2013 Mil Reis Syrah Grande Reserva, Herdade da Maroteira – Alentejo

94 Punkte – In der Uhrmacherkunst würde man von einem „Masterpiece“sprechen.

Das Familienweingut Herdade da Maroteira füllt erst seit einigen Jahren unter eigenem Label Weine ab. Den – bescheiden als „Gehöft“ (=Herdade) bezeichneten Besitz von über 540 ha Land bearbeitet die Familie mit Anglo-Portogisischen Wurzlen seit fünf Generationen. Wirtschaftliche Keimzelle und Kern der Farm ist bis heute ein stattlicher Korkeichenwald, der auf ca. 2/3 des Farmlandes steht.

Herdade_da_MaroteiraDie erst vor wenigen Jahren getroffene Entscheidung, die Trauben der eignenen Rebstöcke nicht nur zu verkaufen, sondern Wein unter dem eigenen Namen zu produzieren, hat sich schnell als Erfolgsstory herausgestellt. Mit der „normalen“ Cem Reis Syrah Reserva (für ca. 20 Euro im Handel) hat man nicht nur in Portugal schnell Aufsehen erregt und eine Erfolgsstory geschrieben.

Die 3.652 Flaschen Mil Reis sind quantitativ der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, qualitativ hat man sich damit aber in die Spitze der besten Rotweine Portugals katapultiert. Stilistisch ist man einem Top-Shiraz aus Australien näher als einem Syrah von der Côte Rôtie, aber letztlich ist dieser Weine ein portugiesisches Meisterstück.

Im Glas zeigt er ein dichtes, sattes, cassisartiges Dunkelrot mit noch leicht violetten Reflexe. Die Nase ist ein wildes Aromen-Potpourrie von dunklen Beerenfrüchten, edlen Hölzern, balsamischen Noten, überzogen von einem feinbitteren Schokoladenguss.  Am Gaumen erstaunlich cool für seine 15,5 Prozent Alkohol. Unter der seidigen Softtouch-Oberfläche präsentieren sich eine feingliedrige Wildbeerenfrüchte, perfekt verwoben mit balsamischen Noten, getrockenten Kräutern, Feigen- und Zedernholzaromen.  Ein kraftvoller und mächtiger Körper sind dank der guten Struktur nicht die Grundlage einer sattmachenden, aromatischen Fruchtbombe, sonders die Attribute eines dichtmaschigen und saftigen Weins, der mit feinen und eleganten Zwischentönen zu überzeugen weiß. Das edle Holz verleiht dem Wein eine kühle Eleganz und Charme. Wegen der Verbindung von Kraft und Körper mit einem subtilem Charme kann man dem Wein nur schwer widerstehen und bei einem Glas am Abend wird es sicher nicht bleiben. Schöner Partner zu geschmortem Fleisch oder als Solist mit einem guten Buch.

Georgien – Die unentdeckte Weingeschichte

Am 8. Februar gab es in Hamburg die rare Möglichkeit mit fachkundiger Begleitung ein Dutzend georgischer Qualitätsweine zu probieren. Neben Weinen von Teliani Valley, einem großen, in den 90er Jahren privatisiertem Staatsbetrieb, gab es Weine von Schuchmann Wines, einem kleinen privaten Erzeuger, der z.Zt. rund 150.000 Flaschen Qualitätswein jährlich produziert, davon die Hälfte in Quevris (Amphoren). Der Önologe für alle Weine ist der Georgier Giorgi Dakishvili, der zunächst für Teliani Valley arbeitete und seit 2008 die Schuchmann-Weine verantwortet. Firmengründer Burkhard Schuchmann, langjähriger Vorstandschef vom Bahntechnik-Anbieter Vossloh, gründete diese Kellerei als Seiteneinsteiger im Jahr 2008.

Teilnehmer der Probe waren u.a. Angeles Tegtmeyer (Teilhaberin und Sales-Managerin von Schuchmann Wines), Andre Hain (Geovino, Fachhandel für Georgische Weine in Hamburg) und Kulturwissenschaftler Florian Mühlfried, der über die Besonderheiten des Georgischen Banketts promoviert hat und sich viel mit Quevri-Weinen beschäftigt.

