von Emrich-Schönleber. Die Harmonie, Finesse und Eleganz dieses Weins ist so besonders, dass man ihm schon seine Aufmerksamkeit schenken muss, um das gesamte Aromenspiel mit seinen zahlreichen Verästelungen vollständig wahrzunehmen. Stand der Halenberg mitten im Raum und hatte gleich die voller Aufmerksamkeit, so möchte die Hermannshöhle mit ihrer Noblesse, Eleganz und Vielschichtigkeit entdeckt werden. Harmonie, höchste Harmonie, filigran, aber nachhaltig. Mineralisch; komplexe und zarte Fruchtanklänge, viel innere Spannung, wunderschön balanciert, feines Spiel. Lupenreiner Diamant, elegant und perfekt – einmal mehr bestätigt: echte Klasse und Perfektion sehen stets leicht und spielerisch aus. Königswein!

GG 2004 Nahe Rheingau
GG 2004 Nahe Rheingau

2004 Westhofener Kirschspiel Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen

90 Punkte – Goldgelbe Farbe, kraftvolle, dichte gelbe, aber auch etwas verwaschene Frucht, erdige Noten, Quitte. Am Gaumen vergleichbare Aromatik: viel gelbe Frucht, sehr dicht und kompakt, aber auch ein wenig grobmotorisch, erkennbares Bitterle, sehr viel Extrakt, mittlere Länge. Die Säure ist stimmig und gibt dem Wein ein gutes Rückgrad, sodass der Wein insgesamt als reicher, kraftvoller, aber etwas ungelenker Typ rüberkommt – als Gesamtpaket weiß er trotzdem zu gefallen.

2004 Westhofener Kirschspiel Riesling GG, Weingut Keller – Rheinhessen

95 Punkte – Die Nase wirkt immer noch jung und zeigt viel Spiel. Deutlich von einer kräutrigen Mineralität geprägt, dezente Citrusnoten. Im Mund immer noch erstaunlich straff, jung und zupackend. Die Verbindung von viel innerer Kraft und Spannung mit Ausdruck, Vielschichtigkeit sind eine Kombination, die diesen Wein zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Dieser Wein lebt und entwickelt sich im Glas, Schluck für Schluck lutscht und kaut man und gewinnt immer neue Eindrücke. Bei aller Vielschichtigkeit hat der Wein eine klare Linie, der man nur allzu gerne folgt. Feines Säurespiel und mineralische Tiefe, getrocknete Kräuter, salzige Mineralität. Langes und mineralisches Finale. Großes Kino!

2004 Forster Pechstein Riesling GC, Dr. Bürklin-Wolf – Pfalz

92 Punkte – Helles Goldgelb. Bereits in der Nase präsentiert sich der Grand Cru 2004 aus dem Forster Pechstein als überaus harmonischer und ausgewogener Riesling. Gelbe Frucht, enorm cremig, hocharomatisch mit schönem Extrakt, guter Frucht und feiner Würze; zeigt Widerstand am Gaumen und endet lang auf der Frucht. Auch dieser Wein ist noch jung und kann wie fast alle anderen 2004er dieser Probe noch viele Jahre auf hohem Niveau genossen werden.

2004 Forster Kirchenstück Riesling GG, Reichsrat von Buhl – Pfalz

93 Punkte – Im Auftakt dezente Birnenaromatik, dann weiße Johannisbeeren, weiße Haribo-Gummibärchen (musste ich aufschreiben, da ich die so mag – hier aber nicht so süss), wirkt insgesamt sehr jung und frisch. Am Gaumen mit recht straffer Minrealität, wieder Birnenfrucht, Zitronentarte, feinsaftig, immer noch druckvoll, animierende Säure, sehr jung, mit etwas Luft wird er tiefgründiger. Frucht und Kräuter – wirkt gut definiert und geradeaus in seiner Art, schöne Länge. Immer noch jungendlich.

2004 Königsbacher IDIG Riesling GG, Christmann – Pfalz

89 Punkte – Satte Frucht, durchaus tiefer Ansatz, hocharomatisch, ein wenig Honig, Apfel, eines der gereiftesten GG unserer 2004er Probe, ein Hauch Boytristis? Viel gelbe Früchte, schöne Würze – insgesamt sehr kraftvoll und substanzreich, hat Power, die Säure bietet Paroli. Eine Riesling im Sinne eines Wachauer Smaragds. Substanzreicher Wein, aber auch etwas schwerfällig.

2004 Riesling Saumagen Auslese R, Koehler-Ruprecht – Pfalz

96 Punkte – Als Einziger 9 Stunden dekantiert. Helles Weiß- und Gelbgold. Vital und glockenklar, viel innere Spannung und Tiefe, der Wein fährt mit Vollgas geradeaus, die Quintessenz eines reintönigen Rieslings – belebend, selbst am Ende einer Weinprobe wie ein Weckruf. Konzentriert und vital – mir gefällt diese pure, klare Art, die Tiefe ohne Schwere zulässt, die Komplexität ohne Schminke kann und Länge ohne Tricks beschert. Das ist Weltklasse!

GG 2004 Pfalz

Chianti Classico aus Panzano

unioneviticoltoripanzanoGestern präsentierten die Mitglieder der „UNIONE VITICOLTORI DI PANZANO“ ihre Weine im Hamburger Hotel Louis C. Jacob. Eigentlich ist Panzano nur ein kleines Dorf mitten im Herzen des Chianti Classico. Aber nicht nur Erzeuger wie Fontodi, Castello dei Rampolla oder Fattoria La Massa – allesamt Erzeuger mit weltweitem Renommee – machen aus dem Ort eine Pilgerstätte für Liebhaber toskanischer Weine. Die »Unione Viticoltori di Panzano« – so der Name der Vereinigung, der 20 Betriebe in Panzano und Umgebung angehören – ist ein Phänomen, das weit über die Grenzen der Toskana hin strahlt. Seit über 15 Jahren treffen sich ihre Mitglieder regelmäßig und tauschen gesammelte Erfahrungen und Erkenntnisse aus, verkosten ihre Weine und die anderer Produzenten und versuchen aus Panzano das erste Bioweingebiet Italiens zu erschaffen. Heute  werden knapp 70 Prozent der Weingärten bereits biologisch oder biodynamisch bearbeitet.

Fast alle Chianti Classico Weine, also die Basisqualitäten der jeweiligen Betriebe waren bei der gestrigen Probe von hervorragender Güte. Herrlich duftig, verspielt in ihrer Frucht, mit viel Frische und hohem Trinkfluss machten sie trotz bzw. gerade wegen fehlenden Barrique- und Hyperextraktion-Exzessen viel Freude. Ideale Essensbegleiter oder auch gerne einfach mal so getrunken geht die Hand zum Glas. Ein Ausbund an Frische, mit viel Lebendigkeit und luftig, leichter, ja tänzelnder Frucht überzeugte mich z.B. der 2012 Chianti Classico von Castello die Rampolla auf ganzer Linie. Ähnlich schön auch der 2011 Chianti Classico von Il Molino di Grace – auch hier eine leichtfüßige, aber sehr saubere und klare Frucht mit viel Frische, Transparenz und Trinkfluss. Vom Weingut Vecchie Terre di Montefili kennt man am ehesten noch den reinen Cabernet Sauvignon „Bruno di Rocca“ als Supertuscan, doch mir hat der 2009 Anfiteatro als reiner Sangiovese noch etwas besser gefallen, da er hervorragend zeigt wie komplex, fein, nachhaltig und lang ein Sangiovese sein kann. Eine feste Bank seit Jahrzehnten die Wein von Fontodi (hier arbeitet man vollkommen biodynamisch) – der 2010 Flaccianello ist sicherlich ein Meisterwerk, dass schon in seiner heutigen Kindheit mit Ausgewogenheit und Eleganz glänzt. La Massas Weine sind internationaler im Ansatz, aber völlig beeindruckend bezüglich ihrer weichen Tannine und der seidigen Oberfläche  – so ist z.B. der 2011er Carla zwar ein reinsortiger Sangiovese, aber sicherlich nicht der typische Panzano-Vertreter; trotzdem oberlecker. Wer doch lieber Cabernet Sauvignon trinken möchte, darf etwas tiefer in die Tasche greifen, bekommt aber mit dem 2006er D’Alceo von Castello die Rampolla einen Spitzenwein, der mit viel Frucht, Kraft und Struktur seinen besten Zeiten noch entgegensieht.

Fazit der Verkostung für mich: ich habe meine Lust und Freude am Chianti Classico wiedergefunden – und da geht bei dieser Trinkigkeit auch mal eine Flasche zum Abendessen 🙂

Spätburgunder vs. Pinot Noir

Die oft beschäftigte, aber nie gelöste Frage: kann deutscher Spätburgunder gegenüber den Brüdern und Schwestern aus Burgund bestehen, stand im Mittelpunkt der Verkostung an diesem Abends.

Einmal mehr hat der liebe Stephan – vielen auch als octopussy im Weinforum (www.dasweinforum.de)  bekannt – in Hamburg zu einer spannenden Probe geladen. Die Probannten der Verkostung waren ideal gewählt  – weder trat David gegen Goliath an, noch wurde jugendliche Ungestümtheit auf honorige Altersweisheit losgelassen. Auch ein DFB-Pokal ähnliches Spiel, bei dem ein Kreisliga-Verein (Village) auf Champions League Teilnehmer (Grand Cru) trifft und alle auf ein Wunder hoffen,  war von Anbeginn in diesem Wettbewerb ausgeschlossen. Lediglich bei der regionalen Immatrikulation zur Probe war Stephan bei den französischen Pinots etwas großzügiger, als bei den deutschen Spätburgundern –  letztere bekamen nur eine Zulassung zum Spielbetrieb, wenn sie aus Baden stammten. Preislich lagen die Weine des Panels pro Flasche zwischen Euro 20 und Euro 45. Da in der Runde der Verkoster das Thema Transparenz als Qualitätsmerkmal  an diesem Abend eine Rolle spielen sollte, wäre ein Vertreter des deutschen Meisters in Sachen Transparenz (R.Fürst aus Franken) ein wünschenswerter  Sparringspartner gewesen, denn die Badener  Winzer setzen  fast schon traditionell  mehr auf Struktur und Tannin.

Alle Weine entstammten dem Jahrgang 2007 und wurden paarweise blind serviert. Neben der Frage der Qualität stand die Frage der Herkunft (Deutschland oder Frankreich) im Fokus. Darüber hinaus gab es von jedem Winzer 2 Weine an diesem Abend zu verkosten und im Ablauf der Probe sollte man matchen, welche Weine vom gleichen Winzer stammten. Letztere Fragestellung ist insbesondere vor dem Hintergrund einer erkennbaren(?) Handschrift des Winzers – unabhängig von der genauen Lage – interessant.

