2001 Syrah Piggott Range, Clarendon Hills – McLaren Vale, Australien

94 Punkte – Ja, ich bekenne, ich bin ein richtig grosser Fan von den Weinen von Roman Bratasiuk. Der Piggott Range Syrah steht in der hauseigenen Qualitätspyramide eine Stufe unter dem „Astralis“ – dem besten Wein des Hauses, aber nach meinem Empfinden trennt sie nicht mehr als Flügelschlag.

Der Weinberg für den Pigott Range wurde 1965 angelegt, der Boden hat als Auflage eine Schicht von reichem, grau-roten Lehmboden, darunter befindet sich blanker Fels. Erstaunlicherweise animiert dies die Rebstöcke sich besonders anzustrengen und die Dinge in den Beeren massiv zu konzentrieren – die Weine aus dieser Lage sind besonders reich an Tannin, Farbe und Fruchtaroma. Was die webpage schon verrät, hat sich an diesem Abend voll bestätigt. Blutjung(!) nach 11 Jahren, sehr kraftvoll, reich und konzentriert, die Statur eines 10-Kämpfers. Der Wein hat eine intensiv dunkle und kühle Frucht von schwarzen Beerenfrüchten; Mund und Nase sind geprägt von  Kräutern im Allgemeinen und Thymian im Besonderen. Dazu gesellen sich Rauch und eine kühle, ausgeprägt mineralische Note. Die seidige, geschliffene Oberfläche veredelt diesen Weingiganten und so macht es auch schon heute Spaß, sich einen ersten Eindruck von diesem „Jürgen Hingsen (für alle in meinem Alter)  oder Ashton Eaton (Olympia Gold 2012) des Syrah“ zu verschaffen. Ansonsten kann ich mich nur der Empfehlung des Weingutes anschließen: „Recommented cellaring for a minimum of 15 years and enjoy for 50.“

2001 Run Rig, Torbreck – Barossa Valley, Australien

97 Punkte – Über meinen Besuch bei Torbreck – im Rahmen meiner Australienreise in diesem Frühjahr – habe ich schon ausführlich berichtet. Umso gespannter war ich auf diesen Syrah des Jahrgangs 2001, der die Qualitätsspitze dieses Ausnahmeerzeugers repräsentiert.

Anders als der Astralis ist der Run Rig kein Single Vineyard Wein, sondern stammt aus unterschiedlichen Ecken des Barossa Valley. Marananga, Koonunga Hill, Moppa, Seppeltsfield and Greenock sind klingende Lagennamen und die Rebstöcke sind zwischen 40 und 140 Jahren alt. Die wurzelechte Unterlage muss man in Australien eigentlich nicht erwähnen, denn die Reblaus hat hier nie gewütet, aber dass David Powell jedes Jahr ca. 3% Viognier – nach Rhône-Vorbild – separat vergärt und mit dem Syrah verschneidet, hat wahrscheinlich Einfluss auf den Ausdruck des Weins. Ausgebaut wird der Syrah ca. 2,5 Jahre in französischer Eiche, davon waren beim 2001er  70% neues Holz. Nach dem Ausbau wird der Wein ungefiltert auf die Flasche gebracht.

Der 2001er Run Rig ist immer noch ein Sunny Boy mit Herz und Hirn. Was für eine Konzentration und Saftigkeit, trotzdem nicht schwer oder behäbig; viel süße Frucht, Pflaumen, Heidelbeer-Tarte, Brombeeren, Creme de Cassis, Tinte, sowie ein Touch von Kaffee und Minze. Dazu gibt es – wie bei Côte Rôtie Weinen aus dem fernen Frankreich üblich – einen Eindruck von verbrannter Erde, der mich beim Run Rig an gegrillte Datteln im Speckmantel erinnert. Dieser 2001er Run Rig ist reich und komplex. Eine dralle Schönheit, der man schwer widerstehen kann; der Wein macht an, ist aber zu keiner Zeit vordergründig, sondern bewegt Seele und Geist. Bob Parker und der Winespectator stehen noch mehr als ich auf dieses „Zeug“ und vergaben in ganz seltener Einigkeit 99 bzw. 98 Punkte. Für mich ein, zwei notch zuviel, denn in Sachen Eleganz fehlt das letzte Quentchen, trotzdem jetzt und sicherlich in den nächsten 15 Jahren Hendonismus pur.

1996 Astralis, Clarendon Hills – McLaren Vale, Australien

97 Punkte – Im Weinberg dieses großen Syrah gestanden zu haben, ist nicht Voraussetzung ihn trinken zu können, doch weitet es den Blick und man versteht, warum dieser Tropfen eine Qualität aufweist, die ihn in die Klasse der Top Ten Syrahs weltweit geführt hat. Der Astralis ist einer der wenigen single vineyard Weine in Australien; der Weinberg hat eine Steigung von 45 Grad und ist genau nach Osten ausgerichtet. Der nur 15 km entfernte Ozean bringt,  insbesondere am Abend, ein kühle Brise und damit eine für die Säurebildung positiv wirkende Tag-Nacht Absenkung in der Temperatur. Die Rebstöcke sind fast 100 Jahre alt (1920 gepflanzt) und die Erträge sind klein bis winzig. Die Oberfläche des Bodens ist ein mit Steinen / Kiesel durchzogener, grau-rötlicher Lehmborden, darunter befindet sich purer Eisenstein. Einst wurden die Reben erzogen, inzwischen stehen die Büsche frei  und werden nicht angebunden. Neben dem Gnadenberg-Weinberg (für den Hill of Grace von Henschke) war dies die einzige, nicht künstlich bewässerte Rebanlage in Australien, die ich gesehen habe.