Georgien hat mit 8.000 Jahren die längste Weinbaugeschichte der Erde. Das Land von der Größe Bayerns liegt zwischen schwarzem und kaspischen Meer sowie dem hohen Kaukasus im Norden und dem kleinen Kaukasus im Süden. Es hat – ähnlich wie Deutschland – eine Rebfläche von knapp 100.000 ha. Zahlreiche Nebenerwerbswinzer stellen vorwiegend einfachen Wein für den häuslichen Gebrauch her. Die rund 50 größeren Betriebe sind sehr stark exportorientiert und vor allem auf Russland (70%) ausgerichtet. Wein ist neben dem Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Boykott Russlands Mitte der 00er Jahre traf Georgien deshalb sehr hart. Inzwischen sind die Wirtschaftsbeziehungen wieder vielfältiger geworden.

Das wichtigste Anbaugebiet ist Kachetien, das nordöstlich von der Hauptstadt Tiflis liegt.

Hier werden 70% der georgischen Trauben produziert, von denen viele seit Jahrtausenden in den traditionellen Tonamphoren (Quevris) ausgebaut werden. Zwei Drittel sind mit roten Sorten bestockt, wobei die wichtigste Qualitätstraube die autochthone Saperavi ist.

Text: Mathias Fahrig

 

Weißweine

2007 Tsolikauri, Teliani Valley – Georgien

88 Punkte – Zartes Strohgelb, feine Nase mit vielen Blüten und weißen und gelben Früchten; erstaunlich frisch, tolle geschmeidige Fülle am Gaumen, gute Reife, hat aber sicher noch einige Jahr vor sich, erinnert an Arneis; Rebsorte: Tsolikauri; 10 Euro

2008 Tsinandali, Teliani Valley – Georgien

84 Punkte – Strohgelb, deutlicher Holzton in der Nase, am Gaumen wenig Frucht aber viel Vanille, gelbe Früchte, etwas spannungslos; Rebsorte: Rkatsiteli, 10 Euro

2012 Mtsvane, Schuchmann  – Georigen

88 Punkte – Zartes Strohgelb, Blüten, Citrus und etwas Nüsse in der Nase, tolle Frische am Gaumen mit gutem Zug, erinnert an Silvaner; Rebsorte: Mtsvane, 7 Euro

2011 Vinoterra, Schuchmann  – Georgien

87-91 Punkte – Der 6 Monate mit Maische und Hefe im Quevri ausgebaute Wein hat eine goldgelbe Farbe. Nase von Heu, Brennessel, Kandis. Am Gaumen dezente Tannine, Backpflaumen, Dörrobst, Quittenkaramell, Mandarine, ein dezenter und harmonischer Vertreter eines Orange-Weins. Am zweiten Tag deutlich runder und saftiger mit guter Länge; Rebsorte: Mtsvane, 13 Euro

 

Rotweine

2007 Napareuli, Teliani Valley – Georgien 

84 Punkte – Klares mittleres Rubin; Blaubeeren, etwas trocknend am Gaumen, etwas grob in der Aromatik, Rebsorte: Saperavi, 10 Euro

2007 Unfiltered, Teliani Valley – Georgien

88 Punkte – Dichtes mittleres Rubin; Leder, Blaubeere, rote Johannesbeeren, am ersten Tag etwas trocknend, mit mehr Luft frischer, saftiger, etwas metallische Säure und gute Länge; Rebsorte: Saperavi, 20 Euro

2009 Estate Line, Schuchmann – Georgien

86 Punkte – Mittleres Rubin; Nelke, Rote Beete; stoffige Frucht am Gaumen, Schoko und Kirsche, wirkt etwas Grün und bäuerlich schlichter als die anderen Schuchmann-Weine; Rebsorte: Saperavi, 8 Euro

2009 Golden Line, Schuchmann – Georgien

92 Punkte – Der Wein wird von Hand gelesen, vergärt 21 Tage in Quevris und wird danach im Stahl ausgebaut. Dunkles Rubin; dichte komplexe Nase, sehr stoffig und fest am Gaumen, aber nicht trocknend, Blaubeere und Kirsche, schöner frischer Säurestrang, Pflaumen, wild und druckvoll, dabei kühl, klar und lang; erinnert an Cahors; Rebsorte: Saperavi, 27 Euro

