1995 Insignia Proprietary Red, Joseph Phelps – Napa Valley

95 Punkte – Im Jahr 1973 hat Joe Phelps eine Rinderfarm am Rande von St. Helena erworben und begonnen Weinreben zu pflanzen und das Weingut aufzubauen. Schon im Jahr 1974 gab es den ersten Insignia, einen Bordeaux Blend auf Cabernet Basis (im 1995 er Jahrgang 90% CS, 7% Merlot und 3% Petit Verdot). Lange Zeit bestand der Insignia aus Traubenmaterial von Vertragswinzern und den eigenen Weinbergen. Seit 2004 verwendet man nur noch guteigene Trauben. Als Grand Cru des Hauses finden nur jeweils die besten Tauben Eingang in die Cuvee. Die Lagen sind: Spring Valley Ranch Vineyard in St. Helena, Banca Dorada Vineyard auf der Rutherford Bench, Las Rocas und Barboza Vineyards im Stags Leap District, Yountville Vineyard im Oak Knoll District and Suscol Vineyard imSouth Napa Valley.

Eigentlich steht der 95er Jahrgang im Napa ein wenig im Schatten des Vorgängerjahrgangs, aber dieser Insignia dürfte aus 1994 kaum besser sein, denn er besitzt viel Struktur und ist für sein Alter in einer hervorragenden Verfassung. Die Frucht ist klar und ausdrucksvoll, erinnert zu Beginn an rot-schwarze Beeren, Cranberries, dazu kommt ein edles Holz, das sich perfekt integriert hat und mit einem ganz dezenten Vanille-Touch einen wunderbaren Beitrag zur delikaten Extraktsüße liefert. Am Gaumen feinsaftig, elegant und mit einer delikaten Süße und Würze ausgestattet. Die Tannine sind weich, aber präsent und die darunter liegende Struktur trägt die Frucht wie auf einem Schild; schönes Echo im Mund, tolle Länge.

1994 Cabernet Sauvignon Alexander Valley, Silver Oak – Napa Valley

92 Punkte – geschmeidiger Stoff aus der Magnum. Rund, weich, ausdrucksvolle Frucht, hedonistisch und trinkig, herrlich „wegzuschlabbern“. Da ist alles am richtigen Fleck, wunderbar gereift, schöne Balance, mürbe Tannine, sämig, dunkle Beeren, Brombeeren, ein wenig Schoki. Die ganz große Tiefe fehlt ihm, aber das „Zeug“ zum geschmorten Kalb – herrlich!!!!!

2006 Raven, Sine qua non – Californien

97 Pukte – zu Manfred Krankl, dem Österreicher, der sein Glück in den USA gefunden hat, muss an wohl nicht viel scheiben. Die Weine sind seit Jahren stets ausverkauft – und nicht nur weil der Meister sensationelle Weine auf die Flasche bringt, sondern auch weil Mr. K. mit seinen selbst kreierten Weinnamen und Kunstetiketten inzwischen Kultstatus mit Sammelanspruch erreicht hat.

Von der Raven Serie des Jahres 2006 gibt es Grenache und Syrahweine. Bei uns im Glas war Syrah Nr.5. Auch wenn er einen Tick kleiner war als der En Cerise von Cayuse, so hatten wir unzweifelhaft einen ganz großen Wein im Glas. Dieser dick bepackte Stoff ist etherisch, dicht, extraktsüß, sehr schwarz in der Frucht, unsponnen von feinen Hozaromen; Speck und auch ein Touch Schokolade und Menthol. Trotz der Dichte und der 15,5% Alkohol eine frischer, kühler Einruck am Gaumen. Männlich-kräftig gebaut, hinten heraus eine Spur schwarzer Pfeffer. Trotz aller Dichte und Extraktion, besitzt dieser saftige Bursche extrem feinkörnige Tannine, einen polierten Charme, Esprit und durchaus Eleganz. Leider eine Einzelflasche!!

2006 En Cerise, Cayuse – Walla Wally Valley, Washington

99 Punkte – wow – ein funky Wein mit sexappeal – wie ein geniales Konzert ….nur dieses Mal für Mund und Nase; Hedonismus pur!!

Blütenaromen, Holunder, Orangenschalen, im Hintergrund erinnert er mich an den Duft eines Regenwaldes, Fenchelsaat , Feuerstein, exotische Kräuter, abgefahren Gummireifen – letztlich ein Aromenwunder, man möchte gar nicht aufhören, die Nase ins Glas zu halten. Am Gaumen …. hmmmmmmm, weich und differenziert, aber auch mit dem notwendigen Aromendruck und einem wunderbar feinkörnigen, geschliffenen und polierten Tannin. Der Wein hat aber auch eine „derbe Ecke“ und eine phantastiche Mineralität. Der Wein ist feinsaftig, komplex und wunderbar ausdiffenrenziert – aktuell mit einer perfekten Balance. Vielleicht lasse ich mich zu sehr von dieser Kombination aus Frucht, Charme, Mineralität und Schmelz sowie der außerordentlichen  Eleganz dieses Weines einlullen und in Wirklichkeit ist z.B. der 96er Astralis der größere und langlebigere Wein, aber manchmal muss man eben den perfekten Moment genießen.