2002 schrieb Robert Parker, dass dieser Wein noch 10 weitere Jahre der Lagerung bedarf, bevor er sein ganzes Potential ausspielt. Auf mich wirkte der Wein auch heute noch unglaublich jung. Ganz frisch im Glas zeigte er eine satte, saftige Frucht, die im ersten Moment etwas überreif wirkte. Doch der Eindruck verschwand schnell und der Wein zeigte seine wahre Statur. Ein perfekt trainierter Körper, bestens definierte Muskeln (=Tannine) -dazu viel Sex-Appeal. Noten von Eisen und Blut, dunklen Beeren, Cassis, etwas Schokolade, Veilchen, Nadelwald sowie einem Touch Menthol. Der Wein ist kraftvoll, klar und hervorragend balanciert, die Oberfläche ist seidig und elegant. Kurzum: großer Stoff, jetzt perfekt zu trinken, wird aber auch noch im nächsten Jahrzehnt richtig Freude machen und viel Genuss bereiten.

1998 Barossa Shiraz, Peter Lehmann – Barossa Valley, Australien

90 Punkte – Ein schöner Wein zum „Einrollen“ für eine Probe. Peter Lehmann ist einer jener Erzeuger, der in Australien zu den ganz Großen zählt, ein paar Millionen Flaschen werden jedes Jahr erzeugt. Trotzdem bleibt die Qualität nicht auf der Strecke. Einst wurde dieser „Supermarktwein“ für 14 DM angeboten und der Hamburger Weinjournalist Mario Scheuermann attestierte ihm ein sehr gute Qualität und ein langes Leben von mindestens 15 Jahren. Ich kann mich noch gut an die lebhafte Diskussion im Forum von www.wein-plus.de erinnern, der anschließende Run auf den Wein war einzigartig. Die 15 Jahre sind nun fast um und der Wein ist immer noch ein Schmakkofatz: schwarz-süße Aromatik, Blaubeeren, durchzogen mit Kräuternoten, Lakritz, etwas Schokolade und ein Touch Minze. Nicht mehr ganz so dicht und saftig, wie in seiner Jugend, aber immer noch aromatisch. Das Alter steht ihm gut – jetzt kurz vor der Pensionierung.

Down Under Cellar Doors – TORBRECK

Die Seppeltsfield Road ein wenig weiter hinunter (vom Barossa Valley Estate kommend) und schon war ich an der Kellertür von Torbreck Vintners, dem Inbegriff eines erfolgreichen, inhabergeführten Weinbaubetriebes in Australien. Wer die Chance hat, große Teile – oder vielleicht sogar die gesamte Range – der Weine von Torbreck zu verkosten, kommt nicht umhin, diesem Weingut ein hohes Maß an Streben nach Individualität und Perfektion zu bescheinigen.  Mich hat insbesondere die Akribie im Umgang mit jedem einzelnen Weinberg (bzw. Teilen davon) fasziniert. Dies unterscheidet Torbreck von vielen anderen australischen Winzerbetrieben und ist wohl auch ein entscheidender Grund dafür, dass so herausstehende Gewächse auf die Flasche gebracht werden. Der umfangreiche Schatz alter Rebanlagen – teilweise über 100-jährige Weinstöcke – sind ein weiteres Pfund, mit dem man bei Torbreck wuchern kann.

Auf der anderen Seite kann man in Sachen Selbstbewusstsein und „Wie schöpfe ich die maximale Marktrendite ab“, von David Powell, dem Eigentümer von Torbreck, sicherlich noch gehörig lernen. Schon vor Jahren war sein RUN RIG im obersten Weinpreissegment etabliert, aber mit seinen $700,- (ab Hof!!  😯  🙄 ) für einen neu lancierten „THE LAIRD“ schießt er den Vogel ab. Ihm gehört damit die Krone für den teuersten Ausi-Wein, den ich kenne. Einerseits setzt David Powell und seine Mannschaft konsequent das riesige Weinbergspotential in herausragende Qualität um, andererseits hat er erkannt, dass es nicht einmal einer langen Tradition und Geschichte bedarf (wie z.B. bei Chateau Latour oder Margaux), um den snob effect der Reichen und Schönen in Asien, Amerika und Europa zu bedienen. Auf die Frage wie viel Arbeit der Verkauf eines solch teuren Weins macht, bekam ich von dem freundlichen Menschen bei dieser „open cellar Verkostung“ zur Antwort: „meist viel einfacher als bei preiswertem Wein“.

Wer eintauchen will in die Vielfalt der Torbreck-Weine, dem sei die Webseite  ans Herz gelegt – ich habe selten eine so informative und klar gestaltete webpage gesehen. Was hatte ich nun im Glas bei meinem Besuch vor Ort? – Los geht’s:


2010 Woodcutter’s Semillon
(100% Semillon) $ 17,50 – Der erste und preiswerteste Wein auf der langen Liste von Torbreck ist ein frischer und lustiger Geselle. Sauber, klar und unkompliziert.  Ein schneller, jung zu genießender Schluck, der den Gaumen mit seinen Citrusaromen erfrischt. Viel mehr Worte muss man nicht machen. – 84 Punkte 


2010 Woodcutter’s RVM
  (63% Roussanne, 21% Viognier, 16% Marsanne) $21,50: Duftiger, dichter Stoff im klassischen Rhone-Stil; mittelgewichtig, mit ansprechendem Schmelz und ausreichend Säure. Insgesamt  mangelt es ihm etwas an aromatischer Tiefe, aber seine nicht zu schwere Art empfinde ich als sehr angenehm. Die Grundweine dieser Cuvée wurden jeweils einzeln ausgebaut, dann lagen sie – jeder für sich 7 Monate – auf der Feinhefe, um anschließend zu dieser Cuvée vermählt wurden. Jetzt trinken. – 86 Punkte


