Parkers Exceptional Best Buy – 2013 Nounat, Binigrau – Mallorca

NouNat_2013Meine Sonneninsel Mallorca, autochthone Rebsorte (40% ), 95  Punkte sowie ein dickes Lob von Robert Parker – dass alles zu einen Preis  von rund 14 Euro (vor Erscheinen der Parkerbewertung bzw. für ganz Schnelle ) – da legt man sich auch schon mal auf Verdacht 12 Flaschen in den Keller.

92 Punkte – Und in der Tat, diese Cuvee aus 60% Chardonnay und 40% Prensal Blanc (mit Synonym Moll) ist schon etwas Besonderes. Das Bukett wirkt sehr duftig, dabei kühl und klar. Blütige und fruchtige Noten dominieren das Spiel: weisse Blüten, grüner Banane, Mandarinenblüten, Tropenfrüchte, dazu etwas  Sahne und Vanille sowie einen Hauch von Kleber.

Am Gaumen genauso aufregend wie das aktuelle Spiel in der Verlängerung U.S.A. : Belgien. Körperbetonte Angelegenheit; gutes Passspiel, der Ball läuft in den eigenen Reihen hin und her: Tropenfrüchte, reife Birnen, vollreife Ananas, Zitrusfrüchte, dazu eine Mixtur aus Butterkeksen und Mandelkuchen (welche von den 6 Mallorca-Mandelsorten kann ich noch nicht sagen – bleibe aber dran und  verkoste weiter ;-))).

Dieser Wein ist echtes Naschwerk!! Die beiden Rebsorten sind perfekt miteinander vermählt und der schöne Schmelz, die sehr gute  Konzentration und die angenehm weiche Säure bilden gemeinsam mit einem gekonnten Holzeinsatz die perfekte Bühne für das Spiel der Frucht. Das Holz erzeugt einen dezent süßen, leicht vanilligen Eindruck, aber im Zusammenspiel mit der komplexen, tropisch-frischen Frucht und feuchten Gebirgssteinen passt das hervorragend. Wein bleibt lange haften, das Spiel geht klar in die Verlängerung 😉

 

 

2006 Torrent Negre, Miquel Gelabet – Pla i Llevant, Mallorca

89 Punkte – Diese Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah und Cabernet Franc hat sonnenverwöhnte 14,5% Alc. – der Ausbau erfolgte 12 Monate in teilweise neuer französischer und amerikanischer Eiche.

Auf Grund des  Umstands, dass Miquel Gelabert auf Mallorca seine Weine erzeugt, neigt der gemeine Weintrinker schnell in der Kategorie „Urlaubswein“ zu denken. Das dies der falsche Weg ist,  wird schnell klar – vielmehr sollte man sich ein wenig Zeit nehmen und einige seiner Weine in Ruhe verkosten. Wer nicht die die Chance hat, selbst einmal auf dem Weingut vorbeizuschauen, sollte zumindest virtuell einen neugierigen Blick riskieren http://vinsmiquelgelabert.net/ . Miquel Gelabert führt Vergangenheit und Moderne zusammen, er experimentiert viel und pflegt über 30 verschiedene Rebsorten auf seine ca. 10 ha Land.

An dieser eigentlich sehr bordeaux-geprägten Cuvée – ergänzt um Syrah –  gefällt mir insbesondere am Gaumen die Kombination aus: süßen Würzaromen, balsamischen Noten und  einem recht massiven Rückgrat aus Tanninen. Vordergründig ist der Wein  von saftigen, reifen Früchten (Pflaumen, Kirschen), Noten von Vanille und Schokolade sowie einem Hauch Kaffee geprägt. Dahinter steckt aber eine tanninbetonte Struktur, ein recht kräftiger Körper sowie eine angenehme Säure, die dem Wein Frische und Balance verleiht. Als Solist ist das Tannin ein wenig trocknend, aber zum Essen mit einem schönen, gegrillten Stück Fleisch und korrespondierenden Röstaromen, kommt der Wein genau richtig. Das geht entweder zu Hause auf dem Balkon oder noch schöner auf der Terrasse der Finca mit Blick aufs Meer….trotzdem nicht nur ein Urlaubswein!