Mehr Details zum Probenablauf und weitere Verkostungseindrücke findet Ihr unter: http://www.dasweinforum.de/viewtopic.php?f=29&t=3324

2007 Spätburgunder Schlatter SW, Weingut Martin Waßmer – Baden

87 Punkte – kühle Nase, deutliche Erdbeerfrucht, dunkel, klarer Holzeinsatz, rauchig, speckig, Holzkohle, maskulin, Kräuter, stemmiger Spätburgunder, der in dieser Art nur aus Deutschland kommt. Am Gaumen vergleichbares Aromenbild – recht knackig, gute Säure, dezente Extraktsüße, viel Tannin, dass etwas sperrig wirkt und die Vermutung nahe legt, dass hier mit den Stengeln vergoren wurde. Frucht von Erdbeeren, Himbeeren kombiniert mit Speck und Kohle, letztlich ein Wein, der wie aus dem Baukasten zusammengesetzt erscheint. Die 87 Punkte sind schon ein Anleihe auf eine weitere Flaschenreife, die die Komponenten etwas mehr vermählt.

2007 Morey St. Denis 1er Cru „Charmes“ Pinot Noir, Lignier-Michelot – Burgund

89 Punkte – in diesem Flight war klar, dass dies der Franzose sein muss. Etwas unauffällige Nase – tut weder weh, noch zeigen sich besonders komplexe Charaktereigenschaften; die zarte, klare  Burgunderfrucht ist jedoch positiv zu vermerken. Am Gaumen hat er es nach dem Waßmer recht leicht, denn sowohl in der A-, wie auch der B-Note liegt er klar vorne. Technisch  ein einwandfreier Pinot, da passen Frucht, Säure und die zarten Tannine zueinander. Aber 3- oder gar 4-fach Sprünge sowie besondere Pirouetten – lässt er sicherheitshalber aus. Auch im künstlerischen Ausdruck bleibt er mir zu unbestimmt. Positiv hervorzuheben ist, dass er mit einer schönen Leichtigkeit über das Eis schwebt und gröbere Fehler einfach vermeidet. Leichtfüßig; ordentlich strukturierte, hellrote Frucht; ein wenig Süßholz und Kirsch. Positiv: schöne Mineralität; präziser Wein mit guter Länge.

2007 Nuits St. Georges 1er Cru „Perrières“ Pinot Noir, Regis Forey – Burgund

91 Punkte – kräftig in der Farbe. Frisch im Glas eine recht animalisch transpirierende Nase, mit Luft wird er immer klarer und baut im Glas herrlich aus. Dunkle, kühle Aromatik, mit Noten von Cassisgelee, Kirschkuchen mit Streuseln, auch ein Touch Menthol. Am Gaumen ein klares, substanzvolles Bild. Knackige Beerenfrucht im Morgentau, klar definiert, schöne Substanz und Frische! – große Freude, die Hand geht zum Glas. Hat noch viel Potential!

2007 Spätburgunder Schulen, Weingut Ziereisen – Baden

85 Punkte – In der Nase eine kräftige, aber wenig schmeichelnde Frucht, Holzkohle und angebranntes Gummi. Am Gaumen durchaus mit fruchtigen Anlagen, die aber gegen die sperrigen und leider etwas grün wirkenden „Holzsaftnoten“ nicht ankommen, Cassis, Erdbeeren, insgesamt aber zu klotzig und sperrig, wirkt im Abgang auch etwas bitter. Aktuelle gewinnt man den Eindruck, dass das Holz die Frucht absorbiert und auffrisst. Aber Wunder geschehen beim Wein immer wieder…

2007 Savigny-lès-Beaune 1er Cru „Aux Guettes“ Pinot Noir, Jean Marc & Hugues Pavelot – Burgund

85 Punkte – triple „k“ – kalkig, konsequent, karg  & furztrocken – ein Kollege am Tisch formulierte es bildlicher und traf den Nagel auf den Kopf: „ein humorbefreiter Karatekämpfer, der den Tisch zerlegt“. Sehr geradeaus, wenig Spiel, viel Tannin für einen Pinot; deutlich von der Struktur geprägt; positiv auch hier die Mineralik. Ein idealer Stoff für Wein-Masochisten oder wie Carsten Klemann einmal sagte: „Frucht ist deutlich überbewertet“ – <lach> Den Spruch im Zusammenhang mit Wein finde ich – selbst nach Jahren – immer noch grandios!

2007 Spätburgunder Bombacher Sommerhalde GG, Weingut Bernhard Huber – Baden

89 Punkte – Zu Beginn etwas irritierende Reste von Kohlensäure, die sich im Glas verlieren. Stoffiger Spätburgunder mit rotbeerigen Fruchtnoten; fruchtig-beerige Süße. Baut im Glas aus und gewinnt an Kontur, dann auch dezent würzige Noten – Sanddorn, ein Touch von Kreuzkümmel.  Zum Sprung über die 90er Punktegrenze müsste er an Länge zulegen – die wollte oder konnte er an diesem Abend nicht zeigen.

2007 Chambolle Musigny 1er Cru Les Charmes Pinot Noir, Domaine Ponsot – Burgund

93 Punkte – Diese Flasche war ein „Mitbringsel“ eines Weinfreundes an diesem Abend und stand eigentlich als Essenbegleiter außerhalb des panels, aber für mich entpuppte sich dieser Chambolle Musigny 1er Cru als benchmark, an der sich alle anderen Vertreter an diesem Abend messen lassen mussten.

Zu Beginn dezent animalische Nase, die schnell verfliegt – dann ausgesprochen duftige, feinfruchtige und spielerische Nase. Am Gaumen mit feiner Säure, weichen Tanninen und einer feingliedrigen, transparenten Aromatik. Rote Beeren, feine Marzipansüße; erweckt die Aufmerksamkeit und zeigt Präsenz ohne jeden „lauten“ Ton.  Einziges Manko an der Geschichte – das Glas war zu schnell leer.

2007 Spätburgunder „Rhini“, Weingut Ziereisen – Baden

89 Punkte – Kräftiges und ausdrucksvolles Bukett mit Noten Von reifen Erdbeeren, Kirschen und kräutrigen Anklängen; deutlicher Holzeinsatz, aber deutlich besser gemanagt als beim „Schulen“. Am Gaumen kühl, mit guter Struktur und Substanz; deutliche Mineralik – kalkig. Der Wein zeigt Druck und Frische, ein guter Spätburgunder, auch wenn seine Persönlichkeit nicht durch Frucht und Süße geprägt ist.

2007 Pernard-Vergelesses 1er Cru Les Vergelesses Pinot Noir, Jean Marc & Hugues Pavelot – Burgund

88 Punkte – glockenklarer, kühler und dunkelfruchtiger Pinot, Noten von Brombeeren und Cassis. Am Gaumen Typ Ausdauerläufer: sehnig und etwas verbissen, dafür mineralisch und klar. Gewinnt mit Luft etwas an Süße und baut aus, aber insgesamt – auch auf Grund seiner etwas stumpfen Tannine – eher ein akademischer, verkopfter Pinot, dem die „Freude am Sein“ etwas abgeht.

2007 Morey St.Denis 1er Cru Les Chenevery Pinot Noir, Lignier-Michelot – Burgund

88 Punkte – Würzig-süße Nase, zugänglich und reif, ein kleiner Schmeichler. Kann sein Versprechen am Gaumen nicht ganz einlösen. Fruchtig, mit orientalisch-würzigem Einschlag; angenehm saftig mit verspielter Süße, Süßholz, mit etwas Luft entwickelt er auch erdige Noten; ordentliche Säure. Im Gesamteindruck wirkt er jedoch eher wie ein vollgesogener Stoff, dem es an Leichtigkeit mangelt – dieser Teppich fliegt nicht. Die mangelnde Länge im Abgang bestätigt für mich diesen Eindruck.

2007 Pinot Noir GC, Weingut Martin Waßmer – Baden

90 Punkte – Tiefe Nase, substanzreich.  Teer, Speck und Rauch sind interessant verwoben mit einer kräftigen Kirsch- und Cassisfrucht. Am Gaumen ein ebenso körper-  und substanzreicher Pinot mit kühlem Ansatz; neben den kräftigen Fruchtnoten offenbart er auch Anklänge von Waldboden, Menthol und edlen Hölzern. Opulenter, in sich schlüssiger Pinot mit guter Länge.

2007 Nuits St. Georges 1er Cru Les St. Georges, Regis Forey – Burgund

91 Punkte – Kühle, etwas reduktive Nase. Sehr klar – in der Frucht mit deutlichen Cassisnoten – etwas ungewöhnlich für Pinot Noir. Am Gaumen mit Druck und Struktur, zeigt eine schöne Mineralik, gepaart mit einer herrlichen Kirschfrucht. Hat noch ein gutes Potential .

 2007 Hecklinger Schlossberg Spätburgunder GG, Bernhard Huber – Baden

93 Punkte – Helltönige Farbe. Helle, frische und verspielte Frucht (rote Beerenfrüchte; Himbeeren, Erdbeeren)– fein und aromatisch zugleich. Kein Schwergewicht, sondern der Wein wirkt straff und gleichzeitig beschwingt; moderate Säure. Die Frucht zeigt ebenfalls helltönige Aromen von nicht komplett ausgereiften Pfirsichen, Pflaumen, Himbeeren und Kirschen. Ein Wein mit schöner  Struktur und gutem Alterungspotential – hier ist nichts gewollt, hier darf alles so sein, wie es ist. Macht viel Freude!!

Das FAZIT der Probe: Ich weiß nur, dass ich nichts weiß. Tendenziell fiel die Länderzuordnung (Deutschland oder Frankreich) richtig aus, trotzdem kann man nicht von einer klaren Stereotypizität eines französischen Pinots oder deutschen Spätburgunders sprechen. Hinsichtlich der Qualität im Glas, erst recht nicht. Was bleibt? Die Qual der Wahl. Das Angebot ist breit und es hilft nur eines: Selbst verkosten, trinken und eigene Vorlieben entdecken –   grundsätzliche Qualitätsunterschiede zwischen Pinot und Spätburgunder gibt es nicht.

Georgien – Die unentdeckte Weingeschichte

Am 8. Februar gab es in Hamburg die rare Möglichkeit mit fachkundiger Begleitung ein Dutzend georgischer Qualitätsweine zu probieren. Neben Weinen von Teliani Valley, einem großen, in den 90er Jahren privatisiertem Staatsbetrieb, gab es Weine von Schuchmann Wines, einem kleinen privaten Erzeuger, der z.Zt. rund 150.000 Flaschen Qualitätswein jährlich produziert, davon die Hälfte in Quevris (Amphoren). Der Önologe für alle Weine ist der Georgier Giorgi Dakishvili, der zunächst für Teliani Valley arbeitete und seit 2008 die Schuchmann-Weine verantwortet. Firmengründer Burkhard Schuchmann, langjähriger Vorstandschef vom Bahntechnik-Anbieter Vossloh, gründete diese Kellerei als Seiteneinsteiger im Jahr 2008.

Teilnehmer der Probe waren u.a. Angeles Tegtmeyer (Teilhaberin und Sales-Managerin von Schuchmann Wines), Andre Hain (Geovino, Fachhandel für Georgische Weine in Hamburg) und Kulturwissenschaftler Florian Mühlfried, der über die Besonderheiten des Georgischen Banketts promoviert hat und sich viel mit Quevri-Weinen beschäftigt.