2009 Roussanne, Marsanne Viognier
(55% Rousanne, 25% Marsanne, 20% Viognier) $37,50:  Eine richtig ansprechende Cuvée! Weich und schmeichelnd auf der Zunge, durchaus mit Anspruch. In der Nase dezente Wachsnoten, florale Anklänge (weiße Blüten), kombiniert mit exotischen Früchten und einem Touch Honig. Am Gaumen ganz ähnliche Eindrücke; schöner Schmelz, angenehme Säure, mittlere Länge.  Jetzt und in den nächsten 3 Jahren herrlich zu trinken. – 88 Punkte


2010 Cuvée Juveniles
(60% Grenache, 20% Shiraz, 20% Mataro) $25,00: Bei Mataró musste ich erst einmal nachfragen – man sagte mir, dass sich dieses Wort leichter sprechen lässt als Mourvèdre (letztlich ist Mataró das katalanische Wort für eben diese Rebsorte) und sich dieses Synonym – in Australien und im asiatischen Markt – durchgesetzt hat. Würzige, kühle Nase mit etwas an Blut erinnernden Anklängen. Am Gaumen saftig, fruchtig, mit dezent würzig-erdigem Einschlag. Schöner Einstiegswein in die rote „Fraktion“.  – 88 Punkte


2008 The Steading
(60% Grenache, 20% Shiraz, 20% Mataro) $37,50: Vielen deutschen Weintrinkern mit Interesse an australischen Weinen dürfte dieser Name bekannt sein, denn er wird auch in Deutschland vermarktet und ich kann mich erinnern, dass der 99er Jahrgang mit seinen 94 Parker-Punkten und einem noch bezahlbaren Preis bei uns Furore machte.  Der jüngere Bruder aus 2008 war mir dann doch ein wenig zu geschminkt und überreif. Die Frucht ist voll und saftig; die Aromen von dunkeln Waldbeeren sind dem Rumtopf aber zu nahe und die 15% Alc. kann er ebenfalls nicht einfach wegstecken. – 86 Punkte 


2010 Fish’s Shiraz
(100% Shiraz) $29,50: Ein Wein aus ganz jungen Reben (Jungfernjahrgang aus  Marananga Vineyard). Der Erlös aus dem Verkauf dieses Weins kommt den flying doctors zu Gute, einer Institution, die das weite Land, mit seinen abgelegenen Farmen, in Notfällen ärztlich versorgt. Dieser schöne und saftige Shiraz besitzt eine herrlich frische Frucht von dunklen Beeren, ein wenig weißen Pfeffer und macht mir richtig Spaß zu trinken. – 87 Punkte


2010 Woodcutter’s Shiraz
(100% Shiraz) $21,50: Der Einstiegs-Shiraz stammt von 10-15 jährigen Reben und ist ein farblich sehr tiefer sowie aromatisch würziger Shiraz. Die Frucht ist geprägt von dunklen Beeren und einem Touch geräucherten Speck. Mittlerer bis voller Körper, schöner Saft. Die guten Tannine sollten dafür sorgen, dass der Wein ein paar Jahre gut zu trinken sein wird. Voll, aber nicht zu schwer, hinten heraus fehlt es etwas an Länge. – 87 Punkte


2010 The Loon
(90% Shiraz, 10% Rousanne) $29,50: Dieser eher im Rhone-Stil gehaltene Shiraz ist ein ziemlich würziger Geselle; er besitzt eine gute Struktur, die von kräftigen und dunklen Tanninen getragen wird. Körperreich, mit schönem Schmelz und einer duftenden Frucht. Im Abgang hat er ein kleines Bitterle, dieses ist jedoch ein Teil seines Charakters und es passt gut zum sonstigen Eindruck. Interessant ist, dass – nachdem der Saft der Roussanne-Trauben abgelaufen ist – die Schalen bei der Fermentation des Shiraz zu „ihrem“ Einsatz kamen. – 88 Punkte


2010 The Struie
(100% Shiraz) $48,50: Dieser 100%ige Shiraz stammt von verschiedenen Weinbergen aus dem Barossa und Eden Valley. Beide Regionen grenzen unmittelbar aneinander, wobei das Eden Valley etwas höher liegt und die Weine von hier etwas weniger alkoholisch sind und in ihrer Würzigkeit (insbesondere Pfeffer) etwas kräftiger ausfallen. Der Strui ist ein saftiger und dichter Tropfen. Die Aromen sind fruchtig-würzig und der volle Körper sowie die hervorragend gemanagten Tannine ergeben ein Maul voll Wein, das aber auch durch Qualität zu überzeugen weiß. Sehr reife Himbeere zu Beginn, dann kommen eher die würzigen Aromen durch: schwarze Oliven, etwas schwarzer Pfeffer und dazu ein paar schöne Röstaromen. Die Tannine aus vollreifen Beeren sind rund und weich gemacht, sorgen aber für Struktur im Wein.  Eine runde Sache dieser Wein, kann sicherlich ein paar Jahre reifen, macht jetzt aber schon richtig Freude. Mittlerer Abgang, hinten heraus ein wenig zu alkoholisch. – 89 Punkte