2008 Golden Line, Schuchmann – Georgien

89 Punkte – 20 Tage in Quevris vergoren, dann 24 Monate französische Barrique, ungefiltert abgefüllt. Dunkles Rubin; deutliche Vanille und Röstaromen, sehr international, trinkig, aber auch etwas beliebig wirkend, Rebsorte: Saperavi, 20 Euro

 

Liebliche Weine

2007 Ojaleshi, Teliani Valley – Georgien

84 Punkte – Sehr helles Rubin, erinnert an lieblichen Pinot, Sangria, schlicht; Rebsorte: Ojaleshi, 15 Euro

2008 Kindzmarauli Silver Line, Schuchmann – Georgien

89 Punkte – Der Wein hat 38g Zucker und 7,5g Säure. Komplexe dichte Nase, Milchschokolade, Nelken Cassis, rote Beeren, guter eingebundener Gerbstoff, der zusammen mit der angenehmen Säure die Süße gut einfängt; Rebsorte: Saperavi, 10 Euro

2011 Vinoterra, Schuchmann – Gerogien

90 Punkte – Die Trauben werden nach der Ernte mehrere Wochen getrocknet und dann im Quevri ausgebaut. 68g Zucker. Helles Goldgelb; Kandis, Zigarre, kalter Rauch, grüne Banane, etwas Gerbstoff spürbar, leichtes Bitterle, und deutlich weniger süß wirkend, ungewöhnlich und fordernd; Rebsorte: Rkatsiteli, 25 Euro

2006 Punto Final Malbec Reserva, Bodega Renacer – Argentinien

89 Punkte – Malbec ist die Rebsorte, die es in Argentinien "geschafft" hat. Zwar wird sie heute noch in Frankreich, Italien und Spanien angebaut, aber ihre einstige Bedeutung als Bestandteil des sogenannten Bordeaux-Verschnitts hat sie verloren. Unter ihrem Zweitnahmen Côt prägt sie heute noch eine Vielzahl von Weinen aus dem Cahors (Frankreich), aber in ihrer neuen Heimat Argentinien bekommt sie die Beachtung, die sie verdient hat. Der französische Agronom Aimé Pouget hat sie dort Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführt und seit dem hat sie sich zur bedeutensten Rebsorte des Landes aufgeschwungen.

Die Bodega Renacer liegt am Fuße der Anden in atemberaubender Landschaft und kultiviert auf über 28ha Malbec. Die Trauben für diese schöne Reserva stammen von zwei Rebanlagen, die auf einer Höhe von 900 bzw. 1100 Metern liegen. Durch die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht hat dieser Wein eine schöne Säurestruktur. Er ist saftig, dicht und besitzt eine ausgewogene Extraktsüße, die mit den würzigen Aromen kombiniert, einen sehr trinkigen Wein ergibt. Die Nase ist geprägt von dunkler Beerenfrucht, edlem Holz und Würzaromen, die ich u.a. mit einer Kombination aus rotem Pfeffer, Kakao und Gewürznelken assoziiere. Am Gaumen stellt sich eine Harmonie aus Süße, Saft, Säure, dunklen Früchten (Pflaume, süße Brombeeren)  und einer schönen Würzigkeit ein, wobei auch hier wieder die Nelkenaromen und der rote Pfeffer aromatisch hervorzuheben sind. Das Tannin ist reif, rund und durchaus kräftig, sodass der Wein Lagerpotential für ein paar Jahre besitzt. 

Handwerklich ist der Wein auf hohem Niveau bereitet, die Trauben stammen von über 50 Jahre alten Rebstöcken, sind von Hand gelesen und selektioniert. Die Fermentation erfolgte mit natürlichen Hefen über 17 Tage in Stahltanks bei einer Temperatur zwischen 27° und 31° Celsius.  Die malolaktische Gärung und der Ausbau erfolgte in französicher Eiche über ca. 10 Monate. Der Wein kommt anschließend ungefiltert auf die Flasche. Mit hat er am zweitern Tag deutlich besser geschmeckt, als direkt nach dem Öffnen der Flasche, daher empfehle ich, ihn ein paar Stunden vor dem Genuss zu dekantieren, falls man ihn direkt geniessen möchte.