Georgien hat mit 8.000 Jahren die längste Weinbaugeschichte der Erde. Das Land von der Größe Bayerns liegt zwischen schwarzem und kaspischen Meer sowie dem hohen Kaukasus im Norden und dem kleinen Kaukasus im Süden. Es hat – ähnlich wie Deutschland – eine Rebfläche von knapp 100.000 ha. Zahlreiche Nebenerwerbswinzer stellen vorwiegend einfachen Wein für den häuslichen Gebrauch her. Die rund 50 größeren Betriebe sind sehr stark exportorientiert und vor allem auf Russland (70%) ausgerichtet. Wein ist neben dem Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Boykott Russlands Mitte der 00er Jahre traf Georgien deshalb sehr hart. Inzwischen sind die Wirtschaftsbeziehungen wieder vielfältiger geworden.

Das wichtigste Anbaugebiet ist Kachetien, das nordöstlich von der Hauptstadt Tiflis liegt.

Hier werden 70% der georgischen Trauben produziert, von denen viele seit Jahrtausenden in den traditionellen Tonamphoren (Quevris) ausgebaut werden. Zwei Drittel sind mit roten Sorten bestockt, wobei die wichtigste Qualitätstraube die autochthone Saperavi ist.

Text: Mathias Fahrig

 

Weißweine

2007 Tsolikauri, Teliani Valley – Georgien

88 Punkte – Zartes Strohgelb, feine Nase mit vielen Blüten und weißen und gelben Früchten; erstaunlich frisch, tolle geschmeidige Fülle am Gaumen, gute Reife, hat aber sicher noch einige Jahr vor sich, erinnert an Arneis; Rebsorte: Tsolikauri; 10 Euro

2008 Tsinandali, Teliani Valley – Georgien

84 Punkte – Strohgelb, deutlicher Holzton in der Nase, am Gaumen wenig Frucht aber viel Vanille, gelbe Früchte, etwas spannungslos; Rebsorte: Rkatsiteli, 10 Euro

2012 Mtsvane, Schuchmann  – Georigen

88 Punkte – Zartes Strohgelb, Blüten, Citrus und etwas Nüsse in der Nase, tolle Frische am Gaumen mit gutem Zug, erinnert an Silvaner; Rebsorte: Mtsvane, 7 Euro

2011 Vinoterra, Schuchmann  – Georgien

87-91 Punkte – Der 6 Monate mit Maische und Hefe im Quevri ausgebaute Wein hat eine goldgelbe Farbe. Nase von Heu, Brennessel, Kandis. Am Gaumen dezente Tannine, Backpflaumen, Dörrobst, Quittenkaramell, Mandarine, ein dezenter und harmonischer Vertreter eines Orange-Weins. Am zweiten Tag deutlich runder und saftiger mit guter Länge; Rebsorte: Mtsvane, 13 Euro

 

Rotweine

2007 Napareuli, Teliani Valley – Georgien 

84 Punkte – Klares mittleres Rubin; Blaubeeren, etwas trocknend am Gaumen, etwas grob in der Aromatik, Rebsorte: Saperavi, 10 Euro

2007 Unfiltered, Teliani Valley – Georgien

88 Punkte – Dichtes mittleres Rubin; Leder, Blaubeere, rote Johannesbeeren, am ersten Tag etwas trocknend, mit mehr Luft frischer, saftiger, etwas metallische Säure und gute Länge; Rebsorte: Saperavi, 20 Euro

2009 Estate Line, Schuchmann – Georgien

86 Punkte – Mittleres Rubin; Nelke, Rote Beete; stoffige Frucht am Gaumen, Schoko und Kirsche, wirkt etwas Grün und bäuerlich schlichter als die anderen Schuchmann-Weine; Rebsorte: Saperavi, 8 Euro

2009 Golden Line, Schuchmann – Georgien

92 Punkte – Der Wein wird von Hand gelesen, vergärt 21 Tage in Quevris und wird danach im Stahl ausgebaut. Dunkles Rubin; dichte komplexe Nase, sehr stoffig und fest am Gaumen, aber nicht trocknend, Blaubeere und Kirsche, schöner frischer Säurestrang, Pflaumen, wild und druckvoll, dabei kühl, klar und lang; erinnert an Cahors; Rebsorte: Saperavi, 27 Euro

2008 Golden Line, Schuchmann – Georgien

89 Punkte – 20 Tage in Quevris vergoren, dann 24 Monate französische Barrique, ungefiltert abgefüllt. Dunkles Rubin; deutliche Vanille und Röstaromen, sehr international, trinkig, aber auch etwas beliebig wirkend, Rebsorte: Saperavi, 20 Euro

 

Liebliche Weine

2007 Ojaleshi, Teliani Valley – Georgien

84 Punkte – Sehr helles Rubin, erinnert an lieblichen Pinot, Sangria, schlicht; Rebsorte: Ojaleshi, 15 Euro

2008 Kindzmarauli Silver Line, Schuchmann – Georgien

89 Punkte – Der Wein hat 38g Zucker und 7,5g Säure. Komplexe dichte Nase, Milchschokolade, Nelken Cassis, rote Beeren, guter eingebundener Gerbstoff, der zusammen mit der angenehmen Säure die Süße gut einfängt; Rebsorte: Saperavi, 10 Euro

2011 Vinoterra, Schuchmann – Gerogien

90 Punkte – Die Trauben werden nach der Ernte mehrere Wochen getrocknet und dann im Quevri ausgebaut. 68g Zucker. Helles Goldgelb; Kandis, Zigarre, kalter Rauch, grüne Banane, etwas Gerbstoff spürbar, leichtes Bitterle, und deutlich weniger süß wirkend, ungewöhnlich und fordernd; Rebsorte: Rkatsiteli, 25 Euro

2001 – 2011 G-Max, Weingut Keller – Rheinhessen

Probenvorbereitung macht Spass

Bild: Die Vorbereitungen am Vorabend – Spannung und Vorfreude

Mit dem Jahrgang 2001, hat Klaus Peter Keller – in der 9.Generation – das Zepter im familiären Weingut übernommen. Familiensinn, eine Verbundenheit mit der heimischen Scholle und das stete Streben, besondere Weine zu erzeugen, prägten und prägen das Denken und Handeln der Winzerfamilie Keller. Die Keimzelle des Erfolgs für das Familienweingut Keller liegt sicherlich im Hubacker, heute eine der bedeutendsten Lagen in Rheinhessen.

Unter Georg III, der fünften Keller Generation, wandelte sich der „Hausberg“ der Familie Keller in den heutigen, sanften Südost-Hang. Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Hubacker ein Terrassenweinberg, auf dem es auch Buschwerk und offenen Felsen gab. Friedrich Heinrich, der Sohn von Georg III, machte in zwei Jahren die felsigen Abschnitte als Weinberg urbar, indem er schwere Felsbrocken sprengte und die Terrassen einebnete. In Erinnerung und Anerkennung dieser Leistung hat Klaus Keller, der Vater von Klaus Peter, Ende der 90er Jahre den „G“ – als Hommage an die Ur-Großväter auf die Flasche gebracht.

Der G-Max ist heute quasi der Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft im Hause Keller, denn das „Max“ im G-Max steht nicht – wie viele immer wieder vermuten – für „Maximum“ oder „maximal“, sondern es steht für den Namen des 2. Sohns von Julia und Klaus Peter Keller: Maximilian. Daher macht auch der häufig angestrengte Vergleich mit dem „Unendlich“ von F.X. Pichler aus der Wachau keinen Sinn, denn schon die Ansätze sind völlig unterschiedlich. Während F.X. Pichler die Idee mit dem Unendlich verfolgt, das Maximum von Terroir und Rebsorte auszureizen, ist für Klaus Peter Keller ein Höchstmaß an Eleganz und Trinkfreude das erklärte Ziel.

Hinzu kommt, dass niemand so genau weiß, aus welcher Lage der G-Max stammt. Mit recht großer Wahrscheinlichkeit würde er die Krone der Großen Gewächse aus dem Hause Keller beanspruchen, doch dazu müsste der G-Max seine genaue Herkunft auf dem Etikett zur Schau stellen und da er sich zu diesem Thema lieber in einen Mantel des Schweigens hüllt, begnügt sich der G-Max damit, ein „einfacher“ Qualitätswein zu sein.

Meiner privaten Einladung in Hamburg zur gemeinsamen Verkostung aller bisherigen 11 G-Max Jahrgänge (2001-2011) ist nicht nur Klaus Peter Keller gefolgt, sondern eine bunte Mischung aus 12 weiteren Weinliebhabern, Sommeliers, Weinhändlern und Fachjournalisten hat den Ruf des G-Max gehört. Gemeinsam haben wir 5 Stunden an einem Tisch bei Wasser, Brot, Butter und G-Max verbracht, verkostet und philosophiert. Alle Weine wurden 18 Stunden vor Beginn der Probe geöffnet und in der Flasche belüftet. Verkostungsglas: Bordeauxglas von Zalto.

Klammer des Erlebten ist die intensive Kraft, innere Spannung und die in allen Jahrgängen wahrgenommene Frische und Lebendigkeit des G-Max – die vom Kalkstein geprägte Mineralik ist wohl der Ausgangspunkt dafür. Die Säure ist stets bestens integriert und die klare und präzise Definition des G-Max ist Jahrgang für Jahrgang überzeugend; selbst  in einem Hitzejahre – wie z.B. 2003  – ist dies formidabel gelungen.  Ein Vergleich mit den austrainierten Körpern eines Balletttänzers oder einer prima ballerina erscheint mir nicht abwegig.

Der Genuss von Wein und der Besuch eines Ballets bergen für mich grundsätzlich eine Gemeinsamkeit. Wenn der Wein groß ist oder das pas de deux perfekt und voller Anmut getanzt wird, möchte ich diesen Moment festhalten – ich empfinde dann eine innere Beruhigung und Stille. Etwas anders formuliert es Terry Theise in seinem aktuellen und lesenswerten  Buch ‚Mein Wein – Das Plädoyer gegen den globalen Einheitswein‘: „Viele Weine, selbst gute, lassen Dich Lärm schmecken. Aber nur die allerbesten geben Dir Stille zu kosten.“ Ich habe an diesem Nachmittag Stille verkostet.