2009 The Celts
(100% Shiraz) $75,00:  Dieser ebenfalls 100%ige Shiraz kommt aus dem gutseigenen Weinberg Roennfeldt Road (Marananga), wobei die Pflanzen aus selektionierten Reben der „Run Rig Anlagen“ stammen. Der Wein hat einen natürlichen Alkoholgehalt von 14,8% – seine Vergärung erfolgte über 7 Tage im offenen Holzfass. Nach der Pressung reifte er 26 Monate in französischen barriques. Er ist ungeschönt und ungefiltert. Mir hat der „The Celts“ von allen reinsortigen Shiraz-Weinen am besten gefallen, er ist im Ansatz recht kühl und besitzt – sowohl in der Nase als auch am Gaumen – einen dunklen, erdigen Charakter. Die Frucht zeigt Anklänge an Kirschen und dunkle Beeren, dazu etwas Tabak. The Celts ist tief und zeigt Komplexität, er hat wunderbare nicht zu weichgespülte Tannine und auch der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Ich denke, dass dieses Weinbaby beste Anlagen besitzt, um als eleganter Gentleman für viel Gesprächsstoff und Genuss zu sorgen. Braucht noch etwas Zeit für seine weitere Entwicklung. Sicherlich hervorragend über die nächsten 10 bis 12 Jahre.  – 92 Punkte


2007 The Factor
(100% Shiraz) $125: Dieser 100% Shiraz stammt von sehr alten (80-100 Jahre) Reben, weist einen Alkoholgehalt von 14,9% und eine Säure von 7 Gramm/Liter auf; 40% neues Holz kamen beim Ausbau zum Einsatz. Ein sehr opulenter Wein, der mir in der Frucht ein wenig über den Punkt ist – da kommen die satten Früchte aus dem Rumtopf. Trotzdem sollte man diesen Stoff unbedingt probieren, denn das Bouquet ist berauschend 😉 – Potpourri von vielen duftenden Früchten, dazu Anklänge von Lakritze und rauchigem Speck. Am Gaumen ähnlich komplexe, satte/dicke Kompottfrucht, Anklänge an Espresso, Tabak, schwarzen Pfeffer, aber auch scharf vom Alkohol. Tiefe Frucht, voller Körper und viele weiche Tannine. Samtiger Stoff mit Rückgrad, massiv und voller Kraft, gute Länge. Bin gespannt, wie sich dieser Wein in den nächsten Jahren entwickelt. – 91 Punkte


2009 Les Amis
(100% Grenache) $187,50: Für mich war dies der beste Wein der gesamten Reihe, die ich an diesem Tag auf dem Weingut vor Ort verkosten konnte. Die Trauben stammen aus einem, im Jahr 1901 gepflanzten, Weinberg in Seppeltsfield. Per Hand wurde der 2009er Jahrgang am 9.April geerntet, anschließend lag er 7 Tage im offenen Zementfass auf der Maische, dann wurde er direkt für 18 Monate in neuem französischen Holz ausgebaut. Im Januar 2011 ohne Schönung und Filtration auf die Flache gezogen.  Die Farbe des Les Amis ist intensiv und glänzend. Dicht,  voll und tief sind sein Duft und der Eindruck am Gaumen – mit der nötigen Frische und ohne jegliche Überreife. Auffallend schön sind die zahlreichen feinkräutrigen und- würzigen Aromen, die sich mit der dunklen Frucht zu einem sehr komplexen Aroma verbinden, dazu passen die erdigen Anklänge (Holzkohle) hervorragend. Der hohe Alkoholgehalt von 15,2% ist sehr gut integriert; die zahlreichen Tannine sind Struktur bildend, weich und geschmeidig. Der Wein ist saftig, bestens balanciert und komplex – bis ins lange Finale. Lage für Lage öffnet sich dieser Wein dem Genießer und es fiel mir schwer an diesem Tag, das Glas aus der Hand zu geben, um den nächsten Wein zu verkosten. Macht jetzt richtig Freude; ich denke jedoch, dass der Wein mit dem Alter noch etwas an Komplexität und Eleganz zulegen wird. Teuer, ja – aber dieser Wein ist besonders!  – 97 Punkte


2007 The Pict
(100% Mataro) $187,50: Mataro ist die australische Bezeichnung für Mouvedre. Dieser reinsortige Mouvedre aus dem nicht so einfachen Jahr 2007 hatte es schwierig nach dem „Les Amis“, trotzdem hat er die „Situation“ gut gemeistert.  Ein Vorteil ist sicher, dass es sich hier um alte Reben (1927 angepflanzt) handelt, die auch in sehr trockenen Jahren ihr Auskommen finden (wobei in Australien zu 99,9% bewässert wird). Die Vergärung auf den Schalen fand über 7 Tage statt, die anschließende „Malo“ erfolgte direkt im Holz aus neuer, französischer Eiche. Die besten Fässer wurden nach 24 Monaten im Holz assembliert und auf die Flasche gezogen.  Tiefer Aromenansatz mit erdigen Noten, dem Duft von frischen Oliven und Sattelleder. Die Frucht ist aromenintensiv, etwas süßlich und  erinnert an roten und schwarzen Beeren. Am Gaumen einerseits dicht und fruchtig, andererseits mit einer gut erkennbarer Tanninstruktur, die etwas rauer wirkt als bei den Shiraz dominierten Weinen aus gleichem Hause. Ein reinsortiger, mittelgewichtiger  Mouvedre, der so immer noch recht selten zu finden ist; ich empfehle diesen Wein in eine Probe mit seinen „Schwestern und Brüderns“ aus Frankreich und Spanien zu stellen. Richtig schöne Länge, die ihn abhebt. Hat das Potential für weitere Jahre. – 91 Punkte