Die Flasche wurde ca 6 Stunden vorher geöffnet und die letzte Stunde dekantiert. Cayuse ist dezeit Kult in den U.S.A., aber es gibt wenige in den Staaten, die so einen konsequenten Weg gehen wie Christophe Baron –  biodynamischer Anbau, teilweise uralte, wurzelechte Hefen, Vergärung findet spontan mit den natürlichen Hefen statt und es ungeschönt und unfiltert abgefüllt. Achso und mit dem vom Pferd gezogenen Pflug wird auch wieder gearbeitet. Guckst Du: http://www.cayusevineyards.com

1967 Martha’s Vineyards, Heitz Cellars – Kalifornien (Top of the Pops)

97 Punkte – Unglaublich „LECKER“ habe ich mir bei diesem 67er Martha’s Vineyards notiert, aber das ist nicht dieses „lecker“, das man häufig aus lauter Verlegenheit benutzt, wenn einem nichts anderes einfällt und man seinen Gastgeber nicht brüskieren möchte. Dieses „LECKER“ steht für mich für die wahre Freude und den großen Genuss. Dies ist ein Stoff von klassischer Schönheit, der mich durch seine wunderbare aromatische Tiefe und Struktur sowie sein hohes Maß an Komplexität und Länge total begeistert hat. Mit Momentaufnahmen wie: feine Pfefferwürze, dezente Malzsüße oder elegante Minzaromatik kann man diesem Wein nicht gerecht werden, aber es sind kleine Hinweise auf die Schönheit der Reise, auf die man bei diesem Wein mitgenommen wird. Ich glaube zwar kaum, dass es nochmals einen Leser geben wird, der diese Eindrücke nachvollziehen kann, denn so rar sind alte Matha’s Vineyards, aber umso mehr möchte ich unserem Weinfreund danken, der diese Flasche angestellt hat!

1997 Insignia, Joseph Phelps – St. Helena (Napa Valley) / „Ma(n)ifest Nr.11“

 

96 Punkte – Innerhalb von 4 Wochen der zweite Jahrgang dieses großen, bekannten Kaliforniers. Hatte ich den 95er schon mit sehr guten 94 Punkten bewertet (vgl. http://weinwelt.blogg.de/eintrag.php?id=414), so waren diesmal noch 2 Punkte mehr im Glas. Ein Schmackofatz – Wein allererster Güte. Tiefe Farbe; dunkel und ganz dicht stand er im Glas vor uns und strahlte uns an. Von der Aromatik ein Charmeur, ein Schmeichler, ein Don Juan – und dann das ganze auch noch im Smoking für den großen Auftritt am Abend. Und nicht völlig neidfrei muss ich kontestieren, dass er auch den nötigen Tiefgang besaß.  Jede Frau hätte an diesem „Beau“ mit Scharm und Charakter ihre wahre Freude.

 

Nicht ganz uneigennützig habe ich entschieden, dass mir dieser Typ nicht in mein Haus kommt. Oder anders ausgedrückt, dieser Ausbund aus Kraft, Saft, Frucht und Schmelz, umhüllt von einem edlen Zwirn, der hier und da den kräftigen Körper nicht verdeckt, werde ihn meiner Herzdame vorenthalten; sonst bin ich den ganzen Abend abgemeldet.

 

Nicht so schwärmerisch formuliert liest sich das dann so: Dichter, saftiger, geschmeidiger und fruchtbetonter (u.a. Cassis & Heidelbeeren) Wein, der mit seinen Lakritz- und  Kräuteraromen aromatisch komplex wirkt. Der  an Vollmilchschokolade erinnernde Schmelz ergänzt sich gut mit der schönen Süße, die den Speck zwischen Rippen (bestehend aus reifen, feinsandigen Tanninen) bildet.  Harmonisch und balanciert; mit guter Länge.

1995 Insignia, Joseph Phelps – St. Helena (Napa Valley)

94 Punkte – Das Weingut „Joseph Phelps Winery” liegt östlich von St. Helena im kalifornischen Napa Valley. Der Bautunternehmer Joseph Phelps nutze wohl – wie viele Industrielle in dieser Zeit – die neuen Steuergesetze, wonach Investitionen in die Landwirtschaft besonders abgeschrieben werden konnten und gründete 1972 sein eigenes Weingut. Etwas romantischer klingt die Version, dass er ins  Napa Valley kam, um für einen Kunden eine Kellerei zu bauen und er dabei auf den Geschmack und zu der Erkenntnis kam, dass Weinmachen die attraktivere Beschäftigung sei.