Bild: G-Max Probe: 13 Teilnehmer bei Wein, Brot und Butter

2011 Riesling G-Max, Weingut Keller:  100% Riesling. Zu Beginn in der Nase Noten der spontanen Vergärung, mit mehr Luft im Glas wird die Aromatik klarer und baut dynamisch aus – tabakige, kräuterwürzige Anklänge, frische, nicht vollreife Weinbergspfirsiche, Noten rotbackigen Äpfeln, Limetten. Herrlicher Biss, Phenole, viel kalkige Mineralik, mit kühlem Ansatz und kraftvollem Zug. Der Wein steht herrlich lang am Gaumen –  Zzzh. Weglegen! 19/20 bzw. 96/100  2016-2035

2010 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Kühlster Jahrgang bislang; Klaus Peter Keller meint: „dieser Jahrgang war wie Niedrig-Temperatur-Garen“. Äußerst fokussiert und präzise; Mandarinen, Kumquats, tiefe, tabakige Mineralität, getrocknete Kräuter, weiße Johannisbeeren, nasser Stein, ein Duft wie bei einer Alpenwanderung nach einem heftigen Gewitterregen; mit der Rasierklinge gezogene Ecken und Kanten, der Griff in die Steckdose, wer da nicht elektrisiert ist, ist wahrscheinlich tot. Großer Stoff! Unbedingt dekantieren, besser erst am 2.Tag trinken. 19+/20 bzw. 98+/100 2016–2040

2009 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Tiefe, kräuterwürzige Nase, nasser Kalksteingeruch, feine Würzigkeit, rotbackige Äpfel, Currykraut. Über allem liegt eine zarte, Meeresbrise mit Eindrücken von Muscheln und Jod – man atmet tief ein, um diese Frische nicht vorbeiziehen zu lassen. Am Gaumen verbindet sich ein dezenter Eindruck von Extraktsüße mit einem hauchzarten Schmelz. Doch die erste Geige gebührt klar der tiefen Mineralität. Mit viel Spannung drückt sie sich an den Gaumen. Der etwas wärmere Jahrgang offentbart sich dann mit einer Saftigkeit und einer komplexen Fruchtigkeit von gelben Früchten, Steinobst und einem langen fruchtig-mineralischer Abgang. Jugendliche Schönheit mit viel Ausstrahlung. Vor aktuellem Genuss bitte dekantieren 18+/20 bzw. 95/100 2015-2030

2008 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Von den anderen Jahrgängen etwas abweichendes Aromenprofil. Bienenwachs, gelbe Blüten, Zitronenverbene, getrocknete Kräuter, Limetten. Am Gaumen etwas rauer als in anderen Jahrgängen,  sehr tief, leicht phenolige Noten (etwas adstringierend), dezent vegetabile Noten, braucht viel Luft,  hat Zug und Grip, pikante Säure, feine Bittertöne, britische Orangenmarmelade. Im Abgang ein klein wenig austrocknend. Der Wein wurde 48 Stunden auf den Rappen vergoren, um auf natürliche Art und Weise die für den Jahrgang typische, erhöhte Säure abzupuffern. Macht müde Männer munter (und beschäftigt sie den Rest des Abends). Dekantieren! 19/20 bzw. 96/100 2015 – 2030

2007 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Der 2007 Jahrgang offeriert einen Hauch von Wachs, doch schnell drängt sich die hochfeine, tabakige und kräuterwürzige Mineralität in den Vordergrund; bereits in der Nase legt der Wein ein klares Bekenntnis zu seiner Kalksteinherkunft ab; gelbe Blüten, Mandarine und Limone; gelbe Blüten. Perfekte Säure, kraftvoll, aber ohne jede Schwere. Glockenklar, mit tiefer Mineralität. Nach drei Tagen die geöffnete Flasche rückverkostet: immer noch ein Ausbund an Frische und bestechender Klarheit, tiefer Mineralik und herrlicher Länge – die Hand geht in kurzen Abständen zum Glas. Kann angetrunken werden, sofern ausreichend dekantiert. 18/20 bzw. 94/100 trinken-2025

2006 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. In weiten Teilen Deutschland ein schwieriger Jahrgang mit einer Kombination aus Feuchte und Wärme. Aber auch in schwierigen Jahren zeigt diese G-Max Parzelle, was in ihr steckt. Der 2006er G-Max ist in dieser vertikalen Verkostung der Jahrgang bei dem die Frucht am Stärksten zum Ausdruck kommt: exotische Früchte, Kaki, Ananas, gelbe Kirschen. Am Gaumen viel Saft und Kraft, aber auch hier drückt die Mineralik des kalkigen Bodens sich Stück für Stück durch und im Abgang dominiert sie mit ihren deutlichen Würze und Salzigkeit. Auch der 2006er G-Max steht am dritten Tag wunderbar im Glas und ist immer noch fest und lebendig. Die Nase zeigt Eindrücke von hochreifem Lesegut, sehr aromatisch, etwas Honig und viel gelbe Früchte. Am Gaumen voller Leben, druckvoll, viel Jod und Salz, dazu gelbe Früchte, Papaya, Kaki sowie eine genussvolle Länge. 18/20 bzw. 93/100 trinken-2023

2005 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Präsente, tiefe und komplexe Nase. In einem vom Kalk geprägten Korsett steckt die Frucht und versucht auszubrechen. Weißer Pfirsich, frische Äpfel und Birnen und weiße Johannisbeeren. Am Gaumen ein Mix aus frischen Früchten und vegetabilen Noten: Weinbergspfirsiche, Renekloden und Grapefruit einerseits und Eindrücke von Kaiserschoten und Süßmais andererseits. Viel kräuterwürzige Mineralik im Hintergrund, hat Zug und Grip, nachhaltig. Jetzt mit viel Genuss zu trinken. 18/20 bzw. 95/100 trinken-2020

2004 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Wirklich großer Wein aus eher kühlem Jahr! Glockenklare und abgrundtiefe Nase; wirkt noch unglaublich jung, kühle, tabakige Kräutrigkeit, komplexes und filigranes Spiel, dabei äußerst präzise und nervig. Am Gaumen vibrierende Frische und Klarheit; kühl, ätherisch, ein filigranes Fruchtspiel, viele Kräuter, Waldwiese, frische Ananas, Citruszesten; grandioser Säurebogen. Streng, unglaublich tiefgründig, intellektuell und diszipliniert einerseits, filigran, virtuos und von reiner Schönheit andererseits. Fester, langer Nachhall – mit Echo. Elektrisierender Riesling! Hat noch ein langes Leben vor sich. 20/20  bzw. 100/100  2014-2028

2003 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Kräftiger, saftiger G-Max, mit ein paar Rundungen. In Der Aromatik  exotische Noten von Mangos, Kokosmilch, reifen Nektarinen, Quitten, Orangenzesten oder gelben Blüten. Am Gaumen für den Jahrgang unerwartet strukturiert und kompakt, immer noch sehr frisch und voller Energie.  Selbst in diesem Hitzejahrgang haben die alten Rebstöcke viel Kraft und Mineralität aus dem Kalksteinboden gezogen, sodass der G-Max auch im 2003er Jahrgang Spiel und Mineralität zeigt. Die Säure ist wunderbar und unterstreicht, dass auch trockene 2003er Rieslinge nach 10 Jahren noch hervorragend schmecken können. 18/20 bzw. 93/100 trinken-2023

2002 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Leider leichte Beeinflussung vom Kork. Dennoch ist das große Potential dieses Jahrgangs zu erkennen. Kraft, Druck und Struktur. Ohne Wertung

Bild: Johannes Lüddens und Klaus Peter Keller

2001 Riesling G-Max, Weingut Keller: 100% Riesling. Erstaunlich jugendliche, tiefe und sehr klare Nase, Äpfel, junge Ananas, Mandarinen, auch vegetabile Anklänge von Zitronen-verbene, Kamille, Minze und Melisse; leicht rauchig. Am Gaumen pikante, rassige Säure, sehr klar und fordernd; mit viel Zug und steiniger Mineralität. Immer noch sehr fest, aber mit Spiel und schöner Länge.  Sehr animierend. 18/20 bzw. 94/100 trinken-2020

2011 Riesling Große Gewächse – Berlin Riesling Cup

Der Berlin Riesling Cup ging dieses Jahr am Samstag, den 6.10. in seine fünfte Runde – und aus einem jungen, zarten Pflänzchen hat sich eine junger Baum entwickelt, dessen Jahresringe immer bedeutender werden. Martin Zwick hat mit dem Berlin Riesling Cup eine Plattform geschaffen, die es den Verkostern ermöglicht (unter sehr guten räumlichen und organisatorischen Bedingungen) stringent, aber doch in angemessener Ruhe eine handverlesene Auswahl der besten Großen und Ersten Gewächse des jeweiligen Jahrgangs zu verkosten.  Als vorteilhaft – gegenüber der sicherlich ebenfalls perfekt organisierten GG-Auftaktveranstaltung des VDP – haben sich zwei Dinge erwiesen. Die zusätzlichen 6 Wochen auf der Flasche haben die Rieslinge einerseits genutzt, um sich nach ihrer Füllung zu beruhigen und ihren Ausdruck weiter auszubilden, anderseits ist mit der angestellten Anzahl von  ca. 40 Großen Gewächse aus meiner Sicht die Grenze erreicht, was – trotz professionellstem Umgang mit den Weinen – die menschliche Sensorik seriös verarbeiten kann. Viele „Profis“ mögen mir widersprechen und sagen, dass 150 und mehr Weine an einem Tag erfassbar sind, doch diese These teile ich aus zwei Gründen nicht. Erstens besitzt diese Kategorie von Weinen eine so komplexe Struktur und einen so vielschichtigen Ausdruck, dass man ihnen mit 180 Sekunden Verkostungszeit sowie 3,4 oder 5 Worten pro Wein und einem zugewiesenen Punktwert nicht gerecht wird. Zweitens bin ich davon überzeugt, dass die menschlichen Rezeptoren nicht so weit geschult werden können (egal wie oft man Degustationsmarathons durchläuft), dass sie ab einer gewissen Penetration nicht abstumpfen und  man im Ergebnis nur noch die aromatischen Hoch- und Tiefpunkte erfasst. Im Ergebnis führen Massenverkostungen zu „Punktebrei“, also einer Punktsetzung um den bisherigen eigenen Durchschnitt. Der VDP täte gut daran, die Wiesbadener Veranstaltung nicht nur gewohnt professionell zu organisieren, sondern auch von den Verkostern, Journalisten und Einkäufern etwas mehr Zeit zu verlangen – schließlich haben die Winzer sehr viel Arbeit, Zeit, Geld und Inspiration investiert, derer man gerecht werden muss. Pro Tag ein Anbaugebiet wäre ideal, mindestens jedoch eine Verteilung auf 2 Tage ist erforderlich.

Nachfolgend nun meine persönlichen, höchst subjektiven Eindrücke anlässlich des diesjährigen Berlin Riesling Cups. Insgesamt waren 13 Verkoster am Tisch, wobei Martin Zwick als Veranstalter und einzig „Wissender“ bei dieser Blindverkostung nicht selbst gepunktet hat. Ebenso sind die Eindrücke von Tino Seiwert, Miteigentümer und Geschäftsführer von Pinard de Picard – wegen möglicher Interessenkonflikte – nicht in das offizielle Ergebnis eingeflossen. Darüber hinaus galt ein recht strenges Verkostungsreglement, z.B. durfte über den verkosteten Wein erst „gequatscht“ werden, wenn alle ihre Bewertung fertig hatten, sodass weder eine gruppendynamische Euphorie noch ein kollektiver Verriss durch gegenseitiges „Unterbieten“ möglich war.

Insgesamt präsentierten sich die Großen Gewächse des Jahrgangs 2011 in einer sehr guten Verfassung und mit einer für diese Phase beachtlichen Zugänglichkeit.  Diese Verkostung hat richtig Spaß gemacht, denn einerseits lassen die Ergebnisse erkennen, dass die deutsche Winzerelite reif ist für den Weinolymp oder zumindest keine Probleme haben dürfte, um in der Champion League zu bestehen. Das Qualitätsstreben der letzten Jahre manifestiert sich von Jahrgang zu Jahrgang, sowohl in der Breite, als auch bei einzelnen Spitzenwinzern. Die Früchte ernten aber nicht nur diese Spitzenwinzer, deren Große Gewächse preislich seit Jahren nur die nördliche Richtung kennen. Für viele junge Winzer ist dies sicherlich Ansporn weiter auf Qualität zu setzen und immer noch ein bisschen mehr zu wollen.