 

2007 AN, Anima Negra – Mallorca

91 Punkte – Wieder so ein Urlaubsmitbringsel, das zwar Erinnerungen an die schönsten Tage des Jahres weckt, aber daheim – in den eigenen 4 Wänden – die Frage aufwirft: wieso, weshalb, warum habe ich das gekauft? Wer kennt diese Erfahrung nicht, aber bei diesem Wein ist es genau umgedreht! Meine erste Flasche davon habe ich in Köln gekauft und sobald ich den Wein schnupper und trinke, bekomme ich ein seltsames Fernweh nach der Insel, nach der Heimat dieses Weins. Am liebsten würde ich umgehend meine Koffer zu packen, den nächsten Flieger in die Sonne  nehmen und die Menschen treffen, die dafür sorgen, dass aus den alten, autochthonen Reben ein so wunderbarer Tropfen gekeltert wird.

Der Weinkeller Àn Negra befindet sich in der Nähe von Felanitx, im Südosten der Insel. Das Kellereigebäude stammt aus dem 13. Jahrhundert und seit dieser Zeit dient es der Herstellung von Wein. Der lokale Weinbau prägt bis heute die Landschaft (Reben im „gemischten Satz“ mit Obstbäumen). Aber erst die Reblausplage auf dem europäischen Festland im 19. Jahrhundert  brachte den Weinbau auf Mallorca richtig in Schwung. Das in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts entstandene Kellereigebäude ist ein Zeitzeichen der Blüte. Aber einer Blüte folgt in aller Regel auch eine welke Phase und umso schöner ist es, dass man heute wieder an alte Zeiten anknüpft und sich der Tugenden der Väter und vor allem der ureigensten Reben (Manto negre, Fogoneu, Prensal und Callet) der Insel besinnt.

Das 1994 von zwei „alten“ Freunden gegründete Weingut Àn Negra  nutzte zunächst die alte Kellerei „Possessio“ Son Burguera, heute verfügt man jedoch über modernste Kellertechnik. Die beiden Jungs kannten sich bereits aus der Schule, doch während Pere Ignasi sich um die Kühe und die Molkerei seiner Familie kümmerte, zog es den 4 Jahre älteren Miquel Angel nach Madrid zum Studium. Nach seiner Rückkehr verwirklichten beide einen lange gehegten, gemeinsamen Traum und kelterten in einem Milchtank ihren ersten Wein aus Trauben alter Callet-Reben.

Der AN besteht überwiegend aus über 90% Callet, mit einer kleinen Beimischung von Manto negre und Fogoneu. Die alten Callet-Reben (40-60 Jahre) stehen auf kalkhaltien Felsen, deren obere, mineralhaltige Schicht einen hohen Anteil an Eisenoxiden aufweist. Durch und durch zieht sich diese Mineralik auch im Wein, der so gar nichts mit den üblichen spanischen Festland-Tempranillos gemein hat. Der AN ist geprägt durch die kalkige Mineralik, ein tolles Spiel der würzigen Frucht (Kirschen, Wacholderbeeren, Feigen, etwas Cassis und Lorbeer) mit einer schönen Säure und gut strukturierten Tanninen. Der Wein hat eine innere Spannung, einer recht vollen Körper, ist klar und frisch und erzeugt Druck; dabei durchaus leichtfüssig und elegant. Besonders gut gefällt mir die schöne, säurefruchtige Länge, die mit einem Touch Bitterschokolade abschließt. ANimierender Trunk. Hand geht permanent zum Glas.

2010 Les Terrasses, Alvaro Palacios – Priorat

89 Punkte – Dunkles, kräftiges Kirschrot mit violetten Reflexen. In der Nase ein Korb von Pflaumen, Blaubeeren,  Kirschen und Graphit; dazu ein Touch Kakao aus dem Holz. Am Gaumen kräftige Tannine, eine schöne Frucht nach dunklen Beeren, Cassis, Schwarzkirschen und kühler Mineralik. Auch hier ein Touch ganz dunkle Schokolade (staubige 80% Kakao und mehr). Im Abgang kommen auch ein paar herbe Kräuter durch, kompakter, maskuliner Stoff, mit schönem Saft; voller Körper und gute Länge. Die Cuvee besteht gemäß der Angabe von Neil Martin aus 40% Garnacha, 45% Samso (das ist der lokale Kon von Carignan), sowie 10% Cabernet Sauvignon und 5% Syrah. Die meisten Rebstöcke sind alt, zwischen 60 und 90 Jahren. Der Ausbau erfolgte zu 20% in neuen Barriques, der Rest stammt aus einer Zweit- und Drittbelegung. Wie alle Rotweine nicht zu warm trinken und etwas Luft geben. Sicherlich mit schöner Zukunft. Für 23 Euro im Flughafen Frankfurt gekauft, eine solide und leckere Geschichte.  Die Hand geht zum Glas, nicht zuletzt   auf Grund der schönen, gut balancierten Säure.

