2005 Ten Years After – Große Gewächse – Teil 1


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UPs, hmmm – doch nicht so schlecht wie gedacht ;-))

2005 war ein sonniger Jahrgang. Das Weingut Robert Weil berichtet: „Der Vegetationsverlauf war geprägt von einer Sonnenscheindauer, die deutlich über dem Soll lag. So waren schon Ende Juli für den Rheingau 150 Sonnenscheinstunden mehr erreicht, als im langjährigen Mittelwert (1971-2000). Die Niederschlagsverteilung war über das gesamte Jahr und vor allem über die Vegetationsperiode ideal für die Rebe.“ Dieses Glück war jedoch nicht jeder Anbauregion beschieden, denn es gab zeitweise erhebliche Regenmengen, die stellenweise zu einem erheblichen Pilzdruck führten. Der goldene September hat es dann vielerorts rausgerissen. Viele Weinjournalisten waren schnell einig, dass der Jahrgang zwar viele hochreife Weine hervorgebracht hat, denen eine gute Lagerfähigkeit abgesprochen und eine frühe Trinkreife attestiert wurde. Der Gault Millau hat nahezu allen deutschen Anbauregionen für den 2005er JAhrgang nur 3 von Trauben zuerkannt, einizge Ausnahme bildeteten die Nahe und die Region Mosel-Saar-Ruwer, hier stehen 5/5 Trauben zu Buche.

Unsere Ten Years After Probe – Grosse Gewächse 2005 zeigt ein anderes Bild. Nahezu alle angestellten Weine zeigten sich in einer guten bis sehr guten Verfassung, lediglich die Moselweine schwächelten auf breiterer Basis. Der weit überweigende Teil der Großen Gewächse zeigte sich überaus trinkanimierend, gut balanciert und aktuell in einer schönen Reife. Einige Weine haben locker Luft für weitere 5 Jahre; sie jetzt zu trinken ist aber in keinem Fall ein Fehler und verspricht Rieslinggenuss auf dem Punkt.

Beim Spätburgunder deutet sich ein schwieriges Bild, drei von vier Weinen konnten nicht nachhaltig überzeugen und einer war eine Unverschämtheit. Ich denke, beim Spätburgunder hat Deutschland in den letzten 10 Jahren einen massiven Qualitätssprung gemacht, 2005 haben jedoch viele Winzer noch geübt – insbesondere beim Umgang mit dem richtigen Holz. Dies gilt ausdrücklich nicht für den verkosteten Spätburgunder von Knipser – diese Jungs haben schon damals ihr Handwerk hervorragend beherrscht.

Am ersten Abend tranken wir mit 9 Personen 11 Weine komplett blind, am zweiten Abend mit 7 Personen 12 Weine. Der zunächst korkige Saumagen Auslese R wurde am Ende der Probe mit der Konterflasche in die Probe aufgenommen. Die dritte und letzte Runde beschlossen 6 Verkoster mit 9 Rieslingen.

2005 Winninger Uhlen Riesling Laubach, Weingut Heymann-Löwenstein – Mosel: Tiefes Goldgelb, reife Nase, viel hochreife gelbe Früchte, Schuhpolitur, Sahne, am Gaumen ebenfalls reichlich gelbe und exotische Früchte, Mango, rund, recht saftig, leichte Würze am Gaumen, extraktreich, Fenchelhonigbonbons, trockene Art, im Mund deutlich trockener als bei der Nase erwartet. Moderate Säure, gute Länge. Diese Flasche war deutlich besser, als die ca. 2 Monate zuvor. Bitte austrinken, mit zunehmendem Alter büßt der weiter an Frische ein. 17 Punkte – austrinken. (90, 93, 89, 92, 91, 91, 92, 91, 91 – 91,11)

2005 Riesling Rüdesheimer Berg Schlossberg, Weingut Breuer – Rheingau: Zum Auftakt eine wunderbar delikate und kühle Frucht, sehr klar, kräuterwürzig, Anis, Brennnessel, Melisse, die Nase ist bewegend vielschichtig, animierend und überaus charmant. Am Gaumen sehr klar und reintönig; schöne Dichte, sehr gute Säure, harmonisch, hier passt alles vom Anfang bis zum langen Ende. 18 Punkte – 2015 bis 2018 (93,92, 94, 94, 92, 93, 94, 95, 92 – 93,22)

2005 Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken, Karthäuserhof – Ruwer: Schwierige Nase, etwas Spargel, erkennbare Reife, blütig, cremig. Am Gaumen fehlt etwas die Spannung, traubig, weich, ordentliche Säure, nicht ganz trocken, recht kurz. Das hat man im Hause Tyrell in vielen anderen Jahrgängen schon besser hinbekommen. 16 Punkte – austrinken (88, 89, 89, 89, 90, 89, 88, 89, 88 – 88,77)

2005 Westhofener Morstein Riesling GG, Weingut Wittmann – Rheinhessen: Weißgelbe Frucht, Kräuterbionade, nasse Steine, etwas rauchig, Spontannoten, ein Hauch Ingwer, Jod, Meer, Austernwasser, Salzzitrone, baut im Glas enorm aus, gewinnt an Mineralik, gute Säure, gewinnt an Länge, beschäftigt mich, hat Zug und Länge. 18 Punkte – 2015 bis 2020 (93, 90, 93, 93, 90, 94, 94, 94, 91 = 92,44)

2005 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen: Sehr kräutrige, etwas medizinale Note zum Auftakt, dann Orangeat, Birnen und Gelbes Steinobst. Aromatisches Dickschiff. Am Gaumen dicht und dezent salzige Mineralität, traubig, aromatisch wie ein Riesling mit Muskateller, Traminer oder gemischter Satz ;-), flüssiges Gold, gute Säure, Aprikose, reife Birnen, gelbes Kernobst, viel Glyzerin, opulent, würzige Botrytis im Abgang, wohl sehr spät geerntet. 16 Punkte – 2015 bis 2019 (88, 90, 90, 90, 89, 87, 90, 91, 88 – 89,22)

2005 Kiedricher Gräfenberg Riesling GG, Weingut Robert Weil – Rheingau: Frisches Zitronengelb. Weißgelbe Früchte mit feinwürzigen Noten. Am Gaumen herrlich saftig, schöne Frische, mit Luft kräutriger, macht richtig Spass, hochgradig trinkig, wirkt sehr jung, sehr viel Frucht, sehr klar, an Gaumen blüht er auf, baut im Glas aus, wird etwas steiniger, aber nicht mineralisch, hat herrliche Spannung, bekommt richtig Zug; reintönig in seiner Art. Nicht mit riesem Spiel, aber nachhaltig lecker, auf hohem Niveau trinkig und schönem, feinfruchtigem langen Abgang. 18 – 2015 bis 2018 (93, 94, 92, 96, 91, 95, 93, 94, 92 – 93,22)

2005 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling GG, Weingut Dönnhoff – Nahe: Hochgradig animierende kräutermineralische Nase, glockenklar, leichte Kernobstnoten, fest, tiefgründig, tief und komplex. Im Mund präsentiert sich dieser Ausnahmeriesling mit unglaublicher Frische, zeigt viel Zug und Kraft, ist klar und rein wie ein Gewitterregen, dezente Zitrusnoten, dieser Riesling beschäftigt den Gaumen, changiert und ist spannungsgeladen, der Wein strahlt mit Eleganz aus allen Knopflöchern, großartige gelbgrüne Frucht, hochgradig mineralisch, feinkräutrig, enorme Länge. Nahe an der Perfektion. 19 Punkte – 2015 bis 2020 (96, 97, 95, 97, 95, 96, 97, 95, 95 – 95,88)

2005 Forster Pechstein Riesling GG, von Buhl – Pfalz: Vegetabile Noten, im besten Fall ist dahinter eine weissgelbe Steinobstfrucht zu erkennen. Irgendwie stumpf, da passt einiges nicht zusammen. Dieser Riesling lässt mich ein wenig ratlos zurück – am Gaumen etwas Gerbstoff, ordentliche Frucht, dezente Mineralik, wirkt aber irgendwie eckig und bricht ziemlich schnell ab. 15 Punkte – austrinken (86, 87, 87, 85, 88, 88, 88, 87, 86. – 86,88) 2005 Birkweiler Kastanienbusch Riesling GG, Ökonomierat Rebholz – Pfalz: Sehr duftige Nase, wirkt jung, klar, aber etwas grüne vegetabile Aromatik, kühl, ein Hauch unreifes Steinobst. Am Gaumen eng, recht fest, irgendwie ungeschmeidig, wenig Genuss, Efeu, bittere Anklänge, aufgesetzte Säure, die Komponenten wirken nicht gut vermählt. 15 Punkte – austrinken (86, 87, 88, 89, 89, 89, 87, 89, 87 – 87,88)

2005 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder GG, August Kesseler – Rheingau: Duftige Cassis-Nase mit holzwürziger Note, Holzkohle, Rauch, ein wenig Schoki, die Frucht wirkt ein etwas aufgesetzt/dropsig. Am Gaumen saftige Frucht, recht kühl, wieder Cassis, noch sehr jung (bei 4 Stunden Karaffe), gute Frische, ist genau auf dem Punkt, hat noch schöne Primärfrucht, aber auch schon etwas balsamische Anklänge; dunkle Frucht, Campino Cassis, ein Hauch Vanille, Veilchen, gute Säure. Ordentliche Länge. 16 Punkte – 2015 bis 2017 (87, 81, 89, 90, 90, 89, 90, 92, 91- 88,77)

2005 Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder GG (Auslese trocken), Weingut Knipser – Pfalz: dunkle kühle Frucht, Kirschkerne, Pflaume, schöne, tiefe Aromatik, ein Hauch Cassis. Am Gaumen widerholt sich das Bild: dunkle, kühle Frucht, Kirschkerne, schöne Säure, mittlerer Körper, feinsaftig mit schönem Druck, schöne, geschliffene Tannine. Hier passt alles gut zusammen, der Wein ist animierend im Trunk und zeigt Länge. Jetzt herrlich zu trinken. 17 Punkte – 2015 bis 2017 (92, 91, 92, 92, 93, 91, 91, 93, 92 – 91,88)

 

2014 Berlin Riesling Cup –  2013 Große Gewächse  Teil 2/2

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Großen Gewächse des Jahrgangs 2013 alles sind, nur keine Fruchtbomben. In den allermeisten Jahrgängen spielen mehr oder wenige üppige Fruchtnoten eine zentrale Rolle, in 2013 ist das nicht der Fall. Dieser Jahrgang lebt von seiner speziellen Terroir-Stilistik. Die Weine sind weder im Alkohol noch im Körper sonderlich füllig; die Besten überzeugen mit verhaltenem Alkohol, innerer Kraft und Spannung, Mineralik, animierender Säure und schlanker Eleganz – Jil Sander Style! Diese Weine sind wie modern inszenierte Opern mit einem abstrakten, aber aussagekräftigen Bühnenbild.