Wie bereits gesagt, zeigt der Jahrgang 2011 bereits in seiner heutigen Jugend eine beachtliche Trinkigkeit und ich hätte mir sehr an diesem Abend gewünscht, nicht konsequent spucken zu müssen – was ich dann nach  24 Uhr und über 40 „Spucks“ später auch getan habe. J

Absolut outstanding in der Top-Liga der Großen Gewächse sind für ich dieses Jahr die Weine(!) von Schäfer-Fröhlich. Sie sind – trotz Ihrer ungestümen Spontangäraromatik – innerlich so unglaublich kraftvoll, präzise und klar, als ob sie mit besten Werkzeugen, handwerklich perfekt, aus einem Stein gemeißelt worden wären.  Selbst Klaus Peter Keller muss sich wohl geschlagen geben, wenn auch die Abtserde im Wettstreit um die Jahrgangskrone ein gewichtiges Wort mitreden dürfte (G-Max war nicht angestellt).

2011 Norheimer Dellchen Riesling Großes Gewächs, Hermann Dönnhoff – Nahe

87-90 Punkte: Der erste Wein ist einer solchen Verkostung ist für mich immer besonders schwierig, da ich mich einpegeln muss – und so ist dieser Wein auch der einzige, den ich am Ende der Probe nochmals intensiv nachverkostet habe und den ich daher mit einer Punktbandbreite angebe. Wie der Name schon sagt, wächst das Dellchen in einer „Delle“ – vertikalen Felsmulden in den sich – parallel zum Ufer der Nahe – erhebenden Felsformationen. Die Böden sind geprägt durch Schiefer und Porphyr, vulkanischem Verwitterungsgestein.

Helle Farbe mit grünlichen Reflexen. Klare, recht kühl wirkende Nase, getrocknete Wiesenkräuter, aber auch ein Touch Honig, was bei mir den Verdacht aufkommen lässt, dass auch ein paar boytritisbehaftete Träubchen mitvergoren wurden. Eigentlich bei diesem Jahrgang eher unwahrscheinlich, doch auch am Gaumen bestätigt sich der Eindruck. Der Wein ist im Kern konzentriert und kraftvoll, trotzdem eher leise und leicht im Trunk.  Erkennbar klare Mineralität und mittlere Länge.

2011 Westhofener Kirchspiel Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

90 Punkte – Die Nase wirkt sehr rein und klar, noch etwas verhalten. Einen ganz anderen Eindruck vermittelt der Wein am Gaumen, zunächst überraschend offen, dichte, hocharomatische Frucht von gelben Früchten, Steinobst, weiche Textur.  Mit mehr Luft (und wenig Wein im Glas) dringt die tiefer liegende Mineralität durch, dann wird der Wein animierender, Aromen von Zitronenschalen, der Wein gewinnt an Klarheit und Präzession.  Ich bin mir sicher, dass der Wein in diesem jungen Stadium einfach ein paar Stunden in der Karaffe gebraucht hätte, um sein Potential auszuspielen.

Lieber Martin, das ist wohl der einzige Verbesserungsvorschlag fürs nächste Jahr: alle Flaschen morgens oder noch besser, am Tag vorher aufziehen und belüften; Platz für 40 Karaffen hat wohl keiner  😉

2011 Forster Pechstein Riesling Grand Cru (Großes Gewächs), Weingut Bürklin Wolf – Pfalz

92 Punkte – Zupackender Stoff, kraftvoll und dicht, leicht salzige Mineralität, voller Körper, wirkt sehr klar – auch durch die resche Säure (wie die Südtiroler Freunde so etwas liebevoll beschreiben), auf Kante genäht, aktuell stehen die Komponenten noch ziemlich nebeneinander, braucht Zeit zur Harmonisierung. Dürfte weiter gewinnen.

2011 Forster Pechstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Bassermann-Jordan – Pfalz

89 Punkte – etwas reduktive Nase, Noten von Waldmeister und weißen Johannisbeeren, wirkt sehr klar. Am Gaumen  engmaschig und ziemlich konzentriert, dabei sehr griffig, fest und mineralisch. Zeigt noch recht wenig Spiel, bleibt aber mineralisch lang am Gaumen. Könnte in 2,3 Jahren deutlich höher reüssieren.

2011 Monzinger Halenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe

95 Punkte – Ahhh, mon Dieu! Noch von der Hefe geprägte, kühle Nase, darunter liegen Noten von grün-gelbem Steinobst, Citrusnoten und Johannisbeeren; deutlich kräutrige, pflanzliche Aromen. Am Gaumen viel Kraft, Saft und vibrierende Spannung; kein Bodybuilder, sondern eher eine Mischung aus 10-Kämpfer und Marathonläufer. Sehr klar, pur und mineralisch (auf meinem Zettel steht „abartige Mineralität“), Steinpuder, große Tiefe – hält die Spannung bis in den laaaaangen Abgang. Ein Wein zum „Ablutschen“ – I love it.

2011 Siebeldingen Im Sonnenschein „Ganz Horn“ Riesling Großes Gewächs, Ökonomierat Rebholz – Pfalz

89 Punkte – Erstaunlich weiche, blumige Nase,  Birnen, süße Früchte, aber auch pflanzliche Aromen (grüne Erbsen). Am Gaumen eine eher dralle Schönheit, dicht und mit üppiger Fülle – ein Wein im weiten Gewand – und trotzdem mit Struktur. Dieser Riesling hat von allem viel, ein Füllhorn, die Säure passt dazu, trotzdem aktuell nicht my cup of tea; in der Länge kann er zulegen.

2011 Hochheimer Hölle Riesling Goldkapsel, Weingut Künstler – Rheingau

93 Punkte – Vielschichtig, verspielte Nase, mit Noblesse. Am Gaumen viel Druck und Zug; viel Extrakt, dennoch sehr frisch; die wirklich schöne Säure spielt mit dem „bissl“ Restzucker wunderbar. Insgesamt tief und rein in der Frucht, angenehmen Mineralik, hat Grip, aber auch Schmelz; sehr gut balanciert, mit toller Länge – macht Lust auf den nächsten Schluck.

2011 Westhofener Morstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Wittmann – Rheinhessen

93 Punkte – Noch unruhige, aber Konzentrierte Nase, Zitrusfrüchte, kalte kräutrige Würze, tief! Am Gauen sehr strukturbetont, fest und stoffig – packt zu; passt in seiner Art und seiner Mineralität in diesem Zustand auch in die Wachau. Voller Extrakt, saftig, aktuell mit einem kleinen, würzigen Bitterle am Ende. In diesem Zustand noch ziemlich unruhig und schwer zu verkosten, braucht unbedingt mehr Zeit, hat aber Potential noch deutlich zuzulegen.

2011 Westhofener Morstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

94+ Punkte – Noch etwas unruhig – mit leichter Gäraromatik. Mit Luft entwickelt sich langsam eine superklare, tiefe Aromatik. Am Gaumen schlank und kraftvoll zugleich, tiefer Ansatz, schöner Zug, Figur eines Langstreckenläufers (der zur Abkühlung in einen Gletschersee springt), sehr kalkige Mineralität, dürfte komplett spontan vergoren sein -braucht aktuell unglaublich viel Luft, um seine Klasse auszuspielen. Im Keller auf die Seite legen, einer der ganz wenigen Weine der Verkostung, der in seinen Kindertagen wenig Sinn macht, das Potential ist aber riesig.

2011 Dorsheimer Burgberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Diel – Nahe

87 Punkte – noch etwas Kohlensäure, fest gewirkter Duft mit Citrusfrüchten, gelbem Steinobst, ein wenig dropsig; ungewöhnliche Klebernoten (noch von der Gärung). Am Gaumen wirklich jung, recht kompakt, die Frucht kommt noch nicht richtig aus der Deckung; die Mineralik spiegelt sich in zarten Kräuteraromen wider; spielt eher auf der leisen Aromen-Klaviatur. Sicherlich schöne Anlagen, die brauchen aber noch etwas Zeit und heute eben nicht mehr als 87 Punkte.

2011 Nackenheimer Rothenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen

94 Punkte – Dichter und zugänglicher Duft nach gelben Früchten, dazu  deutlich kräutrig-mineralische Noten, wunderbar verwoben, viel Spiel. Am Gaumen geschmeidige Oberfläche, darunter viel Saft und Kraft. Schöne Dichte, sehr kompakt, viel Frucht, hat trotzdem schon Spiel – oder anders gesagt: hat von Allem etwas, auch eine mineralisch-salzige Komponente. Richtig guter Stoff, zeigt Klasse bis ins lange Finale.

2011 Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Rudolf Fürst – Franken

89 Punkte – kühler Ansatz, klar und fein. Eher zurückhaltender Stil, trotzdem ist alles auf dem Platz, wo es hingehört, sehr frisch, schöne Frucht, auch mit Mineralik; schöner, feiner Saft, eher schlank. Gut eingebaute Säure; gute Länge; eigentlich müsste er eine „9“ vorne haben bei den Punkten, aber mir fehlt irgendwie die persönliche Note, ein wenig Inspiration.

2011 Erbacher Marcobrunn Riesling  Erstes Gewächs, Schloss Schönborn – Rheingau

89 Punkte – umwerfende Fruchtnase, viele weiße und gelbe Steinobstnoten, exotische Anklänge, Maracuja, aber auch vegetabile Aromen. Hat noch etwas Rest-kohlensäure, viel Extrakt, saftige Frucht, ausgeprägtes Säure-Süße-Spiel, zum Schluss kommt eine leicht salzige Mineralik durch. Gute Länge. Ein Bekenntnis seiner Herkunft.

2011 Dorsheimer Pittermännchen Riesling Großes Gewächs, Weingut Diel – Rheinhessen

95 Punkte – Eine Tüte voller frischer Äpfel; rauchig-kräutrige Noten; tiefe, animierende Rieslingnase. Unglaublich tiefer und klarer Ansatz, sehr rein, salzig-erdige Mineralik, kompakt und dicht, viel innere Kraft und Spannung – jedoch ohne jede Schwere. Getrocknete Kräuter, Zitrusnoten, Apfelschalen, würzig; einen Hauch von Gerbstoff, viel Spiel. Ein kühler Intellektueller und kein Männchen, sondern ein echter Mann und Gentleman mit zart schmelziger Oberfläche und komplexem Charakter. Hinterlässt lange Spuren – sprich tolle Länge.

2011 Westhofener Brunnenhäuschen Riesling Großes Gewächs, Weingut Wittmann – Rheinhessen

94 Punkte – Was für ein stolzer Geselle, in alten Zeiten hätte man ihn wohl geadelt – „von Wittmann“! Kühl, straff und ungemein reintönig – sehr tief. Kräutrig-mineralische Würze in der Nase, dazu komplexe Zitrus- und Steinobstnoten. Am Gaumen gemahlene Steine, glockenklar und hervorragend strukturiert, dicht. Ganz ausgezeichnete aromatische Tiefe, zupackend, ja fordernd, mit viel innerer Spannung, vibrierend, lebendige Säure.  Sehr komplexer Stoff, der jedoch noch ungemein jung ist und seinen geneigten Genießer zum „Steinelutscher“ werden lässt.