1920 und 1928 Federico Paternina – Rioja

Federico de Paternina Josué hat im Jahr 1896 durch den Zusammenschluss von drei Weingütern seine Bodega in Ollauri gegründet. Dass man damals in der Rioja Alta nicht kleckerte, sondern  klotzte, zeigt die Anzahl der über 1000 Fässer aus amerikanischer Eiche, die damals schon den Keller zierten. Peternina verkaufte seine Bodega im Jahr 1919 an einen Banker aus Logrono, blieb ihr aber als Berater bis zu seinem Tod in der 30er Jahren erhalten. Der fleißige Banker „sammelte“ weitere Weitgüter, inklusive der Catholic Farmers Union Cooperative in Haro. Mit diesem Erwerb wurde auch der Firmensitz nach Haro verlegt. Im Jahr 1974 erwarb das schnell wachsende Konglomerat Rumasa das Weingut, doch leider stand das Firmenkonglomerat auf tönernen Füssen und wurde 1980 zur Rettung verstaatlicht. Da in diesen Jahren nichts investiert wurde, sank die Qualität der Weine und damit das Image ins Bodenlose. Der in der Rioja geborene Geschäftsmann und Weigutsbesitzer Marcos Eguizábal Ramirez erwarb 1984 Paternina für nur eine Pesete. Nach harten Jahren begann nun der Wiederaufstieg, es wurde investiert, erweitert, diversifiziert und heute ist die seit 1984 börsennotierte Firma einer der größten spanischen Wein- und Sherry-Erzeuger.

97 Punkte – Die 20er Jahre gelten – mit Ausnahme von 1923, 1926 und 1927 – als insgesamt sehr gute Jahre. Der 28er Jahrgang wird vom Kontrollrat der Region Rioja als „sehr gutes Jahr“ geführt. Der Winter war mild, ein wunderbares Frühjahr – mit vollkommener Blüte – folgte. Der anschließende Sommer war heiß und trocken, mit viel Sonnenschein und etwas, dringend benötigtem Regen im August. Der Herbst war dann entgegengesetzt ungewöhnlich kalt, während der Ernte gab es in einigen Regionen sogar Frost. Die Erträge waren auf natürliche Weise reduziert, aber – gerade in höheren Lagen – hatten die Träubchen eine exzellente Qualität (vgl. Pekka Nuikki, Drinking History, Tre Torri Verlag).

Da ich bislang häufig die Erfahrung gemacht habe, dass alte Rioja-Weine (z.B. im totalen Gegensatz zu alten Burgundern) nicht besonders viel Belüftung vertragen, haben wir die Flasche aufgezogen, kurz karaffiert und dann getrunken. Die Nachverkostung am Ende der Probe zeigte jedoch, dass der Wein mit mehr Luft noch eleganter wurde. Der 28er Paternina hat für sein Alter eine immer noch schöne, im Kern recht dunkle und gesunde rote Farbe – würde ihn eher für einen Wein aus den 60iger Jahren halten. Die Nase ist wunderbar – ein sehr feine, zarte Note von Kaffee, Malz und Vanille, dazu Schattenmorellen und getrocknete Kräuter – und irgendetwas hat mich sowohl in der Nase als auch am Gaumen an Cola erinnert. Am Gaumen erstaunlich lebendig und fein. Der Wein bietet ein filigranes und gleichzeitig intensives, aromatisches Mundgefühl mit grazilen Tanninen, einem feinen Spiel von  Karamell, Cola, Sauerkirschen (Schattenmorellen) und malzigen Anklängen – im Abgang bekommt der Wein eine elegante Note, die mich an orientalisch gewürzte Speisen erinnert. Langer, differenzierter und graziler Abgang.

93 Punkte – Der 1920 ist auf dem Papier das noch größere Jahr, der Jahrgang gilt als exzellent. Im Glas, der Nase und am Gaumen ist er dem 1928er nicht unähnlich, aber doch wirkt er wie eine Symphonie hinter einer Glasscheibe – er kann nicht ganz durchdringen. Die Klasse und Eleganz sind wahrnehmbar, aber sie nehmen einen nicht so gefangen wie beim 28er, den wir unmittelbar vorher genossen haben. Berauschend ist auch hier die feine Süße, hinzu kommt eine etwas animalische, an getrocknetes Leder erinnernde Note. Hat insgesamt nicht ganz die Länge und Klasse des 28igers.