19) 2013 Forster Ungeheuer Riesling GG, Reichsrat von Buhl – Pfalz

92 Punkte – klares, helles goldgelb mit grünlichen Reflexen, hat Holz gesehen, viel Substanz, sehr frische Kräuter, Sauerampfer, Waldmeister, wunderbar definiert, sehr präzise, gutes Gewicht, feine Frucht mit schönem Holzeinsatz, in diesem Moment erstaunlich zugänglich, gute Substanz, hat Zug und Struktur, animierende Säure, gute Länge.
Für den neuen, vom Champagnerhaus Bollinger kommenden Kellermeister Mathieu Kaufmann sicherlich kein einfacher Einstand, doch mit diesem Ungeheuer braucht er sich nicht zu verstecken.

20) 2013 Forster Ungeheuer Riesling GG, Dr. Bürklin-Wolf – Pfalz
88 Punkte – wirkt momentan noch sehr unruhig, steht irgendwie noch alles nebeneinander, tiefe Mineralik, aber aktuell wirkt die Säure aggressiv. Doch Bürklin-Wolfs Weine drehen sowieso meist erst nach ein paar Jahren Reife auf.

21) 2013 Monzinger Halenberg Riesling GG, Emrich Schönleber – Nahe
92 Punkte – herrlich klare frische Art, etwas rauchig, tief und sehr trocken, wirkt noch etwas ungelenk. Am Gaumen sehr mineralisch, kraftvoll, viel Spannung, etwas Bienenwachs, viel trockene Kräuter, schlank, hat Zug; schöne, mineralische Länge

22) 2013 Siefersheimer Höllberg Riesling GG, Wagner-Stempel – Rheinhessen
93 Punkte – Kühle Nase, mit sehr frischem Duft von gelben Früchten, Jod, Kamillentee, ein Hauch von Vanille und feiner Sahne; überraschend geschmeidig, feinsaftige Art, Kräuter, animierende, gut eingebaute Säure, mit Tiefe und feinwürziger Mineralität. Gefällt mir.

23) 2013 Traiser Bastei Riesling GG, Gut Hermannsberg – Nahe
88 Punkte – Weißgolden, recht zurückhaltend in der Nase mit leichten Spontinoten. Am Gaumen sehr fest und straff, zeigt aktuell wenig Spiel, etwas Gerbstoff, kräftige Säure will sich noch nicht richtig einpassen; hat Potential nach oben.

24) 2013 Nackenheimer Rothenberg Riesling GG, Gunderloch – Rheinhessen
96 Punkte – Deutliche Spontannase, wirkt noch hefig, wild, aber mit viel Tiefe und Substanz. Ungestüme, kräutrige und vegetabile Noten, bereits in der Nase die Mineralik. Am Gaumen sehr tief, fest und mineralisch, aber völlig unangestrengt. Geschmeidig Oberfläche, tiefe, würzige Mineralität, feinsaftige Frucht, herrlicher Druck, geprägt durch seine Struktur, seine geniale, steinige Mineralität und seine Balance auf hohem Niveau – da passt alles – echter Terroirstoff; alles im Fluss, nicht angestrengt, das ist großen Kino!

Sieger Berlin Riesling Cup 2014

25) 2013 Winninger Uhlen Laubach L Riesling GG, Heymann Löwenstein – Mosel
92 Punkte – Stoffige, dichte Nase, Schießpulver, gelbe Früchte, Schwefel, Zucker. Sehr launiger Wein, der im Glas hin und her wabert zwischen 89 und 94 Punkten. Stoffig, dicht, aktuell ist der Wein sehr unruhig und unentwickelt, leider bin ich mir völlig unsicher, wo er hingeht. Viel Power, brutale Mineralität, tut fast weh, unruhig, aber auch ein wenig aggressiv, ein paar mehr Gramm Restzucker. Aktuell schwer zu bewerten, könnte richtig groß werden oder nie wirklich seine Harmonie finden.

26) 2013 Mölsheimer Zellerweg Am Schwarzen Herrgott Riesling GG, Battenfeld-Spanier – Rheinhessen
92 Punkte – kräutrig herber Duft, Zitrusnoten, mineralisch-erdig, dezent rauchig. Am Gaumen dann dichte Frucht, saftig, schon recht zugänglich, geschmeidiges Mundgefühl, schöne Stoffigkeit und Mineralität, weiß jetzt schon zu gefallen.

27) 2013 Winninger Uhlen Blaufüßer Lay Riesling GG, Heymann-Löwenstein – Mosel
88 Punkte – etwas vordergründig, parfümige Noten, reife gelbe Früchte, duftig, blumige Noten, Kräuter, etwas Wachs. Am Gaumen noch unruhig, mit sehr lebendiger Säure, rauchig, Barbecue, wachsig, vegetabile Noten, hochmineralisch, bricht momentan leider etwas schnell ab.

28) 2013 Erbacher Siegelsberg Riesling GG, Jakob Jung, Siegelsberg – Rheingau
93 Punkte – Schrauber; kompakter, stoffiger Riesling, geht vorwärts, schöne klare gelbe Frucht, sehr viel Kräuterwürze. Viel Stoff, feste Mineralität, zupackend, Energiebündel, Kraft, hat Zug, packt zu, fruchtig-kristalline Länge. Ein Kerl – ich mag das.

29) 2013 Rüdesheimer Schlossberg August Kessler – Rheingau
92 Punkte – Sehr individuelle Nase – Gummi, vegetabile Noten, Apfel, viel Struktur, grüne Banane, gelbe Frucht, schöne mineralische Kräutrigkeit, saftig und kraftvoll; schöne, lebendige Säure, mit feinem Schmelz; gute, feinfruchtige und mineralische Länge .

30) 2013 Damaszenerstahl Riesling trocken, Winzerhof Stahl – Franken
82 – Punkte In Mund und Nase aufgesetzte Frucht, Geranienton, nasse Pappe, reduktiv. Am Gaumen saubere Rieslingfrucht mit gelbem Steinobst und einer leichten Kräutrigkeit. Sauberer Riesling, aber ohne echte Inspiration. Hatte in der GG-Probe als Pirat keine Chance.

31) 2013 Bissersheimer Goldberg Riesling, Pfaffmann-Wageck – Pfalz
89 Punkte – Etwas grüne Kräuter, ein Hauch Kokos, schon zugänglich; schön, kräftige Struktur, Marzipan, gute Säure, vegetative Noten und feine Würze, hat Zug und zeigt ordentliche Länge.

32) 2013 Bürgstadter Centgrafenberg Riesling GG, Rudolf Fürst – Franken
91 Punkte – Rauchig Holunderblüten, etwas Cassis, Gerbstoff, feine Bitternoten, aber Tiefe und Struktur, schöne Mineralik, geradliniger Typ, schöne animierende Säure, die gut eingebunden ist, feinsaftiger Abgang mit schöner Länge, endet auf Mineralik.

33) 2013 Dittelsheimer Geyersberg Riesling GG, Winter – Rheinhessen
90 Punkte – etwas gelbgrüne Noten, etherisch, Zitrusfrüchte, wirkt noch ziemlich ungehobelt, saftige Art, tiefe Mineralik, aber aktuell mit recht viel Bitternoten, fordernde Säure, ziemlich dicht gewoben, straff und saftig, recht herb Art mit guter Mineralik. Versteckt sein Potential noch etwas unter rauhen, unruhigen Schale. Könnte deutlich ausbauen. Luft nach Oben. .

34) 2013 Erdener Prälat Riesling GG, Dr. Loosen – Mosel
92 Punkte – feiner Duft von süßen Früchten, weißer Pfirsich, ,gelbe Frucht, Orangenblüten, Tabak, leichtes Bitterle, viel Stoff, schöne Saftigkeit, kraftvoll und tragende Länge.