2008 Descendant
(92% Shiraz, 8% Viognier) $125: Dieser Wein stammt aus einem hauseigenen Weinberg, der 1994 mit Material (Ablegern) aus dem Run Rig Weinberg bestockt wurde. Die Viogniertrauben stammen aus der gleichen Anlage. Der Saft der Viogniertrauben wird bereits mit den Shiraztrauben „co-fermentiert“ und anschließend als Cuvee im Holz gemeinsam ausgebaut. Die mit Run Rig – über 30 Monate – erstbelegten Fässer finden hier für 18 Monate ihre weitere Bestimmung.
Die 2008er Ausgabe des Descendet ist ein „halbstarker Junge“, einerseits saft-und kraftvoll, andererseits mangelt es ihm für richtig große Weihen an Charakter und Intelligenz. Eine dunkle Beerenfrucht, Pflaumen, etwas Kaffee und dezent erdige Noten sowie ein voller Körper stehen ebenso auf der Habenseite dieses Burschen, wie die saftige Frucht und eine ordentliche Länge. Aber er wirkt  – trotz der weichen Oberfläche seiner Tannine – irgendwie etwas ungehobelt und ein bisschen zu breit. 2008 war ein weiteres heißes Jahr und so wundert es denn auch nicht, daß man dies im Glas schmecken kann.  Ich bin gespannt, wie der Wein in ein paar Jahren sein wird, denn das Hause Torbreck gibt an, dass der Wein entweder in den ersten 6 Monate nach dem release (mit ausreichender Zeit in der Karaffe) oder  dann erst wieder nach 5 Jahren Lagerzeit im Keller ins Glas kommen sollte.  – Aktuell 91 Punkte


2007 Run Rig
(98% Shiraz, 2% Viognier) $225:  Zum Ende der ausführlichen Probe im Weingut Torbreck kam der langjährige Star des Weingutes ins Glas und ich war sehr gespannt. $ 225 für eine Flasche Shiraz sind schon eine Hausnummer, andererseits war dieser Wein noch nie billig (für unter 100 Euro habe ich ihn selbst vor 10 Jahren nicht gesehen) und die wenigen Beeren aus den ältesten Shiraz-Reben Australiens sind etwas Besonderes.
Der 2007er Jahrgang bescherte dem Team um David Powell einige Herausforderungen. 2007 war in Australien eines der schlimmsten Dürrejahre innerhalb einer 9-jährigen Trockenperiode (2000-2008), die es zu überstehen galt.  Die signifikante Trockenheit lies  Laubwände nur eingeschränkt wachsen und die Versorgung der Rebe mit Nährstoffen war ebenfalls negativ beeinflusst. Die Folge waren sehr kleine Erträge.

Die Parzellen für den Run Rig sind über das gesamte Barossa Valley (mit Weinbergen  in Marananga, Greenock, Moppa, Gomersal, Kalimna & Ebenezer) verteilt und mit super alten Reben (weit über 100 Jahre) bestockt. Mit diesen Anlagen hatte man noch die besten Chancen den widrigen Bedingungen des Jahrgangs zu trotzen.

Sehr tief und voll in der Farbe fließt der Run Rig ins Glas, der aufsteigende „Duftstrom“ ist intensiv und überaus ansprechend. Ein Potpourri an Früchten (erstaunlich kühl), bestens vermählt mit Noten von Leder, schwarzem Tee, Mokka, Früchtebrot und erdigen Noten. Der Wein besitzt einen vollen Körper und ist nachhaltig mit Tannin ausgestattet, welches samtig und poliert auf der Zunge liegt. Bei aller Dichte und Intensität wirkt der Wein  zu keiner Zeit überreif oder  schwer.
Der Wein braucht noch ein wenig Zeit, um seine volle Klasse auszuspielen. Er hat viel Potential für ein langes Leben und mit weiteren Jahren der Lagerung wird er an Differenziertheit und Eleganz zulegen. – Ganz sicher bin ich mir jedoch nicht, denn 15,35% Alk.  sind eine recht hohe Marke und manchmal frisst der Alkohol die Frucht. Auf der anderen Seite hat der Wein eine wirklich schöne Säure, labortechnisch stehen 6,79 Gramm bei einem PH-Wert von 3,58 zu Buche. Bei allen Zahlen soll nicht unerwähnt bleiben, dass das  Finale lang ausfällt und mir mit seiner Betonung auf Obst(kuchen mit Mürbeteig) besonders gut gefällt.  – 95 Punkte

 

 

Down Under Cellar doors – ich bin da mal hin…Tag 1

Nein, nein, keine Weinreise, aber in 7(!) Wochen Australien kommt man bzw. ich nicht daran vorbei, das außerordentlich freundliche und großzügige Angebot vieler Kellereien anzunehmen, einfach vorbeizuschauen, um die aktuellen Weine zu verkosten und gegebenenfalls auch zu kaufen – „open cellar door“ nennt sich das ganze und ist ein Teil des australischen Weinbusiness. Die für mich eher unverständliche Seite ist jedoch, dass der Begriff „open cellar door“ eher eine Irrleitung ist, denn in die wenigsten Keller kommt man wirklich rein. Hier gibt man sich eher zugeknöpft und ich frage mich:  warum eigentlich …? Doch der Reihe nach…..

Kaum gelandet (und nach über 30 Stunden Flug- und Aufenthaltszeit an den Flughäfen in London und Hongkong auch ziemlich zerrupft und k.o.) will ich nicht gleich ins Bett, um so dem jet lag ein Schnippchen zu schlagen. Ich beschließe den Tag (es ist 8.00 Uhr morgens) noch „dranzuhängen“ und etwas zu unternehmen, um gegen meine Müdigkeit anzukämpfen. Also rein in den Mietwagen, Koffer im Hotel abgestellt, noch kurz frisch gemacht und los geht’s: Das Barossa Valley ist die in Deutschland bekannteste Weinregion, wenn es um australische Rote geht – und nur 50 km nördlich von Adelaide. Als die zarten Hügel näher kommen und ich anschließend durchs Valley fahre, bin ich erstaunt, wie eng alles beieinander liegt. So klingende Namen wie z.B. Greenock Creek, Torbreck oder das Barossa Valley Estate findet man alle in einer Strasse, der Seppeltsfield Road.