2001 Vina Ardanza Reserva Especial, La Rioja Alta – Rioja

93 Punkte – La Rioja Alta ist ein Klassiker im Rioja. Bereits 1890 von 5 Basken und Rioja Winzern unter dem Namen "Sociedad Vinicola De La Rioja Alta" gegründet und seit 1941 unter dem heutigen Namen La Rioja Alta erfolgreich im Markt tätig, steht der Name heute für berühmte Weine, eine lange  Tradition sowie ein Konglomerat an Marken.

Vina Ardanza ist ein 30 Jahre altes Weingut in Fuenmayor im Rioja Alta Distrikt. Von hier stammen die 80% der Trauben dieser Special Reserva, die bislang nur in den Jahren 1964, 1973 und 2001 gefüllt wurde. Die verbleibenden 20% sind Garnacha aus Ausejo und Tudelilla, gelegen in Rioja Baja (wer denkt da nicht gleich an die Werbung mit dem Spülmittel 😉

Der Wein wurde 14 Tage auf der Maische in Temperatur-kontrolierten Stahltanke vergoren, anschliessend durchlief er 21 Tage die malolaktische Gärung und blieb 3 Jahre in Fässern aus amerikanischer Eiche, die eine durchschnittliches Alter von 4 Jahren hatten (die ist für mich erstaunlich, denn der Wein ist sehr deutlich vom Holz geprägt und ich habe vermutet, dass er überwiegend im neuen Holz lag). Im März 2004 kam er dann auf die Flasche; allerdings startete man mit dem Verkauf erst in 2011.

Im Glas ist er er klar und glänzend, dunkel-kirschrot und von mittlerer Dichte. Die Nase ist überschwänglich und zunächst geprägt von Kirschen und anderen roten Beeren. Die Noten aus dem Holz sind sehr deutlich, aber auch sehr animierend. Deutliche Noten von Kokos, Zimt, Tabak und diverse etherischen Anklänge bilden – gemeinsam mit der Frucht – einen wunderbaren Aromenstrauss, der ungeduldig die Hand zum Glas gehen läßt. Auf der Zunge ist der Wein dann erstaunlich elegant, fast ein wenig burgundisch. Der volle Körper bildet gemeinsam mit den weichen und reifen Tannine sowie der sehr schönen Säure ein gutes Gerüst, auf der sich die reiche Frucht sehr, sehr gut entfalten kann. Im langen und wunderbar harmonischen Abgang ist der Wein fruchtbetont. Aktuell kann der Wein mit reichlich Genuss getrunken werden, jedoch sollte man ihn vorher dekantieren.

Wer Zeit und Muse hat, wird sich sicherlich die nächsten 15 Jahre an diesem herrlichen Rioja erfreuen können, wobei ich nicht ausschliessen möchte, dass er sich in den kommenden zwei oder drei Jahren noch einmal verschliessen wird. Für  knapp unter 20 Euro ist das ein perfekter Einstieg in die Welt großer Riojas.

2006 Pintia, Bodegas y Vinedos Pintia – Toro

93 Punkte – In diesem Stadium ein Schmakofatz-Wein!! Geballte Fruchtaromen, dazu viel Schokolade, etwas Vanille und Spuren diverser Gewürze. Der Wein tritt mit seinen 15%-Alkohol sicherlich in der Schwergewichtsklasse an,  weiß aber mit seiner einschmeichelnden Art und seiner Klasse – auch die Damen  – zu überzeugen. Am Gaumen sehr schön rund und schmelzig, kleidet Mund und Rachen komplett aus. Dieser Wein ist eine Kombination aus bester mousse au chocolat und frischen Beerenfrüchten (Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren), dazu etwas Muskatnuss, ein Hauch Zimt und Vanille sowie ein kleiner Schuss Kirschwasser. Geht aber nicht nur als flüssiges Dessert –  hat mir z.B. hervorragend zu meiner kross gebratenen Ente geschmeckt; kann ich mir aber auch gut zu einem schönen Stück Rinderfilet oder Wild vorstellen. Die Jahrgänge 2004 und 2005 sind noch einen Tick komplexer und eleganter. Meine Liebste hat er trotzdem begeistert, dafür sollte es eigentlich noch 2 Punkte extra geben. Kleiner Nachtrag: Die Bodegas Pintia gehören zu der Unternehmesgruppe von Vega Sicilia (das über viele Jahrzehnte als Spaniens bestes Weingut galt)  und im Jahr 2004 ist man erstmals mit dem Jahrgang 2001 offiziell im Verkauf gewesen. (1.Abend Urlaub Österreich)