35) 2013 Nackenheimer Rothenberg Riesling GG, Kühing-Gillot – Rheinhessen
93 Punkte – kraftvolle Struktur, herbe Kräuter, Tabak, kraftvoll, zupackend, sehr geradlinig, viel Zug und Kraft, herrlich klar und sauber, mineralisch, endet lang auf Kraft und Mineralität

36) 2013 Sibeldinger Sonneschein Ganz Horn Riesling GG , Ökonomierat Rebholz – Pfalz
90 Punkte – kühler, recht schlanker Ansatz, gelbe Banane, etwas rote Früchte, süßes Gemüse, Karotten in Tempurateig. Der Wein zeigt sich von seiner schlanken Seite, am Gaumen erstaunlich verhaltene Frucht, eher vegetabile Noten, steinig, eher schlank, gute Länge.

2014 Berlin Riesling Cup – 2013 Große Gewächse – Teil 1/2

36 Weine, getrunken in 18 flights; alle Weine wurden 1 Tag (mittags) zuvor geöffnet; zur Verkostung perfekt temperiert; Verkostungsglas: Universalglas von Zalto.

Insgesamt war der Jahrgang 2013 für die viele Winzer kein einfaches Jahr und bei vielen Guts- und einfachen Lagenweinen ist nicht alles Gold, was im Glas gülden glänzt.

Doch für die von Martin Zwick für den Berlin Riesling Cup vorausgewählten Großen Gewächse funktionieren pauschale Jahrgangsurteile nicht. Durch die Bank präsentierten sich sämtliche Großen Gewächse als würdige Vertreter ihrer Gattung und in der Spitze sind ein paar richtig große Weine entstanden. Interessanterweise scheint dieser Jahrgang ein Jahr des Rotliegenden zu sein. In vielen Jahrgängen zuvor waren stark kalkhaltige Böden die Top-Scorer beim Berlin Riesling Cup. Dieses Jahr gingen die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen an Rieslinge, die auf rotem Schiefer / Rotliegendem gewachsen sind. Diese Böden heizen sich tagsüber richtig auf und geben in der Nacht die Wärme wieder ab. In heißen Jahrgängen ist das gelegentlich zu viel des Guten, doch in kühleren Jahrgängen (2013), wo Trauben und Winzer um ihre vollständige physiologische Reife kämpfen müssen – ein klarer strategischer Vorteil. Dass gleich 3 Weine unter den Top 5 der Gesamtwertung vom Roten Hang kommen, passt indieses Bild, gilt doch diese Lage mit ihrer Südausrichtung (Pettenthal und Rothenberg) als besonders warm.

Zwei angestellte Weine von jungen Nachwuchswinzern haben sehr unterschiedlich reüssiert.

1) 2013 Arzheimer Kalmit Riesling Kapellenstück, Weingut Katrin Wind, – Pfalz

87 Punkte – verhaltene Nase, vegetabile Noten, schlanker Ansatz, recht säurelastig, unreife Zitrusfrüchte, sehr frisch, klar, hat innere Spannung, zeigt Mineralität, dezente Bitternote, ohne besondere Länge

2) 2013 Ilbesheimer Kalmit Riesling GG, Weingut Kranz – Pfalz

91 Punkte – Kühl wirkende Nase; dicht, zupackend, zeigt Mineralität, viel saftige Frucht von gelbem Kernobst und exotischen Früchten, gute Stoffigkeit, schöner Körper, mit Luft zarter Schmelz, präsente Säure, endet auf Zitrusnoten.

3) 2013 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling GG, Emrich Schönleber – Pfalz

93 Punkte – Spontinase, rauchig, viel Druck und Zug, packt zu, vibrierende Säure, vegetabile Noten, sehr klar und frisch, reintönig, animierend, wirklich hohe Mineralität, schon erstaunlich harmonisch.

4) 2013 Erbacher Hohenrain Riesling GG, von Oetinger – Rheingau

87 Punkte – Nase mit vegetabilen Noten, grüne Früchte, Zitrusnoten. Die Säure schießt durch, wirkt sehr trocken; wieder vegetabile Noten im Vordergrund, wenig Beerenfrucht, recht geradliniger Typ, insgesamt noch etwas unruhig und verwaschen.

5) 2013 Forster Jesuitengarten Riesling GG, von Buhl – Pfalz

91 Punkte – Klarer frischer Duft, Rhabarber, frische grüne Noten, Minze, zarte Mineralität, schöne Tiefe, mittlerer Körper, Orangenblüten, Grapefruit, etwas Tannin, hat Potential, tief und nachhaltig, animierende Säure, muss man richtig reinhorchen, kein bisschen vordergründig – dann mit tollem Echo – Gute Länge – wie schreibt Anwalts Liebling immer so schön: sleeper of the vintage!

6) 2013 Deidesheimer Kalkofen Riesling GG, von Winning – Pfalz

92 – Duftige Nase, kräutrig, hat auch etwas Restzucker, resche Säure, schöne Stoffigkeit, zeigt schon Schmelz, zu Beginn kleines Bitterle, Tabak, vegetabile Noten, aber auch gelbe Früchte, wirkt zu Beginn noch sehr unruhig und die Dinge fügen sich noch nicht. Baut dann im Glas riesig aus, die mineralische Würze kommt mehr zur Geltung und der Wein beginnt sich zu fügen. Selten so eine Entwicklung im Glas erlebt.

7) 2013 Westhofener Morstein Riesling GG, Keller – Rheinhessen

94 Punkte – Kühle, sehr feste und tiefe Nase, herrlich kräuter-würzige und vegetabile Noten, kraftvoll und tief. Am Gaumen ein packender Stoff mit herrlicher Tiefe; zeigt Körper, mit viel innerer Spannung und intensiver Mineralik, animierende Säure, wenig entwickelt. Über all dieser Substanz liegt ein zarter Schmelz – ein sublimes Spiel der Gegensätze. Schmeckt lange nach.

8) 2013 Königsbacher Idig Riesling GG, Christmann – Pfalz

88 Punkte – Die Nase ist kräutrig-vegetabil, ein wenig Frucht andeutend. Am Gaumen eine schöne gelbe und leicht exotische Frucht, feuchte Erde und Jod, geschmeidiges Mundgefühl, erstaunlich wenig Ecken und Kanten, trotzdem kein Ausbund an Ausgewogenheit.

9) 2013 Westhofener Morstein Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen

94 Punkte – schlanker Ansatz, steinig, sehr fest, viel Zug und innere Stärke, etwas Feuerstein,
kraftvoll; der eiserne Baron, doch im Hintergrund deutet sich seine Komplexität bereits an. Das ist stimmig, mit viel Potential, aktuell muss man noch ziemlich lutschen, damit sich Schloss und Riegel öffnen.

10) 2013 Dorsheimer Burgberg Riesling GG, Diel – Nahe

92 Punkte – Dichte, runde, volle Nase – kühle Kräutrigkeit, geschmeidig, saftig, erstaunlich füllig, sehr stimmig, recht tiefer Ansatz, schöne Länge. Herrlich unaufgeregt und bereits in dieser frühen Phase Eleganz ausstrahlend.

11) 2013 Kiedricher Gräfenberg Riesling GG, Weil – Rheingau

92 Punkte – Für mich einer der Lagen/Weine mit dem größten Wiedererkennungsfaktor in Deutschland. Klare Nase mit schöner Tiefe, getrocknete Kräuter und diese für mich so einzigartige und hochindividuelle Pfirsich-, Marillennase; am Gaumen besitzt der Gräfenberg Dichte und Spannung, die Frucht ist gut und komplex, etwas Holz, kühl und reintönig; nicht laut, aber elegant, geschmeidig, Eleganz andeutend.

12) 2013 Stettener Pulvermächer Riesling GG, Karl Haidle – Württemberg

92 Punkte – Tiefer Ansatz, saftig, dicht und spannungsgeladen, kernig, herbe Kräuteraromatik, sehr fest und kraftvoll, schöne Säure, presst sich an den Gaumen, grüner Tee, zupackend, große Mineralität und kleinem, animierenden Bitterle, hat Tiefe und zeigt eine attraktive Länge.

13) 2013 Westhofener Brunnenhäuschen Riesling GG, Wittmann – Rheinhessen

89 Punkte?? Verhaltene Nase, dahinter ein Strauss herber, getrockneter Kräuter. Am Gaumen fest gebaut, Tiefe andeutend, lässt aber wenig raus. Wirkt sehr verschlossen. Geschmeidige Oberfläche, gelbe Frucht, animierende Säure.

14) 2013 Bockenauer Felseneck Riesling GG, Schäfer-Fröhlich – Nahe

95 Punkte – Der am meisten polarisierende Wein der Verkostung. Ich bekenne mich als Fan! Ein deutlicher Spontanstinker, Nordseeküste bei Ebbe, Holz, Jod, verbranntes Gummi, getrocknete Kräuter. Kraftvolle und tiefe aber auch noch sehr unruhige Nase. Am Gaumen passiert viel. Druckvoller, saftiger Stoff, gelbe, Früchte, getrocknete Kräuter, Tabak, fordernde Mineralik; zupackend, mit Grip; das Zuckerschwänzchen (kandierte Früchte)kann sich noch besser integrieren. Lebendige Säure, wird ein großer Wein, mit schöner Länge, braucht Zeit.

15) 2013 Westhofener Riesling, Keller – Rheinhessen

93 Punkte – Wein stammt aus der Lage Morstein von 40 jährigen Reben, die nicht als GG gefüllt wurden (GG = 60 jährige Reben) Animierende Nase, mit kleinem Spontistinker; changiert sehr stark, ohne laut zu sein, viel Komplexität, Efeu, Minze, tiefer, mineralischer Ansatz, viel Substanz.