Barossa Valley Estate; da ich – in kleiner Runde – im letzten Jahr eine schöne Vertikalprobe des E&E Black Pepper Shiraz gemacht habe und gerade die älteren Jahrgänge mich voll überzeugt haben, wähle ich die Kooperative des Barossa Valley Estate als Startpunkt meiner australischen Weinentdeckungsreise.

Los geht’s mit einem jahrgangslosen N.V. Sparkling Shiraz für $20 die Flasche (bitte bei allen Preisen beachten, dass in Australien auf jeder Flasche Wein 39% (ja, ja richtig gelesen, 39%) Steuern lasten. Doch dieser Stoff überzeugt mich auch gekühlt nicht, das ist ein sauberer, fruchtiger, recht süßer sparkling wine, der etwas plump und schlecht geschminkt daher kommt. – 79 Punkte.

Nicht viel besser ist der 2010 E Bass Eden Valley Riesling ($18). Dieser Riesling kommt aus dem Eden Valley, dass bei den meisten als Teil des Barossa geführt wird, aber eigentlich eine eigene Weinbauregion ist, denn hier liegen die Weinberge auf einer Höhe von 400-700 Metern und unterscheiden sich klimatisch doch recht deutlich von dem wärmeren Kleinklima des übrigen Barossa Valley. Das sogenannte cool climate des Eden Valley zeigt sich insbesondere in der starken Tag-/Nacht Abkühlung mit Temperaturschwankungen von bis zu 20 Grad Celsius. Ein in der Nase eher verhaltener Riesling, der am Gaumen eine gewisse Sortentypizität zeigt, eine ordentliche Säure mitbringt, sauber gemacht ist, aber mehr auch nicht. – 82 Punkte.

Völlig überrascht bin ich von einem kühl servierten 2009 Entourage Grenache ($24), der nur an der Kellertür verkauft wird, ein eher leichter bis mittelgewichtiger, frischer Grenache, mit einer schönen Frucht, einer aromatischen Sortentypizität und reichlich Trinkspaß. Pur, frisch und gut. Gute-Laune-Grenache für den lauen Sommerabend. – 83 Punkte.

Den internationalen Lecker-Schmecker-Bauernfänger-Markt im Visier hat der 2007 E Bass Shiraz Tempranillo ($20); ein mit amerikanischem Holz und entsprechenden Vanillenoten getrimmter Fast-Spanier – weich, saftig, rund und schmackhaft. Verkauft sich sicherlich gut, ein erfolgreicher Mitläufer, leider jedoch ohne eigene Persönlichkeit. – 83 Punkte.

Der mittleren Preislinie entstammt der 2007 Ebenezer Shiraz ($35) – ein ordentlich strukturierter Shiraz, mit einer guten, frischen Säure. Vom Körper eher noch mittelgewichtig. Die Fruchtaromen wirken auf mich leider ein wenig gekocht, dafür sind die Tannine schön mürbe und gut eingebaut. Insgesamt nicht zu schwer. – 86 Punkte

Aus der gleichen Linie und dem selben Jahr stammt der 2007 Ebenezer Cabernet Sauvignon ($35). Ein jetzt trinkfertiger Cabernet, mit schönen, polierten Tanninen, einer angenehmen Frische und Aromen von schwarzen Johannisbeeren, Lakritze und einer gut erkennbaren Mint-Note. Ein wenig mehr aromatische Tiefe und Komplexität und schon würde dieser eher kühle, schön zu trinkende Cabernet an die 90er-Marke anklopfen. – 87 Punkte.

Eine beachtliche Schippe obendrauf legte der 2006 E&E Black Pepper Shiraz ($90) – ein feinwürziger Shiraz, mit einem Touch weißen Pfeffer. Am Gaumen vielschichtig und mit aromatischer Tiefe; die Tannine geben dem Wein Struktur, sind aber weich und – gemeinsam mit der schönen, saftigen Frucht von dunklen Beeren ergibt sich ein stimmiges Bild. Trotz seiner 15% Alc. wirkt der Wein gut balanciert und entwickelt eine gewisse Eleganz – 92 Punkte

Zum Abschluss gab es noch einen 2005 E&E Black Pepper Sparkling Shiraz ($50) – dieser nach der Champagner-Methode bereite sparkling wine entstammt einer kleinen Partie des E&E Black Pepper Shiraz, die jedes Jahr „zur Seite gelegt“ wird. Überraschend trockener, recht reicher, aber auch frischer und eleganter sparkling Wein, der mir gut gefällt, da er eine ausdrucksvolle Fruchtigkeit mit einer gewissen Noblesse und Feinheit zu verbinden weiß, die ich einem Shiraz basierenden Sparkling nicht zugetraut hätte. – 88 Punkte.

1991-2002 E&E Black Pepper Shiraz, Barossa Valley Estate BVE – Barossa Valley

Zu Beginn der 80er Jahre war der Rotweinkonsum in Australien stark rückläufig und die Regierung zahlte Prämien für die Neuanpflanzung von Chardonnay bei gleichzeitiger Rodung alter Shiraz-Reben. Achtzig Winzerfamilien im Barossa Valley, die schon Weinbau in der 3. und 4. Generation betrieben, weigerten sich jedoch ihre schönen alten Reben zu opfern und beschlossen stattdessen ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Die Familien wollten nicht länger ihre geernteten Trauben für kleines Geld am Markt verkaufen, sondern man gründete eine Kooperative und produzierte und vermarktete seine Weine selbst. Dies war die Geburtsstunde des Barossa Valley Estate (BVE). In ersten Jahren verkaufte man zwar noch Trauben und Fasswein, doch wegen der gesunkenen Nachfrage nach Trauben, stellte man dies 1991 komplett ein und konzentrierte sich fortan ausschließlich auf die Vermarktung von Premium-Flaschenwein.