2000 Cims de Porrera Classic, Cims de Porrera – Priorat

92 Punkte – Mit dem ersten Jahrgang 1996 erzeugte dieser Wein in Deutschland großes Aufsehen und seitdem taucht er mit beständiger Regelmäßigkeit in diversen Weinforen immer wieder auf. Da ich ein großer Freund von vertikalen Verkostungen (ein Wein über diverse Jahrgänge) bin, muss ich zugeben, dass ich den Tropfen "blind" über mehrere Jahre gekauft und eingelagert habe. Nach und nach öffne ich nun die Flaschen und versuche nachzuvollziehen, warum dieser Wein ein solche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Da über das "Projekt" Cims de Porrera genug geschrieben wurde, erspare ich mir hier Details und empfehle dem interessierten Leser den Wein zu googlen. Reduziert auf meine Verkostungseindrücke läßt sich zur 2000er Ausgabe folgendes sagen: Mit einer dichten, rubinroten Farbe und offensichtlich unfiltriert fliesst er ins Glas. Die Nase ist geprägt von eingekochten roten Früchten, primär Kirschkonfitüre. Frisch geöffnet ist er irgendwie schwierig (max. 89 Punkte), aber mit etwas Luft wird er deutlich klarer in der Aromatik, auch am Gaumen wird er nach 1-2 Stunden immer schöner (aber bitte nicht dekantieren). Zunächst erinnert mich das noch etwas diffuse Aroma stark an eingekochte Früchte und ich bin nicht sonderlich begeistert, doch mit zunehmender Luft gewinnt er deutlich an Kontur und nach 1-2 Stunden ist er geprägt von einer klaren, schönen Kirschfrucht, die mit ausgereiften Tanninen und einer sehr schönen Säure unterlegt, daher kommt. Der Wein ist dann schön saftig und entfaltet sein gesamtes Potential. "Schmatzig" habe ich mir notiert, der Speichelfluß im Mund nimmt deutlich zu und ich kaue immer länger auf diesem, inzwischen herrlichen Stoff. Der Abgang wird immer länger und alle 15 Minuten ziehe ich meine Punkte nach – waren da zu Beginn maximal 89 Punkte im Glas, so komme ich nach ca. 2 Stunden schon auf 92, auch die 93 sind nicht abwegig. Ich habe in der letzten Zeit selten einen Wein aus diesem Jahrtausend erlebt, der innerhalb von 2 Stunden so zugelegt hat. Einen letzten Schluck, einen "Zungenschnalzer" und 92 Punkte als mein Bekenntnis für die Trinkfreude, die er mir bereitet hat sowie einen letzten Rest in der Flasche für die morgige Nachverkostung und die Welt ist trotz Flugverbot und kurz bevorstehendem Urlaub in Paris (wie komme ich nur dahin?) in Ordnung.

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2006 Alto Moncayo, Alto Moncayo – Campo di Borja

93 Punkte – Draußen tobt der Winter und was macht man da? Man geniesst mollige Weine, die von innen richtig wärmen. Unfassbare 16% Alkohol bringt dieses kleine Monster ins Glas – trotzdem ist dieser 100%ige Garnacha, geerntet von über 60 Jahre alten Rebstöcken keinesfalls zu brandig oder untrinkig. Ganz im Gegenteil, man muss sich bremsen, nicht ein Glas nach dem anderen zu trinken und damit risikieren, dass man am nächsten Morgen verschläft.