1999 Cabernet Sauvignon Premium Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski6)

92 Punkte – Gesehen habe ich diese Premium-Version der „normalen“ Reserva noch in keinen Weinhandel, aber umso schöner, dass wir sie – Dank Mathias – verkosten konnten. Laut Etikett hat man für diesen Wein nur die „reifesten Trauben von den ältesten Rebstöcken, die man finden konnte“ (Klasse Formulierung 🙂 verwendet. Für den 12-monatigen Fassausbau hat man zu 100% neue Hölzer verwendet. Beweis für die besonders reifen Trauben sind die 14% Alkohohl – gegenüber 12,5% bei der „einfachen“ Reserva aus gleichem Jahrgang.

 

Die Nase wirkt kühl und zeugt von reifen, dunklen Früchten. Hinzu kommt ein Touch Vanille, Schokolade und die kühle Frische von Eukalyptus und Minze. Am Gaumen ein ähnliches Bild, saftig, voll ausgereifte Tannine und eine dunkle, kühle Frucht (Knubberkirschen, Cassis, Zwetschgen), die kombiniert mit ätherischen Noten sowie Anklängen von Schokolade und  Zedernholz zu einem kraftvollen und eleganten Wein beiträgt. Diesen Wein würde ich gerne in jede Bordeaux oder Napa-Probe als Pirat einschmuggeln.

1999 Cabernet Sauvignon Reserva, Zar Simeon – Bulgarien (Ski 5)

85 Punkte – Es war schon lustig, wie wir um diesen – ebenfalls blind getrunkenen – Wein herumgeraten haben. Letztlich lag ich nicht ganz daneben, wurde aber für meine etwas flapsige These: „Ostblock“ gescholten und gefragt, ob ich die letzten zwei Jahrzehnte Winterschlaf gehalten habe. Dennoch wurde es zum running gag des Skiurlaubs und bei jeder Flasche Wein, zu der wir bei unserem allabendlichen Weinquiz  keine rechte Meinung hatten, kam die Frage: „Ostblock“? 

 

Gut gereift und immer noch schön frisch zeigt sich diese Cabernet Reserva. Zu Beginn recht schlank, baut er im Glas jedoch leicht aus und eine recht saftige Kirsch- und Cassis-Frucht kam zum Vorschein. Mag es das Bitteraroma von Orangenzesten sein oder ist es kleines Bitterle aus dem Fassausbau, richtig stören tat es nicht und letztlich hatten wir einen ordentlicher Wein, mit Struktur, Substanz und einer gewissen Länge im Glas.   

 

2004 Cabernet Sauvignon St. George Reserve, Petra Winery (Zumot Group) – Jordanien

86 Punkte – Es war schon überraschend, wo meine lieben Weinfreunde überall waren, als dieser Wein blind ausgeschenkt wurde und es darum ging, zu definieren, was da im Glas ist, und wo es herkommt. Doch eines freute mich ungemein, dieses Mitbringsel aus dem letzten Urlaub war kein schlechter Wein, sondern eher das Gegenteil, ein respektabler Stoff aus einem Land, in dem zwar viele, viele Rebstöcke stehen, aber (aus religiösen Gründen) fast nur Tafeltrauben angebaut werden. Die Weinberge für diesen Wein wurden im Jahr 1995 mit französischer Hilfe angelegt und sie befinden sich allesamt in der Region um die Stadt Madaba, ca. 30km südlich von Amman. Die von den Moabitern gegründete Stadt wird bereits in der Bibel mehrfach erwähnt. Unser Wein wurde nach der frühbyzantinischen St. Georgskirche benannt. Diese Kirche ist weltberühmt, da sie das „Madaba-Mosaik“, die älteste (6. Jh.n.Chr.), im Original erhaltene kartografische Darstellung des Heiligen Landes und insbesondere Jerusalems beherbergt.

 

Der Wein ist recht hell in der Farbe. In der Nase wirkt er frisch, mit Anklängen an Paprika, Kirschen und Lakritz. Am Gaumen zeigt er ebenfalls eine angenehme Saftigkeit (von voll ausgereiften Beeren darf man hier auch ausgehen) und eine angenehme Frische. Die recht kräftige Säure steht ihm gut. Vom Körper eher mittelgewichtig, zeigt die eher rotbeerige Frucht sich von ihrer attraktiven Seite. Die ausgereiften Tannine geben die nötige Struktur und so steht ein schöner, insgesamt in sich schlüssiger Wein vor uns. Schade, dass ich nur eine Flasche mitgenommen habe. Jetzt oder in den nächsten 12-18 Monaten trinken.