16) 2013 Niederhäuser Hermannhöhle Riesling GG, Dönnhoff – Nahe

93 Punkte – Recht verhaltene, kühle Nase, vegetabile Noten, Minze. Am Gaumen sehr klar und präzise, mit angemessenem Druck und attraktivem Spannungsbogen, erstaunlich feines Säurespiel, zeigt Schmelz und rollt über die Zunge – weiche Oberfläche, niemals laute oder vordergründige Frucht, dafür komplex und mit Tiefe, feine Süße und schöne Mineralität im Hintergrund. Wirklich schöner Wein.

17) 2013 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Keller – Rheinhessen

94 Punkte – Sehr feste und tiefe Nase, recht herbe, vegetabile Noten, Nase die einen wirklich beschäftigt. Am Gaumen ebenfalls sehr fest und kraftvoll mit viel innerer Spannung, sehr mineralisch, sehr schön. Ein Wein, der noch wenig rauslässt, aber einen bereits in seinen Bann zieht, nachhaltig, straffer, sehr langer Abgang.

18) 2013 Niersteiner Pettenthal Riesling GG, Kühling Gillot – Rheinhessen

94 Punkte – Kraftvolles und tiefes Bukett mit schöner Würzigkeit, Kräutern und gelbem Steinobst. Kraftvoll, saftig! Maul voll Wein, viel Frucht, super Balance, super Stoff, tiefgründig, gelbfruchtig, schon erstaunlich offen. Zeigt tolle Länge 94 – Spruch des Abends „Heaven Pettingthal“ © MK

Foto 2Charmante Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit.

2007 Chevalier-Montrachet, Domaine Etienne Sauzet – Burgund

15058337360_bdfee88733_b99 Punkte – Wahnsinnsteil! In 2007 hat Gérard Boudot ein Meisterwerk abgeliefert. Das Parfum des Weines ist überall – dicht, kraftvoll und enorm vielschichtig. Kein roter Teppich, sondern ein Aromenteppich kleidet den Weg zum ersten Schluck. Sahne, Citrusnoten, Birnen, etwas grüne Banane, exotische Früchte, Frühlingsblumen, Quitten, edles Holz (20% neues Holz in diesem Jahrgang) und eine Spur von Vanille und Wachs sind die Klangfarben in dem Gesang der Sirenen, dem man sich unmöglich entziehen kann. Voller Körper, mit einer atemberaubenden Intensität und schönen Rundungen, darunter liegt sehr viel Kraft und eine beneidenswerte innere Spannung. Dichte und aromatische Üppigkeit – ohne jedwede Schwere! Dieser Wein ist immer noch in seiner Sturm- und Drangphase und einmal aus der Flasche gelassen, zieht er Luft und legt los: Aromenschicht für Aromenschicht kleidet Mund und Rachen aus und bei der Beschäftigung mit dem Wein kann man Raum und Zeit verlieren – nur Du und der Wein! Großes, großes Weinkino. Auch wenn die 96 Punkte von David Schildknecht und John Gilman (jeweils aus 2009) nicht gerade bescheiden sind, fällt es mir schwer zu formulieren, was in diesem immer noch jugendlichen Wein besser sein könnte. 99 Punkte und ein irre langes Leben. Ich hoffe, die nächste Flasche nicht erst am Sterbebett zu genießen. „2007 Chevalier-Montrachet, Domaine Etienne Sauzet – Burgund“ weiterlesen

Parkers Exceptional Best Buy – 2013 Nounat, Binigrau – Mallorca

NouNat_2013Meine Sonneninsel Mallorca, autochthone Rebsorte (40% ), 95  Punkte sowie ein dickes Lob von Robert Parker – dass alles zu einen Preis  von rund 14 Euro (vor Erscheinen der Parkerbewertung bzw. für ganz Schnelle ) – da legt man sich auch schon mal auf Verdacht 12 Flaschen in den Keller.

92 Punkte – Und in der Tat, diese Cuvee aus 60% Chardonnay und 40% Prensal Blanc (mit Synonym Moll) ist schon etwas Besonderes. Das Bukett wirkt sehr duftig, dabei kühl und klar. Blütige und fruchtige Noten dominieren das Spiel: weisse Blüten, grüner Banane, Mandarinenblüten, Tropenfrüchte, dazu etwas  Sahne und Vanille sowie einen Hauch von Kleber.

Am Gaumen genauso aufregend wie das aktuelle Spiel in der Verlängerung U.S.A. : Belgien. Körperbetonte Angelegenheit; gutes Passspiel, der Ball läuft in den eigenen Reihen hin und her: Tropenfrüchte, reife Birnen, vollreife Ananas, Zitrusfrüchte, dazu eine Mixtur aus Butterkeksen und Mandelkuchen (welche von den 6 Mallorca-Mandelsorten kann ich noch nicht sagen – bleibe aber dran und  verkoste weiter ;-))).

Dieser Wein ist echtes Naschwerk!! Die beiden Rebsorten sind perfekt miteinander vermählt und der schöne Schmelz, die sehr gute  Konzentration und die angenehm weiche Säure bilden gemeinsam mit einem gekonnten Holzeinsatz die perfekte Bühne für das Spiel der Frucht. Das Holz erzeugt einen dezent süßen, leicht vanilligen Eindruck, aber im Zusammenspiel mit der komplexen, tropisch-frischen Frucht und feuchten Gebirgssteinen passt das hervorragend. Wein bleibt lange haften, das Spiel geht klar in die Verlängerung 😉

 

 

2004 Valpolicella Classico Superiore, Giuseppe Quintarelli, Venetien

92 Punkte – unweit des Gardasees, mitten im Herzen von Venetien, liegt der überaus beschauliche Ort Negrar. Einer seiner berühmtesten und beliebtesten Einwohner war Giuseppe Quintarelli, genannt Bepi. Der grandfather des Amarone setzte in jeglicher Hinsicht auf Tradition und Qualität. Die Weine kamen bzw. kommen regelmäßig sehr spät auf die Flasche und wurden bis dato erst freigegeben, wenn Bepi sie für würdig hielt, genossen zu werden. Da wundert es nicht, wenn aktuell erst der 2004er Jahrgang im Verkauf ist – und das wohlgemerkt beim vermeintlich einfachen „Valpolicella“

Anderorts für Euro 1,99 als billiger Fusel erzeugt und verschleudert, ist der Valpolicella von Quintarelli der Archetyp dieses herrlichen Weins. Mit einer schönen, etwas transparenten, rubinroten Farbe steht er im Glas.  Die Nase erinnert an rote Waldbeeren, Knubberkirschen, Lorbeerblätter und feuchten Waldboden. Den Gaumen erfreut dieser wunderbare Valpolicella mit Aromen von reifen Pflaumen, Knubberkirschen (fast schwarz, süß, herzhaft und auch ein wenig bitter). Unterfüttert wird die ausdrucksvolle Frucht mit feinkörnigen, aber doch recht stammen Tanninnen, die Säure bringt Frische in den mit 15% Alc. nicht ganz leichten Stoff. Am Gaumen spielt er eine breite Klaviatur aus einer delikaten Frucht, feinen Gewürzen, Leder, erdigen Noten, Blut und Eisen. Er ist straff und hat viel Zug, aber er ist nicht schwer oder gar dick und mastig. Der Alkohol ist perfekt eingebunden, trotzdem sollte man sich keine ganze Flasche vornehmen – einerseits viel zu schade, andererseits schmeckt er auch die folgenden Tage ausgezeichnet. Nicht zu warm trinken, bei 16-18 Grad Celsius.

2010 Les Terrasses, Alvaro Palacios – Priorat

89 Punkte – Dunkles, kräftiges Kirschrot mit violetten Reflexen. In der Nase ein Korb von Pflaumen, Blaubeeren,  Kirschen und Graphit; dazu ein Touch Kakao aus dem Holz. Am Gaumen kräftige Tannine, eine schöne Frucht nach dunklen Beeren, Cassis, Schwarzkirschen und kühler Mineralik. Auch hier ein Touch ganz dunkle Schokolade (staubige 80% Kakao und mehr). Im Abgang kommen auch ein paar herbe Kräuter durch, kompakter, maskuliner Stoff, mit schönem Saft; voller Körper und gute Länge. Die Cuvee besteht gemäß der Angabe von Neil Martin aus 40% Garnacha, 45% Samso (das ist der lokale Kon von Carignan), sowie 10% Cabernet Sauvignon und 5% Syrah. Die meisten Rebstöcke sind alt, zwischen 60 und 90 Jahren. Der Ausbau erfolgte zu 20% in neuen Barriques, der Rest stammt aus einer Zweit- und Drittbelegung. Wie alle Rotweine nicht zu warm trinken und etwas Luft geben. Sicherlich mit schöner Zukunft. Für 23 Euro im Flughafen Frankfurt gekauft, eine solide und leckere Geschichte.  Die Hand geht zum Glas, nicht zuletzt   auf Grund der schönen, gut balancierten Säure.

1995 Insignia Proprietary Red, Joseph Phelps – Napa Valley

95 Punkte – Im Jahr 1973 hat Joe Phelps eine Rinderfarm am Rande von St. Helena erworben und begonnen Weinreben zu pflanzen und das Weingut aufzubauen. Schon im Jahr 1974 gab es den ersten Insignia, einen Bordeaux Blend auf Cabernet Basis (im 1995 er Jahrgang 90% CS, 7% Merlot und 3% Petit Verdot). Lange Zeit bestand der Insignia aus Traubenmaterial von Vertragswinzern und den eigenen Weinbergen. Seit 2004 verwendet man nur noch guteigene Trauben. Als Grand Cru des Hauses finden nur jeweils die besten Tauben Eingang in die Cuvee. Die Lagen sind: Spring Valley Ranch Vineyard in St. Helena, Banca Dorada Vineyard auf der Rutherford Bench, Las Rocas und Barboza Vineyards im Stags Leap District, Yountville Vineyard im Oak Knoll District and Suscol Vineyard imSouth Napa Valley.