Im Glas verströmt der Wein satte Aromen von einem Korb voller Beerenfrüchte (Blaubeeren,  schwarzen Johannisbeeren und schwarzen Kirschen), gemixt mit ein bunten Strauß von Gewürzen (Wacholder, Zimt, Lavendel und Vanille). Am Gaumen herrlich saftig und fleischig, getragen von körnig, runden Tanninen, die strukturbildend wirken. Der beerigen Süße steht eine gute Säure und eine erstaunliche Mineralik ausgleichend gegenüber, sodass der Wein insgesamt sehr voluminös, aber nie plump wirkt. Abgerundet wird der Genuss durch einen flüssig gewordenes Stück  halbbitterer Schokolade, das – zusammen mit den Fruchtnoten – lange am Gaumen haftet. Wow, ist das lecker!!!! Kleiner Tip am Rande, nicht zu warm trinken, habe ihn mit ca. 12 Grad aus dem Keller geholt und selbst bei dieser Temperatur hat er Spaß gemacht; wird er zu warm (>18 Grad) Celsius macht sich der Alkohol immer deutlicher bemerkbar und wirkt insbesondere in der Nase zu intensiv. Eventuell Messer und Gabel bereit legen, denn eigentlich kann man diesen Wein essen, so dicht wirkt er. Zwar kostet der Wein ca. Euro 35, aber so ein hedonistisches Konzentrat wird man nicht billiger bekommen.

Zum Weingut gibt es auf der Seite von Silkes Weinkeller (www.internetoase.de) folgendes zu lesen:

"Bodegas Alto Moncayo wurde 2001 gegründet. Davor war die Winzerfamilie Teil der führenden Cooperative BORSAO in der kleinen D.O. Campo de Borja süd-östlich der Rioja.
Entscheidend für den Ausstieg aus der Cooperative war die Zusammenarbeit mit Jorge Ordonez. Jorge Ordonez ist einer der erfolgreichsten Exporteure für spanische Weine weltweit und widmet sich darüber hinaus seit einigen Jahren leidenschaftlich und mit großem persönlichen Einsatz, um die Modernisierung und qualitative Verbesserung des Weinbaus in den lange unterschätzten Weinregionen in Spaniens Süden, wie Jumilla, Calatayud und auch Campo de Borja. Durch seine Vermittlung konnte der angesehene australische Önologe Chris Ringland als Weinmacher für den Eigenausbau der Weine von Bodegas Alto Moncayo gewonnen werden. Mit seinem Know How schuf er aus den bis zu 100 Jahre alten Garnacha-Reben aus bevorzugten Weinbergen an den Hänger der Moncayo Berge, derart dichte, konzentrierte Weine mit überwältigenden Fruchtaromen und Eleganz (…)"

2001 Tirant, Rottlan Torra – Priorat (Spannendes Spanien – Flight 4)

94 Punkte – Rottlan Torra ist ein Familienbetrieb im Herzen des Priorat. Man hat bereits 1984 begonnen selbst erzeugte Wein zu vermarkten, noch bevor die „große“ Entdeckung der brach liegenden Rebschätze in der Region einsetzte. Doch richtig losgelegt im Qualitätsweinbau in der heutigen Ausprägung hat man erst 11 Jahre später, im Jahr 1995. Für mich haben die Weine von Rottlan Torra immer etwas sehr ursprüngliches, ja bisweilen auch wildes – ohne jedoch auf eine gewisse Eleganz und Trinkigkeit zu verzichten. Da passt die Geschichte hinter dem Namen „Tirant“ ganz gut : Tirant lo Blanc war ein heroischer Ritter im Mittelalter, der für seine Heldentaten weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt war. Dieser kräftige, stämmige, intelligente, oft auch raffinierte und stets elegante Ritter steht heute als Symbol für die Eigenschaften des Weines, der nach ihm benannt ist. So zumindest lautet die schöne Geschichte, die man seitens des Weingutes erzählt.

 

Bei uns im Glas steht ein überaus animierender Wein, der einerseits eine tiefe Aromatik zeigt, die an rote Beerenfrüchte und roten Tee erinnert, andererseits aber eine gewisse Leichtigkeit des Seins besitzt, die von einer wunderbaren Mineralität getragen wird. Mit zunehmender Luftzufuhr entwickelt diese Cuvee aus jeweils 25% Grenache, Carignan (von 90-100 Jahre alten Rebstöcken) und Cabernet Sauvignon sowie 15% Syrah und 10% Merlot eine feine Süße, die mir sehr gut gefällt und die u.a. dafür sorgt, dass meine Hand freudig zum Glas geht. Mit jetzt gut 8 Jahren Reife ist der Wein herrlich zu trinken, der Babyspeck ist nun abgelegt und ein mittlelschwerer, schön definierter Körper bildet die Basis für ein ziemlich elegantes und komplexes Aromenspektrum. Die schöne Länge im Abgang rundet das Bild dann nur noch ab.