2011 Deidesheimer Langenmorgen Riesling Großes Gewächs, Weingut von Winning – Pfalz

94 Punkte – Feinfruchtig Noten, sehr würzig, Feuerstein, noch etwas unruhige Nase. Am Gaumen sehr zupackend, druckvoll und saftig; sehr fest gebaut. Aktuell zeigt der Wein sehr mineralisch betont, würzig-salzig, schöne Tiefe. Mit gefällt besonders gut die sehr tiefe Mineralik, die am Gaumen wunderbar durch einen zarten Schmelz abgefangen wird; schönes Säurespiel. Tolle Länge. (Wenige Wochen später auch Pechstein und Kirchenstück verkostet, für mich bleibt’s dabei: im 2011er Jahrgang ist der Langenmorgen erste Wahl bei von Winning)

2011 Westhofener Abtserde Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

96+ Punkte – Noch etwas unruhige, hefige Nase, rauchig-würzig, an Feuerstein erinnernde Nase, dazu Noten von weißen Blüten, Pomelos und anderen Zitrusfrüchten. Am Gaumen eine vollkommen klare, ja, gletscherklare und transparente Aromatik, so präzise wie die Nr.1 von  A.Lange und Söhne aus Glashütte. Am Gaumen sehr dicht und kraftvoll, mit „schmutziger“ Mineralität, Kalkstein pur. Dieser Riesling ist für ein langes, langes Leben gebaut, Lage um Lage ist einzeln aufgebaut, hervorragende Struktur, total präzise und klar. Neben aller Mineralik, die diesen Riesling prägt, bildet ein grandioses Säure-Süße-Spiel den Hintergrund, auf dessen Grundlage jedes einzelne Aroma ein virtuelles Solo vollziehen kann. Mit genügend Ruhe reift hier ein Meisterwerk heran; das Eleganz und Virtuosität zu vermitteln mag. Grandioser Stoff.

2011 Niersteiner Pettenthal Riesling Großes Gewächs, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen

93 Punkte – Auffallend dunkle Aromen im Bukett für einen Riesling, hochreife und feinwürzige Frucht, Tabakblätter, feuchte Waldwiese nach einem Regen, kühler Ansatz, trotzdem noble Art. Am Gaumen saftig und dicht; mit tollem „Dekolleté“ und weicher, feinschmelziger Oberfläche. Satte, fruchtig-würzige Aromatik, sehr tief und konzentriert, reintönig und nachhaltig. Wirkt jetzt schon angenehm trinkbar und balanciert, hat trotzdem eine große Zukunft auf Grund allerbester Anlagen. Tolle Länge.

2011 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Großes Gewächs, Weingut Dönnhoff – Nahe

93 Punkte – deutliche Gäraromen, getrocknete Kräuter, in der Aromatik noch recht verhalten. Am Gaumen sehr klar und präzise, sehr tief und strukturbetont; viel innere Kraft und Grip, packt zu. Insgesamt sehr klar und präzise Stilistik, transparent, Touch vom Gerbstoff, kräutrig-mineralisch, wirkt sehr geschliffen, braucht mehr Luft und Zeit, resche Säure, tragender und langer Abgang. Aristokratisch.

2011 Mölsheimer Zellerweg am Schwarzer Herrgott Riesling Großes Gewächs, Weingut Battefeld-Spanier – Rheinhessen

93 Punkte – konzentrierte Nase von getrockneten Kräutern und Steinobst, erdig-mineralisch. Dicht und kompakt am Gaumen, herrlich „unaufgeregt“ – hat eigentlich alles, was ein großer Riesling benötigt, tief, betont kalkige Mineralik, gelbfruchtig und mit  schönem, seidigem Schmelz, kühler Eindruck. Braucht ein wenig Zeit, um seine tollen Anlagen noch zu harmonisieren.

2011 Bockenauer Felseneck Riesling Großes Gewächs, Weingut Schäfer Fröhlich – Nahe

96 Punkte?? – GONG – voll auf die Zwölf! Sehr deutliche, würzige Aromen der Spontanvergärung, mit einer ordentlichen Portion Schwefel erinnert er an Sylvester kurz nach zwölf; Feuerstein. Dahinter steckt jedoch eine energiegeladenen, vibrierender Stoff, bei dem jedes einzelne Teilchen in eine andere Umlaufbahn möchte. Dicht, satt, mit kräftiger Säure – ungemein rassig, ein Araberhengst, der galoppieren möchte, aber seine Kraft noch nicht richtig dosieren kann und weiter ausgebildet werden muss. Wenn er nach dieser ersten, noch etwas unruhigen Jugendphase seine PS auch nachhaltig auf die Straße bringt, dann ist es womöglich der größte Wein des Jahrgangs. Das kann pure Ästhetik werden, denn zu der – unschwerlich zu erkennenden – power kommen auch schon jetzt ein Verspieltheit und eine, ja, tänzelnde Art, die nur erhabene Pferde haben. Kühl, sehr mineralisch, Steinmehl, dazu klare, transparente Fruchtaromen, herrlich langer und facettenreicher Abgang.

2011 Wiltinger Gottesfuß Riesling Großes Gewächs, Weingut van Volxem – Saar

93 Punkte – kräutrige Spontangäraromennase (ein wunderbares Wort für Galgenmännchenspiel), dichter Aromatik, hochreifer, leicht süßer Eindruck von gelben, kandierten Früchten mit einer schönen Zitrusaromatik und kräutrigen Mineralik unterlegt. Am Gaumen stoffige, saftige und nachhaltige Frucht, überwiegend gelbes Steinobst; dazu tabakige und kräuterwürzige Anklänge.  Tief und mit schönem, mineralischem Kern; der schönen Extraktsüße und den paar Gramm Restzucker steht eine herrliche Säure gegenüber, die den Wein bis in das lange Finale hervorragend trägt. Ein Wein zum Lutschen.

2011 Ruppertsberger Gaisböhl Riesling Grand Cru (Großes Gewächs), Weingut Bürklin-Wolf – Pfalz

89 Punkte – In der Nase augenblicklich etwas verhalten, Anklänge von gelben Früchten und weißen Blüten. Dicht und sehr rein, auch durchaus kraftvoll, doch die Säure steht aktuell etwas außen davor. Gute Konzentration; ordentliche, kräuter-würzige Mineralität. Sehr gute Anlagen, die sich – um den 90er Ochser zu überspringen – noch ein bisschen besser vermählen müssen, andererseits schon jetzt in der Frucht sehr zugänglich.

2011 Schloss Johannisberg Riesling Erstes Gewächs, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg – Rheingau

91 Punkte – Klare und reintönige Rieslingnase, gelbes Steinobst, Zitrusnoten, etwas getrocknete Kräuter. Am Gaumen dicht und kompakt; viel Zug; schöne straffe Mineralität, viel Stoffigkeit, dabei klar, kühl und kompakt; wirkt fast monolithisch, toller Rheingauer Vertreter.

2011 Eschendorfer Lump Riesling Großes Gewächs, Weingut Sauer – Franken

89 Punkte – Feine kräuterwürzige Aromatik in der Nase, Zitrusaromen, am Gaumen würzig-pikant, getrocknete Kräuter, klar und griffig, schönes Säure-Süße-Spiel, wobei die Säure herrlich pikante Akzente setzt. Reintönige Frucht, griffig und fest. Macht jetzt schon richtig Freude, trotzdem mit deutlichen Reserven. Toller, von Klarheit und Länge geprägter Abgang.

2011 Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Erstes Gewächs, Weingut Balthasar Ress –
Rheingau

90 Punkte – sehr ungewöhnliche Nase, noch von Gäraromen geprägt, vegetative und würzige Anklänge, Brennnessel. Am Gaumen extraktstark, würzig, ebenfalls vegetative Aromen, erinnert im Stil an die Weine von Peter Jakob Kühn, längere Maischestandzeit?? Hat durchaus Tiefe, Druck und Komplexität, nur ist das Arombenbild nicht typisch Rheingau; wirkt ein wenig alkoholisch. Nach der Verkostung sehr kontrovers diskutiert, mit 90 Punkten hatte ich den höchsten Wert unter 11 Verkostern; Mittel bei 87,67 Punkten.

2011 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Großes Gewächs, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe

92 Punkte – feinfruchtiger Riesling, gelbe Früchte, noch recht dezent kräutrig-mineralische Anklänge in der Nase. Am Gaumen schöne, nicht aufdringliche Dichte, ordentliche Tiefe, mit eher hintergründiger Mineralik, wirkt sehr klar und transparent, mit feiner Salzigkeit und Würze. Präzise gearbeitet. Der Abgang ist nachhaltig und die bislang eher hintergründige Mineralik tritt hervor und bleibt lange am Gaumen haften. Insgesamt etwas femininer als Bruder vom Halenberg, aber jetzt schon mit mehr Harmonie und Trinkigkeit.

 

2011 Niersteiner Pettenthal Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

95 Punkte – Ein noch unruhiger Geselle, die Nase ist noch geprägt von Gäraromen, sicherlich spontan vergoren, auch zeigt er einen Hauch von Kohlensäure. Dann aber kommt’s wild und zupackend mit „schmutziger“ (Schiefer-?)Mineralik. Auf der einen Seite packt dieser Stoff richtig zu, andererseits schreit er laut nach Luft. Außerordentlich gut gefällt mir die rauchige Salzigkeit und die strukturbetonte „Bauart“ sowie die Transparenz und Klarheit in den Aromen. Sehr druckvoll, eine Mischung aus Steinbruch, Wiese und Nordseestrand. Als ich im Nachgang erfuhr, dass wir Kellers Pettenthal im Glas hatten, kann ich einmal mehr belegen, dass die Handschrift des Winzers mehr Einfluss hat, als die reine Lage/ das Terroir. Das Pettenthal von Kühling-Gillot brillierte mit den seidigen, eleganten, aber doch etwas üppigen Rundungen, während Klaus Peter Kellers Ausgabe sich eher wie ein Erster Tänzer – a la Carsten Jung  – aus John Neumeiers Ballet Compagnie (kraftvoll, austrainiert, körperbetont und trotzdem filigran und elegant http://www.ndr.de/kultur/buehne/ballettoscar101.html ) präsentiert. Gemeinsam ist jedoch Rieslingen aus dem Pettenthal beiden, dass sie zu den ganz großen Weinen des Jahrgangs gehören.

2011 Forster Kirchenstück Grand Cru (Großes Gewächse), Weingut Bürklin Wolff – Pfalz

89 Punkte – Auf dem Papier und im Preis hatten wir das edelste und teuerste Pferd aus dem Stall von Bettina Bürklin-von Guradze vor uns. Doch wie das manchmal so ist, unterliegen auch die besten Pferde Schwankungen. Dieses Jahr konnte mich das Kirchspiel nicht überzeugen. Die Nase ist kühl und eher verhalten, feine Fruchtanklänge von Steinobst und diversen Zitrusfrüchten. Am Gaumen sehr klar, straff und sehnig, sehr animierend, frisch und rassig, fast ein wenig zu resch in der Säure. Dieser Wein belebt die müden Geister mit einer nachhaltigen und erdigen Mineralität; mit etwas mehr Fruchtextraktion- und reife würde er mir noch besser gefallen und dann sicherlich auch flott und geschmeidig über die 90-Punkt Grenze galoppieren.