Eigentlich steht der 95er Jahrgang im Napa ein wenig im Schatten des Vorgängerjahrgangs, aber dieser Insignia dürfte aus 1994 kaum besser sein, denn er besitzt viel Struktur und ist für sein Alter in einer hervorragenden Verfassung. Die Frucht ist klar und ausdrucksvoll, erinnert zu Beginn an rot-schwarze Beeren, Cranberries, dazu kommt ein edles Holz, das sich perfekt integriert hat und mit einem ganz dezenten Vanille-Touch einen wunderbaren Beitrag zur delikaten Extraktsüße liefert. Am Gaumen feinsaftig, elegant und mit einer delikaten Süße und Würze ausgestattet. Die Tannine sind weich, aber präsent und die darunter liegende Struktur trägt die Frucht wie auf einem Schild; schönes Echo im Mund, tolle Länge.

2011 Riesling Große Gewächse – Berlin Riesling Cup

Der Berlin Riesling Cup ging dieses Jahr am Samstag, den 6.10. in seine fünfte Runde – und aus einem jungen, zarten Pflänzchen hat sich eine junger Baum entwickelt, dessen Jahresringe immer bedeutender werden. Martin Zwick hat mit dem Berlin Riesling Cup eine Plattform geschaffen, die es den Verkostern ermöglicht (unter sehr guten räumlichen und organisatorischen Bedingungen) stringent, aber doch in angemessener Ruhe eine handverlesene Auswahl der besten Großen und Ersten Gewächse des jeweiligen Jahrgangs zu verkosten.  Als vorteilhaft – gegenüber der sicherlich ebenfalls perfekt organisierten GG-Auftaktveranstaltung des VDP – haben sich zwei Dinge erwiesen. Die zusätzlichen 6 Wochen auf der Flasche haben die Rieslinge einerseits genutzt, um sich nach ihrer Füllung zu beruhigen und ihren Ausdruck weiter auszubilden, anderseits ist mit der angestellten Anzahl von  ca. 40 Großen Gewächse aus meiner Sicht die Grenze erreicht, was – trotz professionellstem Umgang mit den Weinen – die menschliche Sensorik seriös verarbeiten kann. Viele „Profis“ mögen mir widersprechen und sagen, dass 150 und mehr Weine an einem Tag erfassbar sind, doch diese These teile ich aus zwei Gründen nicht. Erstens besitzt diese Kategorie von Weinen eine so komplexe Struktur und einen so vielschichtigen Ausdruck, dass man ihnen mit 180 Sekunden Verkostungszeit sowie 3,4 oder 5 Worten pro Wein und einem zugewiesenen Punktwert nicht gerecht wird. Zweitens bin ich davon überzeugt, dass die menschlichen Rezeptoren nicht so weit geschult werden können (egal wie oft man Degustationsmarathons durchläuft), dass sie ab einer gewissen Penetration nicht abstumpfen und  man im Ergebnis nur noch die aromatischen Hoch- und Tiefpunkte erfasst. Im Ergebnis führen Massenverkostungen zu „Punktebrei“, also einer Punktsetzung um den bisherigen eigenen Durchschnitt. Der VDP täte gut daran, die Wiesbadener Veranstaltung nicht nur gewohnt professionell zu organisieren, sondern auch von den Verkostern, Journalisten und Einkäufern etwas mehr Zeit zu verlangen – schließlich haben die Winzer sehr viel Arbeit, Zeit, Geld und Inspiration investiert, derer man gerecht werden muss. Pro Tag ein Anbaugebiet wäre ideal, mindestens jedoch eine Verteilung auf 2 Tage ist erforderlich.

Nachfolgend nun meine persönlichen, höchst subjektiven Eindrücke anlässlich des diesjährigen Berlin Riesling Cups. Insgesamt waren 13 Verkoster am Tisch, wobei Martin Zwick als Veranstalter und einzig „Wissender“ bei dieser Blindverkostung nicht selbst gepunktet hat. Ebenso sind die Eindrücke von Tino Seiwert, Miteigentümer und Geschäftsführer von Pinard de Picard – wegen möglicher Interessenkonflikte – nicht in das offizielle Ergebnis eingeflossen. Darüber hinaus galt ein recht strenges Verkostungsreglement, z.B. durfte über den verkosteten Wein erst „gequatscht“ werden, wenn alle ihre Bewertung fertig hatten, sodass weder eine gruppendynamische Euphorie noch ein kollektiver Verriss durch gegenseitiges „Unterbieten“ möglich war.

Insgesamt präsentierten sich die Großen Gewächse des Jahrgangs 2011 in einer sehr guten Verfassung und mit einer für diese Phase beachtlichen Zugänglichkeit.  Diese Verkostung hat richtig Spaß gemacht, denn einerseits lassen die Ergebnisse erkennen, dass die deutsche Winzerelite reif ist für den Weinolymp oder zumindest keine Probleme haben dürfte, um in der Champion League zu bestehen. Das Qualitätsstreben der letzten Jahre manifestiert sich von Jahrgang zu Jahrgang, sowohl in der Breite, als auch bei einzelnen Spitzenwinzern. Die Früchte ernten aber nicht nur diese Spitzenwinzer, deren Große Gewächse preislich seit Jahren nur die nördliche Richtung kennen. Für viele junge Winzer ist dies sicherlich Ansporn weiter auf Qualität zu setzen und immer noch ein bisschen mehr zu wollen.

Wie bereits gesagt, zeigt der Jahrgang 2011 bereits in seiner heutigen Jugend eine beachtliche Trinkigkeit und ich hätte mir sehr an diesem Abend gewünscht, nicht konsequent spucken zu müssen – was ich dann nach  24 Uhr und über 40 „Spucks“ später auch getan habe. J

Absolut outstanding in der Top-Liga der Großen Gewächse sind für ich dieses Jahr die Weine(!) von Schäfer-Fröhlich. Sie sind – trotz Ihrer ungestümen Spontangäraromatik – innerlich so unglaublich kraftvoll, präzise und klar, als ob sie mit besten Werkzeugen, handwerklich perfekt, aus einem Stein gemeißelt worden wären.  Selbst Klaus Peter Keller muss sich wohl geschlagen geben, wenn auch die Abtserde im Wettstreit um die Jahrgangskrone ein gewichtiges Wort mitreden dürfte (G-Max war nicht angestellt).

2011 Norheimer Dellchen Riesling Großes Gewächs, Hermann Dönnhoff – Nahe

87-90 Punkte: Der erste Wein ist einer solchen Verkostung ist für mich immer besonders schwierig, da ich mich einpegeln muss – und so ist dieser Wein auch der einzige, den ich am Ende der Probe nochmals intensiv nachverkostet habe und den ich daher mit einer Punktbandbreite angebe. Wie der Name schon sagt, wächst das Dellchen in einer „Delle“ – vertikalen Felsmulden in den sich – parallel zum Ufer der Nahe – erhebenden Felsformationen. Die Böden sind geprägt durch Schiefer und Porphyr, vulkanischem Verwitterungsgestein.

Helle Farbe mit grünlichen Reflexen. Klare, recht kühl wirkende Nase, getrocknete Wiesenkräuter, aber auch ein Touch Honig, was bei mir den Verdacht aufkommen lässt, dass auch ein paar boytritisbehaftete Träubchen mitvergoren wurden. Eigentlich bei diesem Jahrgang eher unwahrscheinlich, doch auch am Gaumen bestätigt sich der Eindruck. Der Wein ist im Kern konzentriert und kraftvoll, trotzdem eher leise und leicht im Trunk.  Erkennbar klare Mineralität und mittlere Länge.

2011 Westhofener Kirchspiel Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

90 Punkte – Die Nase wirkt sehr rein und klar, noch etwas verhalten. Einen ganz anderen Eindruck vermittelt der Wein am Gaumen, zunächst überraschend offen, dichte, hocharomatische Frucht von gelben Früchten, Steinobst, weiche Textur.  Mit mehr Luft (und wenig Wein im Glas) dringt die tiefer liegende Mineralität durch, dann wird der Wein animierender, Aromen von Zitronenschalen, der Wein gewinnt an Klarheit und Präzession.  Ich bin mir sicher, dass der Wein in diesem jungen Stadium einfach ein paar Stunden in der Karaffe gebraucht hätte, um sein Potential auszuspielen.

Lieber Martin, das ist wohl der einzige Verbesserungsvorschlag fürs nächste Jahr: alle Flaschen morgens oder noch besser, am Tag vorher aufziehen und belüften; Platz für 40 Karaffen hat wohl keiner  😉

2011 Forster Pechstein Riesling Grand Cru (Großes Gewächs), Weingut Bürklin Wolf – Pfalz

92 Punkte – Zupackender Stoff, kraftvoll und dicht, leicht salzige Mineralität, voller Körper, wirkt sehr klar – auch durch die resche Säure (wie die Südtiroler Freunde so etwas liebevoll beschreiben), auf Kante genäht, aktuell stehen die Komponenten noch ziemlich nebeneinander, braucht Zeit zur Harmonisierung. Dürfte weiter gewinnen.

2011 Forster Pechstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Bassermann-Jordan – Pfalz

89 Punkte – etwas reduktive Nase, Noten von Waldmeister und weißen Johannisbeeren, wirkt sehr klar. Am Gaumen  engmaschig und ziemlich konzentriert, dabei sehr griffig, fest und mineralisch. Zeigt noch recht wenig Spiel, bleibt aber mineralisch lang am Gaumen. Könnte in 2,3 Jahren deutlich höher reüssieren.