 

Im Jahr 1993 kam der nächste Schritt, die Kooperative kaufte Grundstücke und Gebäude, die man bislang mit Berri Renmano (gehörte nun zum BRL Hardy) gemeinsam genutzt hatte. Gleichzeitig ging man eine Vertriebsvereinbarung mit BRL Hardy, einem der großen Weinunternehmen in Australien, um in der Vermarktung einen Quantensprung zu vollziehen.

 

1998 stand man dann vor der Entscheidung die bestehenden Fazilitäten im Angle Vale zu modernisieren oder im Barossa Valley, der Heimat der meisten Mitglieder, eine völlig neue Kellerei zu errichten. Da die Finanzierung dieses Vorhaben durch die Genossenschaftsmitglieder allein nicht mehr gestemmt werden konnte, entschied man sich 50% der Anteile vom BVE – im Rahmen eines joint ventures – an BRL Hardy zu verkaufen. 2001 ging die neu errichtete Kellerei in Betrieb.

 

Im März diesen Jahres (2011) dann die Wende, Constellation Wines, die fusionierte Nachfolgegesellschaft von  BRH Hardy, willigte in der Rückkauf der Anteile eine und nun gehört BRE wieder zu 100% den Winzerfamilien, die es letztlich mit ihrer Arbeit und ihrem Qualitätsstreben in den letzten 20 Jahren geschafft haben, die beiden Flaggschiff-Weine E&E Black Pepper und Ebenezer langfristig zum Erfolg zu führen und beide Weine unter den Stars der australischen Weinszene zu positionieren.

 

Die stets aufstrebende Entwicklung des Barossa Valley Estates im Allgemeinen und des E&E Black Pepper Shiraz im Besonderen ist eng verwoben mit dem Namen Colin Glaetzer (heute mit dem eigenen Weingut, das er mit seinem Sohn Ben betreibt, extrem erfolgreich). Nach der Gründung der Kooperative engagierte man Colin Glaetzer als Weinmacher und Manager und in dieser Funktion erschuf der den E&E Black Pepper Shiraz, der mit dem Jahrgang 1988 erstmals vermarktet wurde. Beim Winespectator scheint man von diesem Shiraz besonders angetan zu sein, denn seit dem 95er Jahrgang (bis zum letzten verkosteten: 2006) hat man den Wein stets – und das immerhin in 11 Jahrgängen – mit mindestens 91 Punkten bewertet, meist jedoch noch deutlich höher (1996, 1998 und 2000 mit 95 Pkt. Oder 2002 mit 97 Pkt.)

 

Ich war nun gespannt, wie meine kleine Vertikale, bei den Weinfreunden ankommen würde. Aktuelle Jahrgänge des E&E kosten leider richtig Geld (ca. €80,- pro Flasche), doch da der Wein in Deutschland nicht so bekannt ist, habe ich auf der einen oder anderen Auktion ein Schnäppchen gemacht und insbesondere freute ich mich auf den 91er, denn so etwas bekommt man heute gar nicht mehr zu fassen. 

 

 

1991

 

96 Punkte – Würde man die Schönheit und Komplexität der nasalen Eindrücke eines Wein isoliert bepunkten, dann wäre der 91er Black Pepper Shiraz für mich ein klarer 100-Punkte Kandidat. Unglaublich differenziert und nachhaltig sind die Aromen, die einem – wie von einem Schleier getragen – entgegenströmen; soooo schön. Sehr ätherische Eindrücke kombinieren sich mit Aromen von Brombeeren, Minze, Mon Cherry, schwarzen Johannisbeeren und vielen anderen Nuancen zu einem Bild von großer Dichte und Strahlkraft. Durch den ätherischen Grundton wirkt der Wein in der Nase kühl. Dieser Eindruck von kühler Noblesse bestätigt sich auch am Gaumen und zieht sich als Charakterzug durch alle nachfolgend verkosteten Jahrgänge.

Ein feiner Gerbstoff in Form von weichen, runden Tanninen gibt diesem 20 Jahre alten Wein eine noch beeindruckende Struktur. Die ätherischen Aromen aus der Nase finden sich auch am Gaumen wieder (Lorbeeren, Muskatnuss, schwarzer Pfeffer, Zimt, Vanille); eine ganz zarte Süße und eine feiner Schmelz unterstreicht die sehr filigranen Fruchtnoten genauso wie den Eindruck von feiner, dunkler Schokolade, Nougat und Blut (wer jetzt ekelig schreit, hat wohl noch kein Rinder- oder Straußensteak in einer – mit Schokolade verfeinerten – Bratensoße gegessen). Meine Hand geht ständig zum Glas und ich bin beeindruckt von diesem wunderbaren und langen Finale, das sich in die Erinnerung einbrennt.

 

 

1995

 

92 Punkte – Im Vergleich zum 91er E&E Black Pepper Shiraz präsentiert sich der 95er deutlich verwandt, aber nicht ganz mit der gleichen, faszinierenden Differenziertheit und Eleganz des 91er – dafür sind seine Rundungen etwas üppiger. In der Nase saftige, reife, dunkle Beerenfrüchte. Auch hier wieder deutlich ätherische Noten, hinten heraus kommt der Alkohol etwas stärker zum Ausdruck; sehr dunkel in der Aromatik, feinschmelzig und fruchtsüß. Schöner Trinkfluss; ein Wein, der nicht zuletzt durch die eher kühle Art  zu überzeugen weiß – selbst wenn der Alkohol gegen Ende etwas deutlicher in den Vordergrund tritt. Schöne Länge.