2011 Oestricher Doosberg „Landgeflecht“, Weingut Peter-Jakob Kühn – Rheingau

91 Punkte – Die biodynamisch erzeugten Rieslinge von Peter-Jakob Kühn sind stets besondere Vertreter ihrer Art und die halbe Weinwelt reibt sich an ihnen, so kommt es auch, dass selten die Kritiken weiter auseinander gehen. Doch ich gestehe gerne, dass ich diesen ursprünglichen Stil sehr schätze und mir privat jedes Jahr ein paar Fläschchen hinlege, denn der Genuss braucht hier Zeit. Der Landgeflecht kommt aus zwei spieziellen Parzellen im Oestricher Doosberg und mit zwei gutseigenen „Träubchen“ ausgezeichnet, gehört er in die zweite Reihe des Weinguts. Peter Jakob Kühn vergärt ausschließlich spontan und lässt seine Rieslinge meist auch die „Malo“ durchlaufen. Der Landgeflecht aus 2011 ist noch sehr, sehr unruhig am Gaumen, im ersten Moment ein etwas unwirklicher Eindruck in der Nase, eine Kombination aus Apfelbrei und Brausepulver. Doch die Klasse des Rieslings liegt hinter „diesen“ Spontiaromen. Da gibt’s viel gelbe Früchte, Brioche, Apfelmus und sehr würzige-mineralische Anklänge sowie einen wunderbaren Schmelz mit etwas Sahnetoffee. Fazit: Ein außergewöhnlicher Riesling, aber einer der sich lohnt – und vielleicht sogar den Wein-Erlebnishorizont zu erweitern vermag. Schöne Länge.

2011 Nieder-Flörsheim Frauenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Battenfeld-Spanier – Rheinhessen

91 Punkte – Würzig-mineralischer Duft, sehr klare und reintönige Rieslingnase. Am Gaumen körperreich, schöne Saftigkeit, ebenfalls reintönig und ziemlich präzise. Etwas kräutrige Mineralik, lebendige Säure, aber insgesamt erstaunlich harmonisch und im positiven Sinne unaufgeregt; angenehmer Schmelz, etwas vom Holz geprägt. Angenehme Tiefe, letztlich hat er ganz viele gute Eigenschaften, aber irgendwie fehlt mir noch etwas mehr Inspiration, das Besondere, damit er die hohen Weihen von deutlich über 90 Punkten erlangen kann.

2011 Schloßböckelheimer Felsenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Schäfer-Fröhlich – Nahe

94 Punkte – Deutliche Spontannoten, auch Schwefel, dahinter aber klar, herrlich tief und dicht, dabei mit einer feinen Frucht von z.B. reifen Zitrusfrüchten und jungem Steinobst. Am Gaumen, sehr komplex und lebendig, mit hervorragender Tiefe und vitaler, aber feiner Säure. Laserstrahl präzise, sehr fokussiert, kompakt und zupackend. Dieser Stoff beschäftigt Gaumen und Geist, da vibriert, rüttelt und schüttelt es mich, wenn ich einen Schluck nehme. Zarte Fruchtaromen, viel kräutrig-pflanzliche und florale Anklänge, eine komplexe Mineralität und sehr viel Lebendigkeit machen dieses Große Gewächs wirklich groß. Diese Lebendigkeit und die kraftvolle, animierende Art begeistern mich – hier wirkt alles homogen und miteinander verwoben. Ein Spitzensportler, mit klarer Präsenz und perfektem shape. Kilometerlang.

2011 Birkweiler Kastanienbusch Riesling Großes Gewächs, Ökonomierat Rebholz – Pfalz

90 Punkte – Feine Fruchtnase mit grünen, leicht kräutrigen und grün-vegetabilen Anklängen, frischer Waldmeister. Am Gaumen runder Ansatz und saftige, leicht süßliche Frucht, dabei fest und mit angenehmen Druck; deutlich würzige Anklänge, besitzt Spiel. Die Oberfläche hat einen schönen Schmelz und im Abgang spielen fruchtige Anklänge miteinander, ein Hauch von Karamell und Süße. Insgesamt ein schöner  Riesling, der eher den gemeinsamen Auftritt mit einem tollen Essen sucht als allein die Bühne zu rocken.

2011 Rauenthaler Nonnenberg Riesling Erstes Gewächs, Weingut Breuer – Rheingau

92 Punkte – Schöne dichte und betont fruchtig-mineralische Nase, eine herrliche Kombination aus gelbem Steinobst und mineralisch-kräutrigen, teilweise auch pflanzlichen Aromen. Am Gaumen dichte und straffe Art, frische Frucht, feiner Saft, rote Früchte, weiße Pfirsiche, Melone, ein Hauch würzig, Kirschkerne, fest gewirkt, wirkt einerseits sehr jung, doch andererseits zeigt er bereits in seiner Jugend eine auffällig schöne Harmonie. Die recht resche Säure ist mit ausreichend Extrakt und einer dezenten Süße gut abgepuffert. Die aromatische Tiefe macht bereits jetzt viel Spass, doch der Wein hat viel Potential für ein langes, genussstiftendes Leben. Toller Rheingau-Riesling.

2011 Königsbacher IDIG Riesling Großes Gewächs, Weingut Christmann – Pfalz

92 Punkte – dichte, feinwürzige Nase, reife Frucht von Steinobst. Am Gaumen ziemlich ausladend, kraftvoll, saftig und fest gewirkte Mineralik. Weiche, ein wenig cremige Oberfläche, am Tisch wurde später ein Panther ins Spiel gebracht, aber wohl eher frei nach dem gleichnamigen Rilke-Gedicht, das einen Panther in der Pariser Zoo-Gefangenschaft beschreibt. Auch hier ist Kraft, Saft und mineralische Muskel-(Extrakt-)power reichlich vorhanden, aber alles wartet darauf, befreit zu werden, um sich zu entfalten. Dieser junge Panther hat tolle Anlagen, auch und gerade wegen seinem recht weichem „Fell“ macht er jetzt Freude, aber man sollte ihn voll auswachsen lassen und dann freie Bahn geben. Gute Länge.

tbc

2002 Riesling Deutschland Große Gewächse

2002 ist ein Jahrgang in dem zahlreiche große Gewächse Ihr Adjektiv „groß“ auch verdienen. Aber ich denke, es sind nicht nur die Bedingungen des Jahrgangs, die dafür gesorgt haben, dass unsere Verkostungsrunde so viel Spaß an diesem Abend hatte – vielmehr war auffallend, dass die Alkohol-Gradiationen sich noch in einem erfreulichen Mittelmaß bewegten und die Winzer Ihre Boliden nicht „überzüchtet“ haben.

Riesling Große Gewächse Deutschland 2002 – mein Fazit: Toller Jahrgang, der große Rieslinge hervorgebracht hat, die jetzt  – nach 10 Jahren Reife – als Persönlichkeiten mit ausgebildetem Charakter, Stil und Eleganz (zumindest gilt dies für einige) aufwarten. Meine Einschätzung zum Jahrgang 2002 nach einer Probe im Jahr 2005 hat sich bestätigt:  „Imho sind alle Weine unter ihren Möglichkeiten geblieben. Gerade die mineralischen Weine sind so etwas von zu, dass man wenig Freude hat;  die eher fruchtbetonten besitzen noch Charme und konnten entsprechend etwas höher punkten, trotzdem auch sie unter ihren Möglichkeiten – Gleiche Probe in 3 Jahren und wir werden deutlich höher punkten“ (http://weinwelt.blogg.de/2005/05/28/riesling-2002-at-its-best-jahrgangsprobe-bei-ole/). – Anmerkung der Redaktion: Hier zeigt sich der Nutzen eines Weinblogs deutlich 🙂

Lieber Ole, herzlichen Dank fürs Sammeln, die tolle Gastlichkeit und Deine Großzügigkeit nach so vielen Jahren wieder eine 2002er Probe auszurichten.

Exkurs: Ein anderes Phänomen war an diesem Abend noch zu beachten: wenn sich mehr oder weniger alle Verkoster von Anbeginn über die sehr gute Qualität der Weine einig sind, kommt ein gruppendynamischer Prozess in Gang, der letztlich zu einer gewissen Überhöhung bei der Bepunktung führen kann, denn keiner will bei solchen Qualitäten gerne das Haar in der Suppe finden bzw. sein.

2002 Riesling Forster Ungeheuer GG, Weingut Mosbacher – Pfalz

93 Punkte – Über die Jahre mehrfach getrunken, immer wieder mit konsistent hohen Punkten (http://weinwelt.blogg.de/2005/05/06/2002-geoerg-mosbacher-riesling-spatlese-ungeheuer-forst-groses-gewachs/). Auffallend seine goldgelbe Farbe und sein klarer, opulenter Duft nach gelben Früchten.    Auch exotische Fruchtanklänge, dann viel Aprikose und Pfirsich; die Reife steht ihm gut. Die kräftige Säure ist perfekt integriert und ein wichtiger Baustein im gelungenen Spiel dieses Weins. Der 2002 Ungeheuer erzeugt heute ein weiches Mundgefühl, besitzt aber viel innere Spannung, ist feinwürzig und die Mineralik spielt im Hintergrund ein perfektes Spiel. Vor Jahren war diese noch deutlich vordergründiger und tonangebend. Eines war dieser Wein immer – ein richtig großes Gewächs und für mich der Quell meiner Entscheidung, mir jedes Jahr ein paar Mosbacher Weine hinzulegen, auch wenn in nachfolgenden Jahrgängen meine Entscheidung ein paar Mal erschüttert wurde.

2002 Kallstadter Saumagen Riesling Auslese trocken, Koehler-Ruprecht – Pfalz

90 Punkte – Goldgelbe Farbe; zu Beginn ein Hauch Petrol und Tapetenkleister, dann eher blumig und kräutrig, getrocknete Früchte. Am Gaumen ein etwas ungewohntes Aromenbild: grüner und schwarzer Tee, herbe Kräuter, Kirschkerne, getrocknete helle Früchte, keine Süße, Tanninunterstützung (von längerer Maischestandzeit?) ist erkennbar. Typisch gerader Philippi-Ansatz (der bitte!! nicht mit dünn zu verwechseln ist), braucht Luft zum Atmen und Entfalten, ggf. dekantieren (2005 hatte ich ihn bei 88 Punkten, was auch die Konsenspunkte an diesem Abend war).

2002 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätlese trocken, Leitz – Rheingau

92 Punkte – Helles Goldgelb mit noch dezent grünlichen Reflexen. Nase: Feine Pfirsich- und Aprikosenaromen, dazu ein Hauch von Anis und anderen Kräutern.  Am Gaumen erste elegante Reifetöne, für sein Alter aber noch sehr frisch. Vom Mundgefühl her weich, tief und kühl; insgesamt geschmeidig und elegant. Dieser 2002er Riesling ist  ausgewogen und die schöne, frische Säure ist hervorragend eingebunden und animiert zu nächsten Schluck. Die roten Schiefer- und Quarzitböden im Rüdesheimer Berg Schlossberg sind der Quell für die mineralische Ader in diesem Riesling und verleihen ihm eine schöne Komplexität.