2011 Monzinger Halenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe

95 Punkte – Ahhh, mon Dieu! Noch von der Hefe geprägte, kühle Nase, darunter liegen Noten von grün-gelbem Steinobst, Citrusnoten und Johannisbeeren; deutlich kräutrige, pflanzliche Aromen. Am Gaumen viel Kraft, Saft und vibrierende Spannung; kein Bodybuilder, sondern eher eine Mischung aus 10-Kämpfer und Marathonläufer. Sehr klar, pur und mineralisch (auf meinem Zettel steht „abartige Mineralität“), Steinpuder, große Tiefe – hält die Spannung bis in den laaaaangen Abgang. Ein Wein zum „Ablutschen“ – I love it.

2011 Siebeldingen Im Sonnenschein „Ganz Horn“ Riesling Großes Gewächs, Ökonomierat Rebholz – Pfalz

89 Punkte – Erstaunlich weiche, blumige Nase,  Birnen, süße Früchte, aber auch pflanzliche Aromen (grüne Erbsen). Am Gaumen eine eher dralle Schönheit, dicht und mit üppiger Fülle – ein Wein im weiten Gewand – und trotzdem mit Struktur. Dieser Riesling hat von allem viel, ein Füllhorn, die Säure passt dazu, trotzdem aktuell nicht my cup of tea; in der Länge kann er zulegen.

2011 Hochheimer Hölle Riesling Goldkapsel, Weingut Künstler – Rheingau

93 Punkte – Vielschichtig, verspielte Nase, mit Noblesse. Am Gaumen viel Druck und Zug; viel Extrakt, dennoch sehr frisch; die wirklich schöne Säure spielt mit dem „bissl“ Restzucker wunderbar. Insgesamt tief und rein in der Frucht, angenehmen Mineralik, hat Grip, aber auch Schmelz; sehr gut balanciert, mit toller Länge – macht Lust auf den nächsten Schluck.

2011 Westhofener Morstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Wittmann – Rheinhessen

93 Punkte – Noch unruhige, aber Konzentrierte Nase, Zitrusfrüchte, kalte kräutrige Würze, tief! Am Gauen sehr strukturbetont, fest und stoffig – packt zu; passt in seiner Art und seiner Mineralität in diesem Zustand auch in die Wachau. Voller Extrakt, saftig, aktuell mit einem kleinen, würzigen Bitterle am Ende. In diesem Zustand noch ziemlich unruhig und schwer zu verkosten, braucht unbedingt mehr Zeit, hat aber Potential noch deutlich zuzulegen.

2011 Westhofener Morstein Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

94+ Punkte – Noch etwas unruhig – mit leichter Gäraromatik. Mit Luft entwickelt sich langsam eine superklare, tiefe Aromatik. Am Gaumen schlank und kraftvoll zugleich, tiefer Ansatz, schöner Zug, Figur eines Langstreckenläufers (der zur Abkühlung in einen Gletschersee springt), sehr kalkige Mineralität, dürfte komplett spontan vergoren sein -braucht aktuell unglaublich viel Luft, um seine Klasse auszuspielen. Im Keller auf die Seite legen, einer der ganz wenigen Weine der Verkostung, der in seinen Kindertagen wenig Sinn macht, das Potential ist aber riesig.

2011 Dorsheimer Burgberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Diel – Nahe

87 Punkte – noch etwas Kohlensäure, fest gewirkter Duft mit Citrusfrüchten, gelbem Steinobst, ein wenig dropsig; ungewöhnliche Klebernoten (noch von der Gärung). Am Gaumen wirklich jung, recht kompakt, die Frucht kommt noch nicht richtig aus der Deckung; die Mineralik spiegelt sich in zarten Kräuteraromen wider; spielt eher auf der leisen Aromen-Klaviatur. Sicherlich schöne Anlagen, die brauchen aber noch etwas Zeit und heute eben nicht mehr als 87 Punkte.

2011 Nackenheimer Rothenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen

94 Punkte – Dichter und zugänglicher Duft nach gelben Früchten, dazu  deutlich kräutrig-mineralische Noten, wunderbar verwoben, viel Spiel. Am Gaumen geschmeidige Oberfläche, darunter viel Saft und Kraft. Schöne Dichte, sehr kompakt, viel Frucht, hat trotzdem schon Spiel – oder anders gesagt: hat von Allem etwas, auch eine mineralisch-salzige Komponente. Richtig guter Stoff, zeigt Klasse bis ins lange Finale.

2011 Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Rudolf Fürst – Franken

89 Punkte – kühler Ansatz, klar und fein. Eher zurückhaltender Stil, trotzdem ist alles auf dem Platz, wo es hingehört, sehr frisch, schöne Frucht, auch mit Mineralik; schöner, feiner Saft, eher schlank. Gut eingebaute Säure; gute Länge; eigentlich müsste er eine „9“ vorne haben bei den Punkten, aber mir fehlt irgendwie die persönliche Note, ein wenig Inspiration.

2011 Erbacher Marcobrunn Riesling  Erstes Gewächs, Schloss Schönborn – Rheingau

89 Punkte – umwerfende Fruchtnase, viele weiße und gelbe Steinobstnoten, exotische Anklänge, Maracuja, aber auch vegetabile Aromen. Hat noch etwas Rest-kohlensäure, viel Extrakt, saftige Frucht, ausgeprägtes Säure-Süße-Spiel, zum Schluss kommt eine leicht salzige Mineralik durch. Gute Länge. Ein Bekenntnis seiner Herkunft.

2011 Dorsheimer Pittermännchen Riesling Großes Gewächs, Weingut Diel – Rheinhessen

95 Punkte – Eine Tüte voller frischer Äpfel; rauchig-kräutrige Noten; tiefe, animierende Rieslingnase. Unglaublich tiefer und klarer Ansatz, sehr rein, salzig-erdige Mineralik, kompakt und dicht, viel innere Kraft und Spannung – jedoch ohne jede Schwere. Getrocknete Kräuter, Zitrusnoten, Apfelschalen, würzig; einen Hauch von Gerbstoff, viel Spiel. Ein kühler Intellektueller und kein Männchen, sondern ein echter Mann und Gentleman mit zart schmelziger Oberfläche und komplexem Charakter. Hinterlässt lange Spuren – sprich tolle Länge.

2011 Westhofener Brunnenhäuschen Riesling Großes Gewächs, Weingut Wittmann – Rheinhessen

94 Punkte – Was für ein stolzer Geselle, in alten Zeiten hätte man ihn wohl geadelt – „von Wittmann“! Kühl, straff und ungemein reintönig – sehr tief. Kräutrig-mineralische Würze in der Nase, dazu komplexe Zitrus- und Steinobstnoten. Am Gaumen gemahlene Steine, glockenklar und hervorragend strukturiert, dicht. Ganz ausgezeichnete aromatische Tiefe, zupackend, ja fordernd, mit viel innerer Spannung, vibrierend, lebendige Säure.  Sehr komplexer Stoff, der jedoch noch ungemein jung ist und seinen geneigten Genießer zum „Steinelutscher“ werden lässt.

2011 Deidesheimer Langenmorgen Riesling Großes Gewächs, Weingut von Winning – Pfalz

94 Punkte – Feinfruchtig Noten, sehr würzig, Feuerstein, noch etwas unruhige Nase. Am Gaumen sehr zupackend, druckvoll und saftig; sehr fest gebaut. Aktuell zeigt der Wein sehr mineralisch betont, würzig-salzig, schöne Tiefe. Mit gefällt besonders gut die sehr tiefe Mineralik, die am Gaumen wunderbar durch einen zarten Schmelz abgefangen wird; schönes Säurespiel. Tolle Länge. (Wenige Wochen später auch Pechstein und Kirchenstück verkostet, für mich bleibt’s dabei: im 2011er Jahrgang ist der Langenmorgen erste Wahl bei von Winning)

2011 Westhofener Abtserde Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

96+ Punkte – Noch etwas unruhige, hefige Nase, rauchig-würzig, an Feuerstein erinnernde Nase, dazu Noten von weißen Blüten, Pomelos und anderen Zitrusfrüchten. Am Gaumen eine vollkommen klare, ja, gletscherklare und transparente Aromatik, so präzise wie die Nr.1 von  A.Lange und Söhne aus Glashütte. Am Gaumen sehr dicht und kraftvoll, mit „schmutziger“ Mineralität, Kalkstein pur. Dieser Riesling ist für ein langes, langes Leben gebaut, Lage um Lage ist einzeln aufgebaut, hervorragende Struktur, total präzise und klar. Neben aller Mineralik, die diesen Riesling prägt, bildet ein grandioses Säure-Süße-Spiel den Hintergrund, auf dessen Grundlage jedes einzelne Aroma ein virtuelles Solo vollziehen kann. Mit genügend Ruhe reift hier ein Meisterwerk heran; das Eleganz und Virtuosität zu vermitteln mag. Grandioser Stoff.

2011 Niersteiner Pettenthal Riesling Großes Gewächs, Weingut Kühling-Gillot – Rheinhessen

93 Punkte – Auffallend dunkle Aromen im Bukett für einen Riesling, hochreife und feinwürzige Frucht, Tabakblätter, feuchte Waldwiese nach einem Regen, kühler Ansatz, trotzdem noble Art. Am Gaumen saftig und dicht; mit tollem „Dekolleté“ und weicher, feinschmelziger Oberfläche. Satte, fruchtig-würzige Aromatik, sehr tief und konzentriert, reintönig und nachhaltig. Wirkt jetzt schon angenehm trinkbar und balanciert, hat trotzdem eine große Zukunft auf Grund allerbester Anlagen. Tolle Länge.