 

 

2008 Marlborough Sauvignon Blanc, Lake Chalice Wines – Neuseeland

85 Punkte – Ja, richtig gelesen, Jahrgang 2008. In den Kellern der deutschen Winzer blubbern und brodeln die Weine aus der 08er Ernte teilweise noch, da stehen die Weine aus der Neuen Welt schon eine ganze Zeit bei uns im Regal, denn Dank der umgedrehten Jahreszeiten (bei uns Frühjahr, auf der Südhalbkugel Herbst) haben diese Weine einen zeitlichen Vorsprung von einem halben Jahr.

 

Dieser eher einfache Sauvignon ist auf besondere Weise interessant; einerseits lebt er von seiner unglaublich frischen, direkten Art, andererseits habe ich die Flasche 4 Tage bei Zimmertemperatur in der Küche stehen gehabt und nach einer kurzen Abkühlung im Eisfach schmeckt der Wein immer noch genauso wie 4 Tage zuvor: viel frische Stachel- und schwarze Johannisbeeren, Maracuja und Grapefruit. Auch grasige Noten sind deutlich zu erkennen. Trotz aller Frische ist mir dieser Wein zu "gerade aus", da ist kein Spiel, keine versteckte Nuance, da ist nur "Ich-spring-Dich-an—ich Frucht"!!

Mit welchen Mitteln dieser Wein produziert ist, sodass er nach vier Tagen immer noch so frisch ist, möchte ich eigentlich gar nicht wissen. Das Ausgangsmaterial stammt aus 7 verschieden Weinbergen und wurde (gekühlt) zur Kelterhalle transportiert. Dort – so nehme ich es zumindest an – wird man Aromen- und Reinzuchthefen zugesetzt haben und auch vor Enzymen zur Geschmacksintensivierung nicht Halt gemacht haben. Aber ich möchte hier niemanden verurteilen, denn meine Vermutungen kann ich (leider) nicht nachweisen. Dieser Wein ist unglaublich frisch, hat ein kräftige Säure und man kann ihn durchaus als "Muntermacher" bezeichnen. Allerdings hat dies – für mich – mit klassischem Sauvignon Blanc nichts zu tun.

 

2008 war in Neuseeland für die Winzer ein perfektes Jahr: der Witterungsverlauf war nahezu optimal und die Ernte war groß wie nie – ohne dass die Qualität zu sehr gelitten hat.

Der Spass kostet ca. Euro 12,- und wird von der Weinhandlung Apell aus Kassel importiert. (www.apell.de). Andere Händler findet man über www.google.de

2007 Santorini, Domaine Sigalas – Griechenland

86 Punkte – Das Ergebnis meines Mövenpick Besuchs von vor 14 Tagen war, dass ich eine Flasche grichischen Weißweines  – als Empfehlung – mit nach Hause nahm. Da ich nahezu keine Trinkerfahrung mit griechischen Weine habe (außer ein paar, über die man besser schweigt) war ich schon ziemlich neugierig auf die Dinge, die da vor mir im Glas standen.

Doch zuvor wollte ich mehr erfahren, über den Produzenten und die Rebsorte "Asyrtiko". Im Zeitalter der totalen Information war es auch nicht schwer, denn  seitens des Erzeugers unterhält man eine recht schöne, informative  und umfangreiche Webpage (http://www.sigalas-wine.com).

Die Insel Santorini (gleichnamig zum Wein) gehört zu den Kykladen in der grichischen Ägais; der Boden ist geprägt durch Sand, vulkanische Asche und Bimsstein mit Magnesium und Eisenanteilen. Der extrem hohe Sandanteil hat – so kann man auf der webpage lesen – verhindert, dass die Reblaus sich verbreitet hat und so stehen wohl auch noch heute die Reben nicht auf amerikanischen Unterlagen. Gemäß Etikett sind die Rebstöcke des Weines vor mir älter als 40 Jahre, was für mich – in Kombintion mit dem vulkanischen Gestein – ein Grund für die schöne Mineralik ist.Die Rebsorte Asyrtiko hat auf der Insel einen Rebflächenanteil von ca. 70% und dominiert somit den lokalen Weinbau.