2002 Forster Pechstein, Bürklin Wolf – Pfalz

92 Punkte – Tiefes goldgelb, wirkt bereits in der Nase extraktreich, kraftvoll und dicht. Satte gelbe Frucht, Kräuter, ein Touch Botrytis vielleicht, edel gereift. Am Gaumen ebenfalls dicht und satt; aromatische Tiefe; sehr schöner Schmelz. Ein ungemein dicht gewobener Stoff, der auch nach 10 Jahren Zeit und Luft braucht, um sich zu entfalten. Das Aromenrad geht auf wie ein Pfauenrad und beeindruckt mit seinen schillernden Farben (ein Potpourrie an allen erdenklichen gelben Früchten; Waldhonig). Auch insgesamt wirkt der 2002 Pechstein pfauenhaft: stolz, bunt und auch ein wenig angeberisch. Der Wein nimmt den Raum voll für sich ein – und trotz aller Dichte und Üppigkeit ist er klar und mit ausreichend Säure ausgestattet, sodass er nicht überladen oder gar mastig wirkt. Dieser Riesling weiß wirklich zu beeindrucken – nicht zuletzt mit seiner Länge. Trotz allen Lobes hat er mich irgendwie nicht berührt und die 92 Punkte sind vielleicht ein wenig ungerecht.

2002 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken, Karthäuserhof – Ruwer

94+ Punkte – Farbe mitteldichtes Zitronengelb mit grünlichen Reflexen.  Eines deutet sich schon in der Nase an – dieser Wein ist glockenklar, pur und rein! In der Nase wirkt der Wein erstaunlich jung und frisch, schöne ätherische Noten, dazu Orangenschalen; frische, (vielleicht noch etwas unreife) gelbe Früchte. Auch am Gaumen erfrischend jung – wo sind die 10 Jahre? Innere Kraft, feinstes Ballett – hohe Kunst sieht immer perfekt und leicht aus, die ungemeine Anstrengung bleibt verborgen – so auch bei dieser fantastischen, trockenen Riesling Auslese. Diese Ballerina tanzt klar und höchst präzise, trotzdem oder gerade deswegen mit höchstem künstlerischem Ausdruck; hohe Mineralik; perfekte Säure; tief, sehr tief und klar in der Aromatik. Ein Weinfreund drückte es so aus: „der Gegenentwurf zu Bürklin-Wulf“. Großer Stoff, mit viel Eleganz und hervorragender Länge.

2002 Königsbacher IDIG Riesling GG, Weingut A.Chrsitann – Pfalz

93 Punkte – Tiefes Goldgelb, reife Noten von gelben Früchten aus aller Welt, Ananas, Mango, Pfirsich; erinnert mich etwas an beste Wachauer Smaragde. Am Gaumen bestätigt sich dieser Eindruck, viel Stoff, kraftvoll und dicht – dabei straff und mit deutlich mineralischer Note. Dieser tolle IDIG ist jetzt in einem perfekten Trinkfenster – er zeigt seine Muskeln (viel Extrakt); die satte gelbe Frucht passt gut zur zupackenden Säure und salzigen Mineralität. Im Abgang Anklänge an Karamell und Minze sowie ein zartes „Bitterle“, gute Länge.

2002 Monzinger Halenberg Riesling Auslese trocken, Emrich-Schönleber – Nahe

94 Punkte – sehr viel frische Kräuter, helle Früchte, etwas Limette, wirkt animierend. Am Gaumen packt er zu und lässt nicht mehr los, der Wein ist straff und fordernd. Kraftvolle, fast beißende Mineralik, viel Kräuter, Limette, sehr komplex. An der Säure schieden sich unter den Verkostern an diesem Abend die Geister. Ich empfand sie als pikant, aber perfekt eingebunden zu diesem Wein. Das GG aus dem Halenberg von Emrich-Schönleber ist für mich ein Paradebeispiel, wenn es um Lagentypizität  und einer Jahr für Jahr wiederkehrenden Aromatik geht. Tolle Länge – einfach großer, trockener Riesling.

2002 Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken – Weingut Künstler- Rheingau

50 bzw. 93 Punkte (für die Goldkapsel) – Was für ein Desaster!! Dieser Wein diente einst als „Versuchskaninchen“ für alternative Verschlüsse. Fazit: Total unbrauchbar. Der Wein war superreif in der Farbe, am Gaumen und in der Nase mehr Möbelpolitur als Riesling. Ein paar Tage später habe ich zu einer Weinprobe bei meinem lieben Freund Helmut eine Flasche 2002 Hochheimer Hölle Riesling Goldkapsel trocken mit Naturkork geöffnet, was war das für ein Paradewein: fester, dichter zupackender Riesling mit viel Format und Körper, einer superschönen und bestens integrierten Säure sowie einer massiven Mineralik. Ein Wein zum „Ablutschen“, richtig schöne Länge, viel Genuss.

2002 Dalsheimer Hubacker Riesling GG, Weingut Keller Rheinhessen

95 Punkte – Frische mittelgelbe Farbe. In der Nase überraschend jung, straff und sehr klar. Vor etwas über einem halben Jahr „nur“ mit 92 Punkten bewertet (vgl. http://weinwelt.blogg.de/2011/12/04/2001-2010-hubacker-groses-gewachs-vertikalverkostung-weingut-keller-rheinhessen/ ). Bei dieser Verkostung stand er in einem anderen Kontext und seine Stärken konnte er voll ausspielen. Tiefe Aromatik bereits in der Nase animierend und noch jung wirkend. Am Gaumen wunderbar tief, straff und mit tollem Spannungsbogen, stets druck- und kraftvoll, mit Zug und herrlicher Mineralik. Entscheidend für die Größe dieses Weines dabei ist, dass er zu jeder Zeit nicht nur mit seinem vielschichtigen Ausdruck überzeugt, sondern stets Noblesse und Eleganz zeigt. Bleibt lange, ganz lange am Gaumen. Der Wein wird sich auf diesem Niveau noch für lange Zeit etablieren.

2002 Kiedricher Gräfenberg Riesling Spätlese trocken, Robert Weil – Rheingau

 88 Punkte – Für mich ist Weil bei den Ersten Gewächsen erst Mitte der 2000er aus dem Knick gekommen. Auch dieses Mal blind verkostet und für nett empfunden, aber eben nicht zwingend. Die Nase wirkt immer noch spontan vergoren (?? Wie soll das gehen?? ), Anklänge an Apfelmus, Steinmehl und Schießpulver, aber auch wenig stichig (Erbrochenes). Insgesamt sehr jung, frisch und würzig; weiches Mundgefühl, noch recht deutliches Zuckerschwänzchen, hinten heraus  bricht die kräftige Säure durch, insgesamt etwas zu brausig (Limonade) und mir nicht harmonisch genug für ein Erstes Gewächs einer solch großen Lage.

2002 Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling Spätlese trocken, Dönnhoff – Nahe

86 Punkte – in 2002 noch als Spätlese trocken abgefüllt, in nachfolgenden Jahrgängen als Grosses Gewächs auf die Flasche gekommen. In der Nase eher verhalten, aber sehr klar, mit Reifenoten.  Am Gaumen ein Spiel von Citrusaromen; englische Zitronenmarmelade; wirkt sehr kühl und klar, aber mit der Harmonie ist es nicht (mehr?) weit her, denn der Wein hat eine „pikante“ Säure (am Tisch wurden deutlichere Worte dafür gefunden). Insgesamt schlank, klar und von der Mineralik getrieben. Sollte ausgetrunken dringend ausgetrunken werden.

2002 Schlossböckelheimer Felsenberg Riesling QbA (!?) trocken, Dr. Crusius Nahe

79 Punkte – Eigentlich sind die Crusiusweine für mich jedes Jahr eine Bank. Aber genauso wie Dönnhoff in 2002 hat auch bei Crusius dieser Riesling ein Säurethema.- auch hier steht sie spitz außen vor. Dazu kommt die Aromatik, die zu Beginn etwas an jodhaltigen Tang erinnert und recht medizinal wirkt. Dazu kommen Anklänge an Weihrauch und Puder. Am Gaumen einfach kein Vergnügen, auf Grund der Säure fast ein Angriff auf die Gesundheit. Wie sich dann allerdings beim „Öffnen“ der Blindprobe herausstellte, war’s nur der „einfache“ QBA – der sollte in jungen Jahren getrunken werden und war hier einfach alt und verloren.

2002 Großkarlbacher Burgweg Riesling Spätlese trocken, Knipser – Pfalz

87 Punkte – zu Beginn recht verhaltene Nase, leichte Wachsnoten, später auch Kräuter. Am Gaumen zeigt er eine ordentliche gelbe Frucht, Apfel, Heu und Citrusfrüchte. Überraschend weich am Gaumen, hinten heraus leider etwas zu kurz. Sollte dringend ausgetrunken werden.

2002 Bremmer Calmont Riesling Calidus Mons, Weingut Franzen Mosel

93 Punkte – Eine wahre Freude dann noch mal zum Abschluss der Verkostung; der Calidus war in Form und schmeckte mir überaus gut. In der Farbe eher hellgelb – ohne Spuren von Alter. Komplexe, anspruchsvolle, aber auch verspielte Nase mit Noten von Weihrauch, einer feinen kräutrigen Würze und dezenten Wachsnoten.  Ein Steinwein kündigt sich an. Im Mund wunderbar frisch, klar und reintönig, druckvoll und mit ausgezeichneter Mineralität sowie einer feinen Würze (Muskatnuss), dabei sehr ausgewogen. Die tolle Länge rundet diesen ausgewogenen Riesling herrlich ab. Ein würdiges Denkmal für den tödlich im Weinberg verunglückten Reinhold Franzen.

2006 Raven, Sine qua non – Californien

97 Pukte – zu Manfred Krankl, dem Österreicher, der sein Glück in den USA gefunden hat, muss an wohl nicht viel scheiben. Die Weine sind seit Jahren stets ausverkauft – und nicht nur weil der Meister sensationelle Weine auf die Flasche bringt, sondern auch weil Mr. K. mit seinen selbst kreierten Weinnamen und Kunstetiketten inzwischen Kultstatus mit Sammelanspruch erreicht hat.

Von der Raven Serie des Jahres 2006 gibt es Grenache und Syrahweine. Bei uns im Glas war Syrah Nr.5. Auch wenn er einen Tick kleiner war als der En Cerise von Cayuse, so hatten wir unzweifelhaft einen ganz großen Wein im Glas. Dieser dick bepackte Stoff ist etherisch, dicht, extraktsüß, sehr schwarz in der Frucht, unsponnen von feinen Hozaromen; Speck und auch ein Touch Schokolade und Menthol. Trotz der Dichte und der 15,5% Alkohol eine frischer, kühler Einruck am Gaumen. Männlich-kräftig gebaut, hinten heraus eine Spur schwarzer Pfeffer. Trotz aller Dichte und Extraktion, besitzt dieser saftige Bursche extrem feinkörnige Tannine, einen polierten Charme, Esprit und durchaus Eleganz. Leider eine Einzelflasche!!