2011 Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Großes Gewächs, Weingut Dönnhoff – Nahe

93 Punkte – deutliche Gäraromen, getrocknete Kräuter, in der Aromatik noch recht verhalten. Am Gaumen sehr klar und präzise, sehr tief und strukturbetont; viel innere Kraft und Grip, packt zu. Insgesamt sehr klar und präzise Stilistik, transparent, Touch vom Gerbstoff, kräutrig-mineralisch, wirkt sehr geschliffen, braucht mehr Luft und Zeit, resche Säure, tragender und langer Abgang. Aristokratisch.

2011 Mölsheimer Zellerweg am Schwarzer Herrgott Riesling Großes Gewächs, Weingut Battefeld-Spanier – Rheinhessen

93 Punkte – konzentrierte Nase von getrockneten Kräutern und Steinobst, erdig-mineralisch. Dicht und kompakt am Gaumen, herrlich „unaufgeregt“ – hat eigentlich alles, was ein großer Riesling benötigt, tief, betont kalkige Mineralik, gelbfruchtig und mit  schönem, seidigem Schmelz, kühler Eindruck. Braucht ein wenig Zeit, um seine tollen Anlagen noch zu harmonisieren.

2011 Bockenauer Felseneck Riesling Großes Gewächs, Weingut Schäfer Fröhlich – Nahe

96 Punkte?? – GONG – voll auf die Zwölf! Sehr deutliche, würzige Aromen der Spontanvergärung, mit einer ordentlichen Portion Schwefel erinnert er an Sylvester kurz nach zwölf; Feuerstein. Dahinter steckt jedoch eine energiegeladenen, vibrierender Stoff, bei dem jedes einzelne Teilchen in eine andere Umlaufbahn möchte. Dicht, satt, mit kräftiger Säure – ungemein rassig, ein Araberhengst, der galoppieren möchte, aber seine Kraft noch nicht richtig dosieren kann und weiter ausgebildet werden muss. Wenn er nach dieser ersten, noch etwas unruhigen Jugendphase seine PS auch nachhaltig auf die Straße bringt, dann ist es womöglich der größte Wein des Jahrgangs. Das kann pure Ästhetik werden, denn zu der – unschwerlich zu erkennenden – power kommen auch schon jetzt ein Verspieltheit und eine, ja, tänzelnde Art, die nur erhabene Pferde haben. Kühl, sehr mineralisch, Steinmehl, dazu klare, transparente Fruchtaromen, herrlich langer und facettenreicher Abgang.

2011 Wiltinger Gottesfuß Riesling Großes Gewächs, Weingut van Volxem – Saar

93 Punkte – kräutrige Spontangäraromennase (ein wunderbares Wort für Galgenmännchenspiel), dichter Aromatik, hochreifer, leicht süßer Eindruck von gelben, kandierten Früchten mit einer schönen Zitrusaromatik und kräutrigen Mineralik unterlegt. Am Gaumen stoffige, saftige und nachhaltige Frucht, überwiegend gelbes Steinobst; dazu tabakige und kräuterwürzige Anklänge.  Tief und mit schönem, mineralischem Kern; der schönen Extraktsüße und den paar Gramm Restzucker steht eine herrliche Säure gegenüber, die den Wein bis in das lange Finale hervorragend trägt. Ein Wein zum Lutschen.

2011 Ruppertsberger Gaisböhl Riesling Grand Cru (Großes Gewächs), Weingut Bürklin-Wolf – Pfalz

89 Punkte – In der Nase augenblicklich etwas verhalten, Anklänge von gelben Früchten und weißen Blüten. Dicht und sehr rein, auch durchaus kraftvoll, doch die Säure steht aktuell etwas außen davor. Gute Konzentration; ordentliche, kräuter-würzige Mineralität. Sehr gute Anlagen, die sich – um den 90er Ochser zu überspringen – noch ein bisschen besser vermählen müssen, andererseits schon jetzt in der Frucht sehr zugänglich.

2011 Schloss Johannisberg Riesling Erstes Gewächs, Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg – Rheingau

91 Punkte – Klare und reintönige Rieslingnase, gelbes Steinobst, Zitrusnoten, etwas getrocknete Kräuter. Am Gaumen dicht und kompakt; viel Zug; schöne straffe Mineralität, viel Stoffigkeit, dabei klar, kühl und kompakt; wirkt fast monolithisch, toller Rheingauer Vertreter.

2011 Eschendorfer Lump Riesling Großes Gewächs, Weingut Sauer – Franken

89 Punkte – Feine kräuterwürzige Aromatik in der Nase, Zitrusaromen, am Gaumen würzig-pikant, getrocknete Kräuter, klar und griffig, schönes Säure-Süße-Spiel, wobei die Säure herrlich pikante Akzente setzt. Reintönige Frucht, griffig und fest. Macht jetzt schon richtig Freude, trotzdem mit deutlichen Reserven. Toller, von Klarheit und Länge geprägter Abgang.

2011 Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Erstes Gewächs, Weingut Balthasar Ress –
Rheingau

90 Punkte – sehr ungewöhnliche Nase, noch von Gäraromen geprägt, vegetative und würzige Anklänge, Brennnessel. Am Gaumen extraktstark, würzig, ebenfalls vegetative Aromen, erinnert im Stil an die Weine von Peter Jakob Kühn, längere Maischestandzeit?? Hat durchaus Tiefe, Druck und Komplexität, nur ist das Arombenbild nicht typisch Rheingau; wirkt ein wenig alkoholisch. Nach der Verkostung sehr kontrovers diskutiert, mit 90 Punkten hatte ich den höchsten Wert unter 11 Verkostern; Mittel bei 87,67 Punkten.

2011 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling Großes Gewächs, Weingut Emrich-Schönleber – Nahe

92 Punkte – feinfruchtiger Riesling, gelbe Früchte, noch recht dezent kräutrig-mineralische Anklänge in der Nase. Am Gaumen schöne, nicht aufdringliche Dichte, ordentliche Tiefe, mit eher hintergründiger Mineralik, wirkt sehr klar und transparent, mit feiner Salzigkeit und Würze. Präzise gearbeitet. Der Abgang ist nachhaltig und die bislang eher hintergründige Mineralik tritt hervor und bleibt lange am Gaumen haften. Insgesamt etwas femininer als Bruder vom Halenberg, aber jetzt schon mit mehr Harmonie und Trinkigkeit.

 

2011 Niersteiner Pettenthal Riesling Großes Gewächs, Weingut Keller – Rheinhessen

95 Punkte – Ein noch unruhiger Geselle, die Nase ist noch geprägt von Gäraromen, sicherlich spontan vergoren, auch zeigt er einen Hauch von Kohlensäure. Dann aber kommt’s wild und zupackend mit „schmutziger“ (Schiefer-?)Mineralik. Auf der einen Seite packt dieser Stoff richtig zu, andererseits schreit er laut nach Luft. Außerordentlich gut gefällt mir die rauchige Salzigkeit und die strukturbetonte „Bauart“ sowie die Transparenz und Klarheit in den Aromen. Sehr druckvoll, eine Mischung aus Steinbruch, Wiese und Nordseestrand. Als ich im Nachgang erfuhr, dass wir Kellers Pettenthal im Glas hatten, kann ich einmal mehr belegen, dass die Handschrift des Winzers mehr Einfluss hat, als die reine Lage/ das Terroir. Das Pettenthal von Kühling-Gillot brillierte mit den seidigen, eleganten, aber doch etwas üppigen Rundungen, während Klaus Peter Kellers Ausgabe sich eher wie ein Erster Tänzer – a la Carsten Jung  – aus John Neumeiers Ballet Compagnie (kraftvoll, austrainiert, körperbetont und trotzdem filigran und elegant http://www.ndr.de/kultur/buehne/ballettoscar101.html ) präsentiert. Gemeinsam ist jedoch Rieslingen aus dem Pettenthal beiden, dass sie zu den ganz großen Weinen des Jahrgangs gehören.

2011 Forster Kirchenstück Grand Cru (Großes Gewächse), Weingut Bürklin Wolff – Pfalz

89 Punkte – Auf dem Papier und im Preis hatten wir das edelste und teuerste Pferd aus dem Stall von Bettina Bürklin-von Guradze vor uns. Doch wie das manchmal so ist, unterliegen auch die besten Pferde Schwankungen. Dieses Jahr konnte mich das Kirchspiel nicht überzeugen. Die Nase ist kühl und eher verhalten, feine Fruchtanklänge von Steinobst und diversen Zitrusfrüchten. Am Gaumen sehr klar, straff und sehnig, sehr animierend, frisch und rassig, fast ein wenig zu resch in der Säure. Dieser Wein belebt die müden Geister mit einer nachhaltigen und erdigen Mineralität; mit etwas mehr Fruchtextraktion- und reife würde er mir noch besser gefallen und dann sicherlich auch flott und geschmeidig über die 90-Punkt Grenze galoppieren.