Der Wein ist von kräftiger, strohblonder Farbe, die Nase duftet intensiv nach grünen und gelben exotischen Früchten, ein Hauch von Honig und Kräutern schwingt mit. Am Gaumen zeigt  dieser Wein einen schönen Schmelz und intensiven Körper, prall gefüllt mit grünen und gelben Früchten (z.B. Birne und Apfel). Auffällig für einen Wein aus einer so südlichen Lage ist die frische Art, die kräftige Säure und vor allem auch die erkennbare Mineralik. Dies alles bildet einen Gegenpol für den ansonsten recht barocken Weißwein und so macht auch das zweite und dritte Glas noch Freude – man ist nicht zu schnell satt.

Mit ca. Euro 12,- ist dieser Weißwein nicht wirklich billig, aber auf der anderen Seite eine mir sehr willkommene Alternative, um aus den gewohnten Trinkgewohnheiten mal auszubrechen.  Zur Grüne-Bohne-Suppe mit Kartoffeln und Birnen eine gute Wahl für ein schönes Herbstessen.

2005 Montes Alpha Syrah Colchagua Valley, Montes – Chile

88 Punkte – Ich glaube, dieser Wein ist ein perfekter Generalist – er dürfte sowohl dem unerfahrenen Weinnovizen als auch dem Connoisseur von Welt Trinkspass bereiten. In der Nase üppig nach Cassis, Blaubeeren und reifen Holunderbeeren riechend. Daneben nehme ich eine gewisse Würze war, die an frisch gestoßene Wacholderbeeren, Tabak und an einen regennaßen Lorbeerwald (habe ich mal auf Teneriffa erlebt) erinnert. Am Gaumen gehaltvoll; dicht; mit ausgereiften, runden Tanninen; weich auf der Zunge, saftig und kraftvoll. Die Aromen korrespondieren mit den nasalen Eindrücken, etwas Erdbeersahne kommt hinzu;  schöne Extraktsüße. Den recht hohen Alkohol bemerkt man, wenn man den Wein schon geschluckt ha – es wird "warm" im Magen.

Der Wein stammt aus dem Apalta Weinberg im Colchagua Tal; die Erträge wurden niedrig gehalten und Aurelio Montes hat neben Syrah auch  7% Cabernet Sauvignon und 3% weißen Viognier dem Wein mit auf den Weg gegeben.

Die Kellerei Montes ist sicherlich eine der führenden in Chile, das Angebot reicht von einfachen, preiswerten Weinen bis hin zum großen Montes Alpha M, der mit dem Jahrgang 1996 zum ersten Mal auf den Markt kam. Der Syrah 2005 vor mir im Glas entstammt einer der mittleren Produktlinien. Eines vereint die Weine der Kellerei Montes: sie bieten in allen Klassen sehr gute Qualität für ihren Preis.

Die webpage (http://www.monteswines.com) ist übersichtlich gestaltet und informativ. Den Syrah 2005 gibt es für ca. Euro bei Jacques Weindepot.

2005 Pinot Noir, Gantenbein – Graubünden

93 Punkte – Martha und Daniel Gantenbein gehören  zu den berühmtesten Winzern der Schweiz und es ist verdammt schwierig an den Stoff zu kommen –  selbst im Nobelort St. Moritz ist es mir im vergangenen Winter nicht gelungen, diesen stets gesuchten Wein zu erhaschen. Um so erfreuter war ich, als ich im Frühjahr – bei einem geschäftliches Aufenthalt in Zürich – zwei Flaschen Pinot Noir (auch wenn es nur 0,375 Flaschen sind) erstehen konnte.

Dieser Pinot ist wie aus einem Guß gemacht, nichts zu viel, aber auch nichts, was fehlt. Der Wein ist fest, druckvoll und glockenklar. Das Bukett duftet wunderschön nach Veilchen , Cassis, Kirschen, etwas Kaffee und einem Hauch Menthol. Am Gaumen frisch und saftig; bestens definiert; intensive und komplexe Aromatik; kühle Art, komplex, mit erkennbarer Mineralik. Die feine Extraktsüße bändigt die Holzaromen vorzüglich und auf dieser Basis gleitet der Wein in sein langes, finessenreiches Finale.

Ein schönes Interview mit den Eheleuten Gantenbein findet man hier:

http://www.textatelier.ch/files/journalismus /via_2004/interviews/Martha_Daniel_Gantenbein.pdf