 

 

1997

 

94 Punkte – Fast nicht zu glauben, dass dieser Shiraz bereits 14 Jahre „auf dem Buckel“ hat. Der Wein wirkt noch sehr jung und ich vermute, dass er in ein paar Jahren noch ein einen oder zwei Punkte drauf legen kann. Wie bereits mehrfach ausgeführt, überzeugt auch die 97er Ausgabe durch ein hohes Maß an ätherischen Noten, hier kommt hinzu, dass man den Eindruck hat, man kann eine gewisse „Salzigkeit“ riechen. Am Gaumen dicht, saftig, mit viel Biss und wunderbar abgerundeten, aber doch erstaunlich zupackenden Tanninen. Der Wein besitzt viel innere Kraft und einen festen Körper. Kein gedopter Muskelprotz, sondern ein wohl definierter und proportionierter Wein, der seine Kraft in einer geschmeidigen Hülle angenehm verpackt. Schwarzer Pfeffer (bei dem Namen ja eigentlich ein „must have“), Lakritze, dunkle Beerenfrüchte und dunkle Schokolade sind nur ein paar Eindrücke, die ich mir notiert habe. Eine schöne, reife Säure rundet das geschmeidige Bild ab und der Wein zeigt bis in das lange Finale, was er für ein „Beau“ ist. 

 

 

1998

90 Punkte – Der 98er Jahrgang gilt im Barossa Valley allgemein als besonders gelungen (vgl. Parkers Jahrgangsbewertung für Barossa-Weine des Jahrgangs 1998: 95 Punkte), doch in unserer kleinen Vertikalen bildet der 98er das bisherige Schlusslicht – wenn auch auf sehr, sehr hohem Niveau. In der Stilistik ähnelt er  dem 95er: fruchtbetont, etwas fülliger, so erinnert er mich an die besten Schwarzwälderkirschtorten meines Lebens. Eine dezente Mineralität verleiht ihm Komplexität – der etwas kräftiger wirkende Alkohol trägt leider davon etwas wieder ab; insgesamt jedoch ein wirklich schöner und Genuss stiftender Tropfen, der sicherlich noch ein paar Jahr auf gleichem Niveau Freude stiftet.

2002

91 Punkte – Mit großen Erwartungen näherte ich mich der letzten Flaschen in der kleinen Jahrgangsvertikalen des E&E Black Pepper Shiraz von BVE – 97 Punkte im Winespectator und einen hervorragenden 21.Platz in der TOP 100 Liste der gleichnamigen Zeitschrift (Ausgabe 12/2005)  konnte ich im Vorfeld nicht komplett ausblenden. In der Farbe sehr dunkel und leuchtend floss der Wein ins Glas. Eine üppiger, mit Fruchtaromen voll beladener Schwall an Aromen entflog dem Glas; Erinnerungen an Eckes Edelkirsch und meine ersten, heimlichen  „Nipper“ an der Flasche meiner Eltern im Keller zauberten mir ein abwegiges Grinsen aufs Gesicht. Aber auch fast jede andere Beerenfrucht drängte sich ins Bewusstsein: Brombeeren, rote und schwarze Johannisbeeren, Preiselbeeren und Pflaumen (ja, letzte sind keine Beeren ;-))

Am Gaumen unfassbar jung, fast nicht zu glauben, dass der Wein schon 9 Jahre ist. Er wirkt sehr fruchtig und stoffig; besitzt viel Substanz, eine schöne Säure und „rollige“ Tannine. Interessant ist, dass er nicht die auffallenden ätherischen Noten der anderen Jahrgänge aufweist, sondern ganz und gar von seiner Frucht lebt. Trotzdem wirkt er nicht überladen oder fett, auch der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Trotzdem hat der Wein für mich zurzeit weniger zu bieten, als die älteren Jahrgänge. Aber was nicht ist kann noch werden; ich kann mir gut vorstellen, dass der Wein in 10 Jahren deutlich komplexer und ausdifferenzierter wirkt – wahrscheinlich nicht auf dem Niveau des 91er, aber doch besser als die 91 Punkte, die ich ihm aktuell gegeben habe.  

Mein persönliches FAZIT: Mehr Mut zur Reife bei australischen Weinen. Diese kleine Vertikale hat mir gezeigt, dass es sich lohnt.

2001 Diana Madeline, Cullen Wines – Australien

85 Punkte – Wein benötigt etwas Luft um sich zu entfalten, kühler Stil, kräftige Säure, dunkle Frucht, recht fester, aber eher schlanker Körper, keineswegs australisch fett, reife, aber kräftige Tannine, die Frucht wirkt am Gaumen ebenfalls dunkelbeerig, angenehmer Saft, ein Hauch würzig, ein Hauch Kaffee, insgesamt eine sehr stimmige und ausgewogene Cabernet/Merlot-Cuvee, aber irgendwie uninspiriert und in der Mitte mit aromatischem Löchlein. Für eine höhere Punktzahl fehlt es an Komplexität und aromatischer Länge. Für deutlich über Euro 30,- aber zu wenig Genuss. Austrinken.

1999 Wild Duck Creek Estate – Springflat Shiraz / Central Victoria

91 Punkte – Am Heiligabend ein Wein, der mir Spass macht, aber auch den nicht sonderlich weinerfahrenen Rest der Familie glücklich macht. Ein dichtes, mit Frucht beladenes Weinkonzentrat, dass – trotz des hohen Alkohols (15%) nicht überladen wirkt, sondern mit einer frischen Säure genügend Gegengewicht produziert, um ein harmonisches Bild abzuliefern. Immer noch schön saftig, die Aromatik ist eher dunkelbeerig, schokoladig und besitzt einen Hauch von Minze. Die Tannine sind reif und rund, und die Länge ist gut. Ein schöner Australier mit recht viel Depot in der Flasche.

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