Der INSIGNIA ist auch das Bindeglied zu einem Rheingauer, der 1961 nach Amerika ausgewandert ist:  Walter Schug war seit der Gründung des Weingutes bei Phelps als Weinmacher beschäftigt und verantwortete dort nicht nur den ersten  Jahrgang (und weitere) des INSIGNIA, sondern auch die „Napa Grand Crus“ Backus und Eisele Vineyards. Erst als er 1980 – noch als Angestellter von Phelps – beschloss seiner eigentlichen Passion/Mission nachzugehen, nämlich große Pinots im Napa Valley zu erzeugen, verließ er das Haus Phelps und machte sich in den folgenden Jahren endgültig selbständig. Für den von uns verkosteten 95er Jahrgang war bereits Damian Parker verantwortlich,  der schon 1981 zum Team gestoßen war.  

 

Wie nach seinem Vorbild, einem Grand Cu Classe Bordeaux vom linken Ufer, bestand der Blend für den INSIGNIA in den Jahrgängen 1974 bis 1994 stets aus einem großen Anteil Cabernet Sauvignon, verschnitten mit unterschiedlichen Anteilen Merlot und Cabernet Franc. In 1995 ist der CS-Anteil (nach dem 76er) mit 90% am zweithöchsten von allen bisherigen Jahrgängen und weist erstmals einen kleinen Anteil (3%) Petit Verdot auf; die restlichen 7% sind Merlot. Seit 1992 ist der Cabernet Franc (0% bis max. 2%) so gut wie nicht mehr enthalten. Dafür wird neuerdings (erstmals in 1999) ein kleiner Anteil Malbec in die Cuvee (bis 3%) verschnitten.

 

Dieser „fast“ reine Cabernet Sauvignon aus dem Jahr 1995 protzt mit einer kraftvollen, fast schwarzen Farbe. Am Gaumen ist der Wein dicht und zeigt viel Extrakt. Neben der schönen Frucht (Wald- und Brombeeren), verleihen ihm die Noten von Tabak, Kohle und Leder Komplexität und die Anklänge an Eukalyptus und Minze sorgen dafür, dass der Wein jung und frisch wirkt und meine Hand klar zum Glas geht. Die ausgereiften Tannine verleihen ihm Struktur und seine feine Saftigkeit erhöht die Trinkfreude. – In jeder hochkarätigen Bordeauxprobe dürfte ihm ein Platz im Vorderfeld oder gar auf dem "Treppchen" sicher sein. In dieser Form übersteht er weitere 7-10 Jahre Kellerlager sicherlich locker, eventuelle ist auch deutlich mehr drin. Aktuell sollte er dekantiert werden.

1990 Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard, Heitz Wine Cellars – Napa

94 Punkte – Von Martha’s Vineyard habe ich schon viel gehört und gelesen; insbesondere vom legendären 74er Jahrgang  hat mir der eine oder andere Weinliebhaber so vorgeschwärmt, dass mir umgehend das Wasser im Munde zusammen lief. Da man jedoch nicht alles sammeln und kaufen kann, ist Kalifornien nach wie vor in meinem Keller kaum vertreten – obwohl ich immer wieder feststelle, dass mir der Stil der großen kalifornischen Gewächse sehr gut gefällt.

Die 90er Ausgabe ist kühl und dunkel vom Stil, besitzt einerseits ein runde, feine Süße, andererseits auch eine gute (Tannin-)Struktur, sodass die Frucht (eher dunkelbeerig, Eukalyptus, Minze, ein wenig malzig) sehr gut getragen wird und der Wein ein harmonisches Bild abgibt. Besonders gut gefällt mir das schöne Spiel, die runden, feinkörnigen Tannine und die subtile Süße; der Wein wirkt rund und gleichzeitig elegant. Momentan unglaublich sexy und ich denke, dass der Wein aktuell perfekt zu trinken ist – besser wird er nicht mehr, aber das Niveau wird er sicherlich noch ein paar Jahre halten.

Infos über das Weingut gibt es reichlich auf der wunderschön gestalteten homepage (http://www.heitzcellar.com). Vom Einkauf direkt ab Erzeuger in den U.S.A. kann ich aus eigener Erfahrung jedoch nur abraten, denn die Kalkulation mach man in der Regel ohne den deutschen Zoll und der schlägt dann mächtig zu :-((

1993 Cabernet Sauvignon 12th Anniversary, La Jota Vineyards – Napa Valley

94 Punkte – Ein wunderbarer Cabernet Sauvignon aus Californien. Eine nahezu perfekte Symbiose zwischen lebendiger Frucht, schönen, ausgereiften Tanninen (kraftvoll, aber weich) und einer guten Säurestruktur. Das Ganze ist eingebaut in einen wohl definiertenn und kräftigen Körper. Keine Trinkmarmelade, sondern  ein Wein mit einer ausdrucksvollen, dunklen und Genuss spendenden  Frucht. Schöner Saft; aber auch ein differenzierter, vielschichtiger Charakter, mit dem man sich lange beschäftigen kann. Ein hedonistischer Wein. Frauen würden diesen "californischen Beau" wohl so beschreiben:  "lebensfroher, sonnenverwöhnter Intellektueller, der  zum Anbeissen aussieht und umwerfend riecht.

Schöne webpage: http://www.lajotavineyardco.com/