2011 Oestricher Doosberg „Landgeflecht“, Weingut Peter-Jakob Kühn – Rheingau

91 Punkte – Die biodynamisch erzeugten Rieslinge von Peter-Jakob Kühn sind stets besondere Vertreter ihrer Art und die halbe Weinwelt reibt sich an ihnen, so kommt es auch, dass selten die Kritiken weiter auseinander gehen. Doch ich gestehe gerne, dass ich diesen ursprünglichen Stil sehr schätze und mir privat jedes Jahr ein paar Fläschchen hinlege, denn der Genuss braucht hier Zeit. Der Landgeflecht kommt aus zwei spieziellen Parzellen im Oestricher Doosberg und mit zwei gutseigenen „Träubchen“ ausgezeichnet, gehört er in die zweite Reihe des Weinguts. Peter Jakob Kühn vergärt ausschließlich spontan und lässt seine Rieslinge meist auch die „Malo“ durchlaufen. Der Landgeflecht aus 2011 ist noch sehr, sehr unruhig am Gaumen, im ersten Moment ein etwas unwirklicher Eindruck in der Nase, eine Kombination aus Apfelbrei und Brausepulver. Doch die Klasse des Rieslings liegt hinter „diesen“ Spontiaromen. Da gibt’s viel gelbe Früchte, Brioche, Apfelmus und sehr würzige-mineralische Anklänge sowie einen wunderbaren Schmelz mit etwas Sahnetoffee. Fazit: Ein außergewöhnlicher Riesling, aber einer der sich lohnt – und vielleicht sogar den Wein-Erlebnishorizont zu erweitern vermag. Schöne Länge.

2011 Nieder-Flörsheim Frauenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Battenfeld-Spanier – Rheinhessen

91 Punkte – Würzig-mineralischer Duft, sehr klare und reintönige Rieslingnase. Am Gaumen körperreich, schöne Saftigkeit, ebenfalls reintönig und ziemlich präzise. Etwas kräutrige Mineralik, lebendige Säure, aber insgesamt erstaunlich harmonisch und im positiven Sinne unaufgeregt; angenehmer Schmelz, etwas vom Holz geprägt. Angenehme Tiefe, letztlich hat er ganz viele gute Eigenschaften, aber irgendwie fehlt mir noch etwas mehr Inspiration, das Besondere, damit er die hohen Weihen von deutlich über 90 Punkten erlangen kann.

2011 Schloßböckelheimer Felsenberg Riesling Großes Gewächs, Weingut Schäfer-Fröhlich – Nahe

94 Punkte – Deutliche Spontannoten, auch Schwefel, dahinter aber klar, herrlich tief und dicht, dabei mit einer feinen Frucht von z.B. reifen Zitrusfrüchten und jungem Steinobst. Am Gaumen, sehr komplex und lebendig, mit hervorragender Tiefe und vitaler, aber feiner Säure. Laserstrahl präzise, sehr fokussiert, kompakt und zupackend. Dieser Stoff beschäftigt Gaumen und Geist, da vibriert, rüttelt und schüttelt es mich, wenn ich einen Schluck nehme. Zarte Fruchtaromen, viel kräutrig-pflanzliche und florale Anklänge, eine komplexe Mineralität und sehr viel Lebendigkeit machen dieses Große Gewächs wirklich groß. Diese Lebendigkeit und die kraftvolle, animierende Art begeistern mich – hier wirkt alles homogen und miteinander verwoben. Ein Spitzensportler, mit klarer Präsenz und perfektem shape. Kilometerlang.

2011 Birkweiler Kastanienbusch Riesling Großes Gewächs, Ökonomierat Rebholz – Pfalz

90 Punkte – Feine Fruchtnase mit grünen, leicht kräutrigen und grün-vegetabilen Anklängen, frischer Waldmeister. Am Gaumen runder Ansatz und saftige, leicht süßliche Frucht, dabei fest und mit angenehmen Druck; deutlich würzige Anklänge, besitzt Spiel. Die Oberfläche hat einen schönen Schmelz und im Abgang spielen fruchtige Anklänge miteinander, ein Hauch von Karamell und Süße. Insgesamt ein schöner  Riesling, der eher den gemeinsamen Auftritt mit einem tollen Essen sucht als allein die Bühne zu rocken.

2011 Rauenthaler Nonnenberg Riesling Erstes Gewächs, Weingut Breuer – Rheingau

92 Punkte – Schöne dichte und betont fruchtig-mineralische Nase, eine herrliche Kombination aus gelbem Steinobst und mineralisch-kräutrigen, teilweise auch pflanzlichen Aromen. Am Gaumen dichte und straffe Art, frische Frucht, feiner Saft, rote Früchte, weiße Pfirsiche, Melone, ein Hauch würzig, Kirschkerne, fest gewirkt, wirkt einerseits sehr jung, doch andererseits zeigt er bereits in seiner Jugend eine auffällig schöne Harmonie. Die recht resche Säure ist mit ausreichend Extrakt und einer dezenten Süße gut abgepuffert. Die aromatische Tiefe macht bereits jetzt viel Spass, doch der Wein hat viel Potential für ein langes, genussstiftendes Leben. Toller Rheingau-Riesling.

2011 Königsbacher IDIG Riesling Großes Gewächs, Weingut Christmann – Pfalz

92 Punkte – dichte, feinwürzige Nase, reife Frucht von Steinobst. Am Gaumen ziemlich ausladend, kraftvoll, saftig und fest gewirkte Mineralik. Weiche, ein wenig cremige Oberfläche, am Tisch wurde später ein Panther ins Spiel gebracht, aber wohl eher frei nach dem gleichnamigen Rilke-Gedicht, das einen Panther in der Pariser Zoo-Gefangenschaft beschreibt. Auch hier ist Kraft, Saft und mineralische Muskel-(Extrakt-)power reichlich vorhanden, aber alles wartet darauf, befreit zu werden, um sich zu entfalten. Dieser junge Panther hat tolle Anlagen, auch und gerade wegen seinem recht weichem „Fell“ macht er jetzt Freude, aber man sollte ihn voll auswachsen lassen und dann freie Bahn geben. Gute Länge.

tbc

2008 Vrucara, Feudo Montoni – Sizilien

92 Punkte – Vinea-Weinhandel schreibt zu diesem Wein: „Aus seinem sizilianischen Weingut zwischen grünen Hügeln und Weizenfeldern hütet Feudo Montoni das Geheimrezept des Original Nero d’Avola, der sonst nirgendwo auf der Insel zu finden ist. Das gelingt ihm, weil seine Weine zurückgehen auf einen ganz besonderen Klon ohne genetische Mutation seit seiner ersten Zucht im Jahr 1469. Deshalb gibt es ihn noch heute: Einen Wein, der besticht durch seine perfekte Ausgewogenheit von fruchtigen und würzigen Aromen. Sein tiefes, rubinrotes bis violettes Kleid verspricht noch mehr Geheimnisse…“

Da mag hier und da ein wenig Werbung mitschwingen, eines ist jedoch sicher. Dieses Weingut schaut auf eine über 600-jährige Geschichte zurück – und, in der Tat die Klone sind besonders, sie verdienen den Begriff „autochton“. Der heutige Besitzer dieses historischen Weingutes, Fabio Sirenci, ist dagegen „erst“ Weingutsbesitzer in der dritten Generation. Die 73ha Weinberge, die er sein Eigen nennt, befinden sich im Herz von Sizilien, in der Umgebung der Contrada Monti Vecchio (Provinz Cammarata). Die Reberziehung dieser über 50-jährigen Weinstöcke erfolgt ebenso traditionell wie der Ausbau seines Weins modern ist. Die traditionelle Buscherziehung, „Alberello“, scheint genauso ein Schlüssel zum Erfolg dieses Weines wie der moderne Ausbau in französichen barriques. Die Vergärung der Nero D’Avola Trauben erfolgt spontan in offenen Holzbottichen. Der fertige Wein kommt dann anch dem Holzausbau ungeklärt und ungefiltert auf die Flasche.

Der Leiter der Sommeliersvereinigung auf Sizilien betreibt einen kleinen Weinhandel in Acireale. Anlässlich meines letztjährigen Urlaubs dort, habe ich mir dort ein Weinpaket für den Versand nach Deutschland zusammenstellen lassen und dieser Nero d’Avola wurde mir besonders ans Herz gelegt. Heute dann getrunken ist er schlicht der Beste Nero d’Avola, denn ich bislang im Glas hatte.

Diese Selection alter Nero d’Avola Reben  mit dem Namen „VRUCARA“ hat viel Kraft und Charakter. Nicht zu warm getrunken (18° Celsius) ist der Wein in der Nase ideal – ein Potpourri von Pflaumenkonfitüre, Goudron bis hin zu Noten von einem sehr guten Balsamicoessig und Gewürzen. Am Gaumen urwüchsig, kantig  und doch ansprechend harmonisch zugleich. Im ersten Moment – wow – Bitternoten, würziger Tabak, wirklich dunkle Früchte; schwarze Kischen, schwarze Oliven, herrlich komplex, aber auch unglaublich maskulin. Vielleicht hat dieser Nero d’Avola durch seinen barrique-Ausbau eine dunkle Seite der Macht!??  Die sonst so häufige gefällige, fette Fruchtsüße eines „Alltags-Nero“ fehlt ihm ganz – und das ist gut so!!!  Er spielt lieber den harten Kerl in einer mittelweichen Schale. Lang, soooooo lang ist der Wein, ein Stoff zum Ablutschen, ein Wein, den ich trinken möchte, wenn ich wilde Sachen gemacht habe. Dieser Wein ist ein Stück der Urwüchsigkeit von Sizilien, die man als rauh und schwarz – wie den Etna – bezeichen kann, aber mit einem großen Herz, das viel, viel Platz für Leidenschaft und Amore bereit hält. Fazit: Geiler Stoff für Nicht-Weicheier mit Hang zur